Drüder Gani Bei Toptan, entert liebenNvtbLtgen schönen Halunken, zu seinenr Flügeladjutanten Machte und dafür sorgte, daß Essad, dec eine Offiziersstelle in der Gendarmerie bekleidete, rasch befördert wurde. Gani Bei wurde nach einer Kette von tragischen Vorfällen in Konstantinopel ermvrdet, und ein Standesgenosse erschoß aus Rache dafür dm Sohr: eines Großwesirs. ®ffab aber wurde als Haupt der Gendarmerie nach Janina versetzt und erhielt dm Rang als Brigadegmeral. In Janina geriet er mit Tatar Osman Pascha (Bruder des bekannten Achmed Fcisi) aneinander, den sein zornmutiges und liederliches Wesm in eine ganze Anzahl schlimmer Aergemisse verwickelte. Essad setzte der Zügellosigkeit Tatar Osmans eine berechnete Strenge entgegen, Machte eines Abends eine Razzia durch die Übelverrufenm Häuser der Stadt, stieß dort mir Tatar Osman Pascha und ließ diesem, der sich weigerte, seinen Nam'en #u nennen, eine so gründliche Tracht Prügel verabreichm, wie sie wohl seltm ein hoher Beamter empfangen hat. Bald darauf zog sich Essad eine Weile auf seine Güter zurück, bis ihn die Umwälzung von 1908 wieder in Tätigkeit setzte. Er wurde schleunigst Jungtürke, wurde durch dm Einfluß seines Anhanges Kum! Abgeordneten für Turazzo gewählt, schloß sich in der Kammer der olbaniscl>en Partei an und wurde ein Dom im Fleische des Komitees für Einheit und Fortschritt. Während der Ereignisse der Jahre 1910 und 1911 stand er der Regierung sehr kritisch gegenüber, allein früh iw Jahre 1912 bewog ihn Haschi Adil Bei, der damals als Haupt eines Resorm- ausschusses Albanien bereiste, als Kandidat des Komitees bei ben Wahlen auszittretm. Er wurde natürlich gewählt, fiel aber, als die Komiteepartei zuruckging, schlmnigst von ihr ab und gab felyr bald offen seine Sympathien für seine aufständischen Landsleute kund. Bei seinem letztm Erscheinen in der Kammer setzte es ganz stürmische Auftritte ab, und bei der Auflösung soll er den Präsidenten Clmlil Bei bedroht habm und wüßte von der Polizei aus dem Saal geschleppt werden.
Das ist der Mann, der dm 'zweiten Teil der Belagerung von Skutari Mut- und kraftvoll Und int ganzen erfolgreich geleitet hat. Aus Konstantinopel wird heute berichtet, er werde von den Jungtürken beschuldigt, Mr Uebcrgabe von den Montenegrinern bestochen wordm M sein. Es lohnt sich kaum, auf diese Beschuldigung näher einzuyehen. Dergleichen und nodji ganz andere Dinge schleudert man in Konstantinopel instinktmäßig gegen seine Feinde, und daß Essad Pascha von den Jungtürken nicht als Freund betrachtet und behandelt wird, geht aus dem obm gegebenen kurzen Abriß seiner Lebmsgeschickste in dm letzten Jahren klar hervor.
Essad Pascha Fürst bon Albanien?
Wenn man an die Zukunft des neuen albanischen Staatswesens denkt, wird man mit Essad Pascha Toptan und ähnlichen Erscheinungen dieser Art rechnen müssen. Wir erhalten denn auch heute schon folgende Meldung, die freilich auf bloßer Vermutung beruhen wird:
Cetinje, 26. April. Ein hier umlaufendes Gerücht will wissen, Essad Pascha stehe im Begriff, sich zum Fürsten von Albanien proklamieren zu lassen.
Der Korrespondent des „Temps" in Cetinse erfährt, daß der König von Mont ene gro bei den der Ueber- gabe vorausgegangenen Verhandlungen mit Essad Pascha einen Vertrag abgeschlossen habe, der auf der Grundlage gegenseitiger Äktionsfreiheit beruhe. Der Vertrag sehe die Proklamation Essad Paschas zum unabhängigen Fürsten von Albanien voraus. Man hält es für möglich, daß die Proklamation heute oder morgen erfolgt.
Bulgarischer Verzicht auf Saloniki?
Laut einer Meldung der Bukarester „Jndevendancel" soll Bulgarien endgültig auf Saloniki verzichtet haben und oafür die Linie Kostaria Kailar-Vodena als Grenze von Griechenland verlangen.
Die tiirkifchen Verluste bei der Belagerung von Adrianopel,
Kvnstautinop el, 26. April. Hier ist der Mali von Adrranopel Halil Bey eingetroffen. Er erklärte in einem Interview: Während der Belagerung der Stadt hätten die Verluste der Türken nicht über 2000 Tote und etwa 7000 Verwundete 'bettagen. Von den letzteren konnten 6000 nach erfolgter Heilung wieder in die Front gehen. Die Zahlen enthalten nicht die Verluste während des letzten Sturmes. Der Mali schätzte die Verluste der Bulgaren .beim letzten Sturnr auf die Festung auf 6500 Tote.
Türkische Auszeichnung eines deutschen Fliegers.
Konstantinopel, 26. April. Der Sultan verlieh dem deutschen Flieger Scherff und dem türkischen Begleitoffizier Kemal Bey die Liakatmedaille als Auszeichnung der Tapferkeit vor dem Feinde. Soweit bekannt ist, ist dies die erste während des Krieges verliehene Dekoration.
Aus Stabt und Land.
Gieße n , 28. 9lprit 1913.
Ueber die Bedeutung der Südmark für Deutschlands Zukunft
sprach am Samstag abend in einer Versammlung des Alldeutschen Verbandes Herr I. A. Hoyer von Graz. Die Versammlung war sehr mäßig besucht, was um so mehr zu bedauern ist, als der Vortragende ein von glühender Liebe zu Deutschland und Vaterland getragenes Bild der Lage des österreichischen und namentlich des alpenländischeu Deutschtums gab. Der Kampf, der sich in stiller Arbeit am Südabhang der deutschen Alpeir absvielt, verlief lange ungünstig für das Deutschtum. Außer der GleickMlti gleit, mit der zahlreiche Deutsch-Oesterreicher dem Rückgang ihres Volkstums zusahen, trug namentlich die unbegreifliche Haltung der österreichischen Regierung zu dieser unglücklichen Entwickelung bei: da sie das Südslawentum auf Kosten des staatstreuesten Bevölkerungsteils, der Deutschen, begünstige. Aber endlich erwachte das bcutfd)e Alpenvolk aus seiner Gleichgültigkeit. Der Verein Süd- mark wurde gegründet und alsbald setzte der Kampf üm die Sprachgrenze zwischen Deutschen und Südslawen und Italienern kräfttg ein und zwar mit wachsendem Erfolg für das Deutschtum.
Es ist der Südmark gelungen, feit ihrer Gründung int Jahre 1889 1500 Joch Grund und Boden, eine Stenge deutscher Besitzungen für das Deutschtttm zurückzugewinnen, Hunderte von deutschen Bauern, Handwerkern tmd Arbeitern int1 bedrohten Sprachgebiete anzusiedeln und mit ihnen zahlreiche Orte dem Deutschtum zurückzugewinnen, St. Jakob im Etschtal, Suchen und Obergras int Gottscheerland, Ferlach im Rosenthal, Zierknitz, Grasnitz, St. Egydi, Schönstein bei Cilki, Rothwein und Thesen bei Marburg a. D., Witschein und Kartfchvwin in Steiermark, Hohenau und Unterthemenau in Rieder-Oesterreich. Die Ansiedlung der deutschen Bauern und Handwerker — auch solche aus dem Deutschen Reich sind sehr willkommen — geschieht durch Gewährung von größtenteils unverzinslichen Darlehen bei Ankauf von Liegen- fdxifhm, durch ZinsenMschuß und Spenden an unverschuldet in Rot geratene Bauern, Unterstützung landw. Genossenschaften,Heran- ziehung eines deutschen Hairbwcxkernackmmchses usw. Der Verein wurde tm Jähre 1889 gegründet und zählt jetzt in 970 Ortsgruppen rund 87 000 Mitglieder und hat eine Jahreseimlachne von über V» Million Kronen. Der Kampf um die deutsche Südmark muß viel mehr, als es bis jetzt geschehen ist. von Deutschland aus Unterstützt werden. Wenn das Deutschtum in den deutschen Alpenländern zurückgeht, so ist die Lage des gesamten Deutschtums Ungünstiger geworden, denn es ist bann abgeschnittrn vom Mittelmeer. Oesterreich ist das beste' Llbsah,
gebiet für Deutschland, es hat im' Jahr 1911
für 918 Millionen Mark .Waren nach Oesterreich ausgeführt. Das wurde sofort aufhören, wenn daS Deutschtum unterliegen und das Slawentum an seine Stelle treten würde. Mit einem begeisterten Bekenntnis zum Deutschtum.und seiner österreichischen
Heimat schloß der Vortragende seine mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Auf seine Anregung wurde eine Ortsgruppe Gießen des Vereins Südmärk gebildet, der fofort 21 Mitglieder bei traten. In den vorläufigen Vereinsausschuß wurden Landwirtschaftslehrer Amend in Großen-Linden, Fräulein Haupt Redakteur Heß, Lehramtsreferendar Lankhard und Privatdozent Freiherr von Liebig gewählt.
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* * Tageskalender für Montag, 21. April: Trinkerfürsorgestelle für Stadt und Landkreis Gießen, Gießen, Aster- weg 9. Sprechstunde: Jeden Dienstag abend von 6'/,— 8 Uhr.
• • In Audienz empfangen wurden vom Groß- h erzog am SamStag u. a.: Geh. Medizinalrat Professor Dr. Groedel von Bad-Nauheim, Medizinalrat Dr. Vogt von Butzbach, der Oberlehrer Professor Pabst von Bad- Nauheim und Oberförster Thum von Storndorf.
** P f ar rdien stn a chr i ch t en. Ernannt wurden Pfarrassistent Simon zu Rüsselsheim zum Pfarrassistenten in Mainz (Johannisgemeinde), Pfarrverwalter Klin- gelhöffer zu Geiß^Nidba zum Pfarrverwalter in Darmstadt (Stadtgemeinde), Pfarrverwalter Buchhold zu Ober-Ofleiden zum Pfarrverwalter in Eberstadt, Pfarramtskandidat Eck zu Gießen zum Pfarrassiftenten in Reu-Jsen- burg; Pfarrvikar Reith zu Maar zum Vfcrrrverwalter in Schlitz (erste Pfarrstelle). Gestorben sind der Pfarrer und Dekan i. P. Beruh. Bohn in Alzey am 17. Mürz, der Oberpfarrer und Dekan Fritz Schmidt zu Schlitz am 9. April. Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben: die Pfarrstelle zu Rodheim, Dekanat Rodheim, eine Pfarrstelle an der Stadtgemeinde zu Darmstadt, die Pfarrstelle zu Selters, die Pfarrstelle zu Ortenberg, dem Fürsten zu Stolberg-Roßla steht das Präsentationsrecht zu.
* • Lehrerpersonalien. Dem Lehrer Pet. Hillenbrand zu Lorsch wurde eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Heppenheim a. d. B., dem Lehrer Hch. Lampert zu Essenheim eine Lehrerstelle an der Gemeinbeschule zu Neu- Isenburg, dem Lehrer Hch. Spieß zu Rothenberg eine Lehrerstelle zu Osthofen übertragen.
* * Forst Personalien. Der Großherzo g hat den Ministerialsekretär Oberförster Karl Nicolaus zu Darmstadt zum Oberförster der Oderförsterei Romrod ernannt.
*• Zentralstelle für die Gewerbe. Der Großherzog hat den Finanzaspiranten 2lbo(f Bauscher in Darmstadt zum Revisor bei der Zentralstelle für die Gewerbe und dem LandeSgewerbeverein ernannt
” Die Preise für Schlachtschweine sind im steten Sinken begriffen, so daß in der abgelaufenen Woche die Züchter nur einen Preis für ein Pfund Schlachtgewicht von 67—69 Pfennig je nach Qualität erhielten. Die Bewegung wird anhalten unb es ist mit Sicherheit barauf zu rechnen, baß in zwei Monaten auf bem Schweinemarkte normale Preise ivieber eintreten, unb im Herbst mit Preisen gerechnet wirb, bie dem Züchter nicht willkommen sein werden. Die hohen Preise im vergangenen Winter in Verbindung mit der überreichen Kartoffelernte haben den Schweinebestand so vergrößert, wie es dem Umfang der einzelnen Wirtschaftsbctriebe kaum entspricht.
Kreis Schotten.
— Helpershain, 27. April. Mit Genehmigung be§ GroßhcrzogS unb mit Zustimmung ber Lanbessynode luurbc unsere Kirchengemeiube vom Kirchspiel Stümperten- rob losgetrcnnt unb ber Pfarrei Meiches als Filialort ziigeteilt.
Starkenburg und Rheinhessen.
R.B. Darmstadt, 27. April. Nachdem am vorigen Freitag Prinz Heinrich der Niederlande von Schloß Hohemark aus im Automobil einen Ausflug nach Mannheim unternommen und auf der Hin- und Rückführt in Darmstadt Aufenthalt genommen hatte, wird am Montag vormittag auch Königin Wilhelmina hier eintreffen und dem Großherzo gs paar einen Besuch abstatten.
rnt. König, 27. April. Die Vertreterversammluug der S t e r b e k a s s e sür Mitglieder des hessischen Landesgewerbevereins und des Verbandes deutscher Gewerbe vereine tagte heute hier unter Vorsitz des Sladtv. Sames-Tarmstadt. Gesckäftsführer Syndikus Engelbach erstattete den Geschäfts- und Kassenbericht, aus bent hervvrgeht, daß die Sterbekasse sich 1912 gut entwickelt Ijot. Der Stand der versicherten Kapitalien betrug Emde 1912 678 950 Mk. Tie .Jahresrechnung schließt mit 51 961 Mk. Einnahme und 50 186 Mk. Ausgabe. Ter 23er» mögens stand betrug 145111 Mk. und hat sich um 15 060 Mk. vermehrt. Das Jahr schließt mit 6739 Mk. Ueberschuß ab. Auf Antrag Haas-Gießen wird dem Vorstand und Geschäftsführer Entlastung erteilt. Der Ueberschuß wird durch Erlaß von je 2 Monatsraten an die Mitglieder zur Vettcilung kommen, der Rest von 2119 Mk. wird einem: Gewinuausgleichungsfvnds überwiesen, der den Zweck 'bat, den Mitgliedern auch in weniger günstigen Jahren einen Dividendenbezug zu ermöglichen. Hierauf kam der vom Vorstand gestellte Antrag zur Beratung. nach dem die Mitglieder, die mindestens 10 Jalne volle Jaliresbeiträge geleistet baben, auf Antrag beitragsfreie Versicherungen abfchließen können. Rach kurzer Aussprache wurde der Antrag einstimmig angenommen. Ein Antrag König, die Zentralstelle zu ersuchen, daß sie für die Folge wieder einen Zuschuß gewährt, ist dadurch erledigt, daß der Zuschuß für das abgelaufcnc Jahr genehmigt ist. Der Antrag Emmel auf Rückerstattung vorgelegter Beiträge wird dem Vorstand zur Genehmigung empfohlen. Dicko r ö-Gießen sprach dem Vorstand und dem Geschäftsführer für ihre umsichtige Tätigkeit Dank aus. Die nächstjährige Tagung soll in Flonheim stattsinden.
W. Mainz, 27. April. "Mch einer vormittags voraus- flegangenen Ausschußsitzung fand heute mittag im Kasino zum Gutenberg die letzte Hauptversammlung des deutschen Weinbauvereins statt. Präsident Reichs- rat Duhl-Deidesheim erstattete Bericht über die Vorhand- lungen, die zum endgültigen Zusammenschluß der Fach- orgauisationen der gesamten deutschen Weinbaugebiete führte. "Nachbarn noch der Rechner sestgestellt hatte, daß die Liquidation ohne Gefahr möglich sei, wurde unter der Voraussetzung, daß die Gründung des deutschen Weinbau- verbandcs in der heute nachmittag stattfiudenden Versammlung der Vertteter aus Preußen, Bayern, Elsaß. Hessen, Baden, Württemberg und Sachsen zustande kommt, die Auflösung des deutschen Weinbauvereins beschlossen. Der Vorsitzende des ryeiuyesissen Weinbauvereins Sittmcmn dankte Reichsrat Buhl und ReichStagsabg. Kommerzienrat Blau- keilftoru für ihre Bemühungen zum Zustandekommen des Zusammeuscylttsscs. — In einer von über 100 Vertretern aus den Weingegenden Deutschlands, Preußen, Bayern. Elsaß-Lochringen, Hessen, Baden, Württemderg und Sachsen' besuchten nichtöffentlichen Versammlung wurde heute nachmittag die Gründung eines Verbandes Deutscher Weinbau-Gebiete vollzogen. Zum ersten Präsidenten witrde Reichsrat Frmrz Buhl-Deidesheim, zum zweiten Präsidenten Reichstaasabg. Dlankenhorn-Müllheim (Baden, uird zum dritten Präsidenten Kommerzienrat Karl Wegeler- Kobleuz gewählt. Es wurde beschlossen, am 7. September
in Mainz einen deutschen Weinbau -Kougreß ein» zuberufen zur Vorberatung fachlicher unb wirtschaftlicher Fragen.
d. Ma i n z, 27. April. Der Polizei tourde ant Samstag nachmittag von Frankfurt aus gemeldet, daß ein Werber der Fremdenlegion mit einem jungen Mann auf der Fahrt von Frankfurt nach Köln Mainz berühre,unb festgenommen werden solle. Der Gauner hatte aber anscheinend Wind bekommen unb verschwand alte dem Zuge, kurz bevor dieser im Hauptbahnhvf zmn Halten kam. Der Angeworbene hatte in seiner Einfalt das Verschwinden des Werbers gar nicht bemerkt. Er schilderte den Flüchtigen, den er in einer Wirtschaft in Frankfurt kennen gelernt hatte, als einen 25jährigen, 1,65—1,70 Meter großen, schlauren Menschen, mit frischer Gesichtsfarbe, spitzer Nase, schwarzem Kopfhaar und blondem, aufrecht stehenden Schnurrbart. Er trug einen schwarzen, steifen 'Filzhut mit breitem Rand, dunklen zweireihigen Sackrock, dunkle Weste mit Kcwalier- kette, dunkle Hose mit weißen Streifen, Stehkragen mit umgelegten Ecken und dunkler langer Kravatte mit weißen Streifen. Der Fluchtige trägt einen braunen, dicken Rohrstock mit gebogenem Griff und gelb em Beschlag. Die hiesige, Frankfurter und Wiesbadener Polizei fahndet eifrig nach dem Werber. — Der Flieger Trautwein wtollte am Samstag abend gegen 7 Uhr auf dem Großen Sande mit einem neuen Flugapparat einen Aufstteg unternehmen. In der Höhe von 2,50 Metern rannte er gegen die ausgestellte Signalstange, das Flugzeug überschlug sich und stürzte herab in den Sand. Trautw-ein lag unter dem zertrümmerten Flugzeug; er ist mit dem Schrecken davongekommen.
Der Beginn öes großen Ghm-prozeffer.
^ Dortmund, 28. April.
Vor einer eigens gebildeten Strafkammer beginnt heute nach einer außerordentlich umfangreichen Bormttersuchung der große Ohm-Prozeß, der nach dem Umfang und der poraussichklichen Tauer einen Rekord in der Geschichte der deutschen Strafrechtspflege bedeuten dürfte. Hauptangeklagter ist der Bankier Julius OI) M, dem die meiste Schuld an dem Zusammenbruch ber Niederdeutschen Bank, deren Direktor er war, zugeschoben wird. Neben OlM haben sich als Mitangeklagte zu verantworten: der ehemalige Vorsitzende des Aufsichtsrates der Niederdeutschen Bank, Justizrat und Notar Hnchzermeier, Oberlandesgerickftsrat a. D. Geheimer Justiz rat Im Walle (Münster i. Wests.), Rechtsanwalt und Notar Justtzrat Bonzel (Dortmund), Architekt Stadtrat Maiweg (Dott- mund), der frühere Rechtsanwalt Bankdirektor Dr. Noldcn (Berlin), der ftühere städtische Handelsschuldirektor Hortwirg (Dortmund), Bankdirektor Quantz (Lünen), Direktor Sandmann (Dvtt- mund), Tirettor Pallenberg (Dottimmd), Bankier Püttmann (Dortmund), Kaufmann Laue (Koburg), Kaufmann Rosenkaimer (Dortmund), Prokurist Benner (Dortmund), Direktor Peuker (Dortmund), Direktor v. d. 'Esche (Dottmund) und Geschäftsführer Strecker (Bochum').
Der JasmnMenbruch der NieberdeutschcU Bank hatte seinerzeit für weite Kreise der Bevölkenmg schivere Folgen wirffchvftlicher Natur. Viele kleine Leute büßten ihr ganzes Vermögen ein und kamen an den Bettelstab. Auch einige Selbstmorde glaubt man mit dem Bankkrach in Verbindung bringen zu müssen. Ohm, eine etwas phantastische Natur, konnte sckjließlich den Umsang des Geschäfts selbst nicht mehr überblicken. Er hatte zuletzt eine große Reihe von Tochtergefellsck)vften aller Art gegründet und suchte sich damit über Wasser zu hatten, daß er Wechsel dieser Tochtergesellschaften hereinnahm', ohne den Gegenwett auszuzahlen. Int letzten Augenblick versuchten die Bankdircktorcki, noch die Berliner Großftnanz zu bewegen, sich an einer Sanierung zu beteiligen. Zusammen mit den Verlusten der TochtergescU schäften beziffert man den Gcsanctverlust auf 100Mill^onen Mark. Tie Mitglieder des Aufsichtsrates sollen ihren Pflichten in feiner Weist nachgekommen fein. Da in dem Prozeß vorwiegend banktechnische Fi'agen erörtert werden sollen, dürfte sich bie Verhandlung ziemlich eintönig gestalten.
Vermachtes.
* Der Imperator" trat am Samstag nachmittag3Uhr von Cuxhaven ans feine erste Probefahrt an, die er abends beenden wird, '(rr wird die Nacht über vor Helgoland ankern und Sonntag früh die zweite Probefahrt beginnen, bei betr er ack)t Stunden lang farciert fahren .wird. Nachmittags 4 Uhr trifft er wieder in Cuxhaven ein und niMmt dort vierzig Personen an Bord, die von bem Generaldirektor der Hamburg—Amerika-Linie, Geheimrat Ballin, zu einem Essen cingelabcn worden sind.
* Das Wrack des Torpedobootes „8 178" ist am Samstag früh in Gegenwart einer Gerickstskommissivn geöffnet worden. Bishia wurden sieben Leichen geborgen.
* Eine Ehescheidung in katholischen.Fürstenhäusern. Wie die „Korresvondenz Hoffmann" erlährt, ist die Ebe des Prinzen Georg von Bayern mit der Erzherzogin Zsabella Marie inzwischen and) von der päpstlichen Kurie dem Bande nach gelöst worden. Die Erzherzogin tritt somit wieder in bie Rechte eines Mitgliebes des österreichischen Kaiserhauses.
* D»e 17jährige Millionärstochter Ramona Borden, bie von Frau AbamS, ber geschiebenen Frau bes Millionärs Borden, entführt worben war, ist nach langer Jagb in 93 o ft on gesunden worden. Nach bem .Lokalanzeiger' ist ihr weiblicher Entsührer entflohen.
* Gräßlicher Unfall. Aus PforKyeiM, 27. April, wird gemeldet: Gestern abend kurz vor 6 Uhr fiel das rostig gewordene eiserne Tor des Haupteingangs des StLdttschen Parkes um unb erschkug des neun Jahre alte Töchitevchen des Schreiners Georg Dongus. Das Kind starb schon auf bem1 Wege nach der elterlichen Wohmmg.
Luftschiffahrt.
D r e s d e n, 27. April. Haute morgen itnt 6 Uhr fliegen auf der Radrennbahn Reick die am Gordon-Bennet- Aussch eidungsrennen teilnehmenden FreiLallons bei günstigem Wetter uni) südöstlichem Winde auf. Es starteten Heben Ballone.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen.
Wetteraussichten in Hessen für Dienstag, den 29. April 1913: Meist beiter, trocken, warm, Gewitterneigung.
Letzte r?aehrichten.
Die Reise des Kaisers.
Karlsruhe, 27. April. Der Kaiser ist int Sonderzug gestern abend 10.40 Uhr nach Wildpark abgereist. Am Bahnhof waren anwesend der Groß her zog und Prinz Max von Baden sowie der Kommandierende General des 14. Armeekorps.
Eine seltene Geburtstagsfeier.
Berlin, .28. April. Der Rentner und frühere Hoftischlermeister Fritz Fcres in Potsdam beging heute im Kreise seiner Kinder und Kindeskinder fernen 10 0. Geb urts- t a g. Unter den unzähligen (sKschenken unb Glückwünschen ist besonbers bemerkenswert eine Tasse des Kaisers und sein herz-, liches Glückwunschtelegramm. Der KKiser telegraphierte:
„Ich sende Ihnen meinen königlichen Glückwunsch zu Ihrem 100 Geburtstag und freue mich, daß Gottes Gnade es Ihnen vergönnt hat, diese seltene Feier in allgemeiner Verehrung unb Rüstigkeit zu begehen. Wilhettn I. R."
Die Kaiserin sandte eine herrliche Vase mit Rosen und im Auftrage des Kaisers einen Baumkuchen. — Tie Kronprinzessin dcpeschiette aus Berlin: Tem Hundertjährigen zu dem seltenen Feste meine herzlichsten Glück- unb Segenswünsche,


