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größeren Orten van bem Ideal einer übersehbaren Gemeinde jetzt gena! so Veit entfernt wie früher. Erreichet ist nur, daß 'die Uebelstände nid)t in noch größerem Maße um sich gegriffen haben. Das erprobte Mittel der Schaffung neuer Gemeinden muh durck-greifender angewendet werden. Die Zahl der von einem Pfarrer zu pastorierenden Gemeinden ist in einer nicht ganz kleinen Zahl von Gemeinden nach wie vor maßlos hoch, cs gibt in diesen Gemeinden über 10 000 Mitglieder. In weitaus'den meisten Gemeinden steht die Mitgliederzahl auf einer Höhe, die eine intensive Seelsorge ausschtießt, nämlich aus 5 bis 10 000. Wir müssen dahin arbeiten, daß nicht allmählich solche Notzahlen als Normzahlen angesehen werden. Die Gliederung der großen Gemeinden in Seelsorgebezirke ist noch nicht ganz allgemein durchgedrungen, aber sie bat sich in etwa sieben Achtel der Gemeinden durchgesetzt. Die völlige Durchführung, von Ausnahmen abgesehen, ist nur eine Frage der Zeit. In der praktischen Ausführung hat aber der Gedanke der Seelsorgebezirkc vielfach einen guten Teil seines Inhalts verloren. Nur in toenigen Gemeinden sind die Bezirke lebenskräftige Organismen geworden, in sehr vielen bedeuten sie nur einen Vcrteilungs- modus für ein größeres oder kleineres Stück der pastoralenArbeit. In einer ganzen Reihe größerer Städte stehen sie nur auf dem Papier, ohne in eine mannigfache Gestaltung ihrer Organisation in Anpassung an die Praxis entgegenzutreten, ist doch die möglichst klare Durcharbeitung des Prinzips zu fördern. Das persönliche Gcmcindetum in Verbindung mit völliger interparochialer Freizügigkeit macht noch heute gerade in einer Reihe der größten Städte alle Bemühungen einer ersprießlichen Gemeindcvrgani- sation illusorisch. Es isr anzuerkennen, daß alte berechtigte Gründe die Beseitigung dieser Schädigungen nicht zulassen. Aber die Zukunft der evangelischen Kirche fordert gebieterisch diese Trennung. Die weitaus größte Zahl der Gemeinden besitzt ein ausgebildetes Vereinsshstem und zeigt so, daß das Vereinswesen gegenwärtig einer^ Art Krisis unterliegt. Die Anschauung, daß die evangelischen Kirchcngemcinden auch den ärmeren und kranken unter ihren Gliedern .Hilfe zu leisten haben, ist langsam im Fortschreiten begriffen. Sic bedarf aber noch weiterer Fort-, Führung. Die Erbauung von Gemeindehäusern ist vorwärts ge-' gangen, sie steckt aber, von Rheinland abgesehen, noch in den Anfängen. Es sind ohne Zweifel ganz erhebliche Fortschritte in der Gemeindeorganisation zu beobachten, ihre Durchführung ist höchst einfach aus dem Drück der tatsächlichen Verhältnisse erwachsen. (Lebhafter Beifall.)
Nach einer längeren Aussprache wurden Leitsätze im Sinne des Vortragenden angenommen. — Die Beratungen werden morgen fortgesetzt.
Aus yeffden.
Die Orden?gesetzgebung in Hessen.
Auf den an die Zweite Kammer gerichteten Antrag des Zentrumsabg. Dr. Sch mi t t in betreff der religiösen Orden und ordensähnlichen Kongregationen veröffentlicht heute die Großh. Regierung eine längere Antwort, in der ausgeführt wird:
Der Umstand, daß der Antrag kerne ins einzelne gehenden Forderungen enthält, sondern nur den allgemeinen Wunsch nach einer Abänderung der Gesetze vom 25. April 1875 und 1. JUni 1895, und die Abänderung nur insofern angedeutet wird, als beantragt wird, namen-tlich d.e schweren Ausnahmen von dem Grundsatz: „Gleiches Recht für Alle" zu beseitigen oder doch insoweit zu mildern, als den Ordensleuten eine freiere Tätigkeit in religiöser, charitativer und sozialer Richtung ermöglicht werde, zwingt die Regierung, eine kurze Darstellung des heutigen Standes der Ordensgesetzgebung im Großherzogtum zu geben und im Anschluß daran die wesentlichsten Wünsche zu erörtern, die von kirchlicher Seite inbetreff der Revision derselben geäußert worden sind. — Die Regierung geht alsdann auf die vier in Hessen bestehenden Orden und ordensähnlichen Kongregationen näher ein und zwar welche sich 1. der Uebung der christlichen Nächstenliebe widmen, 2. Unterrichts-- und Erziehungszwerke verfolgen, 3. Aushilfe in
der Seelsorge leisten und 4. ein mehr beschauliches Leben führen. Bezüglich der ersten Kategorie wird von der Regierung zugegeben, daß ein Bedürfnis nach Erweiterung der Ordenstätigkeit der krankenpflegenden weiblichen Orden und Knngregationen in einem gewissen Umfange besteht. In Preußen sei der Negierung nach dem Gesetz vom 21. Mai 1886 die Möglichkeit gegeben worden, den krankenpflegenden Orden und ordensä'hnrchen Kongregationen die bezeichnete charitative Beschäftigung (Pflege und Leitung in Waisenanstalten, Armen- und Pfründuerhäu- sern, Rettungsanstalten, Asylen und Sck)utzanstalten, Mägde- häusern, Lehrlings- und Gesellenhäusern usw. i als Nebentätigkeit zu gestatten. Tie Regierung erklärt, daß sie gegen eine Anlehnung an die preu,rische Gesetzgebung in diesem Punkte keine grundsätzlichen Bedenken habe.
Zu Punkt 2 wird erklärt, daß die Regierung keine Bedenken tragen werde, bei dem Orden zum guten Hirten, der sich haupsjächlich mit der Pflege und Leitung von verwahrlosten Mädchen beschäftigt, die Beschränkungen falten zu lassen, die ihn in der Erfüllung seines gemeinnützig?n Zweckes behindern und den Orden demnach den iranünr- p siegenden Orden gleichzustellen. Weiter würde die Regierung bereit sein, zur Leitung der beiden kathol.schcn Knabenerziehungsanstalten in Kl.in-Zimmern und Drais, die der Aufsicht der obersten Schulbehörde unlerstehen, auS- nahmsweise die Zulassung einiger Mitglieder eines deutschen Männerordens zu genehmigen, ins en Angehörige die erforderliche Vorbildung besitzen und die Gewähr bieten, daß sie die Zöglinge außer in relig.ös-ittlichem, auch in nationalem Geiste zu erziehen in der Lage sind. Die Regierung ist auch geneigt, einer Abänderung des Gesetzes vom 23. April 1875 zuzustimmen, daß den fünf Prival- Unterrichtsanstalten der Englischen Fräulein in Darmstadt, Bensheim, Mainz, Bingen und Worms gestattet werden kann, dem Orden angehörige Lehrkräfte auch über den Bestand vom 1. Oktober 1874 hinaus anzunehmen, soweit dafür ein Bedürfnis von der Schuhabteilung anerkannt wird
Zu Punkt 3 erklärt die Regierung, es werde kirchlicherseits auf die Zulassung des einen oder andern Ordens zum Zwecke der Aushilfe in der Seelsorge besonderes Gewicht gelegt. Es beständen nun aber in Hessen zwei Niederlassungen des Kapuzinerordens (Mainz'und Disburg) mit zusammen elf kirchlichen Mitgliedern, die vorübergehende Aushilfe in der Seelsorge leisten. Deren Tätigkeit habe bis jetzt zu Klagen wegen Störung des konfessionellem Friedens nicht geführt und es erscheine daher als das Nächstliegende, der Regierung die Befugnis einzuräumen, eine der Vermehrung der katholischen Bevölkerung entsprechende größere Zahl von Kapuzinern zuzulassen.
Dagegen zu Punkt 4 dem werblichen Orden der ewigen Anbetung mit einer 35 Mitglieder zählenden Niederlassung in Mainz zu gestatten, seine Mitgliederzahl über den Stand vom Jahre 1874 zu erhöhen, liege kein Grund vor Die Regierung errlürt schließlich, daß sie beabsichtigt, ben Ständen einen Gesetzentwurf vorzutegen, in welchem sie eine Abänderung der bestehenden Ordensgesetz g ebu n g in den vorstehend angedeuteten Richtungen vorschlägt, „soweit nicht etwa die landständischen Erörterungen über den vorliegenden Antrag die Aussichtslosigkeit eines gesetzgeberischen Vorgehens ergeben sollten".
Ein Vortrag des Generals Keim in Darmstadt.
bs. Darmstadt, 22. April. Der Begründer des Deutschen WchrverernS, der Generalmajor fteim, sprach heute abend im großen Saale der Darmstädter Turngemeinde vor überfülltem Hause über bie „Weltlage und die Wehrsrage". Anwesend waren u. a. die Minister von Hvmbcrgk und Tx Braun, sowie viele höhere Offiziere der Darmstädter Garnison. a.er Einberuser der Versammlung, der Rechtsanwalt Dr. Bopp,
wies in seinen einleitenden Worten auf die drohenden Zeichen ant politischen Wetterhimmel hin, die nickt mißverstanden werden dürften. General Keim führte aus, die Wehrmacht des Teutsck>en Reiches erfordere eine Stärkung in dem Maße, wie sich die Gefahr eines Angriffes gegen uns mehre. Ter Balkankrieg sei nichts anderes als ein Wetterleuchten. Der Redner behandelte and? die letzten Vorgänge in Nancy und Lnneoille, die so recht die ■Stimmung wiedergegeben hätten, die in der französischen Bevölkerung gegen uns herrsche. Den Begriff Chauvinismus legte Keim dahin aus, daß sich mit ihm notwendig auch der Wille zum Landerwerb verbindet. So_ betrachtet, gäbe es wohl in ganz Deutschland nicht einen rinzigeu Chauvinisten. Weder nad) Osten, noch nach Weßcn beabsichtigen wir unsere Grenzen zu erweitern. Ter Wehrverein, führte der Redner weiter aus, bat den Anstoß gegeben, daß im deutschen Volke die Erkenntnis der Notwendigkeit einer stärkeren Wehrmacht erwacht sei. Was die letzte Webrvorlage bringt, ist nichts anderes, als waS der Wehrverein seit seinem Bestehen forderte. Ter Verein soll aber and) das Gefühl der Verantwortlichkeit in die Bevölkerung fragen helfen. Tic politische Verantworuicklrit darf nicht nur auf einige wenige abgenützt werden. Tie Ereignisse m Luneville beleuchtet Keim indem er sagt: War denn niemand in dem Luftschiff, der ein.Streichholz in der Tasche hatte'? Mußte ein deutsches Luft- schisf iit Feindesland landen? Und in Nancy hätten sickj Deutsche schmählid) verprügeln lassen, ohne sich zu wehren!
Nack) Keims Ausführungen, die oft vom Beifall unterbrochen wurden, dankte Oberbürgermeister Schäfer dem Redner. Nicht durch Erheben von den Sitzen oder bind) Bravo solle man das tun, sondern durch die Tat. — Tie Ortsgruppe Gießen des Wehrvereins war durch Geh. Regierungsrat v. Jhering Bei der ^Ber* fammlung vertreten.
Prirrz-Heinrich-Flrrg 1913.
_ Ter Verein fiir Luftfahrt in Gießen hat mit der Deutschen Luftschisfahrts-Akt.-Ges. ein Abkommen getroffen, demzufolge am Tage des Prinz-Äeinrich-Flugs ein Z epp e lin- luftschiff und zwar entweder die „Viktoria Luise", die am1 27. Oktober v. I. bereits hier war, oder das ganz neu erbauta Luftschiff „Sachsen", nach hier kommen wird. Tas Luftschiff unternimmt — selbstverständlich) günstige Wetterlage vorausgesetzt — eine R ii n d f a h r t von Gießen dem L a h n t a l entlang nach dein nördlichen Taunus und zurück nach Gießen, um nach dem Passagierwechsel die Rückfahrt nach Frankfurt anzu- treten, die über, e inen Teil O b e r h essens führen! soll. Tie Landung findet wieder auf denn Trieb statt, wo bekanntlich auch die Flieger, niedcrgch n und wieder aufsteigen tutö ist auf etwa 9 Uhr an gesetzt. Die Lahnrundfahrt ivird etwa 65 Kilometer mit einer Stunde Fahrzeit umfassen, während die Rückfahrt nach Frankfurt etwa 1V2 Stunden dauern wird. ES ist dem genannten Verein gelungen, einen verhältnismäßig billigen Fahrpreis ifrit erzielen, wobei seine Mitglieder noch einen besonderen Vorzugspreis genic;:cn. Ilm ein Bilo über die Beteiligung zu gewinnen, ist eine umgehende Meld u n g notwendig.' Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. Bemerkt sei noch, daß an der Rundfahrt 12, an der Rückfahrt 10 Personen teilnehmen können. Wcr jemals eine Zcppclinfahrt mitgemadü hat, dem werden die Eindrücke, die er gewonnen hat, unvergeßlich bleiben und er wird den Wunsch haben, sich sobald als möglich wieder diesen berriidjen Genuß zu verschaffen. Wer aber noch keine Gelegenheit zur Mitfahrt hatte, der soll sie jetzt wahrnehmen. Die zu Pfingsten geplanten Fahrten werden in Verbindung mit dem Prinz-Hcinrich-Flug für die Zeppelin-Mitfahrer nnvcrglcich- hdje Büder abgeben. Wald und Feld im Frühlingsscknnuck, Gießen im Festkleid zum Empfang des Großyerzogs und des Prinzen Heinrich, abertausende von Menschen als Rahmen um den Flugplatz und auf ihm die Elite unserer deutschen Offizier- und Zivilflieger, Momente die der Pfingstfahrt ein Gepräge geben, wie es sich dem menschlichen Auge nur ganz selten bieten dürfte.
AlS annenebme Abwechselung in der einförmigen Diät der Rekonvaleszenten gibt es nichts besseres als die M1 u f e f e "-Gerichte, tue nach dem ,, Nufeke " Kochbuch leicht und billig hemustellen sind. „Mittel c" kann in Milch, Suppen und Gemüsen gekocht meröen. Die damit bereiteten Speisen zeichnen sich stets durch besonderen Wohlgeschmack attü; io schmeckt z. V. Hammelfleischsuppe mit „ St u r e t c " gekocht wie Schildkrötensuppe. hvltVs
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