Arbeiterbewegung.
Stuttgart, 26. Juli. Die der Deutsche Metallarbeiterverband mitteilt, hat die Abstimmung in der heutigen Versammlung der Streikenden der Firma Robert Busch mit allen gegen zwei Stimmen beschlossen, die Arbeit bei der Firma geschloßen wieder auszunchmen und zwar zu den Pedin- gungen, die zwischen dem Verband der Mctallindustriellen und dem deutschen Metallarbeiterverband vereinbart worden sind.
0 M a r b u r g , 27. Juli. Eine gestern abgehaltene öffentliche Bauarbeiter-Versammlung beschloß nach den Vorträgen der Herren Schleicher Frankfurt und Reichslagsabgeordneten Hüttrnann-Cassel den Ausstand sortzufeyen, besonders deshalb, weil die aus dem Untcrnehmervcrband ausgetretenen Bauunternehmer unter Nichtachtung der für ganz Deutschland festgelegten Tarifsätze cs anscheinend einzig und allein auf die Vernichtung der Arbeiter- Organisation abgesehen hätten. Bemerkt sei, daß die Unternehmer der Einladung des Oberbürgermeisters, der die Sache beilegen wollte, keine Folge leisteten, während die Arbeiter erschienen waren. Der Ausstand dauert jetzt schon 10 Wochen.
Ausland.
Prag, 26. Juli. Die dem konservativen Großgrundbesitz angehörigen Mitglieder des L a u d c s a u s s ch u s s e S haben m der Landesausschiißsitzung am 23. Juli im Anschluß an d,e Erklärungen des OberstlandmarschaNs die Niederlegung ihrer Mandate erklärt mit der Bemerkung, daß diese Nieder- lequng gleichzeitig mit der Demission dcS Oberstlandmarschalls in luiirrianueit trete.
271 S“!4, ?,ic »wiener Zeitung" veröffentlichte ein rat|erlid)c3 Handschreiben an den Grasen S1 ürgk b, in dem in. in landesvaterlicher Fürsorge für daS .Königreich Böhmen, -dessen autonome Verwaltung nunmehr zum völligen Stillstand ge- kommen i|t, kralt seiner Regentcnpflicht Anordnungen tra«, die die Ä- ,btc'cc Verwaltung in die Hand von Pcisönlichkeiten
Wahl legen und durch die Erschließung einzelner zur Deckung beMmuiten Einnahmeguellen er.nögUchen sollew ES ist der Wunsch deS Kaisers, daß an die Stelle der durch hüfhM?' ‘ notwendig gewordenen Einrichtungen
baldigst eine neuerliche gedeihliche Wirksamkeit der versassungS. mäh,gen Organe der Laudesautonomie treten konnte, ivoiür die h?ihr°l!elevertrauenvolleS Zusammenwirken der beiden daS Land be,vohnendeu Volksstämme bilde.
„ ,*Ä8* ’spanische KöniaSpaar ist »heute unt ag über (Sala, •> nach E ngland abgereist.
Washington, 27. Juli. Die bekannt gegeben wirb, werden dcm vorge chlageuen Vertrage mu Nicaragua Acndcrunae , vorgenommen, sodaß diesem otaatc erlaubt wird, sich jeder Unio anzuschließcn, die von den mittelamerikanischen Staaten gegründe .werden sollte. Las tvchleit einer solchen Bestimmnng soll bei den ^andereii mittelamerikanischen Regierungen, von denen solche Union ffett langem geivunschl wird, Argivohn erregt haben ES ,oird .erklärt, daß daS tatsächlich bestehende Protektorat Amerikas Über 'Nicaragua von diesem Lande und nicht von den Vereinigten [Staate» angeregt werde.
Hank a u, 26. Juli. Nach Meldungen an« N i u k i a n g begannen die N o r d t r u p v e n gestern a 11 q e m c i n den Vo r marsch. Die Aufständischen haben sich in Unordnung zurück- .gezogen. Tie Nordlruopcn überschritten den Fluß und besetzten die Eleianten-Insel, von >vo sie die Hukau-FortS beschießen. Heute er- 1 baten über tausend Ausländer, meist Frauen und Kinder, in Kukina -Schiffe zum Schutz
Hongkong, 27. Juli. Nach Meldungen aus Kanton wird f-dort die baldige Ankunft mehrerer japanischer D a n, v l e r , mit Walken iinb M nnition für die Revolutionäre erwartet .Ein verläßlicher Berichi meldet, daß etwa 50 Japaner in die »Kanton-Truppen eiugetrelen sind.
“5art' dir türkische Regierung sei fest entschlossen, die Maritza- Linil^ nicht zu überschreiten
osia, 27 Juli Die Türken steckten in Chibibt- schew an bet alten türkisch-bulgarischen Grenze die beiden dortigen Bahn<hoic in Brand.
Petersburg, 27. Juli. Da eine befriedigende türkische Antwort auf die Kollektivnote der Möchte nicht erfolgt ist, so findet schon jc&t auf die Initiative Rußlands ein weiterer Meinungsaustausch unter den Mächten statt. Rußland besteht auf ^ncr Flottendemonstration: der Zar ist gegen alle Gewaltmittel.
Varis, 28. Juli Laut „TernpS" hat sich der Zar bei ber gestrigen Konferenz mit dem Ministerpräsidenten Ko - kowzew und dem Minister des Aeußern, Sasonow, über bic türkische Aktion sehr ungehalten gezeigt und in diesem speziellen Falle die Leitung der russischen auswärtigen Politik persönlich übernommen. Nach einer anderen Blättermelbung ist ber Beschluß Nußlands, die Türkei zur Respektierung des Lon- boner Vertrages zu zwingen, unwiderruflich. Die russische Rc- gtcrung habe beschlossen, der Botschaftrkonfevenz vorzuschlagen, RuslandzumMandator Europas gegenüber der Türkei ju - rnennen, falls keine europäisch Macht sich einem gemeinschaftlichen Vorgehen anschließen sollte.
K o n st a^n tinopel, 27. Juli Nach Mitteilungen von Vertretern Der Triple-Entente, ist aus dem letzten Telegramm König Earols an den Sultan zu entnehmen, daß Rumänien allein, ober mit bulgarischen Truppen zusammen, Abrianopel besetzen werde.
Konstantinopel, 27. Juli. Der Minister der Oefsent- licbcn Arbeiten, Osman Nizami Pascha wurde in besonderer Mission nach Sondern entsandt. Man glaubt, daß er damit betraut sei, eine günstige Haltung Englands in der Frage ber Desetzung Abrian opels durch die Türken zu erzielen.
Die Cholera breitet sich auS.
Belgrad, 26. Juli Amtlichen Berichten zufolge würben innerhalb des Königreichs Serbien bisher 4 0 0 Chole r a f ä l l e konstatiert, von denen 16 1 tätlich verliefen. Unter ‘den Cholera kram en befinden sich 348 Soldaten. An der Cholera starben 138 Soldaten. In Belgrad iinb bisher 118 Cho - leraerTranfungcn festgestellt worben, wovon 4 8 tötlich verliefen, davon sind 106 bezw 42 Soldaten.
2rieft, 26. Juli. Amtlichen Berichten zufolge ist in Saloniki die Cholera ausgcbrochcii. Daher nxrben alle Provenienzen aus den Häsen längs des Küstengebietes, die sich vom Bosporus bis zum Golf von Soloniki und der alten griechischen Grenze erstrecken, gemäß den einschlägigen Bestimmungen behandelt.
Verschiedene Meldungen.
Konstantinopel, 27. Juli. Die Schiffahrt auf der . Donau ist wieder gestattet. Die Brücken bei Carabia und Turnu-Magurelc werden täglich zu bestimmten Stunden geöffnet.
Athen, 27. Juli. Tie Hasenbirektion in Saloniki beschlagnahmte auf telegraphischen Befehl des Marineministeriums einen Nahrungsmitteltransport für Rechnung der bulgarischen Regierung auf den Dampfern „Gtambu V und „M udros" der deutschen Levantelinie. Auch die Dampser wurden beschlagnahmt. Die Waren sind größtenteils deutscher Herkunst. Gegenüber der Behauptung der Reederei, es handle sich um keine Montrebanbe, wurde auf bic Signatur „Bulgarische Armee" hingewiesen.
Wien, 26. Juli. Die Albanische Korrespondenz meldet aus San Giovanni bi Mebua: Unter Teilnahme von Vertretern der internationalen Kommission in Sfutari werden in San Giovanni bi Mebua und Alessio nach der jetzt erfolgten Räumung ber Orte durch bic Montenegriner autonome albanische Behörden eingesetzt.
Land es Universität. Der Großherzog hat den auvcretatsmaßigen außerordentlichen Professor Dr. Hans K öppe in Gießen zum etatmäßigen außerordentlichen Professor für Kinder hei Hunde bei der medizinischen Fakultät der Landes- Universität in Gießen ernannt und den ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Landesuniversität Dr Jol)s Doller in Gießen auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Oktober aus dem Staatsdienst entlassen. — Dr. August Skalweit, Privatdozent an der Universität Berlin, hat einen Rus aus den durch den Tod Magnus Biermers frei gewordenen Lehrstuhl der Staatswissenschaften in Gießen erhalten und angenommen. Skasiveit, geb. 1879 zu Hannover, studierte an den Universitäten Tübingen, München und vor allem Berlin n>0 ©infte, erfnnollcr und Scring seine Hauptlehrer waren Er promovierte 190o in Berlin und habilitierte sich ebendort 1910 ecu 1906 war er ständig Mitarbeiter an der Acta Borussica.' ?? '^uhiahr 1913 wurde er damit betraut, vertretungsweise öaö Gienener Ordinariat zu übernehmen, bas er vom 1. Oktober ab endgültig versehen soll.
~ dlussührung be8 Naturtheaters, die am
eamStaß nachmittag am LudwigSbrunnen hätte ftattfinben joucn, bc§ schlechten Wetters wegen aber ausfallen mußte, and am Samstag abend in Steins Garten statt. Da man JTnnfpn” plötzlichen Verlegung nicht benachrichtigt hatte, konnten wir der Ausführung nicht beiwohnen.
** Zas Kruse'sche Jubilüumskonzert, bas gestern abend m ber Turnhalle an der Nord-Anlage ftatt- fand, erfreute sich eines lebhaften Besuchs. Leiber war der Kammermusiker Heinrich Kruse behindert, an dem Ehren, abend seines Vaters mitzuwirken, an seiner Stelle hatte e« Herr Junker vom Gieyener Orchesterverein freundschaftlich übernommen, das Cello zu spielen. Weihevoll leitTc bic Darbietungen des Abends das von Heinrich Kruie komponierte Streichauartett .Friede auf Erden em, dem sich im ersten Zetl bcd Programms das Konzen der Kruse'schen Schüler
Aus Stafct und Land.
Gießen, 28. Juli 1913.
3um Fall Borngässer.
Da s UrteilimProzeßBorngässerist am Freitag gesprochen worben. Sie Strafe, die der Gerichtshof gegen Leopold Borngässer verhängt hat, ist hart, aber man kann sie gerecht finden, wenn man all das Unglück berücksichtigt, welches er angerichtet hat. Daß sich die Oeffentlichkeit in diesem Falle der Meinung des Verteidigers Kaufmann anschließt, ist nur zu verständlich, und die Seute, die den Strafkammersaal füllten, um die Urteilsverkündung am Freitag mit anzuhören, haben sich sehr enttäuscht gefühlt, daß bei der zweistündigen Verlesung oes Urteils kein Wort fiel über die Bankverbindung des Borngässer. Der Gerichtshof hat aber den Einwand der Verteidigung, daß Borngässer mildernde Umstände verdiene, weil er durch die Machenschaften dritter Personen, die ihn ganz in ihrer Hand hatten, zum Verbrecher geworben, in ber Urteilsbegründung unwidersprochen gelassen, und hat dadurch gerichtet.
Ter Fall Borngässer ist damit erledigt. Etwas anderes sind die Begleiterscheinungen in diesem Prozeß. Sollen wir diese Erscheinungen ohne dtutzanwenbung für uns vorüber gehen lassen, ober sollen wir versuchen, solche Uebclftänbe zu beseitigen? Borngässer soll als ehrlicher Mensch nach Gießen gekommen sein. Die Erwerbung eines ihm aufgezwungenen Bauplatzes und das durch den Bau entstandene Krebitbedürfnis haben ihn auf die schiefe Ebene gebracht. Ist es denn einem strebsamen, ehrlichen Geschäftsmann heute nicht möglich, einen angemessenen Kredit zu erhalten? Muß er denn in die Abhängigkeit von Banken geraten, die ihn rücksichtslos ausbeuten? Wir müssen ohne weiteres zugeben, baß es heute sehr schnür ist, Krebit selbst in mäßigen Grenzen zu erhalten. Die Banken, bie in allererster Linie dafür ba find, bie Genossenschaftsbanken, sie müssen durch Vorkommnisse der letzten Zeit sehr vorsichtig und zurückhaltend sein. Sie.Tonnen nur nach ihren Satzungen verfahren. Auch liegt in den jetzigen geldknappen Zeiten besondere Veranlassung vor, bei der Kreditgewährung Maß zu halten.^ Das darf aber boch nicht hindern, daß die leitenden Persönlichkeiten und der Aufsichtsrat der Genossenschaftsbanken nun einfach ablehnen, wenn nicht alle Vorbedingungen zur Erlangung von tfredit erfüllt find. Nein, man soll und muß einem ehrlichen, fleißigen Geschäftsmann helfen, selbst auf die Gefahr hin, daß man sich mal in ber Person täuscht unb hineinfällt, b. h. Verluste erleibct. Wer ®clb aus leiht, hat natürlich immer ein gewisses Risiko. 9htr volles, gegenseitiges Vertrauen Tann helfen. Das ist es auch, was bic Genossenschasts bau len nötig haben. Die Genossenschaft und insbesondere die Krebitgenossensck>aft, sie ist heute int wirtschaftlichen Verkehr, für bas geschäftliche Leben des Mittelstandes in Stabt unb Lanb unentbehrlich. Sie muß in Betrieb bleiben, ihren Betrieb sogar erweitern, ober es gäbe einen allgemeinen wirtschaftlichen Verfall. Das Vertrauen aller muß sie halten unb zum Gebeihen bringen. Dann muß aber auch sie sich ihrer Pflicht und großen Verantwortung bewußt sein unb bleiben und helfend b a eingreifen, wo gerettet werben lann. — Wir hören übrigens, daß der Invalide Geller bereits einen Anwalt beauftragt hat, wegen Rückzahlung der widerrechtlich dem Konto Borngässer gut gebrachten 4500 Mark Klage gegen bie Herzsche Bank zu erheben, mit ber Begrunbung, baß ber Seniorchef bes Hauses wissen mußte, daß es nicht Borngässers, sonbern das Gelb bes Jnvaliben Gellert war, das aus Amerika gezahlt würbe, unb bas er auf seine ungedeckte Forderung an Borngässer abgetrieben hat.
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** Tagcskalender tue Montag, 28. Juli: Trinker- f u r f o v g e |t c 11 e für Sladt und Landkreis Gießen, Gießen Asler- weg 9. Sprechstunde: Jeden Dienstag abend von 61/,—8 Uhr
Dentsehe» Reich.
B a l e st r a n d, 26. Juli. Der Kaiser arbeitete beute morgen allein und nahm dann den Vortrag deS Vertreters des Auswärtigen Amtes, Gesandten v. Treu t l er, entgegen. Mittags trafen mehrere Kriegsschiffe der Hochseeftolte ein. Nachmittags unternahm der Kaiser einen Svaziergang an Land.
Ter Kaiser besichtigte die vom Gerüst befreite Fr i d tj o s- Statue, nahm über bie einlaufenden Linienschiffe „Kaiser" und „Friedrich der Große* eine Parade ab und machte nachmittags bei schönem Wetter eine Spazierfahrt. An Bord ist alles wohl.
Balestrand, 27. Juli. Der Kaiser hielt heute vormittag den Gottesdienst an Bord der „Hohenzolleru^ ab. Am Nachmittag wurde ein längerer Svaziergang an Land unternommen. Mehrere norwegische Kriegsschiffe sind hier angekommen und im Gfefjorb vor Anker gegangen.
Berlin, 27. Jnli. Im Auswärtigen Amte sand zwischen dem Staatssekretär v. I a g o w und dem Botschafter C a m b o n . ein Notenaustausch über die Regelung des Luftverkehrs zwischen Deutschland und Frankreich statt.
Sasbach, 27. Juli. Der Krankheitsocrlanf des Prälaten Dr. Lender schien seit gestern abend zum Stillstand gekommen zu fein. Der Patient befand sich im Laufe der Nacht und heute machmittag etwas besser. Prof. Dr. M o r a w i (j aus Freiburg, hber den Kranken heute besuchte, sand seinen ’ Zustand nicht hoffnungslos, doch ist heute abend das Befinden wieder- wenig er befriedigend. Ter Groß Herzog verlieh Dr. Lender den Stern z»lm Kommandeurkreuz mit Eichenlaub des Ordens vom Z ä h r i n g e r Löwen.
anreihte, welches zeigte, daß sich bic jugendlichen Dilettanten im Zusammenspiel recht gut hören lassen können. Der zweite Teil des Programms bot einen seltenen Kunstgenuß: er umfaßte Kompositionen von Rubinstein, F. A. Steck, Boigt unb Schumann unb er gab Kammermusiker Willi Kruse Gelegenheit, sich als Meister auf ber Geige hören zu lassen; er entlockte seinem Instrument Töne von einer Weichheit und Klangfülle, welche bie Zuhörer nach jedem Vortrag zu ftür- mifchem Beifall veranlaßten, für den der Künstler bescheiden dankte.
•• Schützenfest. Am gestrigen Sonntag war der Festplatz sehr gut besucht und c§ entwickelte sich, vom schönsten Wetter begünstigt, ein reges Treiben. Die bis jetzt erzielten Schießergebnisse sind sehr gut und lassen heute noch einen sehr heißen Kampf erwarten. Heute abend ist außer den sonstigen Belustigungen ein große? Feuerwerk vorgesehen.
*• Leichenfnnb im Walde. Gestern mittag fand eine Frau beim Beerensuchen in der Nähe der Hochwart die Leiche eines jungen Mannes. Die sofort benachrichtigte Polizei stellte fest, daß es sich um einen seit Wochen vermißten Studenten, den Sohn eines hiesigen Postbeamten handelt. Aeußere Verletzungen an der Leiche konnten nicht wahrgenommen werden, so daß anzunehmen ist, der freiwillig in den Tod gegangene 22 jährige, junge Mann habe durch Gift geendet.
Kreis Schotten.
— Bobenhausen, 26. Juli. Vor etwa 3 Wochen hielt eine elegant unb wortgewandt auftretenbe Kurpfuscherin hier „Sprechstunden" ab. Der Zuspruch war sehr groß, so daß sie etwa 100 Mark vereinnahmte Die zum Teil recht teuren Arzneien folgten dann noch nach Für heule hatte sie wieder ihren Befuch in Aussicht gestellt. Gläubige Pattcnten von weither hatten sich eingefunden. Aber auch ein Gendarm war zur Stelle, um der Wunderwirkenden einen ehrenvollen Empfang zu bereiten. Denn bic Verwaltungsbehörde hatte Kenntnis von dem Treiben der Kurpfuscherin erlangt, unb auch bereits eine Warnung in dem Kreisblatt erlassen. „Die Wunderdoktorin" ist auch tatsächlich heute wieder hierher mit einem Auto gekommen, sie wurde icood) durch das Einschreiten der Gendarmerie verhindert, ihre Praxis auszuüben.
Kreis Friedberg.
(0 Butzbach, 27. Juli. Der Hassia-Bezirk Butzbach—Bab- Nauheim hielt heute unter bem Vorsitze des Mebizinalrats Dr. Vogt in Ober-Morlcn seinen 2 Bezirkstag ab. Die Verhandlungen drehten sich um den Hassiatag 1913 in Hirschhorn unb um den Hassiatag 1914, der bem Bezirk unb bem .firiegeroercin Butzbach übertragen roorbon ist. Der hiesige Stiegcrocrcin und dessen Vorsitzender Medizinalrat Dr. Vogt verbinden mit dem Hassiatag 1914 ihr 40 jähriges Jubiläum.
(f) Nieder-Weisel, 27. Juli. Zum vierten Male als Bürgermeister gewählt wurde unser Ortsoberhaupt Kraus grill. — Sein 25 j ädrige? Dienstjubiläum als Gemeindeforstwart beging ber Förster Becker, der auch Gc- meinbeförster von Hausen ist.
Starkenburg und Rheinhessen.
m. Offenbach a. M_, 27. Juli. Protest gegen die Heranziehung zur Gewerbe st euer erhob eine hier in ber Turnhalle getagte Versammlung ber Heimarbeiter von Offenbach unb Umgebung. Nach einem Referat des Herrn Lotz fprachen ber Lanbtagsabg. Ulrich unb die Beigeordneten Rech und Porth, bic alle bie Auslegung der Steuerbehörde für einen Fehlgriff hielten. Herr Ulrich versprach, bie Stadwerorbnetcn-Bersamm- lung werbe erwägen, ob burch Ortsstatttt im Sinne bes Art. 16 erster Absatz, unb nach bcn Besttminungen des 3. Absatzes dieses Paragraphen etwas für die Heimarbeiter getan werben könne. (Nach Absatz 1 tonn bei einem stehenden Gewerbe und bei eurem bergbaulichen Betrieb ein anderer Maßstab, als der im Gesetz bestimmte, angelegt werben: unb nach Absatz 3 sonnen für einzelne Betriebe nach Genehmigung der AufsichtSbelwrde besondere Vereinbarungen über bie Höhe ber Gewerbesteuerveranlagung getroffen werden.)
h Rüsselsheim, 27. Juli. Dem weitverbreiteten Gerücht bas; bas Groß-Gerauer Kreisamt nach hier verlegt würde, ist jetzt Geheincrat Dr. Wallau mit ber Erklärung entgegengctreicn, baß an eine Verlegung des Amis aus Groß-Gerali nicht zu denken sei. -tucd das Versicheruugsamt und bie Verwaltungsstelle der Ortskrankenkasse für den Kreis Groß-Gerau erhalten ihren Sitz m der Kreisstadt.
Hcsscn-Nassau.
Marburg, 27. Juli. Gestern gegen 6 Uhr abends fuhr in der Nähe des Wchrdaer Weges ein Schüler mit 2 jungen Damen in einem Boot. Die Damen wollten ihre Plätze wechseln, wobei das Fahrzeug nmschlug, so daß die 3 Insassen in das an dieser Stelle sehr tiefe Wasser fielen. Eines ber jungen Mädchen, die 16 jährige Luise Walther aus Bottrop die hier zum Besuch weilte, ertrank, ihre Freundin konnte noch lebend gerettet werden, mußte aber bcfinnung?; los in die Klinik verbracht werden. Der Schüler, der dir beiden Mädchen über Wasser gehalten hatte bis ihn die Kräfte verließen, konnte sich zur Not noch retten.
sl Marburg, 27. Juli. Der christliche Sängerbund d e u t s ch e r Z u u g e in Marburg. Im Anschluß an einen BegrüßuugSabend m der Festhalle am Donnerstag trat am Freitag hier der Vorstand des Christlich:., Sängerbundes deutscher Zunge zu seiner 34. Hauptversammlung zusammen. Der Bund zählt nad) dem letzten Jahresberichte 1170 Gesangvereine mit 28665 Säugern. Heute sand nun in Anwesenheit von etwa 3000 fremden Gästen aus dem großen Platze vor der städtischen Festhalle und in dieser selbst das Jahrcssest der Mitteldeutschen Vereinigung bes Christlichen SäugcrbuubeS statt. Der BuudeSpräsibent, sowie Dr. Lühring aus Frankfurt, Prediger Hermann auS Gießen und andere Herren hielten Ansprachen.
II Wetter, 27. Juli. Im nahen Aniönau starb am Freitag der älteste Einwohner in hiesiger Gegend, der 94 Jahre alte Auszügler Heinrich Lind.
— Bellnhausen, 27. Juli. Hier wurde heute nachmittag ein wohlgelitngeneS, aus dem EbSdorser Gründ zahlreich besuchtes Missionsfest unter Leitung unseres Geistlichen, Pfarrer Eigenbrod-Hassenhausen, gefeiert. Der Fcstplatz befand sich auf einer großen Wiese in ber Mitte bcS Dorfes, auf bem Kanzel und Sitzplätze in praktischer Weise angebracht waren. Festprcbiger waren Dekan Guß mann aus Kirchberg und Pfarrer Bader au5 Marburg. Zwei Posaunenchorc ans WolfShausen unb Ebsdorf begleiteten bic Gesänge. Die Festkollekte betrug 388 Mark.
l. Frankfurt, 27. Juli. Die Jahrhundertfeier der 81er fand gestern ihren Abschluß. Um 10 Uhr vormittags versammelten sich etwa 5000 chemalige Regimentsangehvrige aus dem Kasernenhof, wo sic von den einzelnen Kompagnien bnvirtet wurden. Von 3 Uhr ab erfolgte die Rückreise. Tie Staot Franken hatte mährend, der drei Festtage allen Teilnehmern freien Deiuch deS Zoologischen Gartens und des Palmengartens, sowie Fahrpreisermäßigung auf ber Elektrischen gewahrt.
vermischtes.
• Tic Beerb i gun gderOvser von Carolus MagnuS. Gelseukirdien, 27. Juli. Von der Zechenverwaltung Carolus MagnuS auS sand heilte nachmittag das Leichenbegängnis der 13 Verunglückten statt. Unter bcn Anwesenden waren der Regierungspräsident Dr. von Candr, Landrat Frh. von Wrede-Ale-


