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27.3.1913 Drittes Blatt
 
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Nr. 71

Erscheint tSgltch mit Ausnahme des Sonntags.

Die .Fiehener ZamMenbiäUer" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ^Lreirdlstt ftzr den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit* fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Drittes Blatt 163. Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Donnerstag, 27. Mürz 1913

Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen »Inioersitäts - Buch- und ©teinbtuderei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Driickerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51«

Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzergerGießen.

Aus Hessen.

Die Revision der landstäudischen Geschäftsordnung.

fJ. « rmstadt, 26. März. Der Sonder-Aus- schu st für die Revision der la n d st ä n d is ch e n Ge- scha ftsordnun g ist vom Kammerpräsidenten Köhler ^^rn^tag, den 5. April, z-u einer Sitzung einberufen R?0TT?n,<win.. i^er bie schon seit Ehr .als zwölf Jahren ge­plante Umänderung der landständischen Geschäftsordnung ^at P" 3uni 1874 in Beratung genommen werdest soll. Der Kammerpräsident hatte schon vor längerer Zeit der Regierung und dem Präsidium der 1. Kammer einen vor­lauft gen Entwurf für eine neue landständische Geschäfts­ordnung unterbreitet, die sich in ihren Grundzügen auf das alte Gesetz stützt, aber auch eine ganze Reihe dem mo­dernen parlamentarische^ Leben angepaßter Bestimmungen enthält, wie solche auch bei der Revision der Geschäfts­ordnungen der Landtage von Preußen, Bayern, Württem­berg und Elsaß-Lothringen Aufnahme gefunden haben. Auf diesen provisorischer! Entwurf sind nunmehr die RüÄäuße- rungen der beiden anderen gesetzgebenden Faktoren erfolgt und die Aufgabe des Sonderausschusses, dem außer den füuf Vorstandsmitgliedern der Kammer noch sieben Ab­geordnete als Mitglieder angehörcn, soll es sein, aus dem nun vorliegenden umfangreichen Material eine neue Ge­setzesvorlage vorzubereiten, eine Arbeit, die aller Wahr­scheinlichkeit nach nicht weniger Mühe und parlamentarische Känrpfe erfordern wird, wie die drei im vorigen Landtag glücklich zuni Abschluß gekommene Gesctzesnovclle über die Gemcindeumlagen, die Venvaltungsgesetz- und die Wahl- rechtsrevision. Jedenfalls ist soviel 'sicher, daß diese jetzt vorzubcrcrtende Vorlage nicht vor der Verabschiedung der Besoldungsreform in der 2. Kammer zur Beratung ge­langen wird.

Bericht über die Tätigkeit der an den Mitteldeutschen Arbeitrirachweisverband berichtenden Arbeitsnachweise im gebruar 19(3.

Bon den 26 Arbeitsnack>weisen des Mitteldeutschen Arbeits- Mlchweisverbandes, die im Februar 1913 an das Kais. Stat Amt berichteten gegen 19 im Februar 1912), wurden 4968 (£>0701 männliche und 3730 (3582) weibliche Personen vermit­telt, zusammen 8698 .8652). Hiervon entfallen aus Alzey 49 '( i, Aschaffenburg 53 j 112), Bebra 62 (), Bingen 68 (65), Butz­bach 8 (), Kassel 877 (866), Darmstadt 265 (330', Dieburg 13 (), Frankfurt n. M. 3895 (4056., Friedberg 46 (49), (Gernsheim i. H. 2 2 , Gießen 111 (106), Groß-Karben 18 (), Hanau a. M. 45 (27), Herborn 31 (13», Kreuznach 96 (45), Mainz 762 (733), Marburg 21 (5>, Offenbach n. M. 236 (2391, Weilburg 17 (13), Wetzlar 28 (39», Wiesbaden 1686 (1573), Witzenhausen 4 (2) und Worms 333 (357 .

Nach Berufsgruppen getrennt wurden vermittelt: In den männlichen Abteilungen: Landwirtschaft 480 igegen 323 im Fe­bruar 1912), Meiatlgewerbe 507 615), Holzgewerbe 310 .3481, Industrie der RahrungS- und Genußmittel 72 (5(1, Berteidungs- vnd Reinigungsgewerbe 314 291 , Baugewerbe 307 .220 , Ma­schinisten, Heizer und Fabrikarbeiter 74 3 09 , Gast- u>id Schank­wirtschaftsgewerbe 802 (939 v sonstige Lohnarbeit und häusliche Dienste 1832 (19651. In den weiblichen Abteilungen: Gelernte und angelernte Arbeiterinnen in Fabrikbetriebcn 83 (73), Be- tleidungs- und Reinigungsgewerbe 37 (26), Gast- und Schank­wirtschaftsgewerbe 352 (321), sonstige Lohnarbeit und häusliche Dienste 3225 (3131).

Von den au den Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverbaud be­richteten nichtöffentlichen Arbeitsnachweisen wurden im Februar 1913 im ganzen 1158 Stellen vermittelt gegen 936 im Februar 1912. Von diesen 1158 Stellen entfallen auf Jnnungsarbeits- nachweise 278, auf Arbeitnchmernachweisc 321, auf paritätische Arbeitsnachweise 91 und auf Vtweinsarbcitsnachrvcise 468.

Von den 13 an den Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverband berichtenden größeren Ortskrankenkassen war der Bestand am 1. März 1913: 289 555 (gegen 270 535 am 1. März 1912); darunter waren 183 589 (173 235) versicherungspflichtige männ­liche Mitglieder, 73 340 V7 709) versicherungspflichtige weib­liche Mitglieder, 10 456 (9595) freiwillige männliche Mitglieder und 22170 (19 996) freiwillige weibliche Mitglieder.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 27. März 1913.

** Ansgler chsbei Hilfen im Bereich der preußisch- hessischen Staatsbahnen: Einnahmeausfälle, die ein Ar­beiter durch die Beförderung zum Unterbeamten gegen sein bisheriges Lohneintommen erleidet, werden durch Bei­hilfen ausgeglichen. Diese schon seit Jahren bestehende Vergünstigung hat der Preußische Eisenbahnminister dahin erweitert, daß auch spätere Lohnzulagen, die der Betref­fende erhalten haben würde, wenn er Arbeiter geblieben wäre, berücksichtigt werden dürfen und durch Beihilfen aus­zugleichen sind. Eine weitere Verbesserung ist in der Rich­tung angeordnet, daß die zur Pensionslasse gezahlten Bei­träge, die bisher ebenso wie die Krankenkassenbeiträge von dem zum Vergleich herangezogenen Arbeiterlohneinkommen abgesetzt wurden, nicht mehr abzusetzen sind, wenn der Betreffende als Beamter die freiwillige Versicherung fort­setzt. Rachzahlung für rückliegende Zeiten findet nicht statt.

** Kollekte dos Hilfsvereins für die Geistes­kranken in Hessen. Anläßlich der in diesen Tagen in unserer Stadt vor sich gehenden Jahreskollekte für den Hilfsverein ist es wohl am Platze, mit einigen Worten auf die Zwecke, die der Verein verfolgt, hinzuweiseu und der Sirte Ausdruck zu geben, es möge nicht gekargt werden, wenn die Sammelliste vorgelegt wird. Die des Vorjahres ergab in Gießen mit einer Anzahl von 900 Gebern den Betrag von 875,30 Mk., das ist eine verhältnismäßig gering zu nennende Summe, zumal, wenn man erwägt, welcher Nutzen unserer Stadt aus der Nachbarschaft einer der Landesheil- und Pstegeanstalten zufließt! Tie Anstalt ist mit 300 Krauten belegt und verpflegt außerdem gut ein halbes Hundert Angestellte. Binnen eines weiteren Jahres werden dort draußen annähernd 500 Personen leben, deren Verpflegung weit über 150 000 Mk. verschlingt, die zum größten Teil nach Gießen fließen. Schon diese Tatsache sollte genügen, um den Opfersinn der Stadt auzuregen. Besonders aber sollten die Bürger frei­giebig die Hand öffnen, die als Lieferanten Beziehungen zur An­stalt unterhalten und großen Nutzen daraus haben. Der Hilfs­verein, eine Gründung des 1910 verstorbenen Geheimrats Lud - wig in Heppenheim, bat im Vorjahr durch feine Kollekte die Summe von rund 30 500 Mk. in Hessen aufgebracht. Hinzu tarnen die Spende des hessischen Staates (zum Gedächtnis Ludwigs Georg-Ludwig-Gedächtnisspende" genannt) von 1500 Mk., Bei­trüge von Sparkassen und Vereinen, so daß einschließlich der Zinsen aus dem Vereinsvermögen dem Vorstand die Summe von 46 525 Mk. zur Verfügung stand. Sie erscheint manchem wohl zunächst sehr hoch- Aber im Vergleich zu den Aufgaben, die der darüarioen Fürsorge aus dem Gebiet der Bekämpfung der Otoi, die Geisteskrankheiten heraufführen, gestellt sind, ist sie keineswegs allzuhock bemessen. 2278 Geisteskranke befanden fid. am 1. März dieses Jahres in den vier hessischen Staats­anstallen in Pflege! Unendlich viele davon auf Kosten der Ge­meinden. Für sie ist gesorgi! Aber wie mancher davon besitzt noch Verständnis für die traurige Lage, in die seine Erkrankung die Seinen gebracht hat, und wie trüb gestaltet sich das Loos so vieler unmündiger Kinder und nur in geringem Umfange erwerbskräftiger Frauen, die den Vater ober Gatten in ÄeisteS- uacl c versinken sahen, von Armenverbünden sich unterstützen lassen müssen, oder gar, zu stolz, als daß sie ihr Elend dein Armen Pfleger offenbaren möchten, darben und hungern. Man muß einmal in solche Verhältnisse geblickt haben, um ein sehen zu können, wie notwendig eS ist, private Hilfe zu organisieren und dem Unglück zu steuern. Und iucr hilsc dem unbemittelten, aus der Anstalt wieder hinaustretenden Rekonvaleszenten, der wieder schassen, die Seinen wieder erhalten, ihnen durch seine Krank­heit erwachsene Einbuße wieder wett machen möchte? Mit Vor

IDetterperioden.

In älteren Kalendern Habet man Wettervoraussagen nach dem hunderijä.hrigen Kalender. Zugrunde liegt die naive Vor­stellung, daß das Wecker sich in hundert Jahren genau wiederholt. Man witterte eine Periodizft ft des Wetterverlaufs, beschränkle sich aber darauf, eine willkürliche Zeitperiode anzunehmen. In früheren Zeiten wäre wohl die Zahl 7 oder 12 zu der Ehre einer Weiter- lenl'erin gelangt: im Zeitalter des dekadischen Zahlenshstems hul­digt man der 100. I

Tie ausblühende meteorologische Wissenschaft hat nun tat­sächlich deutliche Wetterperioden festgestellt, eine elfjährige, die mit der periodischen Sonnentätigkeit «Sonnenflecken) zusammen- sällt und eine dreijährige, von der der namhafte Meteorologe Brüak (Batavia) annimmt, daß sie rein irdischen Ursprungs ist. Es wechseln Zeiten, in denen die Gegensätze zwischen den Maxima und Minima des Luftdrucks stark ausgeprägt sind, die Hochdruck­gebiete also fcljr hohen, die Tiefdruckgebiete sehr niedrigen Luft­druck aufweiseu, mit Zeiten einer Abflachung des Luftdrucks. Tie Luftzirkulation und damit die Niederschlagsmenge ist im ersten Falle 'bedeutend größer als int zweiten. Die dreijährige Wetter- Periode wird sehr hübsch durch die Salzproduktion in Madura (Java> illustriert. In jedem dritten Jahre ist die Menge des dort durch Verdunstung gewonnenen Salzes besonders groß, weil die Lufttrockenheit in diesen Jahren ein Maximum zeigt, also eine dreijährige ^enobe hat, die in jenen Gegenden besonders deutlich ausgeprägt ist.

Beobachtungen der Niederschlagsmenge (Reaenhöhe) haben zur (Festellung noch liirzerer Perioden geführt. Es fiat den An­schein, als ob unser Er oall von vier Wetterwellen umkreist wird, deren größte die Länge des Erdumfangs besitzt: die andern ver­halten 'sich dazu wie Obentönc zum Grundton (V2, Va, Vi des.Erd­umfangs). Aese Wetterwellen schreiten von Westen nach Osten fort. Bekanntlich wmrdern auch die Hochs und dje Tiefs in dieser Richtung. Am deutlichsten ist die kürzeste, die siebentägige Welle ausgeprägt, die längste hat eine Schwingungsdauer von etwa , 27 Tagen. Da nun der siderischc Monat 27 Tage hat, ist, die Be­ziehung dieser Wellen zur Mondbewegung sehr wahrscheinlich ge­worden. Durch die U ebereinander lag ermtg aller dieser Wetter- perioden entsteht das überaus wechselvolle Bild der Wetterlage, die sich mit einiger Sicherheit nur etwa 24 Stunden Voraussagen läßt. * Ö. K.

Das Germa ni sche M u seum in Nürnberg, das jetzt durch umsMrgreiche Neubauten erweitert werden soll, hat seit bem letzten Herbst eine Fülle wertvoller Neuerwerbun­gen gemacht, über die in der Kunstchronik berichtet wird. Tie kostbarste ist eine Madonna mit Kind von H a n. s Bal - düng-Grün aus bem1 Jahre 1530, ein Gemälde von starker Wirkung, das vor allem seine kraftvolle Lösung von der Thpik des Mittelalters zeigt. Das bebeutenbe Bild befanb sich früher

in der Galerie Liechtenstein und konnte aus beut Pariser Kunst- hairdel für Teutschland zurückgewonnen werben. Etwa aus der gleichen Zeit stamm: ein künstlerisch geringeres Bild der Donau- Schule, eine Szene aus der Legende des Apostels Philippus. Ferner ^wurden erworben ein Tafelbild, wahrscheinlich der Er­furter Schule aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts, mit der Darstellung der Tornenkrönung und 4 große, trefflich er- haltenc und eindrucksvolle Pai'sionsbilder eines Flügelaltars von etwa 1470 aus Bozener Privatbesitz. Ein Brustbild K arte V., ein Geschenk des Kaisers Franz Josef, ist eine vorzügliche alte Kopie eines wohl verlorenen bedeutenden Originals von etwa 1530. Unter den Erwerbungen von plastischen Werken werden hervor- geboben_ctnc Beweinung Christi aus Lindenholz mit reich- lichen Spuren alter Bemalung, Anfang des 16. Jahrhunderts, ein Sandsteinrelief des heiligen Antonius, um' 1530, ein Epitaph des 1554 gestorbenen Abtes Johannes Menger von bem1 Eich­stätter Meister Loh Hering, und hervorragende Werke der Kleinplastil. In die kunstgewerbliche Abteilung kamen die Stücke eines bei Pretzfeld geinad ten Silbers un des aus der Zeit der Spätrenaissance, lräftig geschnitztes Chorgestühl von 1640 und wissenschaftliche Instrumente. Auch drei geschlossene Samm­lungen vermehrten die Bestände des Museums, eine von prä - historischen Funden aus Thalmässing und Umgebung, eine äußerst interessante Sammlung von B i s m a r ck - K a r i k a t u - r c 11 (4481 Nummern), ein Geschenk des Verlagsbuchhändlers Kalatsch, und etwa 1000 Bände und Faszikel wertvoller "Drucke und Handschriften aus den Beständen der alten Fürther Stadt- bchliothek.

Das Dreikörper-Problem. Seit den Tagen Newtons, also seit wohlgezählten zwei Jahrhunderten, bemühten sich eine Reihe der hervorragenden Mathematiker und Astro­nomen um die Lösung des fundamentalen Problems, wie sich das Gesetz der Anziehung dreier Körper wissenschaftlich genau ausdrücken ließe. Bekanntlich hatte der scharfsinnige Engländer in seiner Theorie über die Gravitation den epochemachettden Satz ausgesprochen, daß die Körper sich mit einer Kraft anziehen, die im Verhältnis steht zu ihrer Masse und zum Quadrat ihrer gegenseitigen Entfernung. Dieses Gesetz, das sich in den Be­wegungen der Sterne und dem Verlaus ihrer Bahnen bis in die Tiefen des Weltenraumes bestätigt finbet, gilt seitdem als all­gemeinstes Prinzip der Astronomie. Auf zwei Weltkörper au- geroenbet gibt seine Formel Ergebnisse von absoluter Exaktheit: die Schwierigkeiten (z. B. für die Vorausberechnung der Sternen­bahnen) beginnen erst da, wo drei und mehr Gestirne in solcher Nähe um- ober nebeneinanber kreisen, daß sie sich gegenfeitig beeinflussen. Tie auf diese Weise entstehendenStörungen" ent­zogen sich bisher her sicheren Kontrolle und gaben Veranlassung zu verwickelten mathematischen Berechnungen, die immer nur ungefähr richtige" Resultate ermöglichten fügen wir hinzu, um gerecht zu fein: Resultate, bereu hoher praktischer Wert außer Zweifel steht und bem Scharfsinn zMreicher Männer der

urteilen begegnen ihm! fo viele. So oft wird er gemieden und findet keine Erwerbsgelegenheit. Hier gilt es, tatkräftig bei- zuspringen, nirgendwo entzieht man sich mehr dieser Nächsten psticht: die Gründung zahlreicher Jrrenhilssvereine an anderen Stellen im Deutschen Reich beweist es. Viele wissen nicht einmal, daß es Vereine gibt, die diesen Zweck verfolgen, und die gern reichlich spenden würden, wenn sie nur davon hören. An sie Wenden sich diese Zeilen besonders! Aber auch an jene, die scckbst einmal an sich erfahren haben, was Geisteskrankheit bedeutet oder ihre Angehörigen leiden sahen. Viel wird gesammelt in unseren Tagen für fo manche Tinge, die uns recht fern liegen: hier wirb etwas erbeten, was zu gewähren einer sozialen Pflicht gleichkomml! Möge unsere Stadt mit dem Ergebnis der dies­jährigen Kollekte des Hilfsvereins für die (Geisteskranken an der Spitze der hessischen Städte stehen. Wir hatten Tausende zu schenlcn am Margueritemage des Vorjahres. Trotz aller ander welliger Sammlungen für andere Zwecke. Möchten wir nun auch dem Hilfsverein gegenüber uns liberal erweisen und seine Zwecke durch eine reichliche Spende fördern.

Kreis Alsfeld.

(x) Elpenrod, 26. März. Ein von hier gebürtiger Knecht hatte in der Wetteran bei einer H crrscho.fi vierzig Jahre im Dienste gestanden Der Knecht mar nicht arm, sondern hatte auf einer Oberhess. Kasse ein Ver­mögen von 15 000 Mark stehen. Jetzt nach seinem Tode fand Testamentserössnung statt; er hatte die Tochter seiner D i en st he r r s ch a f t zur alleinigen Erbin eingesetzt.

Kreis Lauterbach.

= Lauterbach, 26. März. Der W a n d e r k 11 r s u s der Zenttale für Mutter- und Säuglingsfürsorge über Pflege und Ernährung des Kindes in den beiden ersten Lebensjahren wurde im ganzen von 102 Frauen und Mädchen besucht. Der Kursus wurde an 12 Tagen mit je einer Nachmittags- und einer Abendunterrichtssttinde gehalten. An den Nachmittagsstunden nah­men 33 und an den Abendstunden 69 Besucherinnen Teil, die den Belehrungen und praktischen Unterweisungen der Wander lehrerin Schwester Hedwig Below mit lebhaftem Interesse folg­ten. Am Schluß des Kursus wurden durch Frau Kreisrat v. Bech­told 57 Teilnehmerinnen Bescheinigungen über regelmäßigen Besuch des Kursus überreicht. Am 30. März beginnt ein gleicher Kursus in Schotte n.

d. Crainfeld, 26. März. Das A n w e fe 11 des Schreiner meisters Rahn wurde heute nachmittag ein R a 11 b bei F l a m men. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch nicht auf­geklärt. Bei dem starken Sturm hätte leicht eine große Feuers brunft entstehen können, nur dem Umstande, daß das Haus etwas abseits steht, ist es zu verdanken, daß das Feuer auf feinen Herd beschränkt blieb.

Kreis Schotten.

* Di e im Vogelsberg heimische Schindelban - w e 1 s e. Kreisbauinspektor Witzler- Friedberg teilt in der Heimatlichen Bauweise" mit: Tie früher gerade im Vogelsberg heimische Schindelbauweife ist noch in fast allen Orten des Kreises Schotten in zahlreichen Aus­führungen anzntreffen. Leider wird diese Bauweise heute so wenig angewendet, daß Scknndelvertleidungen bei Neubauten von Privaten nur noch vereinzelt ausgeführt werden. ES ist dies einesteils auf die Ausdehnung der Backsteinindnsttie, andernteilS wohl auch ans die diese Bauweise beschränkenden baupolizeilichen Vorschriften der Bauordnung zurückzuführen. Auch hat der Ze ment ft ein (Schlackenstein) in vielen Gemeinden des Vogelsbergs eine große Verbreitung gefunden, )vas um so mehr zu bedauern ist, als durch die zahlreichen Nöuherstellnngen von Umfangs­wänden und Neubauausftihrungeit mit diesem eintönigen und kalten Material die früher so ansprechenden, belebten und trau­lichen Ortsbilder geradezu zerstört werden. Für die hiergegen gerichteten Ermahnungen der Baubehörden ist kein Verständnis zu finden, so daß die auf Wiedereinführung der Schindelbauweisc gerichteten Bestrebungen meist ohne Erfolg find. Eine gesetzliche Handhabe, durch die der Bauherr zur Anwendung dieser Bauweise veranlaßt werden könnte, besteht leider nicht. Um so mehr kann die vom Ministerium des Innern gegebene Anregung auf Er­haltung der Schindelindustrie nur mit Freuden begrüßt werden.

Wissenschaft ein glänzeirdes Zeugnis aus stellen. Die wirkliche marhematisch-exakte Lösung desDreikörper-Problems" ist aber erst jetzt gelungen. Sie knüpft sich an den Namen des fimtläTtbiüben Gelehrten Karl Sundman, der kürzlich seine dahingel-eichen For­schungen, ohne viel Aussehens zu machen, in einer skandinavischen Zeitschrift veröffentlichte. Die wichttge Eittdeckmrg, die einen neuen Triumph der modernen Wissensck>aft bedeutet, wäre vielleicht lange Zeit unbefannt geblieben, wenn nicht der hervorragende Mathe- maiiter Emile Picard, Mitglied der französischen Mademie der Wissenschaften, sofort ihren Wert erkannt und auf sie aufmerksam gemacht hätte: wir verdanken so diesem k^eleh-rten, daß die Chronik von der llnbanfbarfeit der Zeitgenossen" nicht um einen neuen, int Hinblick auf die Bedeutung des gelösten Problems be­sonders krassen Fall bereichert worden ist.

ff. Wie man das Getreide a u s den Halm drischt. Man muß nicht das Feld zur Dreschntaschine bringen, sondern die Dreschmaschine zum Felde, noch besser zum einzelnen Halme" das ist der Grundsatz, nach dem der Amerikaner eine Dreschmaschine gebaut hat, die das Korn auf dem Halm drisckst. Drei Jahre hin­durch hat der Erfinder seine Älaschine in Betrieb gehabt, und die Ersparnisse an Zeit, Arbeitskräften usw. sind dabei ganz er­staunlich, wie ein Aufsatz imTechnical World Magazine" zeigt. Die,Arbeitsweise der neuen Dreschmaschine ist, kurz zusammeu- gesaßt, folgende: während die Maschine so schnell, wie die Pferde sie im Schritt ziehen können, fortbewegt wird, treibt ein Gebläse die Aehren gegen eine gezähnte Trommel, die die Körner aus den Aehren herausdrückt: das so vorgedroschene Korn gelangt dann durch ein kleines Hebewerk zwischen das Gettiebe einer zweiten Trommel, das die abgerissenen Aehren vollkommen leer drischt, ein weiterer Luftstrom des Gebläses trennt die Spreu von dem Korn, und das fertige Korn wird in Säcke geleitet. Zur Bedienung der Maschine sind nur zwei Mann nötig, von betten einer die vier nötigen Pferde zu beaufsichtigen hat, während der andere den Dreschmotor irr Ordtrung hält und die gefüllten Kornsäcke zu bindet und auflädt. Baltvitr hat mit dieser Maschine innerhalb einer Woche die Ernte eines Haferfeldes von 160 Aeckern 'der Acker zu 40 Ar) mit zwei Arbeiten: und vier Pferden bewältigen können. Bei den gewaltigen Flächen, die in den Bereinigten Staaten mit Kon: bebaut werden, rechnet er eine Jahresersparnis von 30 Mil Honen Dollars heraus.

SchillersRäitber" auf hist0ri f chem Boden. Auf der Hohe über Stuttgart, int Bopferwald, wo der Dichter auch msgeheim sein ErstlmgsWerk in: Kreise der Freunde von der Karlsschule vortntg, soll in diesem Jahre nach dem Plane des Hofschauspielers B. Peschel eine Freilichtbühne für die Auf fübrung derRäuber" erstehen. Die Mitglieder des Hoftheaters uni) die Studeittenfck-aft der Tecchnscheu Hockxschule werben imb wirke::. Für bi« Dluffühnmgen sind bie Monate J:mi und Juli in Aussicht genommen.