Ausgabe 
31.7.1913 Erstes Blatt
 
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gesunden, deren Anordnung den Grundplan der Siedlung immer klarer hervortreten lassen. Beträchtliche Reste von Topswaren be­kunden, daß vor dieser Seite des Kastells eine germanische Siedlung gelegen hat. Viele Keller zeigen noch gut ihre Bretterverschalung, und waren aus Treppen oder Rampen zugänglich. Tie unregel­mäßige Lage der Keller zueinander bezeugt, daß sie nicht bloß als unterirdische Wohnäume gedient haben können; man dars mit umso größerer Gewißheit über allen Kellern richtige Wohnhäuser, wenn auch bescheidenen Umsangs, voraussetzen, als sich dafür in der Römerstadt Nida bei Heddernheim sichere Beweise gefunden haben.

An Tiefbrunnen legte man in diesem Sommer 4 frei, die eine Tiefe von 511 Metern haben und als Ziehbrunnen ein­gerichtet waren. Durch die Auffindnng dieser Brunnen, nicht bloß Zisternen, ist auch die bisher ungelöste Frage nach der Wasser­versorgung des Kastells beantwortet worden. Die Ausgrabungen förderten wieder zahllose Fundstücke, Bronzen, Münzen, Hand- werfsgerät, darunter ausgezeichnet erhaltene Löffelbohrer, Äsen- sachen, Urnen, Topswaren, namentlich aus terra jigillata u._ v. a. ans Licht. Sämtliche Fundstücke wurden bestimmungsgemäß dem Reichs-Limes-Museum auf der Saalburg überwiesen.

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Z u Roseggers 70. Geburtstag (31. Juli) hat die Verlagsbuchhandlung L. Staackmann in Leipzig dem großen stei­rischen Volksdichter eine besondere Freude damit bereitet, daß sie 1000 gebundene Exemplare des ewigfrischenWaldschulmeister" für Armen-, Waisen-, Kranken-, Arbeits-, Gesangenhäuser, Volks­schulen und Volksbibliotheken gestiftet hat. Uebrigens hat der Dichter in Anbetracht der Erreichung des 70. Lebensjahres seine Werke einer genauen Durchsicht unterzogen und sie neu einge­teilt. Die Folge ist das gegenwärtige Erscheinen einer neuen Ausgabe derGesammelten Werke" in 40 Bänden, die im Preise äußerst nwhlseil sind.

Gerhart Hauptmann hat auf den Bericht des Gießener Anzeigers über die Vorlesung und Besprechung seines Festspieles im Alldeutschen Verband folgenden Brief an Herrn Karl Neurath gerichtet: Hochgeehrter Herr Neurath! Wärmsten Dank für den freundlichst übersandten Bericht über die FZeranstal- tung des Alldeutschen Verbandes in Gießen. Sie werden mir glauben, kwß ich solchen Ereignissen, die dazu führen, der ein­fachen Wesenheit meines Festipiels gerecht zu werden, nur mit herzlichster Genugtuung folgen kann. Uns allen muß daran liegen, daß die geistige Atmosphäre durchsichtig und rein bleibe, denn sonst kommt jedermanns Seele in Erstickungsgefahr. Nochmals aufrichtigen, herzlichsten 'Tank. Gerhart HauptmoLM.

if. Der A s p h a l t s c e a u f T r i n i d a d. Zu den wunder­barsten Schöpfungen der Natur gehört wohl der Asphaltsee auf der Insel Trinidad, aus dem schon Columbus im Jahre 1496 Asphalt entnahm, um seine Schiffe zu kalfatern. Auf Grund eigener Anschauung macht über diese Naturmerkwürdigkeit Tr. E. Graefe in derZeitschrift für angewandte Chemie" interessante Mit­teilungen. Ter See hat eine Fläche von 40 Hektar Größe; wie tief er ist, weiß man nicht, doch hat man Bohrungen bis zu 60 Metern angestellt, ohne den Grund zu erreichen. Wenige Wasseradern durchschneiden die Oberfläche; der See selbst ist so hart, daß man ungefährdet darauf gehen kann; es hört sich dann an, als ginge man über eine Asphaltstraße. Löcher, die in die Asphalt­schicht gegraben werden, füllen sich nach kurzer Zeit nach, und der See ist ständig in Bewegung. Seit beinahe einem halben Jahrhundert wird diese scheinbar unerschöpfliche Asphaltguelle tedp ui sch ausgenutzt; in dieser Zeit ist der Spiegel, wenn man die harte Oberfläche des Sees so nennen will, um etwa zwei Meter tiefer geworden, so daß eine Erschöpfung der Asphaltvorrätc in absehbarer Zeit ausgeschlossen erscheint. Gegenwärtig betreibt eine englische Gesellschaft den Abbau des Asphalts. Große Asphalt­blöcke werden mit der Hand losgehackt, zu Transportschiffen ge­bracht und von da an ihren Bestimmungsort, hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten, besörderl! Der Rohasphalt ist mit Gas­blasen durchsetzt. Es können täglich 1000 Tonnen gefördert werden, die Jahresausbeute beträgt etwa 200000 Tonnen, doch kann die Förderung bei starker Nachfrage, im Jahre bis auf 300 000 Tonnen an steigen. Zu einem geringen Teile wird der Rohasphalt an Ort und Stelle raffiniert. In der Nähe des Asphaltsees findet sich im Boden das sogenannte Trinidaserdöl, eine zähflüssige schwarz­braune Masse, die höchstwahrscheinlich die Muttersubstanz des Asphaltes ist. Für die englische Regierung ist der Besitz des Asphaltsees eine gute Einnahmequelle, denn die Gesellschaft, die den See vorläufig bis zum Jahre 1930 abbaut, bezahlt außer einer Jahrespacht von 280 000 Mark für jede Tonne Rohasphalt 5 Mk. für jede Tonne raffinierten Asphalt 7,50 Mark Ausfuhrzoll. In den Vereinigten Staaten, wo die Hauptmenge des Trinidad­asphaltes verarbeitet wird, legt man Straßendecken damit etwas anders an, als bei uns. Wahrend bei uns Guß- und Stampf­asphaltstraßen gebaut roerben, haben die Amerikaner sogenannten Walzasphalr, bei dem die Straßendecke durch Dampfwal.zen kom­primiert wird. Eine solche Walzasphaltstraße, die im Jahre 1876 angelegt worden ist, ist noch heute im Betrieb; die Unterhaltungs­kosten betragen jährlich nur 1,6 Pfennig für den Quadratmeter.

schlag der Suspensierung der Feindseligkeiten zustimmten. T o n t s ch e w , der sich dem Vorschlag anschloß, drückte den Wunsch aus, daß. alle Missionen von dem gleichen Geiste der Versöhnlichkeit beseelt sein möchten wie die Bulgaren. Tie Sitzung wurde dann unterbrochen, um den militärischen Sachverständigen Gelegenheit zu igcbcii, das Ab ko nun en über die Einstellung der Feindseligkeiten zu redigieren. Nach der Wiederausnahme der Sitzung billigte die Konferenz das Protokoll über einen W <r f f eu sti l l st a n d v o n fünf Tagen. Vier Exemplare wurden den Chefs der Missionen übergeben, damit sie an die Hauptquartiere telegraphiert würden. Alle Bevollmächtigten verzeichneten mit lebhafter Genugtuung die einmütige Zustimmung zu dem Waffen­stillstand. Tie Konferenz vertagte sich alsdann auf morgen 4 Uhr. Um 6 Uhr wurde Venizelos vom König in Audienz empfangen. Der König der.Hellenen richtete anVeui' zelos em langes Telegramm, in dem er gegen die Behaup- mngen der Bulgaren von angeblichen Grausamkeiten der Griechen gegen die Kutzowalachen protestiert und die Bul­garen der Metzeleien und Brandstiftungen beschuldigt. Ter König beruft sich dabei auf das Zeugnis der Vertreter» der ganzen auswärtigen Presse, die sich bei der griechischen Armee befänden.

Bukarest, 30. Juli. Ministerpräsident Paschitsch sprach sich dahin aus, daß die Frage von W i d d i n der Bukarester Konferenz Vorbehalten werden müsse.

Bukarest, 30. Juli. Das BlattUniversul" schreibt anläßlich der Eröffnung der Konferenz: Die Erfolge der rumänischen Wünsche stehen außer Frage, jedoch ist es insbesondere nötig, daß Rumänien den notwendigen Einfluß und Druck auf die ehemaligen Verbündeten und jetzt Kriegführenden ausübt, damit in der territorialen Frage keine überspannten Forderungen gestellt werden. Es ist von großer Bedeutung, daß Bulgarien von seinen früheren Verbündeten nicht ungerecht behandelt werde, es kann des Erfolges im ersten Teile des Krieges nicht beraubt werden, vielmehr muß man ihm in vernünf­tigen Grenzen die Möglichkeit lassen, möglichst rasch die Folgen seiner Fehler wieder gut zu machen. Tas Blatt warnt vor überspannten Forderungen irgend eines Teiles. Es sei jetzt Gelegenheit für alle beteiligten Staaten, sich der Vormundschaft der Großmächte zu entziehen.

Sofia, 30. Juli. Die Generale Paprikow und Iw aut sch ew sind uu-p -Risch zurückgekehrt. Jwantschew, welcher der bulgarischen Delegation bei der Bukarester Kon- ferenz, angehört, setzte seine Reise nach Bukarest fort.

Bukarest, 30. Juli. Anscheinend ist eine Regie­rungskrise zu gewärtigen, da die Liberalen über die allzu niedrigen Forderungen der gegenwärtigen ru­mänischen Regierung unzufrieden sind. Ein liberaler Staatsmann erklärte, es sei die Pflicht der rumänischen Negierung, auch die Abtretung der an Rumänien grenzen­den bulgarischen und serbischen Landstriche zu verlangen, in denen kompakte rumänische Massen wohnen, nämlich das Timoltal und das Widdiner Vilajet. Dagegen dürste die Türkei int Interesse des Balkangleichgcwichts nicht ganz zerschmettert werden. Rumänien würde daher gegen sein Interesse handeln, wenn es die Türkei zur Herausgabe Adri-anopels zwänge. Ter liberale Parteichef Bratianu soll von der Leitung der Partei zurückgetreten sein.

Sb u t a r ejt, 30. Juli. Die Delegierten haben beschlos­sen, über den sachlichen Inhalt ihrer Sitzungen keine Mitteilungen an die Presse gelangen zu lassen. Die Griechen und Serben wünschen eine voön dem Flusse Nestor und von der Linie von Dedeler bis zur Mritza gebildete Grenze, wobei den Verbündeten die Aegäiküste samt Dedeagatsch verbleibt.

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Erster Blatt

165. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Mexiko und die Union.

Mit zwei Zeilen meldet der Draht aus demLande dec unbegrenzten Möglichkeiten", der Abg. Stephens habe beim .Kongreß den Antrag eingcbracht, die Zu stände in Mexiko durch ein Kongreßkomitee untersuchen aii lass en". Man kann schon jetzt sagen, wie diese Unter­suchung, wenn sie überhaupt ausgeführt wird, ausfallen wird: Die Zustände in der südlichen Nachbarrepublik sind unhaltbar, eine Gesundung des Staates, in dem einst mit straffer Hand Porfirio Diaz die Zügel der Negierung führte, ist nur möglich, wennUncle Sam" sich 'liebend seiner annimmt, am besten, wenn das Sternenbanner auch am Golf von Mexiko weht. Man ist wieder einmal sehr moralisch entrüstet im wrißeu Hause zu Washington und wirft den Mexikanern, besonders den Rebellen, allerlei Schandtaten vor. Aber man hütet sich wohlweislich, zu erzählen, wer die Macht dieser Rebellen gestärkt, wer ihnen bereitwilligst Waffen und Munition geliefert hat.

Es ist ein neckischer Zufall, einer der nicht übelcn Witze der Weltgeschichte, daß gerade der pazifistisch gesinnte Woodrow Wilson dazu ausersehen ist, die imperialistische Politik seines Vorgängers Theodore Roosevelt fortzusetzen. Rechte auch der einstige Geschichtsprofessor noch so sehr als demokratischer Präsidentschaftskandidat gegen dieDollar­politik" eifern, jene Politik, die mit amerikanischem Gelbe in den Gebieten, nach denen Uncle Sam Begehr hat, Auf­stände hervorruft, um sie später in den Schutz des Sternen­banners zu stellen, er muß sie jetzt selber mitmachen oder wenigstens die Folgerungen daraus ziehen, die Tatsachen sind wieder einmal stärker als die noch so guten Absichten der Menschen. Vielleicht geht es aber mit den Präsidentschafts­kandidaten ähnlich wie mit den Kronprinzen. Wenn sie erst die Zügel der Negierung ergreifen, entsprechen sie so gar nicht dem Bilde, das man vorher von ihnen entworfen hat.

Der friedfertige Wilson Fortsetzer der imperialistischen Politik Noosevclts, ganz und gar im Banne der Trust­magnaten! Denn was bedeutet es anders, wenn die Ne­gierung der Union bei der mexikanischen nachdrückliche Vor­stellungen erhebt. Selbstverständlich geschahen diese Vor­stellungen nur im Interesse der amerikanischen Untertanen, deren Sicherheit bedroht ist. Aber wird man es mit diesen nachdrücklichen Vorstellungen bewenden lassen? Kann Huerta, den man bisher in Washington nicht offiziell an­erkannt hat, in dem vom Bürgerkrieg durchtobten Lande ohne weiteres Nutze und Ordnung Herstellen? Wozu hat man in verdächtiger Nähe der mexikanischen Grenze so viele Bundestruppen angehäuft, wenn man sie nicht im geeig­neten Augenblick zu einem Vormarsch nach dem Süden verwenden will? Ein schnelleres eindrücklicheres Eingreifen scheint um so eher geboten, als der englische Vetter sich an­schickt, ganz verdächtige Bewegungen in den mexikanischen Gewässern vorzunehmen. Uncle Sam, dessen Absichten selbst nicht die lautersten sind, mißtraut auch den anderen.

Außerdem sind alte Rechnungen zu begleichen. Seit dem Interventionskriege von 1847, der mit derAngliede­rung" des halben mexikanischen Gebietes an die Vereinigten Staaten endete, betrachtet man diese mittelamerikanische

Republik nur noch als einen Vasall der Union. Man sah daher mit Schrecken, wie England sich auf dem mexikanischen Markte festsetztc, wie deutsche und französische Unternehmer in diesem von Natur reich gesegneten Lande beherzt Kapital hineinsteckten, ohne erst in Washington um Erlaubnis zu fragen. Als gar die Kunde kam, Mexiko habe die Magdalenenbai an Japan verpachtet, bald darauf (Januar 1911) zwei japanische Kriegsschiffe zum Zweck einesHöflichkeits - Besuches" mexikanische Häfen anliefen und der Präsident Diaz in der Haupt­stadt Mexikos einen Sondergesandten des Mikado empfing, da war man in Washington nicht mehr Willens, die Entwicklung der Dinge in Mexiko ruhig anzusehen. Die gelbe Presse brachte die tollsten Alarmnachrichten, Madero und seine inoffiziellen Helfershelfer, Freischärler und Banditen, erhielten etwa vom Februar 191b die wirksamste Unterstützung durch amerikanisches Geld und durch einen von Washington auf Präsidenten Diaz gusgeübten Druck. Diaz, der eine amerikanische Intervention fürchtete, legte, obwohl er noch lange nicht am Ende seiner Macht war, seine Präsidentenschafl nieder. Madero, der ans Ruder kam, war so ganz nach dem Herzen der amerikanischen Trilstmagnaten. Nur währte seine Herrlichkeit nicht lange. In Washington will man den General Victoriano Huerta, der nach der einmal in Mexiko üblichen Weise die Zügel der Negierung ergriffen hat, nicht anerkennen. Aber schließlich muß man sich auch mit der südlichen Nachbarrepublik auf einen erträglichen Fuß zu stellen suchen. Das ausgedehnte Land, das wie kaum ein anderes für den Guerillakrieg geeignet ist, läßt sich nicht so ohne weiteres annektieren. Wird man es auf einen langen, kostspieligen Krieg an­kommen lassen, bloß damit die Trustmagnaten und die Monroe-Doktrin Recht hehalten?

Die Lage auf dem Balkan.

Die Friedcnsverhandlungen.

Bukarest, 30. Juli. Der König empfing gestern den türkischen Gesandten S a f a Boy und den s e r'b ischen Ministerpräsidenten in Audi enz, heute empfängt der König vormittags den Ministerpräsidenten W u k o w i t s ch und den griechischen Ministerpräsidenten Veuiselos. Da das BlattUniversul" den Sinn des von Spelaiko- witsch, des Mitglieds der serbischen Mission, gewährten Interviews, entstellt wiedergab, so beschlossen die Bevoll­mächtigten, jedes Interview zu verweigern. Im Laufe des Dienstags fanden Besprechungen der Delegierten der Ver­bündeten untereinander statt, ferner zwischen Veniselos und Majoresco und zwischen Majorescv und Tontschew. Heute nachmittag wird Tontschew vom König empfangen werden.

Bukarest, 30. Juli. Dio Sitzung der Frie­denskonferenz begann um 4 Uhr. Vom ersten Augen­blicke an herrschte bei den Besprechungen vollkommene Courtoisie. Ministerpräsident Majorescu hieß die Er­schienenen im Namen des Königs und der rumänischen Regierung willkommen. Ministerpräsident P a s ch i t s ch bat im Namen der Verbündeten Majorescu, den dauernden Vorsitz bei der Konferenz zu übernehmen. Ter Vorschlag wurde durch Zuruf angenommen. Majorescu hielt eine An­sprache, auf die der griechische Ministerpräsident Veni­zelos erwiderte. Er erklärte, daß die Missionen dem Vor­

Neue Zünde im Nömerkaftell Zugmantel.

Im Vordergründe der Arbeiten der Reichs-Limeskommission stehen seit Jahresfrist die Ausgrabungen im Römerkastell 3 u g nt a n t c I an der Hühnerstraße bei Idstein. Ten hier 1912 gemachten Funden an Münzen, kostbaren Bronzesachen. Waffen und ungezählten Kleinstücken, sowie den früher schon freigelegten Kellern und Brunnen haben sich in den letzten Tagen Ausgrabungen zugesellt, die zu den hervorragendsten aller bisher entdeckten ge­rechnet werden müssen.

Westlich der nahezu durchforschten bürgerlichen Niederlassung wurden in der Richtung auf den Pfahlgraben zu die Grundmauern eines Gebäudes freigelegt, in denen man die Reste des bisher ver­geblich gesuchten Heiligtums des Dolichenusod'er M i t h r a s vermutet. Tas Gebäude war 15 Meter lang und 7,5 Meter breit: an den Seitenwinden treten in einer Entfernung von einem Meter noch einmal 11 Meter lange Mauern zu Tage. An der Rückwand befinden sich in jeder Ecke quadratisch abgeteilte Räume von etwa 2 Metern Seitenlänge. Das gesamte Mauerwerk ist aus den heimischen Schälsteinen in prachtvollem Fischgräten-- verband aufgesührt. Funde wurden außer etlichen bedeutungslosen Kleinsachen und einer Sandsteinsigur nicht gemacht. Die Unter­suchungen der nächsten Tage dürsten vielleicht die endgültige Lö­sung der Zugmantelheiligtümer bringen.

Ein weiteres, noch rätselhafteres Bauwerk brachten die Aus­grabungen in unmittelbarer Nachbarschaft des vermuteten Heilig­tums zutage. Inmitten eines etwa 9 Meter langen Quadrats liegt ein hufeisenförmiges Schalsteinfundament von 5 Metern Länge von dessen Südcnde ein hakenartig geformtes Mauerwerk in das Innere des Hufeisens hineinragt. Zwischen dem Hufeisen und den Umfassungsmauern entdeckte man die Reste einer Feuerstelle mit verkohltem Holz, außerdem fand man etliche Münzen und das Sandsteinrelief eines Vogelflügels. Heber den ursprünglichen Zweck dieses seltsam fundamentierten Gebäudes ist man völlig im Urc= klaren, da im ganzen Reichs-Limesgebiet bisher eine derartige Form nicht vorgekommen ist. Möglicherweise hat das Gebäude besonderen Opferzwecken gedient.

Was die weiteren, im Laufe dieses Jahres gemachten Aus­grabungsergebnisse angeht, so wurden in der bürgerlichen Nieder­lassung des Kastells 11 Keller von 2,53 Meter Tiefe fragen legt. Bei einigen der Keller ist das Mauerwerk in geradezu wun­derbarem Fifchgrätenverband hergestellt. Drei der Keller sind zu­sammenhängend, in ihrer Bauweise aber verschiedenen Bauperio­den angehörend; während der vordere aus Holz gezimmert war wurden zum Aufbau der beiden anderen Quadersteine aus dem Trompeter" verwendet. Bis jetzt sind mehr als 3.0 0 Keller