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25.10.1913 Zweites Blatt
 
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Zweites

165. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

gestaut-

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als Person darstellt, weil es den geistigen Mittelpunkt, das Haupt der Gemeinde bilden soll.

Liegt nun die alte Klinik in diesem Sinne gut? Ver­kehr ist wohl dort oben, aber nur zum Bahnhof und zu den Kliniken. Ein Platz ist nicht da, auch keine schöne breite Straße. Breit ist sic wohl, die Liebigstraße, aber in diesem oberen Teil doch gewiß nichtschön"! Ter Berg in einer graden Straße ist, vom städtebau-künstlerischem Stand­punkte aus, iTic schön. Man hat im Weitergehen nicht Ge­bende vor sich, sondern Luft, man sieht nicht die Bestand­teile der Stadt, die man betritt, sondern das leere Nichts, hier in der einen Richtung nochverschönt" durch Eisen­bahngleise und leere Wagen. Wie es unsere Vorfahren gemacht haben, einen Buckel in der Straße zu verdecken durch Abbiegen der Häuserwand an der höchsten Stelle und andere Mittel, gehört nicht hierher. Auchpraktisch" ist die LiebigstraßeGlicht für den Verkehr, der ihren oberen Teil benutzen "muß. Wer hat sich noch nicht darüber geärgert, daß er den Bahnhof vom Selterstor aus nur in einer 2-Linie er­reichen kann? Es wäre eine besondere Aufgabe für den Städtebauer, hier Besserung zu schaffen. Eingeklemmt zwi­schen eine buckelige Straße und den Eisenbahneinschnitt von dem Lärin und dem Ruß der Bahn will ich nicht sprechen, weil die Bahn dort doch bald verschwinden muß. Dieser geradezu unwürdige Zustand an der Frankfurter- und Liebigstraße darf in einer Stadt von Gießens Größe und Bedeutung Nicht mehr lange dauern, an zwei Haupt­straßen, deren Verkehr gewiß nicht ins Rathaus führt, dort sollte für alle Zeiten das Gießener Rathaus liegen? daß alle Bürger erst den Berg hinauf steigen müßten, um zum Mittelpunkt" der Stadt zu kommen? Nein! Das hat sicher auch unsere Stadtverwaltung nicht im Sinn. Es ka n n sich nur uni ein Provisorium handeln. Ich möchte noch erwähnen, daß auch die Lage der jetzigen Bürger­meisterei nicht die richtige ist für einen Rathausneubau. Wenn auch von der Süd-Anlage her ein freier Blick und eine Platzgestaltung eveirtuell möglich wären, die Entfernung vom'Verkehrsmittelpuntt ist doch zu groß im Verhältnis zur Größe der ganzen Stadt. Der kürzlich gemachte Vor-

sucher auch nur einen Augenblick im Glauben sein können, die Stadt Gießen habe dort ihr Rathaus für die Tauer ein­gerichtet. Soweit die Lage.

Ter bauliche Zu st and des Gebäudes läßt auch nur die Einrichtung eines Provisoriums zu. Für einen modernen Rathausban sind die Flure und Treppen zu dunkel ein Uebel, das kaum gut zu machen ist die vorderen Zimmer zu tief (vom Fenster bis zur Flurwand fast 8 Meter!), die Fenster zu klein, die ebener Erde gelegenen Räume zu feucht, u. a. m. Kurz: ein Kasernengrundriß paßt nicht für ein Rathaus, wie schon sehr richtig gesagt wurde und ein alter nicht unterkellerter und nicht isolierter Bau kann nur mit sehr großen Kosten trocken und hygienisch einwandfrei ge-

bogis aus Genf eine stimmlich und technisch vollendete Juterprc tin sanden, wollten sich ebenfalls nicht in den Rahmen sugem

Ueber Otto Lohses nicht minder bedeutsame Tätigkeit als Wag nerdirigent werden wir bei nächster Gelegenheit berichten.

Leipzig, Oktober 1913. .

Dr. Heinrich Roc 1 c.

DieSiehener ZamttiendlStler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS wKrdsblott für den Kids Siehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Samstag, 25. VNober 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

rungsbedürftig: alle Eisenteile, Schlösser, Beschläge usw. sind im ganzen Hause verrostet und müßten durch neue ersetzt wer­den. Der Verputz ist auf den innerenLchmstcin"-wändcn an vielen Stellen lose, müßte abgcklopft und erneuert werden. Die Fußböden sind teilweise sehr schlecht: zu den Zimmern geht man oft eine Stufe aufwärts. Heizung und elektrische Leitungen für Licht, Telephon und Klingelanlagen wären neu einzubäuen. Von Einrichtungsgegenständcn für Befund Entwässerung ist auch fast nichts mehr da. Maler und -iaK zierarbeitcn würden im ganzen Hause notwendig. Und das alles nur für wenige Jahre! . .

Das Liebigmuseum, die alte Klinik und die letzigc Ohren klinik bilden eine noch immer gute und schöne Baugruppe zu sammen, wenn nur der Zerfall nicht zu deutlich zu erkennen wäre. Es wäre schade an diesem Beispiele alten, in geldarmer Zeit entstandenen Stiles zu ändern und zu verderben. Daß man aber ein für fast alle Zwecke unbrauchbares Gebäude nun alsDenkmal" für alle Zeiten bestehen lassen soll, das ttt a n ch n i ch t mein Sinn. Was überlebt ist, gehört weg aus der Welt, und wenn es auch noch so schön wäre. Ausgenommen besonders charakteristische und kunstvolle Bauten, aus deren Studium die Nachwelt lernen kann. Es bleibt sehr zu überlegen, ob die Stadt nicht besser daran täte, das Haus aut Abbruch zu verkaufen, ehe sie neues, verlorenes Geld hinein- ^^'Doch diese Erwägungen gehören nicht hierher. Es sollte nur gesagt werden, daß die Verlegung der städtischen Acmter in die alte Klinik nur alsProvisorium" Überhaupt denkbar wäre, und daß für diesen Zweck so wenig wie möglich am alten Bau verändert werden dürfte. Ob die Einrichtung eines sol­chen immerhin recht kostspieligen Provisoriums zur Zett not­wendig ist und wirklich nutzbringend wäre ist eine andere Frage. -choen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: Redaktiom^El 12. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

Die Gießener Rathausftage.

Die Verlegung der städtischen Acmter in die alte Klinik vom

Die Frau im Buchgewerbe und in der Graphik Dieser Sondergruppe der nächstjährigen Internatio­nalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik in Leipzig wurde durch die Großherzigkeit einer ungenannt bleiben wollenden Dame in diesen Tagen ein besonderer Anziehungspunkt gesichert; eine eigens für die Ausstellung zusammengestellte Privatlamm- lung graphischer moderner Blätter. Nach langwie­rigen Verhandlungen mit dem Künstlerbund und der Künstlcr- genvssenschast war man schließlich übereingekommen, eine ©arnm* hing, die naturgemäß den Verkauf der einzelnen Blätter ausichließt, auszustellen Damit waren aber die Schwierigkeiten noch nicht gelöst: sie waren erst mit einem Schlag aus dem Wege geräumt, als der obenerwähnte Vorschlag gemacht wurde, der vorbildlich wirken möge. Die Leiterin der AbteilungFreie und angewandte Graphik" ist die bekannte Graphikerin, Malerin und Bildhauerin Frau Cornelia Paczka-Wagner, Berlin; sie fordert nun­mehr die graphisch tätigen Künstlerinnen zur Einsendung von Holzschnitten, Kupferstichen, Radierungen, Schabblättern, Vernis Mous ,Steindrucken usw. in schwarz und farbig, auf. Frau Paczka- Wagner wurde die Zusammenstellung der Sammlung zugleich mit dem Vorsitz der Jury übertragen; ihre reife Künstlerschaft bietet Gewähr dafür, daß diese Gruppe der Ausstellung ein einzigartiges Bild der zeitgenössigen graphischen Frauenkunst gibt.

Ein Riesenkuchen. Bei jeder englischen Hochzeit spielt seit altersher der Hochzeitskuchen eine besondere Rolle; er will gleichsam das fünftige Lebensglück der jungen Gatten sym­bolisch andeuten und sttebt daher gewöhnlich einer Große und Breite zu, die ihn seinen eigentlichen Endzweck, gegessen zu wer­den, leicht vergessen lassen. Am weitesten darin ging aber wohl der Hochzeitskuchen, der in diesen Tagen zu der Hochzeit der Herzogin von Fife mit dem Prinzen Arthur von Con- naught mit Fleiß und Mühe gebacken oder besser gesagt gebaut wurde. Denn der Anblick dieses Kuchens gemahnte weniger an ein Backwerk als an ein Werk der Monumentalarchitektur. Auf einer mit allerlei Süßigkeiten gebildeten Basis, die unzählige fürstliche Wappen zeigt, und von Blumenkörben umgeben istz ragte ein ganzer Kiosk, eigentlich ein Tempel empor Sechs maulen trugen das gebackene Rundgewölbe, unter deßen Schutze die.kunst­voll aus Zuckerguß hergestelltcii Gestalten der Neuoermahlten thronten. Tas ganze, reichlich mit Zuckerbewun ^faMucktt Teig- bauwerk wies die für einen Kuchen gar stattliche » ? « 'S weniger als 2 Meter auf, und nach altem Brauche mutzte der Bräutigam, der in diesem. Falle Herosttatendienste verrichtet, mit dem Messer diesen Kuchen tranchieren, um der Braut das erste Stückchen darzureichen.

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macht werden.

Ter Beschluß der Stadtverordnetenversammlung spricht nun von einem Wettbewerb unter den hiesigen Architekten zur Gewinnung von Umbauentwürfen, insbesondere für die Fassade. Wie ist wohl dies Ausschreiben gedacht? Ter eine wird in richtiger Erwägung der Nebenumstande mög­lichst wenig in und an dem Bau ändern, damit es sich als Provisorium, als Notbehelf, offen zeigt und möglichst wenig Geld kostet. Man müßte sich eben dannbehelfen" in der Not". Tem würde dann wahrscheinlich die Stadtverord­netenversammlung zurufen, wie kannst du Vorschlägen, daß unsere Beamten in solchen Räumen sitzen sollen. Wenn wir weiter nichts wollten, wie den alten Kastennot"dürftig wicderherstellen, brauchten wir keinen Wettbewerb. Ganz meine Meinung! Ein anderer Bewerber wird versuchen, den Bau innerlich und äußerlich zu einem richtigen modernen Rathaus zu machen. Er muß dann Fenster vergrößern, Risa­lite oder Vorbauten anbringen, damit dem Riescnviereck eine andere Form beigebracht werden kann denn der moderne Stil verlangt eine wenn auch geringe Gliederung, er muß innen fast alle Wände umstellen, ein neues Dach aufsetzen, kurz: Es könnte kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Das ist natürlich viel zu teuer für einenNotbehelf". Alles was aber dazwischen liegen könnte, wäre vom Uebel, denn es wäre nicht gehauen und Nicht ge­stochen; es bliebe eine Gewaltkur, die niemals zum Guten führt. Da die im Preisgericht sitzenden Baukünstler, wie sie die Stadtverwaltung zweifellos heranziehen würde, nur dem Entwurf den Preis zuerkennen könnten, der unter mög­lichster Sparsamkeit im Aeußeren wie im Inneren den Cha­rakter und den Stil des alten Baues beibehielte, erscheint ein Wettbewerb wirklich nicht nötig. Die Verteilung der Räume im Innern ohne wesentliche bauliche Aeiiderungen ist woh nicht so schwierig, und wie man das Haus im Aeußeren herzu­richten hätte, kann man am Liebigmuseum sehen, dessen Er­haltung im alten Zustand doch gut gelungen ist.

Eine solche Instandsetzung des Baues kostete immerhin schon Geld genug. Fenster und Türen sind alt und ausbesse-

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhejjen

;^ons

Wq Preise]

Der neueNrupp-Prozeh".

+ Berlin, 24. Dft.

Ter Vorsitzende eröffnet kurz nach 9 Uhr die Verhandlungen nnd teilt mit, daß er voraussichtlich morgen mit der Zeugen­vernehmung beginnen werde. Zunächst sollen die Direktoren der Firma Krupp vernommen werden

Cs wird in die Vernehmung des angckfagten Direktors C c - cius eingetretcn. Er erklärt: Ich habe selbstverständlich meiner Firma gegenüber die volle Verantwortung für das, was ge,chchcn ist, übernommen. Baldmachdem die Angelegenheit in Fluß ge­kommen war, habe ich beim Aufsichtsrat der Firma Krupp ein T em i s s ions g es u ch eingereicht, was jedoch abg elc h n t wurde, worauf ick meinen Dienst in bisheriger Weise weiter: versah Direktor Eccius schildert dann eingehend seinen Werde­gang bei der Firma Krupp und führt aus: Ich trat bei der Firma 1897 ein, wurde schließlich in das Direktorium beritten und erhielt u. a. das Dezernat für die Preisfestsetzung-Bureaus für in- und ausländisches Kriegsmaterial. Bei dem so großen Umfange der Geschäfte mußte ich vieles meinen Mitarbeitern überlassen, namentlich während der umfangreichen Auslandsrei,en. ^as Dezernat für das Berliner Bureau wurde mir übertragen, als ich mich nach langer und schwerer Krankheit im Süden be­fand Da meine Hauptaufgabe das ausländische Kriegsmaterial betraf, so konnte ich mich um das inländische so gut wie gar nicht kümmern. Das Berliner Bureau sollte den Geschäftsgang erleichtern und -unterstützen. Das Berliner Bureau sollte ferner mit den Wnehmcm Fühlung neunten und Informationen über die die Firma interessierenden Tinge besorgen Der Leiter der Vertretung hat besondere Direktiven nicht erhalten. Selbst­verständlich war es uns in t c r c i i an t, die Preise der Konkurrenz und die ausstehenden Vertrage zu erfahren. Zu den offiziellen Berichten des Herrn v. Schütz kamen später die Geheimberichte des H e r r n B r a n d l. Darüber, daß diese nicht unterschrieben waren, habe ich mir Gedanken nicht gemacht. Ebenso über die Art, ivie sich Brandt seine Informationen versck-affte. L>ein Verkehr

Leipziger Musilbricse.

Die folgenden Zeilen sollen aus mancherlei Gründen nicht als musikalische Kritik angefaben werden. Sie stellen Schilderungen lebhafter Eindrücke, Bekenntnisse eines begeisterten Künstlerherzens dar und haben also einen völlig objektiven. Charakter. An anderer Stelle können sie sowjohl einmal kritischen Betrachtungen zum Ausgangspunkt dienen, die sich weniger mit der Person des Künst­lers als mit dem Wesen, der Wertung und der Darbietung der musikalischen Kunst befassen werden.

Am 7 Oktober spielte Herr Wilhelm Backhaus im städtischen Kaufhaus. Wie viele seiner hiesigen Verehrer war ich äußerst überrascht, da er sich als ein wunderbar gestaltender, poettich tief Empfindender Voriragsküustler zeigte. Diese Wandlung hatte vor einem Jahr wohl niemand vorausahnen können. An sich ist en der rechte Typus des klassischen Virtuoseii, der mit schrankenloser, nie versagender Technik die eminentesten Schwierigkeiten über­windet und auch im Vertrag äm unfehlbarsten da wirkt, wo er mit urwüchsiger Kraft nachschaffen kann.. So wußte er durch eine acrabew monumentale Wiedergabe die jo ost mißhandelte zweite Rapsodie von Liszt zu einem ganz neuen Tongebilde umzugestatten. Aber wie schon oben angebeutet ist seine Leier viel modul- lationsfähiger, die Ruaneenskala seines Anschlags ungemein reiche«? aewordeu So konnte er mit seinem Vortrag, der letzt vom be­rückendsten pianissinw, vom flüsternden sotto voce bis zum vollsten orchestralen^forte über alle miii'ikalilckfen Ausdrucksmoglichkeiten frei verfügt die Mondscheinlyrik der Romaistik wirklich lebendig erklingen lassen. Da wiegten sich die 'bäume, vom Wind umkost, im Waldesrauschen" (Lisztft murmelnd eilte das Bachlein dahin < Fch stört ein Bächlein rauschen" Schubert-Li, ztft ein,am wan- betaber Freund im Frühlingsgarten (Adelaide" Beethoven-Likt^. ^ii tönenden Perlen gestalten stch die grazwsen Passagen in Schu­berts B-dur-Jnipromptu unter den Händen des Spielers,, der auch die kindlich naive Eleg-anz des gottlicktzm Franz (Soirae de Vimne 2>dur Schubert-Liszt, mit liebkosender Hand den Tasten entlockte Den echten Schuinann ließ Herr Backhaus aus der gro­ßen fis-moll-Sonate zu uns reden - so schwärmerisch und ver- E''tJ i mir ihn altle kennen und heben. Ganz meisterlich! gelangen ^eni Künstler dfa außerordentlich schnneriMi Variatio­nen Ä^r ein Originalthema des Jungpolen Jules Wertheim, der darin unstet und nervös hinundherslatternde Gedanken musikalisch festtubalten sucht Die Vaterstadt ehrte ihren weltberühmten Sohn S tofanben Seifaasftürmeii und nicht endenwollenden vervor- f%n Gegensatz zu dieser jugendlich stürmischen Meisterschaft leiate uns der Beethovenabend des Herrn Frederic Lamond (14. W bi? gaS nach innen.gerichtete Kunst des reifen Mann^ Die äondns früher viel umstrittene Jnterpretattonsweile des, «fl 5 Beeistovenspieler genannten Künstlers wird mit f alte A«.h--Mkeiten ihrem mmw. £ Sachen auf die Intentionen des Komponisten und ihrer nianchnml fast eigenwillig strengen Rhythminerung den herben Schönheiten den starken Akzenten in der Tomprache des großen Wieners Mübertrefflich gerecht. Das Programm verzerchnet zum

Beginn die 33 Veränderungen über einen Walzer von Diabelli, C-dnr op 120, die Hans von Bülow vor Zeiten in den Konzert­saal eingeführt hat. Die Wahl einer solcl^n Komposition, die vom Hörer die allergrößte Konzentration verlangt, bedeutet eine offene Absage an allen Effekt, ein Hinabsteigen und entiagungsvolles Vordringen zu den Urguellen des musikalischen Geschehens. Herr Lamond spielte sie Mit einer zu willigem Mitfolgen zwingenden» Vergeistigung. Durch den Vortrag der d-moll-Sonate (op. 31,2), ber 6 Variationen über ein Thema aus dem Ruinen von Athen (Türkischer Marsch) und des Andante fewari (op. 57, s-moll) zeigte er den vielen, die Beethoven nur noch als weltentrückten Genius kennen, die überzeugende Lebensbejahung und Sinnensreudia- keit des Meisters. Die Appassionata bildete den Ausklang. Nicht die schwärmerische Sehnsucht des Jünglings, des reifen Helden gewaltige Leidenschaft sand hierin ihren hinreißendsten Ausdruck. Man inuß es wohl als eine Schmach bezeichnen, daß cm >o außer­ordentlich bedeutsames künstlerisches Ereignis sich vor einem halb- leeren Saal abspielte.

Noch schlechter erging es dem jungen Weimaraner Konzert­meister Robert Reitz, der nur durch Ausgabe von Freikarten eme kleine Schar von Hörern zu einem hochinteressanten Konzert um sich sammeln konnte. Bon Herrn P!rofessor Walter Petzet ,ehr feinfühlend begleitet, brachte er drei alte Violinkonzerte (A-dur von Tartini, D-dur von Pisendel, G-dur von Stamitz) m eigener Bearbeitung mit eigenen recht violin- und stilgemäßen Kadenzen zu Gehör. Diese opfermutige Tat des jungen Künstlers, eines Fachspielers von Ruf, der über einen sonderbaren schmelz des Tones und eine seelenvolle Kantilene verfügt, verdient nicht nur wegen des zum Teil hohen musikalischen Wertes der dargebotenen Kompositionen, sondern auch im Interesse der Musttwisien,chatt den allergrößten Beifall und vor allem eine wirkliche Unter­stützung durch zahlende Konzertbesucher.

In einem anderen jungen Geiger, Herrn Sascha Culbertson, lernten wir ein ganz ursprüngliches technisches Talent und einen Meister des sotto voce-Spiels kennen, dem die Soloionate B-dur von Reger und Mozarts C-dur-Sonate brillant gelangen. Zur vollen Ausdeutung des tiefen Gehaltes der d-moll-Sonate von Brahms und der .Kreutzersonate von Beethoven, deren Klavier­part Herr Otto Nikel mit großer Feinfühligkeit auswendig spielte, fehlte es ihm jedoch entschieden an Kraft des Ausdrucks und Inner­lichkeit des Empfindens.

Im ersten Gewandhauskonzert spielte das Orchester, das einen idealen Klangkörper darstellt, unter Prof. Nikischs hinreißender Leitung Beethovens Egmontouverture und Eroica überwältigend schön. Schade, daß dies einheitliche Programm durch die^Ein- schiebnng von Liszt's Heldenklage, die wohl recht gut zu der Stim­mung der Jahrhundertfeier paßte, in zwei Teile gerissen wurde! Allerdings konnte der berühmte Dirigent, der zum Teil, aus­wendig dirigierte, in der Darbietung dieser mehr interessanten als bedeutenden sinfonischen Dichtung feinte geniale Kunst der Stil stehandlung ins hellste Licht setzen. Drei orchestral aumeputzte Liszttiärer, die Arie der Jole ausHerakles" (G. .3'?- Handel' unb der Monolog der Armida (Ehr. W. .Gluck), die in Frau

baukünftlerischen Standpunkte.

Gießen, 25. Oktober.

Bon ebnem hiesigen Sachverständigen erhalten wir folgende Ausführungen, die zu demselben Ergebnis ckonnnen, wie die meisten der bisher veröffentlichtenEin­gesandts" und sich mit dem von uns vertretenen Stand'- Punkte in allem wesentlichen decken:

Das Rathaus der alten deutschen Stadt lag immer mögi- lichff in der Mitte des Weichbilds, mindestens aber im ver- ri.~T' t " fa* * <nw

Lehrreichsten Teil. In fast allen kleineren und mittleren städtischen Aernter in die alteJMmtf l^t werben. Städten liegt es heute noch am Marktplatz oder einem be- es an einer )o fo^

sonderen Rathausplatz. In manchen Großstädten hat man man ihm gewst»ermaßen am Gesicht lesen können, daß den Neubau des Rathauses nicht am Marktplatz unterbrin- im ßnm.hV, "in können,

gen kdnuen, man hat bann aber stets eine Stelle gewählt an einer recht breiten, verkehrsreichen Straße oder einem neuen Platz, so daß man von verschiedenen Seiten einen guten Blick nach dem Gebäude hat. Eine Ausnahme fällt mir gerade ein: Kassel. Wer wird aber dort nicht das Ge­fühl haben, der Bau müsse an einem freien Platz stehen, damit man ihn besser sehen und genießen könnte?'Warum >gab und gibt man dem Rathaus diese besondere Lage? Zu­erst aus praktischen Gründen, weil der Verkehr zum Rathaus doch nur aus der Stadt selbst, nicht etwa von aus­wärts mit der Eisenbahn kommt. Noch mehr aber aus dem Gefühl heraus, daß dieses Haus gewissermaßen die Stadt

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Salat nnd Kompott Eis 7076 Konzert angeführt von Mitgl. d. Kap. des Kaiser-Wilhelm-Reg.

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schlag, die alte Reitbahn dem Staate abzukaufen und dort unter Hinzuziehung der umliegenden .Hokreiten ein Rathaus zwischen Landgraf-Philipp und Lindenplatz zu bauen, ist sehr beachtenswert. Ter alte Brandplatz ist ja heute unser Marktplatz. Nicht im direktesten Verkehr aelegen, aber leicht erreichbar von dort, wenn vom Kanzleiberg nach der Schulstraße und etwa bis zum Kreuzplatz oder nach dem Markt durchgebrochen würde. Das Spritzenhaus und die Marktlauben müßten natürlich in das Gebiet des Rathauses einbezogeu werden: bann würbe auch bieses zwar neuere, aber boch recht häßliche Gebäube endlich verschwinden.

Also ein Provisorium soll es nur sein, wenn die

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