Ausgabe 
24.4.1913 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

163. Jahrgang

Erstes Blatt

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

eine der und

jährl. ausjchl. Bestellt;. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pienniq. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August

beglückwünschten den König, der sie umarmte. Ehrenvoller Abzug der Türken.

C e t i n j e, 23. April. (Aus amtlicher montenegrinischer Quelle. > E s s a d P a s ch a unterzeichnete das Protokoll, betresfend die Uebergabe Skutaris. Die Garnison hat die Stadt mit den Waffen verlassen. Die türkischen Trup­pen verliessen zuerst die Stellungen, welche von den Montene­grinern nicht beseht worden waren. UM 11 Uhr nachts flatterten die >montenegrinischen Fahnen auf dem Tarabosch und über Brdica. Oieranf verliehen die Türken ihre übrigen Stellungen. Auf der Zitadelle wurden die montmegrinisck)en Falmen^gchistt. Hierauf bcset-ten die montenegrinisä-en Truppen die Stadt. Auf der ganzen Front verkündeten Salven aus den nrontenegrinischen Geschützen die Besetzung der Stadt. In Cetinje wurde die Nachriclst von dem' Falle Slütaris um 2 Uhr nachts durch ein an den König gericknews Telegramm des Erbprinzen bekannt. Kanonen­schüsse und Glockengeläute verkündeten der Bevö kerung der .Hauptstadt das Ereignis. Me Bewohner verliehen ihre Wohnungen und zogen vor den Palast, wo sie dem König, der königlichen F-cvmilie und der Armee stürmische Kundgebungen be­reite.en. König Nikolaus hielt vom Balkon aus eine Ansprache an die Menge. In Cetinjc herrscht unbeschreibliche B e g c i st c r u n g. _ Tie Vertreter verbündeten Balkan st aaten erschienen im Palast

Donnerstag. 21. April J913

Bezugspreis: monatlich75Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abholer iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch

die Post Alk. 2.viertel-

Aach dem gaü von Äutari.

Der Satz, Haß am besten lacht, wer zuletzt lacht, stellt eine sehr alte Weisheit dar: aber wer wird in diesem Fall, nämlich bei dem nach fünfmona'iger Belagerung erfolgten Fall Skutaris, zuletzt lachen? König Nikita oder das einige Europa? Die Panslavisteu oder die Schutzmacht Albaniens, Oesterreich-Ungarn? Jedenfalls bedeutet, wie auch die Dinge ausgehen mögen, die Einnahme Skrrtaris einen Sieg Nikitas über die europäische Diplomatie, denn er nahm die Festung trotz des wenigstens offiziell einmütig bekundeten Willens der sechs Mächte, trotz der Warnungen Sasonows und trotz der etwas grotesken Friedenskundgebung der großeuropäischen Flotte. Und wie Montenegro offen gegen den Willen Europas obstruierte, so leistete Serbien passive R e s i st e n z, indem eS offiziell seine Truppen von Skutari zurückzog, inoffiziell aber ein starkes Kontingent zurückließ, nach der Bchauptung öster­reichischer Blätter mit montenegrinischen Uniformen maskiert.

Was wird nun geschehen, nachdem der hartnäckige König Nikita die europäische Diplomatie vor ein fait accompli gestellt hat? Von Wien aus wird mit dem an der Donau üblichen Optimismus versichert, daß der Fall Skutaris, mit dem man seit geraumer Zeit gerechnet habe, nichts an dem endgültigen Schicksal der Stadt ändere, da ein unwider­ruflicher Beschluß hierüber vorliege. In der Tat nrirb man es den Oesterreichern nicht verdenken können, wenn sie endlich einbis hierher und nicht weiter!" sprechen. Die Donaumonarchie ist den Serben wie den Montenegri­nern gegenüber SchrÜt um Schritt zurückgewichen, von dem Verzicht auf den Sandschak an bis zu dem vor vier Wochen zwischen Oesterreich und Rußland erzielten Kompromiß, wonach Dschakowa den Montenegrinern zugesproch.m wurde als Entgelt dafür, daß Slutari bei Albanien bleibt. Auf Grund dieses österreichischen Zugeständnisses erfolgte da­mals die Entspannung zwischen den beiden Staaten, die in der vereinbarten Demobilisierung ihren Ausdruck fand, wenn auch freilich mißtrauische Gemüter meinten, daß diese Abrüstung nur eine sehr begrenzte gewesen fei. Jedenfalls kann die Donaumonarchie weiter, als sie es getan hat, nicht mehr zurückweichen, und in der gleichen Lage befindet sich Italien, das trotz der Verwandtschaft zwischen den beiden Königen hier doch in erster Reihe italienische, d. h. in diesem Falle albanische Interessen zu vertreten hat, und das nicht nur durch den Dreibund, fonbem in diesem Falle noch durch besondere Abmachungen an Oesterreichs Ungarn gebunden ist.

Aber diese Abmachungen gelten nicht nur für Oester­reich-Ungarn und Italien, nicht nur für Deutschland als Dritten im Dreibünde, sondern auch für die Mitglieder der Tripelentente, von denen sich Großbritannien sofort, Frankreich erst zögernd und das Zarenreich nur in passiver Rolle dem Vorgehen gegen Montenegro angeschlosseil hat. Es sollte eigentlich kein Zweifel darüber bestehen, daß diese Abmachungen auch dem siegreichen König Nikica gegen­über Geltung behalten müssen.

Für das Konzert der Mächte aber und vor allem für die Nächstbeteiligfen, Oesterreich-Ungarn und Italien, kann kein Zweifel darüber bestehen, daß etwas geschehen muß, baldigst geschehen muß, damit sich nicht zu der Statüs- guo-Blamage Europas noch diese meit größere geselle; und es ist wohl faunt anzunehmen, daß die russische Regierung unter Verleugnung ihrer feierlichen Versicherungen einer solchen Aktion Steine in den Weg legen wird. Verharrt Nikita in feinem Trotz, so wird nichts anderes übrig bleiben, als daß die Mächte ein Mandat an Oesterreich und

Nr. 95

Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, nutzer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZamilienblätter: zweimal wöchenll.Areis- blstt für den Ureis Sieben (Dienstag und Freitag); zweimal mönail. Land- rsirtfchaftlühe sritfragen Fernsprech - Anschlüsse: __

General-Anzeiger für Gberhefsen

Ani-ig'-n RotaHonsöfHd und Verlag der Brühigen Univ.-Buch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei- Schnlftratze 7. S«! e.$>'e®!ür bm bS eoraittttgsTiM Büdingen: Lernsprecher Nr. 269 Seschästsftclle Vahnhofstratze 16a.H. Beck.

Wien, 23. April. Die türlische Garnison Skutaris kapitulierte, wie von unterrichteter Seite bestätigt wird, mit aller: Ehren un'er Bewilligung des freien Abzugs mit Waffen und Geschützen. Essad Pascha ist mit den Truppen in der Richtung auf Tirana abge­zogen.

DieWiener Allgemeine 3citung,/ erfährt aus diplo­matischen Kreiselt: Zwei Momente ermutigten König Nikolaus in erster Linie, sich dem Willen der Mächte zu widersetzen. Erstens war es der montenegri- nischen Heeresleitung bekannt, daß in Skutari äußerster Mangel an Lebensmitteln herrschte; der zweite Grund war, daß das ganze montenegrinische Volk die Einnahme forderte. Die erregte Stimmung fand auch in dem Kron- rat Ausdruck, den König Nikolaus nach dem Kollektiv­schritt der Mächte wegen der Einstellung des Bombarde­ments berief. Dabei soll der Kriegsminister den König folgendermaßen apostrophiert haben: Entweder, Tu lässest Slutari weiter beschießen, oder es stehen Automobile für Dich und Deine Familie bereit, um Dich über die Grenze zu bringen.

Dis Freude in Belgrad.

Belgrad, 23. April. Die Nachricht von der Er­oberung Skutaris rief Heer die größte Freude hervor. Die Käufer find beflaggt. In der Stadt, insbesoridere vor dem Palais, wurden stürmische Kundgebungen veranstal­tet. In der Skupschiina tei.te der Ministerpräsident mit, daß ihm die freudige Nachricht von dem serbischen Ge­sandten in Estin je zugegangen sei. Die Slüpschtina be­schloß unter stürmischen Ziviorufen, die morrtenegrinische Slüpschtina zu dem Siege der montenegrinischen Armee telegraphisch zu beglückwünschen. Die Opposition ver­langte, daß die Sitzung zum Zeichen der Freude geschlossen werde, doch wurde der Antrag abgelehnt uni) die (Ätzung für eine Stunde unterbrochen.

Während der Pause sandte der Präsident der Slüpschtina an den Präsidenten der montenegrinischen Slüpschtina ein Glückwunschtelegramm. Nach Wiederauf­nahme der Sitzung beschloß die Slüpschtina auf Eintrag des jungradüalen Abgeordneten Prodomovie, die Sitzung zum Zeichen der Anteilnahme an der Freude Montenegros zu schliessen.

Leute nachmittag fand unter äußerster Beteiligung der Bevölkerung ein Umzug statt. An der Spitze der Mani-

Italien oder auch nur an ersteres übertragen, um die Montenegriner aus dem albanischen Skutari hincmsKU- werfen.

feftanten schritt Gardemusik. Vor dem Konak der rus­sischen Gesandtschaft und dem Ministerium des Aeußern wurden dem König und dem russischen Gesandten v. Hartwig sowie dem Ministerprä,identen Pasitsch Ova- ttionen bereitet. Der König hielt eine Ansprache, in der er erklärte, die Freude des serbischen Voltes sei auch seine Freude. Auch der Gesandte v. Hartwig, der Ministerpräsi­dent Pasitsch funb der montenegrinische Finanzminister Trljewitsch, vor dessen Absteigequartier gleichfalls Kund­gebungen veranstaltet wurden, hielten Ansprachen, in denen sie den Sieg Montenegros feierten.

Der König sandte an König Nikolaus ein Glück­wunschtelegramm. Die Blätter feiern die Einnahme Slütaris als den glänzendsten Sieg des serbischen Volkes, weil es bisher niemandem gelungen sei, Siütari zu erstürmen.

Oesterreichische Schritte.

Wien, 23. April. Mit Rücksicht auf die gegen den ein­mütigen Willen Europas von Montenegro fortgesetzten Haltung unterbreitet, wie dasFremdenblatt" meldet, die österreichilch- ungarische Regierung den Mächten konkrete Vorschläge, welche auf die Anwendung nachdrücklicher Maßregeln abzielen, um die Montenegriner zur Räumung Skutaris zu veranlassen.

Die Botschafterkonserenz.

London, 23. April. Tie Botschafter traten heute Nachmittag um 3.30 Uhr zusammen. Ministerpräsident Asquith, der Lordpräsident des geheimen Rats Viscount Morley und der ständige Untersckretär des Auswärtigen Amts, Mcolson, nahmen an der Sitzung teil.

London, 23. April. In der heutigen Sitzung der Botschafter wurde auch der Fall Skutaris erörtert. Im allgemeinen war es die Ansicht der Diplomatie, daß dieses .Ereignis nicht sehr klar sei. Zuerst war man der Mei­nung, daß es leicht eine weitere Verwickelung der Lage herbeiführen konnte. Später griff der Eindruck Platz, daß Montenegro, nachdem es sein Zeil erreichte, sich leichter werde den bereits zum Ausdruck gebrachten Ansichten der Mächte fügten können. Amtliche Nachrichten hierüber waren nicht zu erhalten. Für ben Augenblick jedoch wäre, da die Ansichten der Mächte und die Ab fichten Montenegros noch nicht bekannt seien, es als nutzlos zu erachten, Vermu­tungen anzustellen und zu hoffen, um mit den Worten eines Diplomaten zu sprechen, daß alles sich dem Frieden nähere.

Wiederum slawische Kundgebungen in Prag.

Prag, 23. Älpril. DieBohemia" meldet: Die all- slawischen Fahnen an. den Käufern P r ags, welche aus Anlaß £er Einnahme Skutaris durch die Montenegriner ausgehängt waren, wurden auf Anweisung der Polizei ent­fernt. Ebenso wurden zahlreiche Sympathietele­gramme an die montenegrinische Regierung von der Postverwaltung angehalten.

Ofen pest, 23. April. Wie in Prag kam es auch in Agram zu panslawistischen Kundgebungen. Universi- tätshörer zogen unter Absingen der montenegrinischen Hymne und Ziviorufen auf König Nikita durch die Straßen. Tie Polizei mußte cinschreiten, und nachdem die Demon­stranten auf der Universität die kroatische Fahne gehißt hatten, zerstreuten sie sich.

Eine montenegrinische Gewalttat gegen einen österreichischen Hauptmann.

Wien, 23. April. Heber einen Anschlag auf den öster­reichisch-ungarischen Militärattache Hauptmann Hubka wird von unterrichteter Seite mitgeteilt: Hauptmann Hubka fuhr in einem Gesandtschaftsautomobil von Cetinse nach Cattaro, um dort De­peschen auszugeben. Unweit des Torfes Njegus war quer durch die steile Fahrstraße ein Graben ausgehoben, welcher durch eine Ueberdeckung mit Reisig säst unsichtbar war. Nur die Aufmerk­samkeit und Vorsicht des Chauffeurs hat ein Unglück verhindert.

3n srarizöMen Opmnchöhien.

Die sensationeller! Nachrichten des Matin über die zahl­reichen Opiumhöhlen in Toulon lenken die Aufmerksamkeit aus den Umsaug des Opiumgenusses in der französischen Marine. Es wäre aber ein Irrtum zu glauben, nur die Seeleute rauchten Opium: int Gegenteil, das Opium läster ist in fast allen Ständen vorhanden, und wie in Toulon findet cs sich in anderen Kriegs­häfen Frankreichs, und noch' schlimmer ist es in Paris.

In den Miltelmeerhäfen ist es ein offenes Geheimnis, wo man sich den Opiumgcnuß verschaffen kann: gewisse Läden hängen große Schilder heraus, auf denen zu lesen ist, daß frischer Tee angekommen sei, und wer bann beim Betreten dieses Geschäftes durch das Losungswortaus Tvnkin zurück" sich zu erkennen gibt, daß er ein Opiumraucher ist, erhält Opium nach Her-uus- lüft. Uebrigens erhält man nicht Opium, wenn man eines der fremdländischenAssommoirs" besucht, sondernConsiturc",Tro guc" oberChose", wie man euphemistisch das schleichende Gift bezeichnet. Auch sind es nicht Läden allein, hinter bereit Maske sich die Opiumhöhle verbirgt, sondern es gibt Opiumkneipen und auch Privathäuser ober vornehme Zirkel, die nichts weiter sind als Opiumhöhlen. Man wird am Stichwort erkannt ober durch einen regelmäßigen Besucher der Opiumhöhle eingeführt, ent­richtet ein Eintrittsgeld von vielleicht zehn Franken und gelangt so in das Vorzimmer der schönen Wirtin - vornehme Opium- hohlen sind meistens int Besitze von Damen, gewöhnlich 1 Aus­länderinnen, wo man auf Sofas ein paar Kunden laug an^ gestreckt liegen sieht. Hier werden Zigaretten geraucht, man liest Zeitungen und trinkt Kaffee oder Sekt, Getränke, die angeblich im Vereine mit dem Opium zu besonders schönen Träumen führen sollen. Das eigentliche Rauchzimmer ist auss vornehmste ausgestattet. Seine Wände sind prächtig getäfelt, schwere Tev- pische bedecken den Boden, kostbare Vorhänge an den Fenstern sorgen für Dämmerlicht, hübsch gekleidete Mädchen bringen den Gästen die wertvollen Rauckchestecke, die auch Vseise, etwas Opium, glühende Kohlen in einem Becken und die Zange enthalten, mit der die Kohlen angefaßt werden. Die früher gekommenen Dpium- raucher sind zum Teil schon im Beginne des Opiumschlafes: ihre Mngkn sind unnatürlich vergrößert, sie Murmeln Unverständ­liches vor sich hin, ein seliges Lächeln umspielt ihren Mund, schließlich sinken sie zurück und die Opimnpfeife entfällt ihren Händen.

Sogleich kommen ein paar Mädchen, bedecken das Opfer mit einem Tuche und tragen es an Kopf und Füßen in einen besonderen Raum. Dort ist die Stätte, wo der Opiumranckrcr in dem ersehnten Genüsse schmelgt.Ta liegt z. B. ein Mann in den besten Jahren," so bat einmal ein "Deutscher über eine OpiuMhöhlc in Brest berichtet,die eine .Hand wie zur Begrüßicng von sich gestreckt, ein glückliches Lächeln geht über seine Züge. Herrliche Träume malen ihm vielleicht aus, was er in Wirtlich leit entbehrt, und leise hört man ms seinem Munde Kosenamen, die sicherlich irgend einem weiblichen Wesen gewidmet sind. Tort liegt einer in sich gekrümmt, die Hönde geballt, er hat vielleicht rt-en seinen Gegner besiegt und zittert noch ob der 9Cufrcgung, Tort wieder sehe ich einen blutjungen Menschen ausgestreckt, der Mund ist geöffnet, er scheint schon unter den Toten weilen, denn nicht die geringste Bewegung deutet iwch Leben an."

Leute der guten Gesellschaft, Offiziere brr Marine das sind die Kunden der vornehmen Opinmhöhleu. In denen, wo die Mannsckiasten und die Mindcrbegüterten dem Opiumlaster fröhnen, sieht es etwas anders aus. Ein junges Weib im schmutzigen Kimono empfängt den Gast, der etwa in Toulon eine Winlel Opiirm'höhle schlimrnsler Art aufsucht. Wortlos wird man in einen langen Raum geführt, in dem man auf den schmutzig- gelben Kokosmatten ein paar Kissen und ein paar menschliche Füße sieht. Erst wenn man sich an den schwülen Rauch und das Dämmerlicht, das die einzige Lampe verbreitet, gewöhnt hat, sieht man, daß die Füße z-n ein paar Opfern deS Opiums gehören. Regt sich einer von den Halbbcrauscksten, der noch nicht genug Opiicm geraucht Hal, so kommt das Weib im Kimono, stochert mit einer Stricknadel in einer braunen Masse herum, stopft es in die Pfeife des Ranchers unö führt sie ihm auch wohl selbst an den Mund, ivenn er die .Hand nicht nrclyr regen Fann, lieber die Pariser Opiumlhöhleit gibt es ein ganzes Buch «von Delphi Fabrici), das die nngeheikerlichsteu, dock wohl kaum übertriebenen Tinge erzählt. Die vornehmen Opiumhöhlen haben ifyre rich tigen Abonnenten. Eine Tarne der höchsten Gesellsthtfiskreise hat einen Rauchsalon errichtet, man kann durch Eingeweihte ein- qefübrt werden und bezahlt monatlich vielleicht 500 Franks Bei- Irag! Es gibt auch vornehme Opinmhählen, in denen Damen der Gesellschaft firt1 dem Narkotikum hingeben, literarische Klubs, die den Opiunchöhlen zur Maske hielten, Opiumbars, wo man sich für 5 Franken an Opium berauschen kann und sckstießlich auch

Opiumhöhlen letzten Ilanges in elenden Kellerlöchern, wo Ar­beiter, Händler und Angestellte sich für billiges Geld mit Opium per giften.

Shakespearetagung in Weimar: Tie Deutsche Shakespeare-Gesellschaft hielt ihre 49. Iabresversammlmtg in Weimar am 22. und 23. April ab. Als Feftvorstellung ging am Abend bes 22. derSominernachtstraum" in einer interessanten Neueinstudierung über die Bühne. Am 23. vormittags eröffnete Geheimrat Brandl-Berlin die Fcstvmsaimnlung in Gegenwart des Großherzogs und der Großherzogin von Sachsen. Die Finanz­lage der Gesellschaft wurde für befriedigend erklärt und die Mit- gliederzahl auf 649 angegeben. Den Festvortrag hielt Professor Tr. Alfred Klaar, her Theaterkritiker derVoss. Ztg.", über Shakespearesche Charaktere und ihre Darstellung". Ausgehend von der Scheidung in Fabel und Charakterdrama, behandelte er Shakespeare als den tzauptPertreter des Charakterdramas, und gab Erörterungen über die schauspielerischen Aufgaben seiner Bühnenfigüren. Ter Wille des sich selbst bestimmenden Charak­ters steht i!m Mittelpunkt der Shakespcareschen Welt- und Menschen- aussassung und nur in Erkenntnis dieser Tatsache könne eine be­friedigende Wiedergabe der drauiatischen Gepichte des großen Briten geleistet werden. Am Nackmrittag pcrcinigtc das Festessen im Erbprinzen", von manchen munteren Reden begleitet, die Teil- nclpner zu einem guten Abschluß der Tagung.

Eine Ehren g abe d es hnenveke ins r Arno L o l z. Aus der Generalversammlung des Deutschen Bühnenvereins, die. am 14. Mai in Eise n ach stattsindet, wird ein Antrag gestellt und, wie dasBerl. Tgbl." erfahrt, auch angenommen werden, der vorschlägt, Arno F?olz eine Ehren­gabe zu überreiche^.

Kurze Nachrichten au § Kn n st u nd Wissen­schaft. Der Kursus überDiagnostik, Pathologie und Therapie der Krankheiten des Oerzens und der Gesäße" an der Medizinischen Klinik der Düsseldorfer Akademie für praktische Medizin wird in der Zeit vorn 20. bis 29. Oktober statt finden. -- Der Großherzog von Baden hat das vom Geheimen ersten Ovfkapell- m ei ft er Leopold R e i ch w e i n eingereichie Entl a s s u u g s g e s u ch genehmigt, der am I. üugusi bereirb i-i.ie neue Stellung als Oofkapellmeister der Wiener S? o so p e r antreten wird.