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27.10.1913 Erstes Blatt
 
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Nr. 252 Erstes Blatt 163. Jahrgang Montag, 27. Möbel M

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MM General-Anzeiger für Oderheffen ZWO

bis vornMags"s"uh" Kotatiottsörud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- UN- Steinöruderci R. Lange. Redattion. Erpedition und Druderei: Zchttlstrahe 7. Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umsasit 10 Seilen.

Tagcskalendcr aus dem Jahre 1813.

2 8. Oktober. Napoleon erreicht mit der Hauptarmes Schlach­tern , wo er in der Nacht vom 2S./29. imKloster (Gym­nasium) Quartier nimmt.

Rücktritt des spanischen Rabinetts.

Wie schwer es ist, in Spanien das Ruder der Regierung führen, beweist wieder ein Kabinettswcchsel. Es ist für den dortigen Liberalismus eine nicht gerade ermutigende Sache, daß, nach vorläufiger Meldung, die Konservativen wieder ans Ruder kommen. Im einzelnen wird gemeldet:

Der zurückgetrctene spanische Ministerpräsident Graf R o - manones richtete über die politischen Ereignisse in Madrid an drc AgenceHavas ein Telegramm, in der er sagt, die Regierung habe sich, nachdem sie beim Vertrauensvotum im Senat infolge des Zusammenschlusses der Konservativen, Liberalen und Dissi­denten mit drei Stimmen in der Minderheit geblieben sei, sich Irotz der nur geringen Minderheit verpflichtet gehalten, dem König ihr Rücktrittsgcsuch zu unterbreiten. Tie Spaltung der Liberalen sei allein schuld, daß die jetzigen Kammern nicht Weiterarbeiten könnten, obwohl der König lebhaft wünsche, daß kein Wechsel in der Politik eintrete und die Kammern bis zum Ablauf der Wahlperiode zusammenblieben. Beseelt von dem Wunsche, die. Liberalen am Ruder zu halten, werde der König heute an den Patriotismus aller Liberalen appellieren, um sie wieder zur Eintracht zurückzuführen. Er, Romanones, Halle dies, wenn nicht für unmöglich, so doch für sehr schwierig und deshalb sei angesichts der Notwendigkeit, die Kammern aufzulöscn und angesichts der Unmöglichkeit, eine geeinigte liberale Regierung zu bilden, ein Wechsel in der Politik leicht vorauszusehen, der durch die Umstände, nicht durch den Willen des Königs bedingt werde.

Die Cortes haben am gestrigen Sonntag die Arbei- iten wieder ausgenommen. In der Kammer brachte der Fi­nanz m i n i st e r einen Gesetzentwurf ein, der die Or­ganisation des Zvlldienstes abändert und die Erhebung meh­rerer Steuern einführt und besonders die Einkommensteuer, die Alkoholsteuer, Zucker- und Stempelsteuer, sowie die Salz­steuer wieder einführt, deren Erhebung am 31. Dezember aufhören sollte. Der Minister brachte ferner einen Gesetzent­wurf betreffend einen außerordentlichen Kredit von zwei Mil­lionen Pesetas für den Ankauf eines Dienstgebäudcs für den Ministerpräsidenten ein. Der Kricgsminister brachte einen Gesetzentwurf ein, der die Altersgrenze der Generalleutnants auf 70 Jahre, der Divisionsgeneräle auf 66 Jahre, der Brigadegeneräle auf 60 Jahre und der Obersten auf 59 Jahre festgesetzt. Die Anwendung des Gesetzes soll so erfol­gen, daß wohl erworbene Interessen berücksichtigt werden. Die auf diese Weise freiwerdenden Stellen sollen eingehen. Weiter brachte der Kriegsminister einen Gesetzentwurf ein, der die Truppen des ersten Aufgebotes auf 215 000 Mann, des zweiten auf 90 000 und des dritten auf 60 000 Manu festgesetzt, was zusammen mit den Truppen in Afrika, auf ben Balearen und den kanarischen Inseln, die 80 000 Mann betragen, eine Gesamt zahl von 445000 Mann ergibt. Das stehende .Heer ioll aus 139000 Mann be­stehen, davon 81 000 in der Hauptstadt, 51000 in Afrika, 4100 auf den Balearen und 2800 auf den kanarischen Inseln. Die Truppen ersten Aufgebots werden an5 acht Divisionen, -einer Feldartillerie-Brigade, einer Flugzeugflottille und .Hilfstruppen bestehen. Ferner wird in jedem Militärbezirke eine Kadredivision organisiert. Die Truppen zweiten Auf­gebots enthalten acht Divisionen, eine selbständige Kaval­leriebrigade, acht Reserve-Artillerieregimenter und Verwalt tungseinheiten, welche für die Truppen des stehenden .Heeres eingesetzt sind und zu allen Hauptwaffengattungen, Spezial-

lüaffen und dem SanitätSkorps gehören. Die Truppen dritten Aufgebots (Landwehr) werden nicht in Divisionen und Bri­gaden eingetcilt. Sie werden im Kriegsfälle die gleiche An­zahl von Bataillonen stellen wie die Truppen des zweiten Aufgebots unter Hinzufügung der Kavallerieregimenter und eines Pionierbataillons. Der Gesetzentwurf, wodurch die Einkommensteuer eingesührt wird, wird auf alle Einzelpersonen, Korporationen, Gründungen und Gemeinden mit einigen Ausnahmen angcwendet. Die Steuer hat die Gesamtsumme des jährlichen Einkommens zur Grundlage, das von dem Kapital- und Grundbesitz, Handels- und Jn- dustrieunternehmungen, Berufen, Pensionen und jeglichen anderen Einnahmequellen herrührt. Die Einkommen von 5000 Pesetas und darunter werden von der Steuer nicht be­troffen.

lieber die entscheidende Senatssitzung vom gestrigen Sonntag wird n^ch gemeldet:

Graf Romanones begann: Meine Herren Senatoren! Ihre Majorität hat das Schicksal der liberalen Partei in den Händen. Ich will hier das Wort nehmens, idewr hier ist der Zwischenfall entstanden, der die bekannten Schwierigkeiten geschaffen hat. Ro­manones erinnerte an die Demission des Präsidiums des Senats, die infolge der Einbringung des Zweckverbandsgesetzes erfolgte und skizzierte sodann den Verlauf der Ereignisse in Marokko sowie der Streikbewegung in Barcelona und setzte die Beweggründe ausein- ander, die die Regierung zur Vertagung der Cortes veranlaßten. Er gedachte der Besuche König Alfons in Paris und des Präst- benten Poincarös in Madrid, wodurch sich die sranzönich^IPvr nischen Beziehungen enger gestaltet hatten. Die Politik der g eg eit» toärtigen Regierung sei derart, daß die folgenden Regierungen sie nur entweder fortsetzen oder auslöschen könnten. (Zustimmung.) Romanones kündigte ferner ein G e s e tz ü b e r d i e G e Willens­freiheit an und sprach von- den heilte vom Finansimrnister eingebrachten Gesetzentwürfen. Er sprach sodann von der wirt­schaftlichen Sage des Landes und erklärte, seit 1909 habe daZ öffentliche Vermögen um 155 000 000 Pesetas zugenommen. Der Ministerpräsident erwähnte weiter die Annäherung gewisier repu­blikanischer Elemente an die Monarchie und sprach die VoNnung aus, daß der Tag nahe, wo alle demokratischen Ideen tm Schoße der Monarchie Platz finden würden.

Der liberale P u l i d o brachte darauf eine Tagesordnung ein, in der der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird.

General Agearaga bekämpfte diese Tagesordnung, da die Konservativen die Gründe, aus denen die Mgierung die Cortes für so lange Zeit vertagte, nicht anerkennen könnten. Aua dal

Lahra (Republikaner) erklärte, daß seine Partei sich der Ab­stimmung entfalten werde. Die Abstimmung ergab, tote jetzt fest- gestellt worden ist, 106 Stimmen gegen, 103 für die liberale Tagesordnung.

Nachdem das Ergebnis bekannt war, entstand eine außerordent­liche Belvequng. Dor Präsident versuchte vergeblich, trie Ruhe wiederherzustellen. Die Anhänger des Ministerpräsidenten brachten Hochrufe auf den König und Romanones aus. Schließlich verließ Graf Romanones mit seinen Anhängern den Saal und die Sitzung wurde geschlossen.

Der Kaiser in Oesterreich.

B c n c s ch a u, 25. Oft. Auf dem Bahnhof verab- s ch i e d e t e s i ch der Kaiser in überaus herzlicher Weise v o m Erzherzog und küßte ihn auf die Wange. Der Kaiser sprach dem Erzherzog seine lebhafteste Genugtuung über die schönen in Konopischt verbrachten Tage aus. Hierauf ver­abschiedete sich der Kaiser von Freiherrn von Rumerskirch, Oberst Dr. Bardolff und dem Grafen von der ©traten. So­dann bestieg der Kaiser den .Hofzug, trat an das Fenster, als der Zug sich kurz vor 11 Uhr in Bewegung setzte, salu­tierte und winkte dem Erzherzog vom Fenster aus zu.

Wien, 26. Ot't. Von dem Jagdbesuche beim Erzherzog- Thronfolger Franz F-erdinand aus Konopischt kommend, traf Kaiser Wilhelm heute vormittag zu einem ein­tägigen Besuche bei Kaiser Franz Joseph ein. In Schön­brunn, Hitzig und Penzing sind die Häuse-r beflaggt.

Punkt 11 Uhr fuhr der Zug ein. K a i s e r W i l h e l m in österreichischer Generalsuniform, entstieg dem Zuge, iim- armte den Kaiser, die Monarchen küßten einander zweimal, schüttelten sich die Hände und sprachen längere Zeit berzlich miteinander. ' Unter Hochrufen des Publikums wurde die Fahrt nach Schönbrunn angetreten.

Bald nach 3 Uhr traf Kaiser Wilhelm mit den Herren des Gefolges und des Ehreiidienstes zum Besuch des deutschen Botschafters Freiherrn v. Tfchirfchky aus der deutschen Botschaft ein, wo er den Tee nahm. Hierzu wareii außer den Herren der deutschen Botschaft und dem deutschen Generalkonsul in Budapest Grafen Fürstenberg-Stammheim noch geladen: der Minister des Aeußern Graf Berchtold, der österreich-ungarische Botschafter in Berlin Graf S z o eg y e n y - M a r i ch, der sächsische Gesandte Graf Rer und der bayerische Geschäftsträger v. Freys. Nach dem Frühstück empfing Kaiser Wilhelm in Schoni brunn das Präsidium des österreichischen Jagdklub^, dessen Ehrenmitglied der Monarch ist, zur Entgegennahme des Klubabzeichens. Um V»3 Uhr verließ der Kafler mit General v. Frank im Automobil das Schönbruiiner Schloß und suyr bei den Erzherzögen, die zum Empfang erschienen, sowie bei den Erzherzoginnen, die ihn in Schönbrunn begrüßt hatten, vor, um überall selbst die Karte abzugeben.

Um die Mittagsstunde erschien im Auftrage Kaiser Wil­helms der Militärattache Graf Ka gen eck in der Kai­ser g r u f t bei den Kapuzinern und überbrachte zwei pracht­volle Kränzü, mit denen Kaiser Wilhelm die Sarkophage der Kaiserin Elisabeth und des Kronprinzen Rudolph schmücken ließ. Um 1 Uhr nachmittags fand aus der Hei­nen Galerie des Schönbrunner Schlosses Frühstück statt. Die Galerie war mit Blumen, Pflanzen und Palmengruppen herrlich geschmückt. In der Mitte der Tafel saßen die bei­den Kaiser. Zur Rechten Kaiser Wilhelms sap der Mr- nisterpräfident Graf Berchtold und Wirkt. Geh. Rat von Treutler; zur Linken des Kaisers Franz Joseph saßen: Bm- schaster v. Tschirschky und Botschafter v. Szoegyeny. Auq der Fahrt vom Penzinger Bahnhofe zum karserlichen Schloß Schönbrunn spielte sich eine vielbemerkte S^ene ab. Jir der Cumberlandgasse eilte plötzlich aus der Volksmenge ein junger Mann vom Trottoir gegen die Fahrstraße und ge­langte bis zum kaiserlichen Leihwagen, in welchem sich die beiden Majestäten befanden. Der Mann überreich te d en beiden Kaisern durch das Wagenfenster, dessen Scheiben herabgelassen waren, ein Schreiben, das die Majestäten willkommen hieß. Ter Kaiser Franz Joseph nahm das Schreiben huldvoll entgegen. Der Ueberreicher, ein Maschinenarbeiter, wurde von Poli- zeiagenten angehalten und nach Feststellung der Persona-' lieii entlassen, nachdem er verwarnt worden war.

Um 1/98 Uhr abends fand int Antoinetten-Zimmer des kaiserlichen Schlosses in Schönbrunn Familiendiner statt Tarnach verabschiedete fich der deutsch>e Kaiser herz­lich vom Kaiser Franz Josef und den übrigen Mitgliedern der kaiserlichen Familie.

Kaiser Wilhelm ist äbenv 9 Uhr vom Penziitger Bahnhof nach Wildpark abgereist.

Jahresversammlung der freien Vereinigung hessischer Nationa'liberalcr.

Frankfurt, 26. Oktober.

Die heute in Frankfurt a. M., Hotel Kaiserhos, abgehaltenö Jahreshauptversammlung der Freien Vereinigung hessischer Na­tionalliberaler war aus allen der Vereinigung angeschlagenen Teilen der Reichstagswahlkreise Mainz, Offenbach, Gießen, Er­bach und Alsfeld durch Delegierte, unter denen der Reichstags­abgeordnete Heck und Landtagsabgeordneter Bach sich befanden, und durch Mitglieder der ihr zugehörenden nationalliberalen Ver­eine und Ortsgruppen stark beschickt. Die Verhanblungen nah-

Lin deutscher Genremaler.

Zum 100. Geburtstage Meyers von Bremen. 28. Okwber.

In der Geschichte der deutschen Genremaler lebt der Name von Johann öfcorg Meyer von Bremen, toenn nicht als der eines führenden Meisters, so doch als der eines derli-benswürdlgsten Vertreter" dieser Gattung fort, bereit von Unter- und Ueberschat- xung gleich weit entfernte Würdigung eine Ausgabe der Zuumft bleibt Meyers Vater war cm achtbarer schlichter Bäckermeister in Bremen, der aber seine Familie in engen Vcrhaltnifsen hinter­ließ also daß seinem Solmc frühzeitig die Ausgabe izuftel, nicht nur für sich, sonbern auch für anbere durch die Malerei, der er sich zugewandt batte, das tägliche Brot zu erwerben. Nachdem er in seiner Vaterstadt durch Porträtieren sich fortgelwlsen hatte ging er 1833 nach Düsseldorf und dort begann die Frühlingszeit seines Lebens. Zwar hatte er sich, nve «em .Biograph W. Alerander hervorhebt, immer mit knappen Mitteln einzurichteii aber die Liebe zur Kunst war groß, die schönsten Tage der fügend lackstcn ihm uiw Wanderfahrten am. wonnigm Rhein teratorten die ^cbens- und Kunsterfahrung aus koitlichste B^ise- Uls Kunil- ler stand er zunächst noch ganz im Banne der akademischen Sund^ dorfer Tr-Ü)ition und beschäftigte sich fleitzg njit dem Entwerfen Jnn ArnGpH külilischen Kartons. Einen dieser Entwürfe, einen IN ber Wüsw von^Eeln gespeisten Elias führte er auch m.s, um bei fdn Sifebr nach Bremen einen Beweis,seines Könnens ps-M aMÄ» qs

di- Kraft- ZiEZ°unt-k'M.

M 3a"rc/iȊter im S^rc 1886 nmrbe fein

Bild Der Liebling mit 2a 000 JJiart vezayir.

W hnn Bremen hatte zunächst noch manck-e schwere Jahre Meyer von Bremen s Einnahmen hoben, kam

durchzumacheii, und selbst. wenii >«y , ba§ Geld mit

er bald wieder m Schwierigteilen, maäitc er dis

offener Hand auszugeben pflegte. I > Deren Liebe

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nachher bis in die 80er Jahre hinein gedauert Ijat. 1852 siedelte das Paar nach Berlin über, und hier in Berlin war der Boden, auf dem der Ruhm des Künstlers so recht eigentlich erwuchs. Nicht zum geringsten Teile war es Amerika, das diesen Ruhm machte: Meyer von Bremen wurde bei den amerikanischen Kunstfreunden nach und nach geradezu höchste Mode, und schließlich wurde fast seine ganze künstlerische Produktion von der Staffelei weg snach Amerika verkauft. Aber auch sonst sinld in den 60er und 70er Jahren wohl nicht viele Kuiistsammlungen angelegt worden, _m benen Meyer von Bremen nicht mit einem Werke vertreten gewesen wäre Freilich, als er am 4. Dezember 1886 starb, im Alter von 73 Jahren, hatte er ben Gipfel seiner künstlerischen Leistungsfähig­keit unb auch den seines Ruhmes schoai überschritten, und msbl^ sondere ist ihm nicht mit Unrecht der Vorwurf allzu glatter und porzellanartiger Behandlung seiner Bilder gemacht worden. Nach der Entwicklung, die die Malerei etwa seit 1880 genommen hat, ist es heute schwer, einem Künstler wie Meyer von Bremen ganz gerecht zu werben. Daran muß man sich vor allem erinnern, datz er unb seine Kunstgenossen d»och das große Verdienst haben und behalten, sich resolut der Wirklichkeit, der Mtur zugewandt tzu haben. Seine Skizzenbücher zeigen Motive von reizender ^rische, malerische Gassenwinkel, feine, stimmungsvolle Jiinendarstellungen, frisch gesehene unb sicher feftgehaltcne Mäbcksen- und Kmderge- stalten. In der Darstellung des Kindes hat Meyer von Bremen überhaupt den ganzen Zauber seiner liebenswürdigen Beobach­tungsgabe entfaltet. Den Gegenstand seiner Gemälde bildete der heitere Kreis eines einfack>en Daseins. Die Familie und alles, was sie an Leid unb Freud bewegt, das Kind, schlichte Gestalten unb Szenen i n der Natur, wie etwa eine ruhende Hirtin oder eine wartende Fisck^rsrau. Er war ein anmutiger Zeichner, er wußte sehr geschickt zu komponieren, und er hatte für malerische Delika- lessen einen seinen Blick und eine seine Hand. Freilich wies ihn sein künstlerischer Charakter auf die Feinmalerei, und man mag ihn allenfalls ben Gerard Don der deutschen Genremalerei nennen. Indessen: in sunseres Vaters Hause sind ja viele Wohnungen, und die liebenswürdige Kunst Meyers von Bremen ist so von echter Menschlichkeit erfüllt üud belebt, baß sie immer ihre Freunde fin­den wird.

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Hamburger T b e a t e r b r i e f: Ernst Hardt als Schwankdichter. Aus Hamburg, 25.Oktober, wird uns geschrieben:Schirin und Gertraude", ein

Scherzfpiel vqm Tantrisdichter, wurde bei der U r a u f f u h - r un g vom Mblikum des Hamburger Schauspielhauses nach den ersten drei Akten lebhaft beklatscht. Der letzte Akt ver­stimmte die anspruchsvollen Zuhörer durch seine^allzu hef­tigen Pofsenwirkungen, wie überhaupt das ganze Stück mehr ein übermütiger Fastnachtsschwank als ein künstlerisch ge­formtes Lustspiel ist. Ernst Hardt hat das Graf-von-Gleichen- Motiv ohne allzu großen Aufwand an Phantasie ins Humo­ristische gewendet. Der in neunjähriger Gefangenschaft im Morgenlande an Leib und Seele schwerfällig gewordene Graf von Gleichen bringt nach seiner Befreiung ein hübsches Tür­kenweibchen mit nach Hause, mit dem fich Gertraude, die. erste Gattin des Grafen, wohl oder übel abzufinden hat. Aus dem Zusammentreffen der deutschen Hausfrau mit der frischen Türkin ergeben sich allerlei drollige und wirksame Schwanksituationen. Der allein Enttäuschte ist am Ende der Graf: er hat gehofft, mit den beiden Frauen ein höchst ver­gnügliches Doppel-Eheleben zu führen. Die beiden Frauen finden sich aber in inniger Freundschaft zusammen, kümmern sich den Teufel um ihren fettleibigen und arg philisterhaft gewordenen Eheherrn, lassen fein Ehebett in schnöder Ver­einsamung und leben lustig und vergnügt nach eigenem Gusto. Es gibt manche amüsante und launige Wendung in diesem Hunten Spiel, vieles wirkt aber auch gezwungen, manches sogar, da es dem Dichter an großem uno überlege­nem Humor maugelt, wie eine peinliche Verballhornung des alten 'Motivs, das z. B. Wilhelm Schmidtbonn mit ernster, künstlerischer Kraft behandelt hat. Die Regie Max Grubes unterstützte die Absichten des Autors und die Darsteller, die das Stück aus eigenen humoristischen Kräften zu halten haben, folgten allen Linien, die auf das Schwankhafte hin­wiesen. Der Dichter wurde nach allen Aktschlüssen lebhaft gerufen.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Ein Museum für ostasiatische 4unit wurde in Gegenwart des Ol-erpräsibenten der Rheinprooknz Frech, von Rheinbaben unb der Spitzen sämtlicher staatlichen mib Militär-' behörden in Köln eröffnet.