Nr. 150
Erscheint KgllSH mtt Ausnahme des Sonntags.
Die „6k6enet Zamittrndlätter" werden dem ,2lngeiflcr" viermal wöchentlich beigelegt, da? ,-Krcisblfltt für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Die „Lendwirtschaftlichen Seit- frage»»" erscheinen monatlich zwe,mal.
Drittes Blatt 165. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Eeneml-AnZeiger für Oberhejserr
Montag, 50. Juni 1915
Rotationsdruck und <<erlaq der Brübischer» UnioersikätS - Buch» und 6tembvu(fereu R. Lange, Niehen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Äcbctfnon:e^®112. TeU-Adr.: AnzeigertLußen,
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2. Akademische; Turn- und Sportfest.
K. N. Gießen, 30. Juni.
Zu dem zweiten akademischen Turn» und Sportfest, das unter deitt Edrenschnh des Großher.zogs stand, hatten sich ungefähr zwei» hundert Wettkämpfer der beteiligten Hochschulen Darmstadt, Gießen, .Heidelberg und Marburg eingesunden, von denen nahezu die Halske an-- (ließen war. Die Wettkämpfe begannen am Samstag nachlnittag mit dem
Wettschwimmen, das trotz des ungünstigen Wetters recht gut besucht war. Die Hochfchulstaiette, 4 mal 35 Meter, gewann Gienen (H. Dietrich, H. Rink, ft. Treibmann, ft. Waller) in 3 Alin., 9 Sek., Darmstadt brauchte 3 Mm., 427/s Eck., Heidelberg 4 Min., 15’/3 Sek. Das Brustschwimmen über NO Meter gewaim U. Hummel (Darm- stadt) in 2 Min., 101z6 Sek., 2. wurde M. o. d. ftorst (Darmstadt) mit 2 Min , 14'In Sef., 3. W. Traut (Gießen) in 2 Min, 17-/, Sek. Das Brnstschwiminen über 55 Meter geivann (5. Schumann (Heidelberg) in 50'/5 Sek., 2. wurde ft. Nassaus (Heidelberg) in 557, -Lek., 3. Fr. Tre ibmann (Gießen) in 567, Sek. Das Seiten- fchwimmen über 110 Meter gewann ftr. Treibmann (Gienen) in 1 Min., 51 Sek. Das Hand-Über-Handichwimmen über dieselbe Strecke gewann G. Pbilivv (Marburg) in 2 Min., 17, Sek., 2. wurde ftr. Lüthke (Heidelbergs mit 2 Min., 207, Sek. Das Hindernisschw immen geivann ft. Walter 'Gießen) in 54 (Bef., 2. wurde M. v. d. Forst 'Darmstadt) mit 1 Min, 1, Sek. Im Tauchen errang Walter Dahlhaus (Gießen) mit 43 Metern den ersten Preis, .ft. Walter (Gießen) wurde ziveiter. Im Springen erhielt W. Dahlhans iGleßen) 26 Punkte, B. Lhotzkr; (Darmstadt) 20 Punkte. — Im Anschluß daran sand an der Rennstrecke der Rubergesellschaft das
Wettrudern
statt, zu dem außer den akademischen Mannschaften der Gießener Rndergesettschast unr noch der Akad. Turnverein ftnrhessen (Marburg) gemeldet halte. Im Doppelzweier mit Steuermann siegle Gießen (fteulcn, Teipel, St. Reinlein) mit 8 Min. 168/s Sek. Marburg, 8 Min. 17 Eek. Tas Nennen, das Marburg ziemlich sicher schien, ging dadlirch verloren, daß sein Steuermann den letzten Bogen ausfuhr. Der Vierer mit Steuermann (Gigboot) wurde von Gießen (Berners, Leib, Bertges, Roedig, Remlein) mit fast zwei Langen in 7 Mm. 342/6 Sek. gewonnen. Marburg 7 Mi». 43'/, Sek.
Währenddem sanden auf den Sportplätzen an der Hardt die Ausscheidungskämpse statt. Ans dem Sportplatz des Gießener Sportklnbs von 1900, der auch die sportliche Leitung batte, begannen um 4.30 11 br die Fußball Wettspiele zwischen Marburg und Gießen. Die Marburger, die ein tüchtiges Zusammenspiel zeigten, gewannen mit 6:0 Toren.
In dem H o ck e i) s v i e l zivischen dem Darmstädter Hokenklnb und dem Fuß» und Lawn-Tcnnisklub Worms siegte Darmstadt mit 2:0 Toren.
Di e Wettkämpfe am Sonntag.
Der Sonntag begann um 6.30 Uhr mit bem turnerischen Z w o lfkampf, zu dem 21 Mann angetreten waren. Von diesen erreichten 16 die vorgeschriebene Punktzahl. Die Siegerliste ist folgende: Ctto Mathes (Marburg) 135'/,, R. Wiehen (Darmstadt) 128'/,, Gruft Henne (Marburg) 127'/,, Frd. Rödiger (Marburg) 123' ,., H. Diem (Gießen) 122, Fr. Fenerer (Darmstadt) 1217,, Br. Lbotzki (Darmstadt) 111'/,, Otto Thies (Marburg) 111, R. Buchenau (Marburg) 108'/,, ftr. Salomon (Gießen) 106'/,. W. Schulte (Gießen) 106, W. Lan g (Gießen) 106, P. Hoffmann (Marburg) 104, W. Baltes (Heidelberg) 103'/,, Ripiani (Darmstadt) 100'/,, ftr. Moos (Gießen) 100.
Im sportlichen Dreikamps, der um 9 Uhr begann und gits Diskuswerfen, Hochsprung und 100-Meterlauf bestand, wurde I n n g h e u n (Marburg) mit 13 Punkten erster, Rüdiger (Marburg) mit 12 Punkten zweiter und Meyer (Darmstadt) mit 10 Punkten dritter. Gleichzeitig sanden ans den Offizierstennisplätzen die Teiiniswettkänipse statt, deren Ergebnis wir weiter unten mitteilen.
Um 3 Uhr begannen die allgemeinen Freiübungen und im Anschluß daran das Thifterriegentnrnen, zu dem Marburg eine gtienc am Reck stellte, die von 40 erreichbaren Punkten 35 erhielt. 20 Minuten vor 4 Uhr kain der Grob her zog im Automobil an und begrüßte die lebhaft trampelnden Studenten, die ans der Tribüne Platz genommen hatten, anscheinend trendig überrascht.
Außer den: Großherzoq und seinem 'Adjutanten Rittmeister von Schröder war der Minister des Innern, Exzellenz von H o nt b e r g k z n Vach, Provinzialdirektor Geheimerat Tr. Hsing er, Professoren der beteiligen Hochschulen und eine Anzahl der Herren vom Ebrenaiisstlniß mit ihren Damen erschienen, die alle in bem ersten Musikpavillon Platz nahmen.
9lur den Wunsch des Großherzogs hin wurden die tumcrikhen Vorführungen abgebrochen, da er lieber sportliche Kämpfe sieht. Mit dem Vorsitzenden des Sportvereins von 1900, Referendar Dr Schütz, unterhielt er sich längere Zeit sehr angelegentlich über sportliche Fragen und erkundigte sich namentlich nach den Beschlüssen des Bundestages. Es begannen nun Wett, kämpfe aller Art, aber wenn auch im allgemeinen recht schöne Sei (hingen zutage traten, so sah man doch, bau vielen der Mitwirkenden die richtige Hebung mangelte. Es scheint, als ob der von den Korporationen vorzugsweise geptlegte Geist mit den Ersordernisscn unserer heutigen Zeil noch nicht genug Fühlung gewonnen habe, obschon cs niemand zweifelhaft sein kann, daß sich die Verbindungen ihnen allmählich auch fugen müssen. Wem, erst einmal die heule in Sport- und Leibcsübung erzogenen Schüler in die studentischen Vereine eintreten, wird da zweifellos eine Aenderung eintreten und zwar eine freudig zu begruuenoe. Giuc rühmliche Ausnahme von der Allgemeinheit machten die Biirschenschafien, die sich sehr stark beteiligten _imt> für die Gl e l - b e r a ft n f f e 11 e eine besondere Mannschaft gestellt hatten. Eigentlich hätte man erwarten sollen, daß auch alle übrigen Verbindungen wenigstens bei diesem Wettspiel vertreten gewesen waren. Bedauerlicherweise hatten sich aber nut zwei otaffetten gefunden, die bem Großherzog einen Lindenzweig vom Gleiberg brachten, -tic erste Mannschaft brauchte für die 3700 Meter lange Strecke an' bie je 30 Leute verteilt waren, 6 Min. 46 eef., die Burschen- schaftenstaffette 6 Min. 51 Sek.
©inen Zwischenfall gab es bei bem Eilbotenlauf (oOO Meter) um den ftlranz des Grobherzogs. Im ersten Lau' hatte Darmstadt gewonnen, es wurde aber disqualifiziert, weil fern Lchlutzmaim husgerutscht war und im Fasten das Zielband nur nut der Hand berührt hatte. Im zweiten Lauf Hegte Marburg, aber es^ erhielt den Preis nicht, weil es vor „Los" abgelanfen war. T,e Lchieds» richter sprachen TarmfWibt den Preis zu.
Das Ergebnis der übrigen Wettkampfe stellt sieh folgendermagen.
Dreikainpf ehemaliger iStudierender: R. Wenzel- Gießen, E. Element-Gießen, beide den ersten Preis. Die drei anderen Herren fielen aus.
Ergebnisse.
Weitsprung: Elarins-Gießen 5,92 Meter, Henne-Marburg 5,82 Meter, Rüdiger-Marburg 5,40 Meter.
Schleuderball: Alpers-Heidelberg 44,7o Meter, Junghenn- Marburg 42,75 Meter, ElariiiS-Gießen 41,89 Meter.
100-Metcr-Lauf: Rödiger-Marburg 12 Sek., Henne-Marburg 12:2 Sek, Westermann-Marburg 12:3 gef.
Diskuswerfen: Jungheiin-Marburg 33,20 Meter, Clarlus- GieHen 28,65 Pieter, Meyer-Darmstadt 25,93 Meter.
400-Meter-Lauf: Mietmg-Darmstadt 62,3 Sek., H. Rinl- Gießen, H. Enler-tzsteßeu (nicht gezeitei».
Kugelstoßen: Dietrich-Gießen 9,92 Meter, Alpers-Heidelberg 9,30 Meier, Seidel-Darmstadt 9,ix Meter.
Speerwerfen: Salomon-Gießen 40.81 Meter, Kilvers Heidelberg 40.65 Meter, Elarins-Gießen 39,15 Pieter. Cluster Wettbewerb: Reh-Marburg 43,85 Mtr, Maas-Gießen 47,55 Mtr.
100°Meter-Hürdei, lans: Gaukel-Heldelberg 22 Sekunden, salomon-Gießen 23:4 Sek-, Müller-Marburg 25:1 Sek.
500-Pteter-Datier laus: Philipp - Marburg 5:7:7 Sek.. Lchulz-Marburg 5 :13 : 6 Sek, Wagest er-Gießen 5:16 Sek.
Die Ergebnisse des Faustballspieles sind noch nicht berechnet.
Unter einein ungünstigen Stern standen die Tennis kämpfe, denn den drei hiesigen Vertretern hatte bedanerlicherweise erst in den letzten Tagen ein richtig abgemessener Tennisplatz zur Per fügung gestanden, so daß es ihnen unmöglich gciveleit war, sich richtig einzuspielen. Demgemäß fielen sie beim Wettkampf aus Im Einzelspiel siegte die Grnvvo Darmstadl >E. Lichtenstein und H Kurz), im Doppeliviel dieselbe. Als bester Spieler ging E. Lichtenstein aus dem Wettkampf hervor. (Näheres Ttorgcn).
Der Großherzog, der au den einzelnen Kämpfen lebbaiten Anteil genommen hatte, verlieb den Festplatz gegen ’/47 Uhr. Tic Verteilung der Preise, die in einfachen Eichenkränzen mit rotweißen Schleifen bestanden, nahm gegen '/,8 Uhr der Rektor, Prof. Tr. Eck vor und dankte dann allen, die an den Vorberei- hmgen und der Durchführung der Veranstaltung mitgewirkt batten. Prof. Mitt er ineier dankte asten Mitkämpfern und auch Herrn Bichl er, der sich durch die Ueberlassuna des Platzes ein großes Verdienst erworben habe.
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in- Akademischer Sportbunb. Den: diesjährige ordentliche Bundestag des akademischen Sportbundcs fand anläßlich der Hochschulwettlämpse Samstag vormittag im Hotel Groß Herzog von .Hessen in Gießen statt. Der Landesfürst batte das Protektorat übernommen. Ten ^örberem bes Buntes, bem itaifer, bem Kronprinzen unb bem Großherzog, wurden Teniftclegrammc geschickt. Als .Hochschullehrer begrüßte Pros. Tr. Körte- Gießen die Erschienenen unb wünschte den Bestrebungen der ftubicrenben Jugend twllen Erfolg. Amvesenb waren Vertreter von Berlin, Eharlottenburg, Danzig, Leiptzig, Hannover, Darmstadt, Heidel berg, München, Marburg und Gießen. Ans dem Jahresbericht des Vorsitzenden, Dr. meb. Malkwitz- Berlin, war zu entnehmen, baß bic Beziehungen zu ben großen Stortverländen äußerst gute gewoeden sind, ferner die Behörden Unterstützungerr in reichem Maße zu Teil werden ließen. Für größere Sttftungen komtke der Vorsitzende danken, besonders dem Groß Herzog von Hessen. Einen großen Beitrag hat das PreußischcKriegs- Ministerium in Aussicht gestellt. .Hervorgehoben nnirde noch die rege Teilnahme der großen Stüdenkenverbände, wie Bursckien f(haften, Turnerschaiten nsw. Hingttviesen wrrrde auch ans die sportliche Betätigung einiger Prin^n, werter auf die Fußballwettkämpfe ,'Mischen Gardeoffrzieren und Dursck>enschasten in Berlin. Der bisherige Vorstand nnirbe nach Entlastung wiedergewählt mit der Geschäftsstelle Berlin. Für die Sportarten Fußball, Leichtathletik, .Hockey, Tennis, Schwimmen, Schiläufen usw. sollen Einzel-Ausschüsse gebildet werden. Ein Antrag Leipzigs, die Hockenmeister fchoft durch reprüseitlattve Hochschsklmannschaften auszutragen, wurde abgelehnt: ein Antrag Mallwitz, sich an dem Deutschen Turnfest in L-ipzig zu beteiligen, angenommen. Die weiteren Verhandlungen besagen sich auf die innere Organisation des Bundes. — Abends hielt Dr. Mallwitz einen Vortrag in der Aula, wo er seine Ausführungen tont Vormittag vor einem breiteren Kreise wiederholte.
2811$ Stadt und (FattOe
Gießen, 30. Juni 1913.
** Tageskalender. Trinker-Fürsorge st eile für Stadt und Landkreis Gießen, «ließen Asterweg 9. Sprechstunde jeden Dienstag abend 6'/2—8 Uhr.
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• • Landwirtschaftliche Studienreise. Die von der Landwirtschaflskammer für das Großherzogtmn Hessen für dieses Jahr in Aussicht genommene landwirtschaftliche Studienreise nach Hannover und Oldenburg hat großes Interesse gefunden, weshalb die ursprünglich vorgesehene Teilnehmerzahl erhöht werden mußte. 42 hessische Landwirte werden sich an der Reise beteiligen und haben Sonntag, den 29. Juni unter Führung des Sekretärs der Landwirtschafts- fammer, Dr. Hamann, die Reise angetreten.
" Die hiesige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz hält am 20. Juli ihre diesjährige Haupt Übung ab. Die Hebung beginnt mit dem Ausladen eines Ver- wllndetentransportes am Ausladegeleise hinter der Anatomie, zll welchem Zwecke die Eisenbahndirektion mehrere Wagen zur Versügling stellt. Die angeblich Verwundeten werden in ein in der Rahe oiifgeschlagenes Zelt gebracht, wo die Verbände uachgesehen und Erfrischlingeu gereicht werden. Von hier erfolgt der Transport zur alten Klinik, die von der Stadt zu dieser Hebung zur Verfügung gestellt worden ist. 91 n die Ucbuna, an der auch die Zweigkolonne Klein-Linden teilnimmt, schließt sich eine Kritik durch ben Inspekteur der Hess, trenn. Sanitätskolonnen Generalarzt Tr. Lindemann an.
• • Die hessischen Obstbautechniker tagten am Freitag in der Hessischen Landwirtschastskammer zu Darmstadt unter Vorsitz des 2. Vorsitzenden Abg. Bähr. Ten Hauptberatungsgegenstand bildete die Frage wegen Herausgabe einer gemeinsamen Zeitschrift. Ein Ausschuß soll sich mit den vorbereitenden Schritten beschäftigen.
Lanstkreis Gießen.
Wieseck, 30. Juni. Morgen begeht der Lehrer Heinrich Toll hier den Tag, an bem er vor 25 Jahren sein Amt in unserer Gemeinde anirat, und gleichzeitig die 40jährige Wiederkehr des Tages, seitdem er überhaupt im Jnteresie der Jugendbildung in Hessen wirkt. Lehrer Döll, der als Land- wirtssohn in Geiß-Nidda geboren ist, begann seine Lehrerlaufbahn in Ober-Gleen, ftr. Alsfeld, wurde nach zweijähriger Tätigkeit nach Homberg a. d. Ohm versetzt, wo er 13 Jahre wirkte, um dann in Wieseck feine zweite Heimat zu finden. Sein Wirken in der Gemeinde war von reichem Segen begleitet unb eine große Anzahl der Erwachsenen in unserem Dorfe bat bei dem Jubilar Tüchtiges für das praktische Leben erlernt und sie hängt darum in Liebe und Verehrung an ihrem alten Lehrer. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, auch fein goldenes Dienstjubiläum hier zu begehen.
n -. Lauter, 28. Juni. Der von bem Blitz stark beschädigte hohe Schornstein des Schlörbschen Appretur-
Geschäfts, besten oberer Teil sich auf die Seite geneigt halte, ist nun wieder hergestellt worden. Jnterestant ist hierbei, daß der Schornstein mit einem Blitzableiter versehen war, daß es aber auf der anderen Seite des Schornsteins eingeschlagen halte. Ein Mann, der von der Außenseite den Schornstein ersteigen mußte, hat die Ausrichtung besorgt.
Kreis Büdingen.
□ Bleichenbach, 28. Ium. Im Schlafe verschluckte heute nacht der Metzger T. L. zwei mit einem Kautschlikband verbundene künstliche Zähne der oberen Kinnlade. Ein schleunigst gerufener Arzt ordnete die sofortige Ucberfübnmg in die Klinik nach Gießen an. Die Zähne haben sich an der Verzweigung der Speise» und Luftröhre festgesetzt.
Kreis Friedberg.
Butzbach, 29. Juni. Der hiesige Kaufmann H. schoß sich eine ftugcl in den Kopf und schwebt in Lebensgefahr. Die Konkurrenz der Warenhäuser soll dem Manne schwere geschäftliche Sorgen gemacht haben, so daß er Hand an sich legte.
A Ober-RoSbach, 29. Juni. Ein Schaden von über 100 000 Mk. ist den Obstzüchtern diese? Jahr durch die scharsen Llprilfröste entstanden. Tie sonst so ergiebige Kirschenerntc ist sehr gering, die Bäume tragen nur vereinzelte Früchte.
Starkenburg und Rheinhessen.
rb. Darmstadt, 27. Juni. Der große Zug der Deutsch- Amerikaner ist heule abend aus seiner Rundsahrt durch ba>3 Teutsck»e Reich über Karlsruhe, Heidelberg und Worms in Tarrn- stabt eingetroffen und hat auch hier .ft-ubel uno Begeisterung erzeugt. Am .Hauptbahnhof hatten sich abends 7 Uhr Tausende zum Empfang der Gäste eingesunden. Die Regiment: kapelle des Leibgarberegiments unb der tausendstimmige Hurraruf der “.Wenge begrüßte die »n kommen den auf bas herzlichste unb b/inn hielt Bürgermeister Müller eine kurze Demillkommnungsanspr.iche, die mit einem breifachen Hoch auf bie Hessen Darmstädter schloß, worauf bie Musik TeutscAanb, TcutfcUanb über Alles spielte. Für diese Huldigung dankte der Präsident des beulsch-amerikaniscl^nt iBereins, Herr Gerhard, mit einem dreifachen Hoch aller Deutsch-Amerikaner auf Darmstadt sJ?ad)bcni das Töchterclren des Bürgermeisters der Gattin des Führers der Gesellschaft, ftrau Feldmann, mit einem poetischen Willkommensgruß einen prächtigen fltohmftrauf1. überreich:, dankte diese und überreiche einen: Halsschmurk zur Erinnerung. Tann fuhren bic Gäste unter ben begeisterten Hurrarufen der Menge in festlich gesäpnückten Wagen der „Elektrischen" in bie Stadt, mv ihnen in ben städtischen! Ausstellungsräumen auf bet Künstlerkolonie ein festlicher unb herzlickier Empfang bereitet wurde. Auch hier hielt Bürgermeister Müller an Stelle des auf Tienstreifen befinblickxnr Oberlmrgermeisters. eine l-erzliche Ansprache, in der er der Sympathie und Freude über den denkwürdigen Besuch Ausdwuck gab, und mit einem dreifachen Hoch auf den Präsidenten der Bereinigren: Staaten, den Kaiser und das Großher.-ogspaar schloß. Auch hier fand der Vorsitzende des amerifanifdjen Volksvereins, Herr Gerhard, wieder herzliche Worte des Tankes, die mit einem Hoch auf das gastfreundliche Darm stabt schlossen. Später hielt Prof. Dr. A. E. B e r g e r eine gehaltvolle Festansprache namens des deutschen Sprachvereins, in der deutsches Wesen unb deutsche Gesinnung gefeiert wurde und daran schlossen sich im geselligen Teil noch poettsche Borträge in Tarmstädter Mundart des bekannten Lokal- Poeten Robert Schneider, Gesänge des Hoftheater--Bokal-Quar- tetts Indorf und zahlreiche musikalische Vorträge an. Erst um bic Mitternachtsstunbe schieden bic si>mpathisck-en Gäste von der Feststätte, um am Samstag frischgestärkt ber Aubienz beim Groß- lterzvg unb ber Großherzogin und den verschiedenen anbeweitigen Veranstaltungen beiwohnen zu können.
vermischte».
* Verkannter Tvphus. Tie Antikurvfuscherei-Kommis- sion bes Aerztlichen Vereins Frankfurt a. M. gibt in der Frankfurter Aerzte-Korrespondenz folgenden Fall von Kurpfuscherei bekannt. Ein Wirt in einem Vororte kam am 1 > Mai zu dem „Heilkundigen" Miller ans Kesselstabt wegen Leibweh. Turch die Augendiagnose" stellte Miller Gallengries fest und verordnete eine Tinktur und einen reichlich Sennesblätter cntbaltenben Tee. Rach ber Heimkehr klagte ber Wirt über Kopfioeh, fieberte unb phantasierte. Auf bie verordnete Kur hin trat Erbrechen und starke Diarrhöe ein. Nach drei Tagen wurde der Zustand bedenklich, so daß ber Wirt bem Miller telephonieren ließ, der erst am nächsten Tage kam. An biciem Tage war bas Befinden außerordentlich schlecht. Trotzdem fand Miller alles ganz in Ordnung und erflärte wiederum auf Grund ber „Augendiagnose", der Gries müsse weggehen, bann würbe alles gut werden: der Patient falle nur weiter bie Kur genau befolgen. Zwei Tage darauf wurde der Arzt gerufen, ber ben Patienten hoch fiebernb, phantasieren!) mit schlechtem Pulse und in großer Schwäche vorsand. Es beftanben erbsenbreiartige Darmentleerungen. Der Arzt stellte sofort bie Diagnose „Dvphus" und veranlaßte am gleichen Tage bie lieberfübrung in das Krankenhaus. Dort wurde bie Diagnose bakteriologisch unb serologisch bestätigt. Ter Patient ist in ber Nacht vom 31. Mai 3um 1. Juni gestorben.
* lieber bie Tätigkeit ber Schweißbrüsen. Tr. E. Kit t/t einer - W ü r z b u r g hat Versuche über bie Tätigkeit der Schweißdrüsen angestellt und babei gefunden, baß der un- befieibete Körper nur halb so viel Schweiß abfonbert als ber be» fleibete. Eine Gewöhnung ber Trüse an Hitze und eine damit verbundene Abnahme der Schweißabsonderung ließ sich nachweisen. Erwärmt man nur einen Körperteil genügend stark, so kommt es doch zur Schweißabsonderung am ganzen Körper.
kf. Silberfuchs-Farmen Zu den kostbarsten Pelzen gehören die aus bem nördlichen Kanada stammenden, ausgewählten Silberfuchs-Felle Unter einer Million gefangener Tiere sind vielleicht zwei oder drei, bereu Farbe ben Anforderungen entspricht, bie man im allgemeinen in Pelzwarenhanblungen stellt. Für biefe seltenen Felle zahlt man dann allerdings auch Preise, bie für ben gewöhnlichen Sterblichen unerschwingliche sind: in Lonbon gilt ein blauschwarzes Eremplar mit (Überglänzenben Haaren gegen 600 Pfirnb Sterling (= 12 000 Mark Nun ist es gelungen, bie Silberfüchse auf ber Prinz-Ebwarb-Insel in Farmen zu züchten. Lange blieb biefe Tatsache ein lenge gehütetes Geschäftsgeheimnis, bock vergrößerte sich die Zahl der Züchtereien mit jedem Jahr. Heute bestehen etwa hundert mit je zwanzig Pärchen besetzte Drart- netzställe, wahre Golbgruben für bie Besitzer. Hier werden bie Tiere mit Fleisch, Hundekuchen unb Zwieback gefüttert, auch Magermilch wird gereicht. Hm bie Felle nicht zu beschädigen, wer. ii die Tiere, sobald sie herangewachsen sind, mit Chloroform tütet. Doch ist man natürlich stets auf genügenden Nachwuchs bedacht. Trinkt Sanitätskraftbier! Giessener Brauhaus, A. & W. Denninghoft 1355U


