Ausgabe 
27.11.1913 Erstes Blatt
 
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ff. Eine neue Wonbf arte. Der Gottmger Astronom F Hahn hat soeben eine umfangreiche Arbeit zum Abschlüsse gebracht, und deren Ergebnis soll demnächst in Gestalt einer Mondl'arte veröffentlicht werden. Cs handelt sich hierbei um eine möglichst genaue Starte der Randgebiete des Mondes, die zur genauen Bahnbestimmung des Mondes von einschneidender Bedeutung ist unb neues Material zur Theorie der Wonbbe wegung beibringt. Sonne und Planeten erscheinen nämlich, wie A. Marcusc im nächsten Söefte derRatttrwissenschaften" aus einandcrsetzt, wegen ihrer größeren Entfernung als Kreise ober Ellipsen, und so ist ihre genaue Ortsbestimmung nicht besonders schwierig: der Mond dagegen erscheint nicht kreis- ober ellipsen­förmig begrenzt, und daher ließ sich bisher sein Mittelpunkt oder Schwerpuntt nicht genau genug bestimmen. Man suchte bisher diesem Uebelstan.de durch Einführung einesFixpunktes" abzu- helsen, dessen selenographischc ftoorbinaten bestimmt wurden. Hayn hat nun den aussichtsreicheren Weg eingeschlagen, ben Mond- mittelpunlt besser zu definieren und dazu eine möglichst genaue Karte des Mondrandes herzustellen und alle Beobachtungen aus möglichst viele Punkte des Umfanges zu beziehen. Cs sind im Ganzen 200 Mondbilber hergestellt und 10 000 Punkte mit ihren selenographisclnm Koordination festgelegt. Die Mondkarte Hayns ist auf photographischem Wege hergestellt und durch Messungen von Sternbedeclungen verbessert. Auf den dazu nötigen Platten tim Formate 6:9 Zentimeter' wurden immer je zwei Mondbilber ausgenommen: ferner sind die Platten durch aufkopierte Stern­bilder in befanittem Positionswinkel orientiert worden. Endlich wurde nahe dem Bildzentrum eine sehr feine Marke angebracht, von der aus eine große Zahl ton Mondradien gemessen wurde. Auf solche Weise erhielt man durch Ausgleichung der Radien den Ort des wahren MondzentrurnS sowie die Abweichungen des pJlonbcd von der Kreisform. Diese neue Möndkarte bedeutet

zulässiges gefan unb es seien auch in ähnlichen Klage,allen stets Frrispreckungrn eriolqt. Eine große Anzahl ton Käufern als Zeugen wideiivricht sich. Das Gerecht fällte abends < Ubr das Urteil dahin, daß der Angeklagte freizu sprech en ter. Es nahm an, daß eine Verfälschung im Sinne des Ü 10 nicht torlicgc unb trat dann der Meinug bei, daß dem Publikum be- fannt ,ei, es werde zur Erzielung der frischen roten oder grünen Farbe ein Farbmittel verivandt. Auch subjeknv fet keine ftra, bare .Handlung anzunehmen, denn man habe keine bessereQua­lität damit vortäuschen wollen.

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WetterauSsichten in Hessen kur Freitag, den 28. Nov. 1913: Vorwiegenb trüb unb wolkig, strichweise Regen, Temperatur iveiug geändert.

einen wesentlichen Fortschritt für die, Astrometrie und die Mecha­nik des Himmels und bei allen Aufgaben, bic mit dem Monde, ui tun haben Sie ermöglicht es, die Ortsbestimmung unteres so wichtigen Trabanten nach Richtung und Entfernung erheblich tiniaucr und von systematischen Fehlern meicntlid) freier aus­zuführen.

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Darmstadt, 26. Nov. Eine interessante, umfang­reiche Klage wurde heute vor der Strafkammer I verhan­delt Der 39iübrige Direktor der Groß-Gerauer Konservensabni Helvetia", Wilh. Z arg es, war des Vergehens gegen § 10 des NahrnngSmittelacsetzes angeklagt. Er war beschuldigt^ die in der Fabrik hergestellten Gemüsekonserven, Erbsen, Bolfnen, Spinat unv. mit einem Kupferzusatz, und die Früchtekonserven, wie Erdbeeren, Johannisbeeren, Miriaxn, mit einem Teerfarbstoff versetzt zu haben, um ihnen eine schöne frische grüne oder rote Farbe zu geben, ^ali dieser Zusatz gesundheitsschädlich sei, wurde in der Anklage nicht behauptet, der Angeklagte sollte aber die Verfälschung der in den .Handel gebrachten Waren wissenttich betrieben und somit eine Täuschung des Publikums verübt haben: er hätte jeden- falls ben Zusatz auf der Büchse und Flasche vermerken müllen. 3n der Verhandlung waren vier Sachverständige, Prof. Dr. Welter und die Konservenfabrikanten Basserrnann, Braun und Nägel) geladen, die sich sämtlich dahin aussprack-en, daß eine Verfäl­schung von Nahrungsmitteln nicht vorliege. Der Angeklagte selber machte geltend, daß es doch für das Publikum kein Geheimnis sei daß ein chemischer Zusatz zur Erhaltung der fanben. Farbe notwendig sei. Jede .Hausfrau wisse, bau gekochtes Gemüse Mw. sofort die Farbe verliere. Er habe also durchaus nichts Un-

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Zum BranO de; Do'turno.

London, 26 Nov. Vor dem Handelsamt ist heute der Bra'nd desVolturno" verhandelt worden. Der Anwalt des Amtes erklärte: Das Schiff führte 19 Boote, welche noch 150 Personen mehr aufnehmen konnten, als an Bord maren. Gegenüber der Erfahrung bei derTitanic" sei bemerkenswert, daß der Menschenverlust geringer gewesen wäre, wenn derVol tumo" keine Boote geführt hätte, denn alle benutzte Boote seien verunglückt, so daß viele ertrunken seien. Die Schiffsladung be­stand in Fässern mit Del und Teer, in Torf, Lumpen und stroh bewirfelten Flaschen Daher glaubte der Kapitän und wer sonst die Ladung kannte, das Schiss müsse jeden Augenblick untergehen. Der Kapitän, der Ehefingenieur und zwei Matrosen bauten die ganze Nackt an Flößen, um die noch an Bord befindlichen 300 bis 400 Mensckwn ui retten. Als die Boote der anderen Schisse anlamen, rief der Kavitän den Auswanderern zu, über Bord zu springen. Als sie sich weigerten, sprangen die Ingenieure und mehrere Matrosen voran, um ihnen den Weg zu zeigen. Lord Desart, der den Vorsitz führte, erklärte, daß sie nach guter see­männischer Tradition gehandelt Hüttern

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Zweibrücken, 27. Nov. Das Schwurgericht verurteilte gestern den 28jährigen Tagelöhner Philipp Lind aus Billig - beim, der in der Nacht zum 20. Februar aus Rache eine der l Witwe Hauck in Billigheim gehörende Scheune a n z u n d e t e, wobei das Feuer auch auf das Wohnhaus des Angeklagten Über­griff und den Flammentod seiner Mutter zur Folge hatte, zu 8 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust.

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Letzte llacbricfrten.

Athen, 27. Nov Die Kammer bat den griechisch, türkischen Fräe-d e nsv e r tra g enbgültig in dritter Le­sung angenommen.

Konstantinopel, 27. Nov. Oberstleutnant D s ch e m i - Bei wurde zum M i l i t ä r - A t t a ch 4 bei der Berliner Botschaft ernannt.

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CiiittcbiüabrL

Abgestürzt und verbrannt

M o u r m e l o n , 26. Nov. Ein Militärdopveldecker mit zwei Insassen ist an der Grenze der Departements Marne unb Aube abgestürzt. Ter Benzinbehälter explodierte und die b e i d e n F 1 i e- ger verbrannten. Ter Absturz ereignete sich etwa 4 Kilo ineter von dem nächsten bewohnten Orte entfernt. Tie Ursacke des Unfalls ist unbekannt. Es ist unmöglich, bir vo 11 st a n d ig verkohlten L e i ck e n zu erkennen. Nur ein Mftitartalcken tuck und die Schuhe sind unversehrt geblieben. Aus ihnen fcklteßt man, daß es sich um ein Militärflugzeug handelt.

Frankfurt a M., 26. Nov. TieViktoria Luise" unter­nahm heute vormittag 0 Uhr, festlich gescknnückt. unter Führung ton Tr Lampertz von dar hiesigen Luftschifshalle aus ihre 400 Falttt, die sie bis nach Darntstadt führte und 11 - Stunben dauerte. Es dürfte wohl bisher kein Lnftschisf der Welt crifheren. das auf eine nur annähernd gleiche Anzahl ton roofilgehiugencii Fahrten mit zum Teil reckst bemerkenswerten Leistungen, zurück- blicken kann Am Sonntag ist das Luftschiff nochmals zum er mäßigten Preise ton 25 Pfg. zu besichtigen, bann wird btc Halle über Winter geschlossen.

Der Ausbau des Mittellandkanals.

Berlin, 27. Nov. Mit der Fortführung des Mittel­kanals bis Magdeburg hat sich gestern der große Ai^scknst des Zentralvereins für deutsche Binnenschiffahrt beschäftigt und einen Beschluß gefaßt, in dem cs heißt: Der Ausbau^ des Mittelkcmals von Hannover bis Magdeburg wurde so­wohl itn Interesse der deutschen Industrie wie des deutschen Handels und der deutschen Landwirtschaft liegen.

Verurteilter Brandstifter.

Wer nie die Nächte hustend safi, ber begreift kaum, welche Wohltat der Welt mit FavS hälfen Sodener Liineral Pastillen geschenkt worden ist. Die Pastillen, die aus zur Kur benutzten Heilguellen der Wemeinöc Soden stammen, wirken lindernd, lösend u. beruhigend, n enn man sie vor d. Schlafengehen nimmt, u. sic bekämpfen auch die schwersten Hnstenan'älle, wenn man sie n. Vorschr. verwendet. Man achte aber ans d. NamenFay" u. die amtl. Bescheinig, d Bürgerinstr.- Amt.Bad Sod.a.T. aus weiß. Kontrollstr. Pr.lrsPsg.d. Schacht.

* Siedende Kohlen. Aus Breslau, 26. Nov., wird gemeldet - In der Schlesischen Gesellschaft Tür vaterländische Kul­tur brachte heute abend der Direktor des Phhsikalischen Instituts, Geheimer Regierungsrat Dr. Lummer eine Kohle zum Sieben. Er hat die Entdecknitg der Verflüssigung des Kohlenstosses an, ber elektrischen Bogenlampe gemacht, deren Kohlenstifte bei Unter druck des elektrischen Stromes zu sieden begannen. Das Siede-

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Tendenz. Kälber und Schafe ruhig, wird geräumt Sbive.ne gedruckt, bleibt Ucberstand. VreiS für JOO Pkd.

sckästsstelle errichtet Ter schon lange von den Tnaillisten gehegte Wunsch auf Gründung einer eigenen Berufsgen ossenschaft ist inzwischen in Erfüllung gegangen, es wurde eine eigene Genossen schäft für die Detaillisten gegründet, die den NamenDetail- h r n d e l s l> e r u f s g c n o s sen s ch af t" führt und ihren Sitz vor­läufig bs 1914 iin Berlin bat. Die Genossenschaft ist in 19 Be­zirke eingeteilt. Hessen und Baden bilden einen Bezirk, für den drei Vorstandsmitglieder und drei Ersatzmitglieder bestellt worden sind. Für Hessen sind als Vertreter gewählt: Kausmann Kalbsuß in Darmstadt, Kaufmann Häuser in Offen bach und Kaufmann IC. Röhr in Gießen. Der Verein hat sich auch in diesem Jahr mit verschiedenen, zum Teil sehr wichtigen Standes-, Berufs- und Tagessragen beschäftigt. Hervorgehoben sollen hier nur werden: Der Protest gegen die reformbedürftigen Bestimmungen hinsichtlich der B e st e u e r u n g der Wandergewerbe auf kurze Zeit. Der Verein steht aus dem Standpunkt, daß hierdurch der ansässige Geschäftsmann auf das empfindlichste geschädigt wird und vertritt die Ansicht, daß eine andere Art der Besteuerung unbedingt ein treten müsse. Auch zu der Frage des Z u g a b e w e s e n s , der Aus­nahmebestimmungen über das Detailreisen in der Wäschebranche, Lagerung unb Aufbewahrung von Mineralien usw. hat der Verein Stillung genommen. Dem SubmissivNsweseu wurde gleich falls besondere Ausmerksamkeit geschenkt, man hat gleich wie bei den meisten Handelskammern auch bei der hiesigen Handelskammer die Errichtung einer Zentrale zum Zweck der besseren Regelung des Submissionswesens für Dessen bcfürivortet. Die von der Textil brauche behufs besserer Ueberwachung der Ausverkäufe gegebene Anregung auf Gründung von Einigungsämtern wurde befürwortet. Hinsichtlich des Verbandsorgans ist eine Acnderung vorgesehen: an Stelle des bisherigen Fachblattes soll zukünftig das Fachblatt Deutsche Rundschau" erscheinen. Verstöße gegen das Gesetz belr. ben unlauteren Wettbewerb kamen auch in dem letzten Jahre vor. Die meisten Fälle erledigten sich auf Aufforderung des Vereins hin, nur in einem Falle mußte Strafantrag gestellt werden. Der Verein hat, wie dies in seinen Satzungen vorgesehen, auch zur .Handelskammerwahl Stellung genommen. Hierbei ist der Wahlvorschlag, den der Verein auf Grund eines Hauptversamm- lungsbeschlusses gefaßt hatte, mit großer Mehrheit durchgedrungen. Tie im neuen Handelskarnnrergesetz vorgesehene Beschränkung hin­sichtlich der Wahlfähigkeit einzelner Firmen hat der Vorstand ent­schieden bekämpft. Im Lause des Jahres hatte ein Teil der hiesigen Kolonialwarcnhändler den 1-Uhr-Ladenschluß an Sonn­tagen freiwillig eingeführt. Der Verein hat für sich Stellung hierzu nicht genommen, weil die einheitliche Regelung der Sonntagsruhe burd) Reichsgesetz in nächster Zeit bevorsteht. Auf Anfrage der Handelskammer zur Frage der Ausdehnung der K aufmanns- g c r i efj t e bat ber Vorstand unter Bekanntgabe seiner Bedenken sich dahin ausgesprochen, daß man für den Fall der Ausdehnung und bezw. Errichtung dieser (fKrichte solches dem Kreise selbst überlassen solle. Endlich hat sich der Vorstand aus Anfrage der hiesigen Handelskammer für die Einführung der Pflicht zur Füh­rung k a n s m ä n n i s ch e r B ü ch e r auch von den sog. Heitren Gewerbetreibenden ausgesprochen. Die Zahl der Mitglieder hat sich erhöht, neu hinzugetreten sind fünf Firmen. Satzungsgemäß batten ans dem Vorstand anszufcheiden die Herren R ö h r , V u ch - acker, Dreyfnß und Schulze, die mit großer Mehrheit wiedergewählt wurden. Den Kassenbericht erstattete der Rechner, Kaufmann Rich. B u ch a ck c r.

Steinbach (Kreis Gießen). Auf eine stimmungsvoll ver­laufene Großherzvgsgeburtstagsfeier kann der Kriegerverein zurückblicken. Nach einer kernigen Ansprache des Vorsitzenden, Hrch. K e ß l e r VII., die in ein freudig aufgenommenes Großherzoashoch ausklang, sprach der Vorsteher des Hassiabezirks Gießen, Lehrer Da ab cnrs Lollar, über das gute Verhältnis des Hessen Volks zu feinem Fürsten, wobei er insbesondere der Zeit vor 100 Jahren gedachte. Herr Daab überreichte darauf bem Landwirt Johannes V., der jetzt 37 Jahre hindurch bas Rechireramt des Kriegervereins be­kleidet bat, die ihm vom Gvoßl)erzog verliehene Auszeichnung und sprach ihm die besten Wünsche aus.

? Lang-Göns, 26. Nov. Die Feier von G r o ß h e r- z o g s Geburtstag mürbe gestern abenb vom Krieger verein gefeiert. Ter Ortsvorstand und die Vorstände der hie­sigen Vereine hatten der Einladung Folge geleistet. Ter Zither- Uub unb der GesangvereinGermania" verschönten die Frier. Lehrer S ch w i n n hielt eine Ansprache.

Zum Tode verurteilt.

Aachen, 27 Nov. Das Schwurgericht verurteilte heute nacht den zu Beggendorf geborenen, 23 Jahre alten Arbeite^ Martin Steegers unb die 38jährige, zu Barmen m .dem Kreise Aachcn geborene Witwe des Ackermanns Koch MM Tode und zum bauernben Verlust ber bürgerlichen Ehrenrechte. Außer­dem wurde die Wüwe Kock) noch itogen versuchten Gift­mord e s in drei Fällen zu fünf Jahren pickst Haus verorte, t. - ^ie beiden Angeklagten waren überführt nwrbcn, in der Nacht zum 21 Juli zu Bl au st ein gemeinschaftlich und mit llebcrlegung den Ehemann der Koch getötet zu haben. Fermw wurde festgestellt, daß die Witwe Kock) allein im Jahre 1913 in drei' verschiedenen Fällen ihren Ehemami zu töten versucht hatte.

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