Nr. 256
Zweiter Blatt
M. Jahrgang
Erscheint ttigllch mit Ausnahme des Sonntags.
Tie „Eiehener Famllienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kteisblott für den Kreis Siehen" zweimal wöchenttich. Tie „Landwirtjchastlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Zrettag, 51. Mover 1915
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläls - Buch- und Sleindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktwn: ^^112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießew
Die Abschiedrrede des Herzog-Regenten von Braunschweig.
Braunschweig, 30. Okk. Der Herzogregent batte heute Mittag im Thronsaal des Rcsidenzschlosses die Mitglieder der Landesversammlung, sowie die Spitzen der Behörden eingeladen, um sich von den Vertretern des Landes zu verabschieden. Erschienen waren die Mitglieder des Staatsnlinisteriums Harttvieg, Wolff unb Radkau, Staatsminister a. D. v. Otto, sowie die Präsidenten fäint- licher Verwaltungszweige. Der Herzogregent hielt eine Ansprache, in der er u. a. sagte:
Bewegten Herzens heiße ich Sie hier zum letzten Male willkommen. Es ist mein Wunsch, Ihnen, den berufenen Vertretern des Landes als Regent des Herzogtums feierlich Lebewohl zu sagen. Als ich kraft des Patents vom 5. Juni 1907 die Regierung übernahm, versicherte ich bei meinem fürstlichen Wort, die Landesverfassung mit allen ihren Bestimmungen beobachten, auf- rcchterhalten und beschützen zu wollen. In Erfüllung dieses Gelöbnisses sah ich cs im vollen Einklang mit meinen persönlichen Gefühlen als eine meiner vornehmsten Pflichten an, die Beziehungen des Herzogtums zu dem angestammten Für - stenhause, soweit cs mit dem Rechtsbestand der Regentschaft und der unverbrüchlichen Treue gegen das Reich und seine Glieder vereinbar war, zu pflegen, zu fördern und zu vertiefen. Wenn nunmehr durch Gottes gnädige Führung die Hindernisse beseitigt wurden, die der Uebcrnahme der Regierung seitens des berechtigten Erben der Krone bisher cntgegenstandcn, so gereicht diese bedeutungsvolle Wendung der Dinge auch mir zur Genugtuung und hohen Freude. Im innersten Herzen beglückwünsche ich das Herzogtum zu der Wiedervereinigung mit dem angestammten Hcrrscherhausc. Ich Pfühle mich mit dem Braunschweiger Lande und dem Braunschweiger Volke eng verwachsen. Herbes Leid, aber auch hohe Freude ernihr ich im Verlause meiner Regierung: das schöne und so wechselreiche Land wurde mir in allen Teilen lieb und wert. Ich ernte die Eigenart der Braunschweiger und eine große Anzahl einzelner Personen aller Stände kennen und schätzen. Tie Staatsgeschäste und persönliche Erlebnisse knüpften zahlreiche bedeutsame Fäden zwischen mir und den Braunschweiger Verhältnissen. Ich darf wohl in dieser Stunde versichern, daß ich von dem Tage an, als ich dieses urdeutsche Land betrat, mich ganz als Braunschweiger fühlend, unablässig bestrebt war, die mir auferlegtcn hohen Pflichten nach besten Kräften KU erfüllen. So wird es mir und der Herzogin, meiner Gemahlin, die meine Gefühle in allen Richtungen teilt, sehr schwer, aus dem uns ans Herz gewachsenen Lande zu scheiden.
Meine Herren Abgeordneten! Sie werden auch diese Gefühle zu würdigen wissen. Mein diese Gefühle müssen zurücktreten. Möge das Herzogtum Braunschweig unter seinem erlauchten Herr- schcrhause mit diesem alle Zeit blühen und gedeihen, möge die braunschweigische Landesversammlung in guten und bösen Tagen treu zu ihrem Fürstenhause stehen und auf dieser Grundlage die Wohlfahrt des Landes fördern! Empfangen Sie für das mir er- wiesenc Vertrauen und für die während meiner Regierung dem Herzogtum geleisteten erfolgreichen Dienste meinen aus Herzen kommenden fürstlichen Dank! Gleich herzlichen Dank sage ich in dieser Stunde vor den Vertretern des Larrdes den verantwortlichen Räten der Krone für ihre unermüdliche und hingebende Mitwirkung bei der Regierung des Landes. Auf eine glückliche Zukunft des Herzogtums rufe ich in dieser weihevollen Stunde den Segen Gottes herab und schließe mit der Bitte und der Hoffnung, daß Sie alle mir und der Herzogin, meiner Gemahlin, ein freundliches Andenken bewahren.
Darauf erwiderte Staatsminister Hartwiegu. a. folgendes:
Niemand vermag es so als die Mitglieder des Staatsmini- steriuins zu bezeugen, mit welcher hingebenden Fürsorge Eure Hoheit die Geschicke des Landes geleitet hat. Ich will in dieser erhebenden Stunde vor den Vertretern des Landes und der Beamtenschaft feierlichst bekunden, daß Eure Hoheit mit Pflichttreue für die Wohlfahrt des Landes und seiner Bevölkerung Sorge getragen haben, die ohnegleichen dasteht. Eure Hoheit wollen die ehrfurchtsvollste Versicherung entgegennehmen, daß die Regentschaftsjahre Eurer Hoheit ber uns stets in dankbarster Erinnerung bleiben. So sehr wir uns freuen, daß dank Eurer Hoheit tatkräftiger Mitwirkung das angestammte Herrscherhaus nun wieder den Thron des Herzogtums besteigt, so tief schmerzt uns doch der Abschied von Eurer Hoheit. Wie Eurer Hoheit so darf ich an dieser Stelle auch Ihrer Hoheit, der Frau Herzogin, nochmals ehrfurchtsvollst herzlichst danken für alle Güte
und landesmütterliche Fürsorge, die Ihre Hplreit allen Werken der Nächstenliebe zuteil werden ließ und die Versicherung hinzu- sügen, daß das Bild der hochverehrten Fürstin in seinem Herz und Gemüt gewinnenden Zauber bei uns nie verblassen wird.
Darauf folgte eine Ansprache des Präsidenten der Lan- desversarnrnlnng. Kreisdirektor Krüger-Wolfenbüttel betonte u. q., daß das Vertrauen, das die Bevölkerung in die Regierung des Regenten gesetzt habe, nicht getäuscht worden sei, und schloß mit einem dreifachen Hoch aus das Regenten- paar. Nachdem Se. Hoheit nochmals herzlichst gedankt hatte, verließ der Herzogregent unter großem Vortritt den Thronsaal.
Der neue „Krupp-Prozeh".
(6. Verhandlungstag.)
Berlin, 30 Okr. Vor Eintritt in die heutige Verhandlung, die um 9,10 Uhr eröffnet wurde, legte der Oberstaatsanwalt C h c - rcszcnski Verwahrung ein gegen die Angriffe, die in einem Artikel des „Berliner Lokalanzeigers" enthalten sind, und der die Unterschrift Otto von Gottberg trägt. In diesem Artikel wird das Verhallen des Obcrstaatsamvalts im Zusammenhang mit dem Zwischenfall am Dienstag und mit der Erklärung über die Verlesung des beschlagnahmten Materials einer scharfen Kritik unterzogen. Auch eine andere Zeitung, fährt der Oberstaatsanwalt fort, habe der Auffassung Ausdruck verliehen, als ob der Oberstaatsanwalt der Meinung sei, daß das staatliche Interesse mit dem Kruppschen Interesse identisch ist. Tcsh-cüb wollte er feststellen, daß er auf jede Gefahr hin sich des Materials des Herrn von Metzen bemächtigen wollte, um es zur öffentlickrcn Kennttris zu bringen, ohne Rücksicht, ob hier die Angeklagten oder die Firma Krupp belastet oder entlastet werden. Er wolle weiter nichts als die Gerechtigkeit.
Unter allgemeiner Bewegung erklärte Justizrat G o r d o n, daß es sich herausgestellt habe, daß tatsächlich in dem beschl a g - normten Material sich militärische Geheimnisse befunden hätten, durch deren Verlesung unendliches Unglück heraufbeschworen werden könnte. Außerdem seien Sachen darin enthalten, die die militärischen Geheimnisse des Auslandes betreffen, auch diejenigen des Dreibundes. Darüber öffentlich zu verhandeln, entspreche nicht der internationalen Höflichkeit. Im übrigen bitte er um restlose Verlesung des Materials.
Darauf wird in der VernehrnungHerrn von Metzens fort gefahren. Zur Sprache kommt die Unterreoung, die Herr bon Metzen vor Eintritt in seine Stellung in Berlin mit Direktor E c e i u s hatte, wobei auch dieser von Metzen zu verstehen gegeben habe, daß Krupp in Berlin einen Mann habe, der geheime Nackirichten übermittele. Das habe ihn sofort bedenklich gesttmmt und diese Bedenken und alles, was er in Berlin hörte, habe er Direktor Eccius gelegentlich in einer Aussprache mitgeteilt. Der Zeuge l-at bereits damals angenommen, daß Eccius über alles orientiert sei, und deshalb habe er (Zeuge) gebeten, dem System Brandt ein Ende zu bereiten. In Essen habe man sich jedoch geweigert, da Brandl für absolut notwendig erklärt wurde. Erst seitdem Brand in Berlin sei, wisse die Firma, was dort vorgehe. Schließlich habe er die Firma gebeten, Brandt wenigstens nach außen hin eine offizielle Stellung zu geben.
Angekl. Eccius bestreitet es auf Befragen ganz entschieden, daß er über die Art, wie Brandt seine Tätigkeit in Berlin aus- übte, informiert gewesen fei; auch sei es nicht wahr, daß Brandt sich wät-rend drei Jahre lediglich um die (Älangung von Kornwalzern bemüht habe.
Angekl. Brandt bestätigt die Aussagen des Direktors Eccius.
Es wird nunmehr ein Brief des Herrn von Metzen an Direktor Eccius vom 23. August 1909 verlesen. In diesem Briefe teilt er ihm mit, daß er nicht gezögert habe, Brandt mitzuteilen, wie die Geschäfte nunmehr zu handhaben seien. Hierüber habe sich Brandt gefreut, ganz besonders aber darüber, daß er nunmehr eine offizielle Stellung erhalten sollte. Er sei auch dafür eingetreten, daß Brandt für seine Aufwendungen eine angemessene Zulage erhalte. Der Zeuge erklärt, daß er in Brandt stets einen hochgebildeten und ausgezeichneten Menschen gesehen habe und daß er aus diesen Gründen als Bureauvorsteher unentbehrlich war. Er habe gegen! die Person Brandts nichts einzuwenden gehabt, aber mit Brandts System sei er nicht einverstanden gewesen.
Es kommt sodann der Antwortbrief des Herrn von Eccius an den Zeugen zur Verlesung, indem er diesem mit teilt, daß er auch von Brandt ein Schreiben erhalten habe, aber aus naheliegenden Gründen auf dieses nicht eingehen könne. Heber die Tendenz „aus naheliegenden Gründen" will Angeklagter Eccius Aufklärung geben. Der Zeuge von Metzen sagt, daß er sich
über diese Worte nicht den Kopf zerbrochen habe, er habe es aber so aufgefaßt, als ob über das, was das Licht, des Tages scheue, nicht korrespondiert werde. Eccius als Jurist sei sich sick>erlich im Klaren gewesen, was damit gemeint sei, auch habe er wohl weder Brandt noch iljm irgend etwas Schriftliches hierüber geben wollen. Wie Brandt darlegt, habe es sich in dem fraglichen Brief lediglich um die Auslagen gehandelt.
Es kommt sodann ein weiterer ausführlicher Brief des Zeugen an Direktor Eccius zur Verlesung, in dem die Zustände im Berliner Bureau einer eingehenden Kritik unterzogen werden. Vor allem fei die Registratur nicht in glänzender Verfassung gewesen. Weiter wird die Hoffnung ausgesprochen, daß das System der kornwalzer weiter ausgestaltet werden könne. Bei der Besprechung des Brieses stellt sich berau-3, daß Brandt lange Zeit an einer großen Statistik über Preise und Eigenschaften der Gescknitze gearbeitet habe, wobei der Vorsitzende die Frage aufwirft, ob dieses Buch vielleicht an der Hand der Kornwalzer bearbeitet worden sei. Es wird datier beschlossen, dieses Buch;u beschossen. Aus mehreren Bemerkungen in dem Briese will der Vorsitzende schließen, daß auch Herr von Metzen mit den Komwolzern zu tun gehabt habe. Der Zeuge beitreitet dieses ganz entschieden und sagt, daß Brandt ihm einige Kornwalzer vorgelegt habe, in denen nichts Beunruhigendes stand. Bedenklich sei ihm die Situation erst gentorben, als ein an den Landrat a. D. Mioctger gerichteter Kornwalzer in der Welt umhergeirrt sei, worüber die Herren in Essen in die größte Verzweiflung geraten seien. Bei dieser Gelegenheit habe er Brandt nochmals verwarnt. Das Verzeichnis, über welches der Vorsitzende ihn um Auskunft gefragt habe, enthalte die Namen derjenigen Perfoneit, welche mit den Kornwalzern überhaupt zu tun hatten. Er habe dieses lediglich im Interesse der Heeresverwaltung getan, nm Sicherheit zu schaffen, lieber den Zweck seiner Auszüge aus dem brieflichen Verkehr zwisckum ihm und den Direktoren der Firma befragt, erklärte der Zeuge, daß er dieses nur getan habe, um gleichzeitig verschiedenen Stellen Kenntnis von dem Schriftwechsel zu geben; den Zeitungen habe er keine Auszüge zugehen lassen.
Es wird in der Vernehmung des Zeugen von Metzen fort- gefahren. Er erklärt, er könne nur noch einmal sagen, daß er Brandt mehr als einmal gewarnt habe, was ja auch daraus daraus hervorgehe, daß Brandt sich über ihn in Essen beschwerte, er — der Zeuge —* er schnüre seine Tätigkeit in unglaublicher Weise. Dies fei schon vor seiner Italienreise gewesen. Tie Angelegenheiten Brandts, so fährt der Zeuge fort, waren deshalb bedenklicher Natur, weil Brandt nicht nur über Dinge orientiert war, die die Heeresverwaltung sehr angingen, sondern auch über Sachen, die der Firma selbst gefährlich werden konnten. Eccius gegenüber habe er auch wiederholt auf die Gefährlichkeit des Brandtschcn Systems hingewiesen, er habe aber nicht davon gesprochen, daß etwas Unmoralisches vor sich gegangen sei. Daß Brandt mit aktiven Offizieren verkehrte, habe er erst Ende 1910 oder zu Anfang des Jahres 1911 erfahren. Er habe dies für sehr gefährlich gehalten, weil er befürchtete, daß Krupp von allen Seiten aufs heftigste angegriffen werde, ivenn etwas hiervon ruchbao würde. Später habe er erst erfahren, daß Brandt Geldgeschenke machte, von Restaurants- und Theaterbesuchen fei aber schon immer die Rede geweien. Er konnte dies nur als Bestechung auffassest und er habe auch Direktor Eccius mehr als einmal darauf hin- gewiesen, daß es einen großen Skandal geben würde, wenn etwas hiervon in die Oeffentlichkeit käme. Mit Direktor Dräger habe er dieselben Ansichten darüber gehabt. Schließlich habe er, der Zeuge, einen Bericht erhalten mit dem Ersuchen, Brandt in Anerkennung seiner Tätigkeit eine Weihnachtsgratifikation von 2000 Mark zu überreichen und für ihn 10 Jahre lang je 1000 Mark zurück- zulegen, die ihm dann nach, 10 Jahrein zusammen mit den inzwischen gebrachten Zinsen in einer Summe von 13 000 Mark übergeben werden sollten. Dieser Brief, sagt der Zeuge, sei seist verdächtig. Er sei wohl Vorgesetzter Brandts gewesen, habe sich aber mit dessen Geldangelegenheiten nicht befaßt. In seiner zehnjährigen Tätigkeit bei der Firma Krupp sei ihm ein analoger Fall nicht Dorgefommen.
Der Angeklagte Eccius, darüber befragt, erklärt, daß diese Summe für Brandt zurückgelegt werden sollte, um ihn in die Lage versetzen zu können, seine Schulden zu bezahlen.
Es kommen dann weitere Briefe zur Verlesung, aus denen- wielder Vorsitzende bemerkt, hervorgeht, daß auch Herr von Metzen mit den Kornwalzern zu tun gehabt hat, und daßnpanin Es sen großen Wert auf diese Kornwalzer gelegt habe. Herr von Metzen hat weiter die Befürchtung ausgedrückt, daß durch die Versetzung des Direttors Dräger nach Berlin, er, Zeuge, in feiner Stellung beeinträchtigt werden könne. Ein anderer Brief, der gleichfalls an Direktor Eccius gerichtet ist, bezieht sich auf dieWeihnachtsgratifikattonBrandts.die von Metzen von 1500 auf 2000 Mk. erhöht haben soll, damit Brandt feine Schulden bezahlen könne. Von Metzen gegenüber hat sich Brandt
Das ostasiatische Museum in Köln.
Soeben ist in der alten Rheinmetropole, die an Kunstschätzen so überaus reich ist, ein Werk der Oeffentlichkeit übergeben worden, das sich in seiner Gesamtheit nicht nur heu übrigen Kunststätten Kölns auf das würdigste anschließt, das vielmehr darüber hinaus auch den Wert eines eminenten Kulturfaktors in sich trägt. Das Museum für ostasiatische Kunst, die Sammlung des Professors Ä d o l f F i s ch e r , führt als das erste Ntttseum in Europa die große Kunst Ostasiens, sowohl die religiöse wie die profane tn geschlossener Form in einem eigens dafür geschaffnen Rahmen um ihrer selbst willen vor. Nicht als Kultobjekte oder Gebrauchsgegenstände einer uns fremden Kultur, sondern als Offenbarungen eines universellen schöpferischen, allgemeinDcrftänblid>en Kunstgeistes werden hier die reichen Blüten der Kunst Ostasiens in ihrer ganzen Vielseitigkeit zur Schau gestellt. Schlicht und einfach erhebt sich der Bau, den der Kölner Architekt Franz Brantzky in Angliederung an die bestehenden Bauten des Kunstgewerbe- und ^chnütgenmuseums, und dock in durchaus freier Selbständigkeit errichtet hat; auch das ^ü- nere ist von der größten Schlichtheit, denn die Räume fallen nur Mittel zum Zweck sein und fremde Kunstwerke reden lasten, nicht aber diese übertönen oder auch nur mitklurgen. .
In 32 Räumen, auf drei Stockwerke verteilt, und die Kunstwerke zur"Aufstellung gebracht, im Prinzip nach historischen Ge- sichtsvunkten geordnet. Der Scknoerpunkt des Kunstschaffens liegt auch bei den Ostasiaten in der Malerei und Skulptur; so lind die ersten Säle der religiösen Skulptur und Maleret Chinas, Koreas und Japans gewidmet, jener Lünder^um die der Buddhismus sein einigendes Band geschlungen hat, M mit der . Entwicklung der «Rrninrrfiitift tritt die bewndere Eigenart der drei Lander dtutlich kt Tage An die Malerei Chinas, die in ihrer seelischen Belebtheit imb ihrem tiefen Stimmungsgehalt einen klaren Begriff von dem SchönhritS- und Naturgefühl der Chinesen gibt, fchlietzen stch vor- ^gliche Werke des chinesischen Kunstgewcrbe-an.Bronzen aus Nn Liten und Schulen, Arbeiten des chmesiichen Zellen, chmelzes, EMnZich- und Schmucksachen, geschnittene Gläser und Lackarbeiten in dm verschiedensten Techniken. Die keramnchen Lamm ungen, ebenÄls nach den einzelnen Ländern »erteilt, Jungen heroor- raSc Stüde in Porzellan und Fayence. Der^-aal der koreani- sche^^nst die irn Gmnde nur ein Ableger der chine.ischen ist, immerhin abrc die Brücke dar stellt, aus der die chineistche Kultur nach Japan kam, zeigt als das Wertvollste inkrustierte Keramiken, dse z^eift her Ärai-Periode angehören unb als Grabbeigaben dienten.
Als eine lleberlcitung von der religiösen zur weltlichen Kunst geben sich drei japanische Originalräume, Besuchs- und Empfangszimmer reicher Klöster, deren Ausstattung von japanischen, nach der alten Tradition arbeitenden Künstlern entworfen und ausgearbeitet wurde; sie sind bis ins kleinste Detail ausgeführt, mit echten alten Türen versehen, die im 16. Jahrhundert entstanden sind und auf ausdrucksvoller Maserung entzückend originelle Genremalereien zeigen; diese Räume oeryiitteln jedenfalls eine klare Vorstellung, wie die Kunstwerke in dem uns fremden Milieu leben und wirken. Die japanische Keramik, die an künstlerischem Wert der chinesischen weit nachsteht, ist in zahlreichen und hervorragenden Stücken vertreten. Während auch die japanische Bronzekunst die der Chinesen nie erreicht hat, sind die Japaner jedoch auf einem Gebiete unerreichte Meister geblieben: in der Schwertzierkunst; und gerade die Sammlung der Stichblätter unb Schwcrtzierrate ist an Umfang, wie an Qualität ohne Konkurrenz. Die weiteren Säle beherbergen erlesene Arbeiten der japanischen Malerei, angefangen mit der nationalen Tosa-Schule, überleitend zu den Schwarzweiß-Malereien der späteren Jahrhunderte, der eigensten Domäne japanischen Kunstschaffens, bis zu den großen dekorativen Stücken, den Schiebc- türcu und Wandschirmen, von denen das Museum eine ungewöhnliche Anzahl von Prachtstücken vereinigt. Alle diese Stücke, in Malerei sowolst wie in Plastik, bofumentieren die gleiche Entwicklung : zunächst ist die Kunst noch streng hieratisch, in ernster Stilisierung und fast unnahbar erhaben stehen die Gestalten da; allmählich aber löst sich der gebundene Linicnsluß, man wendet sich einer freieren, realistischen Auffassung zu, die Gestalten werden geschmeidiger, von plasttschem Leben erfüllt, die Gewandung wird fließender, effektvoller. Die einfachen, herben Farben lösen sich zu einer vhantasievollen Buntheit von höchstem Reiz. Eine treffliche Sammlung von holzgeschnitzten, künstlerisch hochstehenden Masken, die für religiöse Tänze und Spiele verwandt wurden, von Frauenkämmen und Medizinbosen gibt einen Ueberblid über die Vielseitigkeit japanischen Kunstschaffens. Auch der japanische Farbenholzschnitt ist in feiner ganzen Entwicklung bis zum Verfall im 19. Jahrhundert in den bedeutendsten Stücken verrieten. (5in besonderer Raum ist ferner den herrlichen Geweben Ostasiens Vorbehalten, die in ihrer golddurchwirkten Farbenpracht einen feinen künstlerischen Geschmack dokumentieren. Von Interesse sind noch zwei vergoldete Löwenköpfe aus Bronze, die als Kapitälc dienten, aber unzweifelhaft europäischen Ursprungs sind; sie gehören wahrscheinlich der südfranzösisch-romanischen Epoche an und sind auf irgend eine । Art nach Oftajien gekommen. So gewähren die stattlichen) wert- I vollen Sammlungen des jüngsten der Kölner Museen einen unge
mein fesselnden Einblick in eine neue, eigenartige Kulturwelt; das Kölner Museum gibt zum ersten Male einen konsequent durchgeführten und nach großzügigen Gesichtspunkten aufgefaßten lieber» blick über die Entwicklung der Kunst Ostasiens an Originalwerken, ein Versuch, der in kunsthistorischer wie kultureller Beziehung von unschätzbarem Werte ist. F. S.
Kf. Künstliches Tageslicht. Wer in einem Laden bet künstlicher Beleuchtung einen Gegenstand kauft, bei dem es auf die Farbe besonders ankommt, sieht am nächsten Morgen gewöhnlich mit großem Verdruß, daß die Farbe bei Tageslicht ganz anders wirkt. Diesen Uebelftanb glaubt der amerikanische Physiker Dr. H. E. Jves durch die Erfindung seines „künstlichst Tageslichtes" aus der Welt schaffen zu können, das die Physiker schon feit vielen Jahren vergeblich angeftrebt haben. Dr. Jves stellt sein künstliches Tageslicht, das von dem natürlichen Tageslicht nur durch seine Stetigkeit unterschieden ist und keine verschiedenen Helligkeitsstufen zeigt, durch eine gewöhnliche Gasglühlichtlampe her. J-n einem quaderförmigen Glaskasten ist an der Decke ein kuppclsörmiger Ausbau angebracht, in dem die Gasglühlampe hängt; ihr Licht wird nach unten reflektiert, muß aber auf dem Wege durch verschiedene, sorgfältig ausgewählte Lichtfilter gehen, die alle die Farbenstrahlen zurückhalten, die im natürlichen Tageslicht fehlen. Es sind zwei solche Lichtsilter vorhanden: eines aus Glas von grünlicher Farbe und ein zweites aus Gelatine, das purpurrot aussicht. Natürlich sind die Farbstoffe, die in diesen Lichtfi-llern liegen, durchaus unveränderlich. Nach einem Berichte des „Technical World Magazine" über diese wichtige Erfindung läßt sich dies künstliche Tageslicht auf manchen Gebieten anwenden. Für das Publikum komntt tooltf in erster Linie die Anwendung in Läden in Frage, wo man sonst beim Kaufe eines farbigen Gegenständes ans Fenster gehen mußte, um die Farbwirkung im Tageslichte beurteilen zu können. Außerdem haben viele Gewerbe schon längst ein dringendes Bedürfnis nach einem Licht, das dem Tageslicht durchaus gleicht: die Tertil- inbuftric, die Garnspinnerei, Betriebe, wo farbige Drucke hergestellt werden, die Papierfabrikation und viele andere Industrien können die feineren Arbeiten nur bei Tageslicht ausführen. Für die Aerzte schließlich ist das Tageslicht und seine künstliche Nachbildung beim Operieren von gewisser Bedeutung, denn der Chirurg muß die Färbung der Körpergewebe ganz genau erkennen können, weil er hier« nach auf ihren Gesundheitszustand schließt.


