Ausgabe 
30.8.1913 Drittes Blatt
 
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Nr. 205

Drittes Statt

153. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Erscheint tt-Uch mit Ausnahme d«S Sonntags.

General-Anzeiger für Oberheffen

TieGletzeoer Lamilienblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da» ..Kreisblatt für des Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandioirtschoftllchen Seit« fragen" ericheinen monatlich zweimal.

Samstag, 50. August W5

9t»t<hen5brucf und Serleg der Vrüblichen Universität» - Buch- und otembnufcrei.

R. Lange, Liesten.

Redaktion, Expedition und Druckerei.' Schul» straste 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion: e-M-NL. Tel.-Adru AnzergerLiesten.

Handgeld.

Bon Dr. HanS Liesse, Leipzig.

Alte Sitten pflegen sich auf dem Lande am besten zu erhalten. Das beweisen ,. B. auch die bei den vielen Kauf­geschäften und namentlich im Viehhandcl und im Gcsindc- rechte üblichen Bestimmungen über das Handgeld. Während nn städtischen Verkehr jene«? .Handgeld, das wir auch Angeld, Dinggeld, Draufgeld oder Mielstaler nennen, allmäylich aufgehort hat, weiterhin eine erhebliche Rolle zu spielen, ist bei den Viehkäufen, sowie im Gesinderechte der Abschluß von Verträgen unter Hingabe eines sog. Handgeldes jetzt wie ehedem das Hergebrachte. Unser Bürgerliches Recht lut des­halb wohl daran, wenn es uns in bestimmten einzelnen Satzungen erklärt, was es denn mit solchem Handgelde recht- Uch eigentlich für eine Bewandtnis hat. Beispiele aus dem Viehkauf und dem Gesinderechte mögen hier die Lehren unseres Gesetzes verdeutlichen Helse».

Der Landwirt A. besucht den Pferdehändler D. aus ein tn einer Kreiszeitung erschienenes Angebot eines Wallachs. A. sieht sich das Pferd an, läßt sich den Preis nennen und wird handelseinig. Das Pferd soll bei dem Pferdehändler "och einen Tag stehen bleiben und dann abgeholt werden. Ter Bote aber soll den Kaufpreis von 700 Mk. dann mitbringen. Nachdem das alles besprochen ist, nimmt A. aus seiner Geld- kaffe fünf Zehnmarkstücke, behändigt die 50 Mk. schweigend dem Pferdehändler B., der sie, ebenfalls schweigend, nimmt und macht sich auf den Heimweg. Die 50 Mk. waren das übliche Handgeld oder Draufgeld. Was hat die Hingabe solchen Betrages rechtlich für eine Bedeutung ? Bei der Ant­wort auf diese Frage ergeben sich eine ganze Reihe von Punk­ten. Zunächst, wäre der Vertrag zustande gekommen, auch wenn der A. dem B. die Summe beim Abschlüsse nicht ge­geben hätte? Allerdings, lautet die vom Bürgerlichen Ge­setzbuch erteilte Antwort, denn der Pferdehändler hatte dem Landwirt einen Kaufantrag gemacht, den der Landwirt in allen seinen Teilen akzeptiert hatte. Damit aber war der Vertrag als solcher fertig. Weder der A. noch der B. könnten sich etwa hinterher bamrt hercmsreden, es sei ba« allerwärts übliche Handgeld nicht gegeben worden, deshalb fühlten sie sich nicht an ihre Abmachungen gebunden. Rach alledem haben wir den Satz zu verzeichnen:Das Handgeld iher Mietstaler, das Draufgeld) gehört an sich nicht zum Zu Itandckommen eines Vertrages. Es ist vielmehr rechtlich nichts als bloß ein Bekräftigungsmittel". Würde also z. B. der Pferdehändler B. leugnen, den Wallach tatsächlich ver­kauft zu haben, nun so könnte die Zahlung des Drausgeldes dem Landwirte vor Gericht insofern gute Dienste leisten, als er den Richter durch Hinweis auf das gezahlte Angeld leicht von dem stattgehabten i'Üffchlusfe eines >rauft>ertrags würde überzeugen. Unter Umständen freilich kann das Hand­geld auch andere Bedeutung haben: dann müssen das die Parteien mitsammen aber ausdrücklich vereinbaren. Macht also A. mit dem B. aus:Der Vertrag soll nur gelten, wenn Du, A., mir 50 Mk. Angeld gibst", nun, dann ist eine solche nachdrückliche Abmachung vom Richter natürlich zu respektieren. Wo sie aber fehlt, bleibt das Handgeld ledig­lich ein für das Bestehen des abgeschlossenen Vertrages nicht notwendiges Bekräftigungsmittel. Es dient, wie das Gesetz sagt, eben nur als Zeichen des Vertragsabschlusses.

Fälschlicherweise hört man da weiter oft die Meinung verfechten, es könnte sich die eine Partei durch die Rückgabe solchen Handgeldes ihrer Pflichten wieder ledig machen. Das Handgeld würde dann als sog. Reugeld anzusehcn fein, d. h. es würde jemand, den ein Vertragsabschluß reut, einfach wieder vom Vertrage dadurch abgehen können, daß er dem

Frarictl-Nun-scha«.

Tas Theater der Frauen.

Ein interessanter Versuch, der wahrscheinlich bald Rach- ahnrung finden wird, wird im Eftober dieses Jahres in London unternommen:Tas Theater der Frauen" beginnt eine einstweilen nur auf kurze Zeit bemessene Spielzeit. Ladt) Fo r b e S-Rob e r t sn, die Besitzerin des Trury Lane Theaters, ist die Urheberin dieses interessanten Ver­suches, sie hat zu diesem Zwecke, auf einige Zeit das Eourt ThsLtre gepachtet und der Frauenbühne den NamenEoope- rative Feminist Thäätre" gegeben. Tas Ziel ist, in voll­kommener künstlerischer Tarsrellung Bühnenwerke zur Auf­führung zu bringen, in deren Handlung die Mißstände in der Stellung der heutigen Frau innerhalb der Gesellschaft gestaltet sind. Ms erste Stücke sind in Aussicht genommen: BjörnsonsHandschuh",Tie alleinstehende Frau" von Brieux und ein Werk von Elisabeth Robins, das den Titel führt:Tas Stimmreclü für die Frauen". Die Liga, die die Ausführung dieses Planes übernommen hat, lehnt jeden Zusammenhang mit der Suffragettenbewegung ab, verurteilt die Ausschreitungen der englischen Frauenrecht­lerinnen und will die Bühnenkunst in den Dienst der Frauen­sache stellen, indem es die Zuschauer zum Nachdenken anregt und so überzeugt. Ter Vereinigung gehören bisher nicht weniger als 700 englische Schauspieler und Schauspielerin neu an. In einem Gespräche mit einem Journalisten gab Ladt) Forbes-Robertsou einige nähere Aufklärungen über ihren Plan.

,FZn dieser Herbstsaison des Frauentheaters soll bie Frage aufgeworfen werden^ dis zu iwlthcm Grade die Sdxnririelmnncn imstande sind, in Sphären, die ihnen bisher fernlagen, gewisse Stellungen auszufüllen Jn^ unseren Tagen, in denen die Frauen die Aufhebung so vieler Schranken fordern, die ihnen bei der Belangung auf wirisäiaftlicken Gebieten entgegenftebrn, ist es angebracht, daß die Schiuspiclerinnen bewerfen, daß fie ihrer­seits imstande sind, ein geschäftliches Unternehmen aufzubauen und zu führen. Seit vielen Jahren ist der weibliche Theaicr- drrekwr in England nur eine Seltenheit. Sir besitzen bereu £ heute eine große Reihe von Frauen, die »ich als Schriftstellerinnen einen Namen gemacht haben, und die es auch versucht haben, int ihren Arbeiten die Bühne zu erobern. Tas naic FrauemHeater wird daS erste Beispiel sein, bei dem Frauen vollkommen ein ganzes Bühnenunlernehmen leiten. Das Interessanteste habet wird die Tatsactr? fein, daß unser Theater auf der Basis der Coopc rateon geführt wird. Möglicherweise eintretenhe Verlust werden durch einen GarantievondS gedeckt, während die Gewinne unter den Frauen geteilt werden, die jenen Garantiefonds zusammen- gebracht haben."

Tie erste Woche der Londoner Spielzeit des Frauen­theaters gilt als Berfuchszeit: tpcttn das Unternähmen sich

anderen sein Draufgeld zurückgibt. Tiefe Meinung ist aber durchaus irrig. Gewiß, es können zwei Vertragsschließende erklären:Wenn das Handgeld bis zu dem und dem wie- dergegcben wird, so heißt das soviel, alsder Vertrag ist da­durch aufgehoben". Soll das Handgeld diesen Sinn haben, so muß das aber, wie gesagt, ausdrücklich unter den Parteien verlautbart worden sein. F^hlk dagegen eine derartige Abma­chung, so gilt des Bürgerlichen Gesetzbuchs kurze und bün­dige Erklärung:Das Handgeld ist kein Reugeld", mit an­deren Worten, die Rückgabe des Handgeldes schafft in alle Wege keine Befreiung von den einmal übernommenen Vcr- tragspflichten.

A. läßt nun also von seinem Sohne den Wallack ab- holen und durch den Sohn die restlichen 650 Mk schicken. Ter Empfänger des Geldes, Pferdehändler B erklärt aber, es fehlten 50 Mk., denn das Handgeld habe er nickt nötig, fick auf den Kaufpreis verrechnen zu lassen. Wie ist hier zu ent scheiden? Tas Gericht wurde in solchem Falle zugunsten des Landwirts A. rechtsprechen müssen. Erklärt dock das Gesetz ausdrücklich, cs seien derartige zur Bekräftigung des Ver­tragsabschlusses gezahlte Gelder auf die Schuld anzurechnen. Haben A. und B. freilich abgemacht oder existieren sonstige sichere Zeichen dafür, daß die 50 Mk. eine Extraleistung bedeuten sollten, nun dann würde sich das dementsprechend zugunsten des Pferdehändlers B. ändern, denn es gilt hier, wie überall der Satz, daß der deutlich zum Ausdruck gebrachte Wille der Parteien im allgemeinen das Ausschlaggebende ist. Nur wird dieser Fall gerade beim Biehkauf wohl kaum je praktisch werden, denn der Viehkäufer wird mit der Hingabe eines Handgeldes stets die Absicht einer späteren Verrech­nung der gezahlten Summe auf den Kaufpreis verbinden.

Weiter kommt es bekanntlich häufig vor, daß Kaufver­träge hinterher wieder rückgängig gemacht werden. Um bei unserem Beispiel zu bleiben, würde solcher Fall z. B. dann praktisch werden, wenn der Landwirt A. dem Pferdehändler B. alsbald schrieb:Sehr geehrter Herr, ich habe mir die Sache nochmals überlegt und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mich meiner Vertragspflicktcn entheben würden" und der B. darauf antwortet:Schön, dann mag der Kauf nichts gel­ten". Was wird jetzt mit den angezahlten 50 Mk. ? Klipp und klar lantet des Bürgerlichen Gesetzbuchs Antwort:Wird der Vertrag wieder aufgehoben, so ist das Draufgeld zurück - zugcben". Ist freilich derjenige, der das Handgeld dem an­deren Teile behändigt hat, schuld daran, daß der Vertrag gelöst wird, so erleidet die eben geschilderte Regel eine Aus­nahme.

Ich setze deshalb den Fall: der Landwirt A., der sich zur Abholung des Pferdes für den folgenden Tag verpflichtet hat, wird von dem Pferdehändler B. gemahnt, das Tier nunmehr doch auch wirklich holen zu lassen. Er kommt die­ser Mahnung aber hartnäckig und ohne jeden vernünftigen Grund nicht nach. Hierdurch gibt er dem Pferdehändler Ge­legenheit, vom Vertrage zurückzutreten. Es ist also die Saumseligkeit des A der schuldige Anlaß zur Wiederaufhe­bung des Vertrages. In solchen Fällen ist der Empfänger des Handgeldes ausnahmsweise berechtigt, das Handgeld auch nach Lösung des Vertrages zu behalten.

Wie schon erwähnt, ist die Hingabe eines Handgeldes dann vor allen Dingen noch im Gesinderechte zu Hause. Hier erscheint die Summe meist in Gestalt des üblichen MietSta- lers. Im täglichen Leben ist es, wie bekannt, da nicht Brauch, den Lohn des Gesindes um den angezahlten Betrag zu für Zen. Andrerseits aber pflegt man mit dem Dienstpersonal etwas ausdrückliches darüber, daß eine solche Kürzung zu unterbleiben hat, nicht auszubedingen. Tas Preußische sindcreckt legt für solche Fälle die Rechtslage durch eine be bewährt, dann sollen später auch in größerem Maßstabe Gastspielfahrten in die Provinzstädte unternommen werden. Tie Uebersetzung des in Aussicht genommenen Brieuxscheu Stückes ins Englische hat Frau Bcrnard Shaw übernommen.

Tic Frau im französischen Heeresdienst. L.ic .-Frauenrechtlerinnen Frankreichs fordern nicht nur Reckte, ne fordern mich Pflichten. An den Anstrengungen der Nation, die Wehrfähigkeit des Landes zu erhöhen, verlangen auch die ATOiicn ihren Anteil, sie wollen nicht zurückstehen und haben fick jetzt in eine- von 900 jungen Tarnen unterzeichnetenStur m pe11lio n" an den Äriegsminister mit der Bitte gewandt, dafür zu torgcn, daß den trauen Frankreichs die Möglichkeit gegeben werde, Heeresdienst zu veriehen. Sie denken nicht etwa daran, Amazonen-Regimenter zu bilden, sie streben fielen zu, die weniger absonderlich sind, sie wollen die Taufende und Abertausende Sol­daten, die im Frieden wie im Kriege Hilfsdienste versehen, erfetzen und so diesen der Schlagfähigkeit der Armee entzogenen 'ooldaten die Möglichkeit geben, nn Frontdienst zu blecken.Tie unterzeichneten jungen fronzöslichen Tarnen," so beißt es in jener BiMckrift, die imGrand National" veröffentlicht wird,haben die Ehre, Ihnen folgenden Wunsch zu unterbreiten. Wenn die dreijährige Ttemtwt m ffrait getreten ist, wird unsere aktive Armee noch immer Fleiner sein, als die unseres möglichen Gegners Diesem Mangel kann dadurch abgeholfen werden, daß alle jene jetzt in den Hilfsdiensten, im Lanitätswefen und nn Intendantur- wefen beschäftigten Soldaten in die Front versetzt werden. Dir erNären uns bereit, die Pflichten dieser Soldaten im Hilfsdienste zu übernehmen. In der Vergangenheit haben französische Frauen in der Geschickte ihre Ehrcnvtore erobert, wir wollen hinter ihnen nicht zurückstehen." Tie vatriotifchen Frauen Frankreichs wollen im Heeresdienst nidit nur als weibliche Sanitätssoldaten dienen fie wollen auch als Köchinnen, Militärschneiderinnen, als Ber^ waltungsbeamte und als Musiker Tienst tun und so, wie sie sich ausgerechnet haben, 200 000 Krieger für den Tienst mit der Waffe frei machen.

Die Frau als-Kunsthandlerin. Ten praktischen <-tnn der ammfanudxm ,Trauen ist es anscheinend Vorbehalten gebltcken, ihrem Geschlechte einen Beruf zu erschließen, für den ric (trau in vieler Hinsicht besonders günstige Anlagen rnit- bringt: den Kimichanbel. In Amercka gibt es bereits eine ganze Jneibc enolgrncDer ftlmttbanolerinnen: eine der angesehensten von ihnen, eine New Dörfer Kunsthändlerin, hat in diesen Tagen während ihrer alliahrlickm Europafahrt einem Londoner Iaur- nantten allerlei Interepantes von ihren Erfahrungen erzählt, veute kommt es hauvtsäMich darauf an, dem Markt in der Bewertung einzelner Kunstzweige und einzelner ffünftler ein wenig borau* zu cuen," «zahlte diese Geschäflsftau, die als .«i'ennenn ben Wettbewerb mit vielen ihrer männlichen Kollegen an nte Ernten umn._jpenriutage gibt es nur noch wenig Griegenbeit, unter ber jxnb kostbare Kunstgegenstänbe ^u .entdecken". Als ich be­gann, war es noch nicht fo scftoer, btüig zu kamen und ntü

sondere Bestimmung klar, es erklärt nämlich:Das Miets­geld wird in der Regel auf den Lohn abgerechnet, wenn nicht etwa anderes ausbedungcn tst". Darnach kann also die Herrschaft trotz des umgekehrten Brauchs, wenn sie will, den Taler auf den Lohn verrechnen. Za selbst dann, wenn die Herrschaft auf solchen Abzug ausdrücklich verzichtet bat, ist sft hierzu dennoch berechtigt, wenn das Gesinde auS eig­ner Schuld die verabredete Dienstzeit nicht aushält.

Landwirtschaft.

Tie Str eufäbiflTeit des ff al Hix cf ft off 5 läßt sick durck das Mischen mit Thomasmehl und Kalisalz ganz be- beutenb verbessern Tas Stauben des stalTstickstofts, sowie die ätzende Wirkung des darin enthaltenen Aetzlvlkes wird birrdi diese Maßnahme trjIlLnunen aufgehoben Es s.l! überhaupt Prin­zip des vraktisckien i!andw,ris stnt, die Tüngemittcl im Gemisch miteinander auf dem Felde aitSziistreuen, da dadurch an Arinit und Zeit viel gespart wird. Zbalksffckstoff, Tbomosmedl unb ffaliialz Ifreut man im Herbste 810 Tage vor der Aussaat auf das Feld und eggt dann am besten diese Tünger unter.

Luftschiffahrt.

Merkwürdige Flugmaschinen.

Die Flugmaschine beginnt langsam aus dem Gefährt kühner <rg»Tt«lcutc ein tnaklisches FortbetvqplngSntittel zu .-Serben, das den Bedümftsfeti bad Lebens an gepaßt ivird. Darauf lassen aller­lei neue Formen deS Flugzeuges schließen, die in neuester Zeit autflctaudn sind, ihrri vor dem ttagifdxm Unfall, der feinen Tod beebeitiibrtr, erprobte ber englische Flieger ISolond Eodv diefliegende A m b u 1 an z", die den Fiug- apparat in den Tienst der Medizin stellen soll DieseftYanfen- flngmasckine", wie sie auch genannt worden ist, soll dazu ver­wendet werden, Aerzte und Mranfrnrileger möglichst rasch zu befördern: besonders verspricht man sich im Äriege gute Erfolge, wenn so die Chirurgen von den Feldlazaretten nach einem ent­legenen Teil des Schlachtfeldes fliegen können. Sie enthält einen Feld-Operationstisch und eine ganze Ausrüstung von ärztlichen Instrumenten und allerlei Vorrichtungen zur Hilfe für biOVranfrn, bie auö bem leichtesten Material her gestellt sind und einen mög- lickst geringen Raum beausvrucken. Tie fliegende Ambulanz ist nach den genauen Angaben des Obersten Tonegan vom Sanität»- korps der englischen Armee erbaut. Unb die praktische Einritte tung wird wahrscheinlich amch von den Verschiedeueii Heeresoer- roaltungen des Kontinents ausgenommen werden. Das ist aber nickt das einzige FluMeug, das nir einen bestimmten Zweck ein­gerichtet ist, sondern es gibt auch bereits verschiedene Flugzeuge, die bei BergnügungSsahrten alle Bequemlichkeit vermitteln sollen Ta ist dieA^rohachl", in ber Pilot imb Passagzer wie in einem gedeckten Wagen sitzen und gegen ftälte und Sturm völlig ge­schützt sind.

Eine eigentliche ,Lu xu s-Fl u g m a s ch i n e", die erste, die überhaupt gebaut worden ist, bat sich ein Chicagoer Bankier Lincoln Regazzont einrichten lassen. Anstelle des gewöhnlichen Zitzes ist hier ein elegantes kleines .Kupce angebracht, das gonjz aus Aluminium und dem leichtesten Holz besteht. Tarin befindet stch etn Lehnstuhl mit taubengrauer Polsterung und reichen Minen; Mim schmuck dieses luftigen Raumes ist eine silberne Bin men- vase angebracht. Tie Stelle des Glases der Fenster vertritt Glimmer^ unb alles ist mit großem Luxus ausgestattet. Ter slugbegeisterie Geldmann unternimmt in dieser Staats-Flug- maschine häufig Ausflüge, als Piloten hat er sich den bekannten Zieger Harry Ely engagiert, dem er ein I-ahresgehalt von 30000 Mark zahlt. 4.ir englische Wochenschrift, die uns mit diesen Tat­sachen bekannt macht, erinnert an die zahlreicku-n Erperimente, unsichtbare Flugmaschinen" zu lonitruicrcn, die es den Feinden schwierig ober unmöglich machen, die gegnerndjen Flugzeuge zu erkennen, oo wurden in Frankreich in diesem Frühjahr drei .lpparate in ^dieFliegei>Abteilung" imgestellt, deren Körper unb unteren Leiten der Flügel himmelblau geiärbt waren, damit sie in einer gewiften Höl>e mit der Farbe des Himmels in eins verschwimmen könnten. Daß durch diese himmelblauen Flugzeuge die gennmichtc Wirkung erreicht worden wäre, ist aber nicht gemeldet worden.

gutem Verdienst zu verkaufen Fch hatte in meiner Jugend piel in Pans gelebt: als für mich die Frage austauchte, nüch leibst ernähren, begann ich allerlei kleine Stunftgcgcnitärwc unb Antiguitaten zu fajfen. <Zch besaß aus biricm Gebiete schon Dor- kennniifte, war mit den meisten großen ^Sammlungen wenigstens ickerflacklich vertraut. Unb halb entbcrfle ich, daß ich m diesem «erute zu Dohlftand kommen tonnte Heute verdiene ich durch- Ickncktlich meine 40000 Mk. im Fahre, jährlich tommc ich ton Arnenra nach Europa, ftreifc drei Monate in Italien umher: alw, tz,aß mein Beruf eintönig wäre, kann ich auch nicht be- Irauvten. Dieses Jahr bringe ich aus Sübbculsck^and eine Anzahl alter Hslzschuitzerrien mit nack Hause Ich habe sft jreilid) teuer bezahlt, ober ste sinb so schon, das- ich weiß: h*m Abnehmer werbe ich mich nicht zu sorgen brauckui. Auch cflie Silbcrarbeiten, alte Schmuckstücke unb eine Anzahl alter stirchengerate, buRf> ioeg sehr schöne kunstvolle alte AiLeüen, Ixcke ich dieses Ick^ aut meinen Strri;uiqen auriiririn gemach: Uns da ick bereits einen befhnrmtrii nicht unanselmlicken stunbeickreis habe, weih ich schon beim Einkauf, welche meiner Kunden für die emsdnen Stürfc als Abnehmer in BetraM Lmrmen, fo baß mir auch das Risiko nicht allzugrog erscheint."

m ks Der Modenkreuzzug der Frauen von St. Paul. 4000 ^-rauen von St Paul in Minnesota haben gegen tne herrschende Mode, und insbesondere gegen ben Untug der engen Kleiber, bte Waffen ergriffen. Ein solches raum beer bat wohl noch nie ben Kriegsriab gegen bie Tyranniü Mode befthntten. Tie Frauen von St.- Paul faben ihren Feldzug mit einem Rund schrei bei, an alle Schneider, Schnei­derinnen, Modegeschäfte der Stadt eröffnet, worin sie ihnen die folgenden Mitteilungen machten.

_Meine Herren, der (^ekulivausschuß des Bundes bet .srauenvereine von Minnesota bittet im Auittage vieler Frauen, daß^ von der nächtten Saison an nur noch solche Toiletten ver­kauft werden, deren Umfang am unteren Rockfaume für eine Frau mit 36 Zentimeter Taillenumfang l,*0 Meter beträgt. Xie Kleider sollen ferner von guten Verhältnissen sein unb nicht io eng anüegen, daß sie die Formen knapp zeichnen; auch sollen sie bis 7 Zentimeter über den Boden reichen Viele der Frauen, die gegen die Mode protestieren, sind bisher qo Awungen gewesen, sich Kleider nach ber Move zu kausen, ober eine große Zahl hat es vorgezvgen, lieber überbauet auf neue Kleider zu verzichten, als sich den Moden dieser letzten Monate zu unterwerfen. Wir wünschen Kleider für anständige Tarnen, die etwas anderes sind, als solche, die der Demimondc passen mögen."

Tiefer Protest der streitbaren Jraueit wird überdies nock von öunberten von Männern unterstützt, und die Moden- geschäfte von St. Paul erwägen emfdid), ob fie nicht in ber kommenden Saifon mit enter doppelten Mode werden arbeiten müssen: einer Tür bie Anhängerinnen des Modetteuzzuges unb einer anderen für die Freundinnen der engen Kleider.

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