Nr. 502
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«■jei^rr • icfte«. leaahtet wa lajctget •nr die lofleenttminex bis vorrntttaqS 9 Ufrt.
Elftes Blatt
Mittwoch, 24. vezember 1915
165. Jahrgang
GietzenerAMger
General-Anzeiger für Oberheffen
Lotarioirdnick nö Verlag der vrihl'fchr« Um». Sich ind Steieöniieret R. kaige
.. , , _ - , _ _ ____. _ Run fknbt; für den
Reödftien, Lspedmon inö Dradcrei: SchslKratze 7» timeiflenteil: H. Beck.
rr»natttcb75 BU oiend- hibdid) SM. UO. durch Mbtwle- u. 3rodaf:eUea monatlich Ä tff.; durch biet<ol1 i'tf.l— men* jäbri. ouriihL Be'iella. 3ftlHtDret<: lokal Ibtfl, airtiMH« t0 iüfttnu.
befrrbaheur: A (Moen i<#rdntiroi1hd) h'n ben polit. Teil üiia. ®oen; für Mettille ton'. .Bei- milihte«' un>.(Bericht«- fnnl": Rad Neuiach; ür ,EMbi imb Land*:
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seilen.
laflf»la(fn»rr au» dem Zähre 1813.
2 5. Tewembcr Hiuffebr ber bdTifdirn Truppen au5 Torgau und au« ber ©eanflenfdvi*! von Reu Ruppin
Vie Botschaft des weihnachtsfestes.
Tu lau’enbmal besungenes Pfcft Und immer muh ich neu dich gruben! Die gern Iah idi des Fohres Nest Von dir mir märchenhaft perfü6cn Mein her» wird Kind, mein Ange quillt, Jetzt glaub' ich an der Menschheit Adel, An küitst'gen Trieben, her uns stillt, Rn künst'gc Menschen ohne Tadel.
Das tausendmal befuiiflcnc Fest ist wieder da, und wie gern glauben wir an lünft'gni Frieden, der uns stillt, an rünft’fle Menschen ohne Tadel, wie gern hören wir die Bot schaff, die nun schon feit bald rwei Fahrtausenden criönt und uns Friede auf Arbeit und den Menschen ein Wohlgefallen kündet oder, rmc es in der von den Sprackforickcrn richtig gestellten Fassung beiBt: Friede auf Erden an den Menschen des Wohlaesall.no Freilich bat die verheißungsvolle Bot schaff nur zu oft in schroffem Gegenfatz ;u den Singen dieser Welf gestanden Begingen wir doch im Fahre 1911 das Frn densfcsf ini Zeichen des ttrieges »wischen Ffalien und der Türkei, und als im vergangenen Fahre das Weihnachtslied ..Ehre fei (Holt in der hübe und Friede auf Erden" ertönte, klang in diese holde Botschaft mißtönend der Toiincr der Geschütze auf dem Balkan hinein.
Doch diese traurigen Erinnerungen lehren uns, daß wir allen Anlaß haben, es nut Freuden zu begrüßen, wenn diesmal die Botschaft „Friede auf Erden", in der »ns so oft her Glaube fehlte, wirklich im Zeichen des Friedens erklingt, ob auch das bivloniatifdie'Jtodiipief »u den Balkankriegen noch fortbaueii und die wirtschaftlichen Nachwirkungen dieses bin ligen Völkerringens sich auf lange Zeit hinaus fühlbar machen werden Das aber empfinden wir um io schwerer, da der gewaltige industrielle Aufschwung der letzten Fahre ohnehin einer rückläufigen Bewegung Platz ui wachen droht, mit allen ihren Folgeerscheinungen des verschärften Wett bewerbe«, der drohend um sich greifenden Arbeitslosigkeit und des erschwerten und heftigeren Kampfes nrns Dasein, ums tägliche Bro: So lehren uns Nicht mir die blutigen Abrechnungen »wischen den Nationen, von denen uns die letzten Fahre io manche betrübenden Beispiele gaben, sondern e» lehrt uns teder Tag in unserem Leben die alte, aber ewig neue Wahrheit, daß Mensch sein heißt Stampfer fein, daß im Lehen der Menschheit ber Zustand des „Friede auf Erben" die Ausnahme, der Kampf die Regel und daß es eben deshalb mit dem Wohlgefallen der Menschen ober mit den Menschen des Wohlgefallens noch immer schwach bestellt ist.
Diesem Zustande des Kampfes, der „der ganzen Menschheit zugefeilt ist", diesem Kasten und Fagen. diesem Raffen, und Streiten des täglichen Lebens, das sich im kleinen zwi scheu den Menschen, wie im großen zwischen den Nationen abf vielt, ruft das Wei hu acht sielt ein Kalt ui mit jener Macht, die vielleicht doch die stärkste in der Welt ist, mit der Macht der Liebe! Wenn am Weihnachtsbanm, dem ewig grünen, die Hellen Kerzen aufilammen und mit ihrem Glanze zugleich die Kerzen erwärmen, wenn in unterer Seele die
löitner Uraufführungen.
Aus Wien nhib uns geschrieben: Mit ber vieraktigen Tragödie Tie Besessenen . die oui der BolkSdü dnc ihre Urau hibnmfl frnib, bai bei Autor Nikolaus B/ r m i n betriarn, bah iebe5 cd e Nuuinner? Umfdi btc ihm flcbübrcnb* Horm b. i 4)1 imb fick gegen trbe andere erzwungene xtunftioikn.- enolgmch Ali metten treib Benoms Tragödie ist die Tramal,nerung bei Tostojewskischen Roman . .Dämonen", unb i:as von dem grandiosen, spannenden Eoo^ in den mer "her ubrig bli-b, in trob aller B -t-ibung für da.- Tfcratraludi.-J-lor. eine unerauid liche Häunina grausiger Effekte, Morde und -elbumorde, die unheimlichen Raketen gleich odgeknaUt werden '.e ballen bar- Bub! r- fum wobt in Atem, ohne ienr fetnuennv.iten lethubcn e.<? hitionrn ienr von den iartgeioonnenen Ideen netz umdülltcn t»or- ad not in ihrem Fnnerften und barunr cril duBertKh rd.t cnir leuchtenden Buiamninthan, ebnen zu lassen ^ostoiewskis gigan Hiebe Ätart scheint ia irirflid) ba imb hart nad dem zramn in schreien; ahn hef ist arge, arge Tiuiebiin:. die das geichlofscne. »wingend w und unfit ander rr nbrne stunsiwe k an dem dramatischen Bearbeiter rack:., io ba selbst ber Benall de. ßublihim#, ber mobl mehr d r guten Taritetluna mit Vcrrn Forster an her Spitze galt, Kinstkritlicke Bedenken n,dt zu bannen vermag
Bedenken läßt man aber bei Gustav Streid)er dessen Märckendrama ,,T r a u m I a u d" im Deu11ckcn Bolks - Theater zur Ihau'iübruna gelangte, lieber bnieiiz Es in xwbl ein ziemlich rar. äüfhi ic-mu:. namentlich in bre Verarbeituni ber Motive an W rk. an r litt das Trema des :odlrank n fun.vn Tidbierö viel an üiarb'it her verginge zu münidien übrig aber unb bitient poetischen Fbea. mu> öffnen sich auch r.:/ : untw .»g bie Gemüt-. > v.en sonst b.i 2nr. r?n brr durch («Maubcn - benb gewordenen Maid n,chi ionber - b Enwtion ;u . nng n vermoch -
-Tareeller.i uno ch'gie waren mti f.üdlidw::i cirr * -r Zacke und rcrhalfen dem M rcken zu einer 'ehr mmpaibniben Aiiwahme.
s-, Ugo D o n 6 o f man u-J: bald „3 < b c r m a n n". b'.* mit Hel künstlerischem ^eitbmai geichanene Erneuerung dos alten cni li(6en 3ril# vorn 2::rb-’t de r.lchen Mannes, br 'ckon ae nt Inh ber jReinl-arbrid n Aunüdrung .rbüb: nbe 2. .rbiiuni 'and, ging nun auch aui dem wiener B u r - tbeater tn ---- '
>ciFeite btc Auimerdamk r b ? „ubldum: Deines -er ^rt'Ieiruna brt eine R'iKe glückliclvr Unfälle unb a ir. einem geickmackroll und gefdidt gC'ä-ane ' t dekorative-, rm-rr. bitfret unb dennoch t-.irFan: aflc etrelte reraj. len.t m Ni.vt noch der trndnaen Einzelleistim en Laul. - ' rrnar;;
ler* Tcurel uiw -eines Mammon. ia . >:r rtrr -.mbrn
Ta'rstcttung der Frauen Sifbranh: unb 'o . a?
jene würdige Fmerpretanon, bie die>cm Premicmiabend zu cinan
Bilder vergangener Zeiten lebendig werden, da noch das Auge der Eltern dos Glück der Ainder widerspiegelt, dann zieht in das Herz auch des verstocktesten Realisten so etwas, das fick nicht definieren, nicht mit Zahlen und Taten belegen läßt, etwas, was man mit dem Namen Veihnachlsstimmung bezeichnet.
Bon dem Ctte aus, wo ein Äeihnachfsbaum steht. webt sich ein magisches Batch oft bis zu den weitesten Fernen hn, und ein teder, der Weihnachten feiert, fühlt fich, fei es in der volkreichen Stadt, sei es draußen auf dem Lande, fei es fern in der Fremde, wo oft genug der deutsche Tannen bäum durch ein exotisches Gewäck - ersetz: werden muß.tzils em Mitglied der großen Veihnachtsgemeinde Veidnachfen ist das Fest, ivo wir alle mehr oder weniger bie Selbstsucht, die uns Fchmenschen inne roohut, beiseite legen und den edleren Regungen, den reineren Gefühlen, oen idealeren Gesinnungen Raum geben, die durck die Forderungen des Tages nur zu viel zurückgedrängt und abgcfduvädit werden.
Freilich, schnell gehl der Weihnachfstag vorüber. Aber ob auch die Kerzen des Weihnachlsbaumes herabbrennen und erloschen, ein Abglan.; davon bleibt doch davon zurück in unseren Augen, in unseren vervn Und die Summe der Liebe, die iich schon in den Vorbereiiungen zu diesem Fest der Feste knndgab, ist keine verlorene Fm Weihnachfvfest erhebt sich zur trüben Winterszeit, zur Zeit des Todes'chlafes der Natur der Glaube an bie Mmif des Lebens, die trvtz allem besteht und ewia wirksam bleibt, und für die uns der immer grüne Tannenbaum, der mit seinen strahlenden Lichtern so recht das blühende Leben versinnlicht, ein schönes, ein leuchtendes Snmbol ist. „Finsternis bedeckte das Erdreich unb Tunkel die Völker," so heißt es in einem weihnachtlichen ttirchengebet. Aber die Finsternis und das Tunkel wichen dem Lichte, und wenn es auch heute noch zuweilen finster um uns her zu fein scheint, so wissen wir doch, daß auch diese dunklen Mächte einst weichen müssen dem mächtigeren, dem siegenden Gebote: E S werde Licht!
Sine Hufroanöfttutr als Heithsfttuer.
Ein Borschlag, der viel Bestechendes hat und mit dazu beitragen soll, etwaige Finanznote des Reiches zn beheben, ist ber einer Anfwänbsteuer im Aigcrcn, ja iin^ engsten Sinne Aufwandsfeuer kannte man bisher als Sammel begriff für bestimmte, spezielle Besteuerungsarten, die an besondere Manifestationen des Ausnmndes gebunden waren Man rechnete dahin die Gefränlesteuern, die Verbrauchs- unb DerzehrungSsteuerii, die fich an Gegenstände deS täglichen Bedarfs, wie Mehl, Salz und Zucker knüpften und auf diesem Wege indiziell den Auswand treffen wollten, weiter Tabak , Del-, Seifen , Leuchfmittel , Papiersteuer — alles Tinge, die ein stewisses Maß von Äufnnind bedeuten sollten, unb endlich die Mief- und .Wohnnngsstener und das ganze -eer ber Luxussteuern Ter Angriffspunkte solcher Aiiswandsteuerii ist Legion, und die Formen, in denen die Ainwandbestenerung ins Leben getreten ist, waren teils der bireitcn, teils der indirekten Besteuerung zugehörig.
Etwas ganz Andersgeartetes ist bie generelle direkte Aufwandsteuer, die in einem Aussätze im neuesten Hefte von Eonrads „Jahrbüchern für Nationalökonomie" der Re- aierungsassefior «ar l Elfter vorschlägf. Tiefe Steuer soll als eine bireife Besteuerung, die die Finanzhoheit der Einzelstaaten nickt berührt, den gesamten Aufwand als solcken innerhalb der familiiten Gemeinschaft treffen.
also gerade die leistungsfähigen -reise ber Bevölkerung treffen, und zwar an einer Stelle, an welcher die bireho Besteuerung in der Form ber Einkommen- imb Vermögens steuer bisher versagte Während» man nämlick jetzt Beträge, die man leichthin ausgab, anstatt sie zu sparen, nur einmal versteuern mußte unb fick etwa sagen konnte wenn sie zur Berinögensbilbung dienen, werden sie zum zweiten Male, nachdem sie schon als Einkommen besteuert waren, von der Vermögenssteuer ergriffen, würde es diese neue direkte und allgemeine Aufwanbsteuer gerade mit diesen Cbiehcn zu tun haben Sie wurde also die Be» rnögensbilbuna zu fordern geeignet fern und nebenher auch die i^legenheitsgewinne in extenso treffen, die bisher als etwas nickt Äiederkehrendes von ber Einkommensteuer fick entziehen und, falls sie ausgegeben werden, auch von der Vermögenssteuer nicht erfaßt werden
Tiefer Gedanke ist ohne Zweifel tbeoretifdi sehr diskutabel, ia glänzend Schwierigkeiten bereitet jedoch feine pralttscke Durchführung Tod» mit dieser Eigensdiaft steht die neue Besteuernligsmöglichleif nicht allein — das haben andere Steuerarten auch —, ihre wirtschaftlich und sozial wertvolle Funktion aber läßt den Wunsch lebendig werden, es möchten um dieser Vorzüge willen die Schwierigkeiten bemeiftert werden Tenn bie Steuer würde in ber Tat eine Ergänzung der bisherigen Stcuerarten in einer Werfe bitten, die schwache Schultern frei läßt, starke aber ganz entsprechend ihrer Starke belastet und soziale Ausgleiche schafft.
21u> Liessen.
nn Die Vertreter der hessischen Sranken- kaff e n hielten am TienStag im Furstenfaal in Tarrn- ft a b t eine aus dem ganzen Großherzogfum sehr gufbesuchte Versammlung ab, in ber über den Abschluß der neuen Ber. träge mit bcu Aerzten gesprockien mürbe Nack) eingehenden Bi richten kam ein Vorschlag der Aerzte zur Besprechung, der aber bei ber Mehrheit der Vertreter in bei eingehenden Aussprache wenig Gegenliebe sand Tu eine Einigung nicht erzielt wurde, soll nunmehr auf Grund neuer Vorschlüge in ber nächsten Woche nocknnals pcrhanbelt werden
Für die LandfagSerfatzwahl im 4. hessischen LandlagSwahlkrei Wald Michelbach ist der Stickwahltermin auf den 2. Famterr anberaumt worden.
vcnkscbL» Reich.
Der Wechsel im braunschweigischen M i nist c r, u m. Wie die amtlichen „Braunschweig Aiizeigen" erfahren, ist zum 1. Februar 1911 an Stelle des LtaatS- ministers fcartroieg znm Vorsitzenden des herzoglickien StaatsministeriumS unb zum Staatsminister der Minister Wolff unb zum Minister des Funern der schon jetzt mit den Geschäften eines stimmführenden Mitgliedes des herzoglichen Staatsministeriums beauftragte ttreisbirektor Boden ernannt worden.
Ter gcfchäftsführende Ausschuß des Reichsverband^s der Vereine ber national- liberalen Fugendhat nach einer Besprechung der politischen Lage nach den Vorgängen in Zadern die Entschließung gefaßt: „Gerade, weil mir au sc nllerfthärffte jedes Bestreben, unsere Armee zu schädigen und ihre Stellung in unserem Volksleben zu enthüttern, verurteilen, stimmen wir
brr besten Burgthealcrabende stempelte unb ben warmen Beifall, für den fick auch ber Tickt r bebanfen burftc, voll berechhnt erscheinen lietz Tr M M
Der $tcpf)ansritt.
Em ^ermcrnncker Volke brauch am zweiten Weibnacktsseiertagc
Während ber erste Tag bes Weihnacht-festes im germanischen Volksleben von ,e als stiller Tag begangen worben ist, trug her urcite Feiertag einen ganz anhercn Ebaralter Ter heilige, bem bicfer Tag von her tiirdx geweiht, war St. Stephan, den, wie be- kannt, die katdolifche Mirche als den „Vrotomartvr ' ganz besonders ebn Wie 3l Stephan zur Würbe b.» Schutzpatrone» bes zweiten Weibnacktsieieriages gekommen ist, läßt fick, wie ee schein:, nicht mehr bes genaueren 'eststellen: foviel aber ist wahrscheinlich, baß er bicfer feiner Würde wegen, auch mancherlei bat auf feinen Nemrn übernehmen müsse», was in ben Tagen bes germantfeben yetben turne» bem Gorte Freu zu kam Tenn her war in ben .Heroen leiten her Schutzpatron bes Tages, unb Frev gehörte unzertrennlich zusammen mit bem ibm heiligen Tiere; hem Bierbe So ist' es gekommen. haß ber »weite Veidnachtsfeiertag fein Kennzeichen im fermamiebfn Volksleben hurcto ,enes Pi'erbeiest erhielt, bas unter em Namen .Sicphan-sritt" lange, ja tn ben letzten Ausläufern noch bis tir in baS 19 FabrHunbert hinein gegangen worben ist.
Ter bcihflf Stephan irarb als ber Nachfolger FreoS ber Schub- beckige des Lferoes. uno bei ber Skbeutun?, bie bas Roß in ber germantid. n Landn irtfchait batte, war es von Belang, fich ben Legen des heiligen für ben Stall und durch forgfame Beachtung der für ben zweiten Feiertag geltenben «Gebräuche den braven stamc- ■ men 1k Forscher bu Liettung bes heil en Htepban als des Br- schützers des Pferdes haben darauf turüdfübren wollen, baß der heilige als ber „unbesiegte Fahnenträger ber Kirche" als berittener XXlb «u d;nken unb auf birfe Sdäe zur innigen Verbinbnng mit dem Pferbe gelomme» fei, so ist biefc Deutung hoch wohl iu weit htr gcEr'.: Befonb^rs im germanifchen Norden bat der Stephanen!! viele Spuren »urückgelafse». Fn Tänemark sang n an an diesem Tage nn Stephan-lied. bas lautete etwa ,.S]_ Stephan, bet reitet die Fohlen ms dauer. Noch unter ben bellen Sternen: Tenn wahr- lick ist nun brr Pro ober geboren. Der erlösen fall bie Welt" Fn S ckwedi-n ist ber heilige Stephan bann noch einet weiteren Wanb- Iima uTuerwvncn worden: er ist hort zu einem Stallknechte ge» .'t XTt, ter allmorg.-TNlich ickon vor Senmrnonfgang, ''ckon bei Stet» neulich! feine für.' y.oile, zwei rote, zwei weiße un? einen Apfel- icfc'.mmd beiorgtt, ihnen '^oldzoum unb Owlbiciiel auflegte unb iur Quelle rii. Tann würbe er von veiben en'dilagen und soll tn Nortala begraben licn -n. Cber es wriß die Sage sogar zu berichten, daß StepdanuS Stallkneckt bei Lönig Hetodec geroeien fcl Wie bem auL fei, auf diele Sage bezieht fich b-e fckwebu'che ..Srephans- weise", die zu Tcutsch etwa folgendermaßen Lautet: „Stephan ein
wackerer Stallknecht war — haltet euch brav alle meine Fohlen! Er wartete ber Fohlen alle fünf — Helf (Hott unb St. Stephan!"
Werfen wir nun einen Blick ai<f bie Form biete* urtümlichen Pf erbe oder SttvdanfesteS, so wurde es zunächst und vornehmlich durch einen Wettritt begangen, ber in früher Mvrgcnstunbe vor sich ging, unb besten Ziel eine vorher bestimmte Wasterstelle war Vielleicht bat man eilten Rest ber uralten Pferbeopfer biefc» Tages in dem in Teutfchlanb, England und Skandinavien verbreitete« Brauche zu erblicken, wonach man die Pferde am zweiten Äeih- namtsieiertage zur Ader »u lasten pflegte: in Bauern wurde dieser Brauch im Fabre 1611 ausdrücklich verboten. Eine besondere Form de» Wettrittes am St. Stepdanstage war das Vettreitcn ober Wetiiadrcn bei ber Heimfahrt von bei Kirche: n-cr «uerft anlangle, ber, io nahm man an, werde un fommenben Fahre auch zuerst bie Ernte nnbnnqen — es ist nicht schwer, hierin einen Nachklang nn bie Fr en Verehrung »u erkennen, ba ja Fr en nufx nur ber Pierbeheilige, sondern auch ber (Hon ber Fruchtbarkeit unb Ernte war Auch eine zweite, in germanischen Länbern viel verbreitete Grunbiorm be» Festes bericht sich auf Pferb unb Stall. Sie war merkwürdig genug Vor Tag und Tau stand man auf, luchte sich unbemerkt in des Nad-darn Stall zu schleichen und dort feine Pferde zu striegeln imo überhaupt zu i^rforgcn Tann bemühte man fich, ungesehen wieder daoonzukommeii^; in anderen Gegenden aber machten die Heinzelmännchen des Stalle- nach wohlgeianer Arbeit einen tüchtigen Lärm, unb in beiben Fällen enbete tÄe Sache mit e,nem wacker« n Trahemenlc. Nach unb nach schrumpfte biefc Sitte in der Weife zusammen, daß am »weiten Weihnacht»- ober Stevbanstage man sich bamu unterhielt, ganz zeitig aufzustche» und ut ber frühen Morgenstunde allerlei Lpoß unb Lustbarkeit ru treiben Cbne Neckereien ging es bohrt nicht ab: es bleibt beachtlich, daß eine Hauptrolle habet ber Ulk fvielte, ben Nachbarn die Stalltüren iHiufpcrren.
Nock biS in untere Jcü hielt fick als letzter Rest des uralten germanifchen Pferde'estes in Norwegen unb Schweden ber „Fulrüt" am »weiten Weihnackt-feicrtaae Zeitig stand man ba auf unb ritt in iroBcm Aufzuge unter Spaß unb Lachen im ganzen Torfe herum, wobei natürlich jedes Haug ben Fulreitcrn eine Bewirtung barbot Fn Norwegen begnügte man nck hab cs nur Geschrei urb Hall oh, tn Schweben aber fang man bei btr'em Wüte eine Stcplmnsweise, der bei jedem Haute neue Verse, die gute Wünsche enthielten, ange- füg: wurden. Doch bie mächtige Welle ber neuen Zeit fpülr, w scheint e*. umviderstchlick auch bie letzten Ucbrrblrib'cl diefeS Festbrauches hinweg, in bem sich Erinnerungen aus uralter heibenzeit so merkwürdig mit christlich-kirchlichen Formen milchen
— Landcsluberkulose-Mufeum Fn Heidel- berg ist caZ von Tr. Lonqe.hemmätt in Wammentbal zulam- mengestcllic ^anbesruberkuIvie-Museum ber £enentii<6!eii übergeben worben. Das Mufeum, das eine burckaus erichoprenbe Dar- Nett ung der .^raefhcii in medizinischer, volls- unb guverbehygie-


