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24.11.1913 Erstes Blatt
 
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Wie viel willst du denn? Er habe 1000 Mar? bekommen und dafür zwei Zweimonat-Akzcpte L 650 Mark ausgestellt. Auf Befragen erklärt der Zeuge, das; c ich nicht für übervorteilt halte. Der Zeuge bekundet werter, boft er sein statt es Leben fortgeführt habe, er kann aber nicht behaupten, daß die Angeklagte ihn dazu vk^kNet habe, er hätte cs auch so fortgesetzt. Dagegen habe ihn dre Angeklagte zu verschick neu Darlehensgeschäften mir einem gemrisen Forke verleitet. Er habe schließlich fein ganzes Vermögen tm Betrage von 200 000 Mark verloren und besitze jetzt 60000 Mark Schulden.. Die Angeklagte bestreitet, den Zeugen zu trgendwelck)en Geschäften verleitet zu haben. Wenn sie mit ihm Darlehensgeschäfte gemacht habe, so sei das auf seine Veranlassung geschehen, sic habe sich nicht dazu gedrängt.

Hierauf wird der Fall des Ncgierungsreferendors Hennig von Alten erörtert, der sich im Herbst 1910 erschossen hat, weil ihm die Schulden über den Kopf gewachsen waren. Die Angeklagte erklär! hierzu, sie habe Herrn v. Alten überhaupt nur zweimal gesprochen. Er habe seine Verhältnisse aber nicht auseinander- ge'etzt, sondern im Gegenteil gesagt, er erbe von seinem Vater viele Millionen. Er hat also verschwiegen, daß er auf seine Erbrechte bereits zwei Jahre vorher verzichtet hat, so das; gerade er sich der Vorspiegelung fall eher Tatsachen schuldig gemacht habe. Sie habe ein Anrecht auf die Provision von 5000 Mark gehabt, da sic selbst eine ganze Menge Auslagen für die Angelegenheit gehabt fyättc Rechtsanwalt Feuerhake (Hannover) bekundet, daß er nach dem Tode des Herrn v. Alten zum Nachlassverwalter ernannt worden.sei. Er habe sofort gesehen, daß der Nachlaßkonkurs er­öffnet werden müsse. Im Konkurs seien dann in kurzer Zeit über 300000 Mark Schulden angemeldet worden, denen nur 15 000 Mark Aktiva gegenüberstanden. In den Prozessen sei eine ganze Reihe von Klagen jiber Forderungen, die von ihm bestritten worden warm, wegen Wuchers obgerotefen worden. Dert. R>A. B a h n: Herr v. Alten soll sich als Sohn eines vielfachen Millio­närs ausgegeben haben? Zeuge: So viel ich weiß, war er es mich Er ist von seinem .Vater mehrfach finanziert worden und dieser hat einmal über eine Million Schulden für seinen Sohn bezahlt.

Es folgen dann längere Erörterungen zwischen Staatsanwalt, Verteidiger und der Angeklagten darüber, welche Forderungen in dem Nachlaßkoukurs als Wucher anzusehen seien. Vert. N.-A. B a h n hebt hervor, daß die Frage iwch außerordentlich streifig sei, ob überhäuf Mucker vorliege. Die Geldgeber gingen doch mich ein sehr großes Risiko ein, denn trotz der Wechselgarantien haben sie bis heute noch keinen Pfennig erhalten. Schließlich verstelle ich nicht, wie man der Angeklagten hier ständig Beihilfe zum Wucher vorwerfen kann, von den angeblichen Tätern aber siebt u>id hört man nichts. Staatsanw.: Vielleicht beEomntcn wir doch noch etwas von ihnen zu hören.

Hieraus wird die Verhandlung auf Montag vertagt.

Frankfurt, 22. No". Die Strafkammer des Landgerichts sprach den früheren Bezirksvffizier, Majors a. D. G r a f e n E u g e n Hertz berg in neun Fällen des vollendeten und in einem Fall des versuchten Betrugs schuldig und verurteilte ihn zu 2 Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 6 Monaten der Untersuchungs­haft.

tiintfcbifvrtbrt.

Köln, 23. Nov. Auf dem Fluge von Trier nach Köln st ü r z t e ein Doppeldecker mit 2 Offizieren ab. Der Ap­

parat ging in Trümmer. Ein Offizier brach ein Dein, der andere kam mit leichteren Verletzungen davon.

München, 22. 9tov. Der französische Flieger Pvgoud führte heute hier seine Sturrilüge vor, die wie bet seinen frü­heren Vorführungen glatt verlauten sind.

Vermischtes.

* Einer der gefährlichsten Schieber Berlins, der 35 jährige sogen. Kaufmann Heinrich Armonierm, der bei allen großen Schwindelunternehmungen in der letzten Zeit seine Hand int Spiele hatte, ist gestern roicber einntal polizeilich verhaftet und hinter Schloß und Riegel gebracht morden. Seine letzte Gründung war eine Genußmittelzentrale.

* Ein Anwalt von einem Kollegen erschossen Aus Ofenvest wird gemeldet: Ter Anwalt Dr. M a t a i e r < schoß int Beratungssaale den Advokaten Kammer, angeblich infolge seines finanziellen Ruins.

* Raube rischer Ueberfall. Aus Sevilla, 22. Nov., wird gemeldet: Banditen überfielen einen Angestellten der Südbahngcsellschafi, der 33000 Franks bei sich trug. Sie ver- wmtdeten ihn und plünderten ihn aus. Die Räuber schossen auf die sie verfolgenden Polizcibeantten und Soldaten, die das Feuer erwiderten. Ein Bandit wurde tödlich verletzt.

* Zn dem Unfall des italienischen Kreuzers wird noch gemeldet: Der PanzerkreuzerSan Giorgio" legte sich aus die linke Seite. Das Vorderteil des Schiffes berührt 16 Meter lang Grund. Die Arbeiten zur Flottmachung feitet Admiral Cagni. Tie KriegsschiffeFrancesco Ferrucio",Eina- miete Filiberto",Vattor Fisani", das Werk'.ittenschiss ,.Bul cano" und zwei Schlepper sind zur Hilfeleistung avaegangcn.

_ * Erdrutsch und Eisenbahnunfall. Aus San Se­bastian, 23. Nov., wird gemeldet: In der vergangenen beacht ereignete sich etwa 700 Meter vom Tunnel Cazurza der Strecke Ir un-Madrid ein Erdrutsch. Zwei Wagen am Ende des Zuges wurden verschüttet. Ein Zugführer wurde verletzt. Tie Reisenden mußten umsteigen. lieber das Unglück liegen wider­sprechende Nachrichten vor. Einerseits wird gemeldet, daß es der Süd-Expreßzug war, der durch den Erdrutsch entgleiste, während andererseits gemeldet wird, daß der Süd Exvreßzug in einen bereits entgleisten Güttrzug hineinfuhr. Hierzu wird weiter gemeldet: Ter Erdrutsch erfolgte etwa in der Mitte des Tunn-'ls kurz vor der Durchfahrt des Süd-Expre' zuges. Tic Lokomotive und zwei Wagen entgleisten. Dem Zugführer mürben beide Beine gebrochen. Ein aus dein Süden kommender Güterzug stieß gleich­falls gegen die Erdmassen und die Lokomotive des GüterzugeS entgleiste.

* Anarchisten. Aus Kalkutta wird gemeldet: Die Polizei hat in einem Hause in Kalkutta eine Bombenfabrik ent­werft. Vier Indier sind verhiftet werden. Die Polizei glaubt, einen der gefährlichsten indischen Anarchisten gefaßt zu haben.

* Verunglückte Soldaten. Aus Longuhon, 23. Nov., meldet ein Prioat-Telegramm: Ein W a g e n s ch u p p e n der hiesigen Garnison ist gestern abend ein gestürzt und bat eine Anzahl Soldaten unter seinen Trümmern begraben. Zwei Sol­daten wurden' getötet, fünf schwer und neun leicht verletzt. Der Kriegsminister hat den Direktor des Geniewesens, General Che­valier beauftragt, eine Untersuchung über die Ursache des Un- glürfsfalles einzuleilen. Von den S»>fialisten waren in der letzten Zeit wegen der Mangelhaftigkeit der neuen Käsernenbantcn an der Oslgrenze wiederholt scharfe Angriffe gegen die Kriegs­verwaltung erhoben worden.

MärNe.

h. Oberursel, 23. Nov. Wegen zu geringer Beschickung bat die Stadl auf Beschluß der Stadtverordnetenversammlung die Kram- und Vieh markte aufgehoben.

Amtlicher Wetterbericht.

Oöffentlicher Wetterdienst, Gießen.

Vetterausfichten in Hessen für Ticnstaa, den 25. Nov. 1913 Meist wolkig, keine erheblichen Regensalle, kühl, westliche Winde.

_____.-»

Letzte Nachrichten.

Wüste Schlägerei.

Mannheim, 24. Nvv. Hier kam es in der Nacht zum Sonntag zu einer folgenschweren Schlägerei zwischen Studierenden der Zngenicurschule und einer Anzahl junger Burschen. Drei Stu­dierende wrirden schwer mißhandelt. Der student P. (Senft erhielt Stiche ins Auge, in den Rücken und in die Hand: an seinem Auf­kommen wird gezweifelt.

. Autounfall.

Reims, 24. Nov. Bei Siliert; Fant in der Dunkelheit ein Auto vom Weg und stürzte in den Kanal. Bier Personen wurden getötet.

Abdankung des Königs Ferdinand?

Sofia, 24. Nov. TieEpora" veröffentlicht eine bisher geheim gehaltene Kriegs Proklamation gegen Serbien, die König Ferdinand am Vorabend des An­griffes aui die serbischen Stellungen den Truppen vorgelesen habe. König Ferdinand werde nickst mehr nach Serbien zurück- kebren, sondern zugunsten seines ältesten Sohnes a b d a n k e n und diesen Entschluß sofort der Regierung in Sofia befannt* geben.

Zlwei -nexikanischc Militärzüge in die Luft geflogen.

El Paso, 23. Nov Wie der Insurgentengeneral Villa mitteilt, sind zwei M i l i t ä r z ü g e mit 1500 Mann Bun­de s t r » p p e n auf der Straße von Chihuahua nach Juarez, 66 Meilen südlich von Juarez auf Dynamitminen gestoßen und in die Luft geflogen. Viele Soldaten sollen umgekom­men fein. General Villa hat Juarez geräumt.

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LiefcrungsVerzeichnis und Bedingungen liegen auf dem Bureau des Unterzeichneten, Frank­furter Straße 81 I, während der Dicnststunden zur Einsicht offen und werden Angebotssormulare gegen Erstattung der Selbstkosten, solange der Bor­rat reicht, abgegeben.

Die mit entsprechender Aufschrift zu versehenden Angebote sinh verschlossen und portofrei bis zum Mittwoch, den 3. Dezember 1913, vormittags 10 Nhr, auf dem Bureau des Großh. Kreisbau infpettorS cinznreichcn, wo um diese Zeit die Oeffnung der Angebote im Beisein etwa erschienener Bewerber stattfindet.

Zuschlagsfrist: 5 Wochen.

Offenbach a. M., 15. November 1913.

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Bekanntmachung

die Wahl der Mitglieder der Stadtverordneten Vcrsammlung betreffend.

Meine heutige in Nummer 275 des Gießener An­zeigers vom 22. November 1913 veröffentlich! e Bekannt­machung wird wegen unterlaufener Irrtümer als ungültig hiermit aufgehoben und durch nachstehende Bekannt- mackung ersetzt, wobei ich ausdrücklich darauf Hinweise, daß die EinsvruchSsrlst sich um einen Tag verschiebt.

Bei der am 18. diese- MonatS stattgesundenen Wahl von 17 Stadtverordneten sind gewählt worden:

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ES wird dies mit dem Nnfügen zur öffentlichen Kennt­nis gebracht, daß daS Wahlvroiokvll nebst Anlagen drei Tage lang, nämlich Dienstag, den 25., Mittwoch, den 26. und Donnerstag, den 27. November, vormitt, von !>12 Uhr und nachmittags von 36 Nhr, auf dem Stadthause, Zimmer Nr. 15, zur Einsicht der Wahlberechtigten und Wählbaren offenliegt, und daß die Wahlberechtigten inner- halb der Dffenlegungösrist bei Meldung dcö Ausschlusses Einwendungen gegen die Wahl und die Gewählten bei dem Oberbürgermeister schriftlich oder durch Erklärung zu Protokoll erheben tonnen.

Gießen, den 22. November 1913.

Der Oberbürgermeister.

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