Ausgabe 
29.7.1913 Erstes Blatt
 
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serbische Bahnverwaltung weigerte, Passagiere und Gepäck auf der Strecke Gemäße-Uesküb M befördern. Der Beschluß des serbischen Ministeriums, den Betrieb Gewgheli-Zibestsche am 1. August wieder der Ge­sellschaft der orientalischen Eisenbahnen abzutreten, soll, wie hier versichert wird, nicht zur Aus sührung gelangen.

Wien, 28. 3"u(i. Montenegro verlangt von Ser­bien für seine K^riegshilfe die Abtretung der Stadt Djekowa. Serbien soll der Erfüllung dieser Forderung sich nichtgeneigt zeigem

Verschiedene Meldungen.

Sofia, 29. Juli. Die Regierung hat in der Sobranje einen Gesetzentwurf eingebracht, in dem ein Kredit von 50000 Franks für die verwundet en Soldaten und von 500 000 Franks für die mazedonischen Flücht­linge gefordert werden

Budapest, 28. Juli. Amtlich. In Temesziget, in der Nähe der serbischer! Grenze, wurde ein Eholerafall fest­gestellt. Die strengsten Vorsichtsmaßregeln sind getroffen worden.

Berlin, 28. Juli. Am 25. Juli, abends, sind gleich­zeitig mit einer von «der Prinzessin Reuß zusammen­gestellten Expedition für bulgarische Verwun­dete und Kranke, zu der u. a. als Chefarzt der schon in der ersten Phase des Ball'anlrieges in Sofia tätig ge­wesene Tr. Kohl-Berlin gehört, ein Bakteriologe Profes­sor Tr. von D r i g a l s k i - Halle, zwei Schwestern und ein Krankenpfleger auf Veranlassung des deutschen Roten Kreu­zes nach Belgrad abgereist. Ein weiterer Bakteriologe, Dr. Meier, vom Institut für Jnfeltionskranlheiten in Berlin, folgt ihnen heute ebenfalls auf Veranlassung des deutschen Sloten Kreuzes, aber auf Kosten der serbischen Regierung nach. Am gleichen Tage reisen nach Sofia vier Aerzte, Stabsarzt Dr. Eckert vom Kaiserin Augusta-Regiment in Berlin, Tr. Rosenthal vom Städtischen Krankenhaus Friedrichshain, Dr. De s sc vom Städt. Krankenhaus Moabit und Tr. Woerner vom Städt. Krankenhaus Frankfurt am Main, die auf Anforderung der bulgarischen Regierung und auf deren Rechnung vom deutschen Roten Kreuz dorthin entsandt worden sind.

Ausland.

London, 28. Juli. Prinz Heinrich von Preußen ist gestern abend eingetroffen und wird sich an Bord der kais. Jacht Meteor" 'begeben, die in Cowes zur Regatta einge- trossen ist.

Paris, 28. Juli. Die Arbeiten der französischen und der deutschen Komnnssiou fiir die Feststellung der Grenzen zwischen Neu Kamerun und Französisch-Kongo sind nahezu beendet. Nun­mehr werden Besprechingen über gewisse strittige Punkte der neuen Grenzen beginnen. Der Kolonial-Sldministvator Periguct,

Deutsches Uerch.

S t r a ß b u r g i. E., 28. Juli. Tie amtliche (Strasburger Korrespondenz schreibt: Bor einigen Tagen hat derMessin" die Nachricht gebracht, der lommandierende General des 16. Armeekorps habe für seinen Dienstbereich einen Befehl erlassen, wonach kein elsässisch-lothringischer Soldat in Zuiünft mehr in den Bureaus, beim Tele­graphen-- oder Telephondienst oder bei der Eisenbahn verwendet werden darf. Die Tagespresse hat biefe Behauptung aufgegriffeu und daran eine Reihe von Kommentaren geknüpft. Dadurch ist eine wohlbegreifliche Be- uuruihigung in allen Kreisen der Bevölkerung'des Landes, insbesondere auch bei der großen Masse loyal gesinnter Bür­ger eingetreten. Diese Beunruhigung ist noch erhöht worden durch die Kritik, die ein Teil der Presse ohne weiteres gegen die Regierung und die Militärverwaltung üben zu sollen geglaubt hat, ohne ab»rwarten, ob diese Gerüchte auf Wahr­heit beruhen. Alle Behauptungen, wonach der komman­dierende General des 16. Armeekorps den Befehl erteilt ha­ben soll, künftighin feine elsässischen Soldaten mehr ihrer Abstammung wegen in Vertrauensstellungen zu verwenden, sind in jeder Hinsicht unzutreffend. Das gleiche gilt hinsichtlich des 15. Armeekorps. Auch für dieses ist kein Befehl der fraglichen Art ergangen

Sasbach, 28. Juli. Das Befinden des Prälaten Dr. Lender hat sich weiter verschlimmert und der Kräfteverfall hat zugenommen. Nach Ansicht der Aerzte dürfte die Katastrophe im Laufe des heutigen Abends »der in der kommenden Nacht ein treten.

Balestrand, 28. Juli. Vormittags begab sich der Ka i f e r an Bord des TorpedobootesSleipner" nach Van- geuaes, woselbst bei der Frithjofsstatue eine Urkund e niedergelegt werden und eine Probe der Einweihungs­feier stattfinden soll. Tas Wetter ist seit heute morgen kühl und regnerisch. Au Bord ist alles wohl. Ter Kaiser unter­nahm heute nachmittag einen Spaziergang in die Umgebung Balholms. Später traf der Feldjäger ein. Tas Wetter ist kühler.

deutschen Lloyd heute von dem an Bord desGroßer Kurfürst" befindlichen Schriftsteller Dr. Funke-Halle ^gegangene Tepesche aus Tromsö lautet:

. §d) hatte soeben über die Hilssexpedition Schröder-Stranz mit Kapitän Ritscher, der im Elisabeth-Hospital in Tromsö liegt, eine eingehende Unterredung. Nach Ritschers Ansicht ist es nicht aussichtslos, daß die Hilsscxpcditioir Schröder-Stranz erreich!,

unter der Voraussetzung, daß Schröder-Stranz nicht auf dem

Euc geblieben ist, sondern das Festland erreicht hat, wo ihm reichliche Nahrung durch Wild zur Verfügung

steht. Schröder-Stranz i|t im Besitz eines Bootes und zweier

Kaiaw vom ExpeditionsschiffHerzog Ernst". Tie unter Führung

des norwegischen Hauptmanns Staxrud stehende Hilsserpedition

ging am 3. Juli von der Advents-Bai nach der Treurenberg-

Ba» ab, wo £tarrnb rin F-angboot als Hilssexpcditionsschiff nctz-

m-n nnll Tas Ziel ist Sboalpouit an der Nordwestecke des Nordlandes von Spitzbergen, welches der Stützpunkt für die Nach-

foridningcn nach Schröder Stranz im Nordostlande sein foU Don Schröder stranz persönlich ist nichts bekannt. Es besteht völlige Uebcrcinftinimung zwischen den Berichten des Tr. Rvbrtzsch und deS Kapitäns Ritscher. Kapitän Ritscher beabsichtig! sich am

1. August mit dem Postboot von Tromsö nach der Treurenbergbai zu begeben und sein Schiss von dort znrückzusühren. Die Tätig- leit Ritschers für Leutnant Schröder Stranz ist vor der Hand unmöglich, da Ritscher noch nicht soweit wieder hcrgcstcllt ist, daß er eine größere Landexpedition ausführen kann.

kf. Ein neuer Holbein? Am 8. dlpril d. I. wurde in einer Londoner Kunstversteigerung um 6900 Mark ein kleines Frmtenbildnis Angeschlagen, das als das Werk eines bekannten Künstlers der frühen englischen Sckwle galt und die Königin Maria Stuart darstellcn sollte. Beim Entfernen der alten Firnis- schickt verschwand jedoch, wie derCicerone" meldet, die falsche Inschrift und das trcfflick erbaltene Bild wurde von Kennern, barunter auch von Direktor Dr. Friedländer in Br-rlin, als ein echter Holbein aus der Frühzeit seiner erfhnt englischen Periode angesprocken. Mit der- Frage, wen das Bildnis darstellt, bat sich Maurice W. Brockwell beschäftigt, und er neigt dazu, die Dargestellte in der dritten Tochter des Sir Thomas Morus, Eecilia Heronia, zu finden. 2ab Holbein die Familie bes Sir Thomas MoruS porträtiert hat, ist ja bekannt«

der Leiter der französischen Kommission wird sich nach tfort -amy begeben, um mit dem Leiter der deutschen Kommrffron über den Besitz der Longone-Hnseln zu verhandeln.

Rom, 28. Juli. Ministerpräsident Giolrttr teilte dem Ministerrat heute mit, daß der Marineminister Cattv>lrco ent­schlossen sei, zurückzutreten, da er den Wunsch habe, sich nach der schweren Arbeit während und nach dem Krieg in das 'Jrwnb leben zurück; uziehen. Admiral Nillo, der am 18. 30111 19 den Angriff auf die Dardanellen leitete und zum Admiral be­fördert wurde, ist zum Marineminister ernannt worden.

Paris, 28. Juli. Der S e n a t hat den Zusatzawrag Malvy, den die Kammer angenommen hatte, wonach vom 1. Januar 1915 ab gewisse jetzt bestehende Steuern durch eine Einkom­mensteuer ersetzt werden sollen, abgelehnt.

Tanger, 28. Juli. Briese aus 2 e t u _a n vom 25^ Juli melden, daß die Stadt e i n g e s ch l 0 s s e n ist und daß ^chuw: gegen sie abgegeben werden. Es seien mehrere Transporte au der Route nach Ceuta angegriffen und aufgerieben worden. Zahl­reiche Mauren bereiten einen neuen heftigen Angrin vor.

Washington, 28. Juli. Ta die Sicherheit der ameri­kanischen Untertanen in Mexiko bedroht ist, erhob die amerikanische Regierung bei der mexikanischen energische Vor­stellungen.

Ans Stabt und Land.

Gieße n, 29. Juli 1913.

Schützet die Singvögel.

Wie wichtig es ist, Singvögel in unseren Gärten anzusiedeln und sie in ihrem Brutgeschäft durch.Aushängen von Nistkasten und gelegentliches Füttern zu unterstützen, zeigt folgender in Nordamerika ausgeführter Versuch, der jetzt in Gardners Chro- nicle, der vornehmsten englischen Gartenzeitschrift, veröffentlicht wird. In den Seedistrikten von Cumberland, wo sich große Lärchenanpslanzungen besinden, war seit einigen Jahren die Lärchensägefliege, eine Verwandte unserer Stachelbeersagefliege, in besorgniserregender Menge ausgetreten. Im April und Mai, wenn dieses gefährliche Insekt seine Eier in die jungen Jahres­triebe der Lärchen legte, fingen die Wälder bald darauf an, wie verbrannt und versengt auszuschen, weil die alsbald ausschlüpfen­den Raupen alles junge Griin sofort abfraßen. Es wurden natürlich die verschiedensten Bekämpsungsmittel gegen dieses gerade­zu vernichtend hausende Insekt angewandt, z. B. Spritzen mit raupentötenden Spritzmaterial und Auslesen des Kokons, aber alle waren zu teuer und wirkten nicht durchgreifend. Vollen Erfolg hatte man erst, als man zahlreiche Nistkasten aushing, in denen sich die Vögel massenhaft ansiedelten. Verwendet wurden die vom Freiherrn v. Berlepsch empfohlenen Kästen. Der Versuch damit wurde in jenem verseuchten Distrikt mit mehreren hundert Kästen fünf Jahre hindurch streng durchgesühri. Tie Nistkästen wurden sorgfältig instand gehalten und die eingemfteten Vögel wurden dann imd wann gefüttert. 'Die Folge dieses Vorgehens war, daß diese Plantage jetzt vollständig frei von jenem schädlichen Insekt ist, während in entfernt liegenden, wo man nicht in gleicher Weise vorging, keine Abnahme, eher eine Zunahme festzustellen war. Für Gartenbesitzer, welche Obst- und Beerenfrüchte ziehen, geht daraus hervor, daß sie zur Bekämpfung aller schädlichen In­sekten gar nichts Besseres tun können, als zahlreiche Nistkästen airf-uhängen und gelegentlich die darin hausenden Vögel zu füttern, eine geringe Arbeit, die sich bei planmäßiger Durchführung durch höhere Erträge und gesündere Früchte sowie durch flotten Wuchs der Pftanzen bald bezahlt macht. -Bon den Nistkästen waren regel­mäßig mehr als die Hälfte mit Singvögeln besetzt, und zwar von (die Reihenfolge gibt die Stärke der einzelnen Vogelart an) Blau-, Sumpf- und großen Meisen, Buchfinken, Staren, Rotkehlchen und Fliegenschnäppern. Erwägt man, daß das Aushängen von Nistkästen sich als das billigste von allen versuchten Mitteln zur Bekämpfung der Insekten erwiesen hat, und setzt man noch den reizenden Gesang und die anmutige Belebung des Gartens durch Singvögel mit in Rechnung, so bedarf das Aushängen von Nist­kästen wohl keiner weiteren Empfehlung.

*

** Tageskalender für Dienstag, 29. Juli: Operetten- ® a ft f p i e l im Stadttheater: »Püppchen". Anfang 8 Uhr.

* Für die Sitzun g der Stadtverordneten am Donnerstag, 31. Juli, nachmittags 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung ausgestellt: 1. Mitteilungen. 2. Eisenbahn­beamtenhäuser an der Frankfurter Straße. 3. Bahnwärter­haus an der Sicher Straße. 4. Fensterladen am Bahnwärter- bause Wetzlarer Weg 32. 5. Baugesuch Peter Schepp für die Glaubrechtstraße. 6. Bauveränderung am Hintergebäude Ost- Anlage 27 (Wilhelm Bender). 7. Einfriedigung des Reichs-- banlgcbäudes. 8. Einfriedigung Kaiser-Allee 11 (Georg For- bach). 9. Umgestaltung des Platzes vor der Universität. 10. Bauflucht am .Kirchenplatz. 11. Versetzen der Einfrie­digung an den Kasernen in der Kaiser-ANee. 12. Errich­tung eines Fettvieh Marktes. 13. Gesuche um Er­laubnis zum Schankwirtschaftsbetriebe a) des Jakob Cle­mens für Seltersweg 70; b) des Adolf Schrader für An den Bahnhöfen 71; c) des Markus Kahn für den Viehmarkt. 14. Gesuch des Ludwig Klingler um Erlaubnis züm Gast­wirtschaftsbetriebe für Bahnhofstraße 52 (Hotel Schütz).

" Statt Fische Frösche und Mäuse. DaS Ministerium hat der Frtmngclei auf den schiffbaren Ge­wässern einen Riegel vorgeschoben. Wer angeln will, muß eine Angelkarte lösen und diese kostet Geld. Die Sportfischer in Gießen n/nnen diese Leute, die sic als Kollegen nicht für voll ansehcn, neuerdings nicht mehr Freiftscher, sondern Karten- fischer. Das Ministerium ist nun neuerdings noch einen Schritt weiter gegangen und hat diesen Kartenffschern das Angeln mit lebenden Fischen verboten. Durch die? Verbot wäre es den Kortenfischecn nicht mehr möglich, Hechte zu fangen, wenn sie sich nicht zu helfen gewußt hätten." Ta sich das Verbot nur auf lebende Fische erstreckt, nimmt man jetzt, wie wir beobachtet haben, lebende Frösche als Köder für den Hechtfang, oder lebende Mäuse, auf welche der Hecht mit ganz besonderer Wut anbctßt. Es gehört allerdings ganz beson­derer Appetit dazu, Hecht zu essen, von dem man erfährt, daß er im Augenblick, wo er an die Angel ging, eine zappelnde MauS, die ihm zum Verderben wurde / ver­schluckt hat.

Kreis Alsfeld.

OK. SIlss-ld, 28. Juli. Am 1. Slugurt ist Herr ealomon Stern hier bei dec Firma N. Spier Söhne 25 Jahre lang als Buchhalter angestellt.

Kreis Lauterbach.

- SchUtz, 28. Juli. Vor einigen Tagen hat ein Unbekannter an verschiedene Bewohner in Alsfeld Getreide verkauft, das er angeblich im Auftrage eines MühlenbesitzcrS b« Lauterbach wegen sinanzicllen Verlegenheiten rasch ab- M e8°auf * * * * * * * * * * * I)°! cc Bc^ -inkassi-rr doch

E auf- ba6 b,J roe.t »nterm Preis seine Ware

absetzt- und man benachrichtigte die Polizei. Ter Täter be. kam daoon Kenntms und flüchtete. Er wurde jetzt durch d e hiestae Gendarmerie f e s, g e n ° m m - n. Das Getreide batt 4«.

Kreis Schotten.

-_2a,iba$, 28. Suli. Am vergangenen Samstag veranstaltete der hiesige Gewerbeoerein einen hochinteressanten

PortraaSabcnd. Dec hier tm Urlaub weilende Cberingemeuc Erich Ouäck sprach im Solmser Hof vor etwa 200 Zuhörern über die praktische Telegraphie, ihre Wirlungs- weise und wirtschaftliche Bedeutung. Mit großem Beifall wurden die durch Versiiche und Lichtbilder von auS- geführten Anlagen unterstützten AliSführungen ausgenommen.

Kreis Friedberg.

L Friedberg, 28. Juli. Dipl.-Ingenieur M ichelsen ist von der Stadt zum Direktor der städtischen Gewerbe-Aka­demie ernannt worden. Dec im Lehrerseminar flattfinbcnbe Zeichenkursus für Lehrer an Volksschulen wirb den 9. Augilst geschlossen werben.

r. Bab-Nauheim, 28. Juli. Heute Dienstag. mittag treffen 65 amerikanische Aerzte zur Besichtigung unseres BabeS hier ein. Die Besucher sinb Gäste ber Babe- und Kurverwaltung, bie sie zu Tee unb Frühstück, und des Granb Hotels, baS sie zu einem Diner einlabet. SanitätSrat Dr. Baur hält einen Vortrag über »Bab-Nauheim unb feine Bebeutung als Kurort* unb Prof. Dr. Sch ott wirb über »Die besonberen Eigenschaften ber Sprudel* sprechen. Die Gäste werden zwei Tage in Bab-Nauheirn verbleiben.

(h) Ilbenstadt, 28. Juli. Beim Angeln stürzte ein Fried­berger Derr von einem Boot in die Nidda und ging sofort unter. Beim Wiederauftauchen klammerte er sich am Boot fest. Sein Bootsbcgleiter hatte aber nicht den Mut, den ums Leben Ringen­den in den Kahn zu ziehen. Auf die Hilferufe des Verunglückten kam dann Hilfe von benachbarten Booten.

Starkenburg und Rheinhessen.

h. Langen, 28. Juli. Der 13jährige Sohn de? Bahn- bcamten K1 otzbach blieb gestern, als er beim Baden einen Kopfsprung machte, im Schlamm stecken unb ertrank, ehe ihm jemanb zu Hilfe kommen konnte.

(h) Egelsbach, 28. Juli. Die gestern hier ftattgefunbenen G e m e inderatswablen brachten der sozialdemokratischen Partei die Mehrheit, indem jetzt vier bürgerlichen Gcmcinderäten acht sozialdemokratische gegenüberstehen.

Hessen-Nassau.

h Frankfurt a. M., 28. Juli. In den Adler- iverken wurden durch die Aufhebung der Nachtschichten etwa 200 Mann entlasten.

h Frankfurt a. M. 28 Jlili. Im Stadtteil Oberrad sckloß em 27jähriger Mann mit einer vermögenden 71 jährige Greisin die Ehe. Aus dem Main schlug fjeute nachmittag ein mit fünf jungen Leuten bemanntes Boot um. Vier fonuten gerettet werden, öer fünfte, Gärtner Boß aus dem Stadtteil Oberrad, ertrank. Tte Leiche wurde noch nicht geborgen.

Homburg v. d. H., 26. Juli. Die Frankfurter Lo- kalbahn-Aktien-Gesellschaft teilt uns mit: Ta die unterm 22. Juli d. I. in Ihrem Blatte enthaltene Mitteilung, daß nach dreitägigen Verhandlungen es den Bemühungen des Oberbürgermeisters zu Homburg v. d. H. gelungen sei, eine Eini­gung zwischen der Verwaltung und dem Personal herbeizusühren, unzutreffend ist, fordern wir Sie auf, dieselbe zu berichtigen, in­dem wir bemerken, daß keinerlei Verhandlungen mit dem Ober­bürgermeister zu Homburg stattgesunden haben, da nach Ansicht dec Verwaltung es einer Vermittlung von dritter Seite zur Sei- I^ung dec Lohnbewegung nicht bedurfte. Die fernere Angabe, daß dem Werkstättcnpersonal eine allgemeine Lohnerhöhung und Ur­laubsgewährung Äugcftanben fei, ist ebenfalls unzutreffend, da den Vertretern des Werkstättenperßonals seitens der Verwaltung aus­drücklich erklärt worden ist, daß sie nicht in der Lage sei, eine all­gemeine Lohnzulage zu bewilligen, vielmehr sich Vorbehalten müsse, die Höhe des Lohnes von Fall zu Fall je nach den Leistungen festzujetzen. Ebenso ist dem Weckstättenpersonal eine allgemeine UrlaubSgeroäbrung nicht, eingeräumt worden, sondern nur den­jenigen, welche im Fahrdienst ausgebildet sind und Führcrdicnste verjehen, was etwa für des Werkstättenpcrsonals zutrisst.

Derein$nad)rid)fcit.

£icf>, 28. Juli. Sein 53. Stiftungsfest beging gestern der hiesige Turnverein. Ein Schauturnen der Zöglinge und aktiven Turner unter Leitung des Turnwarts Fr. Schmidt war _bamit verbunden. Die Darbietungen, von denen besonders die Freiübungen-Gruppen einen vorzüglichen Eindruck machten, wurden mit Interesse verfolgt, und ernteten reichen Beifall. Konzert und Ball bildeten den Abschluß der Feier.

Der Raubmord in öer Eisenbahn.

rb Darmstadt, 28. Juli. Aus ber am Sonntag nach­mittag von 2 bis 5 Uhr vom Kreisarzt Med.-Rat Dr. Gros und Dr. Köpke vorgenommenen Sektion der Leiche.ist noch folgendes Bemerkensiverte zu erwähnen:

Erst als vom Hinteren Teil deS Schädels die Haar wegrasiert ivaren, und die Schädelhaut freigelegt war, wurde die über- rafchende Entdeckung gemacht, daß der Ermordete einen tödlichen «crfjuB mittelst Revolvers erhalten hatte. Es rvar außen nur eine ganz winzige'pciutÖffnung vorhanden, aber um so größer war die vou der 4'/, Atillimeter-Kugel im Inneren des Kopses angerichtete 3erUönmg. Tas ganze Kleiiigehiru war zerstört worden nnb die Rugel war bann burch bas sog. Felsenbein gedrungen iind daran zerictzellt, wahrend,das Mantelgeschoß zur Halste an der äußeren omabelhcdc, zur Halste an der inneren Schädelhaut dem Zentorium haitete. Es ist mdjt wahrscheinlich, daß berTod sosort erfolgte, vi.-lmehr ist anzunehmen, daß der Unglüdlidje durch den Schuß iiis Hiru nur lotort der Sprackje beraubt und die sonstigen Bewegungsfunktionen gelahmt wurden; der -tot) durste bann erst längere Zeit später eriolgt fein. An ber oberen Stirnhälfte fanben sich zwei starke Striemen vor, bie sich ber Getroffene wahrscheinlich beim Nieder­fallen an der Wand zngezogen hak.

. Ewen «ehr wichtigen Anhaltspunkt für die Fahndung nach dem Itorder bat man insofern gefunden, als die silberne Uhr und ne goldene Kette des Ermordeten im städtischen Pfandhaus zu e"1dedt wurde», wo sie noch am Samstag Nachmittag versetzt worden waren. Hier in Darmstadt wurden während des ganzen -Eage5 die abenteuerlichsten Gerüchte verbreitet. So rourbe von einer rfrau m der elektrischen Straßenbahn erzählt, ihre Nach- barm habe von 'tzrem Wanne am Samstag Abend eine silberne Uhr unb 30 Mark m baar erhalten, der Mörder sei bereits ver­lostet rc., unb bei ber Verbreitung derartiger Gerüchte kam es ogar mehrfach zu größere» Straße»aufläuse». Tatsache ist nur, ba» am eam.4aq bei der Hauptpost ein verdächtiger Mensch ver- N-Ek.und baB fvater ein in der Großen Ochsengasse ivohnender WeiBbmder von der Polizei geloben wurde. Die Grmütehmge» hoben ergeben, da» der Letztere für bie Vollfubrung des Raub­mordes in keiner Weise in Betracht komme.i kann.

GmjgermaBen befremdend ist, daß das Personal des betreffen­den Perfonenzuges fast gar nichts bekunden kann, unisomehr als ber Ermordete schon feit langer Zeit Monatsabonnent auf der Strecke war, das Zugperfonal stets das Gleiche zu fei» pflegt und der Betreffende lajt der einzige Fahrgast zweiter Klaffe gewesen ist.

reLernA'?5bele' bcr 1876 '» Oesterreichiscb-Polen als Sohn i9iac[ihkyer Litern geboren worden war (seine Gattin gehört der katbolifcheii Konseffion an) wird am Dieiislag vormittag auf dem hieligen israelitischen Friedhof in aller Stille beigesetzt werben.

a r m st a b t, 28. 3u»i. Die Stagtsonwallschaft hat eine Belohnung von 1000 Mark auf bie Ermiuelung des Rlärdcrs des Kaufmanns B rechne r auSgesetzt. Ebenso hat die Eifcnbahnbc- horde eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt.

Darmstadt, 29. Juli. Die Uhr und Kette des im Eisen- nohnvtg ^rankinrt a. M.Darmstadt Ermordeten wnrden bei einem -Jlltbonbler m Frankfurt a. M. ermittelt. Der Täter, der als 28 b'6 ?2ällQ.cr 9J?ann beschriebe» wird, versetzte die Gegenstä»de für 30 Mark.