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24.4.1913 Drittes Blatt
 
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äufFcbC und wünscht zu Stcfem Zwecke die EinbrrÄMNtz ciittS Gesetzes durch die Negierungen. Einen solchen Entwurf kann ich nicht in Aussicht stellen, denn auch dieser würde den verfassnngsmähigcn Grundlagen widersprechen, auf denen das deutsche Reich aufgebaut ist. Die Vernehmung der Zeugen und Sachverständigen ist nicht Sache der parlamentarischen Körperschaften, sondern der Exekutive. In die Exekutive einzu­greifen liegt dem deutschen Reiche um so weniger ob, als es ein Bundeöslnrü ist, und die Exekutive den Einzelstaaten obliegt. Ich mutz also sowohl der Einsetzung einer Kom­mission widersprechen, als auch erklären, daß ein Gesetzentwurf, wie er verlangt wird, nicht vvLgelegt wird.

Anders fleht der Reichskanzler zu der Resolution der D » d g e t l v m m i s s i o u. Auch bezüglich dieser Kommission bat der Reichskanzler das gleiche versassuugsmätzige Bedeuten. Es Ixmbctt sich hier um einen Akt der Exekutive, und auch die Auf- fteüu«g^deS Programms der .Kommission ist nacu Lage der Ver- tassnng Sache des Reichste nKlers. Andererseits hält es der Reichs- brr^lcr für erwünscht, über die Fragen der Versorgung unseres Heeres mit Waffen und Kriegsmaterial und die dabei in Zukunft eiöxt einzu schlagen den zweckmäßigen Matznahmen in weitem Uni- fsngc Sarl'vei'ständige zu hören. Er ist auch gern bereit, sich dabei der ^aditunbc von Mitgliedern des Hauses zu bedienen. Wrr sind zwar überzeugt, datz eine solche Untersuchung Mißstände io wenig ftstfteüen wird, ivic etwa eine Di it schuld der Regierung hievon, und ich mutz auch mernerseits gegen eine derartige UnterftcZIang mit aller Entschiedenheit Einspruch er­heben.

Wenn ber Reichskanzler eine solche Kommission niedersetzt, so geschi^t datz allein in dem Bestreben und in dem Wunsche, zwerselhaste Vorgänge aufzuklären und dabei niemanden zu schonen, sondern lediglich die Verhältnisse klarzulegen und danach feftzmtellen, ab cüxhi das Versalze«, wie es bisher bei B«get»ntg der Licserrmgen eurgeschlagen worden ist, in Einzel- beiten einer Verbesserung fähig ist. Ich habe deshalb im Damen des R e i ch S k a n z l e r K zu erklären: »In der Resodrtnou, betreffend dir Bildung einer Kommission zur Prü­fung der RüslungSlieferungen, ist vorgesehen, daß der Reichstag Mitglieder in diese .Kommission wählen soll. Hiergegen bestehen Btchenken grundsätzlicher Art. Dagegen ist der Reichskanzler be­reit, den Wünschen dahin stattzugeben, datz er alsbald eine Kom­mission bilden wird, die auS Vertretern der beteiligten Refforts und aus geeigneten Sachverständigen bestecht. In diese Kom- mission saüen auch Mitglieder des Reichstags berufen werden, wobei die Wünsche der Parteien berücksichtigt werden sollen."

Abg. Graf Westarp (KorrsJr

Auch wir lehnen die Kommission aus verfas­sungsmäßigen Gründen ab. Gerade durch solche An­träge, wie sic die Sozialdemokraten gestellt lyiben, loirb im Lande mit Unrecht der Eindruck erweckt, als ob unsaubere Machenschaf­ten vorlicgen. Dadurch gibt man nur den Elementen, die das Bedürfnis haben, verhetzende Agitation zu treiben, ganz tmge- rechtfertigt Waffen in die Hand. Diese Bedenren sind übrigens durch die Erklärungen des Staatösetretärs gegenstandslos ge­worden. Wir wollen uns mit Vorbehalt an den Arbeiten der Kommission beteiligen. Die Vergebung der Lieferungen ist aber Sache der Erekutive. Dem Reichstag steht kein Recht zu, an dieser Durchführung sich zusu.armend oder ablehnend zu be- teiligen. Der Reichstag bat nur das Neckst der etetsmätzsizen und rechrnrugLmäßigen Kontrolle. Unser Wuilsch geht dahin, daß der Reichskanzler Fürsorge tressen möge, daß d i e Kommission und die Gefahr bestehl d i c ihr gegebenen Grenzen nicht überschreitet, daß sic sich nicht etwa her- answächst 5 u einem Ausschuß, der bei Durch­führung dieser Lieferungen sich praktisch be­tätigt. Ich spreche auch im Romen der R c ichSPartei. (Beifall rechts.)

Staatssekretär Dr. Delbrück:

Aus meinen Ausführungen ging klar hervor, dätz es sich nicht Um eine Kommission handeln kann, die in die Exekutive bet 9lc- gierung in irgend einer Weise einzugreisen bat Es soll sich nicht tum bei« um ein«1 Kommission des Reichstags, sondern um eine solche von Vertretern der beteÜig.en Ressorts, zu der L>achverständige auch aus Mitgliedern dieses Hauses zuzuziehen sind. Sie sollen mit der Regierung gewisse Fragen prüfen und gewisse Zweifel auf- ffären. Ich denke mir die Kommission ähnlich wie die 2) a r I = e n gu etekom. mi s s i on.

Abg. Crzbergcr (SentrJä

Als Antragsiellcr in der Kommission bedauere ich die Aus- fuhruLgeu des Grafen Westarp. Es liegt nicht i m I n t c r c f f c des Reichstags, sich gegen die Einsetzung einer solchen Koumrission zu wehren. (Beifall.) Verfassungsrechtliche Bedenken liegen nickst vor, nachdem der Bundesrat schon 1905 einer wörtlich gleichlautenden Resolution zu- g e ft i m m t bat Weder vorn Reichstag noch vom Bundesrat wurden damals irgendwelche Bedenken geäußert. Damit sind alle Gründe aus verfaffungsmaßigen Rücksichten aus dem Felde geschlagen. Gegen die Kommission als solche ist nichts einzu- wenden. Der Reichstag muß sich auch um die Verwendung der Gelder kümmern. Mit aller Entschiedenheit wende ich mich gegen den Grafen Westarp, der das Budget recht des Reichs­tags cinschränten will. (Beifall.) Auch der Reichstag hat das Recht, zu prüfen, ob die Gelder w i r t s ch a f t l i ch aus­gegeben werden. (Sehr richtig!) Sonst sinkt ja der Reichstag zu einer lltegiftriermasckine herunter. (Sehr richtig?) Gerade auf die wirtschaftliche Seite des Etatsrechts legen wir den denkbar größten Wert (Beifall.) Öterabc die Parteien, die entschlossen sind, an einer Vermehrung unserer Rüstung mitzuarbeiten, haben daZ Jntercffe daran, daß eine solche Kommission volle Klarheit schasst. (Sehr richtig!) Gegen eine VcrtuschungSkommission wende ich mich mit aller Energie. (Beifall.) Es sind aber eine Reihe von Fällen in der Vergangenheit vorgekom- nten, wo die Gelder nicht zweckentsprechend verwendet wurden, '-sehr richtig!) Wir haben für Panzerplatten 2300 Mk. gezahlt, daS Ausland aber nur 1920 Mt. (Hört! Hört!)

Der Vorgäiigcr des irrigen Kriegsministers hat am 27. März 1905 ausdrücklich zugegeben, daß an eine bestimmte Firma, die allein das Monopol für die Lieferung von Kanonen und Panzer­platten chatto, mindestens 60 b i 5 80 Prozent mehr be - zahlt werden mußten, als von dem Moment an, wo eine andere Firma als Konkurrenz ausge­treten ist. (Lebh. Hort, hört!) Hier handelt c5 sich also um Millionen und der Reichstag muß bei diesen Fragen mitsorechen formen. Da? ist ein so ureigne? Recht des Parlaments, datz ich den größten Widerspruch bagegeu einlegen mutz, daß man uns diesctS Kontrollrecht so einschränken will, wie cs eben versucht worden ist. (Sehr richtig!) Mau mag über die Mitteilungen des Abg. Liebknecht denken, wie man will; eine Tatsache steht ^Zweifellos fest: Der Brief der Deutschen Waffen- m n ö Munitionsfabriken, betreffend die Einwirkung auf ,französische Zeitungen. Wenn man berücksichtigt, daß dieser Bries nm Jahre 1907 geschrieben ist, so gewinnt er eine weit größere Bedeutung. Damals fing Frankreich erst an, mehrere Dteschiuen- gewehre in den Dienst des europäischen Heeres zu stellen und man hat dann später un§ oft erklärt, wir brauchen die Maschinen­gewehre, weil Frankreich uns darin voraus ist. Bei Bcrücksiclsti- gung duffes Zeitpunktes, gewinnt der Brief ein anderes Gesicht. 'Sehr wcchr!)

Ö? deshalb ganz gerechtfertigt, wenn wir in einer Kom­mission die Prüfung aller dieser Fragen, auch der Frage der Er­richtung eigener Waffen, und Munitionsfabriken vornehmen. Es handelt sich doch darum, daß wir 17 Millionen glatt ersparen konnten. In der Budgetkommission haben wir zu einer solchen Prüfung gar nicht die Zeit. Dazu brauchen wir eine ge- fOnbccte Kommission, die auch dann tagt, wenn der .'Reichstag nicht versammelt ist. Wir haben ja Sachverständige in großer Fülle. «Zurufe: .Hausier!- Heiterkeit.) Ich habe nichts dagegen. Mit der Annahme der Resolution ber Budgct- kommission überschreite: der Reiclnäag keineswegs seine Kompe­tenzen. Das ist auch nicht bic ^lbsicht der Resolution. Dcm Anträge der Sozialdemokraten können wir nicht zustimmen au? denselben Gründen, die wir schon 1905 bargelegt haben. Ich bitte Sie, die Resolution der Budgetlommission anzunchmcn, damit wir praktische Arbeit leisten und künftig viele Millionen sparen können. (Lebh. Velsgll^jvß Zentrmn uub staks.)

Abg. Dr. Pnaschc (Naü.):

Ich kann mich den Ausführungen des Vorredners nur cm- schließen, daß das Vorgehen mit der Kommission in keiner Weise verfassungswidrig ist. im Gegenteil, und ich habe mich sehr ge­wundert, laß Herr Westarp für seine Freunde unb die Reichs. Partei die Erklärung abgegeben hat, daß wir damit in die selb­ständige Exekutive der Regierung eingteifen würden. Wie eine solche Rachprüfung in die Exekutive der Regierung eingreifen soll, ist einfach unverständlich. Wir haben diese Prüfungen ja schon bei vielen Gelegeicheiten vorgenommen. Ich selbst bhi dreißig Jahre in der Budgetkommission, und wir sind immer dankbar gewesen, wenn wir Gelegenheit gehabt haben, zu prüfen und nicht nur fest­gestellt haben, datz der Obcrrcchnungshof all dre Einzelposten untersucht hat; nein, wir haben bei jeder Gelegenheit kritisiert, ivir haben die Lieferungsbedingungen kritisiert, die Verträge, und nur haben uns nie das Recht nehmen lassen, von uns selbst zu prüfen. Die Marineverwaltung hat ja einige Mitglieder des Hauses, der Kommission, mit bineingenommen in die Werften, hat ihnen gezeigt, wie gewirtschaftet wird, wie da jährlich 24 000 Zentner Rechnungen von der Kieler Werft allein noch Potsdam zur Oberrechnt.ngstemmer geschickt sind. Soll das auch ein Ein­griff in die Exekutive der Regierung fein? Wir werden dieser Resolution zuftimmen, aber nicht dem darüber hinaus, gehenden Antrag der Sozialdemokratie. (Beifall.)

Abg. Dr. Müller-Meimngcn (Vp.):

Wir haben in der Kommission nicht für die Resolution ge­stimmt, weil wir ausdrücklich daran festhalten wollen, datz wir eine parlamentarische Enquetckommission er­halten. Unsere Stellung wollten wir danach bemessen, was hier im Plenum erfolgen würde. Die Ausführungen des konservativen Redners erschien uns weder konsequent noch besonders geschickt. Wir verstehen besonders nicht, wie er von einem Eingriff in die Exekutive sprechen konnte. (Sehr richtig! links.) Die Hauptsache ist unb bleibt, daß die Kommission vor allem das Ver­trauen der ganzen Bevölkerung genießen soll. Dies SKcrtrauen wird eine rein parlamentarische Kommission allein haben, eine bureaukratisch zusammengesetzte würde cs nicht haben. Gegen die Aeutzcrung des Staatssekretärs Dr. Delbrück, daß wir etwas Verfassungswidriges tun, möchte ich mich ganz nachdrücklich wenden.

Ick) tterstehe Sic gar nicht; die Konsequenz wäre, datz der Reichstag niemals an eine Verfassungsänderung herantretcn könnte. Die Jnitiatwe dazu kann sowohl das Parlament er­greifen, wie der Bundesrat, und dieser hat es schon mehrfach ge­tan. Wir können also auch aus unserer Initiative einen Eingriff in die Verfassung machen, wir haben das Recht, die Verfassung zu ändern. Ein solcher Antrag ist keine Verfassungswidrigkeit. Er ist muh kein Eingriff in die Initiative, sondern einfach die Kon­trolle, die aus unferem Etatsrecht entspringt. Rudolf von Gneist hat das gerade als das höchste tlkccht der Parlmncnte erwiesen. Unb dieses Kontrollrecht wollen wir unter allen Umständen wah­ren. Der sozialdemokratische Antrag erscheint uns ettoas unklar, ob er die Bildung von Enquetekommrffionen ganz allgemein will oder bloß für diesen Fall. Wir werden aber für den sozialdemo­kratischen Eintrag stimmen, wenn er abgetehnt wird, für oen An­trag der BrrdgeLlommissiou, der wenigstens etwas gibt.

Staatssekretär Dr. Delbrück:

Ich sehe in der Resolution Albrecht und Genossen nicht, wie Herr Dr. Müller-Meiningen meint, eine Verfassungsänderung, sondern nur einen Anfang mit Handlungen, die in der Ver­fassung ihre Begründung nicht finden. Wenn eine Acnderung der Verfassung beabsichtigt wird, so müßte man zunächst einen solchen Antrag stellen. Ob der Buridesrat nachher diesem Initiativanträge zuitimmen wird, ist eine zweite Frage. Wir tonnen doch in Deutschland lücht die Versaffung dadurch ändern, daß der Reichstcug etwas tut, was mit der Verfassung nicht in Einklang steht. Ich habe mich lediglich darauf beschränkt, daß ich erklärt habe, der erste Teil des sozialdmokratifchen Antrages würde in unserer Reichsverfaffung keine Grundlage haben. Shi dieser Auffassung halte ich fest. Nach meiner Kenntnis der Dinge würde aud) in den verbündeten Regierungen wenig Neigung vorhanden sein, einer Verfassungsänderung dahin zu­zustimmen, dcch in Zukunft derartige parlamentarische Untcr- suchungskommissiorien nach englischem Muster erngeführt würden.

Wenn man nun meinen Ausführungen die Ereignisse von 1905 gegenübergestcllt hat, so findet das seine Widerlegung darin, baß eine einzelne Handlung, die mit den Gricndlageit der Ver­fassung im Widerspruch steht, noch nicht eine Abänderung der Ver­fassung begründet. Auch wenn 1905 der Bundesrat den dama­ligen Vorschlägen zugestimmt hat, so ist damit nicht ein anderes als das heute bestehende Recht geschaffen, und der Bundesrat kann -auch heute noch gegen die damaligen Vorgänge Bedenken geltend machen. Mehr als Bedenken habe ich auch gegen den Antrag der Budgetkonlmission nicht vorgebracht. Die Rechte des NeichslageS will ich in keiner Weise bezweifeln ober einschränken.

Der Reichstag kann durch .Kommissionen, Subkommissionen und besondere ftommifftenen soviel verhandeln und beschließen, wie ihm auf Grund der verfassungsmäßigen Rechte auf dem Ge­biet der Etatsbewilligung irgendwie notwendig erscheint. Aber der Reichstag ist nicht in der Lage, eine gemischte Kommission nie­derzusetzen, in der Mitglieder der verbündeten Regierungen oder nicht dem Parlament angehörende Mitglieder sitzen, sondern eine solche gemischte Kommission rann nur der Reichskanzler nieder- setzcn, weil cs sich hier nicht um die Ausübung des Budgetrechtes des Reichstags, sondern um eine Verwaltungssache handelt. Jrn übrigen habe ich mich bereit erklärt, durch eine solche Kommission die zur Klärung der streitigen Verhältnisse erforderlichen Sach­verständigen vernehmen zu lassen.

Abq. Dr. Frank (Soz.)^

In der Form sind die Erklärungen des Staatssekretär? ein Rückzug, in der Sache nicht. Die verfassungsrechtlichen Vor­lesungen hier haben also auf den Staatssekretär keinen Eindruck gemacht. Die Negierung sollte für unsere Anträge dankbar sein. Sie irrt, wenn sic glaubt, sie habe das Vertrauen im Lande und die Autorität, die notwendig sind, eine solche Kom­mission einzusehen. (Sehr richtig! b. d. Soz.) Das Vertrauen ist auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Soll die Kom­mission etwas nützen, so mutz sie Vertrauen haben im Lande. (Sehr -richtig!) Darum mutz sie in der Mehrheit aus Vertretern des Volks bestehen.

Abg. Dr. Spahn (Zenkr.)' tveiff die verfassungsmäßigen Bedenken zurück. Der Staatssekre­tär unterschätzt das Maß von Mißtrauen, datz im Volke gegen die Heeresverwaltung in dieser Form besteht. (Hört! Hört!)' Von hochstehender Stelle ist mir nod) heute ge­sagt worden, datz eine solche Kommission keinen Zweck haben mürbe, wenn sie nicht richterliche Befugnisse haben würde. (Lebh. Hört! Hort!) Wird das aber be­schlossen, so würden langwierige Verhandlungen entstehen. Die Hauptsache ist aber, daß rasch gearbeitet wird, daß die Frage sofort in Angriff genommen wird. Daher bitten wir Sie, dem Befchlutz der Budgetkommission Zuzustimmen.

Abg. Gras Westarp (§kons.)' stellt fest, daß er sich bei seiner Stellungnahme gegenüber dem sozialdemokratischen Antrag geirrt habe. Er sehe erst jetzt, daß die Sozialdemokraten ein Gesetz verlangen, durch das der Kommission besondere Rechte cingcräumt werden sollen. Ein allo ines Mißtrauen gegen unsere Krjegsverwallnng be- fteht nicht.

Abg. Waldstcin i'Vp.):

Der erste Teil des sozialdemokratischen Antrages liegt inner­halb der jetzt schon bestehenden Befugnisse des Reichstags. Der zweite Teil ist nichts als ein gewöhnliches Gesetz. Es kommt also nicht eine Verfaffungswidrrgteit, nicht einmal eine. Ver­fassungsänderung vor.

Staatssekrekär Dr. Delbrück:-

Herr Frank hat der Regierung sein tiefes Miß­trauen ausgesprochen, al sob ihre Vertreter in der Kommission nicht zuverlässig unb unparteiisch arbeiten könnten. Tatsachen für diese Behauptung sind nicht erbracht. Die wenigen Fälle von B e st c ch u n g, die gelegentlich überall einmal verkommen können, können die Behauptung nicht begründen, dSL eine ganze Regierung mit shrev S^amtev das. tjefe M

ftmtot des gan-en Landes verdrcnc. Auch Dr. Hai von einem tiefen Mißtrauen gegen die Regierung gesprochen. Dagegen mutz ich mich auf5 allerentschicdenste verwahren. Wir sind uns alle bewußt, daß wir vom erfreu bis zum letzten redlich sind, unsere Pflicht zu tun, und in weiten Kreisen bestehr die Vorstellung, datz unsere Regierung und unsere Beamten absolut intakt find und ihre Pflicht tun, wie inan es irgend bedancer kann. (Beifall rechts.)

Abg. Lcdebour kSoz.):

Nach seineil Ausführungen müßte Herr Spahn eigentlich auf dem Dodcn unseres Antrages stehen. (Abg. Spahn schüttelt den Kopf.) Sollte sich bei Durchführung unseres An­trages die Notwendigkeit einer Verfassungsänderung hsransstelle>i, jo bietet unsere Verfassung feine Hindernisse. Der Kriegsminister hat gegenüber den Enthüllungen Liebknechts mit dem frivolen Scherz geantwortet, ob die Rüstungsindustrie vielleicht auch de» Balkan krieg verschuldet habe. (Vizepräsident Dr. Paasche ruf? den Redner wegen des Ausdruckes »frivol" zur Ordnung.)

Abg. Mcrtin (Rv.)

. Von Verfassungsänderung sprechen wir deshalb, weil c5 nicht fine beliebige Kommission des Reichstags fein soll, sondern eine gemischte Kommission. Auch wir wollen Aufklärung. Das wird aber damit nicht erreicht. H e u t c h a t der sazialdemokratischc Abg. Borchardt im Abgeordnetenhaus den Grundsatz proklamrsrx in einem Anträge: »Als Fraktion gilt jede Gruppe von Abge­ordneten mit besonderen Parteigrundsätzen." (Große Heiterkeit.' Also Sie haben zum Dreiklaffenftaatsvarlament.mehr SkEttemer als zum Reichstag.

Abg. Dr. Paasche CNatl.-k

Da- Mißtrauen rm Volke ist tatsächlich berechtigt und veS halb sollten wir an der Kommission doch festhalten. die die Bud- getkommiffion vorgcschlagen hat. Die Rechnungskommiffion be- schränkt sich auf ernt neue rechnungsmäßige und etatsmäßige Prüfung. Ich mutz ausdrücklich Protest dagegen erheben, wenn die Konservativen uns nur daS Retch der etatsmätzigcn und rechnungsmäßigen Kontrolle zugestehen wollen. Air müssen auch ein weitere- Recht für uns fernerhin :n Anspruch nehmen.

Abg. Graf Westarp (Kons.):

Ich muß zugcstehen, daß die Anträge der Sozmldemmratea formell berechtigt sind. Werden Sic auf meine Anerkennung nur nicht zu stolz. (Heiterkeit.)

Sämtliche Anträge ber Sozialdemokraten werden gegen die Stimmen ber Sozialdemokraten, der Polen unb ber Dolköpartei ab« e lehnt. Die Resolution der BudgetLom- in i s i o n und gegen die Stimmen der Konservativei und der Reichspartei angenommen.

Der Militäretat wird erledigt.

Nächste Sitzung Donnerstag. Etatrestc.

Schluß gegen 8 Uhr.

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Universitäts-Nachrichten.

Der a.-o. Professor unb erste Assistenzarzt an bn chirurgischen Minik der Universität T üb i u gc n , Dr. Mai von Braun, ist zum leitenben Arzt der chirurgische, Abteilung des Augusta-Hospitals in B o chu m berufe worben.

An Stelle des verstorbenetl Lrosrats Prof. H. Stibtit ist ber Privatbozent Dr. meb. Joseph Markowski zun. orbentlichen Professor der Älnatomie an ber Universitix Lemberg ernannt worben.

Vermischter.

* Staatssekre r a. D. Dr. Dcrnburg über bei W c r t ch r i ft l i ch e r Missionen. Inr Blick auf die Natio nal spende zum ftaii'criubiläum für die christlichen Misswnek in den deutschen Kolonien und Sclmtzgebieten hat der ehemalige Staatssekretär des Reichskolonialamts Wirklicher ssseheimer Rat Dr. Dcrnburg folgendes beachtenswerte Urteil über den Wert unb bic Bebeutung unterer christlichen Missionen abgegeben: habe in meinem: amtlichen Bertehr hier und in ben Kolonien eine große Anzahl von Missionaren beider Konfessionen kennen gelernt: ich habe sic auf ihrer Arbeitsstätte beobachtet unb ihre Leistungen verfolgt. Die christliche Mission ist besonders in den Kolonien, aber auch in anderen Ländern autochthoner Kultnr ein wichtiges Mittel jur Hebung der Sitten ber Eingeborenen unb eine aus­gezeichnete Vorbereitung für bereit Eingliederung in den Mecha­nismus der beherrschenden Staaten. Sie ist besonders da, wo sic gleichzeitig bessere Kenntnis des Ackerbaues und ber Erwerbs- meiHoden vermitteln, auch für die wirtschaftliche Entwicklung der bcircffendcn Gebiete von Wichtigkeit. Ihre Wirtsamkeit als Arzt itb in ber Krankenpflege ist in ben vielen Gegenden, wo der Staat dafür noch nicht hat Vorsorgen können, nicht ersetzlich. 9lus ihrer intimen Kenntnis der Völkersä>aften, bei denen sie wirken, gestützt durch die Tradition, die sich auf ihren Stationen ausbildet, haben die Missionen sowohl ber Wissenschaft theoretisch, als auch der Vcrwaltungskunft prattisch die wcrwollsten £ ei (hüt gen ge­liefert. Daß babei unter Um stäuben auch Fehler gemarht sind unb nicht überall ihr Verhältnis zu ben staatlichen Gewalten bas Richtige gewesen isst, erklärt sich aus ber ictgciiartigett Zwiscben- ftellung, welche ben Missionen ihre Arbeit anweist. Diese Fehler haben sich von Jahr zu Jahr verbessert und fönncit an ber all - gemein freundlichen unb dankbaren Beurteilung nichts ändern." Tics Urteil aus so bcbcutianicni Munde dürfte ein vermehrter '"An- porn für die breite Oesfentlichkeit sein, ber Rationalspcnbe ihr lebendiges unb tatkräftiges Interesse zuzuwenben.

* Französischer Witz. Der Politiker. ,,Die brei­jährige Dienstzeit? Sie tut uns bringend not . . . Wir müssen tc entführen."Aber Ihre Frau sagte mir doch eben, Sie hätten sich dagegen ausgesprockienAber doch nur int engsten Familienkreise." K u u st g c svrä ch. Junge Dame sckwär- menb)Ich glaube, es gibt keine herrlicheren Porträts, als die von Remdranbt." Ihr Tischherr:Ah, also deshalb läßt er sich eine brachen so teuer bezahlen." Ter Statistiler.Er taunlich, diese neue Statistik von mir! Jedes Mal, toenu ich Atem hole, stirbt jcmaitb aus der Welt."Ach, könnten Sic bann nicht mit dem Atemholen ein bißchen anhalten?" Im neuen L u x emb o u rg - M useum.Tie alte Kapelle des Seminars wird also für die Werte Rodins reserviert. Ob sie gc nLigen wird?Ter Hebe Gott war damit zufrieden . . . Mer das will ja noch nichts beweisen."

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