Ausgabe 
4.4.1913 Erstes Blatt
 
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Heute sind zahlreich c weitere Meldungen eingelaufen, die bcn Vorfall im wesentlichen bestätigen, nur waren nicht 6, fonbcnt nur 3 Offiziere an Bord, und es ist auch noch nicht zlveifclSfrei festgestellt, ob Motordefekt und die Witterung das Mtommeu des Luftschiffes aus seiner Ach­tung verursacht hab-en. Den Meldungen zufolge würden beide Umstände bei dem Zwischenfall mitgewirkt haben. Z. 4 war Non der Militärbehörde noch nicht übernom­men worden. Wir haben bekanntlich schon die Meldung gebracht, daß das Luftschiff nach seinen ersten Probeflügen weitere Fahrten von Baden-Los unternehmen sollte, be­vor es übernommen würde. Gestern früh hatte es nun tatsächlich die Fahrt von Friedrichshafen nach Oos an­getreten. Als cs bereits über dem Schwarzwald schwebte, mürbe -es mit großer Schnelligkeit nach Südwesten abg> trieden. Nach den französischen Angaben hat die Unter­suchung -ergeben, daß die Insassen, da das Luftschiff über den Wolken flog, die Orientierung verloren. Jedenfalls steht es fest, daß lediglich äußere Mächte den Z. 4 auf französisches Gebiet geführt haben.

Ein merkwürdiger Zufall wollte cs, daß das Luft­schiff bei Lunöville" auf einem Exerzierfelde landete, wo eine Jügerbrigadc Uebungen abhielt. Der »Führer hat die Landung doch' wohl mit Absicht dort ausgeführt, denn da­mit sicherte er sich militärische Hilfe beim Festhalten des Ballons und steuerte sofort in die doch unabwendbare fran­zösische Untersuchung hinein. Die Herren Franzosen haben sich bis jetzt sehr korrekt benommen. Daß sic nach dem Woher und Wohin fragten, ja auch eine nähere Nachforschung sitch «erlaubten, ist ihr gutes Recht. Im übrigen können sie nur bei Spionagev erd acht die beteiligten Personen fest­nehmen. In einer französischen Verordnung vom 21. November 1911 heißt es:Niilitärischen Luftfahrzeugen fremder Staaten ist der Verkehr innerhalb Frankreichs ver­boten". Selbstverständlich gilt dasVerbot" nicht für solche durch Witterungsunbill oder Motordefekte verursachte Be­suche. Hier kann lediglich eine Untersuchung stattfinden. Das Verhalten der französischen Behörden, soweit es bis setzt bekannt geworden ist, zeugt von großem, anerkennens­wertem Takte, und wenn die Zivilbevölkerung auch einige feindselige Annäherungsversuche machte, so braucht man das nicht ernst zu nehmen. Polizei und Militär gewährten den deutschen Luftschifferu und ihrem Eigentum wirksamen Schutz. Hoffentlich .gelingt cs, den Ballon alsbald wieder zu füllen und, ohne weitere politische Schwierigkeiten, die Rückfahrt nach Deutschland zu bewerkstelligen.

Wir haben folgende Meldungen erhalten:

Lüneville, 3. April. Gegen 1/21 Uhr sähen heute hiesige Einwohner zu ihrem Erstaunen in der nebligen Luft über der Stadt ein großes gelbbraunes Luftschiff, das aus der Richtung von Nancy zu kommen schien. Es war ein starres lenkbares Luftschiff. Es flog in großer Höhe, verschwand dann wieder, kam um 1 Uhr 20 Min. zurück, umkreiste mehrmals die Kirche von St. Jacques und landete schließlich auf dem Manöverfelde, wo Jäger zu Pferde exerzier­ten. Die Offiziere ließen sofort eine Abspcrruugs- kette um das Luftschiff bitben, das leicht und unverletzt landete. Es war ein Zeppclinluftschisf neuen Modells. Dolmetscher befragten die Offiziere, einen preußischen Hauptmann, einen preußischen Leutnant und ziwei württembergische Leutnants und sechs ander Passa­giere. Die Offiziere er Aorten, sie hätten im Großhcrzogtum Baden landen sollcn, seien aber infolge starken Ostwindes abgetrieben worden. Sie hätten mehrere Forts passiert. Als sie schließlich über dem Fort Mannonvillers gewesen seien und Reiterei gesehen hätten, hätten sie geglaubt, in der Gegend von Saar­burg zu sein und wären gelandet. Uebrigens wäre der Benzinvorrat erschöpft. Das Luftschiff wäre auf einer seiner drei Probefahrten und von der Militärbehörde noch nicht abgenommen. Die an Bord befindlichen Offi­ziere hätten die Ausgabe, die Probefahrt abzunchmen. Tas Luftschiff tonrbc durch Wegnehmen der Magnete bewegungs­los gemacht und an eisernen Pikettpfählen verankert. Die Zivil- und Militärbehörden sind zur Steille. Ter S 0 u s - präsekt leitet die Untersuchung.

Luneville, 3. April. Hervorzuheben ist, daß der Wind von Osten kommt, daß also das Luftschiff, wenn cs nahe der Grenze oberhalb des Waldes von Parroy eine Motorpanne erlitt, vor Luneville keinen zur Landung ge­eigneten Boden finden lonnke. Nachmittags um 3 Ühr begann man, das Luftschiff zu entleeren.

Zu der Landung des,Zeppelinluftschiffes wird noch aus Nancy gemeldet: Tas Luftschift war gegen 1 Uhr in der Gegend non Nancy und landete gegen 2 Uhr in Luneville, wo es von den Soldaten des gerade dort manövrierenden zweiten Jägerbataillons in Empfang genommen wurde. Die an Bord befindlichen drei Offiziere gaben an, sie hätten nicht gewußt, daß sic sich über französischem Boden befanden. Sie seien durch den starken Ost­wind abgetrieben worden und hätten außerdem mit Mvtordefckt zu tun gehabt. Die Volksmenge habe das Luftschiff zuerst offenbar für ein französisches gehalten, die Lufffchiffer selbst hätten aber aus den Zurufen bald geschlossen, daß sie sich in Frankreich be­fanden. Die Offiziere begaben sich in ein Hotel, vor dessen Tür mehrere militärische Posten Aufstellung nahmen. Wie weiter ge­meldet wird, haben die Luftschiffer nach Paris um Wasserstoffgas gedrahtet, woraus man entnehmen will, daß sic hoffen, morgen die Rückfahrt nach Deutschland antreten zu können.

Bei der Landung ans dem Manövcrfelde hielt gerade eine berittene Jägerbrigade Uebungen ab. Ge n er al L es - cot verhörte die Offiziere. Sic erklärten, heute früh 6 Uhr in Friedrichshafen aufgestiegen zu fein: sie wollten einen größeren Flug ausführen, waren,aber durch die Wolken über ihre Richtung getäuscht worden und feien so nach Luneville gelangt.

Luneville, 4. April. Die Insassen beS L. Z.4 find einer DurchFurchung unterworfen worden. Da-s Luftschiff wurde 'b e s ch ä d i g t. Es wird die Wei­terreise nicht vor der Ankunft neuer Gasvorräte antreten können. Die Insassen wurden nach verschiedenen Berneh- mungen im Auto des Maire von Luneville in ihr Hotel gebracht. Der Maire und 60 Arbeiter, die von den 'Insaffen je 5 Fr. für ihre Dienstleistung er­halten haben, halten toäljrent) der Nacht die Wache bei dem Lufffckftff.

Nancy, 3. April. Die Nachricht von der Landung des Zeppelinluftschiffes wurde im Lause des Nachmittags in der Stadt bekannt und gab zu zahlreichen Erörterungen Anlaß. Ein m -e r kw ü r d i g e S Z u s a m m e n t r e f f e n ist es, daß gerade in der letzten Nacht interessante'Manöver vorgenommen Worden sind, um mit Scheinwerfern, die sich auf An t 0 m 0 b ilen befanden, nach Ballons zu suchen. Gleichzeitig waren mitten in der Nacht Landungsübungen borgenommen worden. So konnte z. B. das LuftschiffAdjutant Vincenot", welches in der Dunkelheit in großer Höhe über Toul kreuzte, schnell cnl- de<kt und verfolgt werben.

Durch Anschlagzettel wurde die Tatsache zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Zwangs lau düng L.Z.4 durch Versagen des Kotors er­

folgte. Die in den erften Nachm ittagsstunden recht ge­reizte S 11 m m u n ß i n L y. n e t- i 11 e ist etwa: r ßcr geworben. D i e deutschen O f f i z i c x er c rvl; a ,' i e n 11 ch Zivilklcider und erhielten die Erlaubnis abzu- r eisen.

Als bie Mechaniker desL. Z. 4" in den Straßen von Luneville zu promenieren versuchten, w 11 r b e 11 s i e von der Menge umringt, die eine feindselige Haltung ein 11 ahm und von der Polizei zerstreut werden mußte. Laut Information hätten die Offiziere angeblich einige Kliches vernichtet. Wie verlautet, wurde bei einem Offizier ein Gliche vorgesunden. Kurz vor der Lan­dung holte di e B cs a tzung d i c deutsche Flagge ein und gab sie, in kleine Fetzen zerrissen, dem Winde preis. _ *

Vci 0 ul, 3. April. Ein Lcnlvallon vom Typ Zeppelin übersloq heute vormittag das Departement Hautc-Saonc, wobei er die Orn'ckaften P.issaoant, Rock ere, Selles und Bauviller kreuzte. Er bewegte sich in großer Höl/C in der Richtung auf die Vogel cn.

Tie Freigabe.

DieMorgenpost" erfährt ans Paris: Der Minister des Innern haj nach Luneville telegraphische An­weisung gegeben, der Rückfahrt pes L.Z.4 lein Hindernis in den Weg £ u legen. Tas Lnftschifs wird am Freitag nach Beseitigung des Motordefekts in Luneville anffteigen und nach Deutschland zurückkehreu. Der Untcrpräfckt von Luneville, der der oberste Beamte der Festung ist, erklärte: Im Luftschiff befanden sich drei Offi- äjerejn Uniform und 11 andere Herren in Zivil, von denen ein Teil offenbar zur Bedienungsmannschaft gehörte. Der Ballon -ist nicht mit Beschlag belegt worden. Die Offiziere und ihre Mitreisenden befinden sich auch auf freiem Fuß. Auf ihren Mufnsch verblieben sie die Nacht über in ihrer Gondel.

Paris, 4. April. In der Angelegenheit der Landung des Zeppelin" bei Luneville ist einer offiziösen Meldung zufolge von der französischen Militärbehörde eine Untersuch­ung cingelcitct worden. Falls durch sie der Beweis erbracht werbe, daß bas Luftschiff lediglich infolge eines Irr­tums über französisches Gebiet flog und auf französischem Boden niedcrgcgangcn sei mib baß bie das Luftschiff führenden deutschen Offiziere in gutem Glauben waren und sich keinerlei der französi­schen Nationalvcrtcidigung abträglichen Handlung schuldig gernacyt hätten, so werbe man ihnen die Rückfahrt gestatten, andernfalls würde eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet werden. Der Generalinspekteur des Militärflugwesens, Hir­schauer, ist in Begleitung seines Stabes gestern abend nach Luneville abgereist.

Wie der Korrespondent derFrankfurter Zeitung" in Paris aus guter -Quelle erfährt, wird die franzö­sische Regierung denZ. 4" ohne besondere Formalitäten fr ei geb en. Nach Friedrichshafen ist diese Meldung schon abgegangcn. Mannschaften mit Gas sind von dort bereits nach Luneville unterwegs. Tie Rück­fahrt soll wahrscheinlich jchon morgen angetreten werden.

Die Luftschiffwerft in Friedrichshafen bestätigt es, daß der Z 4 bei Luneville gelandet sei. Die Führung hatte Kapitän Gl und, ein Angestellter der Luftschfffbaugejcllschast Zeppelin, der das- Luftschiff noch gehört. Die an Bord des Z 4 gewesenen Offiziere gehören der Abnahmekommission an. Es sind dies der Kapitän George, Oberleutnant Jakobi und Ol cricutnant Branbeis.

Der Katfct in homdrrrg.

H 0 mburg v. d. H., 3. April. Der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag des kommandierenden Gene­rals des 16. Armeekorps, General der Jnsanterie Mud.ra, früheren General-Inspekteurs des Ingenieur- und Pionier­korps und der Festungen, sowie den Vortrag des jetzigen Generalinspekteurs, Generalleutnant v. C'laer. Beide Herren waren zur Frühstückstafel geladen. Eine für heute mittag geplante Aut 0 m 0 bi lfahrt zur Besichtigung der Be­festigungen um Mainz ist wegen schlechten Wetters aus­gefallen.

Deutsches Rei^H.

Der nationalliberale Abgeordnete Tr. Semlcr hat den Wg. Dr. Spahn gebeten, dem' Budgetausschuß! folgendes Schreiben mitzutcilcn:

.Hochgeehrter Herr Präsident! In den beiden letzten Sitzungen des Reichstags vor den Osterferien bin ich von einer Seite des Hanfes in meiner Eigenschaft als Referent für den Etat des Kolonialamts angegriffen worden, weil ich in meinem Berufe als Anwalt zugleich koloniale Jnteresfcu zu vertreten habe. Zn Unrecht! Ich bitte Sie aber, zur Kenntnis zu nehmen und gütigst auch der Budgetkommission davon Kenntnis zu geben, daß i ch künftig kein Referat mehr weder für b en Kolo­nial- noch sonst einen Etat ber Schutzgebiete über­nehmen w erbe."

Ausland.

Das deutsche KanonenbootPanther" wird. Wie man aus Monrovia meldet, demnächst nach Erledigung ber ihm gestellten Ausgabe die liberianischen Gewässer verlassen. Während der letzten Wochen bertte derPanther" den zur Entschei­dung^ der Entschädigungsansprüche deutscher Firmen aus dem jüngsten Aufstande auf deutsches Verlangen eingesetzte internatio­nalen Ausschuß auf einer Knftcnfahrt nach den Platzen gebracht, an denen besondere Erhebungen in dieser Frage vorzunchmen waren. Der Ausschuß setzt nunmehr seine Arbeiten hier fort.

Aus Stadt und (and.

Gieße n , 4. April 1913.

Sich als Garnison.

Der in unserer Nummer vom Freitag dem 28. März ab- gedruckte Artikel hat in unserer Nachbarstadt Lich große Erregung hervorgerufen. Man war dort erbittert darüber, daß ein Licher Einwohner so unberechtigt und so scharf seine Heimat herabsetzte. Wir haben schon angebeutet, daß dieser Artikel einer Widerlegung bedürfe. In der Tat ist es das gute Recht Lichs als einer kleinen Stadt, sich um Zuteilung eines Truppenkörpers zu bemühen, und wir wüßten nicht, toarum Städte von solcher Einwohnerzahl grundsätzlich ausgeschlossen sein solkien. Die Stadt Lich hat vermöge ihrer Lage neben einer größeren Stadt ge­wisse Vorzüge, und wer ihr, namentlich in diesen schönen Frühlingstag-en einen Besuch abstattet und die Umgegend be­trachtet. der erhält einen recht vorteilhaften Eindruck. Wir geben daher gern einem Einwohner Lichs das Wort zu einer Erwiderung, um die vorher verösfentlichten Einwande zu entkräften. Die uns überreichte Erwiderung lautet:

Unter dieser Ueberfthrift erschien in Nr. 72 desGießener An­zeigers" ein Artikel, der unser Städtchen in ein derartiges Licht stellt, daß ber Fremde, der die Vcrhältnifsc nicht kennt, unbedingt m dem Glauben kommen muß, es sei verlorene Liebesmühe, Lich aut ber Landkarte zu suchen. Sollte ber Artikel von einem hier Geborenen und Ansässigen herrühren, so kann man nur sein tiefstes Bedauern aussprecheu, baß er in bieser Weise seine Vater­stadt zu schädigen suchte, lieber die Motive, welckrc vermutlich diesen Artikel inspiriert haben, möchte ich mich nicht weiter aus- lassen, sondern gleich zur Sache kommen.

Die Einwande, die von dem Verfasser des Artikels gegen Errichtung einer Garnison in Lich ins Feld gesührt werben, sind

unschwer zu entkräften. Gewiß find die erstmaligen AuSgadm groß, aber Lick ist eine wohlhabende Gemeinde, bie eine solche Last noch ertragen kann. Und wenn die Mehrzahl der Einwohner entschlossen ist, Opfer zu bringen, 1'0 braucht fein Unberufener zu kommen und ihnen zu sagen, maß jedermann weiß, nämlich, daß die Sache Gelb kostet. Daß die Entwicklung unseres Städtchens durch die Garnison entschieden vorteilhaft beeinflußt wirb, das steht für mich außerhalb jeden Zweifels, und nicht nur unsere Geschäftswelt bat Vorteile, sondern auch unsere Landwirkschafl. Ick möchte nur daran erinnern, daß in den letzten Jahren int Reichstag häufig über das ThemaErnteurlaub der Soldaten" debattiert wurde. Daß eine solche Einrichtung unseren einheimi­schen Landwirten in vermehrtem Maße zustatten käme, wenn Lich Garnifvnstadt würdv, das liegt auf der Hand.

Für ganz unbegründet aber halte ich die Frage nach Woh­nungen für Offiziere und Einjährige. Ich will den Fall setzen, nach Lich käme ein Bataillon Infanterie, so würden höchstens 12 bis 15 Einjährige die Gelegenheit benutzen, hier ein verhält­nismäßig billiges Jahr abzudicnen. Da ich die Verhältnisse in Butzbach einigermaßen kenne, so weiß ich, daß dort in früheren Jahren diese Zahl der ungefähre jährliche Durchschnitt war. Die Herren wohnten fast durchweg bei Familien, die das Vermieten gar nicht so nötig hatten, und selbst wenn diese sonst nicht ver­mieteten, so nehmen sic doch gerne einen Einjährigen, der, das sei nebenbei bemerkt, in einem Städtchen von der Größe Butzbachs immerhin eine bedeutsame Rolle spielte. Käme nun bie d 0 v - beite Zahl von Einjährigen nach Lich, so könnten sie alle müheloß untergebracht werben. Ich mache mich verbiMich, min­destens 25 Häuser zu nennen, wo Einjährige vorzüglich unter» gebracht wären. Es wäre doch wahrlich eine Schmach, loenn ein Städtchen von 2700 Einwohnern cs nicht fertig brächte. Dabei blieben iwch Wohnungen für unverheiratete unb auch vcr heiratete Offiziere übrig. Daß bie Bautätigkeit, die sich hier in bei^ lebten Jahren gut entwickelt hat, nicht stehen bliebe, wenn Lich Militär bekäme, glaubt wohl auch der Schreiber des Artikels, und so kante ber Rest ber in diesem Aussatz noch nicht untergc- brachten verheirateten Offiziere auch unter Dach und Fach.

Wo bleibt in Lich bic höhere Schule?" Diese Frage ist nt. E. nicht einbeutig. Entweder wirb schon jetzt für Lich eine höhere Schule gefordert und dies für eine der erreichbaren Prak tischen Gemeinbcausgaben gehalten, oder sie wirb als bringende Notwendigkeit betrachtet, falls Licl) Garnisonstadt würbe. Ick) will hier auf ben ersten der Frage untcrzrtsehiebenden Sinn nicht weiter eingehett, da er nicht die zu behaitdelnbe Sache berührt und sunt zweiten nur kurz folgendes bemerken: Man sucht auch hier in lendenziöfer Weise ein Hindernis zu errichten, wo gar Teins- lnngehört. Es ist sckwn viele Jahre üblich, daß die Familien, ivelche ihre Kinder später eine höhere Schule besuchen lassen, diese zunächst bis zu ihrem 9. bis 10. Lebensjahr in bie hiesige Volksschule schicken und bann erst, und zwar in der Regel, nach Gießen tun. Ohne allzu große Opfer ist dies zu machen. Warum sollten sich diesem Brauche nicht auch die Söhne' der Offiziersfamilien, auf bic doch nur angespielt sein kann, mit der Frage nach der höheren Schule, ohne Zwang unterwerfen können? Und wos für die Söhne gilt, das gilt auch für bie Töchter. Auch diesen ist im leicht zu erreichenden Gießen bic beste Gelegen­heit für eine höhere Bildung geboten. t

Es ist auch bezeichnend, daß ber Sckweiber sich hcransnimmt, die Msicht des Kriegsministeriums, kleinere Städte mit Garni­sonen zu _ bedenken, so zu interpretieren, wie es ihm in den Kram paßt. Wer sagt denn dem Herrn Anvnymns, daß mit kleineren Städten Städte wie Lich nicht gemeint seien? Auch könnte man bic gegenteilige Behauptung auf stellen unb sagen, baß es bie Absicht ber leitenden Stellen sei, .gerade diejenigen Land- stäbtchen, bic unter dem Zug nach der Stabt ebenso sehr zu leiben haben wie das Platte Land, durch die Errichtung von Garnisonen vor weiterem Rückgang zu bewahren. Der einen Hypothese steht bic andere mit der gleichen Berechtigung gegenüber.

Daß, wenn von Seiten des Kricgsmimstcriums Lich als Garuifonstadt vorgesehen sein sollte. Seine Turchlauckft der Fürst keinerlei Hinbcrnis in den Weg stellen wird, geht ans einem Schrei­ben ber Fürstl. Reut lamm er v. 26. März 1913 an Gvoßh. Bürger­meister hervor. Vielmehr steht derselbe der Militärfrage fympa' thisch gegenüber unb erteilt dem Stadtvorstand in diesem Schreiber biesbezügl. Ratschläge.

lieber bie im Anschluß an den Artikel abgedruckte Notiz sind weiter keine Worte -u verlieren. Solche Versuche, eine ernste Sache ins Lächerliche zu ziehen, richten sich v«i selbst.

H. Petri. *

L. U. Beruf un g. Pros. Dr. Haller hat den an ihn zum 1. Oktober ergangenen Ruf an die Universität Tübingen a e n 0 m ni e n.

** Eine P ro v inzia l an ss chn ß - Si tz u n g findet am Mittwoch, 16. April, norm. F19 Uhr, mit fol­gender Tagesordnung statt. 1. Entziehung der dem Peter K r 0 u e n b e r g zu Meßen erteilten Erlaubnis zur Führung^ eines Kraftwagens. 2. Klage des Religionslehrers Isaak Markus Au Lffsenheim gegen den VerMaltungsrut ber Fürsvrgekasse zu Darmstadt. 3. Antrag auf Entscheidung über bic örtliche Gem eind-est euerp flicht des Tr. med. Becker in Ludwigshöhe.

"'Schweinefleisch-Preisabschlag. Die Schweine- metzger sind übercinqekommen, bic Preise für verschiedene Fleisch- und Wurst fort en herabzusetzen. Die Ermäßigung tritt morgen, SamStag, in Kraft.

* Die Frühjahrs-Kontröllversammlungen für den Kreis Gießen beginnen am 9. April. Sie finden statt am 9. April in Lang-GönS, am 10. April in Lollar, am 11. April in Grünberg und Londorf, am 12. April in Reiskirchen, am 14. April in Lich, am 15. April in Hungen und vom 16.21. April in Gießen.

** Die Hauptgewinne der Gießener Pferdc- markt-Lotterie fielen wie folgt: Gewinn Nr. 1 auf Los Nr. 16 139 nach Lollar: Gewinn Nr. 2 auf Los Nr. 9756 nach Staufenberg; Gewinn Nr. 3 auf Los Nr. 1684 nach Alzey: Ge­winn Nr. 4 auf Los Nr. 7073 nach Gießen: Gewinn Nr. 5 ans Los Nr. 12 403 nach Roth b. Marburg: Gewinn Nr. 6 aus Los Nr. 7875 nach Londorf: Gewinn Nr. 7 auf Los Nr. 9045 nach Wieseck: Gewinn Nr. 8 auf Los Nr. 25 954 nach Langgöns; Ge­winn Nr. 9 auf Los Nr. 16 558 nach Gießen.

** 'Preußisch-Süddeutsche Kl assen lotterie. Die Lose zur 4. Klasse müssen unter Vorlegung des Vorklassen- Loses bis zum 7. April, abends 6 Uhr, eingelöst inerbcn. Auch müssen bis zu diesem Termin bie Freilose zur 4. Klasse gegen Rückgabe ber gezogenen Lose eingelöst sein.

Landkreis Gieren.

A Großen - Linden, 3. April. Wieder ist ein Kriegsveteran, der Bahnwärter i. P. Johs. Faber, gestorben.

-r. Lollar, 3. April. Heute vormittags gegen 6 Uhr wurde in dem Mühlgraben des hiesigen Eisenwerkes eine unbekannte Leiche weiblichen Geschlechts gelandet. Die Leiche trägt weiße Unterkleider, seidene Strümpfe, graues Kostüm- kleid, goldenen Ring, Armspange und Halskette. Größe 1.63. Alter 2025 Jahre.

= Lollar, 3. April. Das 25jährige Jubiläum als BahnhofSwirte feierten bie wegen ihres zuvor­kommenden Wesens bekannten Eheleute Cordes. Den Jubi- laren wurden viele Ehrungen zuteil und mit Stolz können sie auf ihre Tätigkeit zurückblicken, von der sie 24 Jahre in Lollar verbracht haben.