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28.7.1913 Erstes Blatt
 
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Hin

Die darüber aber an

Vie Lage aus -em Balkan.

letzte Londoner Botschafterversammlung ist sich klar geworden, daß, irgend etwas geschehen müsse, dasWie" hat man nicht zu rühren gewagt. In

kehrt war, hatte er nun sreilich reicheren Stoff für seine Ge­schichten. Damals begann er seine ersten schriftstelle­rischen Versuche. Er verfaßte mit 12 Jahren eine Lebens­beschreibung des heiligen Joachim frei aus dem Kopf und schrieb eine gnnac Reihe vonKalendern für Zeit und Ewigkeit", die er mit hübschen Zeichnungen versah. Die Bilder wurden oft mit Naturfarben, Ziegelmehl, Ruß, Erdgrün usw. bunt ausgemalt- Was er so beim trüben Kienspanschein abends zusammengedichr-t, das legte er dann in der großen Stube beim Gemeindenorstand Haselgraber auf Tisch und Fensterbretter, wo es alle lesen konnten. Eins dieser Geistesprodukte, das er inMs ick noch jung war" mitteilt, ist eine zoologische Studie vom Menschen und beginnt mit den Worten:Der Mensch gehört zur Gattung der Säuge­tiere, erlangt ausgewachsen die Höhe von 6 Schuh und ein Mter von 80 Jahren. Er kommt in allen Ländern vor und ernährt sich von Fleisch, wie auch von Pflanzen. Sein Fell ist glatt. . ."

Gegen Bulgarien zeigt sich die öffentliche Meinung jetzt sehr versöhnlich. Tie Haltung der Türkei wird ungünstiger be­urteilt.

Athen, 28. Juli. Ter König hat den bulgarischen Vor­schlag betreffend einen dreitägigen Waffenstill­stand aus strategischen Gründen ab gelehnt.

Sofia, 27. Juli. TasEcho de Bulgarie" schreibt in Besprechung der Haltung Griechenlands in der Frage der W a f f e n st i l l st a n d s v e r h a n d l u n g e n: Griechenland, 'das, wie im Kriege ge-gen die Türkei, mit geringen An­strengungen leichte Erfolge erlangte, machte wie bei Tscha- taldscha ' hinsichtlich der Einstellung der Feindseligkeiten Schwierigkeiten, um das mit ihm verbündete Ser­bien, das die Last des Krieges zu tragen hat, zu cnlU kräften, und ihm so bei der Teilung der Eroberungen die größten Zugeständnisse abzunötigen. Tas Blatt will Nach­richten darüber haben, daß der Besitz von Ghevgeli be­reits Anlaß zu ernsten Streitigkeiten zwischen den Serben und Griechen gegeben habe.

Bukarest, 26. Juli. Ter König von Monte­negro beantwortete das Telegramm des Königs von Ru­mänien in derselben Weise wie das des Königs von Griechen­land und von Serbien.

Belgrad, 26. Juli. Ueber die militärischen Ver­handlungen in Nisch wurden noch keine endgülti­gen Beschlüsse gefaßt, es erscheint fraglich, ob sie überhaupt st a t t f i n d e n werden.

Belgrad, 26. Juli. Wie verlautet, hat der österreichisch- ungarische Gesandte, U g r o n , beim Ministerpräsidenten Pa- schitsch einen Schritt im Interesse des Friedens zur sofortigen E i n - stellung der Feindseligkeiten zum Vorbeginn der Friedensverhandlungen unternommen.

Sofia, 26. Juli. Gegenüber den Mitteilungen, daß Ser­bien die E i n st e l l u n g der Feindseligkeiten mit dem Hinweis verweigere, daß die bulgarrschen Trup­pen letzthin serbische Ortschaften angegriffen hätten, stellt die Agence Bulgare fest, daß die bulgarischen Truppen schon am 10. Juli in Befolgung eines durch die politischen Rück­sichten bedingten Befehls aus dem serbischen Gebiet in der Ge­gend von Rapana, Kula und Belogradschik sich zurückgezogen und seither in diesen Gegenden keinen Angrisf unternom­men haben, während die Serben am 17. Juli in bulgarisches Gebiet eindrangen und Tschuprcni und Tergovischtc besetzten. Anderseits erhielten die gegen Zaribrod und Pirol operierenden Truppen am 7. Juli den Befehl, sich auf bulgarisches Gebiet zurückzuziehen. Ms die Serben in der ersten Hälfte des Juli auf der Linie Vlajma-Pateritza in bulgarisches Gebiet eindrangen, beschränkten sich die Bulgaren darauf, sie zurückzudrängcn, was erst gestern vollständig gelang. Tie von serbischer Seite aufgestellte Behauptung, daß die Bulgaren letzthin serbisches Ge­biet angegriffen hätten, ist somit vollständig unbegründet und ist erfunden worden, um eine Verweigerung der Einstellung der Feindseligkeiten zu erklären, welche von allen außer Serbien und Griechenland herbeigesehnt wird.

Saloniki, 27. Juli. Ministerpräsident Benizelos be- gab»sich vor der Fahrt nach Bukarest zum König Konstantin, um Bericht zu erstatten und mit ihm zu konferieren. Man spricht hier von einer kurz bevorstehenden E i n st e l l u n g des weiteren Vormarsches der Griechen.

Bukarest, 27. Juli. Die Frage, ob die Sitzungen der Konferenz in Bukarest oder in Sinaia abgchal- ten werden sollen, wurde dahin entschieden, daß die Konferenz jedenfalls in Bukarest eröffnet und vor der Hand hier ihre Sitzungen abhalten wird. Im weiteren Verlaufe der Kon­ferenz wird es von dec eventuellen Uebersiedelung des Königs nach -Sinaia abhängen, ob die Sitzungen zum Teil dort statt­finden werden.

Zu der falschen Meldung über die Schröder- Stranz-Expedition wird aus Ehristiania, 26 Juli, mitgeteilt: Der Korrespondent desAftenvosten" in Tromsö mel­det: Zwei Passagiere des DampfersGroßer Kurfürst" hatten in der Croßbay ein Gespräch mit Wegener, der erklärte, es könne keine Rede davon sein, daß die vermißten Mitglieder der Schröder- Stranz-Erpedilion noch lebten. Dies telegraphierten die Passa­giere. Das Telegramm erschien jedoch, sei es durch oi' Schuld der Passagiere oder der drahtlosen Telegraphie, vollständig verändert und erweckte den Anschein, als ob Stranz Hilfe erhielt.

Eine Weltreise zum Studium des Volks­liedes. Vier Studenten der Universität Boston haben eine Reise um die Welt unternommen, um die charatteristischsten Volks­lieder der verschiedenen Völker zu sammeln. Ihre Eindrücke und Erfahrungen gipfeln in der Behauptung, daß sie die schön- steil unb ergreifendsten Lieder bei den Bewohnern der Haroai- Jnseln gehört haben. Tie japanischen Gesänge gefallen ihnen viel weniger; sie beurteilen sie ziemlich scharf, wenn sie sagen: Ein langgezogenes, monotones, unverständliches Geseufze, voll von Dissonanzen." Auch in China kommen augenscheinlich die an der Melodik des Abendlandes geschulten Ohren nicht auf ihre Rechnung. Noch schlimmer steht es in Korea,wo nicht eine Spur alten Volksgesanges zu entdecken ist". Dagegen sollen bie Bewohner der Philippinen sehr musikalisch sein und originelle Melodien haben. In Birma singen die Einwohner choralartig A, sehr harmonische Kompositionen, die mohamedanisthen Ge­sänge, die die Weltteisenden hörten, machten ihnen einen tiefen Eindruck. In Europa nimmt nach der Ansicht der vier Ameri­kaner, was die Pflege des Volksliedes anbettifft, Italien den ersten Rang ein.

war die Sache gar nicht geheuer, denn er hielt die Bahn für arges Teufelswerk, und trat erst die Reise an, nachdem er zuvor kommuniziert und gebeichtet hatte. Mit dem Bahnbeamten han­delte er um den billigsten Preis, weil sie doch beide nicht schwer wären, und als er ins Kupee stolperte, murmelte er ängstlich: Das ist meine Totenglocke," bei dem Abfahrtszeichen erschreckt zusammenfahrend. Ms es nun durch einen Tunnel ging, schrie der Pate entsetzt: ,^Jessas und Maron, da draußen stiegt ja eine Mauer vorbei!" Ms es aber dann hell wurde und sie im grünen Tal dahin sausten, da gefiel's ihm desto besser; er blieb sogar mit dem Peterl länger im Zug sitzen, als er eigentlich durste, und hatte nun viel Scherereien, die wieder den Eindruck in ihm verstärkten, der Teufel sei doch im Spiele.

Den kleinen Mann litt's nach dieser ersten Fahrt in die Welt nicht zu Hause: er wollte nach Wien, den guten Kaiser I o s e f be­such e n , von dem er so viel gehört und gelesen. Schließlich bekommt er die Erlaubnis, und zu Fuß macht er sich nun auf den Weg:Ein dunkelgraues Lodenhösel hatte ich an und Kuh­lederschuhe, hübsch mit eisernen Nägeln beschlagen, daß die Sohle geschützt war, und trug eine braune, grün ausgeschlagene Loden- jacke. Der Brustfleck war aus rotgefärbter Leinwand, das Hemd aus grauer . . . Auf dem Kopfe saß meines Vaters Hut, der ging mir bis über die Augen herein und tanzte stets ein weniges, so ost ich mich rasch wendete." Wie sauer ward ihm der lange Weg! Er hatte sich Wien viel näher vorgestellt: aber schließlich war er doch, wund und müd gelaufen, bei seinem Kaiser Josef angclangt; der lag freilich im.Sarg in der Kapuzinergrust und war schon 60 Jahre tot. Da hat das Peterl bitterlich geschluchzt, sich aber doch unter den Wundern Wiens umgesehen und zum erstenmal einTheaterbe sucht. Vom hohen Olymp herab, wo er für 30 Kreuzer Platz nahm, schien ihm das Haus wie ein gähnender Abgrund von Gold und Silber.Tie Männer waren kohlschwarz bis auf die weißen Gesichter. An diese Gesichter setzten sie Dinge, in der Art Me kleine Doppelpistolen und zielten damit nach allen Richtungen herum. Die Weiber hatten an den Händen breite Flügel, mit denen sie in einem fort flatterten, wie unsere Hühner daheim, wenn sie Eier legen wollen." Und bann die Vorstellung!Weiße Jungfrauen kamen daher, sie waren, fromm und schön, roic daheim die Mägdlein am Kranzel- tag; sie haben ein Lied gesungen, und ich meine schier, es ist ein heiliges gewesen. Aber die Bravheit hat nicht lange gedauert jählings sind die langen Kleider weg und zu hüpfen und zu springen heben die Dirnbeln an, gar wie besessen." Auch 5 Gulden har sich der Peter aus Mpl damals in Wien verdient: der Wiener Aguarellmaler Alois Schön nahm ihn von der Straße ins Atelier, weil ihm, der putzige Wandergesell auffiel. 40 Jahre später kam dann Rosegger in den Besitz des Bildes, zu dem er atii Knabe Modell gesessen. > .Ms er glücklich wieder

Bukarest, 27. Juli. W. B.) Tie b u l g a r i s ch e n De - legierten Tonschew, Fitschew, Paprikow und Iwanow trafen hier ein. ,

Bukarest, 26. Juli. Die Bevollmächtigten Ser­biens, Griechenlands und Montenegros haben heute früh Belgrad mit einem Tampser verlassen, und sich nach Bukarest begeben, wo sie am Montag eintreffen.

Es wird allseitig weiter gesiegt.

Belgrad, 26. Juli. Die serbischen Truppen haben die Einschließung Vi din s durchgesührt. In dem Kampf am 22. Juli bei Govedarnik wurde Oberst Arandjelo- witsch an der Hüfte verwundet und konnte nicht sofort von der Ambulanz fortgebracht werden. Als die Kranken­träger zurückkamen und ihn suchten, fanden sie ihn tot auf. Tie Bulgaren hatten ihn durch einen Bajonettstich ins Herz getötet.

Sofia, 26. Juli. Der gestrige Tag zeichnete sich durch Ruhe auf der ganzen Lin ie aus. Ernsthafte Opera- lionen fanden nicht statt. Bei W lass in a versuchten die Serben die Offensive zu ergreifen, in der Absicht, erneut die Grenze zu überschreiten, wurden jedoch durch das bulgarische Artilleriefeuer zurückgetrieben. Nach er­gänzenden Nachrichten des Erkundungsdetachemcnts sind die den serbisch-montenegrinischen Truppen beim Angriff auf Kotschana zngesügten Verluste ungeheuer. Aus. einer Strecke von 800 Schritten wurden 1760 Leichen ge­sammelt, darunter von acht Offizieren. Tas aanze Feld hinter diesem Streifen bis an die feindlichen Linien war mit Leichen übersät. Wenn man normalerweise von der Zahl der Toten auf die Zahl der Verwundeten schließt, über­steigt deren Zahl sicher über tausend. Dies beweist, daß die'Verbündeten bei Kotschana eine schwere blutige Nieder­lage erlitten. Bei Petschewo versuchten die Griechen zum Ar.griff überzugehen. Durch heftiges Feuer wurden ste jeooch znr'ückgewo^scn und gezwungen, zum Rückmarsch zu blasen.

Sofia, 27. Juli. Tie nach dem Borrücken der rumä­nischen Truppen unter den Ausschreitungen der eingedrun­genen serbischen Truppen leidende bulgarische Be­völkerung bei Lompalanke slüchtet in Massen unter dem Schutz der rumänischen Truppen in das Landesinnere.

Athen, 27. Juli. (Amtlich.) Bulgarische Kavallerie, 500 Mann stark, räumte Xanthi, auch die bulgarischen Behörden verließen die Stadt. Tie achte griechische Division besetzte die Stadt und befreite die von den Bulgaren in Ketten gelegten Gefangenen.

Paris, 27. Juli. Die hiesige griechische Gesandtschaft, erhielt vom griechischen Gesandten L i v o r o o i o eine vom 27. Juli 1 Uhr nachts datierte Depesche, wonach die grie­chische Armee nach einem zweitägigen heftigem Kampfe bei Simitli am Strumaflusse die bulgarische Armee, nachdem sie sehr große Verluste erlitten hatte, in die Flucht schlug und drei bulgarische Geschütze sowie viel Kriegs­material erbeutete. Tie gesamte griechische Armee, deren Verluste beträchtlich sind, marschiert gegen Tjumaia.

Die türkische Frage.

Konstantinopel, 27. Juli. Ter Minister des Innern T a l a a t, der sich nach Adrianopel begab, ist gestern nachmittag hierher zurückgekehrt. Der bulgarische General der Reserve, Popow, ocr bei dem Einzug der Türken in Adrianopel gefangen genommen wurde, wurde hierher gebracht. Die von den Türlen in Adria­nopel gemachte Beute besteht aus.hundertfünfzig Kanonen, wo­von 75 früher der Türkei gehörten und sünfzigtausend Geivehren samt einer großen Menge Munition. Von der Pforte wird er-

vom Alm-peterl, da; ein Dichter werden wollte.

Mein erstes Kinberstarnrneln sagt bic alte Base sei eine Geschichte in steirischer Munbart gewesen/ erzählt Peter Rosegger, besten 70. Geburtstag ganz Dnttschlanb mit dem großen Volksdichter feiert,und mein Leben sagen schöngeistige Zei­tungsberichte - ein Roman." In Astern Roman ist aber woh doch das wundersamste Kapitel die Kindheit, da das Mm-Peterl ein kleiner Bauernbub löar und doch schon den dunklen '2/rang in sich fühlte, etwas anderes zu werden und zu seim.als die Gespielen und Geschwister. Daß der Peter wunderichone Ge­schichten erzählen formte, das hatten die andern bald ^raus. Tie Kinder desunteren Kluppenegger", rote Roseggers Vater ge nannt wurde, schliefen in den Futterbarren bei ihren tnn die auf die prächtigen Namen ^Zitzerl, Zutzerl,3^^! Mnb Heitzerl hörten. Eines Tages gab's beS klemenPeter Leckgericht, Eischen, aber da der Geier die beste Leghenne geholt batte, so fiel der Kuchen diesmal lehr klein aus und es blieb nicht viel für jeden. Da rief plötzlich das sunftahnge Schwesterchen.

Tu Peterl, du! wenn du uns ein ganzes Jahr in jeder Nacht eine^ Geschichte erzählen magst, so .schenk ich dir meinen Teil von dem Küchen!" Die andern drei (tzschnnster stimmten ein und engagierten so regelrecht das ^t,Tnun

Abend Dörfern Einschlafen eine neue Geschichte erzählen mußte. Manchmal war's nicht leicht, immer etwas UnbekanMes euttzu- trS aber e5 glfite ihm doch jedesnml die durchaus nicht geringen Ansprüche der Geschwister zu berncbigen.

Ter verträumte Hirtenjunge starrte ftunbenlang tn die Wolken unb vbantasierte sich krause Gesichte zusammen. er belauschte bie Tiere in ihren dem Bauern so nahen Leben, unb da er water sein Bett im Stall über der Krippe der ^icoer» ÄFÄ ihr gegenseitiges Lecken, ihr Reiben an der Kdvenecke das Traulichste, .was .er nutzer bem Essensruf au kören bekam. So lebte er als em kleiner König m dn Welt säuer''Träume; in der irdischen freilich roar er ent höchst un- mner 4,rau , - ; ungebleichte Leinwand-

® Ä ^em Sfflins /»eine bnntgeftreifie War barfuß unb ungeschickt im Gehen und Lausen, "trug ich eine andere Zehe in der Binde. Die Htwra , fß9 den fünf Fingern vorn herabgekammt, nut den Zählen kaute ich an einem Strohhalm." Der,Blick wurde ans dem inneren Sinnen und Schauen mehr nach nutzen gekehrt als er tn die erste Berührung mit demWeltleben" kam als er all- rtpmnhr rourbe, baß es noch etwas anderes gab als seine .nmreru^n auS bin

ler so von ' seiner ersten Eisenbahnrahr t erzählt Sem Pate, der Knierutscher Jochem, nahm chn mit; aber auch dem

Pariser diplomatischen Kreisen hatte man als sicher an» genommen, baß Rußland die Initiative ergreifen würde, um die Türkei zu veranlassen, sich wieder auf die Linie EnosMidia zurückzuziehen. Von Petersburg wurden alle Meldungen über ein einseitiges russisches Vorgehen demen­tiert. Nun braucht man dieses Dementi zwar nicht allzu wörtlich zu nehmen, denn militärische Maßnahmen gegen die Türkei werden von Rußland in die Wege geleitet; es scheint aber doch, als ob man sich an der Newa scheut, einen so folgenschweren Schritt, wie ihn der Einmarsch in Armenien darstellen würde, auf eigene Faust zu unterneh­men. Inzwischen ist man in Paris auch auf einen neuen Ausweg verfallen, der ziemlich nahe liegt, aber kaum zum Ziele führen wird. Gewisse französische Kreise haben vorgcschlageu, daß die Mächte Rumänien den Auftrag erteilen, die Türken zu zwingen, den Londoner Friedens­vertrag zu respektieren. Rumänien würde gegenüber Ser­bien und Griechenland die Garantie übernehmen, daß '^ich Einstellung der Feindseligkeiten Bulgarien seine Truppen in die von den Türken bedrohten Gegenden entsendet, und auf diese Weise brauchten Serbien und Griechenland nicht zu fürchten, daß während der Friedensverhandlungen Bul­garien etwa vorgehen könnte.

Die Fricdensvcrhandlurigerr.

Berlin, 27. Juli. DieNordd. Mlg. Ztg. schreibt in ihrer Wochenrundschau:

Wenn auch nicht alle Ungewißheit über die Entwicklung der Ballandinge geschwunden ist, so besteht doch kein wesentliches Hindernis mehr dagegen, daß noch im Laufe der Woche die Friedensoerhandlungen in Bukarest beginnen können. .Ob vor­her erst in Nifch militärpolitische Besprechungen über den Ein­tritt der Waffenruhe abgehalten werden, erscheint noch zweifel­haft. Inzwischen hat, trotz allseitiger Abmachungen, die Türkei ihre Truppen über die bereits abgenommene Vertragsgrenze hinausrücken unb Abrianopel sowie Mustapha Paascha besetzen lassen. Die Stellung der Mächte zu biescm Vorgehen rourbe in der Londoner Botschafter-Versammlung erörtert. Es herrscht Ein­mütigkeit darüber, daß die Mächte die neuesten Befitzveränderungen in Grazien nicht anerkennen. Auch wenn Europa nicht sofort Gewalt gegen Gewalt setzt, wirb bic Pforte im Wiberspruch zu allen Großmächten bic von ihren Truppen gehaltenen Stel­lungen bauernd nicht behaupten können. Ein weiteres Ein­dringen in bic benachbarten, von Verteidigern zurzeit entblößten bulgarischen Gebiete würbe bie Aussichten ber Türkei für bie Erfüllung bes Wunsches nach günstiger Abgrenzung in Europa nicht verbessern, sonbern Schwierigkeiten nach sich ziehen, bie darum nicht weniger groß sind, weil sie nicht sogleich in vollem Umfang hervortreten. Ohne in Verwicklungen untereinander zu geraten, werben bie Mächte neue Hinbernisse, bie sich einem haltbaren Friedensschluß aus dem Balkan entgegenstellen, gemein­sam zu beteiligen wissen.

Buk a re st, 28. Juli. Aus amtlicher rumänischer Quelle wird berichtet, daß durch die Bemühungen Rumäniens zwischen den Kriegführenden für die Dauer der Friedens- Verhandlungen ein stillschweigender Waffen­stillstand abgeschlossen wurde. Mittwoch, spätestens Don­nerstag, sollen die Friedensverhandlungen im Ministerium des Aeußern eröffnet werden. Den Verhandlungen in Risch wird geringere Bedeutung beigelegt. Der endgültige Frie­densschluß wird, wie man annimmt, sehr schnell erfolgen.

Rr. 174 Erster Blatt M. Jahrgang - r Montag, 28. Juli 1913

Der Gietzener Anzeiger Äh /£>» Afcx 'vgäF & Scwawrel»:

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für die Redaktion 113, politischen Teil: August

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