LL^L> LSHH sS K5-Ä
Werden J Sä??
LSdtzKS ’enbnf
R Al ERHtTE
A. Salomon tCie
-'ZS httlmeg "® » escaben29.3on.aj ZjBffl* S,rä
'heumai "jS? 'r‘'el® tat hn,kk r *? Hau'r « Buchhorster Mari v? , ^«rkqmn ^•teiflntnmgun^ _Xclenfe werden «
DDni* .‘-oiiu-uonen enücfeii ■HiWnSbjagentJ m Kon;L,1r.«7°-, -aen:er.glLn;-n:d<2 v."-<^uhi 'uals-Äv°lbck vtä l£- .u- ui Len ?iixi -cidel, W. Kilbi«,« ?• ^’olL Ctto sdfliii iit Xoll. A
htr a*'TTÜ,b-6rj‘'t I*11 gute ineilcxü rbcMtöSflbLgnnüL^ hnniiel stamm LÄlimOlö r.R.MlIer,?!eatr» St 'OeritfiLi y J tertotel. M f eiet.
, [leiert GkiwW ■r#cntbciml88.b^|
Jiatglofl 9tcn-s- ।
Gegri Ml
i^DW« tzäabt
Lbermvers S* il &erti;2eitt :ilennnng.denaligei» rbO‘«CÜC 1 '*
'JecrsftÄA' t: .-'allea Ä-ölie- ■^crienjü« ClownAnzügjl
Dominos
„ pumen u. Hart * len Farben
a®tfo
^®s8-
H W!$
*“S5
M. 28
Zweites Blatt
163. Jahrgang
Erscheint täßllch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Familienblätter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „KreisblcU fffr den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zwennal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Montag, 3. Zebruar |9X3 c?
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: e±^ 51. Redaktion:e^I12. Tel.-Adr.:AnzeigerGteßen.
Der Stand der hessischen Manzen.
Der Bericht des Finanzausschusses der Zweiten Karniner über die Budgetberatungen ist soeben im Druck erschienen und den Kammermitgliedern zugestellt worden. Der Ausschuß hat diesmal außerordentlich gründliche und rasche Arbeit geleistet: Es ist seit langen Jahren das erstemal, daß der Bericht schon Anfang Februar erscheinen konnte und somit eine um mehrere Wochen frühere Verabschiedung des-Staatsvoranschlages ermöglicht wird: hoffcnt- lich wird dies nun auch in den kommenden Jahren der Fall sein, in denen nicht wieder ein so frühzeitiges Osterfest gefeiert werden kann. Dem Ansschußbericht ist in üblicher Weise ein allgeniciner Finanzbericht des Ausschußvorsitzenden, Abg. Dr. O s a n n, voran- gestellt worden, in welchem sehr wertvolle Gesichtspunkte für die gesamte Finanzlage Hessens niedergelegt sind. Er weist einleitend daraus hin, daß im vorigen Jahre eine wesentliche Ausgabe zur Ordnung der hessischen Finanzen erfüllt wurde: Tie gesetzliche Regelung der Schuldentilgung durch das Gesetz vom 27. Juli 1912, dessen gesetzliche Normen zum erstenmal im vorliegenden Budget zur Anwendung kommen. „Damit ist eine jahrelang umstrittene Frage gelöst und durch die eingeführte gesetzliche Tilgung der Staatssckmld die Finanzwirtschast Hessens auf festen Boden gestellt." Die Dienstbezüge der Staatsbeamten und Bolksschullehrer, sowie deren Hinterbliebenen sind im vorigen Jahre nur provisorisch geregelt worden, und es dürste interessieren, welche Betrage aus Grund der provisorischen Bewilligung den Staatsbeamten, Bolksschullehrern im Jahre 1912 wirklich zu- geflossen sind. Es wurden bewilligt: Für die Neuregelung der Wohnungsgeldzuschüsse der Beamten 522 600 Mark, sür die Gehaltserhöhungen (90 Prozent der von der Regierungsvorlage an geforderten Beträge) 899 060 Mark, Gehaltsaufbesserung sür die Volksschullehrer (11 Prozent) rund 612 440 Mark, für Aufbesserung der B^üge der Staatsdimstanwärter-130 000 Mark, der Pensionäre und Hinterbliebenen 125 000 Mark, sür Erhöhung der Zivilliste 75 000 Mark, für Mehrbelastung des Pensionsetats der Beamten 81000 Mark, der Volksschullehrer 19 500 Mark und für die Witwen * und Waisenkassc der Volksschullehrer 4500 Mark, iil Summa 2469100 Mark. Der Bericht betont, daß die Möglichkeit, einen solchen Betrag ohne Steuerauflage zu decken, nur durch eine günstige Entwickelung der Finanzlage in den Jahren 1910, 1911 und 1912 gegeben war.
Die im Anfang allerdings nur langsam fortschreitende Besserung drückt sich beispielsweise in der Steigerung der Eisenbahn- einnahmen aus, die 1908 nur 10 610150 Mark, 1909 13 535930 Mark, 1910 15 526 800 Mark, 1911 17 852 320 Mark betrugen und 1912 auf über 18 Millionen gestiegen sein werden. „Tastdieses Aufsteigen der wirtschaftlichen Entwickelung in Deutschland überall Platz gegriffen hat, ergeben die Voranschläge für das Reich und die Bundesstaaten, die Verhandlungen in den Landtagen, die Berichte der Handelskammern. Diese Entwickelung ist auch durch die kriegerischen Eingriffe mrf dem Balkan nicht gehemmt worden, sondern hält noch an. Sic kommt in Hessen besonders zum Ausdruck in der Möglichkeit der Bildung eines ansehnlichen „R est e- fonds" und dem Ansteigen des „Ausgleichs- und Tilgungsfonds". Ter Bericht erläutert nun eingehend den erst un' Voranschlag für 1912 geschaffenen Restefonds, dem aus den lieberschüssen der letzten drei Jähre nickt weniger als 8 620 915 Mart zugeflosfen sind und denr nach Artikel 13 des Tilgungsgesetzes noch weiter zu erwartende Ersparnisse an Tilgunqsbeiträgc für die Jahre bis 1917 im Betrage von 1247 500 Mark zu- fließen werden, so daß er sich dann voraussichtlich auf 9 868 415 Mark stellen wird. Aus diesenr Restefonds wurden 1912 für die Gehaltsaufbesserungen usw. 1 708 530 Mark entnommen und sür 1913 sollen nach denr Regierungsvorschlag im Falle des Zustandekommens der Besoldungsvorlage 650 770 Mark und in den folgenden Jahren weitere Beträge entnommen werden, während außerdem bereits 800000 Mark für etwaige spätere Fehlbeträge reserviert sind.
Ter A n s g l e i ch s - ii n d T i l g u n g s f o n d s des Schuldentilgungsgesetzes hat, wie der Bericht feststellt, gleichfalls eine erfreuliche Gestalt gewonnen. Ihm waren die Summen aus den Jahren 1903 04 bis 1912 zngeflossen, deren Gesamtbetrag sich aus 9 786 521 Mk. stellte. Daraus wurden aber in den Jahren 1907—1909 4 078 725 Mk. entnommen. Da aber nach dem Voranschlag für 1913 aus den Reineinnahmen der hessisch- preußischen Eisenbahngemeinschaft wieder 4 059 461 Mk. hinzukommen, von denen jedoch nach Art. 9 des Schuldcntilgungs-
Schiller; Schwägerin.
(Zum 150. Geburtstage Carolinens v. Wolzogen, 3. Februar.)
Es war an einem trüben Dezembertage des Jahres 1787, als zwei Reiter durch die stillen Straßen von Rudolstadt zum Hause der Damen v Lengefeld ritten. Tort wohnte die verwitwete tfrau Kmnmcrrat v. Lengefeld mit ihrer noch unverheirateten Tochter Charlotte und ihrer älteren Tochter Caroline, die fett zwei Jahren mit dem Geh. Legationsrate von Benlwitz vermahlr war. Me Dum en waren neugierig, wer die in Mäntel gehüllten ^Reiter wohl sein möchten, zumal da der eine von ifymnt stck noch obendrein im Scherze das halbe Gesicht im Mantel verhüllte. Dennoch erkannten sie ihn- es war ihr Vetter Wilhelm v. Wolzogen, aber der andere Reiter war deii Lengefeldschen Tamen unbekannt und erregte ihre Neugier. Der Vetter bat um die Erlaubnis, seinen Reue- gefährtcn einzuführen — es war Schüler. ^ie beiden Manner, die an diesem 6. Dezember 1787 das Lengefeldsche Daus betraten, waren vonr Schickfal bestimmt, sich mit den beiden Töchtern des Hauses fürs Leben zu verbinden.
Carolinens Ehe mit dem Herrn v. Bculwitz war eine Kon- venicnzheirat. Sie war nicht gerade unglücklich, aber völlig unbefriedigend und führte 1794 zur Scheidung. Zwilchen diesem Zeitpunkte und der Bekanntschaft Carolinens mtt schiller liegt die Periode ifjrcö Lebens, die für uns doch die intereiianteste ist und bleibt: jene Zeit, da Schillers leidenschaftliche und empzang- liche Seele zwischen Lotte und Caroline ichwanttc. Oder, wie man vielleicht richtiger wird sagen müssen, da |ic "Men beiden zugleich angehörte. Caroline war von ihrer jüngeren Schwester sehr perschieden. Sie hatte einen starken Willen ergriff überall gern die Zügel, war eine tiefe, ja selbst leidenichastliche Nattir, deren Sehnsucht nach Liebe durch ihre unbefriedigende Ehe nur noch gesteigert war; und daß sie an geistiger.Begabung Lotten überragte, das hat diese selbst stets bereitwillig anerfaknt Mit großen Vorzügen aber vereinigte sie auch Eigenlchaften, die ein dauerndes Zusammenleben mit ihr erschwerten: sie war ewig unruhig, ewig veränderlich, ewig unzufrieden: sie neigte in dem Grade zum Spekulieren und Grübeln, das; sie Gefahr lief, Uck und anderen das Leben dadurch zu zerstören, sie und ihre Schwester wirkten gerade durch den Kontrast, jede für sich besonders fesselnd: hier die leidenschaftliche, hochfllegende, wülens- 'kräfttge Caroline — dort die fülle, treue, innigster Hingabe fähige und liebliche Charlotte.
Es kann kaum einem Zweifel unterliegen, da st Schiller das Schwesternpaar gewissermaßen als eine einzige Frmtenperlonlich- keit in sich ausgenommen und so mit seiner Liebe im ganzen umfaßt hat. Caroline und Lotte ergänzten eiirander in seiner Richter- Phantasie zu einer Jdealgestalt, und diese Jdealgestalt war es.
gcsctzes zwei Millionen den ordentlichen Staatsausgaben zugeführt werden, so wird sich dieser Fonds voraussichtlich, Ende 1913 nur 7 767 257 Mk. stellen oder richtiger wohl aus etwa 8 Millionen, da jetzt schon feststcht. daß der Eisenbahnüberschuß statt der veranschlagten 17 852 000 Mk. 18 Millionen überschreiten wird.i Der Etatsüberschuß sür 1913 ist auf 2 070 947 Mk. fest- gestellt und zur Verwendung für die Aufbesserung der Beamten. Volksschullehrer und deren Hinterbliebenen vorgesehen.
Ter Vorsitzende des Finanzausschusses stellt im Hinblick aus diese Ergebnisse über die Lage der hessischen Finanzen nach dem Voraunscklag für 1913 fest: 1. Ohne Erhöhung der direkten Steuern ist ein Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben von 2 071000 Mk. vorhanden, der allerdings zur Erhöhung der Beamten-- und Lchrergehälter usw. bestimmt ist. 2. ist ein Reste- fonds von 8 620 000 Mk. Ende 1912 aus dein zu Gehaltsaufbesserungen 1912 1 708 530 Mk. entnommen worden, 3. hat der Ausgleichs- und Tilgungsfonds Ende 1913 sicherlich bereits eiistpi Stand von 7,767 256 Mk. erreicht.
Ter Berichterstatter schließt seine allgemeine Betrachtung mit den Worten: Ter Finanzausschuß erkannte diese erfreuliche Wendung der Finanzverhältnisse in Hessen mit Genugtuung an, wird sich aber von seinem Bestreben gewissenhaften Haushaltens mit den staatlichen Mitteln und Einhalten der auch weiter dringend gebotenen Sparsamkeit auch durch diese Besscrgestaltung nicht abbringen lassen. Zudem muß, wie bei den Beratungen betont wurde, die Tatsache, daß auf wirtschaftlich günstige Zeiten auck wieder Rückschläge erfolgen, im Auge behalten werden.
Im Anschluß hieran gibt der Ausschußvorsitzendc noch einige allgemeine wichtige Darstellungen über die Einnahmen Hessens aus der Eisenbahngemeinschaft, die im ersten Jahre der Gemeinschaft (1897/98) nur 9 957 159 Mk. betrugen, weiter über die Einkommen- und Vermögenssteuer und über die Gestaltung der Schuldentilgung nach dem neuen Tilgungsgesetz vom 17. Juli 1912.
Von Interesse ist in Kap. 89, Gerichte, die Feststellung, daß die Zahl der Prozesse an den Landgerichten seit 1910 eine ganz bedeutende Verminderung ersah r e n h a t. So ist die Zahl der Prozesse an den drei Amtsgerichten Gießen, Tannstadt und Mainz zusammen von 8108 im Jahre 1909 auf 4982 zurückgegangen. Die Zahl der Prozesse an den Amtsgerichten ist fast gleich geblieben, dagegen sind die Mahnsachen von 63 174 auf 71 109 hinanfgegangen. Tie Einnahme aus Gerichtskosten ist dadurch um 70 000 Mk. gefallen.
Mb Deutscher Reichstag.
103. Sitzung, Sonnabend, den 1. Februar.
Präs. Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 15 Min.
Sie Dritte Lesung des Provisoriums sür die Mscheiusuhr.
Abg. Dr. Ouarck (Soz.)'
erneuert bei völliger Teilnahmlosigkeit des schwach besetzten Hauses die Angriffe seine Parteigenoffen auf Regierung, Konservative und Zentrum. Die Regierung muß vor den Junkern kuschen^ für den agrarischen Geldbeutel allein wird gearbeitet. Und Herr v. Kardorff fordert dazu noch Entrechtung der Sozialdemokratie, die doch in dieser Frage Regierungspartei war. Im alten Rom sorgten die Herrschenden wenigstens für Brod und Spiele, Sie aber bringen die, gegen die Sie Ausnahmegesetze machen, in Entbehrung und Unterernährung.
Abg. Paulh-Cockern (Zentr.):
Das Jedal ist, und das muß erreicht werden, daß die deutsche Viehzucht den deutschen Fleischkonsum deckt Der Redner tritt für Uebereignung der Schälwälder an die Gemeinden ein und empfiehlt besonders die Förderung der Schafzucht.
' Abg. Heck (Natl.):
Wir erkennen die Fleischnot oder Fleischteuerung unumwunden an. Man muß der Kalamität begegnen. Aber die letzten Viehzählungen haben eine zweifellose Zunahme der Viehzucht ergeben und wir werden auf die Dauer den Bedarf Deutschlands decken können. Der Redner spricht über das Dreifeldersystem und wirb vom amtierenden Vizepräsidenten Dr. P a a s ch e darauf verwiesen, daß man unmöglich bei der dritten Lesung des zur Verhandlung stehenden Gesetzes und in dieser Geschäftslage über die ganzen land- und volkswirtschaftlichen Verhältnisse reden kann.
dic er in beiden Schwestern liebte. Der Ton in ihren Briefen zeigt jedem Unbefangenen, wie hoch gestimmt damals die Seelen Carolinens und Schillers zueinander Langen. Sie schreibt: „Seien Sie gegrüßt von ganzer Seele, mein teurer Freund! Ties ist der erste Gruß, der durch einen so weiten Weg zu Ihnen gelangt. Tas Gefühl Ihrer Entfernung bleibt immer lebendig in mir, tausend Erinnerungen, tausend liebe Gewohnheiten wecken es. Ach, ich lenne keinen Ersatz für das, was Sie meinem Sebfn gegeben haben! So frei und lebendig existierte mein Geist vor Ihnen! So wie Sie hat es noch niemand verstanden, die Saiten meines innersten Wesens zu rühren — bis zw Tränen hat es mich ost bewegt, mit welcher Zartheit Sie meine Seele in trüben Momenten gepslegt und getragen haben. O gutes Schicksal! Nur Sie in unserer Nähe und dann mögen chie Parzen noch hinzuspinnen, was ihnen sonst gefällt." Und wie lautet das Ecl-o bei Schiller? „Ihr seid Engel —, Engel für mich!" so ruft er entzückt dem Schwesternpaare zu: immer schließt er Caroline,iit seine Gedanken ein, wendet sich neben der Braut auch an sie und sagt ihr: „Alle meine Gedanken unrschlingen dich, und könnte ich nur, in welcher Gestalt es auch sei — wäre es nur mit diesem Herzen — um dich wohnen. Lldieu, lieber Engel. Leb wohl."
*
Deutscher Reichrv^rbind zur Bekämpfung der Impfung.
Es wird uns geschrieben:
lieber die Aufgabe, die sich der Verband gestellt hat, herrschen in der Oefsentlichkeit vielfach recht unklare Vorstellungen. Vor allem möchte ich der mir vielfach entgegengebrachten Auffassung entgegcittrcten, als sei der Verband ürztefeindlich gesinnt. Das ist durchaus nicht der Fall: dem Verbände haben sich eine ganze Reihe von Aerzten angeschlossen, ^auch solche, die keineswegs der Impfung bedingungslos jeden Schutzwert abstteiten (Deutscher Verein impfzwanggegnerischer Aerzte). Diese Aerzte veranschlagen jedoch den Schutzwert der Impfung aus einer Reihe von Gründen so niedrig, daß sie unter keinen Umständen den heute geübten Impfzwang für gerechtfertigt erachten: sie halten die freute geübte Methode einer zwangsweisen Impfung auf Vorrat für sinnlos und für wertlos.
Unser Verband sammelt daher alle, die der Forderung zustimmen, daß der Impfzwang beseitigt werden muß. Diese Forderung haben wir in folgende Form gebracht: wir erftreben eine reichsgesetzliche Bestimmung folgenden Wortlautes:
„Jeder Erwachsene, der vor seinem zuständigen Richter auf Pflicht und Gewissen an Eidesstatt versichert, daß er es mit seinen Ueberzeugungen und seinem Genüssen nicht vereinbaren könne, sich, seine Kinder, seine Mündel oder Pflegebefohlenen impfen zu lassen, ist für sich, seine Kinder, seine Mündel oder Pflege-
Abg. Arnstadt (Kons.)'
hält eine Rede über die innere Kolonisation und wird vom Vizepräsidenten Dr .Paasche gleichfalls zurückgewiesen. Er polemisiert dann gegen irgend eine frühere Rede Gotheins und wird vom Vizepräsidenten darauf aufmerksam gemacht, daß natürlich Goihein antworten, und man dann überhaupt nicht mehr aus dieser Aus-ünandersetzung herauskommen würde. (Abg. Gothein: Sehr richtigl)
Abg Krömer lVp.) polemisiert als Lippischer Bauer scharf gegen die Rechte, die mit vielfachen Zwischenrufen und Gelächter antworten. Auch dieser Redner wird vom Vizepräsidenten, als er auf die gestern erledigten Resolutionen zurückkommt, zur Sache gerufen. Krömer wird von seinen Parteigenossen am Schlüsse seiner Rede mit stürmischem Beifall überschüttet.
Abg. Löscher (Rp.) spricht als Landwirt gegen das Gefrierfleisch, das er für minderwertig hält; er habe bei verschiedenen Proben es sofort heraus- geschmeckt.
Inzwischen haben die Sozialdemokraten ihre gestern eingcbrachte Resolution über Zulassung der Einfuhr von frischem Fleisch und Schlachtvieh in einer etwas anderen Fassung eingebracht; die Einfuhr soll zugelassen werden, wo die erforderlichen Schutzeinrichtungen gegen Verbreitung der Seuchen vorhanden sind. Die Sozialdemokraten beantragen zugleich namentliche A b st i m m u n a über diese Resolution. Vizepräsident Dr. P a a s ch e erklärt, daß diele Abstin»mung „naturgemäß" erst in der nächsten Woche stattfinden kann. Die wenigen anwesenden Abgeordneten erheben dagegen keinen Widerspruch.
Tas Gesetz wird sodann in dritter Lesung durch Annahme verabschiedet. Die Konservativen stimmen wieder dagegen.
Ser Gtttt des Reichsamls des Inneren
Zwölfter Tag.
Die Beratung beim Kapitel „Gesundheitsamt" geht weiter.
Abg. Tittmann-Solingen (Soz.):
Unsere Flüsse muüssen unbedingt gegen die Verunreinigung durch die Abwässer der Industrieanlagen geschützt werden. Besonders schlimm ist es um die Wupper. Die Verschmutzung und Verseuchong dieses Flusses verleidet jeden Naturgenuß. Hier muß energisch eingegriffen werden. Das einst kristallklare Wasser der Wupver ist heute blauschwarz — wie unsere Reichspolitik. (Heiterkeit.) Wo bleibt das Neichsgesund- heitsamt? Der Wuppcrfluß kann unmöglich länger eine solche Menge Abwässer aufnehmen.
Abg. Dr. Gcrlach (Zentr.^
verlangt nochmals ein Gesetz üoer die A r b e i t s v e rch a lkr nisse des Krankenpflegepersonals. Gegen die sozialdemokratische Resolution haben wir wegen ihrer Schematisierung lebhafte Bedenken, da sie auf besondere Verhältniffe keine Rücksicht nimmt. Dankenswerterweise wird jetzt die Bekämpfung der Tuberkulose in stärkerem Umfang durch große Heilanstalten versuch' und tatsächlich läßt sich bereits ein Rückgang der Todes'älle infolge von Tuberkulose konstatieren. Vor allem kommt es darauf an, die Uebertragung von Mensch zu Mensch au vcrhrck-n und die Bevölkerung über die Gefahren der Krankheit aufzuklären. Das sollte schon in der Volksschule gc scheher
Abg. Strack (Natl.):'
Wir müssen verlangen, daß unsere Aerzte im Ausland nicht schlechter gestellt werden, als wir ausländische Aerzte behandeln.
Abg. Hacgh (Elsässer)
erörtert, unter Bezugnahme auf französische Verhältniffe, gleichfalls die Krankenpflegerfrage.
Abg. Laux (Bayerischer Bauernbund)
fordert reichlichere Mittel zur Bekämpfung dec Schweinepest und verlangt die Erfindung eines Serums.
befohlenen von jeder gesetzlich oder behördlich angeordneten Impfung befreit."
In der Jmpffrage selbst vertrauen wir auf die schließlich siegreiche Kraft der Wahrheit: aber der wissenschaftliche Streit um die Jmpfsckmtzfrage wird erst durch die Einführung der Gewissensklausel jene Schärfe verlieren, die wir alle lebhaft bedauern. Ist erst der unerträgliche Gewissenszwang gefallen, so kann die Frage nach der Möglichkeit eines etwaigen Impfschutzes, seinen Voraussetzungen, seiner Dauer und Begrenzung usw. der weiteren gewissenhaften wissenschaftlichen Forschung überlassen bleiben. Wir wollen Freiheit und Wahrheit!
Dr. jur. Spohr, Reck>tsanwalt in Gießen. 1. Vorsitzender des Reichsverbandes.
♦
— „T er Rosenkavalier" in London. Ms London, 30. Januar, wird uns geschrieben: Thomas Beecham hat sehr viel für die moderne Oper in England geleistet. Er hat hier Frederick Delius, George Clntsam, Debussy und Leroux, vor allenr jedoch Richard Strauß mit „Salome", „Elektra" und „Feuersnot" herausgebracht. Obwohl er dreimal ein Vermögen draufgezahlt, hat er mit der heutigen Aufführung des „Rosentavaliers" eine vierte Spielzeit begonnen, die, nach allen Anzeichen zu schließen, glänzend werden und ihn für die früheren Mißerfolge vollauf entschädigen wird. Viele Vorstellungen der sechswöchentlichen „Season" sind bereits gänzlich ausverkauft. Zu der heutigen Erstaufführung frat sich das glänzendste und vornehmste Publikum cingefiinden. So groß war der Zudrang, daß man sich bereits um zehn Uhr vormittags zu der nicht reservierten Galerie anstellte und im allgemeinen mar auch die Aufnahme des Werkes- die denkbar herzlichste. Infolge der deutschen Darstellung ging freilich der Humor mancker Szenen und Situationen für das englische Publikum stellenweise verloren. Das machte sich besonders im» ersten Akt fühlbar. Tie Inszenierung war in allen drei Akten glänzend. Um dem Geschmack des Publikums Genüge zu leisten, mar manches gestrichen, so schon gleich das Himmelbett. Auch kleinere Sttiche, wenn auch umvefentlidier Art, fielen immer wieder auf. Eine stärkere Wirkung auf das Publikum spürte man vom Beginn des zweiten Aufzuges an. Unter den Solisten bot die Glanzleistung Paul Knüpfer, der der schwierigen Rolle des Baron Ochs in allen (Situationen gerecht wurde. Vortrefflich war Margarete Siems als Marschallin Eva von der O st e n verkörperte einen herzigen, jugendfrischen Oktavian und von entzückender Anmut war die Sofie uon Cläre Dux.
— Künstliche Zähne im Altertume. Nach den Mitteilungen, die ein Arzt einer englischen Zeitschrift macht, dürfen wir auf die Erfolge unserer modernen Zahnheilkunde nickt allzu stolz sein. Denn was unbekannte Zahnärzte im alten


