Ausgabe 
30.7.1913 Zweites Blatt
 
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Bauartikelfabrik

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Nr. 176

Erscheint täglich mti Ausnahme des Sonntags.

TieGießener §ami!ienblätter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblati für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Dir.Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Zweites Blatt 165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Mittwoch, 50. Juli 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universität- Buch» und Steindruckerer.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:e-^HI12. Tel.-Adr.: AnzeigerDleßen.

Der verkehr deutscher Luftfahrzeuge in zrankreich.

Berlin, 29. Juli. DieNorddeutsche ANg. Ztg." schreibt: Die Bestimmungen, die nach den am 26. Juli zwischen dem Staatsselrctär des Auswärtigen Amtes und dem französischen Botschafter ausgetauschten Noten für den Verkehr deutscher Luftfahrzeuge in Frank­reich geltet, enthalten u. a. folgendes: Die aus dentsclzem Gebiet kommenden Luftfal-rzeuge, die der Militärverwal­tung gehören, oder unter deren Insassen sich Militärperso­nen in Uniform befinden, dürfen nur auf eine Einladung der französischen Negierung französisches Gebiet überfliegen öder dort landen. Doch wird diesen Luftfahrzeugen jm Notfälle der Aufenthalt aus französischem Gebiete nicht untersagt. Sollte ein Militärfahrzeug über franzöfisches Gebiet verschlagen werden, must es ein Notsignal geben und sobald als möglich landen, ferner ist die nächste fran­zösische Zivil- oder Militärbehörde zu benachrichtigen. Tie Militärbehörde Hal gegebenenfalls unter der Mitwirkung der Zivill>ehördc mit allen geeignet erscheinenden Mitteln eine Untersuchung vorzunehmen, die jedoch lediglich dazu bestimmt ist, festzustcllcii, ob die Berufung aus einen Notfall berechtigt war oder nicht. Solchen Untersuchungen dürfen sich die Insassen des Fahrzeuges nicht widersetzen. Wird auf Grund dieser Untersuchung anerkannt, dast ein Notfall vor­liegt, hat die Militärbehörde dem Offizier, der das mili­tärische Personal des Luftfahrzeuges führt, das Ehrenwort darüber abzuverlangen, daß weder er selbst, noch irgendein anderer Insasse des Luftfahrzeuges auf oder über dem französischen Gebiete eine Handlung begangen habe, durch welche die Sicherheit Frankreichs gefährdet werden könnte. Hierauf wird dem Luftfahrzeug gestattet werden, in seinen Heimatstaat zurückzukehren. Die Rückfahrt darf unter den von der Militärbehörde festgesetzten Bedingungen auf dem Luftwege erfolgen. Ist die Rückkehr nicht sofort ausführbar, so kann während des Aufenthaltes des Luftfahrzeuges in Frankreich keine Maßnahme getroffen werden, die nicht aus Gründen der Staatssicherheit oder öffentlichen Gesund­heit geboten ist oder die Abwendung einer unmittelbaren Gefahr für Personen oder .Sachen bezweckt. Wird ein die Landung nicht rechtfertigender Notfall festgestellt, so wird die Sache der Gerichtsbehörde übergeben, welche die fran­zösische Regierung entsprechend benachrichtigt. Artikel 2 der Bestimmungen spricht sich über die Bedingungen aus, unter welchen außerhalb der nach französischeu Vorschriften ver­botenen Zonen auö Deutschland kommende private Luftfahr­zeuge französisches Gebiet überfliegen und darauf landen können. Artikel 3 besagt, daß in jedem Falle, wo ein aus Deutschland lammendes Luftfahrzeug in Frankreich landet, die fianzösischen Behörden ihr möglichstes zum Schutze des Fahrz-eugcs und zur Sicherung der Insassen zu tun haben. Die Bestimmungen der Noten gelten unter der Bedingung der Gegenseitigkeit und treten außer Kraft, sobald die fran­zösische Negierung der deutschen eine entsprechende Mit­teilung macht. -Die entsprechenden Bestimmungen gelten für die aus Frankreich nach Deutschland gelangenden Militär- und Privatluftfahrzeuge. Das Abkommen tritt mit dem 15. August in Kraft.

Die Enthüllungen über Krupp vor -em Kriegsgericht.

4 Berlin, 29. Juli.

Ain 18. April nab e§ im Reichstage eine große Sensation. Der fozialdewokratische Abgeordnete Liebknecht mochte Aus­sehen erregende Mitteilungen über gewisse Geschäftspraktiken der Firma K r u p p in Essen, die daraus hinausliefen, daß die Firma sich unlauterer Mittel bediene, um geschäftliche Geheimmsse uon Konkurrenzfirmen, Plane der Militärverwaltung und ähnliches zu erfahren. Der preußische Kriegsminister v. H e e r i n g e it mußte zugeben, daß ihm der Abgeordnete Liebkitecht bereits im Oktober verschiedenes Belastungsmaterial übergeben habe und daß darauf­hin eine Untersuchung cingeleitct worden sei; er bat aber, mit dein Urteil zu warten, bis die gerichtliche Klarstellung erfolgt sei und nahin nn übrigem die Firma Krupp gegen den etwaigen Vorwurf einer unnationalen Handlungsweise in Schlitz. Am folgenden Tage flimmten in einer Besprechung dieser Enthüllung die Redner sämt­licher Parteien darin überein, daß eine strenge Untersuchung in der Sache veranstaltet merben müsse, um die Schuldigen der ge­rechten Bestraslmg zuzusiihren. Diese Untersuchung hat dazu geführt, daß am Donnerstag die gerichtliche Erörterung der begangenen Persehlungen vor den, Kriegsgericht der hiesigen ftommanbantur beginnen wirb. Aus ber Voruntersuchung ist bisher beka>lnt ge­worben, bas; bie Firma Krupp ober wenigstens einzelne Beamte ber Firma Veranlassung genommen haben, sich mit Milttärperscmen in Verbinbung zu setzen, um auf illegalem Wege bie Preise unb Be- bingungen ber Konkurrenzfirmen, bie Absichten der Militärverwaltung usw. zu erfahren. 'Als Konkurrenzfirma kanr namentlich bie Waffen- unb Munitionsfabrik von Ehrhardt in Düsseldorf in Betracht. Der Vorsteher des Bureaus der Berliner Niederlassung von Krupp, Brandt, ein ehemaliger Zeugseldwebel, hat es nun verstauben, wie bie Anklage behauptet, durch Gelbgeschenke verschiebene Mili- tärperfonen seinen Wünschen gefügig zu machen unb von ihnen Nachrichten geheimer Natur zu erhalten, bie er bann an bie Essener Zentrale weitergab. Für bie Gelbgescheitke an bie Militär­personen stand Brandt ein sogenannter Repräsentationsfonds zur Verfügung. Die geheimeil Berichte Brandts gingen an beit Vor­steher des Nachrichtenbureaus der Firma Krupp in Essen v. Dewitz, der sie, je nach ihrem Inhalt, den in Frage kom­menden Direktoren vorlegte.

Als die politische Polizei, der die Uiitersuchung übertragen worden war, genügend Belastungsmaterial gesammelt hatte, griff sie zu und nahm zu gleicher Stunde etwa 20 Personen in Haft. Von diesen mußten 13 allerdings wieder außer Verfolgung gesetzt lücrben. Am selben Tage wurde in Essen bei der Firma Krupp eine polizeiliche Durchsuchung vorgenommen, wobei den Beamten etwa 1000 Geheimberichte in die Hände fielen, die das Material für bie jetzige Anklage btlbeten. Es stehen bemgemäß auch etwa 900 Fälle bc5 Vergehens gegen die §5 2 und 4 des Gesetzes be­treffend den Verrat militärischer Geheimnisse zur Aburteilung. Die Anklage richtet sich gegen den Oberintendantursekretär Pfeiffer vom Kriegsministerium, Zeugleutnant Hoge von der Artillerie-Prüfungskommission, den Krupp'schen Beamten T r o e s e, früher ebenfalls bei der Artillerie-Prüfungskommiffion, Zeugleutnant T i l i a n von der Munitionsfabrik in Spanbau, Zeugleutnant ö i n st vom Artillerie-Depot in Marienburg, Zeug- leutnant Schleuder vom Artillerie-Depot in Koblenz unb schließlich ben Feuerwerker Jürgen Schmtbt (Berlin). Der- hanblungssührer in: Prozeß ist Kriegsgerichtsrat Dr. Eoorrons, während die Anklage von Kriegsgerichtsrat Dr. Welt vertreten wird. Den Angeklagten stehen vier Verteidiger zur Seite.

Mitteldeutscher Bäder4)erbanöstag.

_ . F. E. Dillenburg, 29. Juli.

3-er Zweigverband Mitteldcutschlano des Zeittralverbaiides neulicher BäckerinnungenGermania" hält seinen 16. VerbandS- tag am 28., 29. und 30. Juli in 'Dillenburg im Kurhaus, verbunden mit einer Fachausstellung, bie bereits am 27. Juli cronnet wurde, ab. Durch eine Gesamtvorstandssitzung am 28. Juli wurde er eingeleitet. Am 29. Juli vormittags 11 Uhr eröffnete im Kurhaus der Schriftführer Louis Raucl>-Franlfurt a. M. in Behinderung des Verbandsvorsitzenden PH. Jalob Fischer- Frankfurt a. M. die Tagung in Amvesenheit von 450 Abge­ordneten aus allen Teilen des Verbandsgeoieies sowie Vertretern der Zweigverbände Baden, Großherzogtum Hessen und Siegen. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht. Ter Zweigverbaiw Mitteldeutschland zählt 19 Innungi.n mir 1261 Mitgliedern gegen -A Innungen mit 1243 Mitgliedern im Vorjahre. Die Innungen Schmalkalden und Grebenstein schieden im Berichtsjahre aus dem Verbände. Im abgelaufenen Jahre nahm der Verband Stellung m einer Gesamtvorstandssitzung und auf einem Obermeistertag in Fulda gegen das Mühlensyndikat und zwar in ber Art, daß nur von ringfreien Mühlen Mehl gekauft werden soll. Wie weit der Beschluß Erfolg hatte, konnte bis jetzt noch nicht endgültig rcitgcilcUt werben.

Kassierer Zwergel-Franifurt a. M. gab den Kassenbericht be­kannt, der in Ein- und Ausgaben mit 5030 Mk. balanciert und eine Vermögenszunahme von 2021 Mk. verzeichnet. Bei der sodann vorgenommenen Wahl bezw. Ergänzungswahl der Sie bener Kommission wurden Obermeister Jünger-Hanau, Ochs-Höchst am Main, Ebeft-Franlfurt, Kämse Wetzlar neu- und Sri?'siel - Wiesbaden, Schreiber-Kassel und Keßler-Marburg wicdergewählt.

Dezernent Schleich vom Zentralverband in Berlin berichtete über die Gesamtvorstandssitzung. Es sei mitzutcilen, daß das Hese- syndlkat die Wünsche ber Bäcker größtenteils erfüllt hab?, währenb bas Mühlensyndikat vom Verbände kräftig weiter bekämpst werde.. Sodann werde erstrebt eine einheitliche Plombierung des Mehls und eine Verbesserung ber Bäckerei-Verordnung, der die Regierung wohlwollend gegenüberstehe. Obermeister Ochs- Frankfurt a. M. wünscht für die Bäckerei-Verordnung kein Wohlwollen, sondern ge­rechte Behandlung und wies daraus hin, daß bestehende Bäckereien auf Grund der Verordnung geschlossen, neue dagegen, die obendrein schlecht eingerichtet, die Erlaubnis zum Betrieb erhielten. Ober­meister Sattler- Wiesbaden wandte sich gegen die Aussüh- rungen Sckleichs inbetress des Hefesyndikats. Dieses hätte nicht aus Freundschaft gegen die Bäcker die Hefe um 7 Psg. das Pfund herabgesetzt, sondern um die Außenseiter des Hesesyndikats zu drücken. Bvrtimann-Kassel sprach sodann über die Sonntagsruhe..

Handwerkskammersyndikus Schröder- Wiesbaden verbrei­tete sich über das bekannte Kapitel dertReichsversicheruilgs- ordnuilg, insbesondere über die Jnnungskraiikenkassen, worauf der Vorsitzende um 2 Uhr die Verhandlungen auf Mittwoch, den 30. Juli vertagte, nachdem zuvor beschlossen worden war, an den nationailibcralcit Landtagsabgeordneten Schröder Kassel ein Dank­schreiben zu richten wegen dessen wackeren Eintretens im Parla­mente für das Bäckergewerbe. Um 3 Uhr folgte ein Festessen im Kurhaus.

Der Ausflug der Zugendwehr am 26. und 27.3uli 1913-

Unsere Jugendwehr unternahm am Samstag, 26. und Sonn­tag, 27. Juli einen Ausflug nach der Saalburg und den Feld­berg, der vom Wetter sehr begünstigt zu allgemeiner Zu­friedenheit verlaufen ist. Es nahmen Teil 10.0 Knaben und als Führer Hauptmann Stephan, Rechtsanwalt Kaufmann, Leutnant Dingeldein, Kaufmann Petri, bie Vizeseldwebel Pretzsch unb Jentsch: als Arzt Dr. Schäfter.

Alle Teilnehmer waren um 11.40 Uhr vormittags vor bem Bahnhof eingetroffen und um 12 Uhr ging es in gehobener Stim­mung mit dem Zuge nach Bad-Nauheim. Die Spielleute voran Wurde in Gruppenkolonne durch die Stadt marschiert, angestaunt von den vielen Ausländern, deren halblaute Ausrufe wieBoy Scout'' undeine Lehrer mit seine school" zeigten, daß sie sich teils ein richtiges, teils ein salsches Bild überNam' und Art" der kleinen Schar machten. Weiter ging es auf der Usinger Straße am Hof Hasselheck vorüber. Es war drückend heiß und > > wurden die aus jedem Marsche innezuhaltenden Gesundhsitsregeln streng beobachtet. Aus ber Wetterau zog eine dunkle Wolkenwand heran, die unter Donner und Blitz ihre Schleusten öffnete, gerade als Forsthaus Winterstein erreicht war. Ter hier erzwungene Aufent­halt wurde durch den ärztlichen Beirat dazu benutzt, einige wund- gelaufene Füße in Behandlung zu nehmen. Als es zu regnen auf­gehört hatte, wurde ber Marsch über ben Winterstein (186 Meter), Steinkopf (518 Meter), Kapersburg, dem Psahlgraben entlang nach der Loch-Mühle fortgesetzt, von wo nach kurzer Aast bie Saalburg^erreicht wurde. Hier hielt an der Porta decumana der Schüler störico einen Vortrag über den Pfahlgraben und die römischen Kastelle int allgemeinen, während ber Schüler Steitz bei ber sich anschließenden Besichtigung des Kastells Aufschluß über die einzelnen Gebäude und Einrick tungen gab und die aus­gestellten Kriegswerkzeuge und sonstigen Geräte erklärte. Znm Schluß führte er aus, daß wir es unserem Kaiser verdanken, wmn wir beute in der Lage seien, das Kastell im ursprünglichen Zu­stande vor uns zu sehen und schloß mit einem begeistert aufge­nommenen dreifachen Hoch auf den Kaiser. Der Leiter des Aus­flugs dankte beiden Vortragenden für ihre klaren Aussülwungen, dann wurde zur Haltestelle ber elektrischen Bahn marschiert, und nach Homburg gefahren. Mit klingendem Spiel marschierte die Jugendwehr um 8 Uhr in die Kaserne des 3. Bataillons Füs- Regts. 80 ein, wo die Vorbereitungen für Unterkunft und Ver­pflegung in mustergültiger Weise getroffen waren. Jm Excrzierhaus war ein hohes Strohlager bereitet, Decken in genügender Menge bereitgelegt und für Beleuchtung Sorge getragen. Nach Verteilung der Plätze und Niederlegung der Rücksäcke begab man sich in bie Kantine, wo die mit Kartoffelsalat gefüllten Teller schon bereit- stanben. Jedem Teller wurden bann noch zwei warme Frank­furter Würstchen beigefügt und dann kam der Magen zu seinem Reckü. An der Stille, mit welcher sich die Einnahme des Abend­essens vollzvg, ersah man, daß der ra. 20 Kilometer lange Marsch Hunger verursacht hatte, aber dennoch blieb von ber be­reiteten Menge Kartoffelsalat noch eine große Portion übrig. Noch eine kleine Weile tummelte man sich auf dem Kasernenhose, dann begab sich alles aufs Stroh. Aber Freude und jugendlicher Ueber- mut ließ die Jungen nicht zur Ruhe kommen und nur mit Mühe gelang es dem Uebungsleiter eine derartige Ruhe herzustellen, daß diejenigen, welche schlafen wollten, wenigstens für kurze Zeit die Augen schließen konnten.

Um 6 Uhr morgens sollte geweckt werden, bereits um 4 Uhr waren fast alle auf den Beinen und es begann ein regelrechtes Scheuerfest am Brunnentrog. Nach einiger Zeit war der äußere Mensch wieder in einen reinlichen präsentablen Zustand versetzt, bann wurde in der Küntine Kaffee und zwei Brötchen verabreicht. Die Katholiken hatten um 6 Uhr die Kirche besucht. Nachdem durch den Arzt ein entzündetes Auge durch einen Verband vor Zugluft und Staub geschützt war, wurde um 7 Uhr unter Vor­antritt der Spielleute die gastliche Kaserne verlassen.

Am Schloßpark vorbei wurde der Weg zumGothischen Haus" (ungeschlagen unb bald begann auf steinigen, vom Regen ausge­waschenen, steilen Pfaden über den Landgrafen-Berg, Sandplacken der Anstieg aus den Feldberg. Trotz der VftrrscUeiftung drs vor­

herigen Tages und fast fehlender Nachtruhe würbe eine bewuirderns- rverte Marschleistung erzielt, bie nur gegen das Ende hin per- langiatnt wurde, durch die Anordnung recksis unb links vom *yc9c Heidelbeeren suchend, langsam vorwärts zu schreiten. Auf dte,e Weise wurde erreirit, daß niemand erhitzt mar, als um 11 Uhr ber Gipfel des Felobergs erreicht wurde. Unterwegs hatte der -sanitätsmann nock Gelegenheit, einem Mitglied einer ent- gegentomnienbcn Waiibcrgesellsck aft mit Verbandzeug auszuhelscn.

'^urb auf dem Feldlurg fand inan das durch, den Leiter deS Ausflugs vorher bei Herrn Uugeh.uer bestellte Essen in fertigem Zustande vor. Nach einer kräftigen französischen Suppe gab es laueren Rindsbraten mit Spinat, Salat unb Kartoffel. Als Ge­tränk war Limonade erlaubt, nur die älteren durftenjLpjelwein genießen Das Essen war gut unb recht reichlich. Am Ende des Essens hielt Herr Rechtsanwalt Kaufmann eine kurze Ansprache, in der er a-usführte, daß an beiden Tagen erstaunliche Marsch­leistungen erzielt und namentlich seitens der Kleinsten aner­kennenswerte Ausdauer bewiesen worden wären, bank der Vor­bildung, die sie bei den Ucbungen der Jugend wehr genossen hätten. Die Jugendwchr habe in diesem Sabre das seltene Glück gehabt, sowohl vor dem Kaiser als auch vor dem Großherzog vorbci- marsck'ieren 'zu dürfen und diese Tatsache, namentlich aber das Zustandelommen des Ausflugs verdanke sie dem Uebungsleiter, dem sie zum Danke dafür versprechen ivolle, auch fernerhin den Anordnungen der Führer Gehorsam leisten und unter sich den Geist der Kameradschaft weiter pflegen zu wollen. Er schloß mit einem Hoch auf den Uebungsleiter.

9?ach dem Essen wurde die Aussicht bewundert. Wobei Herr Rechtsanwalt Kaufmann, dem durch seine Teilnahme an den Feld­berg-Turnfesten jeder Berggipfel, jede Ruine bekannt ist, die Er- llärung übernahm. Die Unermüdlichen übten hierbei sprungweises Vorgehen und um das während der vergangenen Nacht begonnene Werk zu vollenden, wurden einige im Grase ruhenden Fühter durch einen wohlgclungeneit Ueberfall Morpheus Armen entrissen.

Malerisch auf dem Vrunhildisselsen gruppiert wurde dann die Jugendwehr photographisch aufgenommen, und hiernach begann der Abstieg nach Hohemark, der zwar auck> auf steinigen, sseilen Wegen, aber ständig am murmelnden Urselbach entlang sich voll­zog unb durch herrliche Waldpartien führte.

Da, eine allgemeine Ermattting nicht zu verkennen war, ent­schloß sich der Leiter von Hohemark über Oberursel mit der elektrischen bezw. ber Staatsbahn Hornburg zu erreichen. Da der vom Jungdeutschlandbund ausgestellte Schein zur Benutzung eines Militärfahrscheins nur von Hornburg nach Gießen lautete, so weigerte sich der Beamte in Oberursel, einen Schein auch für die kurze Strecke OberurselHomburg ausznstellen. Das volle Billett 3. Klasse erschien dem sparsamen Uebungsleiter aber zu teuer und so wurde dem heiligen BureaukrattSmus ein Opfer gebracht und 107 einzelne Fahrkarten 4. Klasse ausgegeben und durchlockt. Trotz dieser langwierigen Arbeit wurde der Anschluß erreicht, daß von Homberg aus mit dem Eilzuge 3.59 Uhr die Rückreise ange­treten werden konnte. Um 6.24 Uhr wurde Gießen erreicht, mit klingendem Spiel bis vor die Johannisckirche marschiert und nach einem strammen Vorbeimarsch weggetreten.

Das schlechte Wetter der letzten Zeit ließ manchen der Jungen oft verzagen, ob der versprochene Ausflug vor den Ferien noch zustande kommen würde. Nachdem er 8 Tage vorher des an­haltenden Regens wegen verschoben werden mußte, war jetzt der letzte Termin, nn dem er vor Ferienbeginn noch abgeholten werden konnte und glücklicherweise hatte der Himmel dieffsmal ein Ein­sehen., Trotz mancher Blase am Fuße würbe tapfer ausgehalten unb flott marschiert und außer dieser Selbstüberwindung^ noch manches andere Nützliche gelernt. Außer der Kenntnis der Saal- burg mit KaperSbiirg und Limes, der Kenntnis des vom Feld- berg aus zu überblickenden Geländes, wurde auf die bei an­strengenden Märschen zu beobachtenden Vorsicktsmaßregeln auf­merksam gemackt, ber Unterschied unserer Feldfrückte und Wald- bniime wurde erklärt, der Brunhildisfelsen gab Gelegenheit die Siegfriedsage zu besprechen, die Größeren trugen streckenweise den Kleinen den Rucksack, den Spielleuten die Trommel itnb so wurde die Kameradschaft hochgehalten.

Der Ausflug war von langer Hand vorbereitet, wodurch ein! recht billiger Preis ermöglicht Werben konnte. Diejenigen, n-elche den Ausflug auf eigene Kosten mitmachten, hatten Tür Bahn­fahrt, Fahrt mit den elektrischen Bahnen, für Abendessen, Unter» tun ft und Frühstück in Homburg, Mittagessen auf dem Feldberg, 3,25 Mk. zu zahlen. Etwa 30 Jungen beteiligten sich auf Kosten der Vereinskasse und sie verdanken diese Möglichkeit inner Anzahl hochherziger Spender unserer Stadt, die lieber auch weiterhin die Jugendwehr unterstützen werden, deren Leiter sich körperliche Kckäf- tirning unserer Jugend und ihre Erziehung im nationalen Sinne zur Ausgabe gemacht hat.

Aus Stadt und Canb*

Gieße n, 30. Juli 1913.

** Hinterbliebenen -Versicherung für Eisenbahinbedienstete. Mit dem 1. Juli ist eine neue Bcamten-Hinterbliebenen-Versicherung in Kraft ge­treten, aus der den Witwen und Waisen ein Zuschuß zn ihren bisherigen Renten gezahlt wird. Die Witwenrente beträgt, wentt der Mann gestorben ist, bis zum Ablauf des 6. Amts­jahres lOo/o, nach Ablauf des 6. bis zum Ablauf des 9. Amts­jahres 9n/o, des 9. bis 12. 8°/o, des 12. bis 15. 7<*b, des 15. bis 18. ßoo, des 18. bis 21. 5o/o, des 21. bis 24. 4o;o, des 24. bis 27. 3*/2no, des 27. bis 30. 3°/o, des 30. Amtsjahres 2l/2°/o des letzten diätarischcn oder,pensionsfähigen Diensteinkom­mens des Mannes. Stirbt ein Mitglied vor der etatsmäßi- den Anstellung, so erhält die Witwe in allen Fällen 10°,o des letzten Ticnsteinkontmens des Kannes. Tie Waisenrente^ beträgt für jedes Kind, sofern die Mutter lebt, Vs, sofern: die Mutter nicht mehr lebt, Vs der Witwenrente. Die von den Bediensteten zu leistenden Beiträge betragen je nach der gewählten Verficherungsform 1, l*/2 oder 2o,o des je­weiligen Diensteinkommens. Der Beitritt zu dieser Versiche­rung ist freiwillig.

* Erholungsurlaub für Eisenbahnbcamte. Die Eiscnbahndirektion Frankfurt hat genehmigt, daß den Be­amten der zu gewährende Erholungsurlaub in Zuktmst um eine Woche verlängert werden kann, wenn er in die Winter­monate Dezember, Januar, Februar und März verlegt wird, im Dezember jedoch nur, wenn dies nach Lage der Diensi- geschäfte unbedenklich erscheint.

Schwimm verein. Jm Anschluß an da? am vergangenen Sonntag veranstaltete Wettschwimmen :c. wird uns geschrieben: Um den Schwimmsport in allen interessierten Kreisen einzuführen und besonders für die Folge zu pflegen und weiter auszubauen, wird beabsichtigt, es nicht nur bei einer losen Vereinigung zu belassen, sondern einen Schwimm- Verein am hiesigen Platze zu gründen. Daß gerade das Schwimmen eine der gesundesten und auch empfehlens­wertesten Sportarten zur Pflege und Ausbildung des