Ausgabe 
3.7.1913 Erstes Blatt
 
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ab hängen, das 250 000 Mann der ersten Jahrgänge unter den Waffen und noch große Reserven zur Verfügung. hat. Indessen hat es keinen Zweck, über die Aussichten eines Krieges zu reden, solange er nicht offiziell proklamiert und solange man nicht über die noch undurchsichtige Haltung Rumäniens unterrichtet ist. Für Europa würde der zweite Balkankrieg j eben falte eine neue, sehr schwere Sorge be­deuten, denn hinter dem bulgarisch-serbischen Gegensatz lauert der noch weit bedenklichere zwischen Sesterreich und Rußland. Zwar wird von allen Seiten versichert, daß die Mächte entschlossen feien, den etwaigen Krieg zu lokalisieren, aber angesichts ter gespannten Weltlage tonnte sich die Lokalisierung des Taliankrieges Nr. 2 beicht noch schwieriger erweisen als die Verhinderung seines offiziellen Ausbruchs.

Ein Sieg der Serben?

Belgrad, 2. Juli. Die Serben erstürmten die wichtigste bulgarische Position bei Retki und Bukvi nach blutigem Kampfe.

Die letzte« Schlachten.

Belgrad, 2. Juli. Die blutige Schlacht, die beim Morgengrauen auf der ganzen Linie RedkiBukvi ZlataneRetchaniJstip begonnen hat, dauerte den ganzen Tag fort. Die Bulgaren machten einen energischen Vorstoß, der von den serbischen Trirppen auf der ganzen Front durch einen sehr energischen Gegenangriff zurückgewicsen wurde. Die Bulgaren zogen sich, von den Serben stark bedrängt, auf Katschana und Jslip zurück. Es kam zu mehrfachen Bajonettangriffen, bei denen das 19., 11. und 6. serbische Regiment eine besondere Tapferkeit an den Tag legten. Der Feind wurde durch die neue großkalibrige Artillerie der tapferen Chumadioision dezimiert, in deren Reihen der Kronprinz Alexander den ganzen Tag über weilte. Bei dem Bajonettangriff verlor der Feind 10 Feldgeschütze und verschiedene Münitionswagen; eine ganze Kompagnie wurde gefangen genommen. Bul­garische Gefangene erklären, daß vor den bulgarischen Truppen vorgestern eine Proklamation des Königs Ferdinand verlesen worden sei, wodurch der Krieg gegen Serbien uno Griechenland als erklärt bezeichnet wird.

Nach den Meldungen der Blätter belaufen sich die V e r -- lüste der Serben in ben vorgestrigen Kämpfen an Toten auf 17 Offiziere und 1400 Mann, an Verwundeten 40 Offiziere und eine große Zahl von Sol­daten. Bisher sind drei Sanitätszüge mit insgesamt 1300 Verwundeten angemeldet. Privatberichten zufolge hätten die Bulgaren ungeheure Verluste erlitten.

Belgrad, 2.Juli. Das serbische Preßbureau meldet itter die Kämpfe bis gestern: Bulgarische Truppen der regulären Armee in Stärke von 100 000 Mann überschritten am 3 0. Juni, 2 Uhr nach­mittags, die Demarkationslinie bei den Orten Djevdjelia, Retki und Bukvi und den Flüssen Bregalüiea und Sletova, wo die bulgarischen Angriffe den ganzen Tag andauerten. Obwohl serbischerseits sich nur die Avant­garde, die den Bulgaren an Zahl weit unterlegen war, be­teiligte, behaupteten unsere Truppen doch bis zum Abend die Stellungen, die sie am Morgen innegehabt hatten, uttb nahmen 20 bulgarisch e Offiziere, 58 Unter­offiziere und .über 700 Man n gefangen. Tie Verluste der Serben sind unbekannt. Die Bulgaren wurden bis an die Flüsse Bregalniea und Sletova zurückgetrieben. Am 1. Juli wurde der Kampf auf der ganzen Linie forte gesetzt.

Belgrad, 2. Juli. Heute vormittag fand ein mehr­stündiger Ministerrat statt. Wie verlautet, ist die Ausgabe einer Kriegs Proklamation beraten wor­den. Ms her haben sich 20 fremde Aerzte zur freiwillige ir. Dienstleistung gemeldet. Fünf Aerzte des deutschen Roten Kreuzes sind bereits dngetroffen. Fünfhundert serbische Freiwillige sind heute morgen nach dem Kriegsschauplatz abgegangen.

Die Skupschtina übersandte dem G e n e r a l ft a b s- etz e f auf einen einstimmigen Beschluß ein Telegramm, in dem es heißt: Die Skupschtina wiro mit patriotischer Be­geisterung die ruhmreichen serbischen Fahnen aus dem Wege verfolgen, der ihnen durch den hinterlistigen bulgarischen Ueberfall aufgezwungen worden ist.

Belgrad, 2. Juli. Bei dem vorgestrigen Angriff waren die Bulgaren mehr als 100 Bataillone Infanterie stark, mit 200 Feldtanonen und Haubitzen. Auf serbischer Seite nahmen 3040 Bataillone mit 80 Kanonen am Kampfe teil. fTer Angriff trug den Charakter eines plotzlicten und gleich­zeitigen Uebcrfalls nut großen Streitkräften. Die Bulgaren fra­ternisierten mit den Serben uitb forderten sie auf, sich gegenseitig nicht zu töten. Als der Kampf begonnen hatte, haben sie die <teivehre hoch und hißten eine weine Falme. Anstatt sich zu ergeben, griffen sie mit dem Bajonett an An einem Orte nährte fick ein bulgarisches Bataillon im Schube ber Dunkelheit einer serbischen Batterie. Die serbische Infanterie, die sich in der Nähe befand, eröffnete das Feuer', die Bulgaren riefen: Hier Serben! Schießt nicht! Infolgedessen trat eine Verwirrung ein, und das Feuer wurde eingestellt. Darauf nahmen die.Bul­garen ben "Angriff roicoer auf und nahmen ,den Serben vier .Kanonen ab. Bei Tagesanbruch nahmen die erbitterten Serben ihre Batterien den Bulgaren mit dem Bajonett ab. ^Die Bulgaren erklärten, die (Streitigfeiten seien beigelegt, aber am Abend vor Herl hatten die Bulgaren die Entfernung bis zu den serbischen Vcr- fchanzungen sehr genau ausgemessen, und an verborgener Stelle ein Artillerie-Regiment mit 36 Kanonen ausgestellt. Am 30. Juni morgens schritten die Vulgaren zu einem heftigen un d unvermuteten Angriff auf unsere Vorposten. In demselben Augenblick begannen die 36 Kanonen ein höllisches Feuer. Ter ganze Raum Zwischen den Verschanzungen dte wichsten Biwaks, worin sich die Truppen befanden, würbe buchstäblich mit einem Kugelregen überschüttet. Tie serbischen Truppen waren genötigt, die Versthan'.ungen aufzugeben und gebedte Stellungen 'n beziehen. Ein blutiger Kamps begann. D ie Bulgaren !. riffen verzweifelt an. Als die Serben Ve'rstär- i ingen erhielten, wurde der bulgarische Angriff auf der ganzen Linie mit ungeheuren Verlusten für die Angreifer z u r ü ck g e s ch l a g e n. Auch die Serben erlitten erh.blichc Verluste. Alle Offiziere und Unteroffi.ster- waren verletzt. Ta die serbischen Truppen genötigt waren, anfangs sich vor den überlegenen Streitkräften zurückzuziehen und Ver­stärkungen abzuwarten, ließen sie die Verwundeten unter dnn Sckmtzc der Genfer Konvention im Biwak in den Zelten. Die Vulgaren erstachen alle serbischen Verwundeten Nkit dem Bajonett.

Das serbische Parlament vertagt.

Belgrad, 2.Juli. Wegen der Kriegsereignisse, die die ganze Aufmerksamkeit der Regierung in Anspruch nehmen, ist die Skupschtina bis aug nwiteres vertagt worden. Die Sitzungen werden wieder ausgenommen, sobald die Lage geklärt ist. Vor Aufhebung der Sitzung hielt der Präsident eine Lobrede .ruf die siegreiche serbische Armoe, die mit begeistertein Beifall auf genommen wurde.

Der bulgarische Gegenprotest.

Sofia, 2. Juli.Agene^ Bulgare": Zufolge des em- pörea-tcn Verhaltens der gr t-eäMhen Poili^ei gegen tert

General H^fsapt schiess und des Versuchs, die bulgarischen Tru.ppen in Saloniki zu ent- wafsnen, erhielt der bülgarifche Gesandte in Althen den Auftrag, den entschiedensten Protest gegen da s B o r - gehen der griechischen Behörden zu erheben, das dem Völkerrecht und allem Herkommen widerspreche und in jeder Beziehung tadelnswert sei. Tie bulgarische Re­gierung erklärt, sie werde Griechenland für alles, was even­tuell gegen die bulgarischen Soldaten in Saloniki begangen werden würde, verantwortlich machen.

Sofia, 2.Juli.Agence Bulgare": Auf die von dem griechischen Gesandten erhobenen Vorstel­lungen über die Zusammenstöße zwischen Griechen und Bulgaren erklärte die bulgarische Regierung, sie halte daran fest, daß die bulgarischen Truppen provoziert worden seien, denn sonst hätten die Bulgaren in Pra- vischta, das strategisch bedeutungslos sei, nichts zu tun gehabt, sondern wären direkt nach Saloniki gegangen. Jedenfalls ist eine Untersuchung eingeleitet worden und ausdrückliche B e f e hl e erteilt worden, die Gefechte einzu stell en. Die Megierung ist überzeugt, daß von bulgarischer Seite keine Bewegungen erfolgen würden, und hoffe, die griechische Regiern-.g werde ihren Truppen be­fehlen, die Angriffe einzustellen.

Die vom serbischen Preßbureau verbreitete Nachricht, der Kurier der serbiscksien Gesandtschaft in Sofia sei an der Grenze bei Zaribrod durch die bulgarischen Be­hörden angetzalteT-. worden, ist vollkommen falsch. Durch eine in Zaribrod vorgenommene amtliche Untersuchung ist festg-estellt worden, daß der Kurier mittete Kouventronal- zuges ohne die geringste Behinderung seitens der bulga­rischen Behörden nach Serbien sich begeben habe und unter Benutzung eines Güterzuges gestern abend wieder zurück- gekehrt sei.

Griechenland zum Vorgehen entschlossen!

Athen, 2. Juli. Das Vdinisterium des Aeußern ver­öffentlicht gegenüber anders lautenden Nachrichten den authentischen Wortlaut der gestern in Sofia überreich­ten griechischen Protestnote. Sie lautet folgender­maßen:

Das Hauptauarlier teilt heute früh 11 Uhr folgendes mit: Gestern zwischen 6 und 7 Uhr abends griffen die Bulgaren unsere T r n p p e n b e i E l e u t h e r a und Mu st Hani an. Gegen 11 Uhr wurde ebenda unsere Be­satzung von Pravista angegriffen. Heute früh 4 Uhr wurde Gesästch feuer nördlich von Bogdanza gehört. Drei bulga­rische Regimenter erriffen von Teiran her unsere Borposten aus dem linken Ufer des Wardar geg-en Mütsikoven an. Bulgarische Artillerie fchoß auf die serbischen Verschanz zungen auf dem rechten Ufer. Bulgarische Truppen, die den Wardar überschritten hatten, griffen an und besetzten Gewgheli. Um 5 Uhr morgens wurden unsere Vorposten beim Kilometerstein 12 auf der Straße Karasouli Kylindir angegriffen. Um 7.45 Uhr erfolgte der Angriff -eines bulga­rischen Bataillons auf unsere Vorposten bei Nigrita. Um 8.30 Uhr rückte die vulgarische Armee von Ardjan auf Ba- lasta vor. Eine Kompagnie wurde in Eleuthera umzingelt. Das Hauptquartier bat, daß der General -einen Kreuzer zum Schutze der genannten Kompagnie entsende. Ter K o m - Mandant des TorpedobootszerstörersLion" telegraphierte, er habe, als er eine Erkundungsfahrt in die Nähe vonEleuthera machte, Eleuthera von der bulga­rischen Armee besetzt gefunden, die ihn mit Ge­wehren u n d M a s ch i n. e n g e w e h r e n beschoß. Wäh­rend aller dieser Angriffe hat die bulgarische Armee unter offenbarer Verletzung des Protokolls von Saloniti vom 24. Mai, das eine neutrale Zone festsetzte, ein Gebiet besetzt, das von der griechischen Armee besetzt war. So hat die bulgarische Armee trotz unserer aufrich­tigen und friedlichen Politik, trotz unserer versöhnlichen Haltung seit gestern abend einen ungerechten Bruderkrieg begonnen. Wir sehen uns gezwungen, der griechischen Armee den Befehl zu erteilen, gegen die bul­garischen Kräfte v o rzu g e h e n, um ihre Stellungen und ihr Gebiet zu verteidigen. Wir protestieren entschieden bei der bulgarischen Regierung gegen die 'nicht zu recht­fertigende Handlungsweise und weisen die Verantwortung für die Ereignisse, die daraus folgen werden, voll und ganz Bulgarien zu. Wollen Sie auch der bulgarischen Regierung mitteilen, daß daS Hauptquartier der bulgarischen Besatzung befahl, innerlialb einer Stunde die Stadt 'zu verlassen oder die Waffen auszuliefern.

Eine Wiener Erklärung.

Wien, 2. Juli. TieWiener Allg. Ztg." meldet: Alle Nachrichten von einer europäischen Intervention im Balkankrieg sind falsch. Es mag sein, daß die Triple-Entente oder einzelne ihrer Angehörigen Demarchen oder auch Pressionen bei dem oder jenem Balkanstaat unternehmen. D ie österreichisch-ungarische M o n a r ch i e stellt es den Balkan st aalen vollständig frei, auf welche Weise sie ihre Zwistigkeiten lösen wollen.

Wien, 2. Juli. DiePolitische Korrespondenz" meldet aus Sofia: Dr. Da new erklärte gestern den einzelnen. Gesandten, die b ulg ar is ch e Regi e run g sei entschieden gegen eine kriegerische Lösung der bestehenden Konflikte und wolle eine solche Lösung mit allen ihr zur Ver­fügung stel/enden Mitteln verhindern. Ter Ministerpräsi­dent bestritt, daß die bisherigen Kämpfe eine größere Trag­weite hätten. Ihre Erneuerung sei auf Grund von Weisun­gen aus Sofia nur dann zu befürchten, wenn eine Ab­wehr der gegnerischerseits erfolgten Herausforderung not­wendig werde.

Zwei Reichrtagrersatzwahlen.

Gardelegen, 2. Juni. Bei der Rcichstagsersatz- mahl im Kreis Salzwedel Gardelegen erhielt von K röche r (Kons.) 6978, Schulze (Bund der Landwirte) 4044, Dr. Böhme lBauernbund) 10667, Bergmann (Soz.) 1918 Stimmen. Es findet Stichwahl zwischen v. Kröcher und Tr. Böhme statt.

v. Kröchers Wahl n>ar bekanntlich für ungültig erklärt worden. Im Jahre 1912 hatte v. Kröcher 12 073, Dr. Böhme 10 271 Stimmen erhalten. Ter Sozialdemokrat Koch batte es zu 2407 Stimmen gebracht. In der Stichwahl siegte v. Kröcher mit 13 465 Stimmen Wer Dr. Böhme, der 13 144 Stimmen erhielt.

lieber die Ersatzwahl im Wahlkreise Zauch Belzig JüterbogLuckenwalde, die gleichfalls am gestrigen Mittwoch stattsand, liegt noch keine amtliche Nachricht vor. Tie Franks. Ztg." meldet:

Beelitz (Mark', 2. Juli. Bei der heutigen Reichstags- ersatzwahl im Wahlkreise ZauchBelzigJüterbogLuckenwalde erhielt nach den bisher bekannt gewordenen Zistern Ewald Saz 12834, v. Oertzen (Rp.) 7123 und Hormanu CFortschr.

Vp.) 6954 Stimmen. Es stehen noch die Resultate aus vielen Lanterten aus, doch ist Stichwahl zwischen Ewald und v. Oertzen wahrscheinlich (Bei der .Hauptwahl 1912 entfielen auf v. Oertzen 11044, auf Ewald 12 367 und auf den Volksparteiler Dr. Freund 9226 Stimmen. In der Stichwalst behauptete dann v. Oertzen den Wahlkreis mit 16 942 Stimmen gegen Ewald, der 16 652 Stimmen auf sich vereinigte.)

Ans StaOt unft LanH.

Giejzcn, 3. Juli 1913.

Betrachtungen über die Tcnniswettspictc der Universität.

Von einem Dozenten wird uns geschrieben:

Tem Ofsizierstennisverein, der in liebenswürdiger Weife feine Tennisplätze zur Versiigung stellte, ist es zu banlc.i. das; in Dav Programm des Sportfestes auch Tenniswettspiel. nnfgvnvmmcn werden konnten. Tie Konkurrenz war außerordentlich stark, die Spieler gehörten durchweg einer guten Klasse an. Der Sieger im Einzelspiel, Erich Lichtenstein aus Darmstadt, der erst m fünften Jahre spielt, laßt erwarten, daß er sich bald den erst- klassigen Spielern einreihen wird. Leider mußten oie Vertreter der Universität Gießen einen hoffnungslosen Kampf beginnen, den sie jedoch in anzuerkennender Weife mit aller Zähigkeit zu Ende führten. Wenn auch ihr Können mit dem des Sjcrm Lichten­stein nicht zu vergleichen ist, so hätte doch ein normales lieben )ie auf gleiche Stufe mit den anderen Konkurrenten bringen können, hierfür fehlte jedoch in Gießen jede Möglichkeit.

Es nnirbc von der Universität vor 4 Wochen für die betr.

eiu Platz gemietet, der ihnen die Möglichkeit schaffet sollte, sich für die bevorstehenden Wettspiele zu trainieren. Ties erwies sich als durchaus notwendig. Tenn die drei in Frage fommenben Herren hatten trotz aller Bemühungeir Feine Gelegen- beit finden können, in Gießen Tennis zu spielen. Es war dies für mich nicht überraschend. Schon öfters hatte ich bessere Spieler klagen hören, daß in Gießen nur wenige Temrisplatze existiertrm, daß diese an geschlossene Gesellschaften verpachtet feien, und daß außerdem die Abmessungen der Plätze falsch und die 'Vodent»cn- hältnisse so ungünstig seien, daß ein normales Spielen nicht mixp llch erschien. Daß die Vergleiche, wrc die betr. Herren mit den Tennisplätzen anderer, kleinerer Universitätsstädte anstellten, sehr zu Ungunsten Gießens anssallen mußten, davon, vennute ich, ist jeder Gießener vollständig überzeugt.

Doch kehren wir zu unserem speziellen Fall zurück. Es ge­lang nicht, den Herren einen Platz für die Nachmittags- oder Abendstunden zu mieten. Tie Morgenstunden sind aber auch für die Studenten die ungünstigste Zeit, um Sport zu treiben-

Nach wenigen Spielen musste das lieben auf dem gemieteten Platze aufgegeben werden, da feine Abmessungen falsch nxircu und sich der Auslauf als so ungenügend herausstellte, daß ein Uebeic hier nur nach eilig sein mußte. Ein anderer Platz, der mehr geeignet gewesen wäre, ließ sich in Gießen nicht finden. So kam es, daß die drei Herren die letzten 14 Tage feinen Mall schlagen konnten. Ich will nichc übertreiben; eine Verbindung: hatte von der bedauerlichen Lage der Wettspieler gehört und in liebenswürdiger Weise den einen dieser Herren in den letztem drei Tagen auf ihren eigenen Plätzen eingeladen.

.Dies ist die Vorgeschichte. Daß das Wettspiel selbst für die ,'Gießener Herren kein erfteuliches sein tonnte, und daß sie nickst vlme Groll den Platz verließen, ist ebenso begreiflich ivie di' ungläubigen Gesichter der Herren aus Darmstadt, Heidelberg und Marburg, als ihnen die Verhältnisse der Gießener Tennisplätze geschildert wurden.

Ts ist zu hosten, daß sich die Stadt in dankenswerter Weise veranlaßt sehen wird, selbst Tennisplätze zu schassen. Dann scheint es wohl angebracht, damit zugleich dem Gedanken eines allgemeinen Sportplatzes päher zu treten. Man glaube nicht, daß mit zwei ober drei Tennisplätzen schon Abhilfe geschafft^ wäre; man glaube auch nicht, daß man mit iveuigen beginnen könne, um später einige hinzuzubauen. Es ist wesentlich, daß soviel^Plätze vorhanden sind, baß auch in bet: Adcudstundc.. jeder zum Spielen kommen tonn und baß die Anfänger, die Fortge schrittenen und die besseren Spieler jeweils unter sich spielen können. Unter sechs Plätzen ist dies nicht zu erreichen.

Als Verwalter der Plätze wähle.man einen Berufstennisspieler, der durch Sttindengeben eine Nebeneinnahme hat, die ein höheres' Gehalt nicht nötig werden läßt. Die Plätze lasse man von einer1 .Firma anlegen, die schon mehrere Taurnierplätze geschaffen hat. Es kann eine Firma manchen Platz errichtet haben und bock) versagen, wenn es sich darum handelt, einen für Toumiere brauch' baren Platz zu schaffen.

Ter Gedanke, Tennisplätze und Eisbahn zu kombinieren, ist in Gießen um so naheliegender, als die Lage der Eisbahn eine sehr günstige ist und einer Angliederung von anderen Sport ­plätzen (Hvckep usw.) nichts im Wege steht. Es trifft sich weiter sehr günstig, bah_ der Eisverein ein Klubhaus zu errichten be­absichtigt. Die Stadt dürfte die Gelegenheil nicht oorübergeben' lassen, zu erwägen, an dessen Stelle ein Klubhaus für alle Sport­vereine erstehen zu lassen. Auch Verbände, die feilte direkte Be­ziehung zu einem derartigen Sportplatz haben, wie Scknlliib usw., würden ein solches Heim, wo sie ihre Versammlungen abhalten. und ihre Zeitschriften auflegen könnten, freudig begrüßen.

Es ist nicht wenig, was hier von der Stadt erhofft wird. Doch würde damit für sie und für die Universität auch ein nicht zu unterschätzendes Anziehungsmittel gewonnen werden. Und da hinsichtlich der Tennisplätze doch unbedingt etwas geschehen muß, lasse man sich von dem Gedanken leit-m, gleich ein Ganzes m schaffen und kein Stückwerk. Tennisplätze rentieren im allge meinen gut. Ein Klub, der die Pachl übernimmt, würd' inr> Leben treten in dem Augenblick, wo die .Hoffnung auf Plätze greifbare Formen annimmt. Er würde sich einen Berufsspieler! verpflichten und die Stadt jeder weiteren Bemühungen ml beben. Tie .Kombinatton von Teimisplätzen und Eisbahn verbilligt das Unternehmen wesentlich. Wenn es auch nicht vorteiltest für den Erhaltungszustand der Tennisplätze ist, so scheint der Nack^ teil doch gering zu sein. Sonst hatten sich wohl nicht reich' Städte, wie Hamburg, zu diesem System entschlossen. Allerdings ift dafür zu sorgen, daß der Wasserstand hock' genug ist, um ein Turchftieren bis auf den Boden zu verhindern.

Es darf erwartet werden, daß die Stadt diesen Verpflichtungen ebenso nachkommt, wie sie schon anderen, schwereren Verpflichtungen in mustergültiger Weise gerecht wurde. Sollte sich das Projekt eines allgemeinen Sportplatzes, verbunden mit einem Klubhaus, durchführen lassen, so wird sich Gießen in dieser Hinsicht weit übe" alle Mittelstädte erheben, und wie ich glaube, ohne all zugroße finanzielle Opfer, mäbrenb es heute darin noch hinter vielen Kleinstädten zurücksteht. D.

** Tageskalender für Donnerstag, ü. Juli: Viertes Ab o n n e in e n t S-K o n z e r t unter Mitwirkung dcS deutsch- amerikanischen Mämierquartetts. Abends 8!4 Uhr in SteiuS Garten.

Ein Trauerfall im grotzherzoglichen Hanse.

Prini; Maximilian pt Solms-Hohen- solms-Lich, ein Vetter der Großherzogin, ick nach einer Drahtnachricht des Ehefs des ostas'iatischen Krcuperge)chw-aders am 30. Juni im 23. Leben.ftache am Hitzschlag in Pagan (Südsee i verstorben. Der Prinz, der am 26. Sepember 1890 als dritter Sohn des Prinzen Ludwig in Lich geboren ift. stand als Leutnant z. S. auf dem großen Kreuzer Gneisenau.

* Audienz. Der Großbcrzckg empfing u. a. mr 2. Juli l. I.: den Oberst Schmidt. Stomniahbeiir des Großb. Geudarmeriekorps, den Major v. 53cftcrnhaqcn beim Stabe des Leibgarde-Inf.-Negts. (1. Großh. Hess.) Nr. 115, den» Major a. D. Kammerhcrrn Fr hm. v. Starck, Vorsitzende"