Ausgabe 
28.3.1913 Zweites Blatt
 
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Nr. 72

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Vie Trauerfeier für König Georg von Griechenland

Athen, 27. März. Die königliche JachtAmphitrite" ist unter dein Geleit der fremden Kriegsschiffe heute varinittag um 11 Uhr im Piräus eingctrofsen. Bei der Einfahrt in den Hafen zeigte sic Drauerschmuck; während der Durchfahrt der Jacht feuerten alle Schiffe einen Trauersalut. Nachdem die Jacht angelegt hatte, begaben sich die Mitglieder der Heiligen Synode an Bord und lasen Gebete am,Sarge des ermordeten Königs. Auf dem mit der griechischen Flagge bedeckten Sarge lagen die Krone und das Käppi des Königs. Tie Söhne und die Enkel des Königs trugen sodann ben Sarg an Land. König Konstantin führte die Königin-Witwe, cs folgten der ganze Hof und der Ministcrrat. Der Sarg wurde auf eine Lafette gestellt, die Matrosen zogen. Unter den klängen der Nationalhymne bewegte sich der Zug langsam durch die ungeheure Menschenmenge zum Bahnhof. Nach der Ankunft in Athen fvurde der Sarg in die rcichgcschmücktc Kathedrale gebracht, wo bereits das diplomatische Korps Auf­stellung genommen hatte. Die Prinzen stellten den Sarg auf den Katafalk nieder, zogen die Säbel und bildeten die Ehrenwache. Die Königin Olga kniete am Sarge nieder uird iveinte während der ganzen Feier. Nach der religiösen Zeremonie zog sich die Königsfamilie zurück. Vor der Kirche stehen Wachen, am Sarge halten Kavallerieoffizierc die Wacht.

die deutsche L a n d w i r t s ch a f t habe. Jin' Februar sei infolge einer fortschrittlichen Interpella­tion der Zoll auf Frühlartofseln (1 Mk. für den Doppelzentner) aufgehoben worden, doch habe diese Maßnahme die erhoffte Wir kung nicht gehabt. Was die so oft erörterte Frage der Auf­hebung der

Futter in i t t e l z ö l l e anbelange, so sei zu beachten, daß, jetzt schon die weiften Futter­mittel zollfrei eingehen. Uebriqcns hätten die Zölle für die Prcisbemessung der landwirtschaftlichen Produkte mir sekundäre Bedeutung. Die Einfuhrscheine seien im Interesse der ostdeutschen Landwirtschaft und des dortigen Handels notwendig, das sei auch von fortschrittlichen Politiken: anerkannt loorden. Jedoch sei ihre Geltungsdauer von 6 auf 3 Monate herabgesetzt worden und die früher sehr ausgedehnte Ausnutzung der Ausfuhrscheine für die Einfuhr aller möglichen Gegenstände sei aufgehoben wor­den., Es dürften jetzt nur noch dieselben Gegenstände aus Aus- fuhrsckeine eiugeführt werden, für die sie bei der dlusfuhr aus­gestellt worden seien. Sehr einpsindlich sei die Verteuerung des Kaffees, die aber nicht der Zollerhöhung zuzuschreibcn sei, son-

In der TW*-

¥ rWicton Nwta

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e^a>51. Redaktion:dEI12. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

vom Jahre 1898 aus, bei der die Gleichstellung trotz, des einmütigen Eintretens der zweiten Kammer für diese For­derung infolge des Widerstands des Finanzministeriums nicht erzielt wurde, und stellt dann fest, das; gelegentlich! der Neuregelungen der Besoldungen in den anderen Bundes­staaten, die seit diesem Jahre erfolgten, die Gleichstellung aller alademisch gebildeten Beamten immer mehr Llnerken- nung fand. So ist die Gleichstellung heute in allen größe­ren Bundesstaaten Preußen, Bayern, Sachsen, Württem- berg,_ Baden und auch in den meisten kleineren und kleinsten durchgefnhrt. Die Denkschrift wendet sich des­halb mit großer Entschiedenheit gegen die neue hessische Regierungsvorlage, die die verlangte Gleichstellung nicht vorsieht. Im Meilen Abschnitt wird darauf hingewicsen, daß es auf die Dauer unhaltbar sei, den hessischen Beamten geringere Gehälter' zu geben als den preußischen und Reichs­beamten, weil es in Hessen mehr preußische und Rcichs- beomten gibt als hessische und die hessischen schon deshalb nicht hinter jenen zurückstehen dürfen. Es wird ferner Klage darüber geführt, daß im Regierungsentwurf gerade die akademisch gebildeten Lokalbeamten, was die Annähe­rung der Gehaltssätze an die preußischen^, anlangt, am schlechtesten wegkämen. Die unteren und 'mittleren sind den preußischen fast gleichgestellt, die Richter überholen teilweise im Gehalt ihre preußischen Amtsgenossen, die akademisch gebildeten Lokalbeamten bleiben allein ganz be­trächtlich hinter diesen zurück.

von ihm gestellte Anfrage wegen des Kinderhandels fand eine sehr ungenügende Antwort. Der Rcick>stag Ijattc ferner die Han- delsveriräge mit der Türkei und Bulgarien zu genehmigen, von denen der letztere dadurch Bedeutung hat, weil Bulgarien für uns ein Flcischansfichrland ist. Bei Ausbruch des .Krieges hätten Bulgarien und die Türkei die Fleisch?- und Getreideausfuhr ver­boten. D as zeige wiederum, welche nationale Bedeutung

gypten

je in 2 Akten.

vor. Damals sei bei den führenden fortschrittlichen Blättern eine Wandlung eingettetcn, man habe anerkannt, daß die süd deutschen Brenner den größten Vorteil von der Kontingentierung hätten und deshalb bei der Aushebung der Liebesgaben schädigt werden müßten. Die Liebesgaben seien für die deutsck>en Staaten erhalten geblieben, leider aber habe

DieGießener Kamilienblätler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krdsblott für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Di»,Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Freitag, 28. März 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Universitäts - Buch» und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

.Lar»en-S«rle

Die dreijährige Dienstzeit in $rantreid).

Paris, 27. März.

Im He-eresousschusse wiederholte heute nachmittag Ministerpräsident Bart Hou seine in der Kammer abge­gebenen Erklärungen, daß bei der Regierung neben dem Grundsatz der allgemeinen dreijährigen Dienstzeit Ein­stimmigkeit und Solidarität herrsche. Tie Re­gierung beabsichtige keineswegs, die Arbeiten des Aus­schusses zu überstürzen, sie wünsche im Gegenteil eine gründliche Erörterung, dir mit der endgültigen Entscheidung für die Notwendigkeit der dreijährigen Dienstzeit, die aus den Vorgängen in der Politik des Auslandes sich ergeben würde, enden werde. Barthou drückte die Hoffnung aus, daß brr Ausschuß den Grundsatz annehmcn locrbe/ bevor üe in die Ferien gehe, um ihre llebereinstimmung mit der Regierung kund zu tun und die öffentliche Meinung auf­zuklären. Die Regierung sei nicht der Meinung gewesen, von ihrer Befugnis, den Jahrgang 1910 unter den Fahnen zur ückzu behalten, Gebrauch machen zu müssen, aber da der Kriegsminister der Ansicht war, daß die dazu erforderlichen Vorbereitungsmaßregeln noch im Monat Mar nicht ohne Schwierigkeit getroffen werden könn­ten, werde die Entscheidung in dem jetzigen Augenblick erfolgen müssen. Das Parlament werde den Gesetzentwurf genau durchberaten können, und die Regierring werde unter ihrer Verantwortung aufrechterhaltende und vorbereitende Maßnahmen treffen, die nm so unerläßlicher seien, als fast alle Gegner der dreijährigen Dienstzeit eine Verlän­gerung der Dienstzeit, wenigstens um einige Monate, als eine Notwendigkeit der nationalen Verteidigung betrach­teten.

Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde der Kriegs- m in ist er gefragt, wie er die Frage des den dreijährigen Dienst abkürzenden Urlaubs zu regeln gedenke. Er erklärte darauf, daß Leute, die einer Familie von me^r als 4 Kindern angehörten, zwei Jahre dienen sollten mit einem Urlaub von einem Monat, Leute, die einer Fa­milie mit 4 Kindern an gehören, 30 Monate mit einem einmaligen Urlaub von einem Monat, Leute, die einer Familie mit weniger a IS 4 Kindern angehören, 36 Monate mit einem dreimaligen Urlaub von je einem Monat.

Der Ausschuß nahm darauf mit 20 gegen 9 Stimmen den Artikel der Vorlage an, durch den die dreijährige Dienstzeit im Prinzip fesdgelegt wird.

dem den Manipulationen der kassecproduziercndcn Länder. Ein Maßstab für die Entwickelung unserer wirtschaftlichen Verhält­nisse seien die

Eisen- und K o h l e n p r c i s e.

Nach dem Bericht der Berliner Handelskammer für 1912 sei die Eisenproduktion irnr 13 Prozent und die Kohlcn- produlcion uni 10 Prozent gestiegen. Tie Kohlenpreise hätten eine ständige Tendenz. Seine Partei aber fordere die Mitwirkung des Staates bei der Festsetzung der Preise für die wichtigsten Gebrauckrsgegcnstände. Auch Leder, Stoffe, chemische Rohprodukte, Brennholz usw. feien sehr im Preise gestiegen ohne daß die Zollgesetzgebung daran schuld sein kann, denn diese Stoffe bezahlten zunächst keinen Zoll. Er sei kein Freund der Zündholzsteuer, aber mit ihrer Aufhebung werde die deutsche Zündl'olzindujtrie ruiniert werden. Es sei durchaus nicht rich­tig, daß alle Lebensbedürfnisse teurer geworden seien, allerdings seien Wohnungen, Milch und vor ollem Fleisch teurer geworden, doch sei dabei zu beachten, das; auch die Gehälter und Löhne seit den letzten 40 Jahren erheblich gestiegen seien. Tie

Bedeutung der Landwirtschaft für Gießen

sei außerordentlich groß, jeder Marli bringe Gießen 20000 bis 25 000 Mk. Die Behauptung, daß unsere Grenzen geschlossen seien, sei durchaus unrichtig. Der Redner beweist dies durch Mitteilungen aus dem Gießener Anzeiger. Der § 12 des deut­schen Flcischbescktaugesctzes müsse uns erhalten bleiben. Er be­richtete dann über seine Tätigkeit bei der Beratung des

Rcichsvoranschlags.

Bei drr Beratung des Etats des auswärtigen Amtes wird es wegen unserer auswärtigen Politik -n scharfen Auseinander­setzungen kommen. In den Reichstagsausschüssen befinden sich mehrere wichtige Sachen. Vor allem der Gesetzentwurf über das

Petroleumntoitopol,

das so gestaltet werden muß, daß nicht nur dos Großkapital dicht den. Nutzen hat. Für die Kaufmannschaft sehr wichtig ist die Frage der Einschränkung oder Aufhebung der

Ko nku rrenz kl a u s eI.

Tie Regierung wünscht ihre Einschränkung und namentlich auch die Bezahlung für die Konkurrenzklausel. Auch die Ent­scheidung über die

Sonntagsruhezeit

ist noch ungewiß, seine Partei sei für die völlige Beseitigung der Sonntagsarbeit, weil von einer Verlürzung der Verkaufs­zeit nur die Warenhäuser den Vorteil hätten. Ter Redner sprach sich dann im Anschluß an die

Wahlprüfung für Alzey-Bingen

dafür aus, daß die Wahlprüfungen von einem besonderen Ge­richtshof vorgetrominen werden sollen. Bon den Parteianttägen besprach der Redner vor ollem den der sozialdemokratischen Par­tei, für alle

Wahlen Männern und Frauen

von 20 Jahren ab das Wahlrecht zu gewähren, was Dir. Wennw für unausführbar hielt. Der Redner führte ans', daß fein*. Partei und anch er persönlich gegen die Aushebung des

Jesuitcngesetzes

fei, Er sei bei der namentlichen Abstimmung nicht anwesend gewesen, weil er eine Versammlung habe abhaltcn ntüssen, die er nicht absagen komtte. Der Präsident habe iljnr auf seine An­frage miigetetlt, zu der Mstimmnng werde es erst am folgenden Tage tommen. Am folgenden Tage habe er aber zu seinem Stanuen hören müssen, daß die Abstimmung doch schon erfolgt sei. Es sei im Reichstag auch ein

Submissionsan kp a g i

von verschiedenen Parteien gestellt worden, bei dessen Beratung er für das sog. angemessene Vergebungsverfahren eingetreten sei. Am 2. April wird im Reichstag zunächst eine fortschritt­liche Interpellation über das .

Fideikommißwesen

cingebracht. Er sei im Sinne seiner Mittelstandspolitik gegen die Fideikommischildung und gegen die ungesunde landwirtschaft­liche Bcsitzteilung durch die Festlegung großer Flächen Landes. Dabei müßte darauf gesehen werden, daß der Wald uns erhalten werde, nicht nur aus ästhettschen, sondern hauptsächlich aus wirt­schaftlichen Gründen. Zum Schluß besprach der Redner seine Stellung zur

Militärvorlage,

die er für unbedingt notwendig hält. Es handle sich um eine große und gewaltige Vorlage, die uns befähigt, der großen Aus­einandersetzung, die unbedingt einmal kommen wird, mit Ruhe entgegenzusehen. Das derttsche Volk habe die Pflicht, für sein Siebzigmillionenreich ein größeres Deutschland zu schaffen.Wir müssen und werden selbstverständlich die Militärforderungen be­willigen." Die Sozialdemokratie wird abseits stehen, sie wird cs aber nicht fertig bringen, das aufsteigende deutsche Nationalgesühl zu zerstören. Es handelt sich für uns, 100 Jahre nach dem Be­freiungskriege, ein großes Voltsopfer zu bringen, damit Frank­reich daran verzweifelt, uns zu besiegen. Unsere

Lage in der Weltpolitik

hat sich gebessert. Von England kam ein kalter Wasserstrahl nach Paris. Der Verlust der europäischen Türkei stellt uns vor neue große Aufgaben: hoffeMlich gelingt es unserer Diplomatie, sie besser zu bestehen, als es ihr feit 1890 gelungen ist. Unser Ver­hältnis zu England ist besser geworden. Die große Mehrheit des Reichstages wird die HeereSvorlage annehmen. Tie einmaligen Ausgaben sollen durch Heranholung der großen Vermögen gedeckt werden: es ist dabei noch unbestimmt, ob ein fester Satz von 3/s Proz. oder ein nach oben steigender Satz vorgeschlagen wird. Die Bereitwilligkeit der deutschen Fürsten, diese Steirer mitzu- bezahlen, halte er für ein nobile officium. Für die dauernden Ausgaben sind 200 Millionen erforderlich, die leider nicht die Börse treffen sollen. Zu fordern sei, daß das Kapital durch die Kotierung- und Dividendensteuer schärfer herangezogen werden wird als die Regierung will. Seine Partei trete ferner für eine Wehrsteuer ein. An ferneren Steuern komme in Betracht das Erb­recht des Staates, wenn keine näheren Verwandten und kein Testa­ment vorhanden ist. Die

Erbschaftssteuer

von 1906 sollte 1909 erweitert werden, doch hat die Mehrheit des Rcicklstags diese Steuer abgelehnt. Seine politischen Freunde ständen bei dieser Steuer nicht auf dem unbedingt ablehnenden Standpunkt des Bundes der Landwirte und der Konservativen. Man müsse diese Steuer benutzen, um das weitere schädliche An­wachsen des Großkapitals zu beschneiden. Die Hans- und Grund­besitzer seien von der Steuer auszuschließen, denn sic hätten schon genug Lasten zu tragen. Er sei für den fslusbaii der ErbanfaU- Iteuer bei Kapitalvermögen von über 100 000 Mk., sei aber ent- schlcden gegen jede Belastung des Mittelstandes unb die radikalen Steuervorschläge der Sozialdemokraten. Er versprach mm, Schluß, daß er auch fernerhin seine Pflicht tun werde und daß er im naitonalen Sinne wirken und namentlich auch die Heeresvor- läge annchmen werde. Wir geben dem Reiche, was des Reiches ist, weil wir die Notwendigkeit dafür erkennen. (Lebh. Beifall.)'

Hessen von der Vergünstigung ausgeschlossen. Eine weitere gäbe, die den Reichstag beschäftigte, war die

Bekämpfung des Mädchenhandels durch Genehmigung eines internationalen Abkommens.

ten ursen

Deutsch-soziale Versammlung. >

Gießen, 28. Mürz.

Tie deutschsoziale Partei hielt gestern abend in Steins Gar­ten eine gutbesuchte Versammlung ab, in der Reirbstagsabg. Dr. Wern er in nahezu zweistündiger RedeVon der Aushc- bung der Liebesgabe bis zur neuen Wehrvorlage" sprach.

Er führte zunächst etwas weiffchweisig aus, daß von jetzt ab in den Versamlmlungen der Partei nur noch Leute deutsckxhrist- licher Abkunft zugelassen mürben, um1 Störungen durch einen Be­völkerungsteil, den die deutschsoziale Partei bekämpfe, zu vermeiden. Er erinnerte an die erste, sehr stürmisch verlaufene Versammlung, in ber er in Gießen sprach, wo Herr Jul. Bär durch sein Auf­treten den Unwillen der ganzen Versammlung hcrausgcfordert habe. Weiter ging er auf die Leitungstätigkeit des Herrn Bär ein und wies ferner auf die Versammlung hin, in der 9(bg. Raab niedergeschrien wurde. Der Reichstag von 1911 habe

zwei große soziale Reformwerke zustande gebracht, die Revision der R e i ch s f i n a n z r e f o r m und das A n g e st e ll t e n v e r s i che r u n g s g c s e tz. Die letzte Reichstagswahl habe den bürgerlichen Parteien schwere Vertustc gebracht, während die Sozialdemokraten auf 110 Mann gestiegen seien. Es müsse Ehrenpflicht jedes deicksclrempfiudcndeu Mannes sein, dafür zu sorgen, daß nickst die rote 110 der deut schm Politik den Stempel ausdrücken. Tie letzten Wahlen haben unter dem Einfluß des Hansabundes gestanden, der allerdings seine Bercch- tigimg, zur Vertretung des Mittelstandes noch nachzuweisen habe. Der Hansabund habe dazu mitgewirkt, daß die fortschrittliche Volkspartei den Sozialdemokraten zahlreiche Mandate zngesührt habe. Die Vertretung von Handel, Handwerk und Industrie sei von 46 aus 33 gesunken. Für die Schutzzollpolitik sei vom neuen Reichstage nichts zu befürchten, auch nichts bei den Be­willigungen von Heer und Flotte. Hinsichtlich der

Schutzzollpolitik

sei zu beachten, daß 200 Paragraphen des Zollgesetzes von zoll­freien Gegenständen handeln, 700 von industriellen und nur 46 von landwirtschaftlichen Produkten. Für den

Mittelstand

sei vom jetzigen Reichstag weniger zu hoffen: er selbst habe 15 Anträge für den Mittelstand gestellt, aber Nationalliberalc, Fortschrittler und Sozialdemokraten hätten dagegen gestimmt. Vor allem habe er die weitere Ausbildung des kleinen Befähigungs­nachweises und die Verschärfung des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs beantragt. Ter Redner kam dann auf die Vorgänge bei der

Präsidentenwahl

zu sprechen, wobei er es besonders bedauerte, daß Anhänger natio­naler Parteien für Sozialdemokraten gestimmt hätten. Die erste Vorlage, die die Regierung dem Reichstage vorlegte, betraf die Verstärkung des Heeres

um rund 29 000 Mann zur Verstärkung der Grenzorganisationen und Erhöhung der Schlagfertigkeit der Flotte. Tie Regierung schlug zur Deckung der Mehrkosten für die Armee die

Beseitigung der Liebesgabe

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Zweiter Blatt 163. Jahrgang

Erscheint täglich rrm Ausnahme des Sonntag?.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheßen

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Direkt: Hermann Stelngoetter -:rcitag,d.28.Mr»M3, ' ^ abends 8 Ubr: A 01. Src,t°g.Abonn.'B°r'tell. | ' Gewöhnliche Urcne.

iur Erinnerung an Friedrich Hebbel.

**£ yii.rflCrÄ »Hebbel.

MenvonFne°l°^

20. Marr 19*®

ALS 2d)ülct»*5 Neuheit! , .

Lme Jahrhundertfeier.

No cha II bei Zopten, 27. März. Die hundertjährige Wiederkehr des Tages der Einsegnung desLützowcr Freikorps wurde heute feierlich begangen. Am Nach­mittag wurde in der alten historischen evangelischen Kirche ^estgottesdienst abgehalten. Das Torf hatte Flaggen­schmuck angelegt. Vor dem Eingänge der .Kirche hatten sich die Mitglieder des Lützower Kameradenvereins aus Rogan tu der Tracht der Lützower vor hundert Jahren aufgestellt. Tie Kirche war dicht gefüllt. Vor dem Altar nahmen die Ehrengäste Platz. Unter anderem waren anwesend: der Sberküchenmeister des Kaisers, Reichsgraf v. Pückler mit Jamilie, General v. Winterfeldt aus Potsdam, die städtischen Behörden aus Zobten und Rogau und viele Bewohner der Umgegend, aus Schweidnitz und Breslau, die Kriegervereine der Umgegend usw. Tie Feier wurde mit dem Gesänge des niederländischen Dankgebetes eröffnet, als Festchor das Körnersche GebetHör uns Allmächtiger", und als Haupt- lied das Körnersche Einsegnungslied:Wir treten hier im Gotteshaus", gesungen. Tic Festpredigt hielt der 71jährige Lastor Peter aus Lobendau, Kreis ^-oldberg-Haynau, ein Enkelsohn des Pastr.s Peter, ber vor hundert Jahren die Lützower in dieser Kirche einsegnete. Er sprach über I. Ehr. 18 Vers 27:Was !du segnest, Herr, das ist gesegnet cwiglich." Tie Schlußliturgie und der Gesang:Eine feste Znrg ist unser Gott" schloß die Feier.

Arrs Hessen.

Eine Denkschrift über die neue hessische Besoldungsvorlage l)at soeben der Verband derVcrcine akademisch- .sseb i 1 de t e r L o 1"a l b e a m t e n in Hessen, zu dem 'die Vereine der Oberförster, Medizinalbeamten, Oberlehrer, Ä-au'beamten, Finanzbeamten an den Finanzämtern und akademisch gebildeten Landwirtschaftslehrer zusammen- geschlossen sind, erscheinen lassen. Die Denkschrift ent- itricfclt in zwei Abschnitten die beiden Hauptforderungen des Verbands: Gleichstellung mit den juristischen Beam­ten und Gewährung der Dienstbezüge, wie sie die akademisch gebildeten Beamten int Reich und in Preußen schon seit 1908 beziehen. Sie geht von fdcr letzten Gehaltsneuordnung