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29.3.1913 Zweites Blatt
 
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m. 75

Erscheint täglich m« Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Oberhchen

so beliebte

Programm

02419]

Schlüter.

ist zur Erhöhung der Schlagfertigkeit, der Zu­

weiten Lcbensideals.

Die Durchführung der Jugendabstt

^fiorrnÖ w- um.

OSTEKD

Zonutao, bcn 30. März Tanzmnsik

(r-5 labet ftcundlichil ein

und besondere sorge vermehrt richtnngen weitern.

Schließlich

wcrin Jlary Morrison

^m,ei tauten 80Verhaft ge- V WMckliche 1 als Meisterwerk

DieEiehener Kamilienblatter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für -en Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Dir,Landwirtschaftlichen 3cib fragen" erscheinen monatlich zweimal.

während junge, diensttaugliche Mannschaft zurückbleibt und beini Eintritt ungefähr erst ausgebildet werden muß.

Leitender Gedanke der Vorlage ist deshalb der Aus­bau derallgcmcinen Wehrpflicht nach demStan de der Bevölkerung. Rund 63 OOO Rekruten sollen jehr­lich mehr eingestellt werden. Ihre Einstellung >vird vor allem dazu dienen, den Friedcnsstand der vorhandenen Truppen­teile zu erhöhen. Durch die so verbesserte Zusamvrensctzung der Truppenteile erfährt das .Heer einen Zuwachs an schnell- bereiter Kampfkraft, wird ihm der llebergcrng vom Friedens - in den Kriegszustand erleichtert, werden die im Kriegsfälle ein- zurcihcnden Jahrgänge des Beurlaubtenstandes verjüngt und ver­stärkt.

Soll die vermehrte Anspannung unserer Wehrkraft hiernach grundsätzlich nicht dazu dienen, zahlreiche neue Truppenteile aus­zustellen oder neue große Truppenoerbändc zu schassen, so können doch crnzclne Neuformationen nicht länger entbehrt werden. Dies sind u. a. für die Infanterie die bei 18 Regimentern itod) fehlenden dritten Bataillone, die 18 Jäger- bataillone, Radfahrer- und Maschinengewehr- k o m p a g n i e n, für die K a v a l l e r i e 6 n e u c R e g i m c n t c r und bei 4 bayerischen Regimentern die noch fehlen­den fünften Eskadrons, für die Fußartillerie drei neue Regimenter und ein württcm bergisches Bataillon, für die Pioniere 11 und für die B er k e h r s t r u p v e n 13 neue Bataillone, für den Train 1 Bataillon und 20 Kom­pagnien.

Um den zahlreichen Hccrcsersatz ausbildcn zu können, muß das Offizier- und Uu t er o ffi z i e rs ko r p s wesentlich vcr- stär k t werden. Zur Sicherung dieser Verstärkung sollen die Kriegsschulen in Preußen noch nm eine vermehrt, die Ka­de t t en a n st a l t cn in Preußen und Sachsen vergrößert, in Preußen zu? ei U n t c r o ffi z i c r s chu l e n neu geschaffen, die preußischen und sächsischen Unteroffizierschulen und Vorschulen verstärkt werden.

Der U n tc r o ffi z i c rs c r sa tz wird aber in erster Linie durch Sicherstellung seiner Zukunst nach dem Ausscheiden ge­wonnen. Daher soll die T i c n st p r ä m i e nach zwölfjähriger aktiver Dienstz-eit von 1000 Mark auf 1500 Mark herausgesetzt und die Msindung für Nichtbenutzung des Zivilversorgungsscheines erheblich höher bemessen werden. Um die Unterofsizierslaufbahn sonst noch günstiger zu gestalten, wird eine Besserstellung oer Unter­offiziere und Kapitulanten hinsichtlich der Verpflegung und durch Gewährung von einzelnen besonderen Zuschüssen vorgeschlagen.

Bekanntlich Hand in Hand mit der Steigerung der Fricdens- pr-äsensstärke muß daS Beamten personal für allgemeine

ne in 2 Akten

Kindes

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e=^51. Redaktion: ^^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen»

nenz würde durch das Beispiel enthaltsamer Eltern mrd Erzieher aufs nachdrücklichste gefördert werden.

ff. Einer, der Tote auser wecken will. Ein aiueri- konischer Gelehrter ftanzösischer Abkunft, Dr. August de Eastel- lane-Seynlore, behauptet, unter gewissen Umständen Tote wieder zum Leben erwecken zu können, dann nämlich, wenn sic erfroren sind und die Leiche im Eise gelegen hat. In einem großen.ameri­kanischen Blatte setzt dieser Doktor seineErfindung" auseinander. Die Grundlagen, auf denen er fußt, sind vollkommen richtig, aber was er darauf aufbaut, klingt reck-t phantastisch, umsomehr, als er seine Methode auf den inr Schneesturm nmgckommencn Polar­forscher Scott und seine Begleiter anzuwcndcn verspricht. Dabei scheint der Erfinder von dem Gelingen seines Vorhabens ganz fest überzeugt zu sein, denn er erbietet sich, seine eigene Person zu Versuchen hergeben zu wollen: man soll ihn ein Jahr, zehn oder auch hundert Jahre in Eis aufbewahren, und daun nach seiner eigenen Methode wieder aufkauen und behandeln! Ter Amerikaner gebt davon aus, daß niedrigstehende Tiere, 3. B. Frösche mrd Fische, längere Zeit int gefrorenen Zustande leben können, wobei sie sicher keine Nahrung aufnchmen und viel­leicht auch nicht atmen. Es ist durchaus richtig, daß viele Fische, Frösche, Kröten nsw. den Wärter. int gefrorenen Zustande im. Wasser zubringen: findet tatet ein solches eingefrorenes Tier, so kann man es zerbrechen, wie Glas: taut inan cs aber allmählich auf, so lebt cs weiter, als sei nichts geschehen. Der Winterschlaf bei Säugetieren, der auch mit einer gewaltigem Herabsetzung aller Lcbenstätigkeiten verbunden ist, hat nun Dr. August de Eastellane- Seymore dazu veranlaßt, Gefricrversuche mit Säugetieren zu machen. Nach seiner Behaupnmg ist er dabei zu ganz merk­würdigen Ergebnisse gekommen: seine erste Versuck>stierc ver­trüge zwar das Einfrierm nicht, aber nach Vervollkommnung der Teckmik gelang es ibta angeblich, einen Himd cinfricren zu lassen, eine Zeitlang iM Eise aufzttbewahren und dann von neuem* 5u beleben! Er bedient sich dabei einer von ihm crfiindene (und natürlich geheim gehaltenen!) Flüssigkeit, die dem Versuchstiere nach dem' Wiederauftarte eingespritzt wird. Außerdem wurde das neu, belebte Tier künstlicher Atmung unterworfen. Soweit die Versuche des Amerikaners. Bei den itioberen Tieren stimmt die Sache vollkommen: bei den höheren ist sic sicher soweit richtig, daß sich die Gewebe eines eingefrorenen Tieres bei genügend kalten Temperaturen nicht zerstören. Daß aber ein eingefrorenes Säuge­tier neu belebt werden kamt, ist eine Behauptung, ^die erst bann Glauben verdient, wenn Dr. Augrtst de Caftcllane-Seymvre feine, Erfindung am eigenen Leibe erprobt haben tuirb. Er behauptet, auf der Suche nach einem geschickten Arzte zu fein, der bcn VersuM an ihm ausführen soll. Es ist zu vermuten, daß er selbst hi? Amerika keinen findet, der so leichtsinnig ist.

Vcrwaltungszwecke, für Rechtspflege und Scel- werden. Desgleichen sind die sanitären Ern- der Ucbungs- und Schießplätze zu er-

Samstag, 29. MrZ M

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheii Unioersitäts - Buch- und Steiudruckerei.

R. Lange, Gießen.

verlässigkcit der Mobilmachung und des inneren Wertes wiederum die Vermehrung der Offiziers st cllen ein unabweisbares Bedürfnis.

Die D u r ch f ü h r u n g s ä in t l i ch e r M a ß n a h m c n bei den drei Hauptsachen ist in Anbetracht ihrer Dringlichkeit soweit möglich für den Oktober 1913 geplant. Nur bei den Spezialwaffen zwingen Rücksichten organisatorischer Art zu einer Verteilung der Durchführung auf einige Jahre.

Hingegen sollen die bereits in dem Gesetz über die Friedens- Präsenzstärke des deutschen Heeres vom 27. März 1911 und 14. Juni 1912 ungeordneten organisatorischen M a ß - regeln, bereit Vcrwirkliclmng noch im vorigen Jahre bis aus 1914 und 1915 verschiebbar erachtet wurde, schon int Herb st 19 13 d u r ch geführt werben. In ähnlicher Weife müsse bie größtenteils durch bie Etats der letzten Jahre bereits angeftrebte Beschaffung von Kriegsmaterial aller Art be­schleunigt werden. Auch ist ein rascherer und vermehrter Ausbau unserer Festungen erforderlich, damit diese dem Feldheer einen sicheren Rückhalt und Stützpunkt bieten können.

Neu werden Mittel für bcn Ausbau der Luftschiff- flotte angeforbert.

Im Zusammenhang mit den bie Schlagfertigkeit des Heeres, erhöhenbeu Maßnahmen wird die Bereitstellung von Mitteln für eine bessere Verpflegung ber Mannschaften, sowie für freie Urlaubsreifen in bie Heimat vorgeschlagen.

auf bent Zürichberg abgchaltcn werben soll. 1000 Mit­wirkende, die von den großen Gesangvereinen, bcn künstlerischen Gesellschaften, Studentenverbindungen usw. unter Leitung von Ton! alle und Stadttheater gestellt werden, sollen sich an der Ver­anstaltung beteiligen. Die Proben zur Aufführung desP ar­t' ifal" sind unter der musikalischen Leitung von Dr. Lothar K c m p b c r in vollem Gange. Voraussichtlich dürfte die Auf­führung in der zweiten Hälfte des April ftattfinben. Hsr.

Melchior leugnet in Üonbon. Am Ostermontag, bent lustigenBankfeiertag", au bent alljährlich eine ganze Menge von Erstaufführungen erfolgten, führte Sir Herbert T r e c an His Majesty's Thcatte LengyelsProphet Perceval" auf, in ber englischen Bearbeitung I. B. FagansThe Happy Island" lDie glückliche Insel"! geheißen. Schon Wochen vor­her hatte man eine riesige Reklame entfaltet, bie hochgespannten (Srroartungen sind aber durch die Aufführung arg enttäuscht ivordcn. Wie cs bei Tee fast immer geschieht, erdrückt auch dies­mal die blendende Darstellung gänzlich den geistigen Inhalt des Werkes. Dieser prunkliebendc Regisseur, bent jedoch als Schauspieler in den meisten Rollen alle Innerlichkeit und Ge­fühls tiefe abgeht, hat das Erdenkbarste aufgebotcn, um ein unendlich farbenprächtiges Bühnenbild zustandezubringen. Es war lieber eine echte Lonboncr Sensationsaufführung, die ein Vermögen verschlang, ohne von eigentlicher künstlerischer Bedeutung für das englische Theater zu sein. Aber das Auge ist jedenfalls aus seine Rechnung gekommen. K. W.

U e ber die alkoholfreie Erziehung iin Hause.machte Präfekt Dr. Strehler, Neiße, auf dem deut­schen Kongreß für alkoholfreie Jugenderziehung etwa folgende Ausführungen: Die richtige Erziehung berücksichtigt das Wohl des Kindes in ber Gegenwart und streut Samen für die Zukunft. In beider Hinsicht muß die häusliche Erziehung alkoholftet fein. In den ersten Jahren ist wichtig die Gewöhnung an reizlose Kost. Früchte, Milch und einfache Mehlspeisen^ müssen vor­herrschen. Der Anblick des Alkoholgenusses ist dem Kinde möglichst zu ersparen. Mau bewahre das Kind vor dein Alkoholaber­glauben, und belehre es gelegentlich über die.Alkoholtatsachen, soweit cs Interesse Dafür zeigt. Sehr wichtig ist, bafi Die Kind­heit reich sei an schönen, reinen Freuden. Die Spielfröhlich- keit ist nach Kräften zu fördern. Ter Schwerpunkt liegt darin, daß die Abstinenz mit der Willensbildung eng verknüpft wird. Die Erziehung soll sich an die Kräfte und Strebungen des Kindes wenden und au sein. Verlangen nach Wachstum, nach Tüchtigkeit und innerem Wert anknüpsen. Selbstbeherrschung, Erziehung zur sittlichen Freilnit und Pflege einer charaktervollen Selbständig­keit stehen mit der Jugendabstinenz in enger Verbindung. Das Ideal muß sein ein tüchtiges, sittlich gutes, ftommes und segenbringenbes Leben. Je edler der Mensch ist, und je höher er steht, desto mehr schuldet er seine Kraft, feine Hilfe, feine Liebe der Gemeinschaft. Abstinenz wird so ein Bestandteil eines hohen.

Lm Sieg der deutschen Sprache.

Berlin, 27. März.

Zu einer originellen Veranstaltung waren heute mittag die Vertreter der Berliner und auswärtigen Presse in Den grünen Festsaal des Boardiitg-Palastes am .Kurfürsten-Damm geladen worden In der Reick)shauvtstadt ivütet feit längerer Zeit schon die Untugend, Hotels und Kaffeehäuser mit ausländischen Namen nnb Titeln zu schmücken, so daß man beim Durchstreifen ganzer Straßenzüge fast bcn Eindruck hat, in einer englischen oder französischen Stadt zu weilen. So war auch die kürzlich er­öffnete Freinbcu-Karawanferci auf dem Kurfürsteiidamm mit dem TcamcnBoarding-Palast" geschmückt worden. Der Name bür­gerte sich aber nicht ein, und das über 600 Zimmer zählende Haus, das einen Flächenraum bedeckt, wie sonst kein anderes Hotel in ber Welt, blieb von dem zunehmenden Fremdenver­kehr Berlins fast unberührt, während auf der anderen Seite deutsche Gäste ganz unverhohlen ihre Mißstimmung über bcn Gebrauch des fremben Namens zum Ausdruck brachten. Dar­aufhin hat sich nunmehr der Boarding-Palast entschlofseu, feinen bisherigen Namen abzulegen und sich nut bent heutigen Tage Cumbcrland-HauS zu nennen, unb zwar mit Rücksicht nUf den bevorstehenden Wiedereintritt des Hauses Cumberland in bcn deutschen Staatsverband. Diese Umläufe des Hauses wurde von den aiiwesendcn Vertretern der Presse mit gebühren­der Genugtuung darüber nufgenontmen, dap es den vereinten Bemühuitgen der deutschen Presse und des Allgemeinen beuttoen Sprachvereins gelungen ist, diesen Sieg der deiitschen Sprache über ausländische Hotelbezeichnungen errungen zu haben.

*

_ Neue Arbeiten von Gerhart Hauptmann. Gerhart Hauptmani: hat bie Zeit nach seiner Geburts­tagsfeier benutzt, nm einige schon im vorigen Jahre begonnene Ar­beiten fertig zu stellen. So ist 'zunächst bas DramaUlys les der B 0 g enspanner" fertig geworben. Zurzeit ist ber Dichter mit ber Dramatisierung einer Novelle von SclmaLagerlöf beschäftigt. Beide Arbeiten werden in ber fontmenben Saison auf die Bühne komnicn und zwar in Dem Theater der Sozietäre »es Lessingtheaters, bas unter bem TitelDeutsches Künftler- theater" int Herbst 1913 in ber letzigen Kurfürstenoper in Ber­lin eröffnet wird. Anfang Juni nimmt Gerhart Hauptmann an ber Inszenierung seines großen Jahrhunbertfcstspieles teil, das unter Max Reinhardts Leitung in der Festhalle der Bres­lauer Jahrhundertausstellung zur Aufführung gelangt.

Wagner-Feiern in Zürich. Aus Zürich wird uns geschrieben: Richard Wagners 100. Geburtstag beabsichtigt man hier am 18. und 25. Mai in Form eines mittelalter­lichen M a i f e ft e s zu feiern, das im Rahmen der Schlußszene derMeistersinger" unter freiem Himmel im Dolderpark

Vie Veröffentlichung

der Heeres- und Veckungsvorlagen.

Endlich hat die Regierung ihre Pläne ganz enthüllt; eine Extraausgabe der Norddeutschen Allgemeinen 3 ei tun g veröffentlicht eine Uebersicht der dem Reichstage vorzu­legenden Gesetzentwürfe. Es wird darin mitgeteilt:

'Die Hecresvorlagc sieht eine Erhöhung der Friedens- Präsenz von 544 2 1 1 auf 661 176 Mann vor. Die Infanterie halt künftig 669 Bataillone (bisher 651), die Kavallerie 550 Eskadrons (bisher 516), die Fußartillerie 55 Bataillone (bisher 48), die Moniere 44 (bisher 33), die Verkehrstruppen 31 Bataillone (bisher 18), der Train 26 Bataillone (bisher 25). Die Zivilvcrsorgungscntfchädigwtg wird von 12 auf 20 Mk. monatlich erhöht und die Geldabfindung von 1500 auf 3000 Mk.

Wie dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" weiter meldet, be­tragen die dauernden Ausgaben für 1913 54, für 1914 153 und für 1915 186 Millionen Mark, also zusammen 393 Millionen, die einmaligen Mehrausgaben für 1913 435 Millionen, für 1914 285 Millionen unb für 1915 178 Millionen, zusammen 898 Millionen Mark.

Zur D eckung der Mehrausgaben dienen eist erhöhter Betrag ber bestehenden Zölle und Steuern, die Erhebung eines Stempels für Gesellschafts-Verträge und Versicherungsguittungen, die Erweiterimg des ^Erbrechts des Staates, die Ueberschüsse von 1911/12 unb die Erhebung eines Wchrbeitrages.

Die gefanttc Hecresvermehrung beträgt rund 4000 Offiziere, 15 000 Unteroffiziere, 117 000 Gefreite unb Gemeine, sowie 27 000 Pferde. An bent1 vaterländischen Opfer des Wchrbeitrages werden sich auch die d e u t s ch c n Bundes­fürsten beteiligen. -Der Wehrbeitrag beträgt Vs Prozent des Vermögens; außerdem ist die Heranziehung der Ein - kommen über 50 000 Mark zu einem außerordent­lichen Beitrag von 20/0 vorgesehen, sofern nicht schon aus dem Vermögen ein gleich hoher Betrag geleistet wird. Von einer Staffelung ist abgesehen worden. Die Vermögen unter 10 000 Mark sind freigelas sen worden. Der Beitrag ist in zwei Raten zu entrichten; eine Stundung bis zu drei Jahren ist zugclafscu. Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien werden herangezogen. Der Nennbetrag des Aktien­kapitals unb die geschäftlichen Guthaben ber Gesellschafter werden in Mzug gebracht.

An ber Erhöhung der Friedenspräsenz stärke sind beteiligt: Preußen einschließlich der unter preußischer Militärverwaltung stehende Kontingente mit 513068, Bayern mit 73168, Sach- s c 11 mit 49 472, Württemberg mit 25 468 Gemeinen, Ge- . freiten und 'Obergefreiten.

In der Begründung der Wehrvorlagt

heißt es:

Durch die Ereignisse, die sich auf dem! Balkan abspielen, sind die europäischen Machtverhältnisse verscho­ben worden. Deutschland hat in einem Kriege, der ihm auf genötigt werden sollte, langgestreckte, von Natur zum großen Teil offene Grenzen möglicherweise gegen mehrere Feinde zu schützen. In­folge der cüigctrctenen Verschiebung ist es jetzt mehr denn je unsere oberste Pflicht, diesen Schutz so stark zu gestalten, wie unsere Volkstraft cs zuläßt.

Die Starke unseres Heeres hat mit dem Wachstum der Bevölterung nickst völlig gleichen Schritt gehalten, Teile der luelyrfräfligen Bevölkerung bleiben gegenwärtig für den Waffen­dienst unausgebildet. Tie allgemeine Wehrpflicht ist aber bie bewährte Unterlage für Deutschlands Stärke. Nur wenn sic verwirklicht bleibt, können wir ber Zukunft mit dem sicheren Gefühl erfüllter Pflicht und festem' Vertrauen cntgegeu- sehcn. Daun bleibt auch die Armee jung, und wir sind nicht genötigt, im' Kriegsfälle ältere Jahrgänge, Männer mit Frau unb Kind, sofort nnb in vorberster Linie vor bcn Feinb zu führen,

Zweites Blatt 165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Begründung des Marrrtschaftsverforgungsgesetzcs.

Zur Begründung der Aenderung des Mannschaftsversorgungs» gesetzcs wird gesagt: Als wirksamer Anreiz zur Kapitulation, im Heere sollen dienen: a) die Erhöhung ber laufenden Zioilversor- gungsentschädigung von 12 auf 20 Mark und b) bie Erhöhung der einmaligen Geldabfindung von 1500 auf 3000 Mark. Eines­gleichen Anreizes bedarf auch die kaiserliche Marine namentlich für ihre technischen Kapitulanten, die in so großer Zahl durch die günstigen Aussichten in der Privatindustrie vorzeitig bent Marincbienst entzogen werben.

Die Erhöhung wirb voraussichtlich zur Folge haben, daß eine größere Anzahl von Militäranwürtern als bisher von ber erwähnten Entschädigung für Nichtbenutzung des Zioilversorgungs- scheines, soweit ein Wahlrecht vorliegt, Gebrauch machen unb eine nicht unerhebliche Verminderung der im Zivildienstc ztt ver­sorgenden Kapitulanten eintreten wird. Auch wird eine merkliche Entlastung der Zivilversorgung int Reichs-, Staats- und Kom- munalbienftc erzielt werben.

Das Bedürfnis zur Erhöhung der Entsckwdigung für Mcht- benutzung des Zivilversorgungsscheines ergibt sich ferner aus fol­gendem : Durch das nach Inkrafttreten des Mannschaftsver­sorgungsgesetz erlassene Beamtenbesoldungsgesetz haben sich die Bezüge der Beamten unb ihrer Hinterbtiebenen wesentlich erhobt. In die Stellung biefer Beamten gelangt ber Kapitulant von zwölf­jähriger Dienstzeit durch den in tz 15 des Mamtschaftsversorgungs-- gesetws 1906 vorgesehenen Zivilversorgungsschein, der somit ein erhebliches Mehr darstcllt. Kann er keinen Gebrauch von dem Zivilvcrsorgungsschein machen ober verzichtet er aus bcn in ber Begründung zum Mannschaftsvcrsorgungsgesctz 1906 in tz 21 an­gegebenen Gründen auf diesen Schein, so sind die in bcn §§ 19, 20 nnb 21 des genannten Gesetzes vorgesehenen Geldbeträge bei ber seit Jahren eingetretenen Verteuerung ber ganzen Lebenshaltung keine ansreicbenbe Entschäbigung für bas, was ber Betreffende aufgibt ober aufzugeben gezwungen ist. Das gilt besonders, wenn in Betracht gezogen wirb, daß ein Unteroffizier, der im Durch­schnittsalter von 32 bis 35 Jahren steht, sich mit dem Betrage von 1500 Mark auch unter Zuhilfenahme der Dienstprämic von 1000 Mark (1500) eine sichere Lebensstellung nur in den seltensten Fällen wird verschaffen können. Wenn nun auch die Geldentschädi- gung für Nichtbenutzung des Zivilversorgungsscheines nicht den ganzen Wert der entgangenen Zivilversorgung ersetzen kann unb auch nicht ersetzen soll, so wird der ältere Unteroffizier doch den gleichaltrigen, aber in Beamtenstcllcn untergebrachten Kapitu­lanten gegenüber ganz wesentlich benachteiligt.

Die Zivilversorgung hat allein den Zweck, langjährig gedienten Kapitulanten nach ihrem Ausscheiden aus der Klasse ber_ Unter­offiziere eine sichere Lebensstellung zu verschaffen. Es ist daher nicht berechtigt, den Kapitulant^, deren Zukunft durch die Hecrcs- verwaltung tn anderer Weise sichergestellt wird, und zwar durch Beförderung zum Offizier oder durch Einreihung in die nach dem Offizierpenfionsgeseh abzusindendeir Personen, nach deren Beförderung zum Offizier usw. noch weiterhin einen Anspruch auf Versorgungsgebührnisse aus dem' Ntannschaftsversorgungsgesetz zu bclasseic. Die bisherigen Pensionsgesetze haben diesen von der Militärvmwaltung als niaßgebend angesehenen Standpunkt nickst besonders zum Ausdruck gebracht. Dadurch ist neuerdings ein unhaltbarer Rechtszustand hervorgerufen, der befeitigt werden muß. Dies ist gerade jetzt notwendig, iveil anläßlich der Heeres- verstärkung die Entschädigung für Nichtbenutzung des' Zivilver-- sorgungsscheins erhöht werden soll, und die aus den Kapitulanten hervorgehenden Offiziere infolge dieser Erhöhung der Zivilversor- gungsmtschädigung ihre frühzeittgc Pensionierung erstreben könnten. Es ist aber notwendig, daß diese Offiziere möglichst lange bem Militärbicnst erhalten bleiben unb in diesem Dienste ihren Lebensberuf erblicken.

(Fortsetzung im 1. Blatt.)

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Da; Kaiferpaar in Hamburg.

H 0mbürg v. d. H., 28. März-. Der Kaiser, die! Kaiserin ainb die Prinz«-essin Viktoria Luise mit Gefolge sind um 10,30 Uhr mittelst Sondcrzuaes hier eingetroffen. Auf dem Bahnsteig waren anwesend Land­rat Dr. Ritter von. Marx und Oberbürgermeister Lübke. Die Majestäten und die Prinzessin begaben sich im offenen

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