Ausgabe 
30.5.1913 Zweites Blatt
 
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Nr. M

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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^0 000 .Mark erscheine ihm viel zu hoch, denn in kleineren I Der Antrag, den I Bundesstaaten würden nicht einmal die Minister davon betrof-1 l e h n e n , wurde schließ

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j' inahe für möglich halten könne, in einem gemein­samen Antrag der Parteien diese Gedanken niedcr- »l«gen. Seine Partei allerdings lege den entscheidenden i'*ct aus die Freilassung der Vermögen dis zu

00 0 Mark. In der Besteuerung des Einkommens

machen.

Nächste Sitzung: Freitag 10 Uhr.

Eine Einigung der Parteien.

Die Besprechung, die entsprechend dem Beschluß des

h n u n g sb a u es und zur Bekämpfung von Tier- und »flanzenkrankheiten.

, Das elsässische Ausschußmitglied stellte sich auf den Standpunkt des Polen. Was speziell Elsaß-Loth ringen Wehe, so sei natürlich dort bei seiner geographischen Lage ,e Gefahr einer Kapitalauswanderung deson- 'ers groß, wenn die Steigerung zu weit gehen sollte.

Ein Zentrumsmitglied stellt fest, daß doch in wei- ^»Kreisen Einmütigkeit herrsche und man es daher doch

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o nitiativges etzentwurf abzu - . wurde schließlich mit 21 gegen 2Stimmen angenommen, dagegen mit allen gegen vier Stimmen bei zwei Stimmenthaltungen folgende Entschließung gefaßt:

L.ie Negierung wird ersucht, anläßlich der allgemeinen Reform des Strafgesetzbuches auch die landesgesetzliche Ncu- regelung der zurzeit in Artikel 8 des Gesetzes vom 23. März 1822 und des Artikels 6 des Dekrets vom 11. August 1848 behandelten Materien unter Berücksichtigung der polizeilichen und präventiven Natur der zu treffenden Strafbestimmungen in Angriff zu nehmen.

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DieGießener Zamtlienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

®CQCn die Klasseneinteilung nach den nationallibcralcn Vor­schlägen habe er Bedenken, doch wolle ec gern Sicherheiten gegen Scherereien bei der Einschätzung mit beschließen. Seine Partei trete für die Vermehrung der Staffeln ein. Bei "den Berechnungen des Staatssekretärs glaube er, seien die Erträg­nisse aus den Gesellschaften zu niedrig gc- ' $ dluch die Schätzung des Ertrages aus der Besteuerung des Einkommens sei wohl viel zu niedrig gegriffen. Dies stünde doch int Widerspruch mit dem Gesamteindruck unserer Volks­wirtschaft, der doch erkennen lasse, daß bei uns das Rentcn- ein kommen gegenüber dem Arbeit sei nkomni en unmöglich so überwiegen könne, die Ucberschüsfe, wenn sie überhaupt aufkommen sollten, könnten wohl zweckmäßig zur Schuldentilgung verwendet werden. Er fürchte aller­dings eher et n Defizit.

Der Schatzsekretär verteidigt seine Schätzungen und er­klärt sich bereit, sie auf Verlangen gerne nachprüfen zu wollen. Man möge aber nicht vergessen, das gerade bei den höheren Einkommen rdas Einkommen aus dem Vermögen sehr stark ins Gewicht falle.

licnen ergeben. Ec möchte darauf Hinweisen, daß man sich küten müsse, einen zu geringen Ertrag herauszubckommen, da- ; mit der Wehrbcitrag wirklich ein einmaliger bleiben könne. Für einen etwaigen Ucberschuß würde sich leicht eine Verloendung fmden lassen: er könnte ja zur Schuldentilgung verwendet wer­den. Was die untere Grenze anlange, so würde natürlich jede binaufsetzung der Umgehung der Steuer auf legale Weise erleichtern, z. B. durch die Verteilung auf die ßtnamilienangehörigen. Der Gedanke der Erwerbsunfäh ig- ' . int würde eine große Erschwerung bedeuten.

n Der Pole will seine Aufgabe dahin fassen, daß er das Zustandekommen der Wchrvorlage sowie einer Deckung als tat- 'achlich annimmt, und darum möglichste Gerechtigkeit bei der Verteilung der Lasten zu erreichen suchen. Der Grundsatz der Lei- ^wtgsfähigkeit müsse durchgeführt werden.

, Der Berichterstatter regt an, zur Prüfung der Rentabilitäts- Rechnungen einen Unterausschuß zu ernennen.

Die Sozialdemokratie erklärt, sie habe mit anderen karteien die Absicht, mindestens tausend Millionen

TudFctcrusschrrsses je Z.w-ei Mitglieder der Parteien mit dem Reichsschatzsekretär Kühn heute nachmittag über den Wehr­beitrag im Reichstage hatten, dauerte d r e i S t u n d e n. Darin wurde eine Einigung erhielt, die im großen und Fanden auf folgender Grundlage beruht: Das Einkom­men wird kapitalisiert, und zwar werden Einkommen von 5000 bis 50 000 Mark dem 10 fachen Vermögen, Einkommen von 50- bis 100 000 Mark dem 12^/z fachen Vermögen, Ein­kommen über 100 000 Mark dem 15 fachen Vermögen gleich­gestellt. Vom Einkommen werden 5 Prozent als Vermö- genszins abgezogen. Einstimmig angenommen wurde die Heranziehung der Einkommen von 5000 Ma r k a n aufwärts. Vermögen unter 50 000 Mark ollen freibleiben, jedoch mit der Einschränkung, daß, Ver­mögen von 30- bis 50 000 Mark desjenigen steuerpflichtig ind, der gleichzeitig ein Einkommen von 2000 Mark und mehr hat. Die Steuersätze werden ausgestaffelt, doch sind die Sätze der Höhe noch nicht festgelegt.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

RedakUon:^^112. Tel.-Adr.: AuzeigerGießen»

,o?. ; Der sozialdemokratische Antrag treibe die reichen [js ^cute aus dein Lande, man sollte lieber solche hereinzichen. S Der Redner zog die Vorlage dem Zentrumsantrag vor, da sie

H dm einmaligen Charakter der Steuer schärfer hervortreten lasse.

Ein fortschrittlicher Redner stimmte der einmaligen W Steuer zu. Uebccschüsse sollten nur mit Zustimmung des Rcichs- iags vertvandt werden. Uebereinstimmung habe sich gezeigt in dem Streben, bei den großen'" Vermögen hinauf und beim Ein- wnnncn herunter zu gehen. Es sei besser, nicht mit festen Sätzen, vu. sondern mit Prozenten zu rechnen. Auch der Zentrumsamrag

W-w föbe zu Bedenken Anlaß. Man möge bei der Einkommen-

s'.euer nicht die Schwankungen vergessen, denen die Einkommen Mtcrworfen seien. Auch die Kind er za hl werde bet seinem untrag berücksichtigt.

Staatssekretär Kühn erklärte, nach vorläufigen Berechnun­gen werde der Zentrumsantrag 820 Millionen, der fortschritt- uche 755 Millionen und der nationallibcrale Antrag 675 Mil-

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Wieder ein parlamentarischer Mihcrsolg der elsaß-lothringischen Regierung

Straßburg, 29. Mai. Die 1. Kammer des elsaß- lothringischen Landtages beschäftigte sich heute mit dem Jni- tiativgesetzentwurf bctr. die Aufhebung der Strafbestimmun­gen über aufreizende Ruse und Abzeichen. Graf A n d l a u , Präsident Dr. Curtis und Abg. Blumenthal traten für die Aufhebung des betr. Landcsgcsetzes ein, während der Abg. Schlumberger und Oberlandesgerichtspräsideut M o - litor sich gegen den Entwurf erklärten.

'Fntnen.

Konservative und Zentrum haben etwas Wcsens- verwaudtes, wenn auch das Zentrum einen demokratischen Ein­schlag hat. Die Konservativen haben als Anhängsel die Reichs- Partei und die Antisemiten, das Zentrum die Polen, Elsässer, Welfen und den baverischen Bauernbund. Die Konservativen sind die protestantische und das Zentrum die katholische Partei. Beide Parteien widerstreiten dem liberalen Grundsatz der Persönlick- teit, es sind Klassenvartcien. Die Konservativen haben 1876 sich ein Programm gegeben. Vom Schutzzoll ist in dem Programm feine Rede. Diese Forderung wurde erst 1892 ins Tivoliprogramm ausgenommen, inzwischen hat die konservative Partei einen agrarischen Einschlag erhalten und der Bund der Landwirte hat tntntei- mehr an Einfluß gewonnen. Die Anhängsel der konser­vativen Partei haben einzelne konservative Programmpunkte scharfer herausgearbeitet. Dabei sind die Forderungen der Anti­semiten moralisch verwerflich. Konservative und Zentrum haben dasselbe wirtschaftliche Programm. Das Zentrum hat überhaupt kein Programm, es steht einfach auf dem kirchlichen Boden. Das Zentrum ist vorzüglich organisiert und durch seine Stärke fast immer die ausschlaggebende Partei gewesen. Die Uebcrwindung des Zentrums ist nur dem Liberalismus möglich. Der Libe­ralismus fordert das Recht der einzelnen Persönlichkeit. Die Preßfreiheit, die Freizügigkeit und die Unabhängigkeit der Richter waren die ersten durchgesetzten Forderungen des Liberalismus Die Grundlagen des Liberalismus sindet man in der preußischen Verfassung, die auf den Waldcckschen Vorschlägen beruht, die allerdings durch die Nachsätze in das Gegenteil umgekehrt wurden Die liberalen Grundsätze vertreten zwei Parteien. Die natio­nallibcrale Partei ist keine Klasscnpartei, die die Inter­essen aller Stände vertritt. Sie ist eine nationale monarchische Partei und ist von jeher vor allem für den Einheitsgedanken elngetreten. Die Partei ist bei der Heeresvorlage für die An­nahme der Regierungsvorlage. Sic steht auf dem Boden des Schutzes der nationalen Arbeit. Sic ist.für soziale Reformen, erkennt die Bedeutung der Kirche an, will aber die Grenze Zwischen Staat und Kirche nicht verwischt und die Schule un­abhängig haben. Die fortschrittliche Volkspartei steht auf demokratischem Boden und wünscht die Parlamentsherrseljaft. Aus dem Gebiet der Wirtschaftspolitik verlangt die Fortschritt- Partei den Abbau der Zölle. Vor allem trennt die beiden Par­teien die Stellung zur Sozialdemokratie, lflbcr trotz dieser Unter- chtede sollte ctite noch bessere taktische Einigung )cr beiden liberalen Parteien erstrebt werden. Das age >er, trotzdem die hessischen Fortschrittler agitatorisch gegen die 'reie Vereinigung auftreten wie sozialdemokratische Agitatoren! 4. Ranges. Abg. 11 r ft a b t sprach z. B. int Odenwald in Vecsamm hingen, die er nach dem Redner hielt, von einem ,L i n f c n g e - r i ch t" n. dgl. Er betonte, daß man diese Angriffe unerwidert lasse.

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Aeitag, 50. M M

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitäts»Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

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des Schie^r^ f nnen N- £ @ luven'DerembMM crv.hiem'l end, den EU

Ein Vo l ksp a r tci l e r glaubt, daß der Deklarationszwmtg wesentlich höhere Ergebnisse bringen würde. Er halte an der unteren Grenze von 30 000 Mk. fest, weil anderenfalls die Steuer­hinterziehung außerordentlich erleichtert würde. Bei der Staffe­lung müsse, man möglichst daraus seben, daß keine großen Sprünge entstehen. Das ließe sich vielleicht vermeiden, wenn man den höheren ^Steuersatz jeweils auf den überschießenden Betrag be­ziehe. In unbegrenzte Höhen dürfe man aber mit den Sten er - sätzen nicht gehen, jedenfalls müsse die Einkommensgrenze bei dem gesicherten Einkommen stack heruntergesetzt werden. Die Berechnung des Er trage sausden Aktiengesellschaf­ten fei kaum richtig. Der Zentra in sau trag hierzu ent- haltc eine Ungerechtigkeit gegenüber dem klei- n en Aktionär. Wenn ^durch diese Bestimmungen auch der auslgndifckse Aktionär octroffen werde, so gebe dies den Anreiz zu einer ähnlichen Gesetzgebung des Auslandes, und darunter wurde das bcutf cur? Kapital viel stärker leiden.

Ein konservatives Mitglied erklärt, seine Partei lege grundsätzlich Wert darauf, daß in dem Gesetz, der Zweck auch ü r d i e U e b e r s ck ü s s e feftnelegf werde, und differ Zweck müsse weiter ebenfallsbenCharakterdeseinmaligeu haben. Er könnte also einer Verwendung zur Schulden­tilgung zustimmen. In der Formulierung der Staffelung fei sicher in dem n a t i o n a l l i b e r a l e n Anträge eine Verein­fachung desVeranlagungs geschäftes enthalten, der Na ch t e i l sei der große Sprung bei den Ucber - gangen. Seine Partei fei bereit, die Heranziehung des Ein­kommens nach dem Antrag Eczberger zu vollziehen. Äe Unterscheidung von fundiertem und unfundiertem Einkommen wird natürlich schwierig fein. Bezüglich der Staffelung sei seine Par­tei bereu, über 0,7% hinauszugehen bis auf etwa 1%, evtl, über 1% hinaus, falls sonst die Summe nicht auf Rim c.

jSin n ationallibcralcs Mitglied bebt die Vorzüge einer Klaffeneinteililng des Vermögens ljcrvor. Die Nachteile, der große Sprung, seien auch bei anderem Verfahren nicht ganz zu vermei­den, da schon jede Vermögenseinschätzung viel Willkürlichkeit ent­halte. Man habe das allerdringendste Interesse daran, die Ver- anlagung so einfach wie möglich zu macheii, sonst drohe die Gefahr einer Beamtenoermehrnng und einer Unzahl von Pro­zessen. Eine Formulierung des Begriffs:Einkommen" in dem Gesetz wäre sehr bedenllich, weil dadurch eine unheilvolle Ver­wirrung in die einzelstaatlichen Einkommensbegriffe getragen würde.

Im Laufe des heutigen Tages soll eine Besprechung von Vertretern jeder Fraktion stattfinden, zusammen mit dem Schatz­sekretär, um den Versuch einer Verständigung über die Skala

IINis dem Wehrbcitrag herauszuziehen. Ein weiteres sozialdcmo- ^mtisckes Mitglied verteidigt nochmals die Anträge seiner Partei. Iloeionberer Wert müsse auf einen einheitlichen Maßstab für die I» -ianlagung im ganzen Reiche gelegt werden, und zwar nicht M ,sür das Vermögen, sondern auch für das Einkommen, ubaige Ueberschüssc aus dem Wehrbeitrag sollen verwenbet vrrden der Reihe nach wie folgt: Je 10 0 Millionen Sc Veteranen fürsorge, für Säuglings- und kl il 11 e c s ch a fts r s o r g e, zur Förderung der Volks- Uffsundheit, zur Unterstützung des gemeinnützigen

ZWeiier Matt 165. Jahrgang

Ketzener Anzeiger

Gmeral-Ayzeiger für Gberhefjen

Dr. Linse führte etwa aus, daß das Thema, über das m n .,oIIc'. ia ^ehr oder weniger jedem bekannt fei. Poli- kssad Organisationen, die sich mit Staatsaufgaben beiawrtigcn, und eine Weltanschauung, Rechtsauffassung nsw. und sonach eine philosophische Grundlage haben. Die konservative Partei betrachtet die Welt von der Ackerffrrche aus, die Sozial- demolratie von der Werkstätte aus und das Zentrum von Rom aus. Aie Liberalen haben es versucht, fick von solchen ein- icitigen Anschauungen fernzuhalten, doch ist cs ihnen nicht volß- standig gelungen. Zahlreiche wirtschaftliche und berufliche Or­ganisationen haben auch auf die liberalen Parteien Einfluß ge­wonnen, und man muß, nur dafür sorgen, daß die idealen Ziele Juü,on i wirtschaftlichen Bestrebungen erdrückt werden. Die Geschichte der politischen Parteien beginnt 1848. Man hatte oam-als zwei parlamentarische Einrichtungen, die allgemeine Na- !^oaalvcrsamnilung in Frankfurt und die preußische in Berlin xsn beiden Versammlungen gab cs eine demokratische Linke und eine monarchische Rechte, dazwischen das rechte und linke Zen- trum /nicht zu verwechselu mit dem heutigen Zentrums Politisck>e Parteien in unserem Sinn entstanden erst im preußischen Land- c anfangs nur die Abgeordneten auf ihre Person hin gewählt worden und sic schlossen sich einzelnen Gruppen nach Belieben an Mit dem Regicrungsbeginn König Willrelms I begann die liberale Partei ihre Tätigkeit. Es kam'zu Differenzen nnt der Regi.'rung wegen der Seeiicsverstärhing, doch auch 1863 blsebcn die Liberalen in der Mehrheit. 1866 brachte die Schlacht bei >ioniggratz den Umschwung. Man gab denen recht, die für öic Heeresvorlage eingetreten waren. Es entstand die national- liberale Partei, ine rasch die stärkste Partei wurde. Im übrigen bildeten lief) verschiedene Parteien, die sich in Bismarckianer unb Antibismarckianer schieden. Bis Mitte der 70er Jahre blieben die liberalen Parteien in der Mehrheit. Es folgte der ünlOirtampf, in dem die Nationalliberalen Bismarck getreulich folgten. Dann kam die Zeit des Sozialistengesetzes, das in ber ^volgezeit gerade dem Liberalismus schadete. Die National- liberalen kamen nicht mehr in alter Stärke in den Reichstag surucL zumal sich mehrere Gruppen von ihr abgetrennt hatten, pur Erlangung des Schutzzollchstems wandte sich dec Reichskanzler dem Zentrum zu. Erst die Wahl von 1887 brachte Bismarck eine Mehrheit nach seinem Wunsch, 122 Konservative und 99 .'.atwnalliberalc. Mit dieser Mehrheit wurde die Militäroor- angenommein 1888 brachte die kurze Regierung des Kaisers rVriedrich die Aufhebung des Sozialistengesetzes und die Wahlen von 1890 beseitigten die seitheriac Mehrheit. Dann wurde das Zentrum immer mehr zur ausschl.aggebenden Partei, bis auf b.w kurze Zeit des Bülowblocks. Diese Zeit und die letzten Jahre sind noch in allgemeiner Erinnerung, so daß ein näheres Ein­gehen darauf nicht nötig ist.

Die erste Lesung über -en Wehrbeitrag im Ausschuß.

:: Berlin, 29. Mai.

Der Budgetausschuß des Reichstages begann heute die erste Lesung des Gesetzentwurfes über einen einmaligen außerordentlichen Wehr beitrag. Der Berichterstatter, Graf Westarp, legte den Charakter des Wehrbeitrages als emer Zwecksteuer bar, die eine Ausnahme darstelle, und regte an, auch sckwn über die Verwendung der sich ergebenden Ueber- schüssc Beschluß zu fassen. Auch bei den Ausnahmeregeln sei das Prinzip, die flcucriidfc Gerechtigkeit zu wahren. Besondere Be­achtung finde in den Anträgen die Frage der u n t e r e n G r e n z e und die Frage dec Heranziehung der Einkommen, die Frage der Staffelung und die Behandlung des fundierten und des urtfunbierten Einkommens.

Staatssekretär Kühn betonte in Uebereinstimmung mit dem Referenten zunächst beit einmaligen Charakter der Abgabe. Diese Einmaligkeit sei eine unentbehrliche Voraussetzung für die Einzel- ftaaten im Interesse ihrer Finanzen und auch im Interesse der Steuerpflichtigen, denn wenn cs auch unglaublich übertrieben wäre, diesen Wehrbeitrag eine Konfiskation zu nennen, so sei cs doch nicht ganz unzutreffend, daß, wenn man eine folche Vermögensabgabe häufig wiederholen würde, dies schließlich auf eine partielle Konfiskation hinauskommen würde. Gerade aber weil die Abgabe eine einmalige wäre, müsse man sie in erster Suuc den Vermögen und nicht den jährlich wechselnden Ein­kommen anpassen. Je tiefer man herabginge, und je speziali­sierter man staffele, desto schiverer sei es, b i ber Veranlagung stch. noch an bie der Einzclstaatcn anzuschließen, wie dies be­absichtigt sei. Die Regierung sei.grundsätzlich bereit, in allen Einzelheiten den Wünschen des Ausschusses cntgegenzukommen und an Berbefserungsvorschlägen mitzuarbeiten, denn die Regierung habe das dringendste Interesse, daß dieser wichtige Teil der Deckungsvorlagc möglichst bald zustande käme.

Ein sozialdemokratischer Redner erklärte sich mit ber Tendenz des Gesetzes, das. sozialdemokratischen Charakter in lid) trage, einverstanden. Diese Maßregel bedeute einen ersten Schritt zur Vereinheitlichung ber BePuecung im Reiche. Der jetzige Zustand der Steuerkonkurrenz unter den Einzelstaaten sei unhaltbar. Weiter sei das Prinzip der Leistungsfähigkeit in dem Gesetz enthalten. Alle Anträge enthielten die Progression und alle Anträge gingen auf 1 Prozent, der sozialdemo­kratische aus 5 Prozent, und das sei für die Ge­rmane in dem Rüstungsgeschäft nicht zu viel.

Staatssekretär Kühn erwiderte, die Sozialdemokraten wollten stdcsmal bei neuen Militärvorlagen Vermögensabgaben erheben, die Regierung aber nur einmal und ferner wolle die Sozial­demokratie nur die reichen Leute besteuern, während die Re­gierung in Uebereinstimmung mit ber großen Mehrheit auf dem Standpunkt stehe, baß bei einer solchen entscheidenben Maß­regel zum Schutze des Reiches möglichst weite Kreise beteiligt werben sollen.

Ein Z e n t r u m s r e d n e r erklärte, ber Gedanke der Vorlage, die hohen Einkommen zu schonen, sei unannehmbar und abnorm. Der Zentrumsantrag scheine ihm das Richtige zu treffen, und er hoffe, da er sich nicht auf Einzelheiten festlege, auf eine Verständigung mit den anderen Parteien. Im allgemeinen sei die Vorlage gut, aber hmzukommen müsse die Heranziehung der Einkommen und ccne größere Berücksichtigimg der kleinen Vermögen und als Endziel die Erreichung der Summe von einer : MiNiarde. Dabei sei es besser, jetzt "100 Millionen mehr . zu erheben, als später mit einer Nachbesteuerung zu kommen.

Ein nationalliberaler Redner stellte die einmütige Anerkennung der Wehrsteucr im Ausschuß fest und vertrat weiter " »m Vorschlag seiner Freunde, die großen Vermögen nicht so 'darf zu erfassen. -

Der Abg. R u l a n d führte u. a. aus, die Abschaffung der Diktatur habe die erwarteten .Hoffnungen nicht erfüllt, es fei erst recht die Verhetzung ins Volk getragen worden. Leider würden die deut fch feindlich en Bestrebungen gerade von Leuten unterstützt, die bestimmt seien, für den Frieden zu sorgen.

Unterstaatssekretär Petri erklärte: Die Bevölkerung un­seres Landes ist ruhig. Sie hat in ihrer großen Mehrheit den Anschluß an das deutsche Reich gefunden. Ebenso richtig ist es aber auch, daß im Lande eine allerdings Flein c Schar von Leuten vorhanden ist, die es sich zur Aufgabe machen, das Deutschtum zu verhöhnen und "herab z u w ü r - di gen und dem Anschluß an Deutschland entgegenzuwirken. Die 2. Kammer hat erfreulicher Weise nocki vor wenigen Tagen diese Tendenzen von sich abgeschüttclt. Wir müssen ein Mittel haben, um derartigen Auswüchsen entgegenzutreten. Diese Waffen haben einen vorbeugenden Charakter. Wir besitzen heute noch I nicht bie Bürgschaft dafür, ob, wenn wir die Bcstimmungen v - - - - ......-... 'beseitigen, mir uns später nicht sagen müssen: Wir haben Un-

man noch werter auseinander. Die Grenze von recht gehabt.

Die Hoffnung, heute die Arbeiten des Landtages beendigen zu lonncu, wurde dadurch zunichte, daß die Erste Kammer den Gcietzentwurs betreffend bie Gewährung einer Teucruugs - äu l äge an Beamte, Lehrer und Geistliche nochmals an ihren Ausschuß berrtncien hat. Aus der Mitte des Hauses war erklärt worden, daß sich d'.e Lage infolge der Annahme des Besoldungs- gcsctzes geändert habe, und bie Deckungsvorlage noch un­geklärt |et.

Ein vortrüg über die politischen Parteien.

rn (rt .. n. Gießen, 30. Mai.

Generalsekretär Dr. Linse sprach gestern abend int nativ- n aI.l tb er al eit herein über die politischen % ar ei en. Professor Dr. Körte begrüßte die Erschienenen und besonders die Damen, bie seit letztem Winter ebenfalls Mitglieder weroen wunetk. Der Redner betonte, daß die nationalliberale Partei neckst für das poltttsche Wahlrecht der Frauen sei. Dagegen sei die 4.artet der Ansicht, daß die Frauen in sozialer und kom­munaler Beziehung mehr herangezogen werden könnten, und die tm Erwerbsleben stehmden Frauen sollten das Wahlrecht zu den Bertlfsgenossenschaften erhalten. Man wünsche ferner die ..(itarbcit dec Frau zur Erziehung ber Jugend im natioiralcn und liberalen Sinn.