Deutschs» Ueich.
Vom württ em bergischen Landtag.
Der Sozialdemokrat Redakteur Pflüger Stutt
1 gart wurde mit 5646 Stimmen gegen den Nationaltiberalen
tnen einen durchaus harmonischen Verlauf und ließen bat festen Willen erkennen, den bisher cingeschlagenen Weg, durch organi satorische und agitatorische Arbeit -um Wohle der Partei eine rein programmatische Politik der mittleren Linie zu treiben, d. h eine Politik, die durchaus selbständig und unbeeinflußt ist durch außerhalb der Partei stehende Personen und Organisationen. Dieser Wille klang insbesondere aus dem von dem Generalsekretär der Vereinigung, Tr. Otto Linse-Mainz vorgclegten Gc schästsbericht heraus. Trotz der großen Schwierigkeiten, unter denen infolge der bekannten Gegenströmungen die Agitation zu leiden gehabt habe, seien erfreuliche Erfolge zu verzeichnen. Mehrere ttationalliberale Vereine konnten ins Leben gerufen werden, andere, in denen dar Einfluß des Bundes der Landwirte sich geltend machte, wurden im Sinne der von der Trreien Vereinigung vertretenen Politik reorganisiert und ein liberaler Verein in einen rein nationalliberalen Verein umgewandelt. In der Berichtszeit (1. 12. 1912 bis 30. 9. 1913) fanden neben einer großen Anzahl von Veranstaltungen im Bezirk der Freien Vereinigung ins gesamt 48 öffentlich-politische Versammlungen statt, in denen die Reichstagsabgg. Bassermann ynb .Heck, ferner Tr. Pagenstecher- Mainz, Tr. Keller-Oppenheim und der Geschäftsführer sprachen Zur Stellungnahme uiü) Beratung wichtiger Fragen trat der Vorstand viermal zusammen. 26 Tageszeitungen und 2 Wochenschriften erhielten fortlaufend Berichte über die Tätigkeit der Geschäftsstelle sowie orientierende Artikel über die Stellungnahme der Partei zu wichtigen, im Vordergrund des Interesses ftehenden Tagesfraacn. Neben dem Ausbau der Organisation wird in Zu Innft auf die Bearbeitung der Preise ein noch größerer Wert gelegt werden. Ter vom Schatzmeister, Buchdrnckereibesitzer Fr. Kunze, erstattete Kassenbericht zeigt ein überaus günstiges Bild. Tic finanzielle Lage der Bereinigung ist für eine längere Reihe von Jahren in durchaus ausrcick>ender Weise sichcrgestellt. Trotzdem in der Gründungsperiode und während der ersten Seit ihrer Tätigkeit die Freie Vereinigung naturgemäß finanziell stark in Anspruch genommen war, ergab der Kassenabschluß einen lieber- schuß von über 2000 Mark
Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand der Vortrag des ersten Vorsitzenden Tr. P a g e n st c ch c r-Mainz über die politische Lage. Er führte aus: Er müsse, um jeder Legendenbildung vorzubeu'gen, wiederholen, was schon unzählige Male gesagt^ sei. Tie Freie Vereinigung hessisä)cr Nationalliberaler sei feine Sonderorganisation, nichts weiter als eine Arbeitsgemeinschaft natio- nalliberaler Organisationen und Männer für rein national liberale Parteiarbeit. Tas Hauptgewicht sei daraus zu legen, daß wir diese Partäi frei halten wollen von allen frentben Eiw-- flüssen. Man wirft uns Liebäugeln mit der Linken, sogar mit den Sozialdemokraten vor Tcmgcgenüber fei festgestellt, daß wir in unseren -Reihen rechts- und linksstehende Mitglieder der nationalliberalcn Partei Vereinen und keine Ketzerrichter sind. WaS wir aber wollen, ist: daß die nationalliberale Partei ihre Politik selbst mache nach ihren eigenen Grundsätzen durch ihre eigenen Organe, daß ihr nicht durch „wirtschaftlick)e Bereinigungen" eine fremde Politik aufgedrängt werde. Wir sind auch nicht demokratisch, wir befürchten vielmehr von weiterer Demokratisierung eine Klassenherrschaft, sei es von oben, sei es von unten. Ver wickelte wirtschaftliche Verhältnisse erheisckx'n zur Vermeidung des Kampfes aller gegen alle eine neutrale starke Staatsgewalt, die nicht unbebingt dem Drucke der Wähler unterliegt. Aber wie gesagt, die ^entralgewalt muß neutral sein, bart nicht selbst einer Klasse zuliebe, sei es Adel, fei es Arbeitermasse, einseitig Konzessionen machen. Hier muß, wie es die Partei unter Bassermann versuchte, der Hebel angesetzt werden. Ohne die Verdienste des preußischen Adels schmälern, ohne radikal historisch (Gewordenes zerstören zu wollen, nmß das sogenannte „(Yardeprinzip" bei Heer, Verwaltung und Diplomatie eingeschränkt werden, sonst leidet das Vertrauen zur Neutralität der Regierung. In dieses Kapitel gehört auch die Reform des preußischen Wahlrechts. Wir verwerfen auch eine Annäherung an die Sozialdemokratie. Aber das taktische Zusammengehen unsrer Parteifteimde in Baden rechtfertigt sich durch die Umstände; c5 soll eine Zentrumsherrschaft von Straßburg bis München vermieden werden. Uebrigens hat unsre Partei in Baden bei diesem Zusammengehen nicht verloren, wohl aber die Sozialdemokratie Man soll sich über Taktil überhaupt nicht zu heftig entrüsten; alle haben schon Extratouren getanzt, am grundsätzlichsten bad Zentrum. Der Redner geht dann auf die Heeres und Steuerreform ein. Wehrhaft zu fein, sei für die dcutsckx: Nation eine Lebensfrage, deshalb mußten auch die Opfer getragen werden, selbst wenn sie recht sckyver seien. Die Zollpolitik sei keine Weltanschauungsfrage, sondern eine solche der Nützlichkeit. Wir hielten zurzeit einen gemäßigten Zollschub für notwendig. Unsre Handelsverträge sind freilich nicht durchweg Meisterwerke: hoffen wir, daß unsrer Diplomatie, der wir auch deswegen einen bürgerlichen Einschlag wünschen, bei neuen Handelsverträgen gelingt, besonders für unsere voran strebende Industrie Besserung zu schassen. Der Redner verweist zuletzt aut die Wiesbadener Erklärung und schließt etwa mit folgenden Worten: Wir te Fen neu uns mit Bassermann zum Festbalten an der imperialistischen Politik, zum Hockchalten der Wehrkraft, zur.Beibehaltung der in ihren Grundzügen bewährten wirtschaflsr-olitisckxm Haltung der Partei. (Allseitige Zustimmung und lebhafter Beifall.-
Zuletzt sprach Tr. Keller Oppenheim über die Stellung der nationalliberalen Partei zur Landwirtschaft. Eigentlich sollte ein solches Referat überflüssig erfrfxinen, führte er aus: da oie landwirtschaftsfreunblick-c Haltung der Partei feststehe. Aber immer erneute Anzweifelung unserer Bestrebungen von feiten des B. d. L. zwingt uns, bad längst Bekannte zu tviederholen. — Unsre Freundschaft beruht auf breifadtcr Grundlage: Wir brauchen die Bauern als Partei, denn sie sind unsere besten Wähler, wir brauchen sie als Vaterlandsfreunde, denn ohne einen gesunden Banernstand ist Deutschland verloren, und wir schulden diesem <5taube Gerechtigkeit, so gut wie den übrigen Ständen auch. Vor allem halten wir fest am Zollschutz. Die Sätze der derzeitigen HandelSveiträge werden im wesentlichen auch die Grundlage der späteren bilben müssen. Freilich ein „lückenloser Zolltarif" und hohe Futtermittelzölle, loie sie der B d. L. wünscht, sind für uns unmöglich, gerade im Interesse der Bauern selbst. Eine Aenderung Weibeu wahrscheinlich die Einfuhig'cheine ohne Identitätsnachweis sich gefallen lassen müssen, ba bas augenblickliche Svstem zum Sdmden der Reichsfinanzen mifibraudyt wird. Eine Einführung von Gefrierfleisch müssen wir ablehnen, erhoffen aber einen Rück gang der Fleischpreise von der besseren Futterernte. Bisher hat der beutfdje Bauer die Verpflichtungen, die ihm aus dem Zollschutz für die Ernährung des Volkes erwachsen, glänzend erfüllt. Tic Leutenot. eine seiner größten (Sorgen, bekämpfen wir durch innere Kolonisation. Zerschlagen von Riesengütern, Urbarmachung von Oebland und Schaffung von La nbaib.il erst eilen liegen brin flenb im nationalen Interesse. Ein Reickisfibeilommißgesetz sowie die Bekänipsnng des „Bauernlegens" iinb längst Forderungen der Partei. Allgemeiner, lebhafter Beifall.)
Tie Aussprache ergab eine erfreuliche Einmütigkeit. Herr Reich-tagSabgeordncter Heck-Alsfeld gab zunächst seiner Freude Über das Geleistete Ausdruck und ging dann ausführlich aui die RcickStaasarbeiten des letzten Sommers em; besonders gab er reiches Material zur Eharakteristik des Bundes der Landwirte Seine fachmännisch burdibaditen Ausführungen zur Lanbwin schaftsfragc lösten allgemeinen Beifall aus. Herr Th. Böhm Offenbach betonte vor allem, wie luobltuenb ihn, un Wegen fatz zu manchem früher in Hessen Erlebten, die Sachlichkeit und Einmütigkeit der heutigen Versammlung berührt, und svrach de Geschäftsstelle die besondere Zufriedenheit und den Tank bc- GesamlvorstandeS für bas Erreichte aus £ebbnfter Beifall.) An der weiteren Aussprache, bie iiiieinc Angelegenheiten der Freien Bereinigung betrat, beteilig tut sich die Herren Finanzrat Bangel Tr. Pagenstecher, Theob. Bohm, Tr. Linse, Heck. Scior. Oberes'! assistent Muntermann, Prof. Tr. St raufe müllcr und Reck: > anwaLt Bergheimer. Tic Mehrzahl .der Teilnehmer vereinigte sich dann zu einem gemütlichen Mittagsmahl.
Stadtpsarrer Lamparter mit 4162 Stimmen gewählt. Die Stärke der Fraktionen der zweiten Kammer ist end gültig: Zentrum 25, Konservative 20, Volkspartei 19, So SoziÄdemokratie 17, Nationalbiberate 11, Rech te 45 und Linke 47 Sitze.
Ausland.
Neue Steuern in Frankreich.
Der französische Kabinettsrat beschäftigte sich am Sams tag mit der finanziellen Lage und dem Budget für 1914 Einer amtlichen Meldung zufolge legte Finanzminister Tu mont dar, daß der Fehlbetrag für das Budget des Toni menden Jahres sich mit etwa 850 Millionen beziffern lasse Zur Deckung dieses Fehlbetrages soll eineReihe neuer Steuern cingeführt werden: u. a. soll die gegenwärtig vor dem Senat schwebende Einkommensteuer ein Mehr crträgnis von 100 Millionen liefern. Weiter sollen 100 Millionen aus der geplanten K apitalfte ucr und 100 Millionen aus einer Steuer auf ausländische Wert- Pa Piere erzielt werden.
Homcrule für Irland.
In Ladybant in der Grafschaft Fife hielt Premierminister Asquith eine Rede, die im wesentlichen die irische Frage berührte. Er führte ungefähr folgendes aus: Llond (George have unter herzlichem Beifall der Kollegen die Grundlage der Landreform skizziert. Vorher müßten jedoch ausständige Fragen erledigt werden, besonders die Home- rule-Frage. Er erklärte, in der nächsten Session die Parla- mcntsakte der Homerule-Bill anwendcn zu wollen. Tie Regierung werde sich durch die Androhung eines gewaltsamen Widerstandes nicht beeinflussen lassen. Wenn das Gesetz, nachdem es Rechtskraft erlangte, einem organisierten bewaffneten Widerstand begegnen sollte, werde es die Pflicht der Exekutive sein, durch notwendige und entsprechende Maßregeln dem Gesetz Achtung zu verschaffen. Aber die eingewurzelten und aufrichtigen Ueberzeugun^en der Ulsterleute müßten berücksichtigt werden. Tic beste Lösung der Frage wäre die Erledigung in gegenseitiger Uebereinstim- mung. Eine förmliche Konferenz halte er für unzweckmäßig; aber wenn eine allgemeine Neigung zu einem Meinungsaustausch vorhanden wäre, wäre die Regierung durchaus zur Teilnahme bereit, vorausgesetzt, daß in Tublin ein irisches Parlament und eine Exekutive geschaffen und kein dauerndes unüberwindliches Hindernis der Einheit Irlands errichtet würde.
SchükriPascha und andere höhere Offiziere, welche in Bulgarien gefangen waren, sind am Samstag in Konstantinopel eingetroffen und wurden mit großen Ehren empfangen. Eine zahlreiche Menschenmenge bereitete ihnen lebhafte Ovationen.
Heer und Flotte.
Stapellauf eines kleinen Kreuzers.
Kiel, 25. Okt. Auf der festlich geschmückten Kieler Werft erfolgte heute mittag der Stapel lauf des kleinen Kreuzers Ersatz „Prinzeß Wilhelm". Kurz vor 12 Uhr erschien der Oberbürgermeister von Grau- denz Kühn ast mit einer Abordnung dieser Stadt an der Anlegestelle der Werft, wo er von Oberwerftdirektor Kon- treadmiral .Henkel als Vertreter des Staatssekretärs des Reichsmarineamts begrüßt wurde. Sodann hielt Oberbürgermeister Kühnast die Taufrede und hierauf gab der Oberwerftdirektor den Befehl zum Ablauf des Schiffes, der sich unter den Hurrarufen der Versammelten schnell und sicher vollzog.
Einweihung öes Krankenhäuser.
bt. Gießen, 25. Oktober.
Ein farbenprächtiges Bild bot sich am Samstag nachmittag den Passanten der Sonnenstraße, als sich dort die aktiven Mitglieder der Burschenschaft Frankonia, die alten Herren und die Vertreter anderer Körperschaften vor dem bisherigen Kneip- lokal „Zum Andres" versammelten, um die Exkneipe mit dem neu erbauten Frankenhause zu vcriauseljen. Unter Vorantritt einer Musikkapelle setzte sich der Zug, die Chargierten mit der Fahne voran, in Bewegung und wurde im neuen Heime auf der Kaiser- Allee von den dort bereits anwesenden Ehrengästen, unter denen sich auch sehr viele Tarnen befanden, freudig begrüßt.
Tic Feier der
Einweihung im tannengeschmückten Festsaale wurde durch ein Musikstück eingeleitet. Tas erste Wort hatte der Erbauer, Herr Architekt Schramm, der mit kurzer, herzlicher Rede — er knüpfte dabei an den alten Spruch „Vom Zweck zur Form" — dem Vorsitzenden des Vereins „Frankenhans", Herrn Professor Hauff, den Schlüssel übergab.
Tarauf ergriff dieser das Wort und hieß im Namen dos Vereins „Frankenbaus", des Alt Herren-Verbandes und der Burschenschaft Frankonia die Erschienenen herzlich willkommen, darunter besonders den Rektor der Universität, Professor Tr. Körte und Regierungsrat W e l ck e r als Vertreter des Provinzialdirck- tors, und hielt bann eine zu Herzen gehende Ansprackie über die Bedeutung des Tages. Er griff zurück auf die Jahrhundertfeier der Leipziger Schlacht, die der Feier den Gmndton geben sollte, er erzählte von der Erhebung Preußens und der übrigen deutschen Staaten und schilderte, wie in den Tagen aus dem Drang nach Freiheit und Einheit heraus die deutsche Burschenschaft geboren wurde und nach iahrzehntelangen Prüfungen fein höchstes Bestreben, die Gründung eines geeinten deutschen Reiches, erfüllt sah. Bald danach, am 4. Juni 1872, wurde die erste Vereinigung gegründet, aus der später die Burschenschaft Frankonia entstand und in wenig Jahren durch das Entgegenkommen der beiden anderen Gießener Burschenschaften kräftig aufblühte. Da kam denn auch der Wunsch, ein eigenes Heim zu besitzen, und es wurde zum Zwecke des Hausbaues eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet. Ter Hausbauverein sah sein Unternehmen mit Erwlg gekrönt: Am 28. August 1912 konnte der erste Spatenstich zum Frankenhaufe getan werden und am 26. Oktober des selben Jahres erfolgte die Grundsteinlegung. Nun steht das Haus al5 ein Muster gediegener Einfachheit und praktischer Raum- Verwertung fertig da, dank der Opierwilligkcit der Alten Herren und den Bemühungen des Universitätsprofefsors Tr. 011. Der Zweck dieses Hauses soll fein allzeit eine Heimstatt ernsten und fröhlichen Studenlcntums und begeisterter Hingabe an die Aufgaben der dentsckxm Burschenschaft. Damit übergab der Redner das Haus der Burschenschaft.
Im Namen seiner Burschenschaft übernahm der Spreckiei Jakobi das Frankenhans, versprach, es als ein Denkmal bei vfcrTrcubigtcit ber alten Franken zu betrachten, unb brachte Den Tank ber Aklivitas zum Ausdruck. Insbesondere dankte er >cm Professor Hausf, dem die Burschenschaft das Ehrenband verliehen batlc.^iinb dem Universitätsvroscssvr Dr. Olt, vergaß auch nicht, £ic Fürsorge ber Damen, besonders der Frau Professor - * t wid <vrau Architekt Schramm, die durch Blumensträuße geehrt wurden, ins rechte Lickt zu rüden. Dann sprach er den 9l.lc” 5*.rrrcn UT f,V prachtvolles Ehrenschwert, der Buridrcn- icbart Markomannia für un Gemälde und ber Burschenschaft Sa U'rgra tur eine in Ausncktgestellte Standuhr seinen Dank aus und icklotz mit bem Wunsche: Möchte dieses Haus eine Stätte utn, »u ber die Allen zerren gern »urüdkhrcn, um sich in Allerer Mitte wieder jung -,u fühlen wie einst als junge Füchslein Gerne,mam lang man darauf bas von Tr Böckncr gebiditctc markige Frankcnlied.
Nock eine Ueberrafchung wurde ver Burschenschaft zuteil Fräulein Hauff übenaditc ihr mit einem poetischen Glück
wünsche eine wertvolle Büste. Der Sprecher bankte unb fordeutt die Gäste zu einem
Rundgang durch das Frankenhaus
nur, der bie Besucher über die Maßen bcfriebigte. Der Erbauer, Archuekt Schramm, hat nicht an bas Bestehenbe anachtüvit, ft,ndern etwas gan; Neues geschaffen, bas ben modernen Amorde- Gingen entspricht. Einfach unb stilvoll ist die Gliederung des Gebäudes auf der Außenseite, einfach, praktisch unb harmonisch die Ausgestaltung des Inneren.
Tritt man ins Haus, so wird man von einem lunitoollen Wasserspeier, einem Fuchskops, den Professor Tr. C 11 mit Mrister- hanv modelliert hat, empfangen. Man gelangt in ben Empfangs- raum unb von ba in ben prächtigen Festsaal unb in bas Knop-- ummer. lieber ber Eingangstür zum Festsaal befindet fick ein Wandgemälde, ebenfalls von Professor Tr. O l t. Tor Saal selbst ist mit einem stimmungsvollen Gemälde des Kunstmallrs Barthel geschmückt, das ein Motiv aus dem Gießener Stadtwalde barstellt unb bas auf Ausstellungen zu Straßburg unb anderen Städten lobend erwähnt worden ist. Herr Barthel senior hat das Wappen der Burschenschaft in Eichenholz geschnitzt unb babei auf die heraldische Richtigkeit sein Hauptaugenmerk gerichtet. Oben rechts stellt die ausgehende Sonne das Wahrzeichen ber Burschen ickaft dar, oben links befindet sich bas Zeichen der UniDcrfität Gießen unb barunter bezeichnen bie Farben Grün-Wriß-Rot die Burschenschaft Frankonia.
Eine Galerie im ersten Stock gibt ben Tarnen Gelegenheit, ben Saal vollstänbig zu überblicken unb ermöglicht es, baß ber Saal für 200 Personen bei einem Kommerse freibleibcn kann Auf ber Galerie finbet auch bie Musik Platz. Weiler ist oben noch ein Konventzimmer unb ein behaglich eingerichtetes Tanten,unp mer. Eine geräumige Veranda siebt für den Sommer zur Verfügung. Im Kellergeschoß ist ein Erfnfchungszimnier, die Küche, Speisekammer und bie Fecktscheuer Alle Raume sind mit einer einfachen, stilvollen Einrichtung ausgestattet, die an Behaglichkeit nichts zu wünschen übrig läßt.
Der Kommers
am Abend war noch reicher von Gästen mit unb ohne Mützen- und Bänderschmuck besucht als die Nachmfttagsseier. Nun kam auch durch die vielen Glückwünsche und Depeschen die von nah und fern eintrafen, zum Ausdruck, daß die Burschenschaft neben der Hausweihe auch ihr 4 1. Stiftungsfest feiern konnte. Als Ehrengäste waren zugegen der Rektor Professor Dr. Körte, Regierungsrai Weicker, als Vertreter des Oberbürgermeisters Stadtverordneter Eichenauer, und vom Offizierskorps Hauptmann Wehr heim mit mehreren anderen Offizieren
Das Kaiserhoch brachte mit schneidigen Worten der Studierende, zurzeit Einjährige, Hill aus. Sodann begrüßte Universitäls■ Professor Dr. 011 bie Gäste in humorvoller Rede.
Der Rektor Professor Dr. Körte bradjte der Burschenschaft herzliche Glückwünsche dar. In seiner Rede lobte er den Geist der Zucht und gesunden Männlichkeit, durch den die deutsck,.- Burschenschaft, und besonders auch die Bursdicnschaft Frankonia, der Letfrersdiast am Herzen liege. Lobend sprach er fick auch aus über das neue Frankenhans, das gerade burd) seine Einfachheit schön genannt werben müffle. Diese Einfachheit sei aud) für bie deutsche Burschenschaft selbst unb für die Frankonen von höchster Bedeutung. Den Wupsch, baß solch einfacher Sinn immer der Frankonia bleiben möge, bekräftigte er im Herrin mit drei anderen Professoren der hiesigen Universität, sämtlich GyrcEtorcii, durch einen kräftigen Salamander.
Die Grüße der Regierung der Provinz überbrachte Regierungs« rat Weicker und hob hervor, wie nabe einer jeden Regierung die deutsche Burschenschaft stehe, und daß die Regierung immer von Herzen bereit sei, ihre Ideale, ben Gedanken der Einheir und Freiheit, zu fördern.
Im Namen des verhinderten Oberbürgermeisters sprach Stadt - verordneter Eichenauer. Er gab seiner Freude Ausdruck, wie viel inniger die Burschenschaft Frankonia ininmcbr durch das neu erbaute Haus mit der Stadt Gießen verkilüpft sei. Mit dein Wunsche bc5 Oberbürgermeisters, daß sich alle Studenten in Gießen wohl fahlen möchten, schloß der Riedner.
Herzliche Glückwünsche und innige, beherzfacnsiverie Worte gab der Gel)rimc Hoftat Professor Dr. Haupt der Burschenschaft auf den Weg. Hauptmann Wehr heim verwies auf die guten Beziehungen zwischen Burschenschaft und Osflzicrkvrps und überbrachte auch deren Glückwunsch.
Im weiteren Verlaufe des Abends und Morgens kam noch mancher Redner zu Worte; selbst aus Wien wurden persönliche Glückwünsche überbracht. Der Damen auf hohem Balkone gedachte in launigen Worten ein Füchslein.
Au» Stafct ttnfc ft'and»
Gießen, 27. Oktober 1913.
** Tageskalender für Montag, ben 27. Cfl Stabt- tbeater: Galt viel des CVerbautifeben Bauerntheaters (Dengg : .Ter Gewissenswurm*. Anfang 8 Uhr.
$ t i n f e v f u r I o r g e ft e 11 e für Stadt und Landkreis Gießen, Gießen, 2lfieviveg 9. Sprechstunde: Jeden Dienstag abeni) von 6‘Ä—8 Uhr.
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L. ü. £>err Dr. Alfred Brügqeniann, Assistent an der Klinik für Ohren, Rasen- und Halskranke, der sich für das Jach der Oto-, Nhino-Larijngologie an unferer Universität zu habilitieren wünscht, hält am TicnSlnq, den 28. Oktober, um 5 Uhr in ber kleinen Aula eine öffentliche Vrobevorlesunq über das Thema: .lieber die Tuberkulose des Mittelohrs^.
• • Prinzessin Friedrich Karl von Hessen ist heute früh in Begleitung der Königin von Griechenland von Eronberg nach Berlin abgereist. In Begleitung der Prinzessin befinbet sieh Kammerherr Freiherr v. Flotow.
* * Gesellschaft tür Erb- unb Völkerkunde Tie Reihe der Poiträqe des Wii'terS 1913/14 eröffnet am DounerSta -, den 0. Oktober, in der Renen Aula der Universität vmzkllick e'x4 Uhr Herr Pros. Dr. Theodor K o ck - Griinberg m:t einem Vorträge über seine dritte groß.' faOammfanifdic Reue. Rackdcnt Noch-Grimberg zunächst Zeutrcilbiasilien fcimen gelernt hatte, be reute er 1 >03 —1905 den Rio 9legro und den '2)apiirÄ zu etfeno- toaischeu Ziveckeu. lieber diese Reise bat er 1906 in (dienen l e- richtet 1911-13 unterzog er sid, einer noch viel fdiroieriqercn 'Jlnfgabe, indem er von den Ziiflüssen deS Rio Branco nach dem Crinoco hinüber durchstieß, was bisher nod) feinem Uotsctumgs- reisenden gelungen war. Diese Reüe, deren ethnographuche 'Ausbeute groß war, unb die auch dem hiengcn Museum für Völkerkunde eine kleine, aber wertvolle Sammlung verschafft hat, bie Hoch zn schenken bie Wüte hatte, wirb in dem Vorträge nm Tonnerslaq geschildert und mit Lichtbildern und vhonograpbischen Darstellungen erläutert werden, zum erfie» Male in unserer Gesellschait aber auch mit kine matographischen Vorführungen.
* * Der Nord-O st verein war am Samstag abend behufs Stellungnahme zur Stadtvcrordnetenwahl im unteren Saale des Gasthofes zum Einhorn in einer Stärke von 22 Mitgliedern versammelt, von denen sieben denn Vorstand angehörtcn. — Die Versammlung tagte unter Ausschluß der Oeftentlichkeit. Ein Antrag des Stadtverordneten Loder, daß der Nord-Ostverein sich bediitgtmgslos bei der bevor- rchenben Stadtvcrordnetenwahl den bürgerlichen politischen Parteien anschließcn soll, wurde abgelehnt. Dagegen wurde dieser Anfchluß beschlossen unter der Bedingung, daß zwei Delegierte des Vereins mit Sin und Stimme dem Wahlausschuß beizutreten haben und daß für die Kosten der Wahl der Nord-Ostverein nur insoweit herangezogen werden soll, als man von ihm benannte Kandidaten auf den Zettel übernimmt. Bon den Männern, die als Stadtverordnete in Vorschlag gebracht wurden, wurden durch Abstimmung folgende als Kandidaten nominiert: Kommerzienrat Klingspor, Apo thcker Schmieder, Obermeister Ernst Ludw. Sack, Fabrikat


