165. Jahrgang
Erster Blatt
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten
stattfinden.
die Kriegsfragr Mischen Italien und der Türkei und Russlands drohendes Eingreifen besprochen.
Heute ist, wie die „Nordd. Allgem. Ztg." feststellt, das deutsche Verlstiltnis zu Italien von allen Trübungen frei. Es trifft sich sehr gut, daß- alle aus der neuen dnchenden Balkankrise zu befürchtenden Schwierigkeiten von den in Kiel versammelten Staatsmännern gründlich erörtert ^erden können. So werden hoffentlich keine Ueberraschungen und Mißverständnisse eintreten, und sio wird der Dreibund wohl auch in den nächsten gespannten Tagen seinen starken Einsluft geltend machen und namentlich dahin wirken^ daß Rußland sich vor unbesonnenen Schritten hütet!
Ms Kaiser Wilhelm II. mit Kaiserin Augusta Viktoria im April 1893 zur Teilnahme an der Feier^ der Silbernen Hochzeit des italienischen Königspaares (yum= ciert I.) in Rom weilte, da erklärte er an der Hoftafel im Quirinal: „Ich erblicke in dem herzlichen Empfangs den erneuten Beweis persönlicher Freundschaft, die Sie von meinem Großvater und meinem Vater auf mich übertragen hechen. In beider Sinne habe ich gehandelt, als ich hierher eilte, meine Glückwünsche darzubrtngen." In Homburg im September 1897 waren die beiden Fürstenpaare wieder an einer Tafel versammelt und König Humbert erwiderte auf die Ansprache des Kaisers: „Die Erhaltung des Friedens durch die Einigkeit und den einmütigen Willen der Regierungen ist, wie Ew. Majestät wissen, auch mein heißester Wunsch." Am 3. Mai 1903 weilte der deutsche, Kaiser abermals in Rom und antwortete auf den Trink- ivruck, Viktor Emanuels III.: .„Ich erkenne in der warmen Herzlichkeit des Empfanges seitens Ew. Majestät Hauptstadt und Volk die Bekräftigung der Tatsache, daß das Bündnis, das unsere beider: Häuser und Länder verbindet, von dem italienischen Volke in voller Sympathie anerkannt und unverändert gepflegt wird."
Jin Jahre 1909 am 12. Mai auf der Rückreise von Korfu traf der Kaiser und die Kaiserin in Brindisi mit dem König von Italien zusammen. Auf dem „Vittoriv Emanuele" fand im Beisein des Ministers des Aeußern Tittoni ein Frühstück statt; bei der Tafel tranken die beiden Fürsten auf ihr gegenseitiges Wohl, auf das ihrer Häuser und ihrer durch den Dreibund geeinigten Länder, deren Bündnis drei Jahrzehnte hindurch sich als Friedenshort erwiesen habe. Der Kaiser gedachte außerdem noch des entsetzlichen Erdbebens, das Sizilien im Dezember 1908 betroffen, und gab der Bewunderung für die aufopfernde Tätigkeit Ausdruck, die der König und die Königin bei jener Gelegenheit an den Tag gelegt hatten. Die letzte Zusammenkunft vor der jetzigen in Kiel fand am 25. März 1912 in Venedig an Bord der „Hohenzollern" statt. Trinksprüche nnirden so wenig wie vorher in Schönbrunn ge- luechsett, aber in den Unterredungen der Monarchen wuroe
Die Monarchenbegegmmg in Kiel.
Von Camillo Cavour flammt das prophetische Wort: „Unser Bündnis mit Preußen steht in den Sternen geschrieben." Ms der erste Minister Italiens (der übrigens auch das „Italia fara da se, Italien wird allein fertig werden" aussprach) jene ahnungsvolle Eingebung hatte, dachte außer ihm niemand an deutsch-italienische Allianzen. Noch im Jahre 1873, als König Viktor Emanuel II. nach Berlin kam, war sein erster Gedanke, während er mit Kaiser Wilhelm I. allein war: „Ich muß Ew. Majestät gestehen, daß ich im Jahre 1870 im Begriffe war, gegen Sie die Waffen znu ergreifen." Kaiser Wilhelm antwortete freundlich „Das wußte ich wohl." Der Gegenbesuch Kaiser Wilhelms 1875 fand auch nicht in Rom, sondern in Mailand start. Aber das hatte seinen besonderen Grund. Man wollte dem Papste nicht persönlich entgegentreten zu einer Zeit, da die kirchliche Gesetzgebung in Oesterreich wie in Deutsche- land seinen höchsten Unwillen erreicht hatte. Trotzdem war es schon „ein Triumphzug bis hierher nach Mailand", berichtete Kaiser Wilhelm I. an seine Gemahlin, und zum Abschied sagte er dem König Italiens: „Möchten wir und unsere Söhne nach uns stets Freunde bleiben!" Dieser Wunsch des greisen Kaisers ging in Erfüllung.
Anzeiger Gießen. ' *0/ y V 1 V ?
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Donnerstag, 3. Juli 1913 Be; uq ) nr c monatlich 75 Vs., viertel-
A, A jährlich Mk. 2.20; durch Abholo iu Zweigstellen
Em ▼ monatlich 6b Pj.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bcslellg. Zcilenvreis: lokal IbPi., auswärts 20 Mennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuilleton", „Vermischtes" und .Gerichtssaal": K. Neu-
und solcher Abwechselung, wie es nur wenige deutsche Städte von gleicher Größe wie Wimpfen bieten können. Bei dem gemeinsamen Mittagessen, das der Küche des Mathtldenbades alle Ehre machte, stattete der Vorsitzende der Kommisstvn, Exzellenz von Hombergk zu Vach, den Dank der Kommission für die gastlich Ausnahme in Wimpsen ab und gedachte zum Schlüsse in zünbenden Worten des Negierungsjubiläums Seiner Majestät, des Kaisers. Mit einem genußreichen Spaziergang nach Wimpfen im Tl^al, wo unter Führung des Benefistaten Roßkops die herrliche Kiran des Ritlerstists zu Wimpsen im Thal besichtigt wurde, schloß öic diesjährige Tagung der .Historischen Kommission. Mit unver- gcßlickcn Eindrücken schieden am Nachmittag die Mitglieder der ftvmmission von der an geschichtlichen Erinnerungen wie an Scl)ätzen der Kunst und Natur so reiche allen Nockarstadt und von ihren freundlichen Bewohnern. Tie rtädrfte Sitzung der Kommission wird voraussichtlich int Frühjahr 1914 zu Worms
des evangeliscl'en Teiles der Hassia sacra (Professor D. xr. Tiehl-F-riedbergi stellt für 1913'1914 den ersten, die ehemalig- Obergrafschast Katzenelnbogen behandelnden, Teil in Aussicht. Von, dem historischen Kartenwerk für die Länder am Mittelrhein (Bearbeiter: Regicrungsassessor Strocker-Mainz) wird spätestens 1914 die erste Karte mit der Darstellung der Ternrorialvorhaltnme in .Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Nassau, Untersranlen und Psalz, wie sie im Jahre 1793 statt hatten, erscheinen. Die lnitoriscixn Grundkarten des Grvßherzogttims, für die in der Hauptversamm- lung eilt größerer Betrag bewilligt wurde, sollen vor Ende 1313 fertig vorliegen. Der erste Textband des Codex Laureshamensis (Bearbeiter: Seminarlehrer Dr. Glöckner-Bensheim) ivirb im Laufe des Jahres 1914 gedruckt. Bon den „Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte" ist der erste Band, „Die Mainzer Tom- provstei im 14. Jahrhundert" von Privatdozent Dr. Vigener- Freilnirg, ausgedruckt. Er wird in den nächsten Wochen ausge- geben werden. Ihm sollen in rafchw Folge sich an schließen: „Tie Lebenserinnerungen des hessisct?en Staatsmannes Reinbard Eigenbrodt ans der Zeit des Frankfurter und Erfurter Parlaments und der preußischen Union 11848 1850}", herausgegeben von Privatpatent Dr. Bergsrräßer-Greisswald, uno „Tie Entstehung des weltlichen Territoriums des Mainzer Erzbistums" von vc. Manfred Stimming-Gießen. Als weiterer Band der „Quellen und Forsck'ungen" sind die „Chroniken der Reichsitadt Friedberg", ßerausgegeben von Professor Dr. Eln. Waas-Gonfenheim, in Aussicht genommen. — So zeigt sich auf allen von der Kommission in Angriff genommenen Arbeitsgebieten reges Leben. Mit Befriedigung über das Geleistete und frohem Ausblick in die Zukunft konnte der Vorsitzende die Sitzung schließen, nachdem sie einen in jeher Hinsicht harmonischen Verlauf genommen hatte.
An die Hauptversammlung schloß sich nack kurzer Pause der glänzend vorgetragene und eindrucksvolle Vortrag von Lehramtsassessor Jacob-Wimpfen über „Alt-Wimpfen und die Hohenstaufen". Er bot mit seinem raschen Ueberblick über die Vau- geschichte der hervorragendsten Baiweulmäler einen lehrreichen Uebergang zu der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt. Unter der sachkundigen und geschickten Führung des Vorsitzenden von „Alt-Wimpfen", Forstmeister Zeh, und des Stadtpfarrers Scriba wurden die Staotbefesttgringeu mit iIrren Türmen und Toren, die Reste der Kaiserpfalz, die wiederhergestellte Pfalzkapelle, das hl. Geistspital, die interessanten Stras.eitbilder und bürgerlichen Bauten, die Domintkanerkirch?, ihr Kreuzgang und ihre Kirchenschätze — diew unter Führung des katholischen Stadt Pfarrers Klein — und schließlich noch die evangelische Pfarrkirche zu St. Marien besichtigt; ein Programm von solchem Reichtum
auf das allerherzlichste und küßten sich wiederholt auf beide Wangen. Der Kaiser überreichte sodann der Königin eitlen. 13 unten» ftrauL Hierauf schritten beide Monarchen die <yront der Ehren- lvmpagnie ab. Der Reichskanzler und Staats,elretar I?gow begrüßten Marguis San Guiliano und Botschafter xooUch. ~ie Monarchen nahmen den Vorbeimarsch der Ehrenkompagnte nach des Klängen des Porckfchen Marsches ab. Heber der dem Landungsplätze gegenüberliegenden Landungsstelle der Boote prangte die italienische Königskrone aus elektrischen Lampen. ..iatro,en bildeten Spalier, an der Landungsstelle standen Feuerwehrleute mit lodernden Fackeln. Die Majestäten mit ben tarnen mtö Herren ihrer engeren Umgebung nahmen im Berlelwsboot platz, die andern Mitglieder des Gefolges wurden mit ckiuassen der „Hohenzollern"- und der „Trinacria" befördert, ©in Sauit wurde wegen der vorgerückten Stunde von dem un Hasen liegenden Ck» schwader nicht gefeuert, jedoch erwiesen die Wachen der^passierttn Kriegsschiffe die vorgeschriebeneit Gbrcnbeicitgungen. -ter .stamr und die Kaiserin geleiteten die Gäste an Bord der dicht bet der „Hohenzollern" liegenden „Trinacria", wo der Kowg und die Königin Wohnung nahmen. Nach einer balWumdigm^ Unterhaltung und herzlicher Verabschiedung begaben lieg die .Ucajtitatin nach der „Hohenzollern" zurück.
Der DMMmg Ur. 2.
Die Serben versenden gewaltige Siegesnachrichten: die Bulgaren haben sich nach ihrer Darstellung in heimtückischster Weise benommen, friedliche Annäherung vorgeheuchelt, um dann zum Angriff überzugchen. Mit „ungeheuren Verlusten" sind die Bulgaren angeblich zurückgetrieben worden. Natürlich dürfen die Ziffern und Behauptungen nicht allzu ernst geglaubt werden. So blutig., wie die Meldungen aus Sofia, Belgrad nnd Athen dies hinstellen, wird sich der „Kchieg Nr.' 2" sicherlich nicht abgespielt haben. Und wer dabei Vorteile erzielt hat, läßt sich fürs erste auch nichit fesistcllen, da von allen drei Seiten mit einer Ungeniertheit gelogen wird, daß sich die Balten oder richtiger gesagt der Balkan biegt. Aber immerhin, es wird gekämpft, es wird auf der ganzen Linie von Mprülü bis zum Kap Eleftherton am Aegäischen Meer gekämpft. Und ob man das Krieg, nennen will oder Krieg im Frieden oder sonstwie, das ist fast nur noch ein Streit um Worte. ..
Am Ctrabe noch pflanzt sie die Hoffnung auf, nämlich die europäische Diplomatie, die sich darauf beruft, daß der bulgarische Ministerpräsident Dr. Danew sich bereit erklärt
Alt den Verhandlungen nach Petersburg zu reifen, daß der griechische und der montenegrinische Ministerpräsident VeniseloS unb Wukotitsch längst dazu bereit sind, und daß jetzt auch Paschitsch von der scrbisck>en Skupschttna cm dahin gehendes Mandat erhalten hat. Aber.was kann man von der Bereitwilligkeit zu Verhandlungen erhoffen, wenn wahrend der Zeit bereits die Flinten und Kanonen sprechen- Der Kampf um die Vorherrschaft auf dem Balkan wird früher oder später ausgefochten werden, selbst wenn es jetzt noch gelingen sollte, die Kugel, die ins Rollen gekommen, ist, aüszuhalten.
Aber man wird gut tun, sich in dieser Beziehung von jedem Qptimismus fernzuhalten, da der Verlauf des ersten Baltankrieges gezeigt hat, wie schwierig und wie fruchtlos solche Vermittlungsversuche sind, und wie leicht das Eingreifen der Mächte im Interesse des Weltfriedens dre fahr des Weltkrieges heraufbeschwören kann. Tie Lage ist um so bedrohlicher, da Rumänien kein Hehl daraus macht, daß es einem Kriege zwischen den verkrachten Balkanbüstd- lern nicht Gewehr bet Fuß zusehen werde. Bulgarien mag mit seiner immer noch auf weit mehr als 300 0 00 M a n n zu bringenden Armee den Serben und Griechen, die etwa die gleichen Streitkräfte auf die Beine bringen können, gewachsen fein. So würde die Entscheidung von Rnmänicn
historische KommiHion für da; Grotzherzostum Hessen.
Die diesiährige Tagung der Historischen Kommission für hnä ' Großber oattim Hessen fand zu Wimpsen am B er g c fatt Schon am <8orabenb hatte sich die Mehrzahl der Mitgliedev in der lieblichen NeckUrstadt eingefunden. Der Kur- und Vn- kehrsverein
P;nt>r festlichen Veranstalttmg un Saale des Math'.ldenbiw^ Ä * SSorftr.cn i>e 6cS Vereins, Forstmeister Zeh, bearüfite die Erschienenen in sckstvungvoller Rede, ^ann nahm Stadtpsarrer Scriba das Wort, um ut einem ebenso formvollendeten wie inhaltreichen Vortrag 'die Schicksale der alten ReickMadt im 301äbrigen Kriege zu schildern. Mit reickfem Beifall lohnte dem Redner die auch aus Wtmpfen zahlreich be- fuchte^ VersamMun^g. -]anb int Saale des Mathildeirlrndes unfpr Ser Lcittina des Vorsitzenden der .Historischen Kommission, Seiner Erzelle uz des Herrn Ministers des Innern von H am - ker o f zu V a ch die fünfte Hauptversammlung der Kommißion statt. Der Vorsitzende danlcke in feiner Eröffnungsrede deii 1912 ausgeschiedenen Kommifsionsmitglledern Prof. ^r. Haller-Gießen und Geh. Iustizrat Prof. Dr. ^chmidt-Tubiugen ,ur ihre seitherige Tätigkeit im Dienste der Kommission und begrüßte _öic neuernannten Mitglieder, die Professoren Dr. Hübner imd ^r. Vogt-Gießen und Oberbibliolhekar &r. Voltzparmstadt, sowie die anwesenden Gäste. Bürgermeister Bornhäuser Überbrachte die Grüße und Wünsche der Ltadt Wimpfen: -stadtpfarier Klein dankte im Namen der Gaste für die Einladung. — Aus den schrnt- ffch erstatteten und mündlich ergänzten unb erläuterten Berichten hrr Ausschüsse über den Stand der Unternehmungen der Kommission'ließ sich entnehmen, daß die einzelnen Arbeiten mit Ans- nähme von wenigen,' deren Fortgang durch dienstliche Verhinderung Z 6,-anrhcit der Bearbeiter gehemmt war, gute Fortsckwitte ^nrnrfTt haben Von dem ungemein zeitraubenden und schwierigen Kvte Mainzer Urkimdenbuches kann in einigen Jahren der
Seinen. Der erste Band der Mainzer Tomkap.tcls (Bearbeiter: Pfarrer Dr. Veit-Neckarsteinach) kommt nuS 1914 in den Druck. Der erste Halbband des o (Bearbeiter: Haus- und Staatsarchivar Archivrat
w'rd ihm unmittelbar folgen. Bon
Iefsißchen Biographien .Herausgeber: Geh. Hofrat Prosessor 1 säSief'=n) ist t-aS erste tzest 1912 endnenm.. 1913 wird das Mci'c folgen. T,e Liste bat MMrn.S«8tomre rÄ^^lter - Referendar W. Müller-Darmstadl liegt bw aus wenige B «Lndioe ErgmtMNgett »nutfartia wr, Ter Bearberter
ratli; für «Stabt unb 2nnb": E.Heß; für ben Anzeigenteil: H. Beck.
Tie „N o r d d e u t s ch e A l l g e m e i n e Z c i tu n g" schreibt: Der König unb die Königin von Italien treffen am Vtittwoch abend in Kiel ein und werden am Donnerstag als Gaste des Kaisers und der Kaiserin dort /verweilen. Mit horzlicger Freude wird es begrüßt, daß die Reise des iöniglick)en Paares nacki Stockholm willlvmmenen Anlaß gibt, dem Herrscher der befreundeten und verbündeten Großmacht und der edlen Königin Elena in einem deutschen Hafen die liebeiiswürbige Gastfreundswast zu erwidern, welche der Kaiser iviederholt an der italienischen Küste gefunden hat. Untere Beziehunge n zu dem Bundesgenossen im Süden sind frei v on jeder Trübung. Mit wachsendem Verständnis wird in Deutschland die militärische, maritime und ivirtschaftliche Tüchtigkeit des modernen Italiens, der starke nationale Grundzug seiner Politik und sein gesteigerter Einfluß im Rat der Mächte anertannt. Es ist bekannt, ivelcher hohe Anteil an diesem Aufschwung dem Wirken des Königs Viktor Emanuel xukommt. An seiner Seite begrüßen wir in dem königlichen italienischen Minister des Aeußem, ,Marguis di San G u i l i a n o, einen Staatsmann, welcher seit der ,UebernaI}inc der Geschäfte stets eine klare Bündnispolitik unter den Mächten des erneuten Dreibundes verfolgte. Inmitten der Schwierig- feiten, denen die europäische Diplomatte während der Ballänkrisis standhalten mußte, bewährte sich das durch Deutschlands Haltung geförderte Zusammeugehen Italiens mit Def ter r ei cf) -- Ungarn be sonders in den adri.ilischeu Fragen als ein wichttger Teil der gemeinsamen Friedensarbcit der Großmächte. Tie Wandlungen im Südosten Europas und ihr Uebcrgrcifen auf Nachbargebiett werden in den Gespräck-en ziöisch.'n den Monarchen und ihren Staatsmännern in Kiel um so ernstere Aufmerksamkeiten Anspruch nehmen, als gerade jetzt eine abermalige kriegerische Zu- spitzung zwischen den Staaten des Balkanbundes ringetreten ist. Angesichts dieser neuen Gefahr bleiben wir überzeugt, daß die Kieler Begegnung, an der mit bundesfreundlicher Sympathie auch Oesterreich-Üngarn im Geiste teilnimmt, dazu beitragen wird, die Fühlung zwischen Italien und Deutschland zu beleben, die Uebcreinsiimmuitg innerhalb deS DkeiounlKs zu berMrken und die Behandlung ber den Gvoßnrächten gestellten Aufgaben zu
— Peter Roseggers Bitte. „An mejne Freunde und Leser und alle, die mir gut sind" — schreibt Peter Nosegger im „Heimgarten", „richte ich eine innige Bitte: Mir ist zugetragen worden, daß man gelegentlich meines 70. (Geburtstages auf meinem Sommerheim mir persönlich mancherlei Ehrungen plant. Schon .die Absicht erreicht ihren Zweck und erfüllt mich mit Dankbarkeit. Aber ich'muß von Herzen bitten, die Absicht nicht zu verwirklichen. Mein besorgter Arzt gestattet mir meine heimatliche Sommerfrische nur unter der Bedingung, daß ich dort unbedingte Ruhe habe, um Tiacb einer schweren Influenza mich zu erholen. Mein Gesundheitszustand ist nach langjährigem Leiden überhaupt so geworden, daß alle Aufregung und Gemütsbewegung möglichst vermieden werden muß. Ich werde an diesem Tage in stiller Zurückgezogenheit aller Liebe, Güte und Ehren gebenden, die mir in meinem Leben sc> überreich erwiesen oder zugedacht worden sind. Ich bitte meine Freunde dringend, alle persönlichen Ehrungen unterlassen zu wollen." _ , .
— Forl ch u n gs r ei s e. Prosenor Dr. Karl Diener, Vorstand des paläontologischen Instituts an der Wiener Universität, tritt Ende dieser Woche mit Unterstützung der Wiener Akademie der Wissenschaften eine Reise nach Japan zum Studium der Triasbildungen des Kitakaniiberglandes auf der Haupt- iusel Nivon und auf der Insel Shikoku an. Er beabsichtigt, Wirre Cftoh'r i. i Brßffch Kolumbien und Kanada nach Europa zurückzukehren Seine Frau wird an der Reise teilnehmen-
Die Ankunft
Kiek, 2. Juli. Zum Empfang des italienischen Königspaares fanden sich am Bahnhofe ein gegen 9" > Uhr der Kaiser der deutsche Admiralsuniform trug, und die Kaiserin, die eine lilafarbene Robe trug. Ein Ehrendienst für die italienischen Herrschaften war wegen des intimen Charakters des Besuches nicht gestellt worden.' Beim Einlaufen des italienischen Sonder- zuges um 10 Uhr präsentierte die Kompagnie und die Musik spielte die italienische Königsfanfare, wobei Fanfarentrompeten in Anwendung kamen. Der König in ber Uniform seines preußischen Husaren-Regiments und die Königin in einer blaßgelben Robe entfliegen dem Salonwagen. Der Kaiser Ivar der Königin beim Aussteigen behilflich unb küßte ihr die Hanb, ebenso ber König ber Kafferin. Der Kaiser unb ber König begrüßten sich
erleichtern.
Berlin, 2. Juli. Der Reichskanzler und Staatssekretär v. I a g o w begaben sich heute nachmittag nach Kiel zum Vortrag bei dem Kaiser und zur Teilnahme an der Begegnung des italienischen Königspaares.
Wien^, 2.Juli. Der König von Italien sandte von der Grenze an Kais ar Franz Josef ein Begrüfiungs- telegramm.
Nr. 153
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