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22.12.1913 Erstes Blatt
 
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rungsprogrammes betreffend die nationale Verleid i guttg bekannt gab und die Wichtigkeit betonte, das Neu - tralitätsprinziv festzuhalten. Schweden müsse mit allen Mächten Freundschaft halten, ohne zu irgend einer in zu herzliche Beziehungen zu treten. Für das Fußvolk sollte die Winterausbildung eingcführt werden, doch erst nach den Neuwahlen von 1914 werde bestimmt, wie groß die Verlänge­rung der Uebungszeit für die Fußtruppen sein soll. Die Mittel dafür wären vorhanden. Die Wehrkraft wurde weiter erhöht durch die Aus bildung allerStude ntenals R e s ervechargen. Die Vermehrung der Kosten für die Ausrüstung des Heeres, den Bau von Krie gsschiffen, die Verstärkung der Küstenbefestigungen und die Verlängerung der Wehrp flichtzeit der Spezial­waffen würde durch die wachsenden Staatseinnahmen sowie durch eine nach deutsch em Muster gestaltete progressive Wehr st euer auf größere Vermögen und Einkommen ge­deckt.

Neue Treibereien Essad Paschas? Nach ser­bischen Blättermeldungen sanden zwischen dem 17. und 19. Dezember in albanischem Gebiete westlich von Dibra blutige Kamp fe statt. Es wird vermutet, daß es sich um Zusammenstöße zwischen Anhängern der Provi­sorischen Regierung in Balona und solchen Essad Paschas handelt.

EtngriechischesArmcekorPsunter e inem fra nzösischen Gener al. Durch Dekret des Königs der Hellenen wird ein eigenes Armeekorps von Attika_ ge­schossen, das dem französischen General Eydo uz unterstellt toüt und als Modellkorps für die anderen Armeekorps dient.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 21. Dezember 1913.

"SeingoldenesDoktorjubiläum feiert heute Geh. Hofrat Professor Dr. Siebeck. Der Rektor und Dekan der Philosophischen Fakultät überbrachte ihm heute die Glück­wünsche der Landesuniversität und überreichte ihm zugleich das von der Universität Halle erneuerte Doktordiplom.

*" D e r g o l d e n e S o n n t a g. Die endlich eingetretcne kalte Witterung der letzten Tage hat einen Umschwung im Geschäft herbeigeführt. Nicht nur die Eisenbahn, son­dern besonders die abgetrockneten Landstraßen hatten ein Heer von Menschen am Nachmittag in die Stadt gebracht, die aber nicht nur Umschau hielten, wie am vorigen Sonn­tag, sondern als Einkäufer die Geschäfte füllten. Der Han - delin allen Branchen war des goldenen Sonntags wür­dig. Artikel, die in diesem Jahre bisher wie Blei lagen, wurden stark begehrt und die Kaufleute, die in ihren An­forderungen an die Geschäfte bescheiden geworden sind, maty ten wieder frohe Gesichter. Auch die wenigen kalten Tage in der letzten Woche hatten schon kräftig belebend aus den Handel einaewirkt. Wenn der gestrige Sonntag auch nicht vom Golde strahlte, so ließ er doch die Hoffnung auftommen, daß die drei Tage, die uns noch vom Weihnachtsfeste tren­nen, sich noch für die Geschäftswelt befriedigend gestalten können, wenn der Frost anhält und dabei trockenes helles Wetter bestehen bleibt.

** Stadttheater. Es sei darauf hingewicsen, daß die "Aufführung des neuen SchwankesTie spanische Fliege" am Freitag, den zweiten Feiertag, abends bei gewöhnlichen Preisen stattfindet und nicht bei tleinen, wie irrtümlich auf dem Wochenzettel angegeben ist. Tie neue OperetteD a s Musi- kanten mädei" van Georg Zarno, dem Komponisten der Försterchristel", die für Samstag vorgesehen ist, gilt als das beste Wert Jarnos und wird überhaupt von Fachleuten als eine der musikalisch gediegensten Erscheinungen des Künstlers erklärt. Tie Ausführung dürfte sich hier umsomehr zu einem großen Er­folg auswachsen, als wir in unserer Soubrette Fräulein Hansi Martini eine prädestinierte Vertreterin für die Titelrolle be­sitzen ; in ihrem letzten Engagement in Amerika hat Frl. Mar­tini nach vorliegenden Besprechungen gerade mit demMüsi-- kantenmädel" große Begeisterung erweckt.

Hebe r fahren und getötet wurde am Samstag abend auf dem Gießener Bahnhof der Rangiermeister G i m bet von Lützellinden. Gimbel wollte die Gleise überschreiten und wurde dabei von dem von Coblenz kommen­den Personenzuge erfaßt und vollständig zermalmt. Der Ge­tötete ist Vater von sieben zum Teil noch unmündigen Kindern.

** Unterschlagung iin Am t Der Fahrkartenver­käufer Karl R. von per Gießener Fahrkartenausgabe ist nach Veruntreuung von etwa 1000 M k. verein­nahmter Gelder vom Dienst dispensiert. Er hat die Fehlbeträge, die er an der Fahrlärten-Truckmaschine unter­schlagen hat, dadurch zu verdecken versucht, daß er den Kon- trollstreifen verfälschte. Der Fehlbetrag, den die Frankfurter Fahrkarten-Kontrolle entdeckte, ist sofort von Verwandten beb R. bezahlt worden.

** Urlauber. Die am 1. Oktober bei unserem Regiment eingetretenen Mannschaften gingen heute in Urlaub, wogegen die Stamm-Mannschaft erst morgen von hier geht. Unsere Sol­daten können sich bis Neuiahr ausruhen. Sik müssen am 3. Ja­nuar kommenden Jahres erst wieder morgens zum Dienst antreten.

** M ilitärtrans Porte. In der Samstagnacht pas­sierten zwei Militär sonderzüge, der eine von Kassel, bei andere von Frankfurt a. M. kommend, unsern Bahnhof. Ge­stern waren es 4 Militärzüge, welche unsere Station berührten, Transporte mit klrlaubern von Berlin bis Gießen, Berlin g^-.aukfurt a. M., StraßburgKassel und StraßburgHannover.

. eiche Massentransporte die Eisenbahn über Weihnachten durch die Urlauber zu bewältigen hat, geht auS der Mitteilung her­vor, daß die Garnison Wilhelmshaven am Freitag und Samstag allein 17 000 Urlauber ins Land hinein geschickt hat.

**Respektvorden99ernausZabern ! Sams­tag nacht konnte der aus Elsaß-LothriNgen kommende Mili­tär-Sonderzug mit Urlaubern nicht in unseren Bahnhof cin- fahren und hielt auf dem Eisenbahndamm an der Hamm- straße längere Zeit. Die Mannsckxrftcn im Zuge äußerten zum Abteilfenster hinaus laut ihren Unwillen über den Auf­enthalt, bis ihnen ein Passant des Viadukts bei der Gail- sußfchen Villa zurief:Halts M . .? Ihr Pollacken." Ta tarn er aber schon an. Stolz rief man ihm zu:Wir sind nicht aus Polen:Respekt vor den 99 c r n aus Za bern !" Kleinlaut zog der Zivilist auf der Straße von dan­nen, und der haltende Zug fetzte sich langsam in Bewegung.

** Die Mitteldeutsche (Srcbitbant, Filiale Gießen, macht heute im Anzeigenteil bekannt, daß sie ihre Kassen stunden am 24. Dezember (Weihnachtsabend) auf 812 Uhr vormittags und 24 Uhr nachmittags fest­gesetzt hat.

Landkreis Gießen.

t. Burkhardsfelden, 20. Dez Die Bürger- mei st erwähl ist auf den 29. d. Mts. festgelegt worden. Die Wahl des bisherigen Bürgermeisters dürste als ge­sichert gelten. Eine arge Enttäuschung erlitten gestern abend die Besitzer desElektrischen", als gerade zur Füttc- rungszcit die Leitung versagte. Dies war bereits das zweite Mas, daß der Strom ausblieb. Die Petroleumlampen dürfen nicht ganz beiseite gestellt werden.

i. Göbelnrod, 20. Dez. Die auf einem Berge so schön gelogene Kirche zu W irberg wird gegenwärtig nur noch von den Gemeinden Reinhardshain und Göbelnrod ioden Sonntag besucht, während die Filialen Belters­hain und Harbach in ihren Gemeinden Gottesdienst haben. Nur einmal im Jahre versammeln sich droben die vier Gemeinden, nämlich Pfingsten zur Konfirmation. Es ist dann ein schönes, feierliches Bild, wenn die Gerne in do- glieder von allen vier Himmelsrichtungen zur einsamen Kirche emporsteigen. Im Winter allerdings zog fe bisher mancher vor, daheim zu bleiben; denn die Wege sind dann schlecht und die Kirche war kalt. Diesem letzten Mißstande ist nun glücklich abgeholfen worden. Seit diesem Herbst wird die Kirche an jedem Sonntage geheizt.

i. Beltershain, 19. Dez. Heute abend ließ uns das elektrische Licht zum ersten Male im Stich. Kurz nach 6 Uhr war das ganze Dors plötzlich in Dunkel ge­hüllt. Bald sah man dann manches Fenster erhellt durch den Schein der alten treuen Petroleumlampe. 'Jiad) halb­stündiger Unterbrechung funktionierte das Licht wiedet.

S. Lang-Göns, 21. Dez. Gestern abend brannte zum ersten Male das elektrische Licht in den Straßen. Da in den meisten Häusern die Leitung 'fertiggestellt ist, aber die Zähler noch nicht angebracht sind, wäre es sehr wünschenswert, daß diese noch vor Weihnachten fertiggestellt würden, damit auch alle hiesigen Bewohner, welclse die Leitung schon seit einem halben Jahre und noch früher angelegt haben, in den Weihnachtsfeiertagen das schöne Licht erhielten.

/\ Inheiden, 21. Dez. Fast zwei Jahre hat man um da? Beigeordnetenamt gekämvft, das Glück schwankte wiederholt zwischen den beiden Kandidaten Ludwig Dietz und Karl Junker. JedcSmal wurde die Wahl vom Kreis­amt Gießen aufgehoben und die Gemeinde hat den größten Teil der Kosten zu tragen. Jetzt hat endlich Ludwig Dietz das heiß umstrittene Beigeordnetenamt erhalten.

Kreis Friedberg.

m Bad-Nauheim, 21. Dez. Am Sonntag vormittag gegen 11 Uhr wurde in der Wohnung der Witwe 91 it ft in deren 26jährigcr Sohn, der Drogist A ustin und eine 21 jähr. Kellnerin auS Brcmdoberndori bewußtlos aufgefunden. Nach näherer Untersuchung stellte eS sich heraus, daß beide Arsenik genommen hatten. Der junge Mann war bereits tot, während das Mädchen noch lebte und nach AuSpumpen des Mögen? im städtischen Krankenhause jedenfalls mit dem Leben davonkommt. Der junge Mann war seit kurzer Zeit in der Drogerie H. hier in Stellung, lernte die Kellnerin kennen und soll sich ini Verkehr mit ihr ein unheilbares Leiden zu- gezoaen haben, was ihn veranlaßte, Rache an ihr auSzmiben, indem er sich und seine Geliebte durch Arsenik, welche? er leicht in der Drogerie erholten konnte, aus der Welt schaffte.

k. Butzbach, 21. Dez. In der städtischen Turnhalle ver­anstaltete der Vorstand der Kleinkinder schule heute abend eine Weihnachtsfeier. Die Frier wurde durch Gesänge eingeleitet denen die Vorträge der Kleinen folgten, die die Lehrerin Möller eingeübt hatte. Pfarrer LooS hielt im Namen des Vorstandes der Kleinkinderschule eine Ansprache, in der er darauf hinwies, daß es durch die zahlreichen Spenden hiesiger Bewohner dem Vor­stand ermöglicht worden sei, 100 Kindern je ein Weihnachtsge­schenk zn verabreichen. Es war eine Freude, zuzusehen, wie die Kleinen unter dem geschmückten Weihnachtsbaum ihre Geschenke entgegennahmen. Die Sammlung hatte in diesem Jahre nahezu 400 Mark ergeben.

Kreis Schotten.

tz. Herchenhain, 20. Dez. Bei der heutigen B ür - aermei st erwähl wurde der bisherige Bürgermeister Heinrich Komp V. zum zweiten Male mit 82 Stimmen wiedergewählt. Von 98 Wahlberechtigten machten 85 von ihrem Wahlrechte Gebrauch.

Kreis Friedberg.

in. Nieder-Mörlen, 21. Dez. Nachdem Pfarrer Dietewich das neuerbautc Pfarrhaus bezogen hat, wird nach den Erneuerungsarbeiten das alte Pfarrhaus seinem Zweck als Schwesternhaus übergeben werden können, vor­ausgesetzt, daß die Gemeindevertretung die für die Um­änderung des Hauses erforderlichen 12 000 Mk. bewilligt.

Starkenburg und Rheinhessen.

m. Offenbach a. M., 22. Dez. Die Wahl der Ausschuß­mitglieder zur Ortskrankenkasse wurde nach vorauf­gegangenen ziemlich heftigen Wahlkampf am Samstag vorgenom­men, bei der in elf Wahllokalen insgesamt 50 Ausschußmitglieder zu wählen waren. Von rund 28 000 Wahlberechtigten wurden 15 728 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf die Liste I, die von den freigewerkschaftlichen Organisationen aufgestellt wurde, 13 422 Stimmen und auf die Liste II der christlichen Gewerkschaften 2306 Stimmen. Nach dem System der Proportionalwahl erhalten demnach die Freiorganisierten 43 Ausschußmitglieder und 7 Vor­standsmitglieder, die christlichen Gewerkschaften 7 Ausschußmitglie­der und 1 Vorstandsmitglied. Die Mehrheit im Vorstand der Orts­krankenkasse behält demnach nach wie vor die sozialdemokratische Partei. Tie vom Verein für ftun ft. pflege veranstaltete WeihnachtsausstellungGebu r t Christi und Madonna" wurde am Sonntag int Vortragssaal der Technischen Lehranstalten eröffnet. Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt bis zum 28. dieses Monats geöffnet.

Kreis Wetzlar.

0 Dorlar, 21. Dez. Am Donnerstag haben die be­teiligten Organe aus A^ach-Doriar endgültigen Beschluß ge­faßt über den Bau eines neuen Pfarrhauses. Tas Bau­gelände, das in der Nähe der Haltestelle an der Straße nach Atzbach gelegen ist, wurde durch Zusammenlegung der Feldmark bereit gestellt.

Hessen-Nassau.

[] Marburg, 20. Dez. Dem Privatdozeittcn der medi- ttimchen Fakultät und Assistenzärzten an der medizmiscl-en und Poliklinik, Tr. Hurter und Dr. Kirchheim, wurde der P r o fe s s o r t ite l verliehen.

[] Marburg, 20. Tez. Einen recht eigentümlichenUlf" leisteten sich hier drei Studenten. Um die Mitternacht S-- ftunbe wurden die Bewohner des Sternwegs durch einen Schuß erschreckt. Die an die Fenster eilenden Bürger sahen nun wie zwei junge Herren einen schwer stöhnenden Mann sott- transportierten Vorübergehende kamen hinzu, und als sic sich erboten, ärztliche Hilfe zu holen, tröstete sie einer der jungen Herren mit der BemerkungEls ist jl-a nur ein Schuß in bic Lunge!" Selbstverständlich nahm sich die Polizei der Sache an und nun stellte sich heraus, daß bic ganze Sache nur markiert gewesen war imb zwar jedenfalls zu dem Zwecke, die Bewohner in Aufregung zu bringen. TerScherz" wird jedenfalls bat Beteiligten teuer zu stehen kommen.

ü Biedenkopf, 20 Tez. In Girkhausen im Kreise Wittgenstein brannte das Wohnhaus nebst Scheune und Stall des Drechslers Lückcl nieder. Nur ein Teil der Einrichtung konnte gerettet werden

Q Altenkirchen 'Westerwald), 21. Tez. Durch die Ver­haftung des 19 jährigen Zahntechnikers Ockler ist es gelungen, den Falschmünzer zu ermitteln, der seit Monaten die Citidntften des Westerwaldes und des Siegerlandes mit fal­schen Zweimarkstücken oeriah. Ockler ist der >>obn eines Forst- beamten: er war hier in Stellung und Hai in jeinem Arbeits- itaum die Falfchstücke hcrgestellt. Tic Angelegenheit dürste einen

großen T^mfang annehmen, da die Staatsanwaltschaft noch mehrere Personen in Verdacht hat, die mit dem verhafteten OcAcr falsche Zweimarkstücke verbreitet haben sollen.

Vereinsnachrichten.

S. Lang-Göns, 21. Dez. Ter Kriegcrvercin seierte geitcrn abend in der Gastwirtschaft Henrich, unter außerordentlicher Beteiligung, feine diesjährige Weihnachtsfeier verbunden mit einer Verlosung. Pfarrer Weber eröffnete die Feier mit einer Ansprache.

$ Bad-Nauheim, 21. Dez. Eine schön verlaufene öffent­liche Weihnachtsfeier veranstaltete heute im Sprudel-Hotel der Ev a n g. Jünglings- und Männerverein. Pfarrassi­stent Elotz hielt die Ansprache. Mitglieder des Vereins gaben gesangliche und deklamatorische Darbietungen. Auch eine Ver­losung fand statt.

rn. B a d - N a u h eim , 21. Dez. Gestern hat sich hier ein Ver- ein zum Schutz de r Bogelwelt gegründet, dem beveits zahlreiche Mitglieder beigetreten sind. Diese neue Vereinsgründung ist mit Freuden zu begrüßen, da unter den 40 000 Kurgästen Nau­heims viele Züchter, Forstleute usw. in der Saison anwesend sind, welche gerne im Ein- und Austausch mit den hiesigen Züchtern der einheimischen zahlreichen Bogelwelt blieben.

§ Echzell, 20. Dez. Einen guten Verlauf nahm die Weih­nachtsfeier des Zweigvereins des Evang. Bundes für Echzell- Gettenau. Vor allem gefielen die Darbietungen der Schulkinder, bestehend in Festspielen, Deklamationen und Gesängen unter Di­rektion des Lehrers Georg Schuch. Auch die beiden Gesangver­eine und der Musiko^rcin. welcher die gemeinsamen Gesänge be­gleitete, trugen zur Verschönerung des Abends bei.

Gedenket der hungernden Vögel!

Gießener Strafkammer.

Gießen, den 19. Tez. 1913.

Als Diplomingenieur

hatte sich der Elektrotechniker A. B. von Köln ausgegeben, als er bei dem Jnstallationsmeister R. R. dahier in Stellung war. Als eine Nachfrage in Zürich ergeben hatte, daß er nie dort studiert, geschweige denn eine Prüfung abgelegt hatte, verlor er seine Stelle, obwohl er sich als tüchtig erwiesen hatte, und geriet in Not. In dieser Lage verstand er es, den Elektrotechniker A. P. dahier durch falsche Angaben über seine Vorbildung, seine Beziehungen und Aus­sichten auf Erlangen einer leitenden Stelle zu bestimmen, ihm Dar­lehen in Höhe von mehreren Hundert Mark zu geben. Die Kammer erachtete ihn deshalb des Betrugs für schuldig und erkannte, da der Angeklagte, der eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat, bereits zweimal wegen Betrugs vorbestraft und somit rückfällig ist, auf vier Monate Gefängnis. Diese Strafe wurde indessen durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt und der Angeklagte auf freien Fuß gesetzt.

Fortgesetzte Diebstähle

von Butter in der Molkerei Herbstein und Urkundenfälschung werden dem Molkereigehilfen R. W. F., seither in Herbstein, in der An­klage zur Last gelegt. Der Angeklagte ist geständig, etwa von Januar bis Juni 1913 Butter int Werte von zusammen 870 Mk. aus der Molkerei, wo ihm ziemlich freie Hand gelassen worden war, bei­seite geschafft und an Verwandte in Lauscha verkauft zu haben. Zur Verdeckung der Diebstähle fälschte er auf einem Teil der Fracht­briefe den Namen des Absenders und machte auch falsche Angaben über den Inhalt der Sendungen. Gleichwohl wollen die Käufer der Butter, die mitangeklagten Eheleute A., nicht angenommen haben, daß es sich um gestohlene Butter handele. Allein das Gericht erachtete die Ehefrau 9L, eine Schwester des Angeklagten, die infolge der Buttersendungen ihres Bruders einen Handel mit Butter aus-« gemacht hatte, der gewerbsmäßigen Hehlerei für schuldig und er­kannte gegen sie auf die geringste zulässige Strafe von einem Jahr Zuchthaus. Bei der Urteilsbegründung wurde hervorgehoben. daß das Gericht bedauere, auf diese Strafe erkennen zu müssen, und daß es auf eine weit geringere erkannt hätte, wenn es gesetzlich möglich gewesen wäre. Gegen den Dieb selbst lautete das Untcit auf zehn Monate Gefängnis. Der Ehemann A. wurde mangels ausreichenden Beweises freigesprochen.

Eine jugendliche Diebin

stand in der Person der 14jährigen K. D. von Maibach vor Gericht. Es werden ihr 9 Diebstahlsfälle, darunter ein schwerer Diebstahl, zum Nachteil von NachbarÄeuten, bei denen sic ver­kehrte, zmn Vorwurf gemacht. In Anbetracht ihrer Jugend erkannte die Kammer auf eine Gefängnisstrafe von einer Woche.

Begründete Berufung.

Ter Dienstknecht G. T. in Rendel ließ sich infolge von be­leidigenden Ausdrücken, die ihm der 14jährige Schüler H. W. wiederholt zugerufen hatte, zu einer Züchtigung hinrrißen, wobei er ihn trat und ihm mit einem Stein in die Seite warf. Tas Schöffengericht Friedberg hatte den Angeklagten freigesprochen, da es annahm, daß er sich gegenüber den Ungezogenheiten G.s in Notwehr befunden habe. Tie Strafkammer hielt eine strafbar« Handlung des Angeklagten für gegeben und gab daher der Be­rufung der Staatsanwaltschaft statt. Sie erachtete aber nach Lag« der Umstände eine Geldstrafe von 5 Mark für ausreichend.

Wegen schweren Diebstahls

und Beihilfe hierzu hatten fick zu verantworten: der Taglöhnm I. H. S. und der Taglöhner W. F. R. in Vilbel. S. soll in Frankfurt a. M. in ein Haus eingestiegen sein und ein Porte­monnaie mit Inhalt gestohlen haben, während R. aus der Straße Wache gestanden haben soll. Eine strafbare Beteiligung des R. war indessen nicht nachzuweisen. Er wurde daher freigesprvche«. S. erhielt 2 Monate Gefängnis.

Bluttat eines Reidjstagsabgeoröneten.

Posen, 20. Dez. Der polnische Reichstagsabgeorduet» Graf Mielzynsri hat nach einer hier erngeganaenen Nachricht in der vergangenen Nacht auf Schloß Darowy» motre seine Frau und nach einer weiteren Meldung auch seinen Neffen, den Grafen Miaczvnsk t e r schossen.

Hierzu wird weiter berichtet, daß die Gräfin mit ihrem Neffen erst heute früh 2 Uhr von Posen nach dem Schlosse zurückkehrte. Die ciiiziae Zeugin der Tat, die Gesellschafterin der Gräfin, soll gleichfalls schwer verwundet aufgefundeu norden sein Dem ..Lokalanzeiger" zufolge war heute aus dem Schlosse des Grafen Mielczynski Jagd angesagt. Außer oem getöteten Neffen befanden sich noch zahlreiche Jagd- löste im Schlosse. DerVoss. Ztg" zufolge verlautet, das ' ftck um ein Eifersuchtsdrama handelt.

vermischte».

Der gesundheitliche Wert der Banane. Neue Nahrungsmittel führen sich sehr langsam ein. So ging es auch mit der Banane. Und doch hat sie einen ganz besonders großen gesundheitlichen Wert. In derMedizinischen Klinik" schreibt auf Wunsch der Redaktion darüber jetzt Prof. Dr. Earl von Noor­den, Frankfurt a. Mi- der als einer der ersten auf den großen Wert dieser Frucht hingewicsen hat In England und zahlreichen englischen Kolonien wird die Banane schon seit mehreren De­zennien in großen Mengen cingeführi. In Deutschland kcioU man sie erst seit wenigen Jahlren, aber mein als Delikatesse und vornehme Tafel frucht. Und doch steht der Nährwert der Ba­nane, so schreibt Prof, von Noordcn, höher als der fast aller anderen Früchte. Von den heimischen Fruchten kommt nur die voll ausgereifte Weintraube ihr nahe. Beide verdanken chren hohen Nährwert dem Reichtum an Kohlehydrat, das in dem eßbaren Teile der Banane zu ettvtt 18 bis 20 Plrozent, in den Weintrauben nur zu etwa 1 bis 2 Prozent weniger oorbanbot ist. Bei einer Banane mittlerer Größe beträgt der Gehalt an Kohlehydraten etwa 12 bis 13 Gramm. Daß man jetzt zu ver­hältnismäßig sehr billigem Preise vortreffliches Bananenmeyl