Ausgabe 
11.9.1913 Zweites Blatt
 
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Donnerstag, ft. September 1913

165. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 2<5

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

men sind-

des amerikanischen Bankwesens im Aus­amerikanischen Handel im Auslande zu

die Ausdehnung lande, um den vergrößern.

TieGießener Zamilienblätter" werden dem -Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, daS Nreirblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zett­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

ausgesetzt. , , .

Die Beratungen hnrrben darauf auf morgen vertagt.

politische Tagesschau Maßregeln gegen französische Staatsangehörige in Elsaß-Lothringen.

Griechenland und die Stimmung in Frankreich.

Die schmeichelhaften Worte, die König Konstantin dem deutschen Heereswesen gezollt hat, haben in Frankreich ein seltsames Echo gefunden. DerMatin" schreibt:Man muß sich darüber klar werden, ob das griechische Volk sich olidarisch erklärt mit der Haltung der Rede des neuen Königs. Falls, was wir aber nicht glauben, volle Solidari­tät bestände, bliebe uns nichts übrig, als unsere mili­tärischen Instruktoren anderswohin u schicken und Griechenland, welches Deutschland seine Siege verdankt, sich selbst zu ü b e r l a s s e n. Deutsch­land auch den Erfolg seiner Siege verdanken, heißt, sich aus­schließlich an Deutschland wenden wegen der Uebcr- nähme der Inseln im Aegäischcn Meere, welche Griechenland seit drei Monaten vergeblich von allen Mäch­ten des Dreibundes verlangt."

Der griechische Deputierte Tsaxiris, der gegen­wärtig sich in Ehatel Guyon zu einem Badeaufenthalt be­findet, hat an denMatin" folgendes Telegramm gerichtet:

Der König machte, wie übrigens viele griechische Offiziere, | militärische Studien in Deutschland. Bei dieser Gelegenheit einer rein militärischen Zeremonie in Gegenwart ehemaliger Studien kameraden und Lehrer glaubte der ruhmbedeckte Zögling, denen eine Huldigung erweisen zu müssen, die seine Lehrer in der Wissenschaft waren. Das ist ein sehr natürliches und eines wahr­haft großen Mannes würdiges Gefühl, das keinen andern Sinn hat. Das griechische Volk ist Frankreich sehr dankbar für die Ge­fühle, die Ihr uns immer bezeugt habt. Wir werden niemals die Haltung der französischen Regierung bei Gelegenheir der Schwie­rigkeiten, gegen die Griechenland zu kämpfen hatte, vergessen. Alle Franzosen, welche Griechenland besuchten, können es nicht leugnen, und die Lob'prüche, welche der König, der Kriegsministor und die ganze griechische Presse der französischen Militärmission speirdeten, sind ein glänzender Beweis unsrer Dankbarkeit für die Dienste, welche die Million der hellenischen Nation erwies-

Diese laute Politik der Worte muß eigentlich über­all Unbehagen Hervorrufen. Die amtliche Veröffentlichung der Trinksprüche war wahrlich kein Meisterstreich der Di­plomatie.

Hauptversammlung öcs vunde; der Znduftriellen.

* r Leipzig, 10. September.

Redaktion, Expedition und Druckerei: ScW- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:^^112.Tel.-Adr.:AnzetgerGleßew

Ans Hessen.

Die Kosten der höheren Schulen.

Line währungrresormvorlage der vereinigten Staaten.

Washington, 9. Sept. Die Währungsreform­vorlage der Regierung wurde durch den Vorsitzenden des Banklomitees Glaß im Repräsentantenhaus einge­bracht. Ter Bericht belastet das gegenwärtige System mit der Verantwortlichkeit für die Paniken während des letzten halben Jahrhunderts und führt aus, daß die unter dem! geplanten Gesetz zu gründenden Bundesreservebanken we­nigstens 550 Millionen Dollars in bar zur Verfügung haben werden. D-er Bericht sagt voraus, daß das Gesetz ermöglichen werde erstens,' die Ausdehnung des Kredits auf Banken, welche eine gute Aktiva zu besitzen wünschen und solche verwerte, um die rechtmäßigen kommerziellen Bedürfnisse der Kundschaft zu befriedigen, zweitens, die endgültige Rückzahlung der gegenwärtig durch Bonds ge­sicherten Noten, wobei für die Erfüllung der Regierungs­verpflichtungen den Bondsgeldern gegenüber Vorsorge ge­troffen wird, drittens, die Schaffung einer geeigneten Wäh- mng an Stelle der durch Bonds gesicherten und viertens.

Das Kaifermanöver.

(Bon unserem Sonderberichterstatter.) Kreisau, 10. September.

Mehrere elsaß-lothringische und französische Blätterst haben jüngst die Nachricht verbreitet, daß französischen , Staatsangehörigen gelegentlich eines Ausfluges nach I Deutschland auf dem Rhem-Marne-Kanal in Elsaß-Lothrtn-1 gen auf einer Dampfjacht chikanöse Schwierigteiten seitens I der Behörden gemacht worden seien. Dagegen schreibt bie I amtlicheStratzb. Korrespondenz":

Arn 16. August ging beim Ministerium ein Gesuch des Spe­diteurs Rcy-Bifchheim um die polizeilich vorgeschrtebene Erlaub­nis ein zum Befahren des Rhein-Marne-Kanals für einen Herrn I Raymond aus Paris. Am 18. August wurde das Gesuch durch ein Telegramm des Herrn Raymond und eine telephormche Bitte des Herrn Rey wiederholt- Obwohl Herr Raymond die telegraphische Antwort erhielt: Erlaubnis erfolgt erst nach vor­schriftsmäßiger Prüfung, beschwerte sich bereits telephonnch am selben Nachmittag über die ihm bereiteten Schwierigkeiten. Nach Prüfung des Gesuchs und Regelung des Schleusenverkehrs ging bie Erlaubnis am 20. früh telegraphisch ab, worauf die Jacht die Fahrt nach Straßburg antrat, .ba ledoch sestgesteltt wurde, daß sich Herr Raymond überhaupt nicht aiif dem Schiffe befand, sondern ein ehemaliger franzö­sischer Offizier ohne Aufenthaltserlaubnis, so­wie noch ein Herr, 2 Damen und 6 Mann Beladung,j wurde im Hinblick auf die im Gesuche enthaltenen Unrichtigkeiten, den Passagieren die Fahrt auf dem Kanal nicht gestattet und die formelle Fahrterlaubnis gelangte nicht zur Aushändigung, -bad Schiff durste jedoch durch die Besatzung nach Straßburg geleitet werden. Äe Passagiere hatten sich per Bahn nach Straßburg begeben, wo dem ehemaligen Offizier eröffnet wurde, daß ihm während der Manöverzeit eine Aufenthaltserlaubnis nickst gewahrt werden könne. Die amtliche Darstellung schließt mit der Betonung, daß die Unterlassung demgemäß nickst auf Seiten der deustchen Behörden, sondern auf Seite der französischen Ausflügler vorgekom-

veutscher Pfarrertag.

** Dessau, 10. September.

Nachdem bereits gestern die Vereinigung preußischer Pfarrer-Vereine frier ihre Hauptversammlung abgehalten hatte, trat «heute morgen im großen Festsaal des Evangelischen Vereins- Hauses unter dem Vorsitz von Pfarrer D eis mann iCubach, Hessen-Nassau) die Abgeordnetenversammlung des Verbandes deut­scher Pfarrer-Vereine zu ihren zweitägigen Beratungen zusammen.

An erster Stelle erstattete der Schriftführer, Pfarrer O v e r- bierf (Meensen, Hannover, ben Jahresbericht, aus bem zu entnehmen ist, baß sich der Verband im Berichtsjahr günstig entwickelt hat. Eine Anzahl von Amtsbrüdern der äußerlten Linken und Rechten habe sich von ben Vereinen getrennt, weil der verband auf seiner letzten Tagung in Stuttgart nicht ent­schieden genug für ober gegen Traub Stellung genommen habe. Dafür hätte sich eine gleiche Zahl von Amtsbrübern angeschlossen, benen es ber Verband wohl recht gemacht habe. In der Frage der Versetzbarkeit ber Geistlichen im Interesse des Dienstes wurde eine Umfrage bei den angeschlossenen kirchlichen Vereinen veran­staltet. Tie Mehrzahl von ihnen hat die Versetzbarkeit grundsätz­lich abgelehnt. Weiter beschäftigte sich der Jahresbericht mit der Neuordnung des Disziplinarverfahrens. In dieser Beziehung sei eine Neuordnung vor Abschluß, der Strafrechtsreform und vor ber Beamtendisziplinarordnung nickst zu erwarten. Dagegen hat ber Verbanb bie Zulassung ber Geistlichen zu dem Amte eines Jugend- schössen in einer Bittschrift beim Reichsatg beantragt. An ben Jahresbericht schloß sich eine längere Aussprache.

Nack, Begründung burefr Pfarrer Droß (Berlin würbe fol- genbe Entschließung unter großem Beifall angenommen:Ter Deutsche Pfarrertag lehnt grunbsätzlich bie Einführung ber Ver­setzbarkeit der Geistlichen im Interesse des Dienstes ab."

Die Neuordnung des Disziplinarverfahrens soll den nächsten Pfarrertag noch einmal beschäftigen. Zu der Frage der Zulassung der Geistlichen zum Amt eines Jugendschöffen wurde eine Entschließung angenommen, in der es der Pfarrertag als Pflicht der evangelischen Geistlichen bezeichnet, daß sie sich der Fürsorge- erzielmng auch nach der gesetzlichen Einführung von Jugend­gerichten mit Hingebung widmen. Die deutschen Geistlichen seien auch für das Jugendschöffenamt berufen, doch müsse es dem ein­zelnen Pfarrer frciftcfrcii, das Amt abzulehnen.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Im schattigen Park hinter dem einfachen Herrenhaus, in dem der Große Schweiger lebte, seit er sich selbst nickst mehr als feld- dienstfähig seinem Alten Herrn gegenüber bezeichnete, ruht Hel­mut h Moltke I. C&m den schlesischen Bergen um Schweidnitz, das lange sein Füsilier-Regiment 38 beherbergte, schallt heute zur Gruft des 'Reichspaladins der Donner roter und blauer Kanonen Sein Geist ist darin lebendig und zugleich in ben ^rup- penmasscn^ die sich heute vor bem Obersten Kriegsherrn zum Ma- növcrschlußkampf bereiten.

Dies Heute, bas für manchen Reservisten den Abfchied aus dem feldgrauen Rock bedeutet, fing früh an. Der gestrige Rückzug aus der "Freiburger Gegend hatte Rot bis hinter die Meistritz gebracht, >vo starke, nach Nordwesten und Worben hang- | artig abfallende Hügel und Berge zu neuem Festhalten emluben. Der rote Pionier hatte sckwu den Spätnachmittag, und weiter die Nacht, zum Arbeitstage gemacht und um das stille Kreifan herum eine Art von Feldfort gemacht, das dem nachdringenden blauen Sieger von gestern eine arge frontale Angrifssiiuß zu inacken gab. Tcsfralb auch war von der 10. unb 43. -LiDipon, aus dem rechten blauen Flügel, nach dem Panieren der Stadt Schweidnitz nicht erneut zum Angriff übergegangen worden. Solche Stellung nehmen, heißt sie zuerst mit allen Kräften bearbeiten, über die Sancta Barbara mit Feld- und schwerem Geschütz ver- fügt. Daß es überhaupt zum Schlußkampf auf diesem, weit vom kaiserlichen Hauptguartier liegenden Gelände gekommen ist, be­weist klar, daß, trotz der zuerst etwas gebunden erscheinenden Manöverentwicklungsroute, die Freiheit der beiden Führer Strauß und Pritzelwitz von oben her keineswegs unterbunden worden ist. Nur dem mächtig und stets nach vorn drängenden Angriffs­gedanken ist es zuzuschreiben, daß Blau dem roten Gegner gestern nicht eher Ruhe ließ, bis er in die heutige Gefechtsgegend ge­

rb. D a r m st a d t, 10. Sept. Tie Abbg. H a u ck u. Gen- Mitglieder der Wirtschaftlichen Vereinigung der Zweiten Kammer, haben alle diejenigen Mgeordneren, in deren Wahlkreis sich eine Realschule oder eine höhere Bürger­schule befindet, zu einer auf nächsten Freitag anberaumten Besprechung über die Kosten der höheren Schulen eilige» laben. Es handelt sich hier, wie wir erfahren, besonder.' um diejenigen Kosten, welche die Gemeinden mit Real­schulen oder höheren Bürgerschulen aufzubringen haben. Nach den Bestimmungen des mit zur Besoldungsorduungs- vorlage gehörenden (Gesetzentwurfs, betr. die Kosten der höheren Schulen, sollen bekanntlich die Gemeinden eben» falls einen Teil des durch die Gehaltsaufbesserungen für die Lehrer erforderlich werdenden Mehraufwandes mit be­streiten, und zwar berechnet die Regierung diesen Anteil auf 230000 Mk. Nach den in der Vorlage gemachten Re- gierungsvorschlä'gen stellt sich aber die Mehrbelastung der Gemeinden mit Realschulen usw. sehr verschiedenartig, zum Teil tritt sogar eine wesentliche Entlastting ein. -liefe Ver­schiedenartigkeit in der Beteiligung der Gemeinden an den Mehrkosten dürfte au chdas Hauptthema der vorerwähnten Besprechung bilden.

Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung seiner Mitglieder trat hier im großen Kongreßsaal der internationalen Bausacfraus- stestuna der Buiid der Industriellen zu seiner diesjährigen Haupt- Versammlung zusammen, die durch eine Schling des Großen Aus- kckn stes unter dem Vorsitz des Kommerzienrats Friedrich (Potsdam) einaeleitet wurde. Syndikus Dr. Schneider (Berlin) behandelte das ThemaAusiuhrindustrie und Mittellandkanal". Gr nab ein Bild der Entwicklung der Kanalfrage in Deutschland nnd wies namentlich auf die für Deutschland ungünstige geographische oaae hin die es zwinge, die Rohstoffe vielfach aus weiter Ferne 7h beuchen und dafür außerordentlich hohe Frachtkosten zii be- aahlcn Ueberqefrenb zu dem Mittellandkanalproiekt selbst fcfrilbeite er die'Schwierigkeiten, mit denen dieses von Anfang an infolge heimlichen Widerstandes einzelner einflußreicher Persönlichkeiten nnd der agrarischen Politik zu kämpfen hatte. Mit der Stellung­nahme des Kaisers zu dem Prozekt kam die Sache in Fluß, wenn öi'ich die Vorlage der Regierung im Abgeordneteiihaiise emo glatte Ablehnung fand und dafür ein Rhein-Weser-Kanal mit einem Au- irfrfufi bis Hannover genehmigt wurde. Augenblicklich scheine bie Anaelenheit völlig ehigefdilaüm zu fein. - Der Redner ging bann

Gietreibeeinf ufrrfffreine ein, bie er als einen Mißgriff Ipipidmete Tas Fehlen des Mittellanbkanals erhöht die Preise nX erheblich. Im Gegensatz zum Ausland verwirft man in ^«..ürftlanti große Projekte, auch dann, wenn ihnen nicht m dem wie in dieser Frage bas agrarische Interesse entgegen steht. Sn» gegenüber weichen die Regierung und bie direkt mterenierten Rreüe in b=UämcHl.er SBeife zurück. 2ie Frag- d-s M.tt-lland- Sa Meint aber noch nicht ganz verloren zu fein und deshalb bei-Vund der Industriellen in der Unterstützung des Prozektes cWanem (Lebhafter Beifall.)

Tagung beschloß sodann die Absendung einer telegrapfr:- fd)cn y eileidskundgebung an ben Kaiser aus Anlaß der Katastrophe bc^u^f)n die Aussprache über den Vortrag Dr. <Krf>nrrher5 eingetreten. Landtagsabgeordneter Zuckschwert Magdeburg) bekannte sich als.warmen Freund des MMelland- f^HnYm-nirltA und betonte, datz es eine ernste Pflicht tei, die Geon^ w iter aufzuklären. - Ter Generalsekretär des Zentral- Snl fr be&Äe Binnenschiffahrt Dr. Grotewoldt (Ber- Un) äußerte die Ansicht, datz bie Gegnerfchast gegen das Pro­jekt nicht mehr so erheblich fei wie früher und bemerkte daß der Bau des Kanals durchgefetzt wurde, wenn die Zndultrie das Pro­jekt unterftüfe. Nach einer kurzen weiteren Besprechung trat die Versammlung den Anschauungen des Berichterstatters bei.

Der Generalsekretär des Deutschen Vereins für Wohnungs­reform in Frankfurt, Dr. Mang oldt, sprach überIndu­strie und Wohnungswese n". Er betonte das Interesse der Industrie an einer Verbesserung der gesamten Arbeiterverhält­

nisse. Wenn die Jndusttie die Wohnungsreform zu fördern suche, o könne sie das am bcksten durch bie Unterstützung der allgemeinen Reformbestrebungen in der Wohnungsfrage, die nickst nur gelost werden lönne, sondern auch gelöst werden müne. 'Beifalls 4.te Menopolbesttebungen der elektrischen Industrie' behan­delte Syndikus Dr. Fasold Berlin), der beantragte, an bie Reichsregierung unb die Bundesstaaten die Bitte zu richten, allen mit der öffentlichen Elektrizitätsversorgung Deutschlands zufam menhängenden Fragen, besonders der Konzessionserteilung an Privatunternehmer, dem Verlaus kommunaler Eleltrizitatswerle unb d l Errichtung sog. gemischt-wirtschaftlicher Unternehmungen volle Aufmerksamkeit zu tvibmiit. Ter Antrag wurde angenommen.

Nachmittags fand eine Sitzung des Ausfchusses für gewerb­lichen Rechtsschutz statt. Abends folgten die Teilnehmer einer Einladung der Stabt zu einer Begrüßungsfeier im Rathaus.

langt war.

Trug nun gestern die Schlacht um Freiburg den Charakter des Begegnungsgefechts, so ist es heute ber Kampf um eine vorbereitete Stellung, ber sich aus den Entschlüssen von Rot und Blau ergeben hat.

Als der Tag eben graute und im Norden bie feinen, schlanken Konturen des hohen Turmes der Schweidnitzer Jesuitenkirche er- lenncn ließ, traf bereits der Kaiser, wie schon kurz berichtet, auf dem Kretschamberg, auf dem linken Flügel der roten Linie, ein. Er nahm zuerst die mannstiefen Schützen- und Annäherungs- gräben in Augenschein, die das Jnf.-Negt. Nr. 63 an der Berg- iuppe gebaut hatte und belobte den Bataillonskommandeur für bie gute Arbeit seiner Leute. i

Hinter bem Berge fing es bald an lebhaft zu werden. Ein paar allzukecken roten Fliegern wurden aus einer blauen Artillerie­stellung die raketenartigen Kartuschen nachgesandt, die ben mili­tärischen Jkarussen anbeuten sollen, baß man sich auf der Erde mit ihnen beschäftigt. Um 6 Uhr ging der Ballon der Manöverleitung ; derHimmelsack" genannt über dem Standpunkt des taiser- I lichen Gefolges hoch, und fast gleichzeitig erschienen die blauen Jnsanteriespitzeii, in langen, drei- und vierfachen Reihen aus bem Weistritzgrunde auftauchend.

Mit dem Auftreten dieser Schützenketten begann auch die artilleristische

Vorbereitung zum Angriff.

Aus 32 Feldbatterien und ebensoviel einzelnen groben 10,5 Zmtr.- Mörsern brach eine heftige Kanonade los, immer wieder erschienen neue blaue Geschützlinieii auf dem weiten Blachfelde und an den bewaldeten Hügeln, bie vor uns links, neben dem prächtigen Beobackitunaspuntte des Kaisers fick' erstreckten. Sprungweise ging unter dem Schutz der Kanonen bie blauen Infanterie südwärts vor. Um halb acht Uhr hatte Rot gegen diesen, sich immer mehr ver­stärkenden Truck frische Bataillone zu den schon in ben Schützen­gräben liegenben entwickelt.

Auch die Kavalleriedivision Brecht erschien als deux machina, gerade in dem Augenblick, als es um den Kretscham berg bei ihrer roten 12. Division sehr bedenklich aussah. So weit aber war schon der blaue Angriff vorgetragen, daß die Attacke schei­terte, so gut sie auch angesetzt war, und so anerkennenswert van den Regimentsführern die Schwadronen noch zum Anreiten auf erst im letzten Augenblick erkennbare neue Ziele herangeführt wurden. Etwa zur gleichen Zeit erschien vom halben Gebirge, über aller- schwerste Waldwege her, in der linken roten Flanke die blaue I 78. Infanterie-Brigade und

umfaßte das 6. Korps I von Südwesten. Das entschied den Tag gegen den General v. Pritzelwitz, ber ben Befehl zum Rückzug auf Reichenbach zu gab.

Der Rundblick, den ber Kaiserhügel kurz nach 8 Ul;r morgens bot, war der Wiedergabe eines großen Schlachtenmalers würdig. An vielen Stellen waren Rot und Blau eine Folge vielvcr schlungener Reiterattacken zu einem schier unentwirrbaren Knäuel zusammengeballt, an dem sich ganze S^iebsricfit rf al- kaden ordnungstiftend bemühten. Ganz im Westen, am Gebirgs­abhang, raste, was die Gäule lausen konnten, Batterie auf Batterie auf der Chaussee vor, um dem dort eiligst abbauenden roten Feinde aus neuer Stellung einen Abschiedsschrapnellhagel nachzusendcn. , Geschlagene Kavallerie trabte vom Felde Allerwegen lag Fn- fantene, deren abgezogene Helmkappen ben Manövertod anjefgterr. Da aber wirklich heute morgen der Sang vom Morgenrot stimmte so halsen die heraiisziehenden schwarzen Regenwolken das dmtcr- : schöne Bild vervollständigen. In diese kriegsmäßigste aller Staf­fagen schmetterten die Klänge desganzen Hatthinein.

Punkt fr alb neun Ufrr machte die dicke, gelbe Kugel an dem heruntergehölten und wieder hochgehenden Leftungsballon auch

Darauf kamen der P r i n z - H e i n r i ch - Fl u g und bie dabei zutage getretenen Unzuträglichkeiten zur Erörterung. EincEnt- f d) I i e f; u ii a des fressischcn Pfarrer Vereins ver­langt ein Einwirken dahin, daß Sonn- und Feiertagsfeiern durch berartige Schauflüge nicht mehr gestört werden. Ter Bericht­erstatter Pfarrer Fritsch begründete die Entschließung. Wir müssen vor allem dagegen protestieren, daß, während die Glocken erklangen, die den Festtag verkündeten und die Menschen zum 'Mciidmahl einluden, die Arbeiten der Flugzeuge alles störten. Wir hatten uns an den Prinzen Heinrich gewandt mit der Bitte, bie Veranstaltung zu verschieben. Ter Prinz antwortete, datz tu an mit den Flügen vvr Beginn des Gottesdienstes fertig fern werde. Das war aber nicht der Fall. Man hätte nur einmal unsere Leute reden hören sollen. Ein alter Bauer sagte mir: DaS ist für Deutschland schlimmer als eine verlorene Schlacht. Von oben herab haben sie den Feiertag entheiligt. Wir wollen erreichen, daß in Zukunft derartige Skmidalosa unterbleiben.

Pfarrer Wahl (Essen) bringt einen erweiterten Antrag ein, in welchem darauf hingewiesen wird, daß auch durch die vom Staat begünstigte Jugendpflege unsere Jugend von der reli­giösen und kirckstichen Würdigung des Sonntags entwöhnt wird. Pfarrer Droß (Berlin) verwarf die Anträge aus Zweckmäßig- keitsgründeii. Wir wollen nicht als e n t lv i ck l u n g s s e i n d - 1 i rfj'e Spießbürger angesehen worden. Ein anderer Redneii mis der Versammlung warnte davor, gerade das deutsche Flug­wesen zum Ausgangspunkt einer solchen Aktion zu machen und dazu nod) die Sache mit dem Namen des Prinzen Heinrich zu stigmatisieren. In der weiteren Aussprackie wurde verlangt, daß auch für die Jugendbewegung der Satz gelten müsse: Bei Aus­flügen an Sonntagen ist eine Kirche zu besuchen. Tie An­züge wurden einem Ausschuß überwiesen, ber morgen darüber Bericht erstatten soll, und die Abstimmung bis "bafrm