Ausgabe 
31.7.1913 Erstes Blatt
 
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t o t.

Hitze

Puck

um au§

Märkte.

L. Friedberg, 30. Juli. Ter heutige Diehmarkt war so stark bejurht, wie in längeren Jahren nicht. Wagen reihte sich an Wagen, lieber 1500 Schweine waren ausgestellt, lauter schöne und gesunde Tiere. Der Däuser waren viele erschienen. Fast alle Tiere wurden verkauft und um 12 Uhr war der Markt aufgeräumt. Die Preise ivnien höher wie bei >en vorhergehenden Märkten. Einige Wochen alte Ferkel kosteten 50 Mk, Lauser kamen aus 60 Mk. da? Paar und Springer aus 70 Mk. zu stehen. Der Gemüse- und Blumenmarkt war reichlich beschickt, ebenso war viel O bst, besonders Beerenobst, zur Stelle.

und Gewitter in Amerika. Aus New

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffcntlicher Wetterdienst, Gießen.

Wetteraussichten in Hessen llir Freitag, den 1. August 1913; Meist heiter, trocken, warm, Gewitter.

Der ordentl. Professor der englischen Philologie an der Universität Heidelberg Geh. Hosrat Dr. Johannes Hoops, der einen Rui nach Wien als Nachfolger Schippers abgelehut hat, rouebe zum Geheimen Rat ernannt.

unbekannter Ursache ein Feuer aus, das rasch um sich griff und die Scheuer und das Wohnhaus des Schreinermeisters, sowie eine Nachbarscheuer in Asche legte. Zum Glück war die Wismarer und die Krofdorfer Feuerwehr rasch zur Stelle, sonst wäre die ganze Häuserreihe abgebrannt. Der Schaden ist teilweise durch Versicherung gedeckt. DaS Vieh konnte gerettet werden.

s. LaunSba ch, 30. Juli. Gestern nachmittag 1 Ubr brach in der Scheuer des SchreinermeisterS Strack

Hessen-Nassau.

ck>. Rüdesheim, 30. Juli. In der heutigen Stadt­verordnetenversammlung lag ein Antrag des Magistrats zur Bewilligung von 5000 AM. für die Herstellung eines Projektes zur Verlegung der Eisenbahngeleise hinter die Stadt vor. Ein aus Stadtverordneten und Mdqistratsmit- gliedern bestehender Ausschuß befürwortete diesen Antrag. In längerer Ausführung tvnrbc er vom Bürgermeister be­gründet. Nach längerer Aussprache bewilligte die Versamm­lung einstimmig die geforderte Summe.

ch. G e i s c n lj e i m, 30. Juli. Ter Weingutsbesitzer Bur­gess verkaufte ein Halbstück 1911er zum Stückpreise von 13 600 Mk. und ein Viertelstück Beerenauslese des gleichen Jahrganges zum Stückpreise vvn 20000 Mk.

h. Usingen, 30. Juli. Während der Bahnfahrt von Weil- münfter nach hier wurden denr fünfjährigen Sohne des Arbeiters R-inhardt aus Anspach durch eine zuschlagendc Wagentür die Finger einer Hand vollständig abgequetscht.

h. Sindlingen, 30. Juli. Für eine Kanalisation hatte die Gemeinde die Ausnahme einer Anleihe von 200 000 Mark beschlossen, dasKapital beiverschiedenen Banken und Svarkasien abernicht erhalten können. Numnehr hat sich unser Mitbürger, Herr von Meiste erboten, die Summe von 100000 Mark qeaen einen mäßigen Zins­satz und eine angemessene Tilgung der Gemeinde zur Verfügung zu stellen.

heute mittag dcr Ingenieur, der Samstag 11,17 Uhr von Frankfurt nach Sprendlingen fuhr, eingehend.auf der hiesigen Staatsanwaltschaft Demommen.

jSar noch die Pferde unter der einen Schranke durch» jedoch auf dem Bahnkörper sestgehalteu, da die Schranke zwischen den Pferden und dem Wagen medergegaugen war. Zum Glück hatte der Bahn­wärter den Vorfall bemerkt und er konnte die Schranke noch rechtzeitig hochziehen.

Kreis Friedberg.

# Friedberg, 30. Juli. Die Erd- und Maurerarbeiten Dum Kasernen-^ceuban in unserer Stadt sind durch einen engeren Wettbewerb nur leistungsfähiger Unternehmer zu vergeben beschlossen worden. Die heute eröffneten Angebote ergaben: Th. Mörschel- Friedberg 125 885 Mk., Heinrich Reuß-Friedberg 126908 Mk., £ Hausmann-Mainz 132466 Mk., H. W. Rinn-Gießen 134 030 Mk., Georg Müller-Wetzlar 135445 Mk-, Hellmann L Eo.-Frankfurt a. Di. 144 284 Mk. Es ist hocherfreulich, daß einer unserer Friedberger Unternehmer, da beide die Mindestfordernden sind, den Bau über­tragen erhalten wird.

Bad-Nauheim, 30. Juli. Vor den hier weilenden . amerikanischen Aerzten hielt heute vormittag Prosesfor Schölt einen Vortrag über die Sprudel und Quellen auf dem Spritbel- hof, an den sich ein Rundgang durch die Badeanlagen an- schloß. Um 12l/2 Uhr fand im Kurhaussaal ein Esten statt, bei welchem Oberst v. Frankenberg eine Ansprache hielt, die vom Präsidenten Dr. Gramo erividert wurde. Um 3 Uhr eriolgte die Weiterfahrt nach Homburg v. d. H wo die Teilnehmer nach ihrer Ankunft von den Herren der Medi- zinischen Gesellschaft, Oberbürgermeister Lübke und bem Stabt« nerordnetenvorsteher Rüdiger empfangen und begrüßt wurden. Nach einer Besichtigung der Kuranlagen fand im Kursaal ein Festessen statt, das die Stadt den Gästen gab.

h Vilbel, 30. Juli. Der hiesige Kohlensä urc- svrubel würbe gestern unter Führung be§ Besitzers, Herrn E. Brodt, durch den Flügeladjutanten des Kaisers, Grasen v. Rothkirch, einer eingehenden Besichtigung unterzogen.

Kreis Wetzlar.

Port wird gemeldet: Oestlich der Felsengebirge herrscht furchtbare Hitze. In Chicago starben 13 Per­sonen an Hitzschlägen. Am Mittwoch nachmittag brach in Washington ein schweres Unwetter los, das den Bahn­verkehr lahmlegte und großen Schaden anrichtete. Mehrere Regierungsgebäude wurden durch Blitzschlag beschädigt. Zahlreiche Personen sind verletzt worden.

* Ein hartherziger EinwanderungskommiH s ä r. Ein deutsches Dienstmädchen wurde kurz nach ihrer An­kunft aut der amerikanischen Einwandererstotion in Ellis Is­land Mutter eines ft naben. Ta ihr der Trauschein fehlte, ver­fügte die Einwanderungsbehörde die zwangsweise Rücksenbnng des Mädchens. Gegen dieses Verjähren, das, wenn auch hart, so doch gesetzlich ist, ließe sich weiter nichts emwenden. Aber der merkwürdige Beamte verfügte zugleich, daß der Säugling der Mutter abgenommen und in ein amerikanisches Waisenhaus gebracht werde und daß die Mutter allein, als unmoralische Frau, zu deportieren sei. Diese empörende Geschichte veranlaßte, wie die Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum im Aus­land berichten, eine scharfe Protestbewegung unter den Deutschen Nordamerikas. Der Herausgeber der deutsch-amerikanischen Mo­natsschriftKulturträger", Ferdinand Minuth, stellte sich an die Spike dieser Protestbewegung und forderte unter Darlegung obiger Vorkommnissealle deutschen Mütter, die deutschen Kirch­gemeinden aller Bekenntnisse, alle deutschen Vereine Amerikas, lnsbesondere den deutsch amerikanischen Nationalbund auf, sich zu einem machtvollen Massenvrotest zu erheben gegen diese aller Menschenwürde und allem Gesetz spottende Handlungsweise des Einwandcrungskommissärs aus Ellis Island."

K.-K K ü nstliche Kohle. In der Berliner physikalischen Gesellschaft wurde kürzlich über Versuche zur Herstellung künstlicher Steinkohle berichtet, die recht befriedigende Ergebnisse gezeitigt haben sollen. Dian hat bei diesen Versuchen reine Zellulose unter starkem Druck hohen Temperaturen ausgesetzt. Dabei hat man, wie die Technischen Monatshefte (Franckh, Stuttgart) schreiben, eine Fettkohle erhalten, die sich von der natürlichen Fettkohle nur durch ihre Struktur unterscheidet. Ob diese Versuche je praktische Bedeutung erlangen werden, läßt sich natürlich noch nicht sagen. Zweifellos ist aber die dadurch angeschnittene Frage nach der Mög­lichkeit des Kohlenersatzes durch künstliche Kohle von hoher Be­deutung, da die natürlichen Kohlenscbätze der Erde unsren Verbrauch kaum noch ein Jahrtausend decken können, wenn es nicht gelingt, sie besser auszunntzen, als bisher.

e r m o r b e t zu haben, wurde der Metzger Hahn verhaftet. Er hat bereits ein Geständnis abgelegt und will bei Begehung der Tat durch den Schriftsetzer Völker unterstützt sein. Dieser ist noch nicht ergriffen worden. Beide stehen auch in dem Verdachte, einen Mordversuch an einen Pfarrer in Nieder-Pleis begangen zn haben. Aus Hamburg wird gemeldet: Im April 1909 wurde die bei dem Fleischer S ch n e l l s e n bedienstete Minna Timm ermordet aufgefunden. Jetzt ist es der Polizei ge­lungen, als ihren Mörder den 23 Jahre alten Maurer Arthur E r n ft aus Altona zu verhaften.

* ImDicn st n c fl o r b e n. Ans Nenham m e r (Schlesiens ivird gemeldet: Als^ der Kommandeur des 58. Infanterie-Regiments Oberst Bode die Front abritt, erlitt er einen Herzschlag und war sofort tot.

3um Raubmord im Lisenbahnzuge.

Die Staatsanwaltschaft in Darmstadt erläßt jetzt ein zweite? Ausschreibeu, nach bem ber vermutliche Täter am Samstag nach­mittag zwischen 6 und 7 Uhr bie bem ermorbeteir Brechuer ge­hörende Uhr mit Kette in der Psandhausnebenstelle von Ambrosius in Frankfurt, Holzgraben 11, versetzt hat. Tas goldene Herzchen fehlt, anscheinend hat es der Täter verschenkt. Die Pfandhausnummer ist 94153, die der Nebenstelle 115 983. Aus das Pfand wurden 30 Mk. gegeben. Tie Person, die die Uhr versetzte, gab den Namen Wil­helm Koch, Mainzerlandstraße 116 iit Frankfurt an und wird be­schrieben: 28 bis 30 Jahre alt, 1,60 bis 1,62 Meter groß, blasses, schmales Gesicht, wahrscheinlich mit kleinem dunklen Schnurr­bart, dunklem Anzug, mittelmäßig gut gekleidet, möglicherweise weichem schwarzem Filzhut, wahrscheinlich blondes Haar, bas un­ordentlich gescheitelt ist. Es würbe dann sestgestellt, baß ein Wilhelm Koch vor etwa zwei Jahren in bem Hause Mainzer- landstraße 116 bei einem angeblichen Bauunternehmer Wilhelm Kraft gewohnt hat. Tas sehlenbe Herzchen ist nicht versetzt. Wahr­scheinlich hat ber Täter den um 11,17 Uhr in Frankfurt abgehenben Zug zur Fahrt nach Sprenblingen benutzt unb sich am bärtigen Bahnhof dis zur Abfahrt des nächsten Zuges 12,05 Uhr Herum­getrieben.

Nach den Mitteilungen eines Ingenieurs, ber am Samstag mit dem Personenzug 11,17 Uhr von Frankfurt abfuhr, an die Frankfurter Polizei, fiel biesem aus dem Bahnsteig im Frankfurter Lauptbahnhos ein unstet nmhergehender Mann auf, der erst im letzten Augenblick das Abteil 2. Klaffe aufsuchte, in dem der Ingenieur saß. Die Frankfurter Kriminalpolizei gibt noch besten Angaben folgenbe Beschreibung des Täters: 22 bis 23 Jahre alt, 1,63 Meter groß, mittlere Figur, blonbes nnd gescheiteltes Kopfhaar, keinen ober nurAnflug von Schnurrbart,bunklen Anzug, weißenTeckel- slrohhut, schmutzige Manschetten. Der Unbekannte trug einen in Zeitungspapier gewickelten Gegenstanb, anscheinend ein Beil. Das Paket war etwa 40 Zentimeter lang, 6 Zentimeter dick, an einem Ende 20 Zentimeter, am andern 10 Zentimeter breit. Der verdächtige Mann verließ mit bem Ingenieur, auf ben er wahrscheinlich eben­falls ein Attentat beabsichtigt hatte, in Sprendlingen den Wagen und hat sich dann nach den Ermittelungen bei den Bahnbeamten einige Zeit unschlüssig auf dem Bahnsteig aufgehalten. Eine halbe Stunde später ist er mit dem Zug 12,05 Uhr in ber Richtung nach Darmstadt weitergefahren. Tie Frankfurter unb bie Offenbacher Kriminalbeamten sind eifrig bemüht, den Spuren des Verbrechers zu folgen.

Obgleich die Frankfurter Polizeibehörden die größten An­strengungen machen, um des Eifeubahnmörders, das heißt des Mannes, der am Samstag nachmittag Brechners Uhr mit Kette in einem Frankfurter Pfandleihgeschäst versetzt hat, habhaft zu werben, sinb bie Bemühungen bis jetzt erfolglos geblieben. Infolge der Veröffentlichung des Signalements des mutmaß­lichen Täters sind bei der Polizei vielfach Anzeigen eingelaufen. Man ist sorgsam jeder Spur nachgegangen, aber ohne Resultat Die Bahnhöfe werden aufs strengste überwacht, unb es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß sich ber Mürber noch in Frankfurt aushält, es müßte denn fein, daß er bie Stabt kurze Zeit nach bem Versatz der Uhr verlaßen hat. - Im Laufe bes gestrigen Tages wurden von ber Kriminalpolizei Spuren und Anh al tsp unkte gesunden, die vielleicht auf bie Fährte des Raubmörders führen Ter Staatsanwaltsckaft gehen unausgesetzt anonyme Anzeigen und Mitteilungen von Wahrnehmungen in dieser Sache zu, die aber noch meist ohne Bedeutung waren. Gestern wurde m ber Volks­lesehalle ein stellenloer Mann verhaftet, nach einer Konfron­tierung mit dem Frankfurter Psanbverlecher wieder entlaffen, unb

gaben Unbekannte gegen den Staatsanwaltsgehilfen Tkatsckeff, den Untersuchungsrichter Drocharosf unb ben Kreischet Blau, bie bei- einanber standen, Schüsse ab. Blau wurde getötet, die beiden anderen leicht verletzt

* Automobilunfall. Aus Görlitz, 30. Juli, wird gemeldet: Auf ber Chaussee zwischen Markersdorf imb Schlauroth verunglückte an mit vier Personen besetztes Automobil, indem es gegen einen Baum fuhr. Ter Kaufmann Otto Schimpf, Miv- Inhaber ber ftognaffabriF von Bähr, wurde getötet. Eine Kell nc- r i n erlitt einen Armbruch.

' Mordtat. AuS Aachen wird gemeldet: In St. GilleS drang ein 16 Jahre alter Arbeiter in bie Wohnung einer 80Jahre alten Rentnerin unb tötete sie, inbenx er ihr diePulSabern an'fchnitt. Al? er mit bem Gelbe ber Ermordeten fliehe» wollte, wurde er von seinem Vater überrascht, dem er mehrere Stiche in die Brust versetzte und sprang bann burdi daS Glasdach auf den Hof hinunter, wo er schwerverletzt liegen blieb.

*|9Rorbtatcn. Aus M. - G la bba ch wird gemeldet: Unter bau Verdachte, vor einem Monat bie Haushälterin Marte

Gießener Strafkammer.

cm m . Gießen, 29. Juli.

L9Beihilfe zu gewerbsmäßigem Glückspiel wurve A. E. Br. von Mannheim verurteilr. Im vorigen Oktober wurde eine Ralfe von Personen von der hiesigen Ltraftämmer uemirteift, weil sie sogenannte Spielautomaten in Wirtsck-oftcm "ud anderen eigens hierzu gemieteten, dem Publikum zugäng­lichen Räumlichkeiten zur allgemeinen Benutzung aufgestellt und io aus bem Gliicksspiel an Gewerbe gemacht hatten.' Es wurde damals wie auch in ber jetzigen BerHandlung wiederum fest- geitollt, daß es nur auf Zufall zurückzusülwcn ist, nx-nn ber von bem Spieler in den Apparat geschnellte Nickel eine solche Flugbahn Nimmt, daß er in ein Gervinnloch fällt unb so die selbsttätige Ge- nnnnauszahlung auslöft. Die ganze Einrichtung der s'lpparatc, z. B. besonder ungen an dem Rande der möglichst klein gehaltenen Gowinnlöcl er, läßt sogar das Besneben er rennen, Ge- romnnrihlc tunlichst ausz-ufä-ließen. In jener Vertändlung hatte Uch auch ein gewisser L. zu verantworten, gegen den aber bie Strafverfolgung damals für unzulässig erklär! wurde, weil er be­reits wogen der damals zur Aburteilung stehenden Tat andcrwmt als mitDerurteiU anzusohen war. Diesem L. soll nun Br., gegen den damals nicht vcrl-andolt werben lonnte, durch Rat unb Tat wissentlich Beihilfe geleistet haben, indem er für ifyi das Mieten der Lokale unb das Aufftcllcn ber Apparate besorgte, auch den -Lpielbetrieb leitete, ba» von ben Spielern verlorene Gelb den Automaten entnahm und es an L. ablieferte. Dr. wurde durch die Verhandlung dieser Beihilfe überführt. Urteil: 2 Tage Ge­fängnis.

Vertagung

mußte in einer Sache gegen drei Angeklagte wegen Freiheits­beraubung ufn>. etntrefen, da ein Zeuge, auf ben die Verteidigung Nicht verzichten konnte, nicht ersäfienon war. Di der Zeug'ein Tele­gramm geschickt hat, er sei geschäftlich verhindert, eine sonstige einigermaßen ausreichende Begründung seines Nichterscheinens aber nicht vorgebracht hat, wirb er in eine Ordnungsstrafe von 10 Ml. unb in bie nicht unbeträchtlichen Kosten des heutigen Termins genommen.

Freigespro chen

wurde ein Standesbeamter von Ö. a. b. N. Er soll eine Ehe vollzogen haben, ohne hierzu zuftänbfa gewesen zu sein ober bie Ermächtigung bes zuständigen Standesbeamten besessen zu haben. ~IC Beweisaufnahme ergab, baß zwar bei ben Allsgcbotsverhalio- lungcn Braut unb Bräutigam auswärtige Orte als Wohnsitz an­gegeben hatten, daß aber tatsächlich ber Briiurigcrm seinen Wohn- sltz, ben er im Bezirk des angeklagten Stanbcsbcamton gehabt hatte, damals unb auch zur Zeit der Eheschließung noch nicht anr gegeben hatte, sich in B. N. vielmehr nur vorübergehend als Saisonarbeiter ausgehalten hat. Der amtierende Stairbes- beamte war also tatsächlich zuständig gewesen.

Rückfalldiebstahl.

-ter Zimmermann W. Schm, ist in eine Wirtschaft cingetreten und hat, bn längere Zeit niemand in das Zimmer kam, ber Ver­lachung nicht wiberstehen können, seine geringen Barmittel von etwa 7 Pfennigen burch einen Griff in bie unverschlossene Geld- ich'.iblade um etwa 20 Pfennige zu vermehren. Es liegt Rückfall üor; unter Zubilligung milbernbcr Umstände wurde auf die Min­deststrafe von 3 Monaten Gefängnis erl'annt, auf welche sieben Wochen Untersuchungshaft angerechnet wurden.

Unerquickliche Zustände

bestehen seit dem Weggang des alten erfahrenen Lehrers in der kleinen Landgemeinde M. Tie Forlbildungsscküler wollten es onenbar auf eine Kraftprobe mit dem neuen, erst 24 Jahre alten Lehrer anfommen lassen unb benahmen sich in einer aller Schul- Afast hohnsprechenben Weise, so daß von dem Lehrer sowie von dem Pfarrer als Vorsitzenbin bes Schulvorstandes wiederholt mit stten- geren Strafen cingeschrilten werben mußte. Ermahnungen fruch­teten überhaupt nichts mehr. Die Untersuchungen verliefen mehr­fach deshalb erfolglos, weil bie Sdnilcr einfach leugneten. Ein beionders graoierenber Falt, bei welchem bie Ueberftihrung meh­rerer Schüler durch bas von,ihnen bcläftigtc unb tätlich ange­griffene Dienstmädchen des Pfarrers möglich war, gab zu einer neuen Untersuchung Anlaß, bie ber Pfarrer in Gegenwart des Lehrers vornahm. Hierbei leugneten mehrere Schüler', die von bevi^llräbchen bestimmt bezeichnet werden konnten, hartnäckig alles ab. ^er Pfarrer gab deshalb jedem dieser Schüler, in dem Glauben brerzu berechtigt zu sein, eine Ohrfeige, was dann auch die Folge hatte, daß, bie Wahrheit gestanden wurde. Erst nach längerer Zeit wurde gegen ben Pfarrer wegen ber Ohrfeigen Anzeige er­stattet. Das Gericht führte aus, baß die körperliche Züchtiaung von Fortbilbungssck'ülern durch besondere Anordnung in Aus­führung des Schulgesetzes verboten sei, diese Aworommg als" als Gesetz tn Anwendung zu kommen habe, ihre Berechtigung infolge­dessen nickt zu prüfen sei unb wegen Vergehens im Amt nach § 340 StGB, auf Strafe habe erkannt werben müssen. Es habe sich nur um die Höhe ber Strafe hanbeln können: dabei sei zu berücksichtigen gewesen, baß ber Pfarrer rein menschlich unb vom Standpunkt des Erziehers betrachtet, eigentlich im Recht gewesen sei, und dem sei dadurch Ausdruck verliehen worben, daß auf die geringftzutässige Strafe von 3 Mk. erkannt worden sei. Zugleich drückte das Gericht fein Bedauern darüber aus, daß ein Pfarrer in einem Fall, wie dem vorliegenden, infolge Gehässigkeit in feiner Gemeinde gezwungen gewesen sei, vor ben Schranken des Gerichts zu erscheinen.

vermischte».

Eine kühne Bergsteigerin. Eine Berlinerin Elise Ulrich, bestieg bei herrlichem Wetter, jedoch unter schwierigen Verhältnissen, als erste Dame in diesem Jahre bas Matterhorn.

* Hagelschlag vernichtete nach einer Meldung aus Innsbruck im Sarcatale in wenigen Minuten fast die ganze Obsternte. Der Schaden wird amtlich auf eine Million Kronen geschätzt.

* Ue&er 100 000 Mark unterschlagen. Aus Mann­heim, 30. Juli, wird gemeldet: Wie dieNeue Badische Landes­zeitung" erfährt, hat ber bei ber Getreidegroßfirma Gebe. Zim­mern angeftellt gewesene Buchhalrer Mayer bereits vor einigen Wochen ein Geständnis abgelegt, wonach er im Laufe ber letzten Jahre mehr als 100 000 Mark burch Unterschlagung von Ehcks veruntreut habe. Von ben unterschlagenen Geldern hat Mayer sich in Mannheim ein Haus unb in der Nähe ein kleines Gut ge­kauft unb sich an einer Druckerei "beteiligt.

^Verbäcktige Rechtsanwälte. Auf Veranlassung ber Berliner Staatsanwaltschaft würben bei mehreren jüngeren Rechtsanwälten Haussuchungen pvrgenommen, ba der dringende Verbackt beiteht, baß sie für Referendare gegen Entgelt bereu schriftliche Arbeiten zum Assesso re rr-Er amen an- ferttgen.

Zu bem Eisenbahnunglück in Jütland. Aus Hamburg wirb gemeloet: Von ben am 29. b M. als Sonber- ?ug abgegangenen 4 dänischen Wagen mit ben Leichen der bciitfcben Opier^bes Enenbahnunglücks aus Jütland, ist ein Wagen zur Uebersührung nach Nürnberg, ein anderer zur Uckrerjührung nach Leidig hier angekommen. Ter dritte wurde an den Berliner Zug angehängk. Der vierte Wagen wurde in ber Nacht nach bem ynebtof Ohlsdorf übergeführt. Er enthielt bie Leiche bes Kaufmanns Krause, bes Mitinhabers ber Berliner Seidenfirma Krame u. Co.

,«.* °"f einem Bahnhof. Aus Tiflis, 30. Juli,

meldet ein Privattelegramm: Auf dem Bahnhofe der Stadt Gorj

Letzte Hacbricbten.

-1. Bingenheim, 31. Juli. Gestern abend gab ber 24jährige Heinrich Kaufmann auf bie 20jährige Minna Schwab aus Eifersucht biet Schüsse ab, von benen zwei bas Mäbchen trafen. Darnach feuerte Kaufmann auf sich selbst einen Schuß ab, an besten Folgen er im Friebberger Krankenhaus ge­storben ist. Das Mädchen, ba§ ebenfalls ins Friedberger Krankenhaus gebracht wurde, ist nicht lebensgefährlich verletzt.

-1 Düdelsheim, 31. Juli. Der Maurer Jakobi, »er im vergangenen Jahr Frau unb Kinb verloren hat, ist bei Ausbesserungsarbeiten in einer Scheuer gestürzt und hat sich so schwer verletzt, daß er bald darnach starb.

-1 Lauterbach, 31. Juli. Der Bahnwärter Friedel riß ein 4 jähriges Bübchen vor einem bis auf etwa 4 Meter herangelommenen Personenzug hinweg und rettete dem Kind o mit eigener Lebensgefahr bas Leben.

Mainz, 31. Juli. In der Lackfabrik von Stamm auf der Ingelheimer Aue brach Groß feuer aus, welches das Siedehaus mit 5 Kesselanlagen völlig zerstörte.

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