Ausgabe 
24.11.1913 Erstes Blatt
 
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Nr. 276

Der Stehener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich Siehener.^amilienbietter, zweimal ivöchentl.Nreir- vlatlsürdrnNreisS'iehcn (Dienstag rind >ag); zweimal monoiL Land virtschafUiche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse Wir Depeschen:

Anzeiger Gießen.

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Erstes Blatt

163. Jahrgang

Montag, 24. November 19(3

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'fchen Univ.-Buch- und Zteindruckerei R. Lange. Redattion, Lrpedition und Druckerei: Zchulstrahe 7.

Bezugspreis: monatlich75M., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch 'Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch die Post Mk.2. viertel« jährl. ausschl. Bestellq. Zeileupreis: lokal löPs^ auswärts 20 Pfennig. C hesredakteur: A Goetz. Beraiitwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton", .Ver­mischtes" und^Gcrlchts- saal": Karl Neurath; füc .Stadt lind Land" : Kurt Bendt; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Sin Keichsfinanzgeheimnis.

Die Uebcrraschungen und Enttäuschungen der ReichS- haushaltsplänc im letzten Jahrfünft haben ein gewisses Miß trauen gegen alle diese ^stolzen Zahlcngebäude geweckt.. Seit Eugen Richter tot und ihm in keiner Partei ein Nachfolger als unerbittlicher Etatkontrolleur erstanden ist, fühlt die ös fentliche Meinung instinktiv, daß jeder neue Etat eine wäch­serne Nase hat. Er läßt sich ja in so vielen Einzelziffern und im Ergebnis modifizieren und frisieren, ohne den Au schein von Solidität und Lebenswahrheit zu verlieren. Ja, es gehen in diesem Zahlengebäude Dinge vor, die auf dem -Papier jeder politischen Nachprüfung standhaften, im Grunde aber doch gegen den Sinn der Bcrfassung sind und den Rech­ten der Volksvertretung ganz erheblichen Abbruch tun. Ter Beweis für unsere Behauptung: Für das Rechnungsjahr 1914 sind jetzt zurSchuldentilgung" 68 883 399 Mk. bereilgestellt. Und dann folgt der neuerdings int Neichsetat jedes Jahr wiederkehrende Satz:Soweit hiermit Schuld­verschreibungen angekauft werden, wachsen entsprechende Be­träge der für 1914 zu begebenden Anleihe zu." Was ist damit gesagt? Mau rechne nach: Wenn dem Reichskanzler 150 Mil­lionen Anleihen bewilligt werden und, wie diesmal. 70 M'l lionen zur Schuldentilgung, so darf er für den Fall, daß 70 Millionen Anleihen zurückgekauft werden, 220 Millionen neuer Anleihen int Etatsjahr ausgeben. Tie Tilgung kann nämlich in der Weise geschehen, daß wir Schulden bar zurück- fahlen, sie wird aber, solange unsere Anleihen unter pari stehen, günstiger in der Weise bewerkstelligt, daß wir an der Börse ober auf anderem Wege Anleihen zurückkaufen. In demselben Maße also, wie Schulden getilgt werden, vergrö­ßert sich für die Regierung die Möglichkeit neue Schulden zu machen. Das wäre noch kein Unglück, wenn es sich nur um das jeweilig laufende Etatjahr handelte. Aber das vom Reichstag einmal Beschlossene gilt für alle folgenden Jahre, d. h. von Jahr zu Jahr werden diese Sum­men als bereits bewilligte , 'aber noch offene

-Kredite durchgeschleppt. Wurden z. B. in vier Jahren 500 Millionen Reichsanleihen zurückgekauft, so hat der Reichskanzler jederzeit das Recht, diese 500 Millionen wieder zu begeben. Es sind sozusagen offene, bereits beniil ligte Kredite. Es ist so tatsächlich vorauSzusehen, daß eines Tages die verbündeten Regierungen die Möglichkeit haben, eine Milliarde Anleihen zu begeben, ohne den Reichstag fra­gen zu müssen? Was ist das aber im Effekt anderes, als daß frnan dem Bundesrat eines Tages freie Hand lassen muß, ein Jahr laug auch ohne Volksvertretung finanzielle Dis­positionen zu treffen. Gerade der Reichstag hätte Grund, sich mit diesem Reichsfinanzgeheimnis einmal gründlich zu beschäftigen. Denn er beschließt ohnehin nur über die Matri- kularbeiträge in der Etatbehandlung, während die indirekten Steuern und die Zölle, nachdem sie durch Gesetz festgelegt sind, ohne Eingreifen des Reichstages weiter erhoben werden.

*

Im außerordentlichen Voranschlag zeigen die Ausgaben nach Mrechnnng der Zugänge insgesamt eine Verminderung von 25 932 500 Mark. Von der Verminderung entfallen auf das Reichsheer 12 700 000, auf die Marine 20 240 000 Mark; durch eilte Anleihe aufzubringen sind 17 697 160 Mark.

Der Haushalt für die Schutzgebiete

zeigt 120 652 661 Mark in Ausgaben und Einnahmen und einen Zugang von 20 714 448 Mark int ordentlichen Voranschlag, im außerordentlichen bei 57 014 477 Mark Ausgaben und Einnahmen eine Verminderung von 585 523 Mark. Die eigenen Ein­

nahmen der Schutzgebiete sind insgesamt um 19 235 517 Mark gesliegen. Die Erhöhung ist neben der Weiterentwikelung der Einnahmen Ostafrikas im wesentliche auf die Verbesserung d e r D i a m a n t e i n n a h m e in den süd­afrikanischen Schutzgebieten zurückzuführen < vlu§ 7,1 Mill ). Togo und Samoa bedürfen keines Reichszusckmsses.

Beim Voranschlag des

Auswärtigen Amtes

erfuhren die Besoldungen der gesandtschaftlichen und Konsular- beamten unter gleichzeitiger Neuregelung eine Erhöhung. Da­nach werden die Missionschefs Ncpr isentationsgclder und den übrigen Beamten Ortszulagen gewährt, die den Teuerungsoer hältnissen des Dienstortes angepaßt sind, ferner die von den Bot schaftern bisher getragenen Kosten der Heizung, Beleuchtung Wasserversorgung usw., der GesMfts- .und Gesellsclwftsräume. Die von der Reichskasse übernommenen Mehrkosten hieraus be­tragen rund 650 000 Mark. Geplant ist ferner die Erhebung der Ministerresidenturen in Caracas, Guatemala und Lima zu Gesandtschaften und die llmwandlung der Konsulate in Jerusalem, Montreal in Generalkonsulate, der Vizekonsulate in Haissa und Jossa in Konsulate und die Errichtung neuer Berufs' kcmsulate in Crzerum, Ätossul, Panama, Täbris und Tetuan. Bet dem sächlichen und allgemeinen Fonds ist die Erhöhung der Fonds der deutschen A u s l a n d s s ch u l e n um 400 000 Mk. auf 1 500 000 Mk. hervor;uheben.

Für die Erweiterung des Kai se r-W il he l m-K a nal s werden 15 Millionen Mark angefordert, die mit den bisher be­willigten 193 Millionen den Betrag von 208 Milliren Mark ausmacheii. Im außerordentlichen Voranschlag sind für Wohmings- fürsorge wiederum 4 Millionen Mark vorgesehen.

Im Haushalt des Heeres

sind eine große Anzahl neuer Offiziers-- und Beamten stellen vor­gesehen. Von neuen Maßnahmen sind zu ermähnen: Die Errichtung eines Fußartillerie-Vrigadestabes, die Aufstellung von zwei Fuß- artillerie-Regimentern mit Vespannungsabtcilungen. eines Ba­taillons Fußartillerie mit Besvannungsabteilung" in Württem­berg (53.), einer Pionier-Inspektion, Umwandlung der acht (Festungs-) Pionierbataillone in Regimenter zu zwei Bataillonen unter Aufhebung der Kommandos der Piont.'re, die Errichtung von 10 Scheinwerserabteilungen, die Errichtung eines Eisenbahw Regimentes unter Anrechnung des bisherigen selbständigen Eisen- bahnbataillons, einer dritten sächsischen Cisenbahnkompacmic, eines Telegraphenbataillons mit zwei Fuitkent'ompagnien, eines Korn- mandvs Trains,.eines Trainbataillonsstabes, 8 Trainkompagnien, einer sächsischen Trainkompagnie, zwei Traindepots für das 20. und 21. Armeekorps, die Verstärkung des preußischen Kadetten­korps um 60 Kadettenslellen, des sächsischen Kadettenkorps um eine Kompagnie, der Neubau einer evangelischen G a r nisonskirche in D a r m st a d t, die Errichtung von Tienst- und Dienstwohnaebäuden für den Kommandanten des General- kommandos in Frankfurt und Saarbrücken, die Erwei­terung der Wilhelms-Heilanstalt in Wiesbaden, die Erwer­bung eines Exerzierplatzes in Marburg.

An Forderungen von besonderem und allgemeinem Interesse sind zu erwähnen: Die Erhöhung des festen Bestandteiles fws Beköstigungsgeldes und die Gewährung eines besonderen 53er- pslegungsznschusses an die am Standort auf Selbstbeschafsung und Verpflegung angewiesenen Unteroffiziere und Mamffck-aften, die Erhöhung des L ö l) n u n g s z u s chu s s c s für Soldatenfa- milien bei dienstlicher Abwesenheit der Männer, Gewährung des Beköstigungsgeldes der Unteroffiziere an sämtliche Kapitulanten und Bewilligung der Verpflegungsgebührnisse an Kapitalanten während des Urlaubs, Verbesserung der Beleuchtung der M a n n s ch a s t s st u b e n und Kascrnenkrankensttiben durch Ver­mehrung der Petroleumlampeit tind Erhöhung det> Zahl der Brenn stunden, Erhöhung der Dienstprämien für Unteroffiziere nach zwölfjähriger aktiver Dienstzeit und Verzinsung der Dienst- Prämie.

Aus dem

Haushalt der Marine

ist hervorzuheben:

Neu anzusordern sind zur Durchführung des Flottengesetzes neue Stellen für Offiziere und Beamte Zahlmeister), beim See­

Die Neugestaltung bes Kapitols.

Beim Schöpfer des preisgekrönten Entwurfes.

Rom, 21. November.

Ist es wirklich der Fall, daß nfan dem römischen Kapitol durch Umbauten seinen Charakter nehmen will ?" fragten mich kürzlich in Deutschland zahlreiche Freunde Italiens. Und in Rom selbst hatte diese Frage seit ein paar Jahren den National- und Kunstsinn des Volkes aufs heftigste bewegt gehalten. Der Mons Eapitolinus, die alte Warte römischer Größe, deren Piazza Michel aitgelo selbst der großen Erinnerungen würdig anzulegen wußte, sollte von den Epigonen entweiht werden, die künstlerische Einheit seiner Paläste den modernett Ansorderungen weichen? Trotz allen Sträubens jedoch traten die praktischen Bedürfnisse immer mehr 3ur Geltung. Die heutige Hauptstadt Italiens mit ihrer wachsenden Menschenschar, ihren zunehmenden Repräsentationspflichten nsw. konnte sich nicht durch übertriebene Rücksicht auf traditionelle Be­denken cincngcn lassen. Auf dem Kapitol jedoch war es eben zu enge geworden, und diesem Raummangel ließ sich nur durch die ^Bereinigung aller drei Bauten: des Senatorenpalastes mit dem Konservatorenpalaste und dem Museum capitolinum abhelfen, um fo einen zusammenhängenden Repräsentationsgebäudekomplex zu gewinnen. Es sollten zu diesem Zweck die beiden am Senatoren Wall zum Foro Romano führenden Freiblicke gefdilon'cH werden: genug, um dem Platz Michelangelos den Gharöfter wohlgegliederter .Größe und Offenheit, dem Besucher das Gefühl der eapitolinischen Bergeshöhe zu nehmen! .

Als jetzt im öffentlichen Preisausichrerben das Verecnigungs- Inojcft'bcr Architekten Pio und VLarcello Piacentini den Sieg davon trug schien jedermann die Verunstaltung des Kapitols unabwendbar, bis man hier erfuhr, daß dies mit dem Preis gekrönte Projekt von den etwa 18 Konkurrenten prinzipiell abwich, indem es, ohne den Charakter des Platzes selbst zu berühren, unter raffinierter Aus­nutzung des bergigen Terrains eine verborgene Verbin­dung der Gebäude ermöglichte.Noli me tangere, sagte mir gestern der jüngere Piacentini,das war unsere Devise, tue uns zum Siege verhalf. Die absolute Schonung alles dessen, was dem Römer durch Geschichte und Gewohnheit geheiligt ist, unter­schied unsere Arbeit von der aller anderen!" ,

Gleich der erste Blick auf die Pläne überzeugte mich, dal; es sich hier um einen Einfall Handelt, der die europäische Kultur- Welt über die Sicherung einer ihrer weihevollsten Stätten völlig beruhigen darf, nnb jeder, der das Kapitol vom Sehen kennt, wird mit mir einem Projett zustimmen müssen, das die modernen Aedükfnissen angemessene Ausnutzung der kapitolinischen Paläste

ermöglicht, ohne ihre künstlerische Gesamtwirkung im mindesten zu verletzen. Tie Hauptgefahr bestand nämlich früher darin, daß die linke, zum Foro hiuab'ührende Treppe, die dem Platze den wesentlichen Freiblick verleiht, hätte nmgebaut werden müssen. Wir fanden jedoch", erzählt Piacentini,das an den Berg leh­nende Tabnlarium des Senatorenpalastes in der gleichen Tiere mit dem Sotteraneo des kapitolinischen Museums. Eine unter der Treppe hindurchlauiende unterirdische Galerie wird also jenes älteste aus republikanischer Zeit stammende Tabularium mit einem Vestibül des Museums verbinden, von wo bann der Blick die ganze alte Stadt in erhabenster Ausdehnung vor sich liegen sieht." Und die Anschließung des Konservatorenpalastes'? fragte ich neugierig weiter.Die auf dieser Seite zwischen den Palästen herabführende Treppe hat vom Platze keine Aussicht. Rechts begleiten sie an den Konservatorentmlast lehnende kleine Häuser ohne künstlerischen Wert, aber historisch interessant, weil in ihnen einst die Handwerker­gilden ihren Sitz hatten, deren Geld die Ausführung des Michel­angelo-Platzes ermöglichte. Damit aber auch hier die Offenheit des Platzes gewahrt bleibt, bauen wir von dem hinteren Teildes Obergeschosses des Konservatorenpalastes eine kleine geschlossene Galerie zu einem der Häuschen, die später zusammen em Gilden- Museum bilden sollen. 53on dort gehr die Galerie in die Hinter­seite des Konseroatorenpalastes und wird daher von außen nur als unbedeutende, zurückliegende Uebkrführung sichtbar."

Ich konnte nicht umhin, den Architekten zu der so glücklichen Lösung dieses die ganze Kiilturwelt interessierenden Problems zu gratulieren, ein Problem, dessen Schwierigkeiten auf solche Weise raffiniert umgangen wurden, während an dieser Stelle selbst das genialste in die Augen fallende Projekt nur das Gefühl der Pein­lichkeit hervorgerufen hätte.Noli me tangere, das ist eine neue Tugend in der Architekturwelt unserer Tage, die sicherlich hie und da das Opfer einer neuen Idee verdient. Und daher erscheint es bereits zweifellos, daß in zwei bis drei Monaten auch der Con- siglio delle belle arte in Rom die endgültige Zustimmung zu bent bei der Preiskonkurrenz gekrönten Projekt der Piacentini, dessen Pläne in den nächsten Tagen der Oeffentlichkeit im Museum del Risogimento zugänglich sein werden, geben dürste.

Kurt Bauer. *

König Laurins Rosengarten" als Orchester- werk. Man schreibt uns aus Wiesbaden: Im Kgl. Theater fand gelegentlich eines Symphonie-Konzertes unter der Leitung Prof. M a n n st ä d t s die Uraufführung des neuesten Orchester­werkes von Fritz Voll buch für Männerchor und Bariton-Solo, König Laurins Rosengarten", statt. Das Werk des

III IT II II offizierkorps sind vorgesehen: ein Vizeadmiral ianstelle eine» Kontrcadmirals), acht Kapitäne zur See und 15 Fregatten- oder Korvettenkapitäne, 32 Kapitänlcutnants, 78 Oberleutnants trab Leutnants zur See, beim Jngenieurkorps sechs Chef-Ingenieure ober Oberstabsingenieure, acht Stabsingenieure und 21 Inge­nieure

Tie Ausgaben für Waffen wesen erfahren eine weitere Steigerung von 2 240 916 Mark gegen das Vorjahr

Es werden gefordert: Erste Raten für das LinienschiffEr­satz Kaiser Friedrich III ", für den großen KreuzerErsatz Vik tmia Luise", für den kleinen KreuzerErsatz Gazelle" undErsatz Niobe": für die Torvedobootsflottille, zweite Raten für das LinienschiffErsatz Wörth", für den großen KreuzerErsatz Hertha", für die kleinen KreuzerErsatz Gefion", undErsatz 6eia", für das Kanonenboot C.. sowie für den Bau eines Hebe­schiffes, dritte Raten für das LinienschiffErsatz Brandenburg" und für den großen KreuzerErsatz Kaiserin Augusta", Schlnß- raten für die LinienschiffeGroßer SVurfürft"Markgraf" und König", für den großen KreuzerDerslinger 2", für den kleinen KreuzerErsatz Irene" undGraudenz", für den Bau der KaiserjachtErsatz Hohenzollern" und für eine Torpedoboots- flottille. F ür Unterseeboote .werden 19000000 M k. eingestellt. ,

Ser Fonds zur Gewährung von Beihilfen an hilfsbe­dürftige Kriegsteilnehmer ist unter Berücksichtigung der durch Gesetz vom 19. Mai 1913 verursachten Mehrausgaben um 8 Millionen höher veranschlagt, also mit 39 Millionen ein­gestellt worden.

Unter den einmaligen

Ausgaben des RcichSkolonialamteS

sind u. a. erwähnenswert der Neubau eines T-ienst- und Tienst- wohngebäudes für das ReichskolMialamt auf dem reickssfiskali- scknm' Grundstück Wilhelmstraßc 78, Mittel zur Festsetzung der Grenzen Neu-Kameruns (dritte Rate) und zur Regulierung bet Ost grenze zwischen Britisch und Deutsch-Guinea. Die Reichs­zuschüsse für Kamerun und Neu-Guinea erfahren eine Erhöhung, diejenigen für Ostasrika und Südwestafrika eine Verminderung.

Der HanShrrlt brr Reichspost- und Telegraphenverwaltung

bringt eine erhebliche Vermehrung der etatsmäßigen Beamten­stellen u. a. ist eine größere Zahl von Vize-Dirlektorenstellen (124 bei Einziehung von 75 Jnspektorenstellen) vorgesehen, wo­durch die ungünstigen .Aufrückungsverhältnisse der höheren Be­amten eine Verbesserung erfahren. Erfordert werden u. a. 2400 neue Stellen für Post und Telegraphenassistenten, 1500 für Post- und Telegraphengelnlfinnen, 4500 für Unterbeamte dev Schaffnerklasse. Zur Gewährung außerordentlicher un­widerruflicher Zulagen für die in der Provinz Vosen und in den gemischtsprachigen. Kreisen Weftprenßens an- gestcllten mittleren Kanzlei- und Unterbcamten. sind 1 200 000 Mk. bereitgestellt.

Aus Hessen.

DieFinanzausschüssebeiderStändekammern hatten am Samstag nachmittag eine längere gemeinsame Beratung über die Regierungsvorlage, welche die Hingabe eines st a a t - l i ch e n Darlehens von einer Million Mark an die Zentralkasse für die landwirtschaftlichen Genossenschaften bezweckt. Als Vertreter der Regierung wohnten die Herren Staatsminister Tr. v. Ewald, Finanzminister Tr. Braun, Minister des Innern v. H o m b e r g k und mehrere Negierungskommissare der Verhandlung bei. Die gemeinsame Beratung hatte nach Art. 26 der lendständischen Geschäftsordnung stattzufinden, da die Regie­rungsvorlage den beiden Kammern gleichzeitig zugegangen war. Bei Beratung des mit der Zentralkasse abzuschließenden Vertrages wurden seitens des Finanzausschusses der Ersten Kammer ver­schieden.' Zusatz- resp. Abändcrungsanträge eingebracht, die in der Hauptsache darauf hinausgehen, der Zentralkasse außer dem Darlehen von einer Million Mark noch einen beschränkten b c i crnden staatliche n K r c b i t zu gewähren, bis zu etwa 3 Millionen, wogegen bic Staatsaufsicht, die bekanntlich eine Bedingung für die Dauer des zu gewährenden Darlehens bildet, Tübinger Universitätsmusikdirektors, der früher jahrzehntelang bic Mainzer Liedertafel leitete, erfreute sich der wärmsten Auf­nahme. Das Werk ist in allen Teilen klar und faßlich geschrieben, t a§ Rosen-Motiv melodisch einprägsam, voll feinsinniger Harmonik. Tie orchestrale Tormalerei ist prächtig gelungen, sie ist farben­reich frisch, natürlich und gefühlswarm. Sie biloet nicht nur die Begleitung des Chors, sondern übernimmt vielfach die Füh­rung. Ter Wiesbadener Mannergesangverein ließ in der Chor­partie alle seine Vorgänge im hellsten Licht erstrahlen, und der warmauellende Bariton unseres einheimischen Sängers der Kgl. Hofbühne Herr Geiße-Windes verlieh der Partie des Dietrich von Bern durch Schwung und Leidenschaftlichkeit im Vortrag, erhöhte Bedeutung.

Ihn das Düsseldorfer Schauspielhaus zu er­halten und Luise Dumont und Lindemann an Düssel­dorf zu fesseln, schlägt, wie uns aus Düsseldorf gefdjiricben wird, die Stadtverwaltung den Stadtverordneten vor, die bisherigen städtischen Zuschüsse von 50 000 Mk. jährlich zunächst unter der Voraussetzung, baß die Gesellschafter ihren Zuschuß ebenfalls weiter garantieren, auf 3 Jahre weiter zu zahlen. Die Theater- akabemic des Schauspielhauses soll in eine Städtische Hoch­schule für Bühnenkunst umgewandelt werden, die noch einen besonderen Zuschuß der Stadt von 40 000 Mk. jährlich ersordcrt. Zur dlrheitsentlastung des Künstlerpaares soll wöchent­lich eine Vorstellung ausfallen.

(Hk) Krebsinstitut in Heidelberg: Dem Fonds zur Errichtung eines Krebsinstituts sind in der Zeit vom 1. Novem­ber 1912 bis dahin 1913 weitere Zuwendungen im Betrage von 27 040,65 Mark gemacht worden. Zugunsten dieses Instituts hat außerdem Herr G. Schreiner in New Bork zum Andenken an seine verstorbene Gattin Gertrud alsGerthaftiftung" den Betrag von 50000 Mark überwiesen.

Eine Studentin als Preisträgerin. Aus Er­furt wird uns geschrieben: Bei der Rektoratsübergabe an der Universität Leipzig fand auch die Verteilung der Preise für die von den verschiedenen Fakiiltäten ausgeschriebenen wissenschaftlichen Preisaufgaben statt. Von den Bearbeitungen des von Wilh. Wundt von der philosophischen Fakultät vorgctchlagenen ThemasTaS Ornament in der Kunst der Naturvölker" wurde die Arbeit der Studenffn der Kunstgeschichte Elisabeth Wilson aus Er­furt mit dem Preis ausgezeichnet. Es ift dies seit der 1906 er­folgten ersten Zulassung von Frauen zur Jmmatrikulatton an der Universität Leipzig der erste Fall, daß eine Fra u Preis­trägerin wurde.