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Erstes Blatt
165. Jahrgang
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Die heutige Nummer umsaht 20 Seiten.
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trrcr es, daß er an die Oeffentlichkeit gebracht wurde. Und wenn es nun heißt, daß in der letzten Woche, auf die Enthüllung hin, die Aktien der Gesellschaft an der Berliner Börse um mehr als 20 Prozent zurückgegangen seien, so wird das hoffentlich ganz allgemein als eine heilsame Lehre wirken.
— wird zwar die Wehrvorlage nicht doch unzweifelhaft bewirken, daß die
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lich Beifall. Mit diesen Festspielen hat die Darmstädter Hof- bühne bewiesen, daß sie in die vorderste Reihe der deutschen Bühnen gehört. Das ist vor allem das Werk des neuen Generaldirektors Dr. Eger.
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ZrühlingLfeftspiele in Darmstadt.
bs. Darmstadt, 25'. April.
Die Darmstädter Frühlingsfestspiele schlossen gestern mit einer Aufführung der „Götterdämmerung". Wie die vorhergehenden Abende, so bot auch der gestrige wieder einen fast ungetrübten künstlerischen Genuß. "Das Orchester unter der Leitung des Münchener Generalmusikdirektors Bruno Walter erschöpfte die Schönheiten des Werkes restlos, wenn man von einigen kleinen Unebenheiten bei den Bläsern absieht. Ganz besonders gestaltete sich der zweite Akt zu einer künstlerischen Offenbarung, wozu die Szenerie (Regieführer Herr Lert) gerade dieses, Aufzuges wesentlich beitrug. Ter Chor der Mannen n>ar von einer selten gesehenen Beweglichkeit. Hier waren Menschen auf die Bühne gebracht, die wirklich Anteil nahmen an dem Geschick der Gibichun- gen. Auch der erste Auszug mit seiner stimmungsvollen Nornen- szene hinterließ einen tiefen Eindruck. Im letzten Auszug, der überall unter technischen Schwierigkeiten zu leiden hat, störten auch hier einige Mängel, die aber den künstlerischen Wert selbst nickst beeinträchtigten.
Von den darstellenden Künstlern trat besonders Frau M e tz - ger-Lattermann als erste Norn uni) als Waltraute in den Vordergrund. Sie überragte stimmlich alle, die nm sie waren. In einem gewissen Abstande von ihr und trotzdem hohen Anforderungen genügend, war Frau Mottl-Faßbender als Brünhilde. Die (Stimme der Frau Faßbender hat ihre Jugendfrische hinter sich. Der Künstlerin gelang es aber, das Manko ihrer stimmlichen Begabung durch eine gereifte Darstellung zu ersetzen. Den Siegfried sang Herr Modest Menzinskh vom Kölner Opernhaus, dessen wenig reizvolles Organ bei 'lyrisck>en Stellen besonders auffällt. Wie aber im „Siegfried" so war der Künstler auch in der „Götterdämmerung" als Darsteller nur wenigen vergleichbar. Für ein in letzter Stunde erkrankten Herrn Weber sang Herr B r e i t e n f e l d .vom Frankfurter Opernhaus den Gunther und führte seine Partie mit Auszeichnung durch. Den Hagen sang Herr Stephani, der diese Partie zu seinen besten zählen darf. Frl. Gepersbach stattete ihre Gutrune mit zarter Mädchenhaftigkeit aus, entsprach aber in gesanglicher Hinsicht nicht dem, was man von ihr erwarten darf. Es schleichen sich zu leicht flache Töne bei dieser Sängerin ein. Von wunderbarer Klangschönheit waren die Nheintöchterszenen. Die Damen Jacobs, Kallensee und Jüttner dürfen ein ganz besonderes Lob bean- spruchen.
Das Publikum zollte mit dein Großherzogspaar an der Spitze den Darstellern und vor allem dem ttefsliclstn Dirigenten reich
— Das Ende einer Bühne. Man schreibt uns aus Düsseldorf: Das Lustspielhaus, dessen Glanzzeit in die Herrschst des Direktors Charle fiel, daS große künstlerische, aber geringe finanzielle Erfolge unter der Leitung von Hans Sturm und Hans Schreiner hatte, wird jetzt unter der Direktion Arnim ein wenig rühmliches Ende nehmen. Die Enge des zwischen Häusern eingekeilten Theaters und namentlich der Bühne legte der Regie die nachteiligsten künstlerischen Beschränkungen auf. Dazu mußten die Schauspieler zeitweilig, wenn sie von einer Seite der Bühne zur andern zu gehen hatten, den Hof überschreiten, so daß die Gesundheit der Bühnenmitglieder auf das Schwerste gefährdet war. Tie Baupolizei, die schon des öfteren dem Theater allerlei Auflagen gemacht hatte, hat sich nun zu einem' entscheidenden Sdjiritt entschlossen und die Einstellung oeS Betriebes gefordert. Am 1. Mai wird das Lustspielhaus geschlossen. Ob es' je wieder geöffnet werden wird, ist sehr fraglich), denn die bauliche Erweiterung würde große Kosten machen und es dürfte niemand Lust haben, für diese Bühne sein Geld dem vielen andern nachzuwerfen. Hs.
(ff) T i e neue Flagge der Vereinigten Staaten. Jedes Mal, wenn die Vereinigten Staaten ein neues Mitglied in ihren Bund aufnehmdn, muß die Anzahl der Sterne des Sternenbanners um eine Einl-cit erhöht werden, und so ist im vergangenen Jahre, als Arizona und Neu-Mexiko hinznkamen, die Anzahl der Sterne aus 48 gestiegen. Diese 48 Sterne sind gegenwärtig in sechs Reihen zu je achten angebracht. 1 Die Anordnung wirkt aber unschön, außerdem aber ist eine weitere Ver- nnhrung der Anzahl der Sterne nicht möglich, ohne daß eine Verkleinerung der Sterne vorgenommen wird. Die Vereinigten Staaten suchen nun seit einiger Zeit nach einer neuen Form der Anordnung, und der Entwurf einer neuen Flagge, die den amerikanischen Historiker Wahne Whipple zum' Urheber hat, tjat gewisse Aussicht, amtlich angenommen zu werden, denn das Kriegsministe- riunr, die zuständige Instanz in dieser Frage, hat den Entwurf bereits gutgelstißeu. Die dreizehn Streifen sind bei der neuen Flagge unverändert gelassen, während die 48 Sterne eine neue symmetrische Anordnung gefunden haben. In der Mitte des Eckfeldes sind 13 Sterne in Form! eines sechseckigen Sternes an- geordnet. Tie dreizehn ist aus demselben Grunde für die inneren Sterne gewählt worden, wie einst für die «Anzahl der Streifen, weil dreizehn Staaten den ältesten Kern der heutigen Union bilden.
ihre Beziehungen zur Firma Knipp unterzieht. Denn sie will doch nicht von Indiskretionen, die Herr Hugenberg für erlaubt hält, hinter's Licht geführt und übervorteilt werden. Wie die Regierung vorzngehen
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???“ sSSsSmmZ Rotationsdruck und Verlag der Vriilft'schen Umv.-Vuch- und 5teindruckerei K. Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei: Schuipratze 7. Land":'E. - bis vormittags o Uhr. Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck.
Samstag, 26. Apul M
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Diese Anordmmg von 13 Sternen zeigt auch das Staatssiegel und die Präfidentenflagge. Um diesen sechsseitigen Stern herum, ist bei dem neuen Entwurf ein Kreis aus 25 Sternen gelegt, der daran erinnern soll, daß innerhalb des ersten Jahrhunderts der Gefckückte der Union, von 1776 bis 1876, 25 neue Staaten angegliedert wurden. Washington ist das Vorbild, auf das sich Whipple hierbei beruft, brnn Washington I>at eine Flagge entworfen, die die Sterne, damals dreizehn an der Zahl, int Kreise zeigt. Um' diesen Kreis herum sind die übrigen Sterne — gegen- wärtig zehn — symmetrisch anzuordneu, und diese Verteilung der Sterne rnächt die Hinzufügrtng weiterer Einheiten zu dem äußersten, lockeren Kreise leicht, sobald ein neuer Staat in den Staatenbund eintritt.
— Ein P rozeß unt den Quo vadis-Film. ' Wie „Politiken" mitteilt, hat Henryk Sienkiewiez eine Klage gegen die Filmftrrna angestrengt, die seinen großen Roman „Quo vadis" kinematographisch aufgenommen hatte. Die Aufnahme dieses Riesenfilms, bei der eine Menge von Löwen usw. in Aktion treten mußte, hat nicht weniger als 400 000 Mk. gekostet. Mer die italienische Cines-Gesellschaft hat bisher das ansehnliche Opfer, das sie ftir „Quo vadis" riskiert hatte, nicht zu bereuen. Allein in Deutschland hat der Film bereits einen Reingewinn gebracht, der sämtliche Unkosten reichlich deckte, und der Ertrag in Frankreich und Oesterreich beläuft sich zusammen auf etwa eine halbe Million Mark. Run findet jedoch Sienkiewiez, das; er bei diesem reichen Segen allzu kurz kommt, und er hat die glückliche Gesellschaft verklagt, weil sie nach seiner Angabe den Film ohne seine Erlaubnis ins Ausland verkauft hat. Der Dichter stellt einen Anspruch auf Schadenersatz in Höhe von einer Million.
, , — Knrze Nachrichten aus Kunst und Wissen- I cf) a f t. Im Rathause in Charlo11enburg wurde die zweite Hauptversammlung des Verbandes für handwerk^- maßrgo und fachgewerbliche F r a u en a u S b i l d u n g eröffnet — Im Großherzoglichen Hoftheater in Karlsruhe fand „Ter Fremdliug", Dichtung in einem Akt und „Das Winzerfest", ein griechisches Scherzspiel, beide von Albert Geiger bei ihrer Uraufführung eine freundliche Ausnahme. — Die Jury der K ü n st l erbund--A ns st ell u n g in Mannheim erkannte den -"Zau a-Preis (je ein Jahr freier Aufenthalt in Florenz mit ie 2000 Mk. Beihilfe^ dem Bildhauer Erich Stephani Berlin und dem Maler Carl C a sp ar - Münäseu zu. — In London wurde bei einer Versteigerung alter Meister Gains b o r o u g hs Gemälde ,,D c r M arktwage n" von der Kunst Händlerfirma Aanow für 403200 Mk. gekauft.
Der „stinkende Lärm"
Heer und Llotte«,
Die Mann sch afts bestände in Frankreich.
In der letzten Sitzung des Heerescmsschnsses der französischen Kammer gab der Generalstabschefstellver- treter General Legrand im Auftrage des Krieges Ministers die vollständigen Ziffern über die Marinschaftsbestände der nach EnÜsührun^ter dreijährigen Dienstzeit in Frankreich selbst stehenden Truppen bekannt. Der im Laufe der Jahre erzielte Cffektivbestand beträgt 432 000 Mann, nach Ein-
Der Kaiser bei einer Truppenübung der Garnison Metz.
Gravelotte, 25. April. Hertte vormittag tourte eine große Uebung der Garnison Metz in der Nähe von Gravelotte abgehalten. Das Wetter war günstig. Der Kaiser verließ Metz heute morgen im Auto und traf gegen 8 Uhr auf der Feste „Kaiserin" ein, wo er zu Pferde stieg. Die Uebung hatte bereits begonnen. Die rote Partei hatte befestigte Stellungen eingenommen in einer Linie Moskau-Vcmx mit der Front gegen Südtoesten. Eine blaue Partei rückte auf ter Linie Vionville—Rezow» Ville—Grabelotte dagegen vor Ein Ze p Pelin -Luftschiff und mehrere Flugzeuge toaren in Tätigkeit. Ter Kaiser besichtigte die Entwicklung des Gefechtes längere Zeit bei Saint-Hubert. Der Kaiser beobachtete später auf der Hochfläche von Jussy die Entwicklung ter blauen Partei aus dem Walde bei Vaux heraus. Um 113/4 Uhr wurde das Gefecht abgebrochen. Der Kaiser hielt sodann Kritik ab und nahm bei Jussy einen Vorbeimarsch der ganzen Garnison entgegen. Nach Metz zurückgekehrt, nahm ter Kaiser das Frühstück im Kasino seines Königs- Jnfanterie-Regiments (6. Lothringisches Nr. 15) ein.
Der Kaiser hat dem Bezirkspräsidenten Freiherrn von Gemmingen den Kronenorden 3. Klasse und dem Bürgermeister von Metz Dr. Forst die Berechtigung zum Tragen ter goldenen Amtskette verliehen.
M-S'tz, 25. April. Der Kaiser besichtigte nachmittags Befestigungen. — Der Kaiser hat eine große Anzahl von Ordensanszeichnungen an Offiziere verliehen u. a. den Roten Adlerorden 1. Klasse mit Eichenlaub dem General der Infanterie Mudra, Kommandierendem General des 16. Armeekorps, den Stern zum Roten Adlerorten 2. Klasse mit Eichenlaub GÄieralleutnant Claassen, Kommandeur der 34. Division, den Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub telft» Generalmajoren Schröter, Inspekteur der 4. Ingenieur-Jnspektion, Bausch, Kommandeur der der 66. Infanterie-Brigade und Jet ter, Kommandeur ter 3. Fußartillerie-Drigade, die Krone zum Roten Adler- orden 3. Klasse mit Schleife und Schwertern am Ringe Oberst von der Hey de, Kommandeur des Königs-Jn- fanterie-Regimeuts (6. lothr.) 9tr. 145, die Krone zum Roten LMerorden 4. Klasse Major Siegert, beim Stabe der Fliegertruppe, den ftronenorten 2. Klasse Oberst Merlin, Kommandeur der 33. Feldartillerie-Brigade.
Der Kaiser nahm mit Gefolge an einer Abendtafel beim Gouverneur von Metz, Exzellenz v. Oven, teil. Abends 103/4 Uhr erfolgte die Abfahrt im Sonderzug nach Straßburg.
politifd?€ Wochenschau.
Gießen, 26. April.
Die Angaben des Geheimrats Hugenberg, die gestern der „Kölnischen Zeitung" über den Fall Krupp zugeflossen sind und die wir tn unserer gestrigen Ausgabe wiedergegeben haben, finb zwar unvollständig, etwas verschwom- inen, aber doch in vieler Hinsicht recht interessant. Die Aufdeckungen dös Abgeordneten Dr. Liebknecht über die geheimen Berichte, !bie ein Angestellter der Firma Krupp auf Unerlaubtem Wege sich beschafft haben soll, haben die politische Welt höchst peinlich berührt. Wenn diese Tinge auch Mit der Wehrvorlage in keinerlei Zusammenhang stehen, so ist doch zu besorgen, daß damit manche Gemüter an den nationalen Notwendigkeiten irre gemacht werden. Der Abgeordnete Liebknecht hat ja selbst ganz ungeniert im Reichstag erklärt, daß es ihm daruni zu tun sei, vor der Erledigung der Wehrvorlage mit seiner Enthüllung Au wirken. Und darauf ist ihm leider von keiner Seite eine Erwiderung getoorden. Ist denn etwa mit der angeblichen Bestechung unterer Organe bei- Militärverwaltung die Ausarbeitung ter Heeresverstärkung veranlaßt worden? So weit nun auch diese Annahme von der .Hand zu toeifen ist, so bedauerlich und beunruhigend sind doch die Vorgänge, die jetzt gerichtlich verfolgt werden. Der Geheimrat .tzugeirberg hat keineswegs alle Bedenken zerstreut. Er gibt zu, daß die Firma Krupp in Berlin einen Beamten betraut hatte, der Informationen zu beschaffen hatte, Informationen, die man nach der Erklärung Hugeubergs „vielfach nur durch sogenannte Indiskret i on en erlangt". Große ober kleine Mittel zur „Bestechutcg von höheren und mittleren Beamten" hat aber die Firma angeblich nicht gewährt, und Herr .Hugenberg läßt die Möglichkeit offen, daß der schuldige Beamte Krupps „zrt Lasten seiner eignen Tasche" unrechtmäßige Ausgaben gemacht hätte. Waren dann aber, so darf man wohl fragen, Mittel bereit gestellt worden zur Bestechung unterer Organe des Reiches? Und wollte der Geheimrat das als erlaubte „Indiskretionen" hinsteklen? Dann müßte er sehr entschieden belehrt werden, daß man kein Pharisäer zu sein braucht, um dergleichen als unstatthaft und moralisch sehr anstößig zu bezeichnen. Herr Hugen- verg spricht viel von „Kleinkram", der aber dem Kriegsministerium .am Herzen gelegen habe, tveshalb denn auch von Krupp zur besonderen Beoback)tung dieses Kleingeschäftes ein Beamter nach Berlin gesetzt worden sei. Der sollte Informationen, „einschließlich ter Konkurrenzpreise" anf- spüren. Also doch so eine Art SpionagesystemL Die Firma ^trupp ist offenbar nicht in der Lage, bündig zu erklären, daß sie vor Beamtenbestechungen,- die doch bei dem indiskreten System recht nahe lagen, ausdrücklich gewarnt habe. Der Eiüdruck wird nicht besser, wenn Hugenberg nun bekundet, es werde sich höchstens um „armselige Kleinigkeiten" handeln. Er hat der „Rheinisch-West- fälischeir ZeiMng" übrigens ergänzendeAn gaben zur Verfügung gestellt, aus denen wir folgende Zeilen entnehmen : 1
„Ich nehme für mich und ebenso selbstverständlich für die . Firma Krupp in Anspruch, daß die herkömmliche Un- beftechtichkeit des preußisch-deutschen Beamtentums uns zum allermindesten ebenso hoch steht wie dem Herrn Liebknecht. Wir haben ja auch ein viel größeres eigenes Interesse daran als er. Das werden Sie mir zugeben! Wo irgend gegen diese Auffassung im Bereiche der Firma gefehlt sein sollte, an welcher Stelle auch immer, da
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Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntag?. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerKamilienblätter- zweimalwochentl.llreis- dlatt für den Ureis Siehe» (Dienstag und Freitagl; zweimal monatl. Lano- wirtschastirche Zeitsraaen Ferujprcch - Anschlüsse: für die Redaktion 112,
wird niemand das beschönigen wollen. Aber was wissen wir selbst denn heute, nachdem monatelang über das sogen. Kruppsche Bestcchungsvureau hin- und hergeredet ist? Durch die Untersuchung haben wir erfahren, daß der betreffende Berliner Bureaubeamte einigen Subalternbeamten der Militärbehörden, mit denen er verkehrte, im Laufe der letzten Jahre angeblich einige 5-, 10- und 20 -Mark-Stücke, in einem oder zwei Fällen auch ein Weihnachtsgeschenk von 100 Mark gegeben haben soll. Wenn das richtig ist, — wobei aber nach meinen Nachrichten immer noch zweifelhaft ist, ob nach Lage des einzelnen Falles wirklich Bestechung vorliegt —, so ist es gewiß sehr bedauerlich. Aber gerade heraus- gesagt — ist diese Sache den stinkenden Lärm wert, mit dem man die ganze Welt erfüllt? Oder glaubt eiroa irgend ein vernünftiger Mensch, daß xch oder eine: meiner Kollegen wegen solcher Lappalien — denn um Lappalien handelt es sich bei dem Inhalte der sogen. Geheimberichte, worüber ich mich heute bereits gegenüber dem Vertreter eines anderen Blattes ausgelassen habe — Ehre, Ansehen und Stellung aufs Spiel setzen würde? Wenn man uns auch alles andere Schlechte zutraut, so sollte man jedem von uns bis zum Beweise des Gegenteils wenigstens dieses Maß von Dummheit nicht zutrauen."
beabsichtigt, wirb sie dem Reichstag mitzuteileu haben, sobald die Untersuchung abgeschlossen ist, über die der Kriegsminister sich zeitig informieren will. Die Firma >kimpp hat mit ihrem Versuch, aus Lappalien" Nutzen zu ziehen, schon den großen Erfolg errungen, daß der Reichstag an den ReickMkanzler das Ersuchen dichtete, einen Mißtrauensausschuß einzüberuf-en, dem die Kontrolle der Rüstungslieserunben zu obliegen hätte. Ein schmoichekhaftes Anerbieten für eine „starke" Regierung; sie soll von Sachverständigen und Mitgliedern des Reichstags bei ihren Verfirgungen überwacht werten! Daß das Reichsparlament auf solche Gleise gerät, ist beinahe nicht mehr verwunderlich. Die Schmiergelder-Verfügung, die den „Ortsverein Spandau des Bundes der Handwerker der Kaiserlich königl. technischen Institute Deutschlands" betrifft und die vom Ubgeordneten Müller-Meiningen am Dienstag verlesen und sehr mit Recht scharf frittiert worden ist, gereicht umk*?er Regierung wahrlicb auch nl-cht zum Zn hm. Der .^regs- minister führte wie zur 'EntschuMgung an, dasz es sich nur um eine Verfügung einer untergeordneten Stelle im Kriegsministerium fyarrtele. Wie kommt eine untergeordnete Stelle zu einer so törichten Stümperei, die noch zum Uebersluß wirklich den Geist amtlicher Bureau- kraten-Ueberhebung gegenüber dem Reichstag atmet? Der Militärverwaltung fönten für solche Zwecke die Mittel versagt werden.
Eine andere Bloßstellung hat noch peinlicher gewirkt. Es ist festgestellt, daß die deutsche Waffen- und Mui^itions- fabrik, allerdings schon vor einigen Jahren, versucht hat, eine Falschmeldung in die französische Presse zu'lanzieren, wonach die französische Heeresverwaltung beschleunigte Anschaffung von Maschinengewehren beabsichtigen sollte. Die Täuschung ist nicht gelungen. Es wurd?e dann zwar vorgegeben, man habe nur eine etwaige Mchtigstellung der französischen Regierung herauslocken und den wahren Sachverhalt erkunden wollen, aber wer glaubt das? Liegt die Annahme nicht weit näher, daß die Waffen- und Munitionsfabrik die Entschließungen der deutschen Regierung in dieser unerlaubten Weise hat beeinflussen wollen? So bedauerlich dieser beschämende Vorgang an sich ist, so nötig


