Ausgabe 
28.5.1913 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

165. Jahrgang

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gründlich vorzubereiten. An der Spitzle der Exekutivgewalt I Beratungen mit Vertretern der österreichischen und der schweize- steht jetzt ein englischer Oberkommissar. Ein gesetzgebender > rischen Regierung festgestellt worden. Für die Anwendung des

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neuen Rechtes in diesen Ländern wie in Deutschland selbst wurde

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Rat von 18 Mitgliedern besteht aus sechs vom Oberkom­missar ernannten und aus 12 aus einer Volkswahl hervor

Rechner der Welt und werden diese Liquidation vorzuhalten wissen, sobald man von ihnen Rechenschaft verlangt. Jedeu-

Der Gletzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich G'.ehencr§arnilienblätter: riveimal wöchenllätters- blaU für den UreisEieße» (TienStag und Freilag); zweimal inünatl. Land- wirtschaftliche seitsragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Giovanni Sgambati, der Altmeister italienischer Kammermusik, vollendet am 28. Mai (nicht am 17., wie vielfach irrig angegeben wurde,) sein siebzigstes Lebensjahr. Sgambati, dessen Ruf sich beute ans seine Kompositionen gründet, hat als Klaviervirtuose seine musikalische Laufbahn begonnen; schon als sechsjähriges Wunderkinds spielte er öffentlich, und im gleichen Alter kom­ponierte und dirigierte er ebenfalls. Seine Leistungen auf dem Klaviere in seinen jungen Jahren müssen wirklich außerordentlich geivesen sein, denn Franz Liszt, wohl der berufenste Beurteiler, sagte von ihm,er fange da an, wo andere aufhören". Sgain- batis Eltern (der Vater war Italiener, die Mutter Engländerin) hatten ihren Sohn ursprünglich zur juristischen Lausbahn'bestimmt, aber die frtlljen Glanzleistungen des kleinen, Giovanni stießen

Die Vereinheitlichung Ser Wechselrechts.

Das Haager Abkommen vom 23. Juli 1912 über die Verein­heitlichung des Wechselrechts ist der Abschluß einer Mehr als vierzig Jähre hindurch verfolgten Bestrebung der .Handels- und Jndustrielreise fast aller Kulturstaaten. Mit Ausnahme Eng­lands und der Vereinigten Staaten sind denn auch sämtliche be­deutenderen Staaten der Erde diesem Abkommen beigetreten. In seiner Ausführung legt die deutsche Regierung dem Reichstage jetzt das Abkommen über die Verein­heitlichung des Wechselrechts selbst sowie die im Zu­sammenhänge damit abgefaßteEinheitliche Wechsel­ordnung" zur Genehmigung vor. Rach Annahme dieses Abkommens wird die Regierung dem Reichstage den Entwurf zu einer neuen deutschen Wechselordnung llorlegen, der im einzelnen die durch das Abkommen erforderlich gewordenen Aenderungen enthalten wird. Rach bent Haager Abkommen ver­längern künftighin Ereignisse höherer Gewalt den Lauf der Fristen; außerdem kann bei Verweigerung der Annahme sowie Unsicherheit des Annehmers der Rückgriff auf Zahlung und nicht, wie bisher bei uns, nur Sicherstellung verlangt iverbcn. Ferner sollen Wechsel in Zukunft zulässig sein, bei denen die Vorlegung zur Annahme verboten ist was bisher in Deutschland nicht angängig war, auch deutscherseits nicht erwünscht schien ~r, auch soll in allen Vertragsstaaten dem Bezogenen, bent ein Wechsel zur Annahme vorgelegt wird, von jetzt an eine Ueberlegungsfrist gesetzlich ge­währt werden. Auf Vorschlag der deutschen Delegierten ist hierbei eine Bestimmung des Inhalts ausgenommen worben, daß sich der Bezogene auf das Verlangen einer Fristgewährung nur bann be­rufen kann, wenn dies im Protest vermerkt ist.

Das Militärproblem und die neuen Steuern in Frankrei ch.

Der französische Finanzminister hat in der Kammer­sitzung am Dienstag einen Gesetzentwurf eingebracht, durch welchen eine progressive Steuer auf Einkom­men über 10000 Franken eingeführt wird. Die Be­steuerung soll über 70 Millionen jährlich einbrin- gen. Tre Steuer wird 1 Proz. auf Einkommen bis zu 50 000 Frauken* 2 Proz. auf Einkommen bis 100 000 Franken und 3 Proz. auf Einkommen über 100 000 Franken be­tragen. Die Kammer nahm nach langer lebhafter Be­sprechung die Kredite für die Zurückbehaltung der Jahresklasse von 1910 mit 386 gegen 165i Stim­men an. Die Kammer beschloß, die Beratung der Vor­lage über die dreijährige Dienstzeit am 2. Juni zu beginnen.

Die Meuterei im französischen Heere.

Aus Baftia auf Korsika wird den Blättern ge­meldet: Ein Soldat des 111. Infanterieregiments sang in Gesellschaft mehrerer Zivilisten auf der Straße die Inter­nationale. Ein Offizier verlangte ihm seine Nummer

Schwung des Neifrockes anmutig betont. Ihre Schwester als Herr tanzte dann ein allerliebstes Liebesspiel mit ihr. Von berücken­der Schönheit war der Dorfschwalbenwalzer, den Elsa Wiesenthal mit dem reizvollen Spiel ihrer schlanken Glieder und dem die Bewegungen ins größere, weitere übertragenden Schwung des hellen Gewandes vor dem tiefblauen Hintergrund ganz vorzüg­lich tanzte. Reizender Munterkeit voll war die von beiden Schwestern in zierlichen Mädchenkleidern dargestellte Violetta Polka. Am eindrucksvollsten und durch das Fluten der weiten weißen Gewänder nachdrücklich unterstützt erschien der Fcmst- walzer, mit dem die beiden Geschwister unter ganz außerordent­lichem Beifall ihr Gastspiel beschlossen, nicht ohne daß sic sich zu zwei Wiederholungen verstehen mußten.

Eingeleitet wurde der Abend durch Otto Erich Hartlebens Lore, die stark verwässerte Dramatisierung der köstlichen Ge­schichte vom abgerissenen Knopf, mit einem kleinen Einschlag der Geschichte: Wie der Kleine zum Teufel wurde.

Unter Herrn Rottecks Regie wurde sie von den Herren Volck als Vetter, Grosser als Kleiner und Rotteck als Fred (in der Maske Hartlebens) sowie Frl. Dagnp als Lore, die nach Otto Erich nur etwas blasierter hätte sein müssen, recht wir­kungsvoll dargestellt. Den Schluß des durch zahlreiche große Pausen ausgedehnten Abends bildete der heute kaum noch ge­nießbare Schwank vom S ch w e r t d e s D a m o kl e s unter Herrn Grossers Leitung. An der guten Darstellung waren die Damen Rathnsius (Selma), Dagny (Philippine», Titte! CFritz^ ,sowie die Herren (Grosser (Kleister) und Grosser-

I einen bedeutenden Ueberschnß über die Stu § gaben zeigen. I Dieser Ueberschnß, der schon immer sehr hoch war, ist in | den letzten Jahren noch beträchtlich gestiegen. In den . letzten 30 Jahren der englischen Verwaltung betrugen die Gesamteinnahmen -des Landes rund 6 Millionen Pfund Md die Gesamtausgaben nmb 4 Millionen Pfund, so daß sichän dieser Zeit ein Gesamtüberschuß von rund 2 Millio-

Ausland.

Deutsche Instrukteure in der Türkei.

DieVoss. Ztg." erklärt gegenüber derKöln. Ztg." das bestimmteste, daß man betreffs der Reformen für

Der Kotier und feine Gäste.

Potsd am,,27. Mai. Heute vormittag 10 Uhr begann bet herrlichem Wetter die Parade über d i e Pots­damer Garnison in Gegenwart ihrer Majestäten und des Königs Paars von England. Rach der Parade war Frühstückstafel bei den Majestäten. Nach der Früh- stückstafel kehrten die Majestäten mit ihren englischen Gästen nach Berlin zurück.

Die Abreise des Königspaars von England.

Berlin, 27. Mai. Der König und die Königin von England nahmen heute nachmittag den Tee bei dem Kaiser­paar im königlichen Schloß. Gegen 0V2 Uhr erfolgte die Abfahrt nach dem Lehrter Bahnhof. Der Kaiser und die Kaiserin geleiteten die Gäste. Die Abreise vom Lehrter Bahnhof aus erfolgte um 5.35 Uhr nach Vlissiugen und London. Das Kaiserpaar begab sich von dem Bahnhof nach dem Neuen Palais.

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diesen Plan um, er studierte in Neapel und Rom Musik, um sich dann nach Deutschland zur Vollendung seiner Studien zu begeben.

Ein wichtiges Ereignis kam aber dazwischen, das diesen Plan umstieß: Sgambati wurde in Rom mit Liszt bekannt. Liszt er- iännte sogleich, welch begabten Klavierspieler und Musiker er vor sich hatte, es entspann sich eine Freundschaft zivisckwn den beiden Musikern. Liszt, der außerhalb wohnte, kam zweimal wöchentlich nach Rom, um seinem jungen Freunde Unterricht zu erteilen,jtnb es versteht sich von selbst, daß Sgambati nun in Rom blieb. Sgambati war es auch, dem Liszt die Urauffübrung der Dantesvmphonie anvertraute. Erst als Liszt Italien wieder ver­ließ, gelangte Sgambati zusammen mit seinem verehrten Freunde und Meister (1869) nach Deutschland. In München lernte Sgam­bati Wagnersche Musik kennen und ein paar Jahre darauf wurde er in Rom mit Wagner persönlich bekannt, dem er während eines Konzertes zu Ehren des deutschen -Botschafters vorgestellt wurde. Wagner stimmte in seinem Urteil über Sgambati mit Liszt vollkommen überein, und dies Urteil galt nicht nur dem Klavierspiel, sondern in noch höherem Grade den Kompositionenl Sgambatis. Auf dem Konzertprogrammc hatten bei dem Fest­konzerte nämlich ausschließlich Werke Sgambatis gestanden. Wag­ner war es, der seinem Verleger Schott in Mainz die Sgam- batischen Kompositionen angelegentlichst empfahl. In einem Briefe an Schott teilt er mit, wie seine Aufmerksamkeit durch Liszt auf diesen Komponisten und ausgezeichneten Klavierspieler gelenkt wor­den sei, daß er das Vergnügen gehabt habe, ein außerordentliches, originelles Talent persönlich kennen zu lernen, und daß er dieses Talent, das in Rom nicht an der rechten Stelle stünde, einer musikalischeren Welt empfehlen wolle. Sgambati solle, so erklärte er dies, von Wien aus beginnend, ganz Deutschland durchreisen und eigene Werke aufführen, dies werde wegen der Langweiligkeit der neuen deutschen Kammermusik zu einem großen Erfolge führen

Sgambati folgte bem Rate Wagners und unternahm Konzert- reisen, die ihn nicht nur nach Deutschland, sondern auch nach London, Pans, Holland und Rußland führten. In Rußland

alc ^on ^nc?- Leistungen so begeistert, daß man ihn bat, als Nachfolger Rubinsteins den Lehrstuhl für Klaviermusik am Koniervatorium m Moskau zu übernehmen. Meili Sgambati lehnte diesen Vorschlag ab; er zog es vor, eine ähnliche Stelle .'einer Heimat zu übernehmen, nämlich die als Leiter der Lecilienafabemic. Auf ein Gebiet, das Wagner dem Italiener auch empfohlen hatte, hat sich Sgambati dennoch nicht gewagt: er sollte, wie Wagner ihm eininal vorschlug, eine Oper komponieren, Zu der Costa das Libretto schreiben sollte. Er schlug das An­erbieten mit der Begründung ab, er erwarte keine höhere Be­friedigung von der Musik, als auf dem Gebiete, das er pflege.

Braun (Stahlfeder) beteiligt.

Die Musik stellte die Regimentskapelle.

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Giovanni Sgambati.

(Zu seinem 70. Geburtstage.)

Mittwoch, 28. Mai M3

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neu Pfund ergab, also ein Drittel sämtlicher Einnahmen. Wo sind diese Ueberschüsse hingekommen? Cypern hat nach . dem Llblömmen, auf Grund dessen England die Ver­waltung übernahm, an die Türkei einenTribut" (richtiger gesagt eine Entschädigung für entgangene Ueberschüsse, die viel zu hoch angesetzt waren) von rund 100 000 Pfund jähr­lich gezahlt. Der Tribut wurde aber nicht wirklich an die Pforte geschickt, sondern für Rechnung der Türkei zur Deckung der türkischen Staatsschuld von 1855 verwendet, für !>eren Deckung seinerzeit England natürlich gegen ge­wisse sofortige Vorteile die Garantie übernommen hatte. And obwohl die Insel Jahre hindurch die schönen Ueber­schüsse abwarf, erhielt sie auf dem Papier doch noch einen jährlichen Zuschuß vom englischen Parlament von über einer halben Million Mark. Die Engländer sind die besten

asiatische Türkei übereingekommen ist, die Posten der militärischen Instrukteure auch in Zukunft deutschen Offi­zieren zu übertragen, während die Posten für die Instruk­teure in der inneren Verwaltung englischen Fachleuten Vorbehalten bleiben sollen.

gegangenen und auf fünf Jahre gewählten Mitgliedern. DieserVolksvertretung" ist man sicher. Wirtschaftlich ist trotz aller Ableugnungen von griechischer Seite neuerdings doch auch viel geschehen. Die Insel hat jetzt eine Eisen­bahn, die von Famagusta über die Hauptstadt Nicosia nach Morfu geht und so die fruchtbare Ebene der Messoria ihrer ganzen Länge nach durchquert. Sie hat auch einen neuen Hasen in Famagusta, dessen Verkehrsziffern sich in stetiger Zunahme "befinden. Bei der Vorzüglichkeit der Anlage und dem Ausbau des Bahn- und Straßennetzes, das in Fama­gusta mündet, wird hier der Verkehr einen außerordent­lichen Aufschwung nehmen. Auf der Bahnstrecke fahren jetzt, vier Züge täglich in jeder Richtung. Der Handel mit Aegypten nimmt überraschend zu. Die englische Regierung hat in den letzten Jahren zu Bewässerungszwecken primi­tive Staudämme errichten lassen, und die Versuche ergaben, daß die bewässerten Felder schon um die Hälfte mehr Er­trag lieferten als die unbewässerten. Auch eine Agrarbank ist auf Grund eines Uebereinkommens mit der Regierung und einer ägyptischen Landgesellschaft zustande gekommen. Die Schwammfischerci übernahm das Ackerbaudepartement in Regie. Eine wesentliche Förderung erfuhr die cyprische Landwirtschaft durch die Einführung des Systems der Raiff- eisen^Genossenschaften in einer Reihe von Dörfern. Tas Hauptprodukt Cyperns, das Johannisbrot, geht in Massen nach England, wo man es zu Spirituosen und Melasse verarbeitet. Von der Mineralienausbeute erwarten die Sachverständigen eine neue Blüte. Man sieht, England hat auf Cypern Kulturvorarbeit getrieben. Und wenn Deutsch­land nach Alcxandrette kommt, steht wieder einmal eng­lischer Besitz bor der Tür, und wir ntüssen uns leider damit abfinden. Denn Tauschgeschäft ä la Helgoland käme uns dort doch zu teuer zu stehen.

d, Militär u.M- tii und Kiemen (.19.- Mk.150-en)pfi^ M Mich

Gretzener Stadttheater.

Die Geschwister Wiesenthal.

Gießen, 28. Mai 1913.

Vorn Anfang aller Kunstübung, ja weit darüber hinaus

roch, ist die Tanzkunst bis auf unsere Tage die sinnlichste und deshalb lebendigste Kunst gewesen, und so groß war ihre Be­deutung, daß sie nicht nur bei den alten Kulturvölkern, son­dern auch in der Entwickelung des christlichen Gottesdienstes eine bedeutsame Rolle im Kult spielte. Allerdings, von der schönen beredten Tanzkunst, die einen Plato ebenso begeisterte, me die Kirchenväter und unter ihnen vor allem einen Basilius, von dem Tanz als einer lebendigen Kunst, die der Sonnenkönig h zauberischen Festen zu Prunkvollem Glanz entfaltete, von dieser schönen und edlen Kunst ging in Deutschland, Frankreich und England mit der Verbürgerlichung der Gesellschaft alle Me­lodie und aller Inhalt bis auf wenige Ausnahmen verloren, soweit nicht bodenständige Volkstänze in Frage kommen, bis auf wenige Ausnahmen verloren,, und starrte Pose und eine nichtssagende, lächelnde Fratze.

Die Wiedergeburt des Tanzes in unseren Tagen ging mit her Vertiefung und Umgestaltung unserer Anschauungen von bmr Wesen der Kunst Hand in Hand. Damals feierte Isadora 'S unfern ihre ersten Triumphe und die kleine Japanerin Sada Baeco berauschte das alte Europa, als sie ihm zeigte, welche Ptnnrut und welche Zierlichkeit aus den fließenden Linien des Körpers entstehen können. Reben Rita Saechetto, die wir hier säwn mehrfach sehen konnten, waren es die drei Geschwister Wiesenthal, die in Deutschland den Tanz als Kunst zu einer ungewöhnlichen Vollkommenheit gebracht haben. Elsa und Bertha Wiesenthal zeigten uns nun gestern, wie sehr He den ihnen voraufgeheudeii Ruhm verdienen, und wie sich ilrc ganze Art zu tanzen aufs schönste und anmutigste kund gibt, indem sie ohne alle Zugeständnisse an die überlebte Kunst der Ballettmeister auftreten.

Das wesentliche ihrer Kunst ist die Darstellung eines Er­lebnisses, eines Gefühles durch Tanz, wobei sie sich weit weniger wie Rita Sacchetto, die Deutsch-Italienerin, der Mimik bedienen. Co gestalten sie die musikalischen Absichten um und schaffen Bilder von entzückender Schönheit. Dabei tanzen sie vor einer H ihren Kleidern vorsichtig abgestimmten, einfarbig auSgeschla^ «men Bühne, wodurch ihre Darbietungen außerordentlich an Aastik gewinnen. In der Krinoline kam Elsa Wiesenthal zuerst drein mtb hob sich in ihrem mattfarbigem Gewand herrlich von dm tiesgelben Hintergrund ab. Auf unsichtbaren Füßen schwebte ft kiuher uub dieses zarte .Gleiten wurde durchs den sausten

es als von wesentlichem Rutzen angesehen, wenn die Einheit unter den Staaten deutscher Zunge nicht nur im Inhalt, sondern auch in der Form des Gesetzes besteht. Die bisher von der deutschen Wechselordnung gebrauchten Fremdwörter sind, soweit angängig verdeutscht worden: so ist statt Regreß, RegreßrechteRückgriff, Rückgriffsrechte", statt Original und KopieUrschrift" undAb­schrift", statt Akzept, AkzeptantAnnahme, Annehmer", statt AllongeAnhang", statt InterventionEhreneintritt", statt Aval Wechselbürgschaft" gesagt. Der deutsche Entwurf, der nach An­nahme des Haager Abkommens vorgelegt weroen soll,,wird nicht nur eine wortgetreue Uebersetzung der Haager Wechselordnung, sondern auch die für sachdienlich erachteten und nach dem Ab­kommen zulässigen Aenderungen uub Ergänzungen enthalten. Diese neue deutsche Wechselordnung wird sodann gemäß Artikel 1, Abs. 1, Artikel 27 des Abkommens sechs Monate nach dessen Ratifizierung in Kraft treten.

England und die Lisbesmfel.

Cypern, .die Liebesinscl des Altertums, das Eiland der schaumgeborenen Göttin. Aphrodite, das die römischen Impe­ratoren den galanten ägyptischen Königinnen Arsinoe und Keopatra und noch Murad II. der Haremsbeherrscherin Baffa als Abfindung für genossenes Glück schenkten, Cypern, soll endgültig von England einverleibt worden sein. Die Tatsache ist zwar von der brittschen Regierung nock> nicht amtlich zugegeben. Mer selbst eine vorläufige Ableug­nung kann dieses letzte Ergebnis des Batlunkrieges und den weiteren Gang der Weltgeschichte nicht aufhalten. Die Türkei hat Cypern natürlich nicht aus Liebe hergegeben, sondern als Gegenwert einer Geldgewährung, deren Intimi­täten man ja sehr bald erfahren wird. Tie besiegte und verstümmelte Türkei muß ihre Liebesinsel auslicfern, weil England sie als starke Stellung im äußersten Osten des Mttelmeers, vielleicht aber auch als Tauschobjekt brauchen kann. Denn Deutschland verwirklicht in naher Zukunft den Abstecher seiner Bagdadbahn nach Mexandrette in nächster Nähe von Cypern. England tut, was es immer getan hat, es kommt den Diplomaten Europas durch eine fertige Tatsache zuvor. Die seit 1878 auf Cypern eingerich- ttte Verwaltung wird zur britischen Herrschaft erklärt. Man befürchtet zwar in polittschen Kreisen eine Revolution der Griechen, die auf Cypern eine vierfache Ueberlegenheit über die Mohammedaner besitzen, und unter dem Metropoliten ^egen England organisiert sind. Aber auch dafür hat man in England schon tior geborgt Als der Balkan krieg ausbrach, wurden aus dem naben Aegypten mehrere Bataillone nach der Insel gesandt. Diese werden jetzt im kritischen Augen­blick wohl jeden Aufstand im Keime ersticken. Die anti­englische Bewegung auf Cypeim macht den Engländern den besonderen Borwurf, daß die Ueberschüsse des Budgets für Zwecke der englischen Zentralregierung anstatt zur Besse­rung der beklagenswerten Zustände auf der Insel ver­wendet werden. Damit hat es aber folgende Bewandnis:

Cypern ist eines der wenigen Länder, dessen Einnahmen

"v'jvV iMUWlu uvu vuuu.iyb Die dem Reichstage Vvrqelegte Uebersetzung des Haager Ab­

falls hat England fett 1878 vieles getan, um die Annektion l kommens und der Haager Wechselordnung ist in gemeinsamen

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

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