Ausgabe 
23.4.1913 Erstes Blatt
 
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165. Jahrgang

(Erftes Blatt

M. 94

TS

Die heutige Nummer umsagl 12 Setten.

der sozialdemokratische 5026 Stimmen.

Der Uaiser in ljomburg.

den mit

chenlnnd hat darauf noch nicht geantwortet.

Cetinje, 22. April. (Amtlich.) In der vergange­nen Nacht ergriffen die montenegrinischen Trup­pen an der Front sämtlicher Linien die Offensive. Der Bajonett kam Pf dauerte die ganze Nacht.

4. Klasse mit der Krone dem Regierungs- und Forskrat Freiherrn v. Ha mm er stein und dem Dekan Holt­hausen, den Roten Adlerorden 4. Klasse den Pfarrern Füllkrug und Wenzel und den Direktoren Professor Schünemann und Blümlein.

H o m b u r g v. d. H., 22. April. Die Majestäten mach­ten heute nachmittag einen Automobilausflug nach dem Feldberg. Abends fand hier zum Geburtstag der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen bei Ichren Majestäten Tafel statt, an der Priniz und Prinzessin Fried­rich Karl von Hessen mit den drei Prinzensöhncn Friedrich Wilhelm, Christoph und Richard, sowie der Erbprinz und die Erbprinzessin von Meiningen teilnahmen, und zu der der Oberst und .einige Offiziere des Füsilier-Regiments Gersdorff, dessen Chef die Prinzessin Friedrich Karl ist, geladen waren. .

überlegener Mehrheit gewähl t.

Es wurden abgegeben für Leicht (Ztr.) 13 877, für Krauß (Liberal) 3196, für Bogel (Soz.) 4121 Stimmen.

Im Jahre 1912 wurde Dr. Schädler mit 14 724 Stimmen gewählt. Der fortfchrittlicl>e .(Kandidat erhielt damals 4439 und

Eine Hei i rtagserschwahl.

Bamberg, 22. April. Bei der Neichstagsersatzwahl für Prälaten Dr. Schädler wurde Domprediger Leicht (Ztr.)

Homburg v. d. H., 22. April. Der Kaiser mit

____ Gefolge frühstückte heute bei dem Landrat Dr. Ritter Tie Türien verloren an der östlichen und südwestlichen Front v. Marx. Der Kaiser verlieh den Roten Adlerorden

Mittwoch, 25. April 1915

Bezugspreis: monatlich75Ps., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- tu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August

politifcbc

Anton von Werner und die Jubiläumsausstellung.

Durch die Presse geht die Nachricht (Wir haben sie gestern auch mitgeteilt.), Anton v. Werner habe die dies­jährige Große Berliner Kunstausstellung mit einigen Historienbildern aus dem Siebziger Kriege beschicken wollen, die Jurv aber hätte den Einwand erhoben, daß die Werke wegen ihresaufreizenden politischen Charakters" nicht ausgestellt werden tonnten. Ein Mitarbeiter des Berl. Lok. Anz." hat Veranlassung genommen, mit Exzellenz v. Werner, denr Direktor der. Königlichen Akademischen Hochschule für die bildenden Künste zu Chartottenburg, über diese Angelegenheit zu spreck^n. Der Künstler führte in der Unterredung etwa folgendes aus:

Der Sachverhalt liegt so: Im Ererbst vorigen Jahres wurde ich aufgefordert, auf der Jubiläums-Ausstellung 1913 am Lehrter Bahnhof eine Reihe meiner Werke auszustellen Darauststn sandte ich dem Vorsitzenden der Ausstell'.mgskommission, Herrn Professor Kallmorgen, eine Liste der Werke ans den Jahren 18701895, die mir für die Ausstellung besonders geeignet erschienen, mit dem Ersuchen, daraus nach Gutdünken eine Auswahl zu, treffen. Diesen Zeitabschnitt brachte ich deshalb in Vorschlag, weil meine Bilder aus dieser Epoche die h i st o r i s ch e n Ereignisse vom großen Kriege bis zum Tode Moltkes behandeln und daher ein abgerundetes Stoffgebiet darstellen.

Gleichzeitig riet ich dem Kollegen Kallmorgen, mit, Rücksicht auf die gerade damals gespannten politischen Verhältnisse - bei Balkankrieg war soeben ausgebroclren --- er möchte zuvor, da die Bilder kriegerische Stoffe behandeln, die Zustimmung Seiner Majestät des Kaisers zur Ausstellung der Bilder erbitten.

Wie aus meinem Rat ohne weiteres hervorgeht, riß id) mich gar nicht darum, auf derGroßen Berliner" vertreten zu sein. Wie hätte ich sonst die Eventualität selbst herausbeschwören können, daß meine Bilder nicht zugelassen werden! Als Staat, deamter hielt ich es für meine Pflicht, meine Kollegen ans Bedenken bin- zuweisen, deren Ignorierung ihnen möglicherweise hätte schaden können.

Am 19. Dezember erfuhr.ich nun allerdings nicht von der Ansstellnngsieitung selbst d a s; meine Bilder aus politischen Gründe n nicht a n s g e st e l l t , w erbe n könnte n. Am 10. Januar erhielt ich eine vfsinelle Bestätigung dieser Nachricht: ein Vertreter des Killtnsiui niste- r i u m s besuchte mich und teilte mir mit, d a U d a s A u s -- >v ü r t i g e Amt die A u s st e l l u u g meiner Bilder v er­bot e n I) a b c.

Damit Ivar für mich die Angelegenheit erledigt. Die Bilder aus dem Caso Bauer auszustellen, wie mir uahegelegt wurde, konnte mir selbstverständlich nicht in den Sinn kommen, da sie

Der Skrigemr Anzeiger erscheint täglich, anher Sonntags. - Beilagen viermal wöchentlich Sich-nerKamikiendlätter: zweimal roocbenlLKsetSi blatt für den Kreis Sie gen (Dienstag und Freitag); rweimal inönatl. §and- rvirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Einschlüsse: __

General-Anzeiger für Oberhefsen MM

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Line Rede der englischen §' atzkanzlers.

London, 22. April. Im Unterhause sagte Schatz­kanzler Llopd George bei der Einbringung des Voranschlags: Tas letzte Jahr war für ben britischen Handel s o günstig wie kein anderes vorher. Tie Flut des Handels stieg so bock, daß er die drei großen ernsthaften Hindernisse, den Kohlenstreik, die schlechte Ernte und den Balkankrieg mit seinen Verwicklungen überwand, mit denen Europa bedroht wurde. Tie Einnahmen des letzten Jahres überstiegen den Voranschlag um 1600 000 Pfund Sterling, aber der Nachtragsetat war so un­gewöhnlich erheblich wegen des Wechsels in unserem Schiffs- Programm, der durch den sehr beträchtlichen Wechsel in den deutschen Plänen hervorgerufen war. Tie Gesamtsumme der Nack>- tragsforderungen betrug 4 671000 Pfund Sterlings die jedoch infolge der Ersparnisse und Ueberschuise aus den lausenden Ein­nahmen gedeckt werden konnten. Die Ausgaben des letzten Jahres betrugen 188 622 000, die Einnahmen 188 802 000 Pfund Sterl. Ter Voranschlag für die Ausgaben des Etatsjahres 1913/14 beläuft sich auf 195 640 000 Pfund Sterling. Die g roßt e u n f r u ch t- b a r st e Z u n a h m c i n d e n A u s g a b e n fallt auf die R ü st u n= gen, die seit 1861 um 46000000 gestiegen sind. Ich sehe keine Aussicht, daß diese bedrohliche Entwicklung ein Ende nimmt, es sei denn, daß eine Aenderuug in der Haltung und der Politik der beteiligten Nationen eintritt. Was das lausende Jahr an- bettifft, so muß ich weitere 7 500 090 Pfund Sterling aujbringen.

Die Zriedempralimmanen unterzeichnet!

An Konstantinopel freut man sich auf beit Frieden, unb tatsächlich scheinen die Waffen endgültig zu ruhen. Um bann freilich mit bau diplomatischen Waffen vertauscht zu toerben. Die größte Ueberraschung aber kommt toteber einmal aus Cetinje. König Nikita hat nicht geruht unb das Ziel feiner Wünsche, bie Festung Skutari, wirklich zu guter Lcht noch im Sturme genommen. Die Einzelheiten entziehen sich noch unserer Kenutnis, und es ist nicht sicher, ob Verhandlungen zum Ziele geführt haben oder der ver­zweifelteGeneralsturm", von dem in den letzten Mel­dungen erschütternde Dinge berichtet werden. Und die Hauptsache: völlig unklar sind die weiteren Msichten Montenegros. Ob König Nikita die Stadt wirklich nur mit so großen Verlusten genommen haben will, um sie gleich wieder an die Großmächte abzutreten? Neue Ver­wicklungen ziehen drohend am Horizonte auf, und bald mirb man vielleicht wieder von neuen drohenden Schritten Oesterreichs hören.

Konstantinopel, 23. April. Der Ministerrat unterzeichnete heute die Friedenspräliminarien, die zwischen den bul garisch en und türkischen Dele­gierten bei Tschataldscha, und zwischen den türkischen, serbisch en unb hellenischen Deputierten bei Au­la ir festgelegt wurden. In Psortekreisen betrachtet man den Frieden sozusagen als eine vollendete Tatsache unb bie Londoner und Pariser Verhandlungen nur als eine Ergänzung. Die Stellung des Kabinetts, das seine Aufgabe für beendet hält, erscheint gegenwärtig bei ruhiger politischer Stimmung'sicher.1

Sluta i gefallen!

Cetinje, 23. April. Nach einer amtlichen Meldung der montenegrinifchen Regierung ist das montenegrinische Heer sieg­reich in Skutari eingezogen.

Auf diesen Ausgang hatten schon foTtgienbe Meldungen Vorbereitet:

Rom, 23. April. Hier sind Gerüchte verbreitet, Essad Pascha werde Skutari an König Nikita übergeben, der bie Stadt ben Großmächten zur Verfügung stellen werde.

Laut Meldung bes Cetinjer Korrespondenten desPie- coüo" sind seit gestern zwischen dem Kommandanten Sku- taris unb Montenegro Verhandlungen im Gange, bie mit ber Uebergabe Skutaris enden würben, ba dort bie Lebensmittel zu Enbe gegangen seien. Oester­reich-Ungarn und Italien haben sich auf Bitten ber Türkei bereit erklärt, die durch Hunger und Krankheit herabgo- -anrmenen Reste der Armee Dschavid Paschas, die zwischen Valon und Berat steht, auf Schiffen beider Länder nach Kleinasien überzuführen, falls Griechenland die Blockade in Valona für die Einschiffung aufhebe. Grie-

eine ganze Reihe von Befestigungen, auf denen nunmehr bie montenegrinische Fahne weht. Heule früh! unter­nahmen bie Türken mit frischen Truppen einen Gegenangriff, würben aber mit beträcht­lichen Verlusten zu r ück a esch lage n. Unsere Verluste sinb groß, jedoch noch nicht genau festgestellt. Auf allen Befestigungen um Slütari und selbst in der Stabt bemerkt man eine' lebhafte Bewegung. Die Kämpfe dauern fort. Ter Fall Skutaris steht bevor.

Wien, 23. April. Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Cattaro vom 22., abends, daß seit 36 Stunden um Skutari gekämpft wird. Der Generalsturm begann Montag früh, auch die serbische schwere Artillerie beteiligte sich daran. Die Türken leisteten heroi­schen Widerstand, sie machten verschiedene Gegenangriffe, die teilweise erfolgreich waren. Die Montenegriner machten Ba­jonettangriffe, wobei sie ungeheure V e r l u st e hatten. Nach und nach wurde ber Widerstand der Türken schwächer. Auf den Mauern erscheinen nach und nach montenegrinische Fahnen. Nur einige Nedouten am Tarabosch sind noch im Besitz ber Türken. Die Stadt ist fast ganz zerstört.

Zur Vorgeschichte der Krieges 1870/71 Bismarck und die Kandidatur des Erbprinzen Leopold von Hohenzollevn.

Der Artikel im Gießener Anzeiger, Donnerstag, 17. April 1913, über die neuenEntdeckungen" des Professor Hesselbarth in ber Frage der Kandidatur des Erbprinzen von Hostenzollern 1870 und der Stellung Bismarcks dazu, veranlaßt mich zu folgenden Berickstigungen. Ich schicke voraus, daß ich die in dem Artikel erwähnten Werke nicht gelesen habe, sondern lediglich den abgedruckten Bericht (Inhalt und Schlußfolgerungen obiger Werke!) der Teubnerschen Verlagsanstalt.

Die Quelle, aus der ich meine Berichtigungen und Ergän­zungen schöpfe, ist das von Mite Kremnitz verfaßte, vierbändige dlrchivwerkAus dem Leben König Karls von Rumänien" (Cotta, 18901900). Das Werk ist zusammengestellt aus sonst 3. T. unzugänglickien Quellen: dem hohenzollornschen, dem föniglich- rumänischen und dem Privat-Archiv (Tagebüchern!) König Karls.

Ich kann hier des Raummangels wegen keine ausführliche historische Arbeit schreiben, ich begnüge mich mit folgenden Hin­weisen und Zitaten, die besonders Bismarcks Stellung zu der Frage erläutern sollen.

17. September 1869. Der preussische Gesandte in München. Freiherr von Werthern (nicht zu verwechseln mit dem Freiherrn v. Wertster, dem damaligen Botschafter in Paris! Anm. d. Vers.) sucht schriftlich beim Fürsten Karl Anton (von, Hohen- zollern) um eine geheime Audienz nach. Sie wird ihm be­willigt, er trifft ein und teilt dem Fürsten mit, daß er ge­kommen sei, um den- Abgesandten der spanischen Cortes, Don Eusebio di Salazar st Mazaredo vorzustellen, der dem Erb­prinzen von Hostenzollern die spanische Königskrone anzutragen habe." (Weiteres s.Aus dem Leben König Karls", Band II. Seite 5 ff).

Der spanische Abgesandte hat sich also nicht direkt, son­dern durch -den preussischen Gesandten angemeldet. Sollte, der Gesandte in einer Angelegenheit von solcher Tragweite die Ver­mittlung angenommen haben ohne Borwissen, ober richtiger ohne Befehl seines Chefs Bismarck?

Jedenfalls erfolgt Ende Februar 1870 die zweite Entsendung Don Salazars durch Marschall Prim, Spaniens Diktator, direkt nach Berlin.

Ton Salazarüberbringt dellü König von Preussen, dem Erbprinzen von Hostenzollern und dem Grasen Bismarck Briese befr spanischen Regentschaft, in beneit die eindringliche Bitte ausgesprock>en wird, daß Erbprinz Leopold die Krone Spaniens annehmen möchte. Der Fürst , und der Erbprinz von Hohen- zollern sind ber Ansicht, daß bas Anerbieten abzulehnen sei. Be sonders der Erbprinz fühlt eine fast unüberwindliche Abneigung taftgen, auch der Fürst ist nur dann geneigt, die Sache in ernst­

liche Erwägung zu ziehen, wenn ein höheres Staats­interesse es erheischen sollte."

Daraufhin begibt sich Erbprinz Leopold selber nach Berlin, sein Vater folgt ihm einige Tage später.

Graf Bismarck plädiert mit großer Wärme für die An­nahme der Krone durch den Erbprinzen. Er hebt in einer Denkschrift an König Wilhelm die große Bedeutung hervor, die die Berufung eines Hohenzollernprinzen auf den spanischen Thron für Deutschland haben würde: politisch nn schätzbar würde es sein, imRückenFra n kxeichs ein freundlich gesinntes Land zu haben, und auch wirtschaftlich nsw. usw.".

Würde ein Mann, der von Prim gedrängt werden muß, (als ob BiSmarck sich überhaupt hätte drängen lassen!) ein Mann, der nicht an den Krieg mit Frankreich denkt, eine derartig ge­faßte Denkschrift aussetzen und so energisch für die Annahme der Krone eintreten, trotz der scheinbar unüberwindlichen Wider­stände auf allen Seiten? Denn es heißt weiter:

Erbprinz Leopold vermag sich aber nicht über das Be­denken hinwegzusctzen, daß so viele Zweige der entthronten Königs­familie ihre Ansprüche auf die ihm angetragene Krone noch geltend machen.

Auch König Wilhelm teilt die Auffassung seines Ministers nicht und spricht die schwersten Bedenken gegen die Annahme aus. ... Der Kronprinz (der spätere Kaiser Friedrich. D. Verf.) warnt den Erbprinzen."

Am 15. März 1870 findet irrt Berliner Schloß eine neue Beratung statt, über die Fürst Karl Anton am 20. März an den Fürsten Karl schreibt:

Bismarck wünscht die Annahme aus dstnastischen^ und Po­litischen Gründen. Am 15. war hier eine sehr interessante und wichtige. Beratung unter Vorsitz des Königs, bei der der Kronprinz, wir beide, Bismarck, Roon, Moltke, Schleinitz, Thiele und Del­brück zugegen waren. Ter -einstimmige Beschluß der Ratgeber lautet aus Annahme, weil bie-fclbe eine preussische, patriotische Pflichterfüllung sei. Aus vielen Gründen, nach schweren ^Kämpfen hat Leopold abgelestnt! <16. März 1870). Da nun aber in Spa­nien avant tout ein katholischer Hohenzoller gewünscht wird, so stabe ich Fritz (der jüngste Sohn des Fürsten Karl Anton. D. Vers.) im Falle seines Einverständnisses vorgeschlagen."

Msmarck erklärt auch fernerhindie Annahme der spanisck>en Krone durch einen der Prinzen von Hostenzollern tviederholt und mit größter Entschiedenheit sür eine politische Notwendig­keit!"

Bismarck scheint aber sein Ziel nicht zu erreichen: am 20. April erfolgt auch die Ablehnung des Prinzen Friedrich. Aber der Bundeskanzler gibt sich noch nicht geschlagen. 1866, als er den Krieg mit Oesterreich unvermeidlich wußte, drängte er den Fürsten Karl zur Annahme der rumänischen Krone und setzte so an die andere Grenze des Feindes einen Hostenzollern. 1869/70 wußte er,

daß auch der Krieg mit Frankreich unvermeidlich war. Darum will er einen Hostenzollern in Spanien haben.

Seinen Unmut über die Ablehnungen gibt er klar zu verstehen, wie ans verschiedenen Mhicfen hervor gehl, und erreicht fchlicsckich doch, daß Leopold bereit i ft, unter gewissen B e - d i ii g u n g d r e K r v u e a u z u n e h m c n. Kaum erfährt das Bis­marck, so rät er dem Fürsten Karl Anton:ungesäumt auf den Erbprinzen einzuwirken, daß dieser sich aller Bedenken ent- schlage und i m Interesse Deutschlands sich für die An­nahme entscheide".

Am. 4. Juni nimmt Leopold die Krone Spaniens an,da ihm von der berufensten (also von Bismarck. D. Vers.). Seite vorgestellt worden ist, daß 'das S t a a t s in t er e ss e dies er­heische !"

K ö n i g W i l st e l nr erklärt s rch mit seinem Vor­haben einver stände n."

So hat also Bismarck fein Ziel, das er in der oben erwähnten Denkschrift an den König klargelegt bat, erreicht:

trotz der mehrmaligen Absage bietet Spanien seine Königs­krone noch einmal den Hostenzollern an:

der Erbprinz willigt endlich ein, sie anjuncbmcit:

sogar König Wilhelm gibt seine offizielle Zustimmung: und . . . durch einen lächerlichen Zufall wird der Erfolg vereitelt.

Ein Mißverständnis bei der Dechiffrierung einer von Berlin nach Madrid geschickten Depesche, die das Datum der Rückkehr Salazars mitteilte, bat zur Folge gehabt, daß die Cortes, die versammelt bleiben sollten, um sogleich die Wahl Iwrzunehmen, am 24. Juni geschlossen und bis zum 31. Oktober vertagt wvrden

sind."

So kann die Wahl erst im Spätherbst erfolgen.

Der weitere Gang der Ereignisse ist bekannt: der Krieg

brach aus.

Ob Bismarck ihn haben wollte? Er wußte, daß er bei dem kurzsichtigen Chauvinismus, dem Neid und der maßlosen Eitel­keit der Franzosen unvermeidlich war. Darin lag seine Ursache.

So sollte er wenigstens in dem Augenblick ausbrechen, der für Preussen aml günstigsten Ivar, wenn es umickich ganz Deutsch­land auf feiner Seite haben mußte.

Die Luxemburger Frage war ungeeignet, die Hohenzollern- kandidatur schied durch den endgültigen Verzicht Leopolds aus Daß Bismarck aberaus der an sich gerechtfertigten Forderung Benedettis" an König Wilhelm einen Anlaß tonftruieren konnte, der Frankreich ebeufalls ins Unreckst setzte nnd den furor teutoiiieiis erwecken mußte, war ein Geniestreich des großen Bundeskanzlers. Denn da König Wilhelnr dem Erbprinzen Leopold seine .'ffi ,volle Zustimmung zur Annahme der spanischen Krone gegeben hatte, war nach der späteren Ablehnung das Ersuchen Frank reichs, bei einem evtl, neuen Anerbieten nicht mehr die Ein­stimmung zu erteilen, weder ungewöhnlich noch beleidigend. Napv- Icon jedenfalls wollte den Frieden. Emanuel Kremnitz.