Ausgabe 
24.12.1913 Erstes Blatt
 
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Sonderzüge mit Urlaubern.

(Sin schwerer Unfall stieß dem Dachdeckergehilfen

Karl Röhrig aus Gießen zn.

Er arbeitete an dem Dache

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** Militär-Sonderzü ae. In der Montag-vracht massierten von Straßburg nach Kassel und von Metz nach Kassel zwei Urlauberzüge unsere Station. Gestern mittag gegen 2 Uhr Ham ein Urlauberzug von Rastatt hier an, der bis Hannover weiter fuhr. In der letzten Nacht passierten unfern Bahnhof die drei letzten Sonderzüqe mit Urlaubern und zwar Berlin-Frankfurt a. M., Straßburg--Kassel und Wetz-Kassel.

gespiegelt hat, er hat es mit dem, das er als Schriftsteller den Teutschen zu sagen hatte, sehr ernst genommen, als müder, enttäuschter Mann har er darüber geklagt, daß er es mit seiner Vertiefung in Weltanschauungsfragen und mit seinem Nachdenken über Religion nicht )o gut gehabt habe als seine Berufsgenossen, die leichtfüßig schweren Pro­blemen aus dem Wege gegangen seien. Dennoch können wir seinem Urteil über Jesus nicht zustimmen. Eine kleine Anekdote wird niemals welthistorisch; denn die Welt­geschichte ist unerbittlich in ihrer Kritik. Was wissen wir heutzutage von Pythagoras, Zoroaster und Sokrates? Wir wollen ehrlich sein: höchstens, daß der letztere den Gift­becher getrunten hat. Wollen wir mehr über diese Weisen der Vergangenheit wissen, so schlagen wir das Lexikon auf. Jesus aber und darin liegt der Erweis seiner göttlichen Sendung und seiner Bedeutung für alle Welt und für alle Zeit ist von Jahrhundert zu Jahrhundert lebendige, er­fahrbare Wirklichkeit. Tie Kleinen, die bei der Bescherung der Kleinkinderschule sehnsüchtig nach den hölzernen Pferden und den Puppen schauen, kennen seinen Namen, die Hütte des Buschnegers wandelt sich, wo sein Evangelium ge­predigt wird, in eine Stätte des Familienglückes und der ernsten Arbeit, Millionen von kämpfenden, ringenden, ster­benden Menschen, Menschen, die ihre ganze Existenz zu­sammenbrechen sahen, haben in ihm Frieden befunden un haben mit Novalrs gesprochen: Was wär' ich ohne dich gewesen? Und rechte Weihnachtsfreude ist nicht da, wo man nur Geschenke anhäuft und in einer Fröhlichkeit, wie sie auch jeder andere Tag bringen kann, ein paar arbeits­stiller Wintertage zubringt, sondern too man das gött­liche Erbarmen preist, das uns den gesandt hat, der da ist der'Weg, die Wahrheit und das Leben. H. B.

: Fohlen hessischer Landwirte zugelassen. Tie Bestimmungen für die Auktion sowie die Anmeldeformulare versendet die Landwirtschaftskammer in Tarmstadt. Schlußtermin für die Anmeldungen ist der 24 Januar. Kataloge, welche zu­gleich als Eintrittskarten dienen, werden vorn 25. Januar ab gegen Einsendung von 50 Pfg. von der Landwirtschafts- tammer in Tarmstadt versandt.

** Die Preise für Schlachtvieh, welche äugen» tlicklich unsere Metzger anlegen, sind: Ochsen 9698 Mk., Rinder 9192 Mk., Kühe 2. Qualität 7880 Mk., 3. Qual, (sogenannte Wurstluhe 7074 Mk., itäfber 1. Qualität 9496 Mk., 2. Qualität 8792 Mk., Schweine 6871 Mk.

** Stadttheater. Aus der ant Samstag den 27. Dcz zur Erstaufführung gelangenden Operette Georg JarnosDas Musikantenmädel" seien neben den wirkungsvollen Fi­nales folgende Gesangsnuminern besonders hervorgehoben:Aus dem 1. Akt das AufttiicSlied der Reset (Frl. Martini^Ich bin ine Resel er mein Esel". Aus dem 2. Akt das Walzerlied3d- übe die Liebe, io hars Papa gemacht", gesungen von Frl. Rabe; dowi das Tuett ,,'offn süßes Walzerlied", gesungen von Frl. Martini und Frl. Rabe; weiter das TuettIch bin ein Mario­nettenmädel", gelungen von Frl. Martini und »ernt Grosser und das QuartettIn der Liebeskonkurrenz", wicdergegebcn von Frl. Somrtag-Blume, Frl. Rabe, Frl. Nathusius und Herrn Grosser Sicher wird die reizende Operette in der sorgfältigen aiustudierung, die ihr hier zuteil wurde, ihren durchschlagenden Erfolg wie überall erzielen.

** Oberhessischer Kunstverein. Tie Samm­lungen von Prof. Beyer, Anna Beyer-Becker (Darmstadt >, vom Block deutscher Künstler-Berlin, Georg Schäfer (Düs- seldorf), die erst iseit 2 Tagen ausgestellten Orig.-Zeich­nungen von Hermann Keil (Frankfurt) und das von E. T. Compton ausgestellte AquarellDie Gießener Hütte mit dem Zauberernock" bleiben nur noch 4 Tage ausgestellt. Die Ausstellung ist bis einschließlich nächsten Sonntag täglich, mit Ausnahme des 1. Weilmachtsfeiertags, geöffnet

** Rosselenker und Chauffeure, die gerade dienst­frei waren, begingen gestern nachmittag von 79 Uhr abends iur Hotel Len; eine kleine originelle Weihnachtsfeier. In der Hauptsache kam es den Leuten, die das Jähr über mit ihren Wagen am Bahnhof halten, darauf an, dem Wirt des Hotel Lenz und dessen Gattin, die die telephonischen Bestellungen von Wagen übermitteln, eine kleine Freude zu machen. Bei dieser Gelegenheck wurde ein hübsches Blumengebinde überreicht.

** Gewerb eausstellung Gieße n 1914. Nach denAusstellungs-Bedingungen" müssen die Anmeldungen zur nächstjährigen Gewerbeausstellung bis zum 1. Januar 1914 bewirkt sein. Bon diesem Zeitpunkt ab tritt, soweit Ausstellungsfläche überhaupt nocy vorhanden ist, eine Er­höhung der Ausstellungsgebühr ein. Die Anmeldungen sind so zahlreich eingelaufen, das; die hierfür ursprünglich vorgesehenen beiden Geschosse bei weitem nicht ausreichen. Weit über 100 Einzelberufe sind bereits zuqelassen, mit anderen sind Unterhandlungen noch im Gang. Es ist erfreu­lich, daß nicht nur das oberhessische Gewerbe sich an der Gc- werbeschau beteiligt, sondern daß auch zahlreiche Aus- teller aus den angrenzenden Gebieten ihr Können zeigen verden. Die Ausbesserungsarbeiten im Aussigllungsgebäude ind bereits in Angriff genommen. Das von Künstlerhand entworfene Plakat wird in Kürze versandt. An dem Entwurf ür eine Ausstellungsplalette arbeitet ein sehr geschätzter oberhessischer Künstler. Eine Gegenstände-Lotterie hat für Hessen Genehmigung gefunden, für ihre Zulassung in der Provinz Hessen-Nassau und dem Kreis Wetzlar ist die Ge- nehmigung nachgesucht worden. Die Ausstellungsleitung ist, um die Ausstellung möglichst vollständig, interessant und lehrreich zu gestalten, in den letzten Tagerr mit Erfolg be­müht gewesen, einerseits das für unser Oberhessen besonders charakteristische Kleingewerbe (Rechen- und Sensenwurf­macher, Spinnraddreher, Schindler usw.) heranzuziehen, andererseits auf der Ausstellung selbst das sog. Althandwerk, das in unseren Tagen nur noch vereinzelte Vertreter auf­weist (z. B. Nagelschmiede, Löffel- und Stockschnitzer usw.), in Tätigkeit vorzuführen. Tie Ausstellung soll nicht nur unterhaltend sein, sondern vor allem belehrend wirken und zu ernstem Studium anregen. Sie soll ein Stück Geschichte unseres hessischen Gewerbes bieten.

** Besitzwechsel. Das Doppelhaus an der Ecke der Hammstraße und Gabelsbergerstraße, bisher dem Bauunter­nehmer Bill gehörig und mit 65000 Mk. ortsgericht­licher Taxe bewertet, ging durch Zwangsverkauf für 60000 Mark an den Bauunternehmer H. W. Rinn über.

** Tageskalender. Stadttheater. Am 1. Weih- nnfblefeietfoge, abends 7/, Uhr: .Des "DleereS und der Vicbe Wellen." Am 1. Weihuackiskcierlaae, nndmt. 31/, Uhr: .Film- zanber"; abends 1% llbr: PTie spanische Fliege.^

" i ch t s p i e l h a n 5: Täglich Vorilellung.

Union-Theater: Täglich Vorstellung. (Dienstags und Samstags neues Programm.)

** Adreßbuch 1914. Das Adreßbuch der Stadt und des Kreises Gießen für das Jahr 1914 ist jetzt im Verlage der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei in der bekannten, einfachen und übersichtlichen Anordnung des umfangreichen Stoffes erschienen. Der Preis beträgt nur 3 Mark.

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** Ehren-Urkunoen von der Handwerkskam­mer z u D a r m st a d t. Nachdem die Handwerkskammer zu Darm­stadt beschlossen hat, an unselbständige Personen des Handwerker- l andes, welche 25 Jahre in ein und bem eiben Betriebe ununter­brochen tätig gewesen sind, als Anerkennung für die treue Arbeit, Ehren-Urkunden zu verleihen, haben auf cingercichte Anträge und nach Erfüllung der satzungsgemäßen Verleihungsbestimmungen 67 gelernte Handwerker Ehren-Urkunden erhalten, darunter aus Oberhessen folgende: Christ, Gg., Schneider zu Butzbach bei Braubach & Fischer, Färberei zu Butzbach; Ruppel, Gg., Gerber iu Butzbach bei Gg. Sparwasser I., Lederfabrikant zu Butzbach: Scheibel, Peter Josef, Maurerpolier zu Ober-Mörlen bei Th. Mör­schel, Baugcschäft zu Friedberg; Laporose, Gg., Lang, Gg., Hanitsch, Hch., Geisel, Michgel, Bauer, Aug., Marten, Wilh., Mül­ler. II., Hch, Winter, Louis, Hill, Wilh., Drechsler zu Alsfeld bei Auguit Ernst Waldeck, Pseifenfabrikant zu Alsfeld: Fritz II., Hch., Zimmerer zu Crainfeld bei Johs. Fritz jetzt Sebasttan Fritz II., immermeister zu Creinfeld; Nagel, Herm., Hutmacher zu Gießen bei Firma W. u. G. Schuchard zu Gießen; Nuhn II., Hch., Zim­merer zu Treis a. Lda. und Nuhn, Otto, Zimmerpolier zu Treis a. Lda. bei B. Nuhn, Zimmermeistcr zu Lollar; Kraft, Hch., Gerber zu Gießen bei Louis Lotz, Lederfabrik zu Gießen; Wagner, Phil., Maurer zu Baasen und Wahl, Hch., Maurerpolier zn Klein-Linden bec der Hoch- und Tiefbaugesellsck^ast Vorm. H. Winn, G. m. b. tz., ju Gießen: Bockenheimer, Joh., Dreher zu Harheim bei Firma xS- Knabenschuh jr. zu Frankturt a. M.: Schmidt, Hch., Steinmetz zu Grünberg bei A. «Leonhard, Steinmetzmeisker zu Grünberg. Anträge auf Verleihung an Weihnachten 1914 find von der ge­werblichen Korporation, welcher der Arbeitgeber angehört, bei der Handwerkskammer zu Darmstadt bis spctestens 1. November 1914 cinzureichen. Ten Anträgen ist ein ausführlicher Lebenslauf des zur Auszeichnung Vorgeschlagenen, sowie ein von dem Betriebs- Inhaber auHgeftelltcs, ortspottzeilich beglaubigtes Arbeitszeugnis, das gleichzeitig den Nachweis der 25jährigen ununterbrochenen Tätigkeit in ein und demselben Betriebe enthalten muß, sowie ein von der Polizeibehörde ausgestelltes Leumundszeugnis bet» zuschlicßen.

** D i e L a n d w i r t s ch a f k s k a rn rn e r für das Groß Herzogtum Hessen veranstaltet am 10. Februar 1914 in Tarmstadt die 3. Pferde- und Fohlen- auktion. Auf dieser Auktion werden nur Pferde und dies trifft auch für andere Läitder zu Mangel an Pflegs- personal bcpände. Tiefer könne nur durch die Ausbildung und Emftellung von Frauen analog der allgemeinen Wehrpflicht der Manner behoben werden. Nun, es besteht bei der bekannten Schwerfälligkeit nicht die geringste Aussicht, daß in absehbarer Zeit etwas derartiges oder auch nur ähnliches eingeführt wird. Wohl aber wurde diese Frage, nie der Deutschen Medizinischen Wockwrv- icl riit geichrieben wird, in der Lchwestermonarchie Ungarn eifrig erörtert. Ja, das ungarische Rote Kreuz hat bereits im Einver- nehmen mit der Regierung eine Gesetzesvorlage ausge>- arbeitet, die demnächst im Parlament zur Verhandlung kommen soll. Icach ihm werden die Frauen im Alter von 3040 Jahren im Krankenpflege eingezogen, nachdem sie im Frieden Nnd, sick. die dazu nötigen Kenntnisse zu erwerben. Natürlich find gewisse Befreiungen möglich. So z. B., wenn der Furiorge bedürftige Kinder vorhanden sind. Auch eine Ablösung burd; einen 1 Prozent Zuschlag auf die Steuer ist geplant, womit allerdings wieder sehr viel an diesem vernünftigen Gesetz illu- lorisch wird.

. «." g c l u n b Stark st romleikung. Aus Görlitz

-'' September wurde berichtet: Von einer förmlichen Kata- Itropbc Unirbe bei Heidersdorf ein riesiger, nach dem Süden Ehender Schwarm ^-tare betroffen. Ter größte Teil des Schwor- mr- bPU der Ueberlandzenttale in Berührung,

Ln pi.Lb^t?rrC/CrrU '^erren getötet würden. Ein Mann sand ?!!> C 0 CtK T-00 tote etare. Den meisten Tieren waren

die Flügel,pitzen und die Futze abgebrannt. - Unter Beifügung ni hm o lLS1"5 .^btlsckie Elektrizitätswerk Chemnitz ,Ä??°^rcln Sächsischer Hermatschntz in Dresden: Bei- gefaltet uberreickwn mir Ihnen eine Zeitungsnotiz der L N N Staren durch eine Starksttomlntung. Leider kehren derartige »talle immer baunger wieder. Wir ftihlen uns des­halb veranlagt, Äie hoftE darauf hinzuweifen, daß solche be- dauernswertem Vorkommnis,e vermieden werden können wenn eleftrudK Hockipannungen nur in unteridisch verlegten'Kabel­netzen übertragen wertem Im Netzbereich unseres Werkes werdm tzochspamwngen von 2000 und 6000 Volt nur mittels untere npfe'* Kabel fortgeleitet und nur das Niederspannungs-

neb außerhalv des Weichbildes der Stadt Chemnitz ist als ^rei- nhp(at}?9/st damit innerhalb unserer Netzbereiche ausgeschlonen day Vogel durch Berührung mit den elekttischen fiethmgeu getötet werden. Vielleicht können Sie Ihren lNnftuß dahin geltend machen, datz dem Ueberhandnehmen Ärarti^r mit

Uebelstände nach Moglich-

^tan witt». Wir zweifeln nicht, daß viele aLere Elektrizitatswene ebenso verfahren könnten, ,me es bei ims ac- Ichreht. a

Aus Stabt und Land.

Gießen, 24. Dezember 1913.

Weihnachten.

Kein Fest wird in der ganzen Wett mit solcher Anteil­nahme gefeiert als das Meihnachtsfest im lieben deutschen Vaterland. Tie Tannenbaume, die man schon wochenlang vorher zum Verkaufe ausstellt, die glänzend ausgestatteken Schaufenster, die frohen, geschäftigen Menschen, die. Pakete tragend, am Winterabend durch die Straßen ziehen, das alles verbreitet festliche Stimmung schon vor dem Feste. Diese Stimmung erreicht am Weihnachtsabend ihren Höhe­punkt. Lichterglanz und Kinderiubel, die Freude der Er­wachsenen, im Frieden des traulichen Hauses geborgen zu sein, stilles Gedenken an errtschwundene Jugendtage, da liebe, jetzt längst heimgegairgene Menschen noch neben dem Christbaume standen, das sind die Elemente, aus denen sich die Feier des deutschen Weihnachtsabende zusammen­setzt. Wenn je, so kommt es am Weihnachtsabend zur Gel­tung, was ein gemütvoller, deutscher Dichter einmal ge­sungen hat:Ein Wunderborn das deutsche Herz, gar schwer ist's zu ergründen."

, Wir können uns jedoch nicht verhehlen, daß die deutsche Weihnachtsfeier in der Gegenwart immer mehr zu ver­flachen droht. Vor allem in den Städten. Wir halten in Vereinen, Kirchen, Schulen und Anstalten schon vor dem Feste so viele Weihnachtsfeiern, daß die eigentliche FZtfeier auf uns keinen Eindruck mehr macht. Wir hören, ehe der Weihnachtsmorgen kommt, die alten, schönen Bibelworte, die von der Geburt des Heilandes reden, wir singen die reizenden Weihnachtslieder, in denen die Gemütskraft unseres Volkes zur Geltung kommt, in so häufiger Wieder­holung, daß sie allmählich ihren Reiz verlieren. Es geht uns mit ihnen wie mit einer Blume, die wir zu oft mit den Händen berühren: der zarte Blütenstaub wird ver­wischt. Die Art unserer Altvordern, die am Weihnachts­abend froh waren im häuslichen Kreise, am Weihnachts- morgen durch den glitzernden Schnee zur Christmette gingen u^d an den beiden Festtagen Gott in seinem Hause die Ehre gaben, erscheint uns als ein Ideal, nach dem wir wreder streben müßten.

Dos ist das Bedenklichste an der Weihnachtsfeier unserer Tage, daß sie fast ganz in Aeußerlichkeiten auf- geyt und von dem Kern des Festes nichts mehr weiß. W.'ih- nachten ist das Geburtsfest Jesu Christi, und nur der feiert dieses Fest recht, der sich vergegenwärtigt, was JesuS für die Weltbund für das eigene Leben gewesen ist. Wohl preisen ihn die Frommen als den, der ihnen Leben und volle Genüge gegeben hat, aber viele strebsame, im Geistes­leben führende, ernste und ehrenwerte Menschen wissen mit dem, der im Stall zu Bethlehem geboren und am Kreuz auf Golgatha gestorben ist, nichts anzufangen. Für diese unsere Zeitgenossen gilt immer noch, was Karl Gutz­kow vor zwei Menschenaltern gesagt hat, daß das Leben Jesu eine kleine Aneidote gewesen fei, die welthistorffche Be­deutung erlangt habe, und daß dieses Leben auf keiner höheren Stufe gestanden habe als das des Pythagoras, Zoroaster und Sokrates. Gutzkow war ein Manu, in dessen Geiste sich das ganze Kulturleben des 19. Jahrhunderts nischer Hinsicht bringt, soll nach derUmschau" von Heidelberg aus die Wanderung durch das ganze Großherzogtum Baden an- treten, um eine intensive Aufklärung .über Wesen, Entstehung, Verbreitung, Heilung und Bekämpfting der Tuberkulose in weite Volkskreise zu tragen unb die Aerzte und Tuberkulose-Vereine in ihrer prohibitiven Arbeit zu unterstützen.

Ein Richard-Wagner-Tenkmal für Dres­den? Man schreibt uns aus Dresden: El'en jetzt, da der Plan eines Magnerdenkmals in Dresden die Oefsenllichkeit be- sMftigt, stellt der hier lebende Bildhauer Professor Richard Guhr seinen Entwurf eines solchen Denkmals aus. Das Werk verdient als Arbeit eines ernsten Künstlers und großen Könners besondere Beachtung. Niemand wird dem hier Geleisteten die Hockr- achtung versagen. Denn man begegnet nicht oft einem plastischen und dazu so umfangreichen Werke von solcher Ausgeglichenheit, von so ruhiger imd reifer Kraft. Ihn dieser Vorzüge willen müßte yran Guhr für einen engeren Wettbewerb bei der Erteilung dieses Auftrages unbedingt Vorschlägen. Gegen die Ausführung dieses Entwurfes freilich sind imcktige prinzipielle Bedenken zu erheben. Guhr pellt Wagner in priesterlich-milder, hoheitsvvller Gebärde dar: von dem weiten, auf der Brust gepanzerten Mäntel dr-s Gralsritters umwallt, den linken Arm auf eine von einem kreuz­überragten geflügelten Löwen gekrönte Harfe g,:stützt, in der Rechte» die Fenerschale des Grals: so steht er vor uns, umgeben von fünf klar und ruhig bewegten Akten. Ter tiefere Mangel der Guhrscheu Plastik ist, daß ihr Akademismus alle Ausdruckswerte glättet. Darum imponiert die'es Werk, ober c5 bewegt uns nicht.

JT t e Stätte de s englischen Nat iona 11 h ea-- t e r s Für das große britische Nattonaltlrrater, das von England zur Erinnerung an seinen größten Dichter Shakespeare errichtet werden sol', ist nun endlich eine würdige Stätte gefunden worden. Ter Bauplatz, der für 1 200 000 Mark erworben wurde, liegt nickt gerade in der Tbeater'gegeud der britischen Hauptstadt, sondern in her Nähe des Britischen Museums, in Cower>Street Wie der Vor'itzende d^s Komitees, der bekannte Literaturhistoriker Prof I. Gol'ancz mitteilte, ist nun ein erster wichtiger Sckritl zu dem Untemelzmcn geschehen.- Mit dem Bmi könnte nun begonnen werden, doch bedarf man bg.=tu einer Summe von 3 Millionen Mark, die noch nicht ganz aufgebracht sind. Man wendet sich daher mit einem Aufrufan die Freigebigkeit und Begeisterung her Verehrer Shakespeares".

Die Dienstpflicht der Frau in Ungarn. Von verschiedenen Seiten loerben neuerdings ernsthafte Vorschläge gc macht, die Frauen für die Gesellschaft dienstbar ;u machen und zum Sanitätsdienst im Kriege heranzuziehen. So hat letzthin der be­kannte Wiener Chinrrg Prof. v. Hochenegg in einem Vortrage darauf hingewiesen, daß im; Falle eines Krieges in Oesterreich

der Haltung d e r it a t i o n a 11 i b e r a l e n Fraktion des Reichstages und ihrer Führer Basserrnann und Paasche aus vollem Herzen zu. Wir sehen in den Ausführungen der beiden Redner das von tiefstem vaterländischen Gefühl getragene Bestreben, unserem deutschen Heere seinen Cha­rakter als Volksheer im besten Sinne zu wahren und zugleich den deutschen Rechtsstaat zu schützen. Die Fraktion hat sich der schwierigen Situation voll gewachsen gezeigt und sich den Dank aller national und liberal Denkenden in vollstem Maße erworben."

Zabern und der Weihnachlsurlaub. Bis Dienstagmorgen haben sich bei dem Zaberner Wachtkom- mando fünfzehn beurlaubte Leute, welche den ver- fchie-ensten Armeekorps angehören, vorschriftsmäßig ge­meldet, ebenso auch ein Einjährig-Freiwalliger vom Jnf.- Regt. Nr. 99. Somit ist die Nachricht, nach welcher nie­mand ein Urlaub nach Zabern bewilligt werde, unrichtig.

yeev unb Flotte,

Das Unterseebootswesen. Wie derLokal- Anzeiger" hört, beabsichtigt die Marineverwaltung, im näch­sten Jahre eine selbständige Inspektion des Unterseeboots­wesens mit dem Standort in Kiel zu errichten.

eines Hauses in der Frankfurter Straße in einer Höhe von 10 Metern. Plötzlich kam die Leiter ins Rutschen und Röhrig iel herunter. Er war über eine halbe Stunde bewußtlos und hatte heftig blutende Verletzungen erlitten. Zivei Leute der Sanitätsabteilung trugen den Verunglückten in die Klinik.

* Herr Rechtsanwalt Fischer schreibt uns: In der Privatklagesache Kling gegen Noll bitte ich zu den wiederholten Auslassungert des Herrn Heinrich Noll in Ihrer gestrigen Nummer bemerken zu dürfen, daß ich meine Behauptungen selbstverständlich im vollen Umfange aufrecht erhalte. Herr Moeser hat als Zeuge die unter Anklage stehenden Behauptungen nicht bestätigt, vielmehr erklärt, das gerade Gegenteil fei wahr; und Herr Noll ist wegen Übler Nachrede (StGB. § 1861, nicht nur wegen formeller Beleidigung (§ 185) verurteilt worden. Ter Sachverhalt steht so klar und ist so leicht nachweisbar, daß ich nicht) recht verstehe, wie Herr Noll dazu kommt, seine falschen Behauptungen aufzusteUen und aufreckt zu erhalten. Einem solchen Verhalten gegenüber würde ich auf eine weiters Erklärung verzichten, wenn ich nicht vermieden sehen möchte, daß weitere Unwahrheiten über meinen Auftrag­geber verbreitet werden. Aus dem gleichen Grunde habe ich bei Gericht beantragt, dem Angetlagten das in seiner Abwesenheit vertttndete Urteil nebst Gründen schleunigst zuzusteklen.

** D e r W i n t e r hat nicht nur nach dem Kalender, son­dern nach laugen Jahren diesmal wieder wirklick>es mit Winterwetter feine Herrschaft begonnen. Das Thermo­meter zeigte in den letzten Nächten Temperaturen bis zehr. Grad unter Null an, und auch in der Mittagszeit bewegte sich das Quech'ilber kaum über den Gefrierpunkt nach oben. Die kleinen Wasserläufe und Teiche in der Umgebung, sind an ruhigen Stellen ftugefroren und haben zur ^reubc der Jugend eine tragfähige Decke. Dee Schlittschuhsport, der tu den letzten Jahren sehr vernachlässigt werden mußte, scheint einer neuen Blütezeit -entgegenzugehen, und die Holländer, Amerikaner, Halisarer usw. sind ;etzt noch nachträglich auf manchen Weihnachtswunschzettel gesetzt worden. Da mit dem