Ausgabe 
4.4.1913 Erstes Blatt
 
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Nr. 78

Der Giehener Anzeiger erscheint tätlich, nutzer Sonntags. - Beilagen: viermal ivöchcntlto) Sietzcner^amilienblatter: zweimal wöcheml.Üreis- blatlsürdenUrnrGietzen (Dienstag und Freitag); zweimal inonntL Land- wirtschaftttchc öestfragen Fcrnsprech - Anschlüsse: iiir die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse iür Depeschen:

Anzeiger Gieße«.

Genehme von Anzeigen sür die Tagesnmnmer bis vormittags 9 Uhr.

Erstes tzlstt

163. Zahrgang

Zreitag, 4. April MZ

General-Anzelger für Gderhefsen

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Bezugspreis: monatlich75Vs., viertel­jährlich Alk. 2.20; durch Abhole' it. Zivcigstellen monatlich 65 Pf.; durch dicPost Alk.2. viertel- 'hrl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: 11. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; sürFeuille­ton",Vermischtes" und Gerichtssaal": K. Neu»

Rotationsörutf und Verlag der Vrühl'schen Univ.-vuch- und Zteindruckerei H. Lang'. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstratze 7. .^.Heß^ür ben Büdingen: Fernsprecher Hr. 269 Geschäftsstelle Vahnhofstratze (6a. Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umsatzt 12 Seiten.

Zur Revision der lau-ständischen Geschästrorbnung hi Hessen. .

Ans Darmstadt wird uns geschrieben:

Einen wesentlichen Tiffcrcnzpunkt bei der Hess, land- ständischen Geschäftsordnung, die jetzt endlich eine zeitgE'- rnäße Revision erfahren soll, bildet neben den schon kürz­lich näher erwähnten Momenten die Frage: Wem soll im Dtändehaus das Haus recht zustehen und wer hat in diesem die Polizeigewalt auszuüben? Die Frage sollte eigentlich ohne weiteres ganz klar dahin zu beantworte:: sein, daß dieses Recht doch nur dem Inhaber oder Hans- herrn, also im vorliegenden Falle die beiden Ständeiäm- mern resp. deren Präsidenten (die beiden Kammern haben völlig getrennte Flügel des Gebättdcs im Besitz, nur die dazwischen liegenden Regierungszimmer unb die Arbeits­räume für die Stenographen sind gemeinsam, da es sich ja anch stets um dieselben Per'onen handelt) zustehen kann. Aber die Regierung denkt anders darüber. Sie meint, daß nur sie das .Hausrecht, die Polizeigewalt und die Aufsicht überhaupt im Ständehause ausüben dürfe, und sie kann sich habet auch auf die hessische Verfassung vom Jahre 1820 stützen. 1

Es erscheint nun aber wohl zum mindesten etwas eigen­tümlich, !daß bei einer solchen Frage, die doch angesichts des in unserer Zeit ganz selbstverständlichen Bestrebens der Stände, in jeder Beziehung ihre volle Unabhängigkeit zu bewahren, die Regierung wieder einen lühl ablehnenden Standpunkt entnimmt, was lebhaft an die unerquicklichen Verhandlungen des Vorjahres bezüglich der Stellung der Karnmerbcarnten erinnert, eine Frage, die bekanntlich auch noch nicht ihre endgültige Erledigung gefunden hat.

Die Sachlage ist folgende: Das Ständehaus ist Staats ei^enturn und in ihm sind nach seiner Zweckbestimmung nur Räumlichkeiten untergebracht, die unmittelbar oder mitt-elbar den ständischen Zwecken dienen. Sind auch zurzeit noch zwei oder drei Räume mit Akten des Staatseigentums und des Archivs vollgepfropft, so ist dies ein unerwünschter und vorübergehender Zustand, der nur den Charakter eines Notbehelfs hüben kann. Während nun in alten anderen Staaten die Stände selbst das Recht der Verwaltung ihrer Gebäude haben und ihnen auch der zur laufendett Uirterhaltung der Gebäude notwendige Betrag direkt zur Verfügung steht, glaubt man in Hessen ihnen dieses Recht nicht zugestehen zu sollen und sie der vormund­schaftlichen Aufsicht eines Ministeriums unterstellen zu müssen. Aber noch mehr: Tie Kammern wollen das Recht für sich in Anspruch nehmen, über die.Plätze der Galerie, also der Journalistentribüne, der reservierten und der all- gemeinen Zuhörertribüne zu verfügen; dagegen aber hält die Regierung an der Auffassung fest, daß i h r die Ver­teilung der Galerieplätze zustehe. Es soll also hiernach der Präsident der Kammer nicht das Recht haben, dem einen oder anderen den Zutritt zur reservierten Galerie zu gestatten oder zu verwehren, vielmehr nimmt zurzeit dieses Recht das Staatsministerium als Vertreter des Fis­kus in Anspruch. An der jetzt bestehenden Hebung, daß es dem Präsidenten gestattet sein soll, einzeln Karten aus­zugeben, soll ja gnädigerweise nicht gerüttelt werden. Aber dies kann dem Präsidenten der Volksvertretung nicht ge­nügen: Es handelt sich hier um ein Recht, das ihm be­stritten wird, und an diesem muß fest gehalten werden.

Auch die H a n>d h a b u n g der Polizei im Sxmfe durch 'den Präsidenten soll nur für die Zeit der Sitzungen

LvWcttZchast rrnd Leben.

Die elektrische Gefahr. Die größte Gefahr ist das Vcrtrautsein mit der Gefahr. Dieser alte Ersahrnngssatz bewahrheitet fiel? immer wieder, sobald man einmal die Ursachen der elektrischen Unfälle näher betrachtet. Im überwiegenden Maße sind die Leitungsberührmtgen, die den Tod oder zunr mindesten schwere Verletzungen von Personen zur Folge haben, aus Unvor­sichtigkeiten der Betreffenden zurückzusühren, ja stellenweise auf direkten MuNoillen. Denn nur als Mutwillen kann man es be- zeichnen, wenn beispielsweise ein Monteur, der doch mir ddr Gefähr­lichkeit des hochgespannten Wechselstromes genau vertraut ist, mit der Hand einen blanken Pol berührt,um mal zu sehen, wie stark der Strom ist". Der Erfolg dieses Experimentes bestand darin, daß der Unvorsiänige noch zu sagen! vermochte,der Strom ist stark" und dann tot zusammensank. In der Tat find denn auch die Unfälle, die wirklich durch Elektrizität, verursachst werden, ver­schwindend gering gegenüber jenen, oie aus andere Gründe, bei­spielsweise aus Absturz, Verlegung durch Wcrkzeugmaschiuen, durch Slichslamnrcn unb dcrgl. entfallen. Immerhin ist eine geringe Steigerung zu konstatieren. Die zu erhöhter Vorsicht mahnt.So zählt die Statistik der Berliner Berufsgenossenschaft für Fein­mechanik und Elekiroteclmik im Jähre 1907. im ganzen 14 800 Un­fälle aus, von denen 43, das heißt 0,3 Prozent, aus die Elektri­zität entfallen. Dagegen registriert die Statistik des'Jahres 1912 int ganzen 15 100 Unfälle, von denen 82, d. h. 0,5 Prozent, auf die Elektrizität entfallen. Dies Anwachsen der Unfallziffer kann einerseits auf die starke Vermehrung der elekirischen Anlagen und Leitungen geschoben lvcrden. Es mahnt andererseits alle, die mit derartigen Anlagen zu tun haben, zu erhöhter Vorsicht und zur unbedingten Vermeidung jeder Mutwilligkeit, schliesslich aber besagt die Ziffer wiederum, daß die absolute Gefahr elektrischer Anlagen minimal ist, unendlich viel geringer als diejenigen Ge­fahren, die durch andere Betriebsmittel der modernen Industrie entstehen.

D i e Naturtheater kommen immer mehr in M ode, aber man kann nicht behaupten, daß dadurch der Kunst irn geringsten gedicm tvürde. Im Gegenteil, die meist von völlig unerfahreium Liebhabern hwausgebrachten Ausführungen entsprechen gewöhnlich in keiner Hinsicht auch nur den bescheidensten Au sprächen. Schon der gute Geschmack sollte die Einzelnen vor solchen Ausschreitungen bewahren, denn es bedarf , nicht nur des völligen Einklangs von Natur uno Dichtwerk, sondern auch einer vorzüglich durchgelnkd'e.en Regie und der in die Landschaft passenden Dar­stellung und da sieht mmr dann selbst an beit von namhaften

zugestand en w erden. Wie ist es nun in der sitzungsfreien Zeit? Ein Vertreter des Staatsministerinms hat in Zei­ten, in denen keine Sitzungen stattfinden, gar nichts im Ständehaus zu tun; die Regierung ist deshalb wohl oder übel auf die Mithilfe der Karnmerbcarnten angewiesen. In wessen Auftrag diese nun in Fällen, in denen .Haus- rechte auszuüben sind, Selbsthilfe anwendcn oder polizei­liche .Hilfe erbitten, ist Wohl einerlei. Wollte man sogar der Regierungsansicht bcipflichten, so müßte in einem sol­chen Fall der Beamte der Kammer erst bei der Regierung anfragen, in welcher Weise er sich oder das fiskalische Ge­bäude schützen soll.

Nach d'er ganzen Lage der Sache wird man den Stände-^ kammern nitr beistimmen können, zumal bei ollen übrigen staatlichen Gebäuden ein in diesem Gebäude dienstlich täti­ger Beamter die Verwaltung des Gebäudes unter sich hat und für Notfälle den Fiskus zu vertreten befugt ist. Die Auffassung des Ministeriums von der Bevormundung der Stände Paßt in das Jahr 1820, in dem die Verfassung gegeben wurde, aber nicht für die jetzige Zeit, in der das parlamentarische Leben lebendig pulsiert. In allen an­deren Staaten gesteht inan den Ständen dgs Recht der eigenen Verwaltung nicht nur ihrer Angelegenheiten, son­dern auch ihrer Gebäulichkeiten zu. und wir wollen hoffen, daß auch den hessischen Ständen jetzt dieses Recht gesichert wird. Es haben daran loohl beide Kammern das gleiche Interesse.

Die Aottendemonstratisn.

Das Scheitern der russischen Pläne.

O f e n p e st, 3. April. In Erörterung der auswärtigen Lage schreibt derPester Lloyd": Die Zustimmung des Petersburger Kabinetts zu Zwangsmaßregeln gegen Mon­tenegro ist das förmliche Eingeständnis der Aussichts­losigkeit der russischen N e b e n p o l i t i k, welche Montenegro und Serbien dahin lenkte, daß diese Maß­regeln notwendig wurden. Die über jeden Zweifel er habe ne Friedensliebe des Zaren hinderte nicht das Ent­stehen ernster Spannungen, nicht die Formulierung von Forderungen, die Oesterreich-Ungarn niemals erfüllen konnte und nicht die unter Berufung auf die russische Gutheißung gewagten Provotationen Serbiens und Mon­tenegros. Seit Jahren werden die russischen Staatsmänner von der chauvinistischen Pe­te r s b u r g e r u n d A! o s k a u e r P r e s s e b e s ch i m p f t, weil sie das unmögliche, ihnen von den Panslavisten vor­gezeichnete Programm nicht durchführen können. Das den Umsturz Europas heischende p a n s l a v i st i s ch e Pro­gramm könnte jedoch nicht versucht werden, ohne daß Rußland in einen Konflikt mit deut Dreibund, England und dem neuen Groß-Bulgarien geriete. Kann sich die russische Diplomatie von den panslavistischen Einflüssen nicht gänz­lich losringen, so werden ihre Prologes auf dem Balkan noch schmerzlichere Enttäuschungen erleiden.

GiltGeschenk" Rußlands an Montenegro und Serbien.

Die WienerReichspost" erhält aus Cattaro folgende Nachricht: In Begleitung der Transport flotte, die eben in San Giovanni di Med na mit serbischen Truppen und Geschützen eingetrofsen ist, befindet sich auch ein russisches Schiff, welches in Antivari sieben Geschütze, 11 Millionen Patronen und 40 000 Militärmäntel ausladet. Die Ladung ist. ein Ge­schenk R u ß l a n d s an die kriegführenden Staaten Mon­tenegro und Serbien.

Künstlern geleiteten ^caturbühnen die merkwürdigsten Dinge, ganz davon abgesehen, daß, nun erst die zahlreichen Liebhab er auffüh rimgen gar nicht in der Lage sind, .irgendwie künstlerisch wertvolles zu bieten. Nun ist diese Verirrung schon so weit gediehen, in der Grünewald-Rennbahn Schillers Wallenstein- Trilogie aufzuführen. Um die im Hause spielenden Szenen herausbringen zu können, müssen also die Säle in die Natur hineingezimmert werden. Man sieht hier, wie eine schöne und glückliche Idee durch unverständige Dilettantenarbeit und^ wind­schiefe Begeisterung buchstäblich zu Tode gemartert wird.' Daß bei diesen, für den Anfang Mai geplanten Aufführungen bedeutende Künstler wie Bassermann (Wallenstein), Moissi 'Max), Wagner (Jsolani), Ticgelmann lWackstmeister', und Lucie Höflich (Tekla i, unter der Regie von Felix Holländer teil- nelymen, wird die Aufführung schauspielerisch wohl zu einem Ereignis machen, aber der inncrlick>en Zwirlerhaftigkeit kann das keinen Abbruch tun. Schließlich sehen wir auch noch Tell in einem märkischen Naturtheater und der mangelnde Hintergrund wirD durch bettexte Leinwandwirkungsvoll dargestellt".

C. K. Di e französische Parfüm-Industrie. Ein lehrreiches Bild von der gewaltigen Entwicklung der französischen Blumenzucht und von der französischen Parfüm-Industrie gewährt eine umfangreiche Arbeit, Die Henri Pozzi veröffentlicht und aus der imTernps" einige Angaben unedergegebeu werden. Trotz der Verheerungen der Phhlloxera bat sich die Blumenzucht von der französischen Riviera und den südlichen Departements anch in die Weinländer des Rhonetals und der Provence ausgebreitet. Die gewaltigen Mengen gezüchteter Blüten gehen in besonderen Züge nach Grasse, dem Mittelpunkt der französischen Parfüm-Industrie, um dort destilliert zu werden. In dpn letzten Jahren wurden von den Parfüm-Destillationen in Grasse im Durchschnitt jährlich verbraucht: 2 Millionen Kilo Orangen­blüten, 1'> Millionen Kilo Rosen, 1 200 000 Kilo Jasminblüten, 400 000 Kilo Veilchen, 300 000 Tuberosen, 150 000 Nelken, 100 000 Kassienblüten, 80000 Mimosen, 60 000 Reseda und 50 000 Kilo Jonguillen. In ähnlichem Maßstabe hat sich dank der verbesserten Eisenbahnverbindungen nach Paris nni) be­sonders nach Deutschland auch der Versand von Riviera-Obst und frischen Riviera-Blumen gewaltig gesteigert und erreicht heute bereits »ineu Jahresdurchschnitt von zusammen rund 250 Millionen Franks. Bei Fortdauer des Aufschwunges würde sich diese Zahl in etwa 10 Jahren verdoppelt haben.

Ein n e u e s S t a d 11 h e a t e r i n B o n n. Der Theater bauvereiu in Bonn hat in den drei Jahren seines Bestehens bereits 400000 Mk. gesammelt. Dazu kommen noch 300 000 Mk.

Die Teilnahme Frankreichs an der Flottendemonstration.

Paris, 4. April. Tie Ageuee Havas veröffentlicht fol­gende Note: Nachdem die russische Regierung mitgeteilt hat, daß sie Frankreich und England an der Flottendemonstration beteiligt zu sehen wünscht, hat die Regierung der Republik beschlossen, an dieser feierlichen Bestätigung des europäischen Willens teilzu­nehmen. Der Kommandant desEdgar Quinet", der nach Korfu entsandt worden war, hat infolgedessen Befehl erhalten, sich mit dem Kommandanten des englischen Schiffes ins Einvernehmen zu setzen und sich gemeinsam mit ihm nach Antivari zu begeben.

Oesterreichs Entschlossenheit.

Aus Wien wird gemeldet: Ter Kommandant der öster­reichischen D e mvn st r a t i o n s fl o 11 e erhielt Vollmacht, selbständig vorzu sehen und den von der Diplomatie ge­zogenen Rahmen zu überschreiten, falls unvorhergesehene Z w i s ch e n f ä l l e , wie die Beschießung der Schiffe von der Küste aus, eintreten.

Die Laae Skutaris.

Wien, 4. April. Nach den letzten, den hiesigen unter­richteten Stellen zugekommenen Nachrichten über die Lage in Skutari sind die Belagerungstruppen mit der Heranschaffung schwerer Geschütze von San Giovanni di Medua beschäftigt. Da die Geschütze nicht vor Ende der Woche in Stellung gebracht wer­den können, so ist es wenig wahrscheinlich, daß vor Samstag ein neuer Sturm stattfindet.

DieWiener 9ieue Freie Presse" aus Cattoro meldet, wurden die Kriegsoperationen um Sckutari und am Tarabosch vorläufig unterbrochen, weit die Verluste in den letzten Gefechten überaus! groß sind. Die Truppen sind damit beschäftigt, die Toten zu begraben und die^Verwundeten wegzuschaffen.

Die serbische Sknpschtina

ist am Donnerstag zusammengetreten. Der Ministerpräsident dankte in einer längeren Rede den serbischen Offizieren und Sol­daten für die Beweise der Aufopferung und Tapferkeit und er­klärte, daß die serbische Regierung den gefallenen Helden aus dem Amselfelde bei K o s s o w o eine G e d ä ch tn i s k i r ch e errichten werde. Die serbische Regierung werde auch für die Angehörigen

Wie dieWiener Nene Fr. Presse" aus Cattorv ureldet, brach in stürmische Jubelrufe auf die Armee aus. Nächste Setzung am 8. April.

Das Äöttigspaar voy Bulgarien in Adrianopel.

Sofia, 3. ülpril. König Ferdinand mtb Königin Eleonore sind gestern nach Adrianopel abgereist, wohnten dort dem in der griechischen Kirche abgchaltenen Trauer­gottesdienst für den König der Hellener: bei und besichtigten später die Selim-Moschee und die Ostforts. DKe fremdlän­dischen Militärattachees irafjmen die Verteidigungswerke von Adrianopel in Augenschein und kehrten hierauf nach Sofia zurück.

Line Notlandung des 3. \ in Frankreich.

Wir erhielten gestern abend folgende Meldung, die mir sogleich durch Aushang bekannt machten:

Paris, 3. April DieAgence HavaS" meldet: Bei Lnneville, Departement Meurthe et Moselle, ist heule mittag das Zeppelin-Luftschiff 4 wegen Motorschadens ge- landet. Sechs Offiziere in Uniform waren an Bord. Das Luftschiff, das heute früh in Friedrichshafen aufgestiegen war, hatte sich im Nebel verirrt. Soldaten bewachen das Luftschiff. Die Motore sollen abgerüstet werden. Zahlreiche Menschen strömen nach der Landestelle.

Lnneville ist ein kleines Städtchen von etwa 200^0 Einwohnern, an der Meurthe in der Nähe von Nancy, und etwa 15 .Kilometer von der deutschen Grenze entfernt.

und der Banplatz, beides von der Stadl Bonn zur Verfügung ge­stellt, so daß der Verein insgesamt 700000>Mk. nni) den Bauplatz besitzt. Im nächsten Frühjahr soll der Grundstein für das neue Theater gelegt werden und int Jahre 1915 die Einweihung erkolgen.

_ E i n originelles Preisausschreiben in der Gesamt höhe von 100 000 Mk. veranstaltet die bekannte itlu-- ftrierte WochenschriftZeit im Bild". In der Nummer vom 2. April, die auch die Einzelheiten über das Preisausschreiben ent­hält, beginnt die Zeitschrift mit der Veröffentlichung eines Krimi­nalromans aus der Feder von Otto SopkaDas Glück der Edith Hilge". Der Schluß dieses Romans wird im Juli erscheinen. Der Roman gibt die Schilderung einer Mordtat, der Mörder wirb aber vom Verfasser nicht genannt. Der Schuldige bleibt uner­kannt und verschiedene Personen geraten in den Verdacht, den Mord begangen zu haben. Die Leser sollen nach den im Roman gegebenen Indizien selbst entscheiden und Den Nachweis erbringen, wer als dec wirtliche Mörder anzusehen ist. Weder der Verfasser noch das Preisrichterkollegium haben eine vorgefaßte Meirnrug über die Person des Täters. Nicirmnd kennt also den Mörder. Der Leser cnag nach seinem Ermessen eine Person, auf die sein Verdacht fällt, verurteilen. Er muß sein Urteil aber auch möglichst! fck>arssinnig begründen. Die ersten sechs Preise betragen der Reihe nach 50 000, 20 000, 10 000, 5000, 3000 unb 2000 Mk. in bar. Außerdem gibts uoch zehn Trostpreise zu je 1000 Mk. Ter Betrag von 100000 Mk. ist bei ber Deutschen Bank, Filiale München, hinrerlegr. Schluß ber Einsenbefnsl. 15. Oktober bieses Jahres. Manchem liegt ja bas Sherloä Holmes Spi 4.m int Blute, ohue baß er kaun, wie er möchte. Tas Preisausschreibeu von >,Zeit int Bilb" gibt solchen Liebhab er K rimi n al er n zwar nicht Ge­legenheit, sichber menschlichen Gesellschaft nützlich zu erweisen" unb einen rohen Mürber ober eine schöne Mörderin dem Räckiecarm der Justiz zu überliefert!, aber 50 000 Mk. kamt sich solch ein Jünger der Kunst, Mensck>ctt zu fangen, verdienen, und zwar ohne jede Gefahr, erschossen oder erdolcht zu werden. Tie Frage, die viele bewegt:Wie schaffe ich mir einen Nebenverdienst?" wird dadurch auf recht angenehme Art gelöst.

Kurze Nachrichten a u s Kunst und Wissen­schaft. Der 4. internationale Kongreß für Schul­hygiene wird vom 25.30. August d. F. in Buffalo, New Pork, 11. S. A unter dem Ehrenvorsitz des Präsidenten der Vereinigten Staaten Herrn Wilson abgehalten werden. ®c. schästsführec des deutschen HauptansschusseS ist Pros. Tr. Selter, B o tt n.