Ausgabe 
30.10.1913 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

255 Erstes Statt 165. Jahrgang Donnerstag, 30. ©höbet 1415

Der Sieheinr ÄRzUqer JBK HM Ä~k A Ve;nq4vr.-lS:

^chkint tätlich, außer JHBk! JöRk monatlich75Pi.,vienel-

Sonntags. - Beilagen: M ▲▲ A. A. xk Mhrlid) 'J)lt. 2.20; burd)

2;Srino( wöchentlich M jCk 8$ M JWk Abhole- n. Zwei Kletten

S'chrver.^nmlienblätter, M WGU M 1>HT 1 W Ha ES B MM M M M MM K- * monatlich 65 Bl.; durch

ÄiDcitnni mödxMitl.Kreis: B SQ HM B IJF P&LA> fli M B JF B jy B B B .J£, B B B Bfc^F B diePost

btatt für den Kreis Siehrn «Ä B B B BF HwwBl Br H H Br B B B B Bl B B B Bk B Bestella.

(Dienstag und Freitag); M B Bk M HW B B B JBL B I W| B B_ Zeilenpreis: lokal 15 Ps^

zweimal Land- Bk Sy MA Wh/ B B 1A B B EA B Bh^ B>Ck auswärts Pienniq.

wirtfchafttiche Zettfragen V M B V B " ▼W ~ Cheiredakleur: A Goetz.

'f.ernfvrech - Anschlüße: MM Peraulworllid; iür den

mr btt Redaktion 112, ¥V^f polit. Teil: Aug. Goetz;

MM General-Anzeiger für Oberhesfen DZM bis vörn^lags"EE Rofatiottsönid »nd Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. Anzeigraleil:' H? Beck!

Tageskalendcr aus dem Jahre 1813.

0- Unb 31. Dftobcr. Schlacht bei Hanau. Napoleon erkämpft sich den Rückzug nach dem Rhein, an dem ihn der bayerische General v. Wrcdc verhindern will.

In der Nacht vom 30. zum 31. Oktober übernachtet Napoleon in einem Zelt auf dem heutigen Exerzierplatz von Hanau, unweit des Nordbahnhoss.

Ein Nachspiel zur Völkerschlachtfeier.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Die Ablehnung der vom Kaiser verliehenen rden durch denVater des Völkerschlachtdenkmals" Cle­mens Thieme und den Leipziger Oberbürger- m e r st e r D r. D i t t r i ch hat die zuständige Berliner Stelle SU einet Erklärung veranlaßt, dahingehend, daß die Ver­leihung der beiden Auszeichnungen nicht auf Grund be­stimmter Wünsche des Kaisers, sondern auf Vorschlag der zuständigen Ministerien erfolgt sei. Der Kaiser werde von den Ordimsablehnnngen offiziell nicht verständigt, sondern die Rückweisung werde einfach zur Kenntnis genommen, womit der Fall für die Behörjde erledigt sei.

Man erkennt an dieser Erklärung "das löbliche Bestre­ben, die Person des Deutschen Kaisers nicht ins Spiel zu bringen, aber man wird die Vermutung nicht los, daß die Verleihung der beiden Orden auf Grund bestimmter Winke von höfischer Seite beeinflußt worden ist. Wer in Leipzig mit dabei war, weiß davon zu erzählen, wie verstimmt, ja offensichtlich verärgert der Kaiser während der eigentlichen Einweihungsfeierlichkeiten erschien, und zwar schon vor Eintreffen der Hiobsbotschaft der L2 Katastrophe, also am Tage vorher, war diese Verstimmung des Kaisers deutlich zu bemerken. Man erinnert sich wohl auch, daß der Kaiser im Gewandhause eine Rede, die man erwartet hatte, nichk hielt; als der König von Sachsen seinen Toast auf die Gäste ausgebracht hatte, schwieg der Kaiser. Dies wurde dahin ge­deutet, daß das Völkerschlachtdenkmal als Volksdenkmal an den maßgebenden Berliner Stellen von jeher nid# viel En­thusiasmus erweckt hatte. Verstimmend' soll gewirkt hab en, daß die ganze Sache nicht unter ein allerhöchstes Protek­torat gestellt worden war. Bezeichnenderweise stellte die Rheinisch-Westfälische Zeitung" fest, daß an dem Denkmal nicht c i n Medaillon oder sonst eine Tafel an die an der Völkerschlacht beteiligten Fürsten erinnert.

Haben die Leipziger Herren die Ordensauszeichnung ab- gelehnt, weil sie als geistige Protektoren eines Volksdenkmals auf die Dekorierung von dynastischer Seite verzichten zu kön­nen glauben? Oder weil die angedeuteten Verstimmungen während der Feier ihnen die Lust und Freude am bunten Band vergällt haben? In beiden Fällen hätte die Gegner­schaft nicht so weit führen dürfen, eine Dekoration in osten­tativer Form abzulehnen. Kein Mann von Takt und Ge­schmack wird eine erwiesene Artigkeit oder Liebenswürdigkeit mit Unhöflichkeit beantworten oder zurückweisen; tut er es aber, so äußert sich darin eine fast ebenso peinliche Protzerei, als wenn er mit der ihm erwiesenen Auszeichnung prunkte.

Auf einen anderen möglichen Grund der Ablehnung ist bereits bei der Verleihung der Orden in der Presse hingewiesen worden, nämlich darauf, daß die erwiesenen

Ordensauszeichnungen nicht der Würde der großen Feier! und der Stellung der betreffenden Herren innerhalb der Veranstaltungen entsprochen hätten. Dagegen wird uns aber von einer Seite, die in Dingen der Ordensverleihung als unterrick)tet und maßgebend bezeichnet werden muß, geltend gemacht, daß durchaus korrekt und ohne jede ungünstige Nebenabsicht verfahren worden sei. Das Ordensverleihen sei in den Statuten begründet und habe fid) aus der Tradition entwickelt. Tie Gepflogenheit, daß der Kronenorden mehr an Privatleute, tret Rote Adlerorden mehr an Staatsbeamte verliehen wird, sei gerade unter dem jetzigen König und Kaiser durchbrochen. Ten Oberbeamten wird wie den mitt­leren Beamten zuerst immer der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen. Sie erhalten aber, wenn sie sich, bevor sie zur Dekorierungreif" sind, auszeichnen, sei es burd) Arbeit an einem Gesetzentwurf oder durch sonstige Betätigung in der Verwaltung, nicht den Roten Adlerorden, der als erster für sie zuständig ist, sondern den Kronenorden 4. Klasse. Geh. Hofrat Clemens Thieme mußte als Nichtpreuße mit der vierten Klasse des Ordens beginnen, den er noch nicht besaß. Jeder Offizier in Preußen müsse mit dem Roten Adlerorden 4. Klasse beginnen. Gegen diese Einwendungen ist jedoch wieder vor^ubringeu, daß aud) von preußischer Seite schon oft Privatleute, die sich ein besonderes Verdienst erworben haben, ihre Dekorationen erhielten, ohne daß, die Reihenfolge innegehalten wurde; man bewertete die Persön­lichkeit. Wie oft erhielt ein bedeutender Gelehrter, ein Groß­industrieller, ein Künstler als erste Auszeichnung einen Halsorden, der für einen General zuständig wat. Man hätte also sehr wohl vom Schema F abweichen können! Und endlich: warum wurde nicht die Praxis eingehalten, daß Leute, die nicht in einem preußischen Dienstverhältnis stehen, vorerst befragt wurden, ob sie die Dekoration an- ncchmeu? Tann wäre sehr wahrscheinlich der Oeffentlichkeit das unschöne Nachspiel zur Völkerschlachtfeier erspart ge­blieben.

*

Wir können uns mit den Ausführungen unseres Ber­liner Mitarbeiters nicht ganz einverstanden erklären. Die Ordensverschwendung sollte überhaupt aufhören. Dienstalters-Anerkennungen kommen in der Höhe der Be­soldung zum Ausdruck; Orden und Ehrenzeichen, wenn sie einmal Nicht zu entbehren sind, sollten nur für außerordent­liche Leistungen vergeben werden. Dann fällt die jetzt gehand­habte büreaukratische Musterung ganz von selbst fort, und es würde nicht vorkommen, daß irgend ein Mann von be­sonderem Verdienst mit einem Ordenan fang en" muß.

Aur Heften.

Aus den Finanzausschüssen.

rb. Darmstadt, 29. Okt. Der Fi n a n z a u s s ch u ß der Zweiten Kammer setzt seit gestern wieder seine Beratungen über die Befoldungsreform fort, doch werden die Verhand­lungen noch immer streng vertraulich geführt. Die in der vorigen Woche gehegte Erwartung, daß die Beratungen in der jetzigen Woche zu Ende kommen würden, bestätigt fick) leider nicht. Es fanden gestern und heute sehr lebhafte Erörterungen statt und über deren Ergebnisse wurde dann wieder mit einzelnen Ministern verhandelt. Nach dem jetzigen Stand der Dinge wird das Kammer­plenum frühestens im letzten Drittel des November an die Beratung der Besoldungsvorlage herantreten können.

rb. Darmstadt, 29. Okt. Der Finanzausschuß der ErstcnMammcr hielt heute unter Vorsitz des Grafcn_E rbach - Fürstenau eine bis zum Nachmittag ausgedehnte Sitzung ab, in tucldjcr in erster Linie der Antrag der Mitglieder Frhr. Hehl zu Herrnsheim, Graf S tv l ber g-Noßla unb Für st I s en- bürg-Birstein, betreffend die Erriästung einer hessischen Zen­tra l g e n o s s e n s ch a f t s-'k a s s e nach dem Vorbild der preu­ßischen Zentralgenossenschaftskasse und unter Aussicht und Leitung der Regierung, beraten wurde. Nack) eingeheirder Erörterung unb bern Hinweis darauf, daß aus verschiedenen Teilen des Landes bereits zahlreiche Genossensdraften sich zugunsten des Antrags ausgesprochen haben, wurde dieser von: Finanzausschuß m der sdwn mitgeteilten Fassung angenommen. Eine wettere Aus­sprache veranlaßte der Nachweis der Staatsein nahmen und Ausgabe n für da sJahrl907. Die Zweite Kammer hatte bekanntlid; das von der Oberrechnungskammer abgegebene Moni­tum bezüglich der Gehaltsfestsetzung eines Gymnasialdirektors, der auf seinen Wunsd) aus Oberhessen mit seinem ^irektoren- gehalt nach Darmstadt als Oberlehrer wieder zurückvenetzt worden war, gutgeheißen, im Gegensatz zum Ministerium, das sich nach Maßgabe der Gesetzesbestimmungen zur Bewilligung bev hol-eren Gehalts für befugt erachtete: es handelte sich übrigens nur nur ein Mehr von jährlich 200 Mark. Der Ausschuß der Ersten Kam-» mer hat sich heute der Beanstandung angeschlossen, aber gleich­zeitig fid) für eine authentische Interpretation pes Art. 13 des Besoldungsgesetzes vom Jahre 1898 ausgesprochen, wonach unter Versetzung in ein anderes Amt" nur die Versetzung in ent höheres Amt verstanden werden solle.

Ein Zentrumsantrag betr. Veranlagung zur Grund- und Gewerbesteuer.

rb. Darmstadt, 29. Okt. In Sachen des neuen Ge- meindeumlagengesetzes haben Abg. Mol t h a n und die übrigen Zentrumsabgeordneten folgenden Antrag bei der Zweiten Kammer eingebracht, der eine Revision des Gesetzes bezüglich der Veranlagung zur Grund-undGewerbesteuer noch im gegenwärtigen Landtag verlangt:

Die Kammer wolle Großh. Regierung ersuchen, nochi_in. diesem Landtag den Kammern eine Vorlage zugehen zu las)en, welche gegenüber den durch das neue Gemeindesteuergesetz ver­anlaßten Verschiebungen in den Gemeindeumlagen, vo>i beiten zahlreiche Steuerpflichtige ungerecht betroffen werden, sollende Aenderungen und Erleichterungen herbeiführt: 1. Daß bei den in der Nähe der Städte gelegenen Grundstücken, die bereits zum Gegenstand der Terrainspekulationen geworden sind, nur ein Mittelwert zwischen gemeinem Wert und Ertragswert zu versteuern ist, wenn die Grundstücke im landwirtschaftlichen Betrieb des Eigentümers bewirtschaftet werden. 2. Daß bei der Veranlagung zur Gewerbesteuer den Steuerveranlagungsbehör­den die Möglichkeit gegeben wird, bei allzustarker Belastung des Steuerpflichtigen die Veranlagung in der Weise vorzuneh­men, daß bei Berechnung des nach Art. 11 des Gemeindesteuer- gesetzes in Anschlag zu bringenden Ertragszuschlags eine ent­sprechende Ermäßigung unter die in obigem Artikel genannten Zuschlagsstufen eintritt.

Der Bahnbau BensheimLindenfels.

Darmstadt, 29. Okt. Bezüglich des Bahnbaupro- fekts Bensheim Lindenfels hat Landtagsabgeordneter Auler-Bensheim mit Unterstützung der nationalliberalen Frak­tion folgende Anfrage an die Regierung zu richten beantragt:

Wir fragen angesichts der durchaus berechtigten Klagen aus dem Odenwald über den Bahnbau von Bensheim nach Lindenfels bei der Großh. Regierung an, warum sich der absolut notwendige rascheste Ausbau der Bahnlinie so lange ver­zögert und wann endlich der Bau in Angriff ge­nommen werden wird?

Ernste und heilere Nulturbilder aus der SSdsee.

Gießen, 30. Okt.

Auf Veranlassung des Frauenbundes der Deutschen Kolvnialgesellfchaft sprach gestern abend Marinepfarrer o. D. Wangemann in der dichtbesetzten neuen Aula der Uni­versität überErnste und heitere Kulturbilder aus der Südsee".

Ter Redner begann seinen fesselnden Vortrag mit einem Rückblick auf die Entstehung unserer Kolonien und hob l»esonders die.große Mühe und die lange Zeit hervor, deren es bedurfte, um das Reick) zum Schutze seiner Handelsniederlassungen zu ver­anlassen. Durch die Einführung der Maschinen wurde die Nachfrage nach Oel besonders rege, und man kam daher in Deutschland auf den Gedanken, dieses wichtige Betriebsmittel nicht wie bisher von den Engländern teuer zu erstehen, sondern selbst Schiffe hinaus­zusenden und es selbst von den Eingeborenen zu erstehen. Tu je­doch ein großer Teil der in Betr«rcht kommenden Länder unter englischer Herrschaft stand, wandte sich der Blick, der deutschen Kaufleute auf die vielversprechenden und noch freien Südseeinseln.

Rack) mouatelanger, beschwerlicher Reise, auf der Pökelfleisch und Hülsenfrüchte die Mahlzeit und Skorbut den Nachtisch bildeten, kam man bann in die paradiesische Fülle der lieblichen Inseln, die sich wie große Blumenkörbe in herrlich leuchtenden Farben aus den blauen Fluten erhoben. Hinter der heulenden, stäubenden Brandung grüßten Palmenbäume verlockend herüber, und als die Boote der Seeleute im ruhigen, spiegelglatten Wasser landeten, empfingen die Eingeborenen die Fremden mit offenen Armen, führten sie in ihre kegelförmigen Häuser und boten ihnen Speise

Den abgeplagten und von der herzlichen Aufnahme erfreuten Seeleuten tat diese herzliche Art wohl und nur schwer trennten sie sich, nachdem sie für Spiegel, Messer und andere Kleinigkeiten Oel und Kokosmatten erhandelt hatten. Bald sah man jedoch ein, daß man durch - das ewige Hin- und Herfahren unb den langen Aufenthalt der Schisse viel Zeit unnötig vergeudete, und man beschloß Niederlassungen zu gründen, mo die Kokoskeme, Kakao und ähnliche Dinge gesammelt werden könnten, um dann später in der Heimat verarbeitet zu werden

So entstanden auf einer ganzen Anzahl In,ein Handelsflotten, in denen hauptsächlich frühere Matrosen, die durch das Seeleben an Einsamkeit gewöhnt waren, nach Gutdünken schalteten und walteten Ost kam es da vor, daß die Schiffe öde Plätze fanden wenn sie kamen nm Fracht aufzunehmen, denn mancher deutsche Händler, der sich mit einer Eingeborenen vermählt hatte, hatte seine letzte Ruhestatt im Magm seiner Verwandten gefunden, die durch den gleißenden Tand verführt, ihn ermordet und ver­zehrt hatten. Infolgedessen vergrößerte man das Arbeitsfeld und legte große Pflanzungen an, in denen man die 2lusfuhrpro- dukte zu ziehen gedachte. Aeußerst schwierig gestaltete sich dabei die Arbeiterfrage, da sich den Eingeborenen alles in Hülle und Fülle bietet, unb sie daher recht unüiftig zur Arbeit sind. Als

dann nach großen Anstrengungen sich ein Erfolg zu zeigen begann, suchten sich die Amerikaner in den Besitz der Inseln zu setzen. In ihrer Bedrängnis wandten fick) die Ansiedler an das Reich und baten um Unterstützung des deutschen Handels, doch selbst ein Bismarck formte damals (1880) nichts gegen die Gleichgültig­keit des Reichstages durchsetzen.

Dem energischen Eingreifen des deutschen Kapitäns von Werner war es aber schon imi Jähre 1879 gelungen, einen Vertrag zu erzielen, in dem den Deutschen Kohlenstationen und andere Vor­teile zugebilligt wurden, wogegen ihnen, zu ihrer größteMFreude, dieselben Vergünstigungen in Deutschland zugebilligt wurden.

In Parteikämpfen wurde in den achtziger Jahren das Eigen­tum der Deutschen stark mitgenommen; der damalige König Malietoa wurde gefangengenommen und Tamasese zu feinan1 Nachfolger ernannt. Durch die Aufstellung eines Gegenkönigs brachen die alten Unruhen wieder aus; Landungstruppen der Krcuzerkorvette Olga wurden von samoanischer Uebermacht ge­schlagen, und das deutsche Konsulat niedergebrannt. Die im Hasen ankernden deutschen und amerikanischen Kriegsschiffe ivur- den im März 1889 durch einen Orkan an Land geworfen und scheiterten, außer der KorvetteOlga". Erst nach langen schweren Kämpfen fam es zum völligen Frieden und zur Teilung der In­seln zwischen den interessierten Mächten.

Der Vortragende warf fesselnde Streiflichter auf die Kultur der Samoaner, hob ihre tiefe, dichterische Veranlagung hervor, erzählte von kühnen Fahrten der Eingeborenen nach weit entlegenen Inseln und vergaß auch nicht ihre besondere Kenntnis von Natur- und Himmelserscheinungen zu erwähnen.

Die behagliche, humorvolle Art, mit der Herr Wangemann die anziehenden unb belehrenden Schilderungen vorbrachte, hielten die Versammlung, die naturgemäß besonders von Damen stark besucht -war, in unausgesetzter Spannung und fortwährender Heiterkeit, wenngleich auch dabei die ernsten Schilderungen nicht ihren Eindruck verfehlten. Der Redner beendete feinen, mit starkem Beifall angenommenen Vortrag mit einer großen Anzahl präch­tiger Lichtbilder, die das Leben unb Treiben der Einwohner, sowie eine Menge charakteristischer Landschaften veranschaulichte.

0. N..

*

Keine Universität in Hamburg. Aus Ham­burg, 29. Okt., wird gemeldet: Die Bürgerschaft beendete heute die Beratung der Universitätsvorlage in der vierten, diesem Gegenstände gewidmeten Sitzung. Ter Antrag Eifse, die Vorlage und den Antrag Dücker an einen Ausschuß zu verweisen, wurde mit 80 gegen 73 Stimmen abgelchnt. Darauf wurde die Senats^ Vorlage abgelehnt und der Antrag Dücker angenommen, einen Aus­schuß zur Prüfung der Frage einzusetzen, in welcher Weise unter Fortsetzung und Ausbildung des Vorlesungswesens der weitere Ausbau des Hamburger Kvlonialinstitutes als einer selbständigen der Forschung, Lehre unb taftifd)en Ausbildung gewidmeten Anstalt mit tunlichster Beschleunigung dauernd ermöglicht werden könnte.

Damit ist die Universitätsvorlage gefallen und der Senat wird um den Ausbau des Kvlonialinstttuts zu einem Forschungsinstitut ersucht.

Neue Entdeckungen in den Caracalla -Ther­men. Eine Entdeckung von weittragender archäologischer Be­deutung ist in diesen Tagen dem italienischen Forscher Prosessor Ferri in unmittelbarer Nachbarschaft des Gebietes gelungen, auf dem sich die berühmten antoninischen Thermen, die sog. Ther­men des Caracalla in Rom erheben. Ferri sand die unterirbbi schen Gänge, Stollen und Aquädukte, die in ihrer Gesamtheit einen Einblick in bas meisterhafte Kanalisationssystem dieser be­rühmten Badestätte des alten Roms gewähren. Der unterirdische Hauptgang hat eine Länge von nicht weniger als 1 Kilometer bei einer durchschnittlichen Breite von 8,9 stetem; nur an be­stimmten Stellen wird der Gang schmäler und verengt sich bis zu 7 Metern. Die Seitenstollen, die teilweise die gleiche Länge erreichen, weisen 1,20 Meter Breite bei 2,30 Metern Höhe auf. Die mächtigen Abflußstollen, durch die das Wasser abgelassen wurde, erreichen 2 und 3 Kilometer Länge, alles in allem haben die jetzt entdeckten unterirdischen Gänge und Abflußstollen eine Streckenlänge von 5 Kilometern. Die meisten dieser unterirdischen Bauten sind verschüttet, der Durchgang zurzeit unmöglich, denn bei den mannigfachen Ausgrabungen auf dem Stadion wurden die Träger der unterirdischen Galerien durch die Erdarbeiten und damit verbundenen Gewichtsverschiebungen überlastet. Tie freigelegten großen Gänge ziehen sich durch das ganze Gelände unter den Thermen und dem antoninischen Stadion, begleiten die Hauptfront und die hintere Front der Bauten und durch­schneiden kreuz und quer den Mittelbau, während die Absluß- röhren die Richtung nack) einem mächtigen großen gemeinsamen Abfluß nehmen, der alles Wasser dem Tiber zuführt. Alle An­zeichen weisen darauf hin, daß diese Röhren viele Gegenstände bergen, die Interesse haben, aber wahrscheinlich wird die Mehr­zahl verloren gegeben werden müssen, denn es erscheint kaum möglich, die Stollen vom Wasser zu befreien. Ein Teil der großen Galerie war für den Verkehr der Sklaven eingerichtet, in einer anderen befanden sich Wäschevorräte aufgestapelt und auch Holz, um die großen Kessel zu heizen. In den Mauerwänden sind zahl­reiche Stufen eingeschlagen, so daß es jederzeit möglich war, von den Thermen aus in die tiefsten unterirdischen Gänge und Känalirätionsstollen hinabzusteigen. Der wichtigste Fund, der cinit» weilendgemacht wurde, stammt aus einer Kloake und besteht aus den Fragmenten einer großen Marmorgruppe. Sie stellte den Gott Mitra bar, der einen Stier tötet; das Blut des Stieres! wird von einem Hunde und einer Schlange aufgeleckt, während ein Skorpion den Stier sticht. Auf den bisher aufgefundenen Fragmenten sieht man, in zwei Bruchstücken, den Kopf des Hundes, zwei Beine des Stieres, zwei Füße des Gottes, die Schlange, den Skorpion, die Scheide des Messers, sowie die ge­samte Basis der ungewöhnlich großen Gruppe.