Ausgabe 
25.10.1913 Viertes Blatt
 
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Nr. 25)

vierter Blatt

165. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag?.

DieGießener Kamilienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krcisblatt für den Kreis Siehrn" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhejlen

Samstag, 25. Moder 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitäts - Blich- und Steindruckerei.

N. Lange, Gießen.

Redaktion, Expeditton und Druckerei: Schul- srraße 7. Expedition und Verlag: e=sa51.

Redaktion:eE112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

: dl c an' viele wohltätige Mfte an der Arbeit, im Interesse der Allgemein- a e st e l l t heft die Schäden %u beseitigen oder wenigstens zu mildern, die ren ent» dort wie überall dem modernen Dienstbotenwcsen anhaften, ^re

Frauen-Nuttd?chcß«.

Zur Berufsvorbildung in den häuslichen Frauenberufen

schütterlichkeit eines Pflichtgefühls, das eine zweite Natur gewor­den zu sein, das keine Kämpfe zu bestehen, sondern wie ein unfehl­barer Instinkt zu wirken scheint. Auch der hohe Sinn, der nur auf das Große gerichtet ist, und die feine Bildung, die in allem Tumult der Erscheinungen sicher die Hauptsack)en erkennt, gehören zu der persönlichen Kraft, die erforderlich war, um den ausgezeich­neten General unter die Heroen deutscher Nation zu versetzen. Es hat große Feldherren gegeben, die gemeine und schlechte Menschen waren, wie Marlborough, oder die nur nach Macht und Selbstver­herrlichung trachteten, wie Napoleon, oder die mit dem Degen sich die Mittel zu einem üppigen Leben erfochten, wie der Marschall von Sachsen, oder die roh, beschränkten Geistes, barbarisch waren, waren, wie Suwarofs. Es ist nützlich, sich diese Kontraste zu ver­gegenwärtigen, um sich klar zu machen, was wir an Moltke haben, verehren und lieben. Tcfrm es ist schwierig, mit direkten und Posi­tiven Worten seine Phpsiognomie zu reproduzieren: man kann leichter sagen, was er nicht ist, welche Fehler und Schwächen ihm fremd sind, als man die einzelnen Züge seines Charakters nack>- zeichnen kann. Eine gewisse Feinheit ist ihnen eigen, die jeder fühlt, die sich aber der Sprache entzieht. Wie ja auch jem leib­liches Antlitz, aus einem analogen Grunde, dem Pinsel und dem Meißel einen überaus schwierigen Vorwurf bietet. Die Franzosen haben gefunden, Moltke sehe aus wie ein Professor, wahrlcheinttch weil er keinen Schnauz-- und Knebelbart trägt. Nichts kann unzu­treffender sein. Wenn je eine Physiognomie mit einem kühnen Adlerblick und mit entschlossenen Lippen ins Weltgetümmel geschaut hat, so ist es die Moltkes. Nur daß über den kühnen Augen em Strich sich wölbt, deren Gedanke den Raubvogel bändigt und der Entschlossenheit die Weisljeit zugesellt. Iw einem sonst sehr kon­fusen Buche (Rembrandt als Erzieher) steht zu le)en, da,; Mottke an gewisse venetianische Dogen erinnere, und das ist richtig. x_sn Venedig sieht man zwei oder drei Bildnisse magerer, battlofer Greise mit stillem, in die, Flerne gerichtetem Blick und Innern festem Munde, die den Ansfpruch rechtfertigen. Und doch ist es wieder etwas ganz anderes!

Es wäre vergebliches Bemühen, in Worte fas,en zu wollen, was für die einzige Bedeutung eines solchen Mannes das eigent­lich Ausschlaggebende ist und ihm die Herzeii des Volks zuwendet. Jedenfalls liegt es wesentlich auf dem sittlichen Gebiete. Dieser Held hat nie das Eigene gesucht: dieser Edelmann hat nicht die leiseste Spur vom Junker an sich; nie Ijlat jemand seine Arbeit herrlicher und bescheidener zugleich getan. Das versteht auch der Geringste, der den Wett einer hohen JUtelligenz nicht zu taxieren

In der stolzen und dankbaren Erinnerung seines Volkes wird Moltke fortteben, und die* Gedächtnis wird noch ferne Generatio­nen zu echter vaterländischer Gesinnung erziehen helfen. Das ist das Vorrecht der Gerechten, der makellosen Helden, daß ihr versöii- liches Wesen noch über das Grab hinaus als ein leuchtendes Vor­bild, als ein inkarniertes Jsoeal auf die Nachgeborenen wirkt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 25. Oktober 1913.

Ausbau der Schwarzlach.

Man schreibt uns:

Vor der Lokalkommission wurde gestern über den städtischen Enteigniingsantrag wegen Straßengelände zum Aus­bau der Edersttaße usw. verhandelt. Die Verhandlung nahm cm sehr merkwürdiges vorzeitiges Ende, indein der Oberbürgermeister ganz unerwarteterweise seinen Enteignungsantrag zurück­nahm, als er sah, daß die Beteiligten auf seine Preisangebote nicht einzugehen willens waren. Das Angebot betrug teils 8 Mk., teils 5 Mk. für den Quadratmeter, während 18 Mk., 25 Mk. und 12 Mk., je nach der Lage gefordert wurden, zumal in der gleichen Lage schon vor 10 Jähren mehr bezahlt worden war, als jetzt seitens der Stadt geboten wurde, in 1909 sogar 19 bis 21 Mk. in dieser Lage bezahlt worden maren. Eigentümlich war die Be­gründung, die der Oberbürgermeister seiner Erklärung mitgab. Er sagte etwa folgendes: man habe seitens der Stadt der Schwarzlach mal aufhelfen wollen, indem man dort das Bauguartier durch An­legung der vorgesehenen Sttaßen eröffnen wollte; die Grundbe­sitzer machten das aber durch ihre übertriebenen Forderungen (Phantasiepreise, wie er sie genannt hatte), unmöglich, und nun könne jeder sehen, daß der Äusbau nicht an der Stadt scheitere, sondern an den Forderungen der Anlieger. ..

Mit der Rücknahme des Enteignungsanttags Irenen die Stadt die schon jetzt recht erheblichen Kosten des nutzlos verlaufe­nen Verfahrens, und man fragt sich, wozu dann der Antrag über­haupt gestellt morden sein mag. Offenbar ist es gar nicht der

weiser herauszugeben für alle, welche sich einem der häus­lichen Frauenberufe widmen wollen. Das kleine übersichtliche Heft­chen gibt genaue Auskunft über alles, was rn den einzelnen Fächern verlangt wird, befpricht auch die ge­naue Abgrenzung dieser Fächer, die Nachteile und Vor­teile der verschiedenen Stellungen; es werden ferner die besten Arbeitsjahre besprochen, die Ho h e der Ge­hälter, die Notwendigkeit der selbständigen Al­tersversorgung wie die Invaliden- und Ange­ste l l t e n v e rs i ch e r u n g. Das Heftchen will vor allem den für einen der häuslichen Berufe besttmmten jungen Anfänge­rin ir e n die Wege weisen, die sie gehen müssen, u m vorwärts zu kommen, ihnen die Ausfichten zeigen, ine sich den Tüchtigen und Fleißigen bieten und hofft, Müttern und Töchtern eine Freundin zu werden, aber auch die Hausfrauen zu gewinnen, welche bei Durchsicht des leicht zu überfehenden Inhaltes gewiß finden werden, daß die Herausgeberinnen letzten Endes immer dem Wohl des Haufes dienen wollten, weif; doch jede Haus­frau sehr genau, wieviel für das Wohl des Hauses in den Händen der gebildeten häuslichen Hilfskräfte liegt!

Das kleine Heftchen, das 'den Titel führtDer Beruf der Hausbeamtin", ist jederzeit direkt zu beziehen vom All- gc meine liDeutschenVerein für <q au 5 b Amt i n n e n Zentrale Leipzig, Königstraße 2 6 fur 10 Pfg. nnd 3 .<Rf q. Porto, ebenso aber auch durch jede andere, der Uber qanz Deutschland oerftreuten Geschäftsstellen des Vereins. N a ch ft e Geschäftsstelle: Darmstadt, Hoffmannstr. 4.

französischen Dienstmädchen versprechen sich am meisten Hilfe von . der Organisation und der gänzlichen Unterdrückung der gewerbs- mäßigen Stellenvermittlung. .Soweit sie schon organisiert fmd.

kf Städtische Stellennachweise für DIenftmäd- ch e n Städtische Stellennachweise für Dienstmädchen gibt es in Frankreich. Die französische Regierung hat nämlich, wie die tyrauenberoegung" nach dem Zentralorgan des Verbandes der Hausangestellten Deutschlands anfühtt, jede Gemeinde mit mehr als 10 000 Einwohnern verpflichtet, einen Stellennachweis für Dienstboten zu unterhalten. Man hat berechnet, daß im Jahre 1909 durch städtische Vermittlung in Patts 3502 männliche Dienst­boten 2096 Köchinnen, 4023 Kammerfrauen, Bomien usw.. 8717 Mädchen für alles" und 11324 Aufwartefrauen einen Platz er­halten. Die städttsche Verwaltung unterhält etwa 20 Bureaus' jum Stellennachweis für Dienstbolen. In Paris sind außerdem

lohntwird. . Nerein für Hausbe-

am?inn«M sich deshalb entschlossen, einen kloincn Le-.

weisen sie deshalb dieser Forderuiig auf ihrem Programm die erste Stelle zu. Die Volksvertretung ist auch nicht abgeneigt, ihr Ver­langen auf gesetzlichem Wege zu erfüllen, aber man schwankt noch immer ob es mit oder' ohne Geldentschädigung der Vermittler geschehen soll. Im ersteren Falle würden nicht geringe Cofer seitens des Staates erforderlich sein, denn allem im Departement Seine gibt es roeit über 200 Stellenvermittlungsbüros für Dienst­boten.

ff Ein weiblicher Berufsvormund in der Schweiz Der Stadtrat von Zürich hat vor kurzem zum ersten­mal einer Frau das wichtige Amt eirtdö Amtsvormundes über­tragen und zwar an Dr. jur. Olga Lenz, die ihre Rechtsstudieitz an der Hochschule mit Erfolg beendigt und seit Jahresfrist in der Züricher Amtsvormundschaft als Aushilsssekretänn tätig ist. xa das neue schweizerische Zivilgesetz gestattet, Schweizer Bürgerinnen das Amt eines Berufs- oder Amtsvorstehers zu übertragen, so ist zu erwarten, daß das Beispiel, das der Züricher Stadtrat ge- gehen hat auch in anderen Schweizer Städten Nachahmung finden wird Als Sekretärinnen und Inspektorinnen sind bereits eme Reihe von Frauen in den schweizerischen Vormundschaftsbehor- den tätig.

kf NeuesvomFrauenstimmrechts-Theater" in England. Im Frühling d. I. tauchte in London der Plan einesFrauenstimmrechts-Theaters" auf. Dieser Plan ist jetzt verwirklicht, und am 8. Dezember wird das Frauenstimmrechts- Theater seine Pforten öffnen oder vielmehr im Coronet-Theater feine diesjährige Spielzeit beginnen. Als erste Stücke stehen Brieux'sFemme seule", natürlich in englischer liebersetzung und BjornsonsHandschuh" auf dem Programm. Alle Darsteller gehören dem Londoner Frauenstimmrechts-Verein der Schau­spielerinnen an. Tie Unternehmer versprechen sich von dieser Art der Propaganda für die Frauensache viel, und die Schöpferin dieses Stimmrechts-Theaters, Fräulein Inez Bensuf'an, hat einem Vertreter desStandard" gegenüber sich näher über die Plane ausgelassen. Das nötige Kapital für das Unternehmen ist bereits beisammen. Die Geldgeber rechnen übrigens auf einen erheblichen Ueberschuß und außerdem haben sich mehrere Frauen,ttmiurechts- Vereine in London wie in Provinzstädten bereit erklärt, das junge Unternehmen zu fördern, von dem sie sich eine starke erzieherische Wirkung versprechen. Wenn die Einnahmen der erftcn Vorstellungen den Erwartungen entfprechen, wird, der Bettuch natürlich fortgesetzt und weiter ausgebaut, W daß mit einem neuen dauernden Theater zu rechnen ist. An glucken, die in den Dienst der Sache zu stellen sind, foll kein Mangel je in.

keinen Beruf geht die Frau so unvorbereitet wie in einen bet häuslichen Berufe, die von jeher doch ihre eigenste Domäne waren " so klagte man schon vor 20 und mehr Jahren Genaue Kenner der einschlägigen Verhältnisse sind der Anficht, daß folche Kl^e auch Äe noch ihre volle 'Berechtigung habe.. Und das gilt vor allem für die rein wirtschaftlichen Frauenberufe, womit aber nickst gesagt sein darf, daß nun alle Kiiiderfräulein tt.va, die fich ohne viel Umstände .zur Beaufsichtigung und (Ä:ziehung. jüngerer Kinder anbieten, ein Kindergärrner,nnenfcminar besucht, eine Reife- Sng bestanden hätten. Wie viele bieten lieh doch auch da noch anotme irgend welche Schiftung m der Körperpflege der Kinder, Sme traend welche pädagogischen, Begriffe, oft ohne genügende ciacnc Erziehung, ja mit mangelhafter Schulbildung, ohne Ahnung davon wie verantwortungsvoll die Pflege und Erziehung gerade Unaerer Kinder ist! Daß ober noch die meisten Stutzen ohne ttaend welche schulgemäße Berufsvorbildung ihre ersten Stellen iXn unddabeiallsogleich ihren vollen Lebensunterhalt und noch einieies darüber verdienen wollen, scheint immer noch ganz leihst- v^stä^dttch Män lebt eben immer noch recht weitgehend in dem

fiSmibcn daß die Frau gleich als Haushälterin auf ine Wett komim gar keine eigentliche Fachausbildung bedürfe, bis Welt komme, g -teile als Stütze antritt oder als em-

^f^nbcdräulein und es nun erleben muß daß sie nichts ^^enöigften &rau^ten, am ^tn^r^au^mi^f^^aft^i^net^ll§bilö di- mangcMc V°°b,wun«d - Frau n t n i 8 , ro c I d) e

Be-ni-M b-N°T'^7tr°ff-nd°n Kreisen, darüber gerade m den veic verschiedenen häuslichen L°?d°n!/nd w5° di° Arbeit in diesen B-eufen ent-

ernstliche Wille der Bürgermeisterei gewesen, das Verfahren durch­zuführen. Denn die vom Herrn Cbcrbürgermciftcr angegebenen Gründe sind doch ganz unhaltbar! Dazu war das Enteignungs- versahren ja gerade da, um durch die zuständigen Organe über die Preisfrage die gerechte Eittscheidung treffen zu lassen. Hatte der Herr Cbcrbürgcrmeifter das Vertrauen dazu, das; seine An­gebote dem wahren Werte der zu enteignenden Stücke entsprachen, bann konnte er es doch gut auf den Enteignungsanspruch an = kommen lassen. Offenbar hat er aber eingesehen, daß fein An­gebot auch nicht im allerentserntesten angemessen war, und daß fr eckst erheblich höhere Preise zugebilligt werben würben.. In der Rücknahme bes Enteignungsantrags hegt also das Zugeständnis, baß dci Angebote nc Preis weit unter dem wahren Werte mar, obwohl einer der Anlieger das Angebot des Herrn Ober­bürgermeisters annahm. Ter betr. erklärte dabei allerdings, er wolle mit der Sache feine Ruh haben und nicht auf seine alten Tage noch sich lange herum streiten. In den inneren Zusammen­hang dieser ebenfalls recht eigentümlichen Erklärung ein.uidnngcn, wirb nickst ganz leicht fein aber die beteiligten Jnteref senken werden sich diesen Vorgang auch für die Zukunft merken und, daß man ernstlich der Schwarzlach habe aushelsen wollen, dafür spricht der Vorgang ganz gewiß nicht.

Ter Herr Oberbürgermeister handelt im Jnteresie der Stadt und ihrer Steuerzahler, wenn er an Sparsamkeits- grundsätzen festhält; wir wollen im übrigen unser Urteil zurückstellen, bis in der Stadtverordnetenversammlung, die ja wohl 'demnächst vom Herrn Oberbürgermeister über den Verlauf des Verfahrens unterrichtet wird, die Einzelheiten aufgeklärt sind. ,

Feuerwehr-Ehrenzeichen. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde vom Groß- herzog dem Nikolaus Ludwig Schmidt zu Ober-Olm verliehen.

* Stadttheater. Michael DenggS Ober- bayerisches Bauerntheater wird bei seinem Gastspiel am Montag außer der Aufführung von Anzengrubers ,,G'wissen sw iirm" in den Zwischenakten noch die hervor­ragenden musikalischen Einlagen der Herren Reiter, Holl und Kiew auf Streichmelodien, Zither und Guitarre bringen; auch die Einlage eines Schuhplattlertanzes ist vorgesehen. Es sei darauf hingewiesen, daß die Abonnenten auf den ersten Er- mäßigungskupon ermäßigte Eintrittspreise genießen.

Kreis Büdingen.

4- Stockheim, 23. Oft. Heute fand hier bei guter Be­teiligung der Gemeindeglieder und auswärtiger Gäste M i s - sions'feft des Allgemeinen evangel.-protestanttschen Missions­vereins statt. Es war das erfte Missionsfest des genannten Ver­eins in hiesiger Gegend. Eingeleitet wurde das Fest uml 2 Uhr durch einen Gottesdienst, in der Pfarr. N a u m a n n - Schwickarts­hausen die Missionspredigt hielt. Um 4 Uhr war eine gut- besuchte Rachversammlung bei Gastwirt Weitzel. <;n ihr fprach Missionsinspettor Nuesch-Basel überChristliches Volksleben . Es waren erschütternde Bilder, die er u. a. an dem bedauerns­wetten Lose der chinesischen Frau und dem enttetzlichen Aber­glauben der Chinesen gab. Der Mg. eval.-Protest. Mistions- verein will hier Wandel schaffen. Seit 15 Jahren arbeitet er in Schanttmg mit Erfolg und hat besonders auf dem Gebiet des Mädchenschulwesens viel gekittet. Pfarr. Lehn- Offenbach, der Vorsitzende des Mg. evgl.-protcst. Missionsverems für Helfen, dankte für das Interesse, das dem Missionsverein m Stockheim entgegengebracht wird und forderte zu tatkräftiger Mitarbeit an dem großen Werke der Mission in Japan und China aus. Der ^rtsgeistliche, Pfarr. Lenz, wies in seinem Schlußwort daraus hin, daß die Gemeinde Stockheim Praktische Missionrarbeit treibt.

Starkenburg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 24. Okt. Das Großh. Hof- the ater wird vom 28. Oktober bis 7. November einen Goethe-Zyklus und dabei am 3. November einen Bunten (Goethe-)Abend veranstalten, bei welchem die Kräfte bei. Schauspielhauses und der Oper mitwirken werden.

Hessen-Nassau.

x Kloppenheim, 23. Ott. Am Mittwoch entstand auf dem Tau uu s b r u n n en auf unaufgeklärte Werse

rnoltfe.

Zum 26. Oktober.)

Von Otto Gildemeistcr. *)

Das achtzehnte Jahrhundert hatte nur noch sechsundsechzig Tage zu leben, da beeilte es sich noch zuguterletzt, der langen Jieihc feiner erlauchten Geburten eine hinzuzusügen, deren Glanz es mit den hellsten unter den dorangegangenen sollte aufnehmen können. ')(m 26. Oktober des Jahres 1800 ward einem wackeren norddeutschen Edelmann und Offizier in einer kleinen Stadt Meck- lenlwrgs ein ftnäblein geboren, dem es bestimmt war, den Namen. lUcoltfe zu einem unvergeßlichen zu machen, zu einem der größten in der Kriegsgeschichte, zu einem der geehttesten unter den Ge­bildeten, zu einem der gelicbteften im Volke. Ihm war in die 2ßiege_ eine seltene und kostbare Gabe gelegt worden, in der höch- fUm die höchste Vollendung zu erreichen, einfach da-

burch baß er feiner angeborenen Natur folgte. Und ihm wurde das Glück leschieben, obwohl er nie etwas tat, um die Gelegenheit Ai machen, daß sich dia Aufgabe darbot, durch deren siegreiche Losung er den Reichtum seines Könnens vor seinem Vaterlande, im. Dienste seines Vaterlandes, und im Angesichte der Welt zu bestätigen vermochte. Wenig Aussicht, die innere Kraft jemals an einem großen Werke verwerten zu können, geschweige ein dauern­des weltgeschichtliches Gedächtnis der Nachwelt zu überliefern, schien das Leben ihm zu bieten. Hätte er nicht neben anderen großen Talenten auch das Talent zu leben in virtuosem Maße besessen und weise gepflegt, so würde er ins Grab gesunken sein, ohne daß die Nation eine Ahnung gehabt hätte von dein, was sie an ihm besaß und verlor. Er hatte bereits die Jähre erreicht, die den allermeisten Sterblichen ben Gedanken, sich zur Ruhe zu setzen, nahe legen, ehe er die große Weltbühne betreten durfte. Allerdings war ja seine außergewöhnliche militärische Tüchtigkeit seinem Kö­nige, den leitenden Kreisen der Armee und vielleicht einigen ande­ren Eingeweihten nicht verborgen geblieben, aber dem Publikum blieb der Chef des preußischen Generalstabs, obtvohl er sein sechs- undsechzigstes Lebensjahr angetreten hatte, eigentlich ein unbe­kannter Mann. Das heißt, er war nicht eben bekannter als irgend ein anderer General, weit weniger als der alte Wrangel. Hätte vor dein Beginn des bohniischen Feldzuges eine Krankheit ihn da- hingerafft, so wäre er heute vergessen und höchstens einer ober der andere Fachschriftsteller hätte seiner ehrenvolle Erwähnung getan. Selbst der Krieg des Jahres 1864 hätte kaum daran etwas geän­dert: der Anteil, den Mjoltke an den Dispositionen des Feldzugs nahm, war gewissermaßen anonijme Arbeit und zog die öffentliche Aufmerksamkeit wenig auf sich. Ungeheurer, erschütternder Ereig­nisse bedurfte es, um da£ stille, priinttosc Verdienst des großen Feldherrn allen sichtbar zu machen. Tas vermochie auch der Laie, mich der gemeine Miami zu begreifen, daß die Ausgaben, die das Jahr 1866 und gar der deutsckf-sranzösische Krieg der obersten Heeresleitung stellte, außerordentlicher, höchst schwieriger Nattir waren, und daß, ihnen nur einigermaßen, nicht ohne allzugroße Mißerfolge zu genügen, sckwn ausgereicht hätte, den Ruhm eines Feldherrn zu begründen. Und auch das vermochte der Stumpfste zu begreifen, das; weit mehr als dies geleistet wurde, daß die Kriegs- erHänuig niemals mit größerer Sicherheit, Besonnenheit, Ruhe und Energie den Sieg an ihre Fahne gefesselt hatte. Erregte schon dies Bewunderung und Freude, so kamen noch zwei Momente hin­zu, diesen Leisttingen einen besonderen Nimbus, eine höhere Wtthe zu oerlciben, ein menschliches und ein patriotisches. Es war ein Greis, fast an der schriftgemäßen Grenze der Lebensdauer ange­langt, der die unermeßlichen Verantwortlichkeiten einer solchen! Oberleitung mit einer auch im kräftigen Männesalter seltenen Rü­stigkeit des Gttstes und des Körpers, fast ohne Ansttengung, wie >es schien, gleichsam wie ein erhabenes Spiel, auf sich nahm, trug und nach unerhörtem Erfolge niederlegte. Und es war eine Sache von der höchsten vaterländischen Bedeutung, um die unter der strategischen Führung Moltkes gekämpft wurde. Eine außerordent­liche persönliche Kraft im ausschließlichen Dienste der würdigsten Sache, da? ist die einfachste Formel, die dem Verstände erklären mag, was die Gemüter des Volks bei dem Anblick ihres größten Kriegsmanns bewegt.

Die persönliche Kraft, dazu rechnen wir nicht allein die Eigen- schasten, die den ausgezttchneten General machen; auch der Cha­rakter gehört dazu, die vollständige, allem irdischen Tande, allen Eitelkeiten abgewandte reine Hingebung an die Sache, die Uner-

*) Diese Würdigung des großen Feldherrn entnehmen wir der foeben erschienenen zweiten Auflage voii O. Gildemeifters klassi­schen Essav'SAus den Tagen Bismarcks" (Verlag von Quelle H. Metzer in Leipzig», ein Festgefthenk für jeden Deutschen.