Nr. 256 Erstes Blatt 163. Jahrgang Zreitag, z^. ©ftober 1913
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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seilen.
Tageskalender ans dem Jahre 1813.
31. Oktober. Napoleon verläßt um 11 Uhr Hanau und triffi nachmittags um 3 Uhr in Frankfurt a. M. ein, toi er im Gartenhaus des Herrn v. Bethinann bis zum 1. N» vcmber nachmittags 1 Uhr verbleibt, um sich von da nach Höchst a. M. zu begeben.
Die einzige Enthüllung derllrnpp-Prozesse.
Wenn die Tätigkeit Brandts herauskommc, fliege die ganze Firma ttrupp in die Luft, so will sich der „interessante" Zeuge des zweiten Krupp-Prozesses, Herr p. Metzen, einst gegenüber dem Direktor Eccius geäußert haben. Als der Oberstaatsanwalt fragt, ob der Zeuge das Bild des Pulverfasses aufrecht erhalten könne, zieht sich Herr v. Metzen in sein dünnes Schneckcngehäuse zurück und erklärt, er möchte sich auf diesen Ausdruck nicht festlegcn. Herr v. Metzen weiß ganz genau, daß die Firma Krupp durch seine „Enthüllungen" nicht in die Lust fliegen wird. Aber etwas anderes, so stellt sich immer deutlicher heraus, sitzt auf dem Pulverfaß, sowohl bei diesen Prozessen, wie auch anderswo, und das ist: Das militärische Staats-geheimnis desDeut- schcn Reiches! Ein Verteidiger, Justizrat v. Gordon., mußte darauf Hinweisen, daß in den bei Herrn v. Metzen beschlagnahmten Papieren eine ganze Reihe absolut militärischer Geheimnisse, deutscher Geheimnisse, enthalten war. Es hätte ein unendliches Unglück geben können, wenn diese Briefe der Oeffentlichkeit preisgegeben worden wären. Auch Geheimnisse einer andern Dreibundmacht waren darin enthalten, und schon die internationale Höflichkeit hätte cs verboten, diese Schriftstücke zu veröffentlichen. Wie, wenn diese Schriftstücke nicht von einem durchsuchenden Richter beschlagnahmt worden, sondern in unbefugte Hände geraten wären? Wie, wenn die vielen Papiere, Briefe, Korrespondenzen, Kornwalzer usw., von denen im Prozesse soviel die Rede ist, aus dem wenig verschwiegenen Sofa-Versteck des Herrn v. Metzen oder aus den Schubladen und Schränken anderer beteiligter Privatleute entschlüpft und unter Augen gekommen wären, die für fremde Nationen gewöhn- heits- oder gewerbsmäßig beobachten und wirken? Mit anderen Worten: Wird cs als einzige, Enthüllung der Krupp- Prozesse nicht immer klarer, daß die militärischen Geheimnisse des deutschen Vaterlandes durch das Hin- und Hertragen aus Bcamtcnbüros in Privathände und umgekehrt, durch das Abschreibcn und Aufheben zu kleinlichen Rachezwecken und insbesondere auch durch die jetzt ans Licht gekommenen Manipulationen konkurrierender Waffenfabriken leicht auch zur Kenntnis der ausländischen Spionage kom- nien können? Die Kruppschen Fabrikgeheimnisse allein ohne die amtlichen Akten sind doch schon meist nichts anderes als militärische und vaterländische Geheimnisse.
Schon vor der jetzigen Klärung, während des ersten Krupp-Prozesses wurde von einer der Firma Krupp anscheinend nahestehenden Seite darauf hingewiesen, daß der Ueber- wachung der Kruppschen Fabrikgeheimnisse die denkbar größte Aufmerksamkeit geschenkt werde. Der äußere Kontrollbetrieb werde durch besondere Beamte ausgeübt, nämlich nach dem Beispiel der Staatswcrften durch die — Feuerwehr der Kruppschen Werke. Unterdessen hat auch ein Militärfachblatt, höchst merkwürdigerweise ein englisches, nämlich das „Army and Navy Journal" einen Bericht über den inneren Kon
trolldienst veröffentlicht. Alle schriftlichen Mitteilungen würden nur in verschlossenen Kästen weiter gegeben, in die ein Unbefugter nie Einblick gewinnen könne; jeder Kasten könne rur von dem geöffnet werden, für den er bestimmt ist, da Geheimschlüssel eine unbefugte Oeffnung unmöglich machen. Die Angestellten würden „zur unverbrüchlichen Geheimhal- ung in allem, was sic sehen und hören," verpflichtet. Um Durchstechereien und Entwendungen wichtiger Papiere unmöglich zu machen, müßten die Angestellten ihren Anzug wechseln, ehe sie den Dienst antreten und wenn sie den Dienst beendigt haben. Letzteres klingt sehr dilettantisch und trifst ncht zu. Man kann die Angestellten der Firma Krupp bei Antritt und Beendigung ihres Dienstes nicht untersuchen wie Die schwarzen Arbeiter der Diamantgruben von Kimberley.
Es soll nicht bestritten werden, daß die wichtigste Tätigkeit in den Noiistruitionsbureaus nur sehr erprobten Leuten anvertraut wird und daß die Finnta Krupp bei der Personal- auswahl sich bemüht, sehr scharf zu sieben. Aber diese private Kontrollorganisation konnte nicht verhindern, daß bie Kruppschen Werke wiederholt von Verrätern heimgesucht und damit auch das militärische Staatsinteresse auf das Schwerste geschädigt wurde. Erinnerlich ist vielleicht noch die vor einigen Jahren erfolgte Verurteilung von drei Personen, die sich bei Krupp geheime Pläne angccignet hatten. Tie internationalen Spionagebureaus, die ihren Sch im Ausland haben, ihre geheimen Filialen aber auf preußischem Boden und insbesondere im Rheinland unterhalten, kommen auf gewissen Schleichwegen und durch gewisse Hintertüren an die geheimen Schubfächer der Firma Krupp heran. Drese Gefahr ist durch die jetzigen Prozesse klarer als je geworden iiiid führt drängender als je zu der Frage, ob die Herstellung von Kriegsmaterial durch Privatfirmen nicht unter der schärferen und eigentlichen Kontrolle des Staates zu erfolgen hat. Damit soll nicht der Verstaatlichung der deutschen Geschützgießcreien das Wort geredet werden, sondern der staatlichen Kontrolle derjenigen Fabrikationszweige, die aus nationalem Interesse unbedingt und strengstens geheim gehalten werden müssen. Wenn der Ausschuß des Reichstages in dieser Richtung Erhebungen anstellt !und Vorschläge macht, wird er einen wirklichen praktischen Nutzen aus den Krupp-Prozessen ziehen.
Vie badischen LandtagZwahlen.
M a n n h e i m , 30. Oft. Das Gesamtergebnis der Nachwahlen zur Zweiten Badischen Kammer ist folgendes: 4 Fortschrittliche Volkspartei, 11 Nationalliberale, vier Sozialdemokraten, 1 Zentrum. Die Zweite Kammer setzt sich nun wie folgt zusammen: 30 Zentrum, 5 Konservative, 13 Sozialdemokraten, 19 Nationalliberale, 1 Wilder, 5 Fortschrittler.
Die Gewinn- und Verlustliste der Parteien stellt sich nach den heutigen Stichwahlen wie folgt: Nationalliberale plus 7, minus 5, fortschrittliche Volkspartei plus 2, minus 4, Sozialdemokraten plus 1, minus 8, Zentrum plus 4, minus 1, Konservative plus 2, Bund der Landwirte plus 1, minus 1, Wilde plus 1. I n der Zweiten Kammer verfügt die Linke demgemäß über 37 Stimmen gegen 36 Stimmen der Rechten.
Wir geben nachfolgende Uebersicht:
Die Nationalliberalen erhielten bei der Hcmptwahl acht, gewannen dabei drei und verloren fünf Sitze, bei der Stichwahl erhielten sie 11 Sitze. Sie besitzen nunmehr 19 gegen 17 in
der alten Kammer. Die Fortschrittler erhielten bei der Hauptwahl 1, verloren 3 Sitze, erhielten in der Stichwahl 4, zusammen 5 gegen 7 «Sitze in der alten Kammer. Die Sozialdemokraten erhielten bei der Hauptwahl 9, gewannen einen und verloren 4 Sitze, erhielten bei der Stichwahl 4 Sitze, zusammen 13 gegen 20 in der alten Kammer. Tas Zentrum erhielt bei der Hauptwahl 29 Sitze, gewann 4, erhielt bei der Stichwahl 1 Sitz, zusammen 30 gegen 26. Die Konservativen erhielten bei der Hauptwahl 4 Sitze, gewannen 2, bei der Stichwahl keinen Sitz, zusammen 4 gegen 2 Sitze. Der Bund der Landwirte erhielt bei der Hauptwahl 1 Sitz, gewann 1 Sitz, bei der Stichwahl feinen Sitz. Die Wilden gewannen bei der Hauptwahl einen Sitz, bei der Stichwahl feinen. Gewählt wurden in der Haupt- wähl 53, in den Stichwahlen 20 Abgeordnete, d. i. 73 Abgeordnete. _______________________________
Die Beendigung der Regentschaft in Bayern.
München, 30. Oft. In der Kammer der A b g c * ordneten erklärte zu Beginn der Sitzung bei der Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Aufhebung der Regentschaft Ministerpräsident Freiherr v. H erkling u. a. folgendes:
Tie Vorlage, welche Ihnen zuging, ist von ungewöhnlicher Bedeutung und Tragweite. Nach eingehenden'Beratungen entschloß sich die Regierung zu diesem Schritt. Sie ist sich ihrer Verantwortung vollbewußt. Die Umstände entschuldigen wohl und gestatten auch, daß ich abweichend von dem Herkommen die Verhand- lmigen des Hauses mit kurzen Worten eröffne. In einem monarchischen Staat ist die Regentschaft wegen dauernder Regierungs- Unfähigkeit des Monarchen stets ein anormaler Zustand und wird zum Unglück, wenn diese Einrichtung eine dauernde zu werden droht. Daß dieser Zustand in Bayern beendet werden möge, ein Zustand, der auf lange Jahre zurückgeht: dieser Wunsch ist langst gehegt und zürn Ausdruck gebracht worden. Damals beugte sich aber bie Staatsregierung dem Wunsche der allerhöchsten , Willensmeinung des Prinzregenten Luitpold. Seitdem sind 16 Jahre verflossen. Ter Prinzregent Luitpold ist heimgegangen und ein Regentschaftswechsel eingetreten. Der alte Wunsch besteht fort und ist in der letzten Zeit sogar mit besonderer Lebhaftigkeit hervorgetreten. Der monarchische Gedanke, die Empfindungen weiter Volkskreise und die Stellung Bayerns nach außen, sie alle verlangen, daß an der Spitze des Königreichs ein regierungsfähiger König stehe. Die Sta-atsregierung ließe sich eine Pflichtvenaunrnis zu schulden kommen, wenn man diesen Verhältnissen nicht Rechnung tragen wollte, daß eine Aenderung dieses Zustandes nur auf dem Weg: einer Verfassungsänderung möglich ist. Dieser Satz ist lange bestritten worden und ist ber Theorie vonder Notwendigkeit des Fortschreitens des staatlichen Lebens abgerungen. Diese Befugnis zu einer Verfaisungs mde- rung ist verallgemeinert, daß überall da, wo die Verfassung eine Mitwirkung der Krone vorsieht, der Regent als Träger ber königlichen Gewalt diese Befugnis cuiszuüben berufen ist. Eine Verfassungsänderung ist es> daher, die die Vorlage ihnen unterbreitet, aber nur bezüglich eines Punktes. Die Vorlage hütet sich, irgendwelche andere Punkte, als den einen zu berühren. Der Ministerpräsident verlas die Berfassungsbestimmung der Artikel, die hmzu- gefügt werden sollen und fuhr fort: Danach kann der Regent die Regentschaft für beendet erklären, er kann es, weil er wahrend der Regentschaft der stellvertretende Inhaber der vollen Königsgewalt ist, et kann es, aber er muß es Nicht. Es, ist in fein Ermessen gestellt, ob er den Zeitpunkt für geeignet halt, und wenn er ihn für geeignet hält, die Regentschaft für beenbet zu erklären, dann ist der Landtag unverzüglich eimuberufen, Nun liegt es in Ihrem wohlbekannten und ernsten Pf licht empnnben und Ihrer praktischen Hingabe, beit schweren verantwortungsvollen Schritt, den die Regierung unternommen hat, zu einem guten Ende zu führen.
innerungen geweihte (schloß Ct Schöpfung Lionardos da Vinci
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c ia)einnaj ntaujen iwihi , sich bei der Errichtung -1 bedient und an sie sich <
gegen ist nur wenig entwickelt und wird von den Männern aus- geübt. Die Makiritare sind besonders bewandert in der Herstellung von Reibebr^tten die sie toeitum feilbieten und verhandeln. An Waffen kennen die Männer nur Bogen uno Pfeile, sowie das Blasrehr, mit dem sie Pfeilspitzen versenden, die mit dem gefährlichen Pflanzengift Curare vergiftet sind. . .
Reicher Beifall lohnte dem Redner für lerne uftereisauten Ausfüllungen. Manches Mitglied der „Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde" aber wird die erste Darbietung dieses Winters als eine wohlgelungene Veranstaltung gebucht haben.
Eingeborenen das gefährliche Unternehmen begonnen. Abgelenkt durch den Aracasa, ging die Reise nordwärts, dem Gebirge entgegen Nach Ueberwindung zahlloser Stromschnellen und jouftigen Schwierigkeiten stockte schließlich der Zug völlig, da bie nahende Regenzeft die Notwendigkeit nahelegte, bewohntere Gegenden aift- zusuchen. Während seine Abgesandten das Gebirge überichritten, um von ber venezolanischen Seite leichte Kanus herbeizuschassen, benutzte ber Leiter ber Expedition die unfreiwillige Muße, um 60 Mythen u nd Legenden zu sammeln und aufzuzeichnen. Nachdem alsdann durch den Merevari der Caura erreicht war, hatte man zwar bereits das Stromgebiet des Orinoco betreten, ftdoch noch keineswegs alle Schwierigkeiten überwunden. Im Gegenteil! Am Ventuari geriet die Reisegesellschaft durch Verrat treuloser Indianer, durch Flucht von Trägern, durch Krankheit und Ichwie- riges Gelände in die größte Gefahr. Endlich aber erreichte die tapfere Schar San Fernando am Orinoco und damit das Ende aller Leiden.
Eine reiche Ausbeute in wissenschaftlicher Hinsicht war der Lohn der großen Anstrengungeii. Eine Ahnung von der Bedeutung der Reise ging auch den Fernstehenden auf, tveim wohlgelungene Photographien auf dem Lichtschirme Typen der wichtigsten Indianer flämme vorfül-rten, wie der Taulipan, der Makulchi, Schi- riana, Maku, Makiritare u. a. In bie Lebensweile dieser Urvölker ließen aber ganz besonders die kinematographischen Ausnahmen einen guten Einblick gewinnen, während die phcnogravhischen Ausnahmen Tanzlieder und Gesänge Wiedergaben. Besonders interessant gestaltete sich auch die Vorführung des Hausbaus. Begnügen sich die unkultiviertesten Stämme, die im Walde umherziehen, zum Schutze gegen die Unbilden ber Witterung mit einem einfachen Windschirm, so bauen die Sesthaften unter den Indianern stattliche Häuser, die sogar hier und da zu Dörfern zusammentreten. Ein kunstvolles Gerippe aus Stangen, von Lianen zusammeiigehalten, wird hierbei mit Palmwedeln eingedeckt, wobei fleißig dem Nationalgetränk „Kaschiri" zuge- fprodicn wird. Durch abwechselnde Benutzung Heller und dunkler Wedel wird das spitze Dach hübsch gemustert. Zur Hauseinweihung rcranftalten die Männer Ringkämpfe vor ihren Gästen: die zukünftigen Hausbewohner aber werden zur Austreibung der bösen Geister vom Torsältesten tüchtig ausgepeitschl. Ackerbau wird in der Urform betrieben: Die Bäume werden gefällt und abgebrannt, und zwischen den halbverkohlten Bäumen wird dem Boden die Maniokwurzel ober das Maiskorn anvertraut. Das Einernten
ist Sache der Frauen, die am Stirnbande große Lasten heimzu- schleppen vermögen. Auch das Entgiften der Maniokknollen durch Auspressen, sowie das Mahlen des Maiskorns besorgen die Frauen und Mädchen. In der Nähe des Torfes wird auch Baumwolle angebaut, die m einfachster Weise gesponnen und zu Lenbenschürzen, Tragriemen imb Armbändern verwoben wird. Die Töpferei i)a-1 bedient
Durch Nordbrasilien zum ©vinoco.
Gießen, 31. Okt.
Die „Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde" eröffnete gestern abend ihre Vortragsreihe vor überfülltem Saale mit dem Vortrage unseres oberhessischen Landsmannes Prof. Dr. Theodor Koch- Grünberg über ,,'))teine Reise durch Nordbrasilien zum Orinoco". Der Vortragende hat jene Gebiete schon mehrfach besucht, zuletzt 1911 bis 1913. Die Reise nahm diesmal ihren Ausgang von Manaos, am Einfluß des Rio Negro in den Amazonas. Zuerst folgte sie dem Rio Negro aufwärts bis zur Mündung des Rio Branco, um dann diesem nachzugehen. In Sa Marcus wurde Halt gemacht, um von feiet aus den liul’an Quellfluß des Rio Branco, den Tacutu, bis zu seiner Quelle zu verfolgen. Weite Savannen nahmen hier die Reisenden auf. Einförmige Oede kenn- • zeichnet diese mit hoben Grasbüschen bedeckte Formation, die nur feier und da durch kegelförmige Termitenbauten etwas belebt wird. 3ur Regenzeit ist die (Sberoc am Tac-üöu überflutet, so daß die Reisenden tagelang bis an den Gürtel im Wasser waten mußten. Allmählich aber steigt das Gelände an und es eröffnet sich der wundervolle Ausblick aus das Reiseziel, feen 2600 Meter hohen Roraima und seinen Zwillingsbruder, den Kukenam, die sich beide als schroffe Sandsteinftlseii auf eine Hochfläche von 1500 Meter höhe auffetzen. Beide (Gipfel sind in der Regel nur vormittags in ihrer vollen Schönheit sichtbar, da am Mittage bereits starke Nebelbildungen sie dem Auge entziehen. Fast täglich ergießen sich insolgedessen reichliche Regenmengen auf diese Gebirgsgegend, fo daß der Roraima seinen Namen, „die ewig sruchtbare Mutter der Ströme", vollauf verdient. In gewaltigen Sprüngen stürzen sich die wasserreichen Mflüsse dieses Gebiets von den Bergen und eilen in schäumenden Stromschnellen dem Esl'eguibo, dem Orinoco oder dem Amazonas zu. Infolge des Wasserreichtums herncht hier auch ein überreicher Pflanzenwuchs. Am Roraima beginnt das trovifche Waldgebiet, das von feier ohne Unterbrechung nördlich und östlich zum Meer, westlich zur Kordillere reicht. Tie Einwohner die Taulipan, sind echte, unverdorbene Naturkinder, bie bem Reifenden in liebenswürdigster Weife entgegenkommen, seit Schomburgk hier weilte, haben nämlich keine Weißen wieder di^es Gebiet betreten, so daß die Bewohner von ihrer Eigenart nichts eingebüßt haben. Schwierigkeiten entstanden hier m der Ber- vfleauna in ofern, als die Taulipan rem vegetarftche Lebem-wcue haben lManiok, Reis, Mais, Sananen) eine Art der Ernährung, die auf die Dauer die Träger nicht befriedigte Jnfolgedeften mußte bie Reisegesellschaft wieder zum Ausgangspunkt Sa Marcus zuruck- feferen^ QU§ f^gte nunmehr Prof. Koch- Arünberg dem Hauvtauellfluß des Rio Branco, bem Uraricoera, nm den Veriuch zu machen, diesen aufwärts bis zum Orinoco durchzu^tzem Nach kurzer Rast auf der Insel Maraca wurde trotz allen Abratens der
zusügung: die Entdeckung der drei alten Zeichnungen hat die Feststellung ermöglicht, daß ursprünglich die Galerien untereinander in Verbindung stehen und gemeinsam in einen Saal münden sollten, der die Form eines griechischen Kreuzes haben und in seiner Mitte von einer .Kuppel oder von einem Tachsenster sein Licht erhalten sollte. Dies ist also der Urgedanke des Schloßbaues von Charnbord und nun bildet nach den gedachten Verfassern gerade dieser Baugedanke, der zu seiner Zeit eine vollständige Neuerung darstellte, einen der charakteristischsten Züge der Architekturentwürfe Lionariws. Er findet sich bei ihm zu wiederholten Malen in den Skizzen feiner Handschriften ausgedrückt, und zwar angewandt auf Kirchen, Schlösser und Beseitigungen. Vor Lionardo aber hatte kein Architekt eine ähnliche <;dee gefaßt. Auch andere Umstände deuten auf Lionardos Erfindung hm: so bie Anwendung der klassischen Ordnungen und der Arkgdenfeniter unb die polychromen Jnkustationen der Schauseite, -laß Lionarde den Ban von Charnbord nicht selbst geleitet hat, liefet rreditfe feit, denn er wurde erst im Jahre 1519, dem Todesiahre des Meisters begonnen: was aber Marcel und Charles Reyrnond wahrscheinlich machen wollen, das ist, daß die leitenden Bau meuter ' - • ' " '■ } von Charnbord der Entwurle LwnardoS
angeschlossen haben sollen^
kf. Schloß Charnbord — eine Schöpfung Lionardos b a Vinci? In der „Gazette des Beanx-Arts" stellen Marcel unb Charles Reyrnond die hochmteressante Vermutung auf, daß das berühmte, nicht nur künstlerisch hervorragende, sondern auch durch viele Erinnerungen geweihte Schloß Cham- borb in Frankreich als eine —
zusehen sei. Die Begründung dieser Vermutung geht von der Tatsache aus, daß Lionardo in einem Briefe, den er im Jahre 1506 aus Mailand an Ludwig XIII von Frankreich schrieb, diesem allerlei Baupläne oorgetragen hat. In demselben Briefe aber findet sich nun auch die bei anders charakteristische Eigentümlichkeit des Turmbaues von Charnbord, die darin besteht, daß er eine guadratische Masse ohne Jnnenhof bildet, die durchzogen wird von vier Galerien, welche ihrerseits von dem zentralen Treppenhause durchschnitten werden. Diese Treppe, die eines der Wunder des Schlosses bildet, ist nun eine spätere Hin-


