Ausgabe 
3.10.1913 Zweites Blatt
 
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der Landwehr soldaten übertönt. Dann stimmen sie das muntere Lied von Prinz Eugen dem edlen Ritter an und ziehen hinüber an den Feind. Nach ihnen kommt die Kavallerie. Sie führen ihre Pferde am Zügel, wegen der schwankenden Bretter der Schiffsbrücke. Blücher nimmt seine kurze Pfeife aus dem Münd und ruft den schwarzen Husaren zu:Vorwärts Kinder, und gut aushalten! Wer nicht siegt, der muß in der Elbe ersaufen. Die Brücke laß ich hier hinter Euch abbrennen." Die jungen Reiter lachen zwar und antworten mit einem fröhlichenHurra, Vater Blücher!", die alten, empfindlichen brummen dagegen und meinen, dies sei nicht nötig. Ob die Brücke hinter ihnen stehe oder brenne, sie täten doch ihre Schuldigkeit.Na Kinder," beruhigt sie Blücher, Ihr wißt ja, wies gemeint ist, nehmts man nicht übel, wir kennen uns ja schon. Und nun vorwärts." Auf Unglaublichen Sumpfwegen, durch knietiefe Pfützen, schleicht sich General von Horn, der Tapferste der Tapferen dieses Tages, an das von den Feinden besetzte Dorf heran. ,^Jhr führt uns ja Mordswege," sagt er endlich zu dem Bauern, der als Führer dient.Davor heißt et hier auch der Sauanger," lautet die ruhige, trockene Ant­wort des braven Bauern. Ein freiwilliger Jäger erinnert sich wohl der Kellerszene in Goethes Faust und meint lustig:Es wird uns hier aber kaum so kannibalisch wohl werden, als wie 300 Säuen." Der Humor leuchtet hier bereits etwas schweflig auf. Noch immer muß Horn seine Ungeduld, sich auf den Feind werfen zu dürfen, bezähmen. Endlich, nach einem fragenden Blick auf Yorck erhält er die Antwort:Ja, Horn, jetzt ist es Zeit." Schon hat der Oberst seine Sttirmkolonnen gebildet und drauf an den Feind. Allen voran Horn. Aber die erste Kugel, die der anstürmenden preußischen Brigade entgegenfliegt, trifft sein Pferd mitten in die Brust. Das Tier stürzt zusammen. Der General liegt unter ihm. Da schreit sein Adjutant, Graf Kanitz:Herr Jesus ! Da liegt der General."Was ist da zu Herr Jesussen! Mir fehlt nichts; zum Donnerwetter helft mir vom Gaul," ant­wortet Horn, der sich vergeblich bemüht, unter dem Pferde bervor- zukommen. Einige Landwehrleute greifen zu und der General krabbelt hervor. Der Unfall hat ihn aber nur noch wütender ge­macht. Er ergreift die Flinte eines Toten und ruft:Dem Ding da muß ein Ende gemacht werden! Ein Hundsfott, wer noch einen Schuß tut. Marsch, marsch!" Seinem Anprall gelingt es, den Feind zurn<^uwerfen. General Yorck prägte an diesem Tage von ihm das, Wort:Gegen Horn ist Bayard nur ein Lump!" Und von diesem selbst sagte Blücher:Der Schwerenöter Yorck ist schwer ins Feuer zu bringen, aber habe ich ihn einmal drin, so ist keiner besser als er."

Ms am nächsten Tage die stark gelichteten Scharen seiner Truppe an Yorck vorbeizichen, und der Mrende Offizier zum

Gruß den Degen senkt, zieht Yorck die Feldmütze vom Haupte und bleibt mit seinem ganzen Stabe im strömenden Regen entblößten Hauptes stehen, bis der letzte Soldat an ihm-vorübergezogen ist.

Max Liebermann über Rembrandt. Der Maler Erich Hanck erzählt im neuesten Heft vonKunst und Künstler" von einigen gemeinsam mit Max Liebermann in Amsterdam ver­brachten Tagen, in denen der große Maler mit ihm das Rem­brandt-Haus und das Reichsmuseum besuchte. Er teilt dabei einige interessante Urteile Liebermanns über seinengrößeren Kollegen" mit. Der moderne Impressionist fühlt sein eigenes Schaffen der Kunst von Franz Hals näher verwandt.Wenn man Franz Hals sieht," meinte er, als sie von derNachtwache" fortgingen,be­kommt man Lust zum Malen, wenn man Rembrandt sieht, möchte man es aufgeben." RembrandtsNachtwache" gilt ihm als der größte Effort der niederländischen Kunst".Rembrandt sei dabei bis zum äußersten gegangen und habe doch den Vordergrund nicht bewältigen können. Die beiden Offiziere seien leblos, die Hand des Hauptmanns sogar miserabel. Das Ergreifende an dem Bilde sei das ungeheure Wollen." DieStalmesters" machten dagegen weniger Eindruck auf Liebermann. Er meinte:Je älter man wird, desto mehr zieht man dieNachtwache" vor. Durch dieNachtwache" hat Rembrandt seine Karriere vernichtet, darum nahm er sich bei diesem neuen wichtigen Auftrage in acht, feinen Auftraggebern durch Kühnheit zu mißfallen." Zu Liebermanns Lieblmgsbildern gehört dieJudenbraut". Das Porträt derFran Bas" hielt er nicht für echt; ebensowenig den Franz Hals zuge- fchnebenen berühmtenNarren". Außer für Rembrandt begeisterte er sich bei diesem Nrüseumsgange für Franz Hals. Vor dem großen Schützenstück von Codde, auf dem Franz Hals einige Köpfe und Hände und eine ganze Figur, den Fähnrich, gemalt hat, blieb er lange stehen. Jeden Strich, der von Hals herrühret, könne er in dem Bilde erkennen, meinte er. Man sähe, wie er erst nur wenige Aenderungen inadjen wollte und nach und nach immer mehr ins Malen hineinkam.Woran liegt es nur," meinte er,daß ein Meister nur ein paar Sttiche in die Arbeit eines Stümpers zu setzen braucht, um daraus ein Meisterwerk zu machen?" Dabei erzählte er von zwei neuen Porträts des Hals, die er soeben in Haarlem gesehen hatte. Hier fand er die Ver­bindungslinien zu feiner eigenen Kunst.Ich habe da eben ein Porträt gemalt, and) ganz in Schwarz" «es war das Bild des Hamburger Bürgernieisters Burchardt, sagte er,da finde ich das eben wundervoll, wie Franz Hals das Schwari behandelt. Und diese wunderbare Hand und das Kleid mit dem Gold. Und haben. Sie das Rosa au dem Aermel gesehen? Das ist göttlich."

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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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Zu der Einweihung des Völckerschlacht^DenEmals bei

bium "wurden 100 Teilnehmerkarten zur Verfügung gestellt.

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der Oberschicht, wenn auch langsam, immer mehr Anhänger gewinnt, so liegt die Unhaltbarkeit des oben erwähnten An­spruchs der Franzosen auf der Hand.

Ist Belgien ein französisches Land?

Die französische öffentliche Meinung betrachtet zumal in Literatur und Presfe Be lgien als ein französisches Land und Brüssel als eine französische Stadt. Das ist aber nach den Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum im Aus­land nicht der Fall. Nach dem Statistischen Jahrbuch sprachen Ende 1910 in Belgien 2 822 000 Einwohner nur Flämisch. 2 574 000 nur Französisch und 801000 beide Sprachen. Mit verschwindenden Ausnahmen sprechen aber nur Flamen und Deutschbelgier beide Sprachen. Da diese Doppelsprachi­gen also den Flamen und Deutschbelgiern zuzurechnen sind, so standen in Belgien Ende 1910 den 2 574 000 französi­schen Wallonen mindestens 3 600000 Flamen gegenüber, wo­zu noch etwa 112 000 Dcutschbelgier kommen, die überwie­gend in den Gebieten von Limburg, Lüttich und Belg. Luxem­burg ansässig sind. In Brüssel ist das Verhältnis noch schärfer zu ungunsten der französischen Sprache ausgebildet. Brüssel mit feinen Vorstädten und Außenbezirken Vilvoor- den, Halle, Assche, Wolvcrthem, Leßmick, Ukkel zählt gegen­über den 250 000 Französischsprechenden etwa 600000 Fla­men. Da außerdem die flämische Sprache in den Kreisen

aus, er habe den Eindruck gehabt, daß Kammler geistig nicht ganz normal sei. Das habe er aus Kammlers ganzen Auftreten geschlossen, sowie aus seinem eigenartigen Blick. Bei keiner Kon- trollversammluna seien so strenge Strafen verhängt, worden,wie unter K. Im Bureau sei K.

vor sick; hingestarrt. Der _ wiederholt schlüpfrige Redensarten geführt; er habe Knittel vor Kammler gewarnt, weil er Kammler für einen heimlichen Feind

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:S^112.Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

Geschichten vom (Elbübcrgang bei Wartenburg (3. Oktober.)

Der Fall Knittel erneut vor Gericht.

~ Gleiwitz, 1. Okt.

In der fortgesetzten Zeugenvernehmung erklärte Hauptmann Schütte (Breslau), von einem geistigen Defekt Kammlers nichts bemerkt zu haben. Obersekretär Jäckel (Rybnik) hielt manche von Kammler gebrauchten Ausdrücke wohl für scharf, aber nicht schärfer als die anderer Offiziere. Tie Zc-igin Hein, Wirt­schafterin Kammlers, hat an ihm nie etwas Auffälliges bemerkt und hält ihn auch für keinen Trinker. Der Zeuge Hauptmann G i e f c, der in Abwesenheit Kammlers vernommen wird, sagt

DieGießener Zamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krcisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Zreitsg, 3. Oktober tzftZ

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitäts - Buch- und Steitldruckerci.

R. Lange, Gießen.

politische Tagesschau.

Zur Wclfenfrage.

Die Hoffnungen der Welfen hat der welfische Reich s- tagsabg. Colshorn bei einer Geburtstagsfeier für den Herzog von Cumberland in Diepholz neu belebt. Er sagte nach derDiepholzer Kreisztg.":

Wird der Prinz Ernst August Verzicht leisten oder nicht? Wir (die hannoversche Partei) haben nie gezweifelt an einem Fürstenwort. Wir wissen, daß er nie verzichtet bat und nie verzichten wird! Ich will nicht verhehlen, daß vielleicht Anzeichen vorhanden waren für Leute, die nicht genau orientiert sind, die darauf schließen lassen, daß der Prinz Ernst August sich von Hannover losgesagt hat oder lossagen wird, daß der Brief, den er vor der Verlobung an die preußische Regierung gerichtet hat und der später veröffentlicht worden ist, der Vorläufer eines wirklichen Verzichtes auf Hannover ist. Dieser Brief ist von gegnerischer Seite mit großem Triumph­geschrei begrüßt worden. Aber dieser Bries ist weit davon entfernt, mit einem Verzicht etwas zu tun zu haben. Was ein Verzicht ist, werden wir in nächster Zeit erfahren, wenn bet der Thronbesteigung des Prinzen in Braunschweig der Herzog erklärt, daß er seine Ansprüche an Ernst August ab­treten wird, dann werden wir sehen, wie ein Verzicht eines Fürsten aussieht. Vorerst war es die Kreispresse, die sich freute, daß der Prinz verzichtet hätte. Bald darauf ging ein Waschzettel der preußischen Regierung an alle Kreisblätter, daß der Bries kein eigentlicher Verzicht des Prinzen sei, aber da der Prinz den Fahneneid geschworen habe, käme dieser einem Verzicht gleich. Die nationalliberale Partet hat eine Eingabe an den Bundesstaat gemacht, denPrinzen von Hannover" zu bewegen, öffentlich und in aller Form Verzicht auf Hannover zu leisten. Damit verlangt die nationalliberale Partei nichts anderes wie Landesverrat . . . Der Eid des Prinzen Ernst August zu den preußischen Fahnen hat nichts zu sagen. Der Fahneneid verpflichtet nickst fürs Leben, sondern für die Zeit, in der man wirklich Soldat ist . . . Wir (die Leiter der Welfen) haben uns zurückgehalten damals bei der Verlobung des Prinzen, weil wir keine Trübung in das junge Glück des hohen Paares bineintragen wollten. Jetzt können wir frei sprechen... Leute, die nicht im polittschen Leben stehen, könnten an dem Briefe des Prinzen irre werden. Aber unsere Gegner haben er­klärt, daß der Brief kein Verzicht sei, daß der Verzicht noch ausgesprochen werden müsse. Der Brief ist wirklich kein Ver­zicht. Wenn ich es nicht gewußt hätte, dann habe ich es erfahren aus dem Munde des Herzogs in Gmunden, daß weder der Herzog noch die preußische Regierung ihn als. einen Verzicht angesehen haben. Wir brauchen weiter nichts als 'das klare Faktum, daß kein Verzicht vorliegt. Wir haben den Kampf 47 Jahre lang durchgeführt, und wir werden noch weitere 47 Jahre weiter arbeiten.

Der Herzog von Cumberland und sein Sohn werden sich zu diesen Dingen doch näher äußern müssen!

des Amtsrichters hielt.

Der Zeuge Hauptmann Günther meint, die von Kammler verhängten Strafen seien weder sehr ftreng noch auch sehr häufig gewesen.

Hauptmann Kammler gibt, nachdem er wieder im Saale erschienen war, an, er könne wenig Sekt vertragen, dagegen wohl! eine Flasche Rotwein. Wenn er bei einem Liebesmahl einen An­fall erlitten habe, fo sei er wohlbesoffen" gewesen. Er ser damals in einen Spiegel gefallen, weil er eben erst Hauptmann geworden und an das Tragen von Sporen noch nicht gewohnt war.

Die inzwischen aus Berlin eingetroffenc Zeugin Frau Dr. Schön, die Gattin des Zeugen Tr. Schön, bekundete, man habe sie und ihren Mann schon bei ihrer Ankunft in Rhbnik vor 8 Jahren vor Kammler als einem Geistesschwachen gewarnt. Kammler solle infolge eines Schädelbruches, den er durch einen Sturz vom Pferde erlitten habe, geistig nicht ganz intakt sein. Dr. Graßmann habe ihr das zuerst mitgeteilt und später er­klärt, Kammler sei ein Idiot und blödsinniger Mensch. Auf ihre verwunderte Frage, wie man einen solchen Mann im Dienste lassen könne, habe Dr. Graßmann gesagt, der gehörewo anders hin", was sie so aufgefaßt habe, als sei damit gemeint, Kammlev gehöre ins Irrenhaus.

Die ärztlichen Gutachten bezeichnen Kammler nicht als geisteskrank.

Hierauf wird die Verhandlung vertagt.

~ Gleiw itz, 2. Okt.

In der heutigen Sitzung fragte zunächst der Vorsitzende den Angeklagten, ob er eine Erklärung abzugeben hätte. Angekl. l Ich kann nach dem Gutachten der Sachverständig gen meine Behauptungen nicht mehr aufrecht­erhalten. Bors.: Sonst haben Sie nichts zu erklären?, Mngekl.: Nein. Es folgte nunmehr das

Plaidoyer des Staatsanwalts.

Staatsanwalt F i g g e führte aus, indem er zunächst auf dil Vorgänge einging, die den Angeklagten zu einer Eingabe führten, und besonders lange bet der Frage der Versetzung zur Landwehr verweilte, aus, daß die Versetzung keine Maßregelung und keine (Strafe sei. Der Bezirkskommandeur habe die Frage lediglich vom militärischen Standpunkt aus betrachtet und es in An­betracht des Vorgehens des Angeklagten für seine Pflicht ge­halten, diese Versetzung zu beantragen. Es muß die Vermutung weit von der Hand gewiesen werden, als ob es sich um eine Aktion gegen das Zentrum gehandelt hätte. Wir wollen and) nicht in eine Prüfung der Frage eintreten, ob es vom deutsch- nationalen Standpunkt zu rechtfertigen ist, daß der Angeklagte für die Wahl eines der großpplnischen Partei angehörigen Mannes eingetreten ist. Ich will zugeben, daß, wenn man ein freier Mann ist, nicht als antinational zu bezeichnen ist, wenn mart nach dem Grundsatz wählt: Von zwei liebeln das kleinere. Hiev handelte es sich darum: Durfte der Angeklagte unter Berück­sichtigung des Treuverhältnisses, das er freiwillig für den Kaiser eingegangen ist, für einen Kandidaten eintreten, von dem all­gemein gesagt wurde, er sei ein Großpole, also einer Partei, die das Endziel der Nenerrichtung des polnischen Staates unter Losreißung von Landesteilen vom preußischen Staat erfolgt. Ich

häufig untätig dagefessen und baba Zeuge gibt weiter an,~ K. habe

Aus Hessen,

Aus den Ausschüssen der Zweiten Kammer.

bs. Darmstadt, 2. Okt.

Der Finanzausschuß setzte heute seine Beratungen über | hie Beamtenbesoldungsvorlage fort. Von der Regierung uah- > men die drei Minister sowie die Geheimräte Süffert, Becker » und Best an der Sitzung teil. Nachdem die Regierung einen Bericht über die allgemeine Finanzlage des Lau- r des gegeben hatte, die sie als durchaus befriedig g e n d bezeichnete, wurden innerhalb des Ausschusses wieder die allgemeinen Punkte beraten. Die Verhandlungen, über die sich im einzelnen noch nichts sagen'läßt, nehmen einen Hotten Fortgang.

Der Vierte Ausschuß hielt heute gleichfalls eine Sitzung ab, in der u. a. die Vor­stellung der elektrotechnischen Spezialfabriken wegen der U eb e rlan d z en tralen besprochen wurde. Der Ausschuß steht auf dem Standpunkte, daß die lieber» landzentralen auf kommunaler Basis aufgebaut fein müß- r ten. Der Vorstellung der Frau Angter-Worms wegen Entlassung ihres Sohnes aus der Irrenanstalt in Alzey konnte keine Folge gegeben werden, da nach ärztlichen Gut­achten eine Entlassung nicht angängig fei. Die Anträge der Abgg. Reh und liebel wegen Verlegung des Amtssitzes des FeldbereinigungSkommiffärs nach Alzey resp. nach (einem Orte des Kreises Dieburg wurden abgelehnt. Wegen der Vorstellung des Gendarmen Freuno (Wie- dereinsteltuug in dm Dienst) soll die Regierung nochmals um Auskunft ersucht toerben.

Zu der Feier der nationalliberalen Verbände in Bingen aut 19. Oktober ds. Js. teilt uns der Vorsitzende des Lan- r dcsausschusses der nationalliberalen Partei in Hessen, der Landtagsabg. Dr. Osann, folgendes mit:

,Um Mißverständnisse aufzuklären, nehme ich Veranlassung auf folgendes hinzuweifen: Zu der Sitzung des Ausschusses, welcher die Festfcier am 18. Oktober d. Js. vorbereiten sollte, und die aus den 30. August d. Js. cinberufen worden war, hatte sowohl die nationalliberale Landespartei wie auch die Freie Vcr- cintgung hessischer Nationalliberaler seitens der Geschäftsstelle ter nationalliberalen Partei für die Rheinprovinz Einladungen erhalten. Ich konnte an diesem Tage wegen anderwciter Abhaltung «richt in Bingen sein und entschuldigte mein Fernbleiben, teilte aber auf Anfrage der Geschäftsstelle der nationalliberalen Partei für die Rheinprovinz alsbald mit, daß die hessische Landes- iCitei selbstverständlich bereit fei, an dem Feste teilzunehmen.

In der zweiten Sitzung vom 22. September d. I., an welcher icki als Vorsitzender der hessischen Landespartei teilnahm, wurde das Programm der Feier festgelegt. Nachdem dies geschehen nmr, erklärte der Vorsitzende der Freien Vereinigung hessischer NatioucMberaler, RechtSanwall Dr. Pagenstecher, daß die Freie Rocicitiiguitg keine besondere Organisation neben der Landes­partei fei, und daß sie deshalb, na^bein die Landespartei sich an der Feier beteilige, mit der Landespartei die Feier begehe.

Man darf nur wünschen, daß nach dieser Aufklärung weitere Meinungsverschiedenheiten nicht hervortreten, denn die natio­nale Feier an dem Gedenktage der Völkerschlacht dürfte pm rieften Anlaß geben, alle auf dem Boden der nationalliberalen Partei stehenden Männer zu einer einheitlichen Kundgebung zu- jammenzufassen."

Zu bemfeiben Gegenstände erhalten wir auch von der Geschäftsstelle der Freien Vereinigung hessischer National- h liberaler eine Zuschrift, die den vorstehenden Sachverhalt bestätigt. DieVereinigung" hatte zuerst geglaubt, die hes- Isische Landespartei werde in Bingen nicht offiziell vertreten fein. Damit entfallen, wie die Geschäftsstelle der Freien Ver- l'rittignng feststellt, die hämischen Auslassungen derHessi- I scheu Laudeszeitung", des jüngst in Darmstadt organisierten ,,rechtsstehenden" Organs, das mit einem wahren Wohlbaha- Ißcu in dieser harmlosen Sache herumgestochert hatte.

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Zweites Blatt M. Jahrgang

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Dir.: H'""*.5*. 1913,

Der prächtige Geist, bei" während des schwierigen Elbüber-

- Hanges bei Wartcnburg herrschte, wird durch nichts besser charak-

Lterifiert als durch die vielen, zum Teil sehr luftigen Gefchichten,

S die von' dieser blutigen Schlacht überliefert sind. Kurz vor dem Angriff wird Kriegsrat abgebalten. Blücher und Gneifenau sind Kr kühnes Draufgehen. Müsfling, der Generalguartiermeisttr da­gegen rückt mit seiner Meinung nicht recht heraus, so daß tzwei- senaus Unruhe aufbraust und er ausruft:Sagen Src nur Ihre »Meinung heraus, Herr Oberst Ich gebe Ihnen im voraus die Versicherung daß sie nicht befolgt imrd. Kurz darauf hat Blücher eine Besprechung mit Bernadotte, die van Graf Goltz, dem Adju- danten Blüchers, verdolmetscht wird. Blücher hört aus der zagen Rede des Kronprinzen eine ausweichende Antwort heraus, uJib ebc Goltz mit der llcbersetzung fertig ist, ruft Blücher: Sagen Sre ibent Kerl, der Teufel sott ihn holen, svenn er mcht wolle." Dann macht er Kehrt und eilt davon. Die preußischen Truppen for­mieren sich eben zum Angriff.

Drüben int Dorfe Warteuburg entsteigen weiße Rauchwnlen htn Kaminen Da reitet Blücher vor die Front und ruft mit seiner Hellen, wohlllingenden Stimme:Jungens seht da backen sich die verfluchten Franzosen. Weißbrot zum^Frühstück, das wollen wir ihnen wegnehmen, wett es fwch warm rfe Manch! shorck dagegen, der knurrigeEsftgblicker" ist imt bett Weismmen «neifenaus nicht einverstanden. Leise brummt er vor sich hm: ©in so unüberlegtes Stück dieses großen Strategen, als es nur fi geben kann Wird schlecht ausfallen/' Es kam besfer, als cr es ttw aedawt hatte An der Schiffsbrücke, die tn dem Elbknie, wo die schwarze Elster einmündet, geschlagen ist, hält Blückxw indSdnnnen de- Korps Yorck an sich vorbeimarschieren.

Ä^i^/Äi.ne voll Zuversicht und innerer Unruhe und bat für febe Kompagnie einen Scherz. Einige Landwehrsoldaten r c 4°! aprrinenen Schuhe ausgezogeu, auf den ^orn^ nun mit bloßen Füßen durch

hvDreck Blücher ruft ihnen zu: ,Ml Jungens, W fech llng J?r looft lieber barfuß, als daß Ihr Euchre esieb ln vollfüllt " Verdrießlich antworte^em Landwchrsoldat:

taSjieften tut! Frankr-ick, surüdSS

«"d n ba d fo^titg nro iabri

Mo Kind-t man tritt bruf, holt Euch.von beiijranjmen neue ZtiebeT" WiW G-lachi-r nnrd »» b-m nach lauteren

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