Nr. 277
Der «ietzt-ex- Anzeiger erscheint täglich, nutzer Sonntags. - Beilagen: viermal ivöchentlidi ««ehenerZamilienbletter! aroetmol inörhcniLKreis: bU>N für den Ureir Kietzen (•Lienstag und Rreimn); zweimal mouatl. Landwirtschaftliche Zeitsragen ^erusprech- Anschlüsse: mr die Redaktion 112, ^erlag u. Exvedilion 51 Adresse für Deveichcn:
Eluzcigcr Gießen.
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Erstes Blatt
163. Jahrgang
Dienstag, 25. November 1913
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Notationsdruck und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7.
*5 c t u n ti r c i S: monatlich Töl’i., viertel- jährlich Alk. 2.20; durch Abhole- n. Zweigstellen monatlich 65 l'i.; durch die Bost 2)112.— viertel« jährl. ausschl. Benellq. Zeilenvreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Bienniq. Chesrcdatteur: 21 itzoetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goel;; für .Feuilleton", .Vermischtes" uud.Gcrichts- saal": Karl Neurath; h'ir .Stadt und Land": Kurt Vendl; für den Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Tageskalcndcr aus dem Jahre 1813.
2 5' Avvem ber. 'Tas 2. hessische Füsilierbataillon und 2. Hess. Marschbataillon rücken als entlassen aus der Festung Torgau ab.
Die Erneuerung der Münchner Nunftschötze.
Kg. München, im November.
Tre Umgestaltung und Erneuerung der Museen Münchens, die mit der Berufung Hugo von Tschudis begonnen hat, gliedert fick', soweit das bis iefrt zu übersehen ist, in drei Mte. Ter erste fand seinen Abschluß in der Neiwrdnung der alten Pinakothek. Tiefes großes Werk Hal Tschudi selbst nicht mehr vollenden dürfen; noch ehe sein Plan ganz ausgeführt war, sollte er sterben. Man hat nach seinen Ideen weitergcarbeitet und die großartige Samm- lung auf eine Wei.se ausgebaut, die niemand, der ihre Bestände kannte, für möglich gehalten hätte. Tics ist erreicht worden durch Neuaufftellung, durch Airsscheidung weniger wertvoller Bilder, durch die .Herbeischaffung hochbedeutendcr Werke, die bisher m Provinzgalerien träumten. Tndurch wurde vor allem die Abteilung für dcutsckic Kunst vervollständigt. In keinem anderen Museum Teutschlands oder des Auslands repräsentiert sie sich in dieser Fülle und Pracht.
Ter 3weite Akt ist soeben abgeschlossen worden: Die Neuordnung der neuen Pinakothek. Tiese Sammlung schien bisher lediglich zu bestehen, um unfern Berliner Konkurrenten in artrbus Gelegenheit zu Witzen zu geben, zu Witzen und zu Prophezeiungen, Münckiens Niedergang als Kunststadt" betreffend. Und in der Tat wer diese Sammlung moderner Kunst noch vor einigen Monaten sah, konnte sich der Tatsache nicht verschließen, daß die moderne !Kunst im großen und Lanzen nicht gut ,chlechter repräsentier sein konnte. Manche txile irfncncn nichts andere^ ah> „Gelegenheitskäufe" zu enthalten, Bilder, die der Staat in patriarchalischer Stimmung und Fürsorge gekauft hatte. Zwanzig gleichgültige oder schlechte, Bilder kamen auf ein gutes; beim zwanzig gleichgültige Werke hatte man erwerben müßen, um f>en Kauf eines einzigen guten zu beschönigen. Die Eliguen regierten und verlangten Respekt»! , .
Abew Tschudis Prinzip, von feinen Nachfolgern, desm Ofeneral direktor Toni Stadler und dem Konservator Tr. Braiine auch hier verwirklicht, hat aus der viel, und mit Recht geschmahlen neuen Pinakothek, die bisher Tür viele Münchener gar Nicht „cjiftierte, eine bedeutende Galerie gemocht. Man wem nicht, worüber man sich mebr freuen soll: über die HinausWeuung so viel minber- wertiger Tinge oder über die Einfügung so viel, bedeutender Werke- Man hat eine „Leibl-Griippe" gejchafteu, in der außer dem Xttojla seM Lrübuer, Lonrbet und die erst in den letzten
Schleswig-Holstein meerumschlungen.
Vor fünfzig Jahren.
Unser an vaterländischen Gedächtuisfragcn reiches Jahr bringt, seinem Ende zuneigend, noch eine geschichtliche Erinnerung von nationaler Bedeutung: vor 50 Jahren, in der zweiten Hälfte des Novembers, begann sich ein Ereignis anzubahnen, das den ersten starken Anstoß zu der Entwicklung gegeben hat, die sechs Jahre später mit der Wasseneinigung Teutschlands gegen Frankreich und der Begründung des Deutschen Reiches abschloß. Vor fünfzig Jahren bereitete sich der Krieg vor, den 1864 Preußen und Oesterreich gegen Dänemark geführt haben. Im November 1863 warf Dänemark ganz Tentschland den Handschuh ins Gesicht, in der Annahme, daß es ans Furcht vor dem den Tänen gewogenen Auslande nicht wagen wurde, den Handschnh anfzunehmen. Bismarcks Politik, die damit ihr erstes Meisterstück ablegte, war es zu danken, daß die beiden Großmächte des Deutschen Bundes zusammengingen. Nur dadurch konnte ein Eingreifen des Auslandes zugunsten Dänemarks verhütet, konnten die Elb- Herzogtümer Schleswig und Holstein Deutschland für immer zurückgcwonncn werden.
Versucht war das schon 1848 worden. Damals bereits war die Entscheidung über das Schicksal Schleswig-Holsteins als eine deutsche Frage behandelt und drei Jahre hindurch darum gekämpft worden. Die deutsche Nationalversammlung in Frankfurt a. M. lzatte erklärt, daß die schleswig-holsteinschc Frage eine Angelegenheit der deutschen Nation sei und Deutschlands Ehre dabei auf dem Spiele stehe. Einer der Wortführer des Frankfurter Reichstages sagte dort: Die schleswig-holsteinische Sache müsse obsiegen. Es gelte die Ehre Deutschlands. Darum handle es sich, ob die Pläne aller derjenigen zu schänden werden sollten, die ihre Rechnung auf die Unsterblichteit der Schwäche und .Versunkenheit unseres deutschen Vat"r- landes stellen, oder ob unser Deutschland aus einem schwachen, versunkenen Gemeinwesen, aus einer im Auslande gering geschätzten Genossenschaft zur Würde, Ehre und Größe heraufsteige. Dieser Aufstieg war in der Mitte des vorigen Jahrhunderts noch nicht gelungen. Dazu bedurfte es erst der Staatskunst eines Bismarck, wie sie sich zum ersten Male vor 50 Jahren betätigte.
Im November 1863 war König Friedrich VII. gestorben. Sein Nachfolger Christian IX. unterzeichnete eine neue Verfassung, die widerrechtlich die unter Dänemarks Oberhoheit stehenden Herzogtümer Schleswig und Holstein dem dänischen Reiche einverleibte. Ein Sturm nationaler Erregung und Begeisterung erhob sich in ganz Deutschland. Das Lied aus den vierziger Jahren von „Schleswig- Holstein meerumschlungen" war zum Nationallied geworden. Kein Fest der Turner, Schützen oder Sänger, an dem nicht gesungen worden wäre: „Schleswig-Holstein stammverwanot, wanke nicht, mein Vaterland!" Ter Ruf in der Nordmark: „Los von Dänemark!" ward deutsche Losung. Zum ersten Male seit langen Jahren kam es in den Wintermonaten vor 50 Jahren wieder zu einer nationalen Bewegung, und einen mächtigen Aufschwung erfuhr das Sehnen und Trachten nach der deutschen Einheit. Der nationale Wille hatte in der Befreiung Schleswig-Holsteins von der Dänenherrschaft ein greifbares Ziel. Alle guten Deutschen, so sehr
sie auch sonst noch, insbesondere auch in den Ansichten über die Lösung der schleswig-holsteinischen Aufgabe, auseinander gehen mochten, einte das Bewußtsein, daß mit dieser Lösung die künftige Gestaltung der (beschicke von ganz Deutschland verbunden sei. In der badischen Abgeordnetenkammer erklärte damals der Minister v. Roggenbach: „An der schleswig-holsteinischen Frage hat sich unser Volk politisch erzogen. Es war die erste, an welcher die Nation nach einem langen Zustand der Gleichgültigkeit sich wieder beteiligt hat mit ihrer Einsicht, ihrem Herzen, ihrem Gewissen. Diese Frage muß zu einem glücklichen Ende geführt werden, das deutsche Volk müßte sonst den Glauben an sich selbst verlieren."
Die schleswig-holsteinische Frage ist dann zu einem glücklichen Ende geführt worden, dergestalt, daß im deutschen Volle der Glaube an sich selbst gefestigt wurde. Die Fragy hat die preußische Armee beantworten helfen, die kurz zuvor durch König Wilhelm und seine großen Helfer neue Grundlagen erhalten hatte. Auf den Düppeler Schanzen sank der Danebrog, siegreich stieg der preußische Adler empor. „Nun bleibt es dabei," sang Geibel, „der Feind ist geschlagen, und Schleswig ist frei." Und als Alsen genommen war, klang es aus eines anderen Dichters Munde: „Mag's einst auch gelingen, den Feind zu bezwingen, der Elsaß, Lothringen uns schmachvoll geraubt! Ganz Deutschland so sei es! Ein einiges, freies! Herr Gott, o verleih es!" Des Dichters Hoffnung ist bald erfüllt worden. Mit den Siegen bei Düppel und bei Alsen war die erste Strecke des Weges zurückgelegt, der zit Kaiser und Reich geführt hat.
Dcntsches Kcid>*
Neue Reichstagsvorlagen. Eine Novelle zur Gewerbeordnung zur Bekämpfung des Hausierhandels und der W a n d e r l a g e r ist dem Reichstage zugegangen. Tie Novelle verbietet den Handel mit Nohbern,- steinen, Pfandscheinen und mit Gemüse- und Blumensamen im Hausierhandel als Maßnahmen, die im Interesse des Publikums liegen nn<> Uebervorteilungen und Betrugsver- fuchen vorbeugen sollen. Den Landeszentralbehörden wird bi<* Befugnis erteilt, die Errichtung von Wanderlagern nur zu gestatten, wenn eine dringende Notwendigkeit für sie vorliegt. Die Erteilung der Wandergewerbescheine von der Bedürfnisfrage abhängig zu machen, hat der Bundesrat abgelehnt. Ferner ist dem Reichstage der Entwurf über die Wiederaufnahme eines Disziplinarverfahrens zugegangen, dessen Inhalt schon bekannt ist.
Beim Reichskanzler und Frau v. Bethmann Hollweg fand am gestrigen Montag abend ein Diner statt, zu dein geladen waren: Die Mi .ist rprä identen von Bay'in, Sachsen, Württemberg, Baden und Mecklenburg-Schwerin; der bayerische, sächsische, württembergische, badische und mecklenburgische Gesandte am preußischen Hose; die Staatsminister und Staatssekretäre, Tirpitz, Delbrück, K'rätke, Lisco, Sols, Kühn und Jagow und die Unterstaatssekretäre Wahnschaffe, v. Eifenhart-Rothe, Zimmermann und Oberleutnant Frhr. v. Sell.
Die Stadtverordneten in Breslau beschlossen die Errichtung eines st ä d t i s ch c n Pfandbriefamtes zur Ausgabe erststelliger Hypotheken und bewilligten hierfür einen Kredit vis zu 25 Millionen.
D e r F a l l v o n Z a b e r n. Der Bürgermeister von Z a- bern hat folgende Bekanntmachung erlassen. Ta die öffentliche Meinung in Zabern immer noch in fo hohem Grade erregt ist, richte ich erneut an die Bürgerschaft die inständige und dringende Bitte, sich nicht zu unbedachten Schritten hin- reißen zu lassen und unter allen Umständen die größte Ruhe zu bewahren. Vor allen Dingen muß ich dringend vor Ansammlungen aus der Straße abraten, die leicht wieder zu größeren Msläufcn und zu Ausschreitungen führen und die
Jahren so hoch geschätzten Maler Schuch und Hagemeister vertreten sind. Ten bedeutendsten Zuwach, aber hat die Sammlung durch die Werke Hans von Maroes', durch den Nachlaß Menzels und durch die Tschudi-Gedachtnisstiftung erhalten. Das Lebenswcrk Hans von Marses war bisher in den fürstlichen Gemächern des Schlosses zu Schleißheim Wohl aufgehoben. Tie Bilder des Meisters, der im Leben feine Anerkennung fand, waren auch nach seinem Tode nicht leicht und nicht für jeden zu erreichen. Man hat sie jetzt aus ihrer tiefen Ruhe in dem alten Schloß geholt und mit ihnen allein den Hauptsaal der Sammlung gefüllt, in die zu Lebzeiten ihres Meisters fein einziges Eingang gefunden hat. Die Bilder sind in der ganzen Welt bekannt, es ist weiter nichts darüber zu sagen, als daß ihr Ernst, ihre Monumentalität den Niefcnraum nicht nur verträgt, sondern daß sie sowohl ihn wie die ganze Gajeric beherrschen.
Der briuc Akt in der Erneuerung von Münchens Kunst- schätzci: wird voraussichtlich der Ausbau der hochbedeutsamen Tsckmdi-Stiftung zu einer Sammlung neuester Kunst und — zu ihrer würdigen Aufstellung — der Bau einer weiteren Pinakothek fein. Schon jetzt enthalt die Tsclmbi Stiftung, die von Freunden des Verstorbenen zu feinem Andenken errichtet wurde, etwa fedyjig Werte von Daumier, Monet, Manet (von ihn u. a. das „Frühstück im Atelier"), von Renoir, Cezanne, Buillard, van Gogh, Gauguin, Rodin. Wird sie so aiiügebaut, wie sie zu Ehren Tschudis angelegt worden ist, so kann man in absehbarer Zeit die hohe französische Kunst des 19. Jahrhunderts in der künftigen dritten Münchener Pinakothek besser vertreten finden, als im Pariser Luxembourg. *
— Felix Weingartner und Hamburg. Aus Hamburg wird uns geschrieben: Die Nachricht, daß Felix Weingartner, der heute wohl der gesuchteste und gefeiertste Dirigent Deutsch- lcmds ist, noch vor Ablauf dieser Spielzeit seine Stellung als Kapellmeisier der Hamburger Oper aufgeben will, bestätigt sich zum großen Schmerz aller Hamburger Opernfreunde. Dagegen ist die Meldung verschiedener Zeitungen, Direftor Dr. Löwenfeld habe sich aus Etatsrücksichten nicht entschließen können die Bezüge Weingartners, der jetzt, wie es heißt, 60 000 Mark Jahresgage erhält, zu erhöhen, durchaus unrichtig. Weingartner selbst begründet feinen Entschluß mit einem immer stärker werdenden Ruhebedürftiis, mit Ueberiluß an Arbeit und mit dem Wunsche, rarr noch tu Ausnahmefällen, bei Festspielen usw. zu dirigieren
strengsten Maßregeln der Behörden veranlassen könnten, Maßregeln, deren Folgen für die ganze Stadt verhängnisvoll wären. — Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, ist ein Teil der beim Zaberner Infanterieregiment Nr. 99 in der bekannten Affäre jüngst verhafteten Rekruten wieder aus der Hast entlassen worden.
2lu$lanö.
Der Ausschuß der französischen Kammer für Finanzgcsetze hielt den Beschluß aufrecht, den Regierungsentwurf betr. die Erbschaftssteuer abzulch- n c it und vorzuschlagen, zur Bestreitung der militärischen Ausgaben eine jährliche persönliche A b g a b e v o m Kapital zu erheben und zur Bestreitung der Verzinsung und Tilgung der Anleihe zu den ErbschastSgebührcn über 10 000Francs einen lOprozcntigcn Zuschlag zu erheben. Der Budgetausschuß beschloß, daß die Papiere der Anleihe dieselbe Bezeichnung tragen wie die der früheren Anleihen. Dies soll die Privilegien der Französischen Rente nicht ändern und kann ihr nicht Steuerfreiheit verleihen. Der Ausschuß beschloß ferner, am 14. Dezember zu verlangen, daß die Ansprache über die Erbschaftssteuer vor der Anleihe stattfinde. Die Regierung wird dieses Verlangen formell bekämpfen.
Die Stellung des Königs Ferdinand u n - e r sch üt tert. In Meldungen der politischen und südslavi- schcn Korrespondenz in Sofia wird übereinstimmend fcstgc- ftellt, daß in Bulgarien vollkommene Ruhe herrsche und daß die Stellung des Königs unerschüttert fest sei. Die bulgarische Bauernbevölkerung sei in ihrer weitaus überwiegenden Mehrheit durchaus loyal und der Dynastie treu gesinnt, so daß die Sobranjewahlcn unzweifelhaft im Sinne der Regierung ausfallen würden, womit siG alle weiteren Gerüchte über die Dynastie von selbst erledigen würden.
M i n i st e r w e ch se l in Italien. Wie die Agcncia Stefani mitteilt, ist der Untcrstaatssckretär C o l o s i m o zum P o st m i n i st c r sowie-der Untcrstaatssekretär Battag- lieri zum Unterstaatssckretär im Marineministerium ernannt worden. >Der König ernannte zum Senatspräsidcnten M a n s r e d t, zu Vizepräsidenten Blaserna-Paterno, C e f a l y und C a v a s o l a, ferner außerdem 29 neue Senatoren.
Deutsche Kolonien*
Tabora — Ruanda. Die wichtigste Position, welche der soeben durch die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlichte Schutzgebietshaushalt enthält, ist unstreitig die Anforderung einer ersten Rate zum Bau einer Eisenbahn von Tabora nach Ruanda. Die Streitfrage, ob es dringlicher sei, die ostafrikanische Nordbahn bis zum Viktoriasee zu verlängern, oder von der Mittellandbahn eine Strecke Tabora—Ruanda abzuzweigen, ist damit zugunsten der letzteren entschieden.
Grohherzogs (Bebunstag.
Gie ßen, 25. November.
Nach einer 21jährigen Regierungszeit begeht heute Großherzog Ernst Ludwig im Kreise seiner Familie die Feier seines 45. Geburtstages. Im Kreise seiner Familie, und doch wieder mit seinem ganzen Lande zusammen, denn in aller Herzen findet das Glockengeläute, das heute von allen Kirchentürmen des Großherzogtums l'lingt, ein Echo; ein Gefühl des Dankes wird erweckt für alles, was der Großhcrzog getan hat und noch tut, und noch ein anderes Gefühl, das den Wunsch in sich birgt: Möge der Landesherr noch recht viele Jahre unter uns weilen zum Segen seiner Familie, zum Gedeihen seines Landes und zur Freude aller Hessen!
Auch Gießen hat sich wieder zur stillen Feier gerüstet und ein festtäglich Gewand angelegt. Tie Vereine begehen die
und sich im übrigen auf die Leitung von Konzerten zu beschränken. Mit Weingarttier wirb auch seine Gattin, die als Sängerin hochgeschätzte Frau Lueie Marcel-Weingartner, Hamburg verlassen.
— Gin altrömisches Mosaik im Britischen Mu- Museurn, wie O. von Schleinitz in der Kunstchronik berichtet, in Museum, wie ,O von Schleinitz in der Kunstchronik berichtet, in Gestalt eines 12 Fuß langen und IO1 ■> Fuß breiten Mosaiks gemacht worben, bas aus bem römischen Gallien stammt unb bas einzige Beispiel seiner Art ist. Die Zeichnung besteht in einem Mittelstück,. bas eine nackte Figur mit einem Hunbe barstellt, unb 4 Mebaillons mit Büsten bes Dionysos, zweier Satyrn unb eines Pan mit Mänabe in bat Ecken. Das Mosaik ist in seiner schwarzen, weißen, roten unb gelben Färbung vortrefflich erhalten. Außerdem würben 'an wichtigen Antiken für bas Museum angekauft; eine Büste bes Kaisers Titus, 3 interessante Bronzestatuetten unb eine keltische Bronzeaxt, bie etwa aus bem Jahre 1000 v. Ehr. stammt.
— Parsifal in Lonbon. Aus Lonbon wirb berichtet: Die neue Saison ber Covent Garben- Oper, bie nach ben jetzt festgelegten Plänen am 2. Februar beginnt und am 7. März endet, wirb fast ausschließlich im Zeichen ber beutschen Oper stehen unb hat baher auch ben Titel einer deutschen Opernsaison erhalten. Im Mittelpunkt des Interesses steht naturgemäß bie große Aufführung bes „Par- fifal", mit bem bie Saison eingeleitet wirb. Die Regie wirb Prof. Wirk führen, ber jahrelang auch bei ben Baryeuther Aufführungen tätig war, während bie Chöre von Prof. Hugo Rubel cinftubiert werben. Die Dekorationen wirb Joseph Harker entwerfen unb bie Kostüme Attilio Comelli. Das Werk wirb ungekürzt gegeben unb um bas zu ermöglichen, wirb die Aufführung um 5 Uhr nachmittags beginnen; um 7 Uhr tritt eine l1 2ftünbigc Pause ein, bie ben Zuhörern bie Möglichkeit bieten soll, zu soupieren. Tie genaue Aufführungszeit wirb sich wst r"'"' zuiammensetzen: Erster Akt von 5—7 Uhr. zweiter Ast von 8.30 Uhr b s 9 40 Uhr, britiCi Akt von 10 Uhr bis 11.20 Uhr. Anker oem Parsifal bringt bas Repertoire „Tristan unb Jjolbe", bie „Meistersinger", bie „Walküre" unb bann als einziges nicht beutfches Werk ben bisher in Englanb noch nicht aufgeführten „Joseph" von M6hul. Für bie Lonboner Ausführung bes Mähulfchen Werkes ist ber Dialog erheblich gekürzt unb konzentriert worben unb wirb durch Rezitativs ersetzt, bie Felix Weigartner bafür komponiert hat.


