Ausgabe 
25.2.1913 Zweites Blatt
 
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ihre Mithilfe an dem Werk fin werben. Gestern abend hielt der ,'Aweigverein des Evang. Bundes in Mills Saal einen iKamilienabend ab, zu dem der noch vom vorigen Jahr her /bei uns in gutem Andenken scehende Schriftsteller Heinrich Na u- »ma nn als 5xruptredner genxmnen tooctren war. Andächtig wie 'in einer Kirchc^ lauschten die Anwesenden den tief zu Herzen /«henden Ausführungen über das Thema: Das Torskirch- lein, der Heimat ein Ruhepunkt in der Unruhe der Zeit. Nach !ihm sprach Pfarrer Büchner über die Geschichte unserer Kirche >antb ine Einführung der Reformation im Jahre 1527. Zum Schlüsse wurde auf Anregung des Pfarrers folgende Protest­kundgebung gegen den Beschluß des Reichstags, betr. Auf- !Hebung des Jesuitengesctzes beschlossen, die dem Bun­desrat vorgelegt werden soll: Die von übet 200 evang. Männern pnd Frauen besuchte Versammlung des hiesigen Zweigvereins des Evang. Bundes vrotestiert entschieden gegen die vom Deut scheu Reichstag beschlossene Aushebung des Iesuitengesenes, in WÄcher sie eine i'djroerc Gefähroung des unserem Vaterlande dringend nöttvciroigcn konfessionellen Friedens sieht, und fie er­wartet bestimm, daß ein hoher Bundesrat diesem Beschluß des ,Reichstagen nicku nur keine Folge geben, sondern auch in Zukunft für die volle .''ufrcchterh.ilt.ung der in Bezug auf die Jesuiten gegenwärtig geltenden reichsgesetzlichen Bestimmung en eintreten wird." Zur Verschönerung des Abends trugen noch ganz bc 'sonders die von dem ^irchengcsangverein vorgetragenen schönen Lieder bei. Denr Zweigverein traten wieder einige Mitglieder bei, so daß er jetzt 88 zäUt.

«an. Hungen, 24. Febr. Einen genußreichen Unter­haltung s ab en d bot gestern abend die Freiwillige Feuerwehr anläßlich ihres Stiftungsfesks ihren Mitgliedern. Nach einem Musikvortrag wurden zwei Theaterstücke, das drei- aktige Feuerwehr-LustspielMein Signalist" und das einaktige SingspiriHeimweh" ausgeführt. Besonders das letztere Stück wirkte durch seine ergreifende Handlung. Zunt Schluß wurden noch lebende Bilder aus der Zeit der BefreiungskriegeDas Volk fleht aus" vorgeführt, die ebenfalls sehr gut gefielen. Mit Tanz schloß die Veranstaltung.

h. Drtcnberg, 24. Febr. Die gestrige Hauptvcrsamm- kung des Turnvereins war gut besucht. Der Jahres­bericht von 1912 zeigte eine erfreuliche Entwicklung des Vereins, auch die Finanzen sind in guter Ordnung. Die Mitgliederzahl ist 197, hierzu kommen 27 turnende Schüler unb die Tamenriege. Dem 50 j ä b r i g e n Iubelfest am 26., 27. und 28. Juli blickte der Verein mit Vertrauen entgegen. Ein etwa dabei erzielter Aeberschuß soll dem Grundstock für Erbauung einer Turnhall-' Hiigeführt werden. Dem <4runbftod sollen aus laufenden Mitteln jedes Jahr mindestens 100 Mark zugeführt werden und der Ertrag einer jährlichen besonderen Umlage von 1 Mark aufjedes Mitglied sott ihm ebenfalls aufbessern. Der Antrag wegen Erbauung einer Turnhalle wurde allseitig begrüßt, wobei besonders auf die Not­wendigkeit und Dringlichkeit eines eigenen Heims hingewiesen hourde. Folgender Beschluß gelangte einstimmig zur Annahme: >,Es soll eine Turnhalle so bald wie möglich gebaut werden und nach dem Jubelfest ist ein Ausschuß zu bilden, der die nötigen Vorbereitungen zu treffen und für die Aufbringung der Gelder zu sorgen hat. Es wurde auch der Hoffnung mehrseits Ausdruck verliehen, haß der Stadtvorstand der gemeinnützigen Sache wohl­wollende und tatkräftige Hilfe angedeihen lassen werde, auch wird auf private Unterstützung gerechnet. Zwei Herren haben bereits zugesichert, Bauplan und Kostenanschlag sowie Lageplatz und Meß­brief ohne jegliches Entgelt zu besorgen. Vor der Vorstandswahl zollte man dem Vorstand für die bisherige Treue und von schönen Erfolgen gekrönte Leitung des Vereins Dank.

= Tor h eim, 24. Febr. Eine Erinnerungsfeier an die denkwürdigen Ereignisse des Jahres 1813 beging gestern abend der Evangelische Verein unter starker Beteiligung. Pfarrer Loos aus Butzbach sprach über die vaterländischen Dich­ter der Freiheitskämpfe. In entsprechender Weise veranschaulichte er unter Vortrag zahlreicher Textstellen den Reichtum jener Dich­tungen an Zahl, besonders aber den Reichtum der darin nieder- igelegten sittlichen Gedanken, wie Vaterlandsliebe, Opferfreudig feit und Frömmigkeit. Die tiefen Nöte jener Zeit und ihre Rufe, die ernst mahnend auch in unsere »Zeit hereinklingen, die Gestalten der Helden und Barden, vor allen die Körners und Elrndts, erschienen gleich den kraftvollen Gestalten aus altger- Iranischen Göttersagen kämpfend, zürnend, mahnend und vor dem Höchsten sich beugend, vor dem Auge der Zuhörer. Zwischendurch wie zum Beginn und am Ende der Versammlimg gaben gemein­

samer Gesang, Gesangsvorträge des hiesigen Gesangvereins, her­zige Dorträge jugendlicher Deklamatoren und Teklamatorinnen dem ganzen eine abwechslungsreiche Stimmung.

r. Reichelsheim, 24. Febr. Ter Zweigverein des V. H. C. hielt am Sonntag im Gasthofe zur Post sein Sinter* vergnügen ab.

O Wallenrod , 24. Febr. Gestern abend hielt der E v a n- gelische Bund seinen Familienabend ab. Der Wallen- röber Posannenchor wirkte mit. Die Schuljugend sang unter der Leitung des Lehrers Loch einige Lieder. Als Redner traten auf Pfarrer Knoth, Lehrer Loch aus Wallenrod und Lehrer Höchst von Maar.

Gießener Strafkammer.

Gießen, 22. Febr. Konkursvergehen und Pfandveräußerung. Ter Kaufmann A. F. in Friedberg, der seit 1892 ein Manu- fakturwarengeschäft betrieb, war durch das Auftauckien zweier Warenhäuser in Geschäftsrückgang geraten, so daß schließlich das Konkursverfahren eröffnet wurde. Es stellte sich dabei heraus, daß er seit 1910 keine Bilanz mehr gezogen hatte und seine Bücher keine Uebersicht über seine Vermögenslage gewährten. Außerdem hatte er, um sich über Wasser zu halten, Waren ver­äußert. Wegen Konkursvergehens erhielt er 15 Mark Geldstrafe, wegen Pfandveräußerung 10 Mark.

Jugendlicher Einbrecher.

Ter erst 18 Jahre alte Kaufmannsgehllse H. G. von Butzbach hatte sich wegen Einbruchsdiebstahls in der Fabrik seines früheren Lehrherrn, des Schuhfabrikanten Rumpf in Butzbach, zu verant­worten. Wegen Begünstigung unb Hehlerei mitangeklagt ist der verheiratete Taglöhner H. W. von Butzbach. G., der nach Auf­gabe seiner Stellung bei Rumpf wiederholt Arbeiter der Fabrik ganz offen darum angesprochen hatte, ihm die Ausführung eines Diebstahls zu ermöglichen, war im Dezember v. I. dreimal nachts in die Fabrik cingcfticgen. In das Gebäude selbst gelangte er durch einen vom Hof in den Keller führenden Kohlenschacht. In dem einen Falle stahl er im Kontorraum aus einer Kassette, die er mit einem Meise! aufbrach, 80 bis ^100 Mark. In drin zweiten nachweisbar nur ein Paar Schuhe, in bem dritten Falle verblieb es bei dem Versuch. Dem Mitangeklagten W. hatte G. nach einem der Einbrüche nachts am Fenster geklopft und ihm 5 Mk. mit der 2lufsorderung gegeben, den Deckel wieder auf den Schacht zu legen, was W. auch tat. Weiter hat er am nächsten Morgen, fum die Spuren zu verwischen, die mit dem Teckel bedeckt gewesene Stelle im Hofe Mit Wasser überschüttet, da es inzwischen geregnet hatte. Strafe gegen G.: 1 Jahr 6 Monate Gefängnis abzüglich 2 Monate Untersuchungshaft, gegen W.: 4 Monate Gefängnis.

Begründete Berufung.

Ter Landbriefträger H. Ehr. R. von Romrod, der erster Vorsitzender eines in Romrod Schankwirtschaft betreibenden Bürger­vereins war, war vom Schöffengericht Alsfeld von der Anschul­digung, die Wirtschaft ohne Konzession geführt zu haben, frei- gesprochen worden. Dagegen waren die übrigen sechs Vorstands­mitglieder in Geldstrafen von je 10 Mark genommen worden. Aut die Berufung der Staatsanwaltschaft hob die Strafkammer dieses Urteil auf und erkannte auch gegen R. auf eine Strafe von 10 Mark.

Urkundenfälschung.

Ter Fischmetzger L. Sch. in Frankfurt a. M. hatte im Juli unb August v. I. von Bad-Nauheim aus, wo er für eine Frank­furter Fischhandlung tätig war, mehrere gefälschte Bestellungen, mit erfundenen Namen von Hotelbesitzern an .Konkurrenzfirmen in Geestemünde gerichtet. Als die Fischsendungen ankamen, ergab sich der Schwindel. Der Angeklagte will die Fälschungen be­gangen haben, um die Firmen zu foppen und abzuschrecken, weil sie die Preise drückten. Das Gericht ernannte auf eine Gefängnis­strafe von 12 Tagen.

Viehseuchevergehen.

Der Landwirt Ph. F. in Schwalheim hatte von Preußen aus Mastrinder eingeführt, ohne sie vor der Einstellung zur Quaran­täne angemeldet zu haben. Strafe: 15 Mark. Der Schäfer D. I. von Viermünden unb der Schäfer R. I. von Flandern hatten im Oktober v. I. eine Schafherde durch verbotene Teile der 'Kreise Alsfeld und Gießen getrieben. Strafe: je 5 Mark, falls uneinbringlich je 2 Tage Haft.

liiiwerfUäUsIlacbwcbtetu

Ter 11 Ferienkurs für wissenschaftlich, Mikrofkovie findet vorn 4.-6. März im vhyfikalischen uit im zoologischen Znslitut derUniversttöt 9)1 a r b u r g halt. Tie Ap. j. rate und Mikroskope werden von den optischen und mechanischen Werken von Stavl Zeiß, Jena, zur Verfügung gestellt. Es Ivredi?» am Dienstag, 4. März, Tr. 9L Kohler (Jena) über das Mikroskop unb dessen Verwendung (mit Temon'trationen) zur Mikroodola- grapbie und Projektion: a) Vergrößerung, bi Bildgüte, ei tellia. feit, d) beionbeie Beleuchtungsmethoden (Vertikalillummator, mono- chromatisches Licht-; am Mittwoch Pro'. Tr. H. 'Jlmbronu (Jena) über die Abbe'jcbe Theorie der mikroskopischen Bilderer;eugmij- am Donnerstag Prof. Tr. H. Aindronn über die Methoden Prüfung der Objeknvsysteme, Dr. t). Siedentoof (Jena! über Dunkel- felbbeleuditung ; am Freitag Dr. A. Köhler über Mikrophotogiaotü mit ultraoioletiem Licht, Tr. £>. Siedentoof über Ultramifroifopie am Samstag finden Demonstrationen zu den Vorträgen: a< -l'itfr»« photogravbie mit ultraviolettem Vicbt, b) Beleuchtung mit mon>. chromatischem sichtbaren t'idjt und Beleuchtung mit dem Veuiktz. Illuminator (Metallographie,, c) llltrannkroskopie farbiger (<>(ä4 unb Kri lalle statt. Hierauf gibt Dr. H. Siedentoo« eine Erklärung kinematonravlnsa er Projektionen von ultramikroskopischen ua) mikroskopischen Aufnahmen.

Lustschlffahtt.

Essen, 24. Febr. Ter Direktor der Eondorwerke Snvelack flieg gestern morgen gegen 9-6 Uhr auf dem Flugplatz Esjen- Gelienktrchen-Rottenhaujcn zu einem Flug nach London auf. Ta auf der Erde dichter Liebel herrschte und sein Kompaß versagt,, konnte er sich nur nach der Sonne orientieren. Nach cinftünöigttn Flug beschloß der Flieger zu landen, geriet aber in immer dichteren Nebel und bemerkte erst im letzten Augenblick, daß er sich über der Nordsee befand. Es gelang ihm, seinen Motor wie^e: einzustellen, als schon sein Apparat die hoch gehenden Wogen de- rührte. Er stieg dann bis 900 Meter Höhe auf und landete noch l/Jlünbiger Fahrt in Deventer am Zuidersee, trotz des dichten Nebels ohne Schaden zu nehmen.

Allgemeine Körpersthwädie

Wieder zu Kräften

zurück.

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