Ausgabe 
24.4.1913 Zweites Blatt
 
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m. 95 Zweites Blatt 565. Jahrgang

Erscheint tLgttch n;ü Ausnahme des Sonntags.

DieLietzener Kamilienblätter" werden dem ,Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisfclalt filr den Kreis Sichen" zwennal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichLN SelL- fragrd" erscheinen monatlich zweimal.

Donnerstag. 24. April X9|3

RotatronSdruck und Äerlag der Brühl'schen Universiräts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGieben.

Nur den Neichrtagrausschössen.

:: Berlin, 23. April.

Der Budgetausschuß führte heute mit der Beratung des Voranschlags des Reichsschatzamts die zweite Etatslesung zu Ende. Tie Forderung eines zweiten Direktors wurde von Zen­trum und Sozialdemokratie gestrichen. Beim Allgemeinen Pensionsfonds kündigte Schatzsekretär Kühn für die Attpensio- närc eine gesetzliche Regelung ihrer Bezüge an, der Ausschuß beschloß eine Entschließung, die um eine entsprechende Vorlage noch für das laufende Rechnungsjahr ersucht: zugleich imirde die Herabsetzung der Altersgrenze bei der Invalidenversicherung vom 70. auf das 65. Lebensjahr gefordert. Endlich unterhielt man sich noch über das Buchmacherwesen und nahm eine Entschließung an, die die Regierung um Vorbereitungen ersucht, um der gesetz­widrigen Hinterziehung der Totalisatorsteuer durch die Buch­macher entgcgenzutreten.

Darauf wurde der koloniale Nachtragsetat beraten, der -die Forderung für die neue landwirtschaftliche Kredit­anstalt für Süd westafri ka enthält. Es wurde eine Reihe oon Bedenken geäußert, die aber Gouverneur Dr. Seitz zu zerstreuen verstand. Schließlich wurde der Voranschlag ge^en die Stimmen der Sozialdemokratie genehmigt, ebenso das Schutz- truppengesctz, letzteres einstimmig.

Der Mahlprüf'Ngsausschuh

erklärte die Wahl des Abg. Haupt mit 8 gegen 4 Stimmen für ungültig. Die Prüfung der Wahlen der beiden der Wirt- schastlichrir Vereinigung angehörigen Abgeordneten Dr. Werner- Gießen und Dr. Bur ck Hardt gedieh noch nicht zu Ende.

Der Bittschriftenausschuß

hat Anträge um Herabsetzung der Altersgrenze für die Erreichung der Altersrente von 70 auf 65 Jahre dem Reichskanzler als Material überwiesen. Bekanntlich soll bis zum Jähre 1915 eine Revision der Vorschriften über die Altersrenten erfolgen. Ein Ersuchen des Deutschen Handelstages um schleunige Aufhebung des Scheck- und Bankauittungsstemvels wurde eben­falls als Material überwiesen. Eine Bittschrift betreffend feste Anstellung des im deutschen Reichsdienst beschäftigten ständigen Hilfspersonals nach einer von der Regierung festzusetzenden Reihe von Tienstjahren und Einführung der Pensionsberechtigung wurde einstimmig zur Berücksichtiaung überwiesen. Anträge um Ein­führung der Niederlassungsfreiheit im Apothekergewerbe. wurden zwar als Material überwiesen, doch ließ der Ausschuß keinen Zweifel daran, daß er gegen diesen Wunsch gewisse Bedenken habe. Es wurde sogar für Berstaatliehung und Kommunalisierung der Apotheken eingetreten. Eine Bitte, gute Wandertheater reichs gesetzlich zu unterstützen, wurde verworfen, da es eine so große Reihe von gemeinnützigen Einrichtungen für die Volkserziehung gäbe, daß nicht abzusehen sei, wo das Eingreifen des Reichs mir seinen Mitteln aufhören solle. Eine Unterstützung der Wandertheater sei Sache her Einzelstaaten oder von Kömmunen. Ferner wurden als Material überwiesen Bittschriften betreffend Einführung eines billigen Cinheitsweltportos und gesetzliche Rege­lung des Kinematographenwesens.

Preußischer Abgeordnetenhaus.

Berlin, 23. April.

Nachdem sich heute der Abg. K o r f a n t h (Pole) noch eine rabiate Siebe geleistet, die ihm, u. a. wegen Beleidigung preußischer Könige, zwei Ordnungsrufe einbrachche, wurde die Ostmarken­vorlage in einfacher Abstimmung in dritter Lesung verab­schiedet.

Es folgt die Fortsetzung der zweiten Beratung des Gesetz­entwurfs, betreffend Abänderung der rheinischen Zusammen- legungs- und Gemeinheitsteilungsgesetze.

Wg. Weisermel lKonsZ befürwortete den Antrag von Pappenheim, die Beschränkung des.Gesetzes auf die Rheinprovinz, die der Ausschuß cheseiligt hatte, wieder herzustellen.

Der Landwirtschff tsminister Frhr. v. Schorlem er ljat zwar gegen den. Ausschuß beschluß, die Besttmmungen auf die ganze Monarchie aitszudebneu, nichts einzuwenden, hält ihn vielmehr für zweckmäßig, glaubt aber doch aus Opportunitätsgründen den Antrag Pappenheim befürworten zu sollen. Er teilt überdies dem Hause mit, daß in Aussicht genommen sei, in der nächsten Session dem Landtage eine Vorlage zu machen, durch welche in den «Provinzen Ostpreußen, Westpreußen und Posen unter Auf­hebung der G e n e r a l ko mm i s s i on in Königs der g

die Geschäfte der Auseinandersetzungsbehörden auf die ordentlichen Gerichte und die Behörden der allgemeinen Landesverteidigring übertragen werden. Bei Erörterung dieser Vorlage werde sich dann Gelegenheit bieten, die ganze Rechtsfrage allgemein zu besprechen.

Der Vorlage in der 'Ausschußfassung stimmen zu die Abg. Frhr. v. Los (Ztr.) und Glatze! Matt.). Tie Volkspartei lehnt, wie der Abg. Dr. Flesch erklärt, den Antrag ab, ver­langt also Ausdehnung des Gesetzes auf die ganze Monarchie. Der Antrag von Pappenheim wird schließlich angenommen.

Im übrigen werden die Ansschnßbeschlusse angenommen und in dieser Fassung wird der Gesetzentwurf sogleich aud)i in dritter Lesung verabschiedet.

Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Bereitstellung von Staatsmitteln zur Förderung der L a n d e s k u 1 t n r N n d d e r i n n e r e n K o l o n i s a t i o n. Durch die Vorlage werden. gefordert: 12 Millionen Mark zur Urbar­machung fiskalischer Moore. 3 Millionen für Melivrati^nsarveiten auf Domänen und 10 Millionen für Stammeinlagen bei gemein­nützigen Ansiedlnngsgesellschaften. Ter Ausschuß beantragt un­veränderte Annahme und Zustimmung zu einer Entschließung, in der die Regierung ersucht wird, der inneren Kolonisation durch besondere Maßnahmen eine weitere kräftige und planmäßige För­derung .zuteil werden zu lassen.

Von der Fortschrittlichen Volks Part ei ist der Anttag -eingegangen, anstatt 25 Millionen 115 Millionen zu bewilligen.

Es fand eine Aussprache statt, die morgen fortgesetzt wird.

Berlin, 23. April. In der heutigen Besprechung des Präsidenten des Abaeordnetenbackses mit den FrccktionsvorfU-enden zur Frage einer eventuellen Revision der Geschäftsord­nung imirde dabin eine Uebereinstimmung erzielt, daß diejenigen von dem Gefchästsordnungsausschuß gemachten Vorschläge, wobei eine ausgedehnte Debatte und möglicherweise ein Widerspruch zu erwarten sei, nicht mehr verhandelt, sondern die Verhand- lunaen auf die voraussichtlich unstrittigen formalen Aenderimgen beschränkt werden sollen. Tie Beratungen des Landtages sollen bis zum 30. April abgeschlossen werden.

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Im Landtage werden in der Hauptsache vier Vorlagen unerledigt bleiben, nämlich die S t e u e r g e sc tz e , der Nachtragsvoranschlag für 1913 wegen des Ankaufs des Grundstücks Priirz-Mbrecht-Straße 6, das Eisenbahnanliegergesetz und die Hannoversche Jagdordnung. Das Eisenbahnanliegergesetz bleibt bereits zum zweitenmal unerledigt. Tie Steuergesetze werden vorläufig nicht wieder eingebracht werden. Jedenfalls nicht in der ersten Session des neuen Landtags.

DeALrcbes tteidb.

Ein Vortrag im Reichspostamt.

Im Kuppelsaale des Reichspostamtes versammelten sich am gestrigen Mittwoch abend Staatssekretär K r ä t k e und eine zahl­reiche auserlesene Gesellschaft um das Denkmal des verewigten Generalpostmeisters v. Stephan, zu einem Vortrage des Geheimen Obervosttates Professor Strecker über den Fernsprech­verkehr. Seine Ausführungen gipfelten in praktischen Vor­führungen der Sprechverstärkung durch Anwendung der v. Liebens- schen Lampe, wobei unter Einschaltung eines künstlichen Wider­standes die Ueberwindung der Entfernung Berlin-Rom unter außerordentlich erhöhter Tonstärke vorgesührt wurde.

Der Abg. Mum m hat tut Reichstage folgende Anfrage gestellt: Ist der Herr Reichskanzler bereit, Lluskunft über "die Gründe des ergebnislosen Verlaufes der Brüsseler Spiri­tuose n k o n f e r c n z- 1912 zu geben?

Die Mder-MaSauer Genoffsnschastrtrise.

bs. D a r m st a d t, 23. April.

In der Vernehmung des Justizrats Dr. Bender wird fortge­fahren. Es soll die Spekulationswut des Angeklagten Jjaak näher beleuchtet werden. Dr. Bender sagt aus, daß die Ver­wandten Isaaks seinerzeit große Opfer brachten, um den Ange­klagten aus seinen Engagements herauszubringen. Von den Beziehungen zu Pattmann hat der Zeuge keine Kenntnis. Wieder wird die Sanierung des Isaak eingehend besprochen, ohne daß aber wesentlich neue Momente dabei zutage treten.

Der Hauptzeuge der heuttgen Verhandlung ist Dr. Struck, der jetzt in Berlin eine Anstellung gefunden hat. Dr. Struck war früher Kommissar der Reichsgenossenschaft bei dec Land- wirtsawstlichen Kreditbank und wurde später eine Zeitlang Ge­schäftsführer der Verwaltungs- und Verwertungsgesellschaft. Dabei hatte er aber noch seine Haupttätigkeit bei der Kreditbank. Die Verwaltungs- und Verwertungsgesellschaft ist gegründet worden, um Grundstücke und Hypotheken der einzelnen Genossenschaften zu verwalten, ivozn es bei diesen an der nötigen Sachkenntnis fehlte. Huf die Frage des Vorsitzenden, welche Vergütung die Gesellschaft dafür erhielt, antwortet der Zeuge, daß eine solche nicht vereinbart worden sei. Man beschränkte sich auf die Spesen, wie sie überall bei Bankgeschäften erhoben wurden. Das ur­sprüngliche Stammkapital der Gesellschaft betrug 100000 Mk., später 300 000 Mr. Bors.: Wie ist das Geld verwendet loorden? Ter Zeuge weiß das nicht. Der Vors. hält ihm Heer seine frühere Aussage vor. Damals habe er sich auf alles das noch sehr gut besinnen können. Der Zeuge verwahrt sich entschieden da­gegen, daß es sich bei der Gründung der V.-V.-G. nicht um eine Bargründung gehandelt habe. Vors.: Warum übernahm denn die Gesellschaft die Sanierung Isaaks? Zeuge: Daran war vor allem die Landwirtschaftliche Kreditbank interessiert. Der Zeuge gibt dann Auskunft über die Vorgänge bei der Sanie­rung Isaaks. Es war angenommen, daß sich dabei für die Gesellschaft ein hoher Gewinn ergeben würde. Vors.: Wer hat das Risiko dabei getragen? Zeuge: Die Verwaltungs- und Ver- wertungsgesellschast. Vors.: Damit also die Mitglieder der Ge­nossenschaften. Was hatten denn die für ein Interesse an der Sanierung Isaaks. Zeuge: Damit Nieder-Modau keinen Schaden erleide. Bors.: Inwiefern war denn Nieder-Modau interessiert? Zeuge: Ich habe das alles im Moment vergessen. Die An­gelegenheit liegt schon zu weit zurück. Vors.: Ich nehme also znr Kenntnis, daß Sie das vergessen haben! Der Zeuge bemerkt hierzu, daß es ihm beim Untersuchungsrichter passiert sei, daß ihm gesagt wurde, daß er alles das vergessen hätte, was evtl, ungünstig sein könnte. Gegen eine derartige Auslegung müsse er sich wehren. Sein guter Ruf sei noch durchaus jntzakt. Die Verhandlung wendet sich mm der Sanierung der Land- wirlschaf: licken Kreditbank zu. Die, Auskünfte des Zeugen hierzu find aber nur sehr unvollkommen, so daß sich bei dieser Gelegen­heit «eine eingehende Behandlung auf die ganze verwickelte Trans­aktion nicht umgehen läßt. Es stellt sich heraus, daß das Ler- fahren bei dieser Sanierung doch nicht ganz korrekt gcioefen sein kann. Besonders die Genoffenschiften seien stark in Mit­leidenschaft gezogen worden. Längere Zeit nimmt die Erörterung über den Wert dw Pfandbriefe der Landwirtschaftlichen Kredit­bank in Airspruch. Diese Pfandbriefe find von den Genossen- ßchaften Ku pari übernommen woroen, obwohl sie nur 80 standen. Die Kreditbank versprach sich von der Sanierungsaktion einen vollen Erfolg. Worauf sich diese Hoffnung aber aufbaut, kann der 'Zeuge auch nickst ttarmachen. Immer wieder muß die Frage aufgerollt toerben, warum man denn eigentlich die Genossen- schaflen darin verwickelte. Wenn derinnere Wert'" der Pfand­briefe wirklich so gut Ivar, wie der Senge behauptet, hätte die Genossenschaftsbank doch die ganze Sanierung allein Machen können, d. h. also die ganzen Pfandbriefe selbst übernehmen können. Die Frage des Beisitzers Konradi, ob man denn den Genossenschaften davon überhaupt Mitteilung genmcht hätte, bejaht der Zeuge. Tie Frage aber, ob man ihnen auch von dem Risiko Mitteittmg gemacht hätte, muß, er verneinen. Ter Beisitzer Konradi bemerkt, daß die Vorstandsmitglieder in Nieder-Modau doch sicher die ganze Transaktion nicht verstanden hätten. Aruch davon, daß die Pfandbriefe, die sie zu pari übernehmen mußten, 80 standen, hat man nichts gesagt. Me diese Tinge vermag der Zeuge nickst genügend aufzuklären.

Im toeUeren Verlauf der Sitzung kommt es zu langatmigen fachlichen Auseinand er setzungen, an denen sich der Sachverständige Regierungsrat Bastian und der Angeklagte Kommerzienrat Ihrig lebhaft beteiligen. Der Kernpunkt aller dieser Fragen ist aber immer: Welches Interesse bestand für Nieder-Modau, sich an der Sanierung Isaaks $t beteiligen, lieber die Persönlichkeit Isaaks befragt, sagt der Zeuge, daß er mehrmals mit Isaak aneinander- geraten sei. Er habe ihm auch einmal geschrieben, daß er Gelder, die ihm anvertraut wurden, für eigene Zwecke verwendet habe, lieberI;aupt hätte sich Isaak oft Rechte angemäßt, die ihm nickst zustünden.

Tie Verhandlung schließt gegen 2V-i Uhr. Der Zeuge wird nur unter dem Vorbehalt der Wiederladung entlassen. Fort­setzung morgen vormittag 8V2 Uhr.

Leben.

Große Preise, d i e noch, zu vergeben sind. Es gibt eine stattliche Anzahl von großen Preisen für wichtige Entdeckungen und Erfindungen, die noch des glücklichen Gewinners harren. Der bedeutendste dieser Preise ist nach einer Ausstellung der englischen ZeitschriftPopulär Mechanies" der 400000- Mark-Preis, den die Internationale Vereinigung von Auto­mobilklubs für den besten Ersatz von Gasolin ausgeworfen bat. Von der zu findenden Substanz wird gefordert, daß sie für die feist im Gebrauch befindlichen Motore mit innerer Verbrennung muß verwendet werden können, und daß sie außerdem derart ist, daß sie nicht, von einem Trust monopolisiert werden kann. Für den Fall, daß dieses Heizmaterial ans Stoffen hergestellt werden kann, die in England selbst produziert werden, ljat die Britische Gesellschaft von Motorfabrikanim und -Händlern noch einen wei­teren Preis von 40 000 Mark in Aussicht gestellt, so daß der, dem die Lösung des schwierigen Problems gelingt, sckwn durch diese Preise ein wohlhabender Mann werden würde. Ter höchste Preis, der in Amerika gegenwärtig zu vergeben ist, beläuft sich auf 40 000 Mark und soll dem Erbauer einer Masckstne zufallen, die Zuckerrüben automatifch herauszieht und zerschneidet. Ein Preis von 80 000 Mark ist in Frankreich für die natürliche Heilung einer der häufigsten Kckankcheiten ausgeworfen lvorden, ohne bisher einen ernsthaften Bewerber gefunden zu l>aben. Das amerikanische Rote Kreuz hat verschiedene Preise int Werte von 12 00020 000 Mark denr zugesick)>ert, der 'Apparate und Vor kehrungen an geben kann, die die Leiden der Kraitken und Ver­wundeten in Kriegsfällen lindern. Einer der wichtigsten Preise, die Iden Schutz und die Erhaltung von Menschenleben zum Gegen- ftxrnb haben, ist die Summe von 25 000 Mart, die von den Minen- bcsitzlern in Dortmund für die Erfindung einer elektrischen Berg Mannslampe ausgesetzt wurde, die zitgleich eine Vorrichtung für die Feststellung der Litswerhältnisse unter Tag enthält und so als Warnungssignal vor schlagenden Wetterit dienen kann. Einen kleinen Preis von 400 Mark will die Britifche Gesellsckwft der Künste dem zu erkennen, der ben praktischsten Apparat erfindet, um bei Unglücksfällen in Bergwerken die Retttmgsarbeit zu er leichtern. Tie Vereinigung der englischen tz-Krber hat ihre be sondere ylufmerksamleit einer gegerrwärlig int allgemeinen Ge­brauch befindlichen Maschine für das Schrei den von Leder zu gewendet, die viele ernsthafte Unfälle beroorgmifcn hat. Dem, der eine ausreichende Sicherung dieser Maschine angeben kann, bietet sie 400 Mark. Auch einige große Flugpreise stehen nock> aus, so einer von 100000 uttt> einer von 200 000 Mark, die

die Daily Mail verheißt. Der erste Preis ist für den bestimmt, der in einem in England erbauten Wasserflugzeug rund um Ärosf- britannicn fliegt, der andere dem, der den erftcit Flug über den Atlantischen Ozean vollbringt.

Der Preisträger des Sonzogno-Wettbewerbes. Ans Mailand wird berichtet: Das Preisrichterkollegium, das über den jüngsten von dem italienischen Musikverleger ^onzogno aus­geschriebenen Wettbewerb zu bestimmen hatte, fällte tu diesen Tagen sein Urteil zugunsten des jungen, bisher kaum bekannten Komponisten A rr i g 0 P e d r 0 l l 0. Insgesamt waren 54 Opern und 3 sinfonische Kompositionen eingereicht worden, von beneit 7 Opern in den engeren Wettbewerb kamen. Das preisgekrönte Werk Pedrollos ist eine breiaftige OperI uan a", das Li­bretto stammt von de Earli. Pebrollo ist der Sohn eines Musik lebrers und begann schon im jugenblichen Mter sich durch Klavier Vorträge durchs Leben zu schlagen. Mit 13 Jahren kam er ans Mailänder Konservatorium, wurde Schüler Eoronaros und ver­ließ die 9(nftalt mit 19 Jahren im Besitze seines! Diploms, naehdem^er die Aufführung einer von ihm komponiertenroman­tischen Sinfonie" miterlebt hatte. Dann aber begann das Va­gantenleben eines jungen mittellosen Musikers. Pedrollo zog als Dirigent kleiner Kapellen durch die Welt, spielte in Hotels und in Kaffeehäusern, an Badeorten und überall, wo in öffent­lichen Lokalen Musik verlangt wirb. In seinen knappen Mnßc- ftunbeii komponierte er, und vor 5 Jahren wurde bereits von ihm eine breiaftige OperDas gelobte Land" in Cremona mit bescheidenem Erfolg aufgeführt. Nun rückt bei- junge Musiker durch die Erlangung des Sonzogno-Preises mit einem Schlage in die erste Reihe der modernen italienischen Opernkomponisten.

Wie ein Engländer Berlin wiedersah. Der englische Journalist Valeniine Williams, der in früheren Zeiten als Korrespondent in Berlin lebte, veröffentlicht jetzt in der Daily Mail eine Schilderung der Eindrücke, die er bei seiner Rückkehr nach Berlin empfing. Wie fort sich Berlin ne räubert! Diese Stadt ist heute von Willenskraft durchsättigt. Sie gleicht einem! Mafchinensaal, der durch den tvang gewaltiger Maschinen bebt und zittert. Und sofort spürt man, daß hinter dieser ge­waltigen Arbeit Zielbewußtsein und der Wille zum Errolg stehen." Ter Engländer spricht bann von der ^gewaltigen Organisation bes äußeren Lebens, von Ordimng, Sauberkeit und von den palastähnlichen .Hotels und den pruntvotten Restaurants, in denen 'man für billiges Geld aus einer märchenhaft reichhaltigen Speisekarte ein sDäal)( auswählen kann"; mit den besch'ideneren Bemühungen anderer Hauptstädte fei der Vergleich verblüffend.

Und doch wie sehr dieser konzentrierte Witte und die Ent­wicklung Berlins Beimmderung heischm: behrebigenb ist das Endergebnis doch nickst." Noch hat der nette Geist seine Formen nicht gesunden, und die Grazien müssen oft trauernd beiseite stehen. Ms Wenwis dafür nennt der Engländer den gewaltigen Gegensatz zwischen der edlen Mtberliner Arck ckettur arrs Sckinkels Zeit und der Baukunst des modernen Berlin, die er umschreibt als eine chaotische und schauerliche Mischrmg, in der jeder bekannte oder unbelaniTtc Stil von den Pharaonen bis zu Wilhelm II. ver­treten ist. Wohin man immer im modernen Berlin den Blick richtet, sieht man die Bemühung, eine neue Note anzuschlagen. Und oft genug wird dabei die Schönheit durch den übertriebenen Ehrgeiz, Eindruck zu machen, erstickt. Es bleibt das Gefühl, daß 9leu Deutschland vor allem die Kraft aiibetct. Die Fassaden vieler neuen Riesen re stanrants und Eafss sind mit gewaltigen bildhauerischen Torsos im Stile Rodins geschmückt: oft strebt die Phantasie des Bildhauers zum Erotischen, oft auch zum Dämo­nischen". Und eine ähnliche Unausgeglichenheit, ein ähnlicher Ehrgeiz, unter allen Umständen, einen großartigen ^Eindruck zu erzielen, spürt der Engländer in ben neuen großen Straßenzügen des Westens.Da stehen altdeutsche Häuser mit geschweiften roten Dächern unb Giebelarchucktur in Holz neben Sandsteinbauten im Renaissancestil. Blanche Häuser sehen wie Feuerlvachen aus, andere itne Kirchen, unb dann wieder andere wie Häuser. Aber mit ihren blitzblanken Fronten und ihren liebten Dächern verleihen sie diesen Vororten Berlins gewiß eine heitere fröhliche Note." Aber ber Gesamt ein druck für den Ausländer ist dock der, daß der gewaltige Fortschritt der Reichshauptstadt vielfach den Sinn für Proportionen und den Sinn für das Angemessene zerstört. Zweck imb Mittel geraten miteinander in Streit. Der Engländer «empfindet es als nnzusannneirgehörig, meint er ein einfaches Mittagessen in einem Prunkgebäude cimtclymen soll, daseher an die Westminster Hall als an ein Restaurant gemahnt", und das' selbe Geft'chl beschleicht ilyn, wenn er in einerprächtigen dom- artigen Halle mit gotifd>en Fenstern und gewaltigen Pfeilern - Socken kauft". Mn meisten aber hat ihn die gewaltige Ausdehnung überrascht, die das Berliner Nachtleben genommen hat. Er sieht darin ein Anzeichen für eine der schwersten Gefahren, die das neue Deutschland bedroht: das Zeichen für eine zunehmend niateria listische Lebensbetrachtung.Oft ist in Deutschland dagegen der Waruuitgsrus erhoben worden. Denn diese Tendenz zum Mate- rialisnms muß schließlich die sittliche Wohlfahrt des beuifeben Volkes gefährd en."