Ausgabe 
27.6.1913 Erstes Blatt
 
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Pvincare in England.

Die das Reuter-Bureau erfährt, hatten Pichon unb Cant- hon am Donnerstag vormittag währenb des Besuches des Präsi- denten Poincarä in Windsor eine fange Besprechung im 'Auswärtigen Amt mit Sir Edward Grey und Nicolsen. Am Nachmittag hatten Grey und Nicolsen eine Unterredung im St. James-Palast mit Poincarä, die über eine Stunde dauerte und der auch Cambvn und Pichon beiwohnten. Das Reuterschc Bureau ist ermächtigt, mitzuteilcn, baß. das Gebiet der Unter­redung nicht nur die Valkankrisis und die Aufrechterhal­tung des Friedens einschloß, sondern auch die Türker be­treffende Fragen, einschließlich der Angelegenl)eitcn, dre tn diesem Lande für beide Staaten von Interesse sind. Alle Angelegen­heiten von gegenseitigem Interesse für England und Frankreut) würben berührt. Ein formelles Protokoll Würbe nicht unterzeich- net, doch ließen die Unterredungen die Tatsache erkennen, daß dre Ansichten beider Regierungen sich in vollkommener Ueberern- stimmung befinden. Alic Punkte des bisher in der Wlitu beider Regierungen bestehenden Uebereinkommens wurden bestätigt.

Denttzehe Kolonien*

-Der Gouvernementsr^rt von Deutsch'ost­uf riko setzte am Dienstag die Beratung des Haushalls- enttvurfs für 1914 fort und nahm eine Entschließung an, in der der Gouverneur ersucht wird, auf die Wiederherstel­lung der ReisebeihAfen für Frauen und Kinder Gouverne­mentsaugehöriger in der früheren Höhe hinzuwirken Superintendent Klamroth erörterte nochmals die Frage ber Unterstützung der Missionsschulen durch die Regierung. Der Gouverneur erklärte, >daß auf eine Vermehrung der Regierungsschulen nicht zugunsten her Missionsschulen ver­nichtet werden Tonne. Er bestritt die Förderung des Islams durch die Regierungsschulen und wies bar auf "hin, daß auch in manchen Gebieten mit rein heidnischer Bevölkerung die Söhne der Sultane Und Häuptlinge nur für den Besuch der Regierungsschulen zu haben seien. Der Bereitstellung von Mitteln für den Neubau einer Eingeborenenschule in Tar- es-Salam und einer Europäerschule mit Internat in Will "helmstal wurde zugestimmt, ebenso der Anforderung von Mitteln für die Beschaffung von Waffen und Munition für das Freiwilligenkorps. Hauptmann Lene und Pflanzer Feillc wiesen die im Reichstage erhobenen Angriffe auf die Schrch- truppe mit großem Nachbmck zurück und bedauerten be­sonders die unbegründeten Angriffe auf den verstorbenen Oberstleutnant Johannes. Der Gouverneur erkannte die Höchen Verdienste der Schutztruppe an und erklärte, für das Gouvernement sei die Angelegenheit mit der Zurückweisung der Angriffe durch den Staatsfetretär im Reichstage er­ledigt. Der Gouvernementsrat nahm schließlich eine Resolu­tion an, in der er die parlamentarischen Angriffe auf die Schutztruppe bedauert und mit Entrüstung zurückweist. In der folgenden mehrstündigen Eisenbahnbesprechung be­antragte Hauptmann Leue, daß der Bahnbäu nach Aru- scha in kürzerer Zeit als in den vorgesehenen drei Jahren durchgeführt werden Holle. Die Vertreter der Nordbezirke verlangten nachdrücklich die Weiterführung der Usambara- bachn zum Viftoriasee und eine Bahn von diesem See nach Ruanda und 'lehnten die vorgeschlagene Bahn Tabor a Ruanda ab, well diese die Aussichten auf die Fortführung der Usambarabahn cherabmindere. Der Pflanzer König trat für die Verlängerung der Usambarabahn zum See ein, well diese Bahn weite Farmgebiete erschließe und die Ar- veiterzufuhr erleichtere. Ter Pflanzer Feilke bezeichnete die Bahn TäbvraRuanda «als einen Einbruch in die Inter­essensphäre des Nordens. Der Gouverneur erwiderte, daß der Anschluß Ruandas an den Weltverkehr zur Erschlie­ßung des reichen Landes notwendig sei. Tie vorgeschlagene Linie von Tabora nach dem Kageraknie sei nach dem Er­gebnis der Erkundungen die ^gegebene. Auf welchem Wege später die deutsche Bahn an den Viktoriasee geführt werde, sei eine besondere Frage, deren Erledigung nicht eile, da die durch den zeitweiligen Mangel an Betriebsmitteln auf der englischen Ugandabahn eingetretene Verkehrsstockung für 'die deutschen Häfen am Viktoriasee neuerdings beseitigt sei. In Betracht fäme eine Abzweigung von der Linie Ta­boraRuanda nach MNansa und die Fortführung der Usam­barabahn. Die Grundlagen für das letztere Projekt sollten durch Erkundungeir, wofür entsprechende Mittel angefordert sind, festgestellt werben.

Die Regelung der Ronkurrenzklausel.

:: Berlin, 27. Juni.

Der Ausschuß für bi c Ko n ku r r e n z kl a u s el hat heute vor der Plenarsitzung beschlossen, die zweite Lesung der Vorlage auf den Hepbst zu verschieben, vorher aber noch einen vorläufig en Bericht über die bisherigen Ver­handlungen zu veröffentlichen. Zur Feststellung dieses Berichts wird der Vorsitzende Weinhansen am letzten Sitznngstagc des Plenmns den Ausschluß noch einmal einberufen. Im Aus­schuß 'hat, wie die Mitglieder bestätigten, von der erster: bis zur letzten Sitzung bei allen Parteien ohne Ausnahme die ausge­sprochene Absicht vorgewaltet, positive, die berechtigten Klagen der Handelsangestellten berücksichtigende Reformen zustande zu bringen. Auch den Regiernngsvertretern müsse zugestanden wer­den, daß sie den Wünschen des Ausschusses, soweit sie in beit' Beschlüssen der ersten Lesung zum Ausdruck kamen, weit entgegen­gekommen seien. Wenn iroch Einigung über die Höhe der Ge­haltsgrenze zwischen Aussckms' und Regierung erzielt wäre, würde ein Kompromiß, bas einheitlich von allen Parteien beantragt wäre, noch in biefen Tagen zur enbgültigen Erledigung bes Gesetzes zustanbe gekommen sein. Aber an der bestimmten Forderung ber Zweitausenbmarkgrenze und dem ebenso bestimmtenunannehmbar" der verbündeten Regie­rungen sei bas Kompromiß gescheitert. Deshalb Müsse bie zweite Lesung des (vcfsetzentnmrfes paragraphen­weise Punkt für Punkt ii en durchgeführt worden, und diese Arbeit könne bei der parlamentarischen Geschäftslage jetzt nicht mehr begonnen werben. Für bie Hanblungsgehilfen werbe aber, wenn im kommenben Herbst mit neu gestärkter Kraft an bie schwierige Arbeit Irrangetreten werbe, bei ber allgemeinen Arbeitswilligkeit aller Aussckußmitglieber für sie boch noch etwas Brauchbares zustanbe kommen.

Auf bie Frage, ob die umlaufenden Gerüchte begründet seien, baß die verbündeten Regierungen den Gesetzentwurf zurückziehen würden, gab Staatssekretär Dr. L i s e o die bestimmte Erllärung ab, daß die verbündeten Regierungen daran nicht dächten, und

zuständiaer Seite wird rnitgetellt, daß das Abschiebsgeguch >es Kommandierenden Generals v. Ploetz ans eigener Entschließung erfolgte. General v. Ploetz hatte schon tm vorigen Jahre sein Abschiedsgesuch eingereicht, wurde aber gebeten, bis nach dem Regterungsjubilänm des Kapers in seinem Dienste zu bleiben.

Zum Kommandierenden General des 8. Armeekorps wurde Generalleutnant Tnel'ff, Kommandeur der 12. In­an teriedivision in Neisse ernannt._____________

Aus StaM uns fanö»

Gießen, 27. Juni 1913.

Audienz. Der Großherzog empfing am 25. Juni u. a. den Oberförster Keil von Ulrichltein und den Dekan Bayer von Gießen.

" Ernennungen. Der Großherzog hat dem Bibliothekar an der Hofbibliothek Lic. Gust. Pfannmüller zu Darmstadt den Charakter als .Professor" erteilt. Dem Forstwarf der Kommunalforstwartei Grünberg, Karl Büttel zu Grünberg, wurde an§ Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand der Charakter als .Förster" erteilt.

Lehrerpersonalien. Dem Schulamtsaspiranten Wilh. Wolf zu Stadecken wurde eine Lehrerstelle zu Wendels­heim, Kreis Alzey, übertragen.

* * Ernannt wurde der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Schlitz Franz Geschke zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Ortenberg.

"» Bestellung des Denkmalrats. Mit Ermäch- igung des Großherzogs wurde der Direktor des Gewerbe- innsenms Dr. Hermann Kienzle zu Darmstadt nach Art. 32 des Gesetzes vom 16. Juli 1902, den Denkmalschutz betreffend, widerruflich bis auf weiteres zum Mitglied des Denkmalrats bestellt.

* * Das Grv ßh. Hess. Regierungsblatt Nr. 17, ausgegeben den 26. Juni 1913, hat folgenden Inhalt : 1. Wahl­ordnung für bie Wahl der Versicherungsvertreter als Beisitzer ber Versicherungsämter (§§ 40ff. der Reichsversicherungsorbnung). 2. Bekanntmachung, Anschlußgleis der Firma Gustav Schwarz und Söhne G. m. b. H. zu Friedberg betreffend. 3. Bekannt- machung, die Uebcrtragung der Dienstgeschäfte einer Bexiri'skasse an bie Kasse der Landes-Heil- und PflegeanstaltPhilipps- hospital" bei Goddelau betreffend.

** Aenderung bes Mahnverfahrens _ für Gemeindesteuern und Kanalgebührcn. Auf Be- cbluß der Stabtverorbneten-Versammlung vorn 30. Januar .913 und mit Genehmigung des Ministeriums bes Innern oll bie Mahnung von Rückständen an Gemeinbesteuern und Kanalgcbühren nicht mehr burch besondere Mahnzettel, sondern burch öffentliche Bekanntmachung erfolgen. Es werben daher bei solchen Rückstänben vom Rechnungs­jahr 1913 ab ben Schulbnern keine Mahnzettel mehr zugestellt, bie Mahnung erfolgt vielmehr burch Bekannt­machung in ben für bie amtlichen Bekanntmachungen ber Stabt benützten Zeitungen. In biefen Veröffentlichungen wirb genau angegebeu, bis zu welchem Tage bie fälligen Steuern unb Kanalgebühren ohne Kosten bezahlt werben können. Mahngebühren werben bei Anwendung der öffentlichen Mahnung nicht mehr erhoben.

* Kranken träger-Hebung. Die am 11. d. Mts. zu einer Krankenträger-Uebung des aktiven Dienststandes aus den 9 Infanterie-Regimentern des Armeekorps beim Train- Bataillon Rr. 18 zusammengetretene Sanitäts-UebungS- Kompagnie wurde gestern wieder aufgelöst. Die Kom­pagnie, die unter dem Befehl dazu kommandierter Offiziere des Train-Bataillons stand, war nahezu auf Kriegsstärke ge­bracht; jede Division des Armeekorps hatte dazu 9 Unter­offiziere und 110 Mann gestellt.

** Militärkonzert in Steins Garten. Wenig einladend war bas Wetler auch beim gestrigen 3. Abonuements- konzert. Wenn sich trotzbem im m er f) in noch eine stattliche Anzahl Besucher eingefunben hatteu, sah man boch vorzeitig schon wieber viele verschwinben. Die Kapelle gab sich große Mühe, bie Konzertbesucher wegen ber Ungunst ber Witterung burch seeleuvolles Spiel zu erwärmen; bie richtige Stimmung wollte jeboch nicht Platz greifen. Der Solist bes Abenbs entpuppte sich bei ber ersten Zugabe als recht guter Konzert­sänger in bem Liebe:O wie wuuberschön ist bie Frühlings­zeit". Seine sonstigen Borträge waren recht gute zu nennen, ber Verlauf bes Konzertes war ber übliche.

* Ausschreiben. Der unverehelichte Bahnarbeiter Hein­rich Bausch, geboren am 14. Juli 1891 zu Groß-Umstabt, Kreis Dieburg ^Hessen), wirb seit dem 4. >ds. Mts. vermißt. Die Umstände, unter denen er verschwand, lassen den Schluß zu, das; ihm ein Leid zugestoßcn, oder auch ein Verbrechen an ihm verübt worden ist. Bei seinem Fortgänge war er im Besitze von 75 Mark Bar­geld. Beschreibung: Derselbe ist von mittlerer, schlanker Statur, etwa 1,66 Meter grob, bat dunkelblondes Haar, Anflug von dunkelblonbem Schnurrbärtchen, irisches länglick>cs Gesicht, im lin­ken Auge ein kleines, helles Fleckchen und trägt derselbe blauen Jackettrock, schwarze Tuchhose, neue Eisenbahnmütze, schwarze, gut- erhaltene Schnürstiefel, blaugestreiftes halbwollenes Hemd, tveißes Vorhemd, weißen Stehkragen mit grün- und schwarzgestreifUr Binde. Um Anstellung geeigneter Ermittelungen, Verbreitung in der Presse und Nachricht im Ermittelungsfalle ersucht die König­liche Polizeibirektion Hanau.

**Ders heilige Amulett." Ein hiesiger Herr hat folgenden Brief erhalten, der mit einem strahlenden Viereck verziert ist, auf bem sich allerhanb seltsame Zeichen befinden.

90, New Boub Street, Lonbon, Englanb. 123. (Dienstag.)

Ew. Wohlgeboren!

Können Sie ein Geheimnis bewahren? Ich möchte Ihnen nämlich ein Geschenk machen, inbem ich Ihnen einen Hinbu- Talisman zusenbe, ein wertvolles, heiliges Amulet, geweiht unb inspiriert burch einen alten, von seinem Volke als wunder­tätig hochverehrten Hohenpriester und Propheten, welcher in der Indischen Wildnis haust.

Es sind dieses gar kostbare Talismane, da sic für Geld

ebenso wie die Parteien auch die zweite Lesung fordern.

Heer uttfc Flotte.

Koblenz, 26. Juni. Nach einer Kabinettsordre, da­tiert vorn 25. d.Mts., hat der Kaiser das Abschieds­gesuch des Kommandierenden Generals der Infanterie v. Ploetz genehmigt und ihn unter Be­lassung in seiner Stellung oem .Wnigin Elisabeth Garde- Gr enadier-Regiment Nr. 3 mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt, unter Verleihung des Kreuzes und Sterns der Komture des Hausordens von Hohenzollern. Durch eine Kabinettsorbre vom selben Tage wurde der General v. Western ha gen, Gouverneur von Köln mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt un gleichzeitig zum .Chef der Landgcnbarmerie ernannt. Von

dort nicht zu haben finlb und müssen daher auch Sie den Besitz dieses herrlichen Wcrtstüücs streng geheim halten, da die Indier eifersüchtig über ihre heiligen Talismane wachen und diese sich ausschließlich im Besitze der höclfften Klassen und deren würdevollsten Vertretern meines Landes befinden.

De obige Illustration ist ein getreues Abbild des kostbaren Amulels, uxlches Ihnen höchstes Glück in der Lotterie, sowie jeglichen Glücksspiels, in Spekulationen und Geldgeschäften, in föicbe und Heirat bringen wird, sobald Sie es an Ihrem Körper tragen uxrben.

Ich besitze nur wenige davon, daher bitte ich Sie, sofort zu schreiben, falls Sic den Talisman zu eigen haben wollen. Als Gegendienst erbitte ich mir von Ihnen, daß Sie mir 12 Na­men und Adressen Ihrer Bekannten angeben, von welchen Sic gewiß sind, daß Sie meine Dienste gern in Anspruch nehmen.

Ihrem Briefe an mich belieben Sie M f. 2. in Brief­marken Ihres lLandes beizulegen, um damit einen kleinen Teil

meiner hierauf verwandten Auslagen des Transports, wie Ver­sicherung, Verpackung, Versand usw. des Talismanes von In­dien hierher und zu Ihnen, zu decken und wird das Amulet so­dann in Ihren Besitz gelangen.

Hochachtungsvoll!

Professor Z a z i a.

Es ist natürlich selbstverständlich, daß die ganze Ge­schichte mir ein plumper Schwindel ist, darauf be­rechnet, von leichtgläubigen Menschen die 2 Ml. in Brief­marken zu erhalten. Der Humbug liegt aber in diesem Falle so auf der Hand, daß wohl auch ganz leichtgläubige Leute nicht darauf hineinfallen dürften.

Landkreis Gießen.

r. Wieseck, 25. Juni. In der heutigen Gemeinderats­sitzung waren anwesend: Bürgermeister Schomber, die Gemeinde­ratsmitglieder: Luh, Weller, F. Deibel, Wacker, Oßwald, Vogel- höser, L. Deibel, Völzel und Becker. Der Bürgermeister eröffnet- die Sitzung und machte bekannt, daß die Gemeinbekrankenversiche- rung, laut Schreiben vom Reicbsversicherungsamt, am 31. De­zember 1913 aufzulösen sei. Es wurde beschlossen, die Ge­mein d e k r a n k c n k a sse am 31. Dezember 1913 aufzuhe- b e n und den bestehenden Vertrag mit dem Kassenärzte zu kündigen. ES wurde sodann ein Schreiben des Oberbürgermeisters von Gießeil verlesen, ans dem hervorgcht, daß sich die Gemeinde Wieseck bei Weiterfübrilng der elektrisck^n Straßenbahn nach Allen- Buseck verpflichten solle, das Gelände zu stellen. Hierzu wurde beschlossen: Der Gemeinderat hält seinen früheren Beschluß, die Bahn vorläufig nur bis zur Philosopheusttaße zu verlegen, auf­recht. Was die Wetterführung nach Alten-Buseck anbelangt, so erllärt sich die Gemeinde bereit, die Ortsstraßen zur Verfügung zu stellen, jedoch etwa sich ergebende Hindernisse, wie fernung iwn Gebäuden und dergleichen, werden von der Geineinde nicht übernommen. Uebcr das Verkehrswesen wurde beschlossen: Da die Fertigstellung und Inbetriebsetzung der Straßenbahn vor­aussichtlich noch recht lange Zeit in Anspruch nimmt, und ein Ver­kehrsmittel als ein dringendes Bedürfnis empfunden wird, soll sich der Bürgermeister mit der Firma Büßing-Braunschweig be­treffs Omnibusverkehr in Verbindung setzen. Die vvr- gelegten Rechnungen über verschiedene Arbeiten wurden nachttäg­lich genehmigt. Zum Sck)lusse wurde das Gesuch des Lehrers Düll wegen seiner Wohnung genehmigt und hiermit die Sitzung geschlossen.

Kreis Schotten.

ch Laubach, 26. Juni. Seit Beginn des Frühjahrs hat sich hier eine rege Bautätigkeit entwickelt, die der allgemeinen Wohnungsnot, die sich im letzten Jahr unan­genehm bemerkbar gemacht hat, Abhilfe schaffen wird. Außer verschiedenen Priväthäuseru, die schon ,im Bau begriffen sind, werden demnächst zwei Neubauten in der Hain-, Ecke Friedrichstraße, in Angriff genommen werden, für die die Stadt Laubach, außer dem Gelände, 35 000 Mk. bewilligt hat. Sie sind als Lehrer- und Beamtenwohnungen vor­gesehen. Auch am Gymnasium sollen größere bauliche Ver­änderungen vorgenommen werden. "Der kleinere Seitenbrni wird vollständig abgerissen und an seiner Stelle ein Neu­bau errichtet, der außer den Klassenzimmern eine Wohnung für ben Pedell enthalten soll. Auch an der Verschönerung der Stadt arbeitet die städtische Verwaltung. Tie größeren Holz- und Schuttplätze wurden nach außerha.lb verlegt unb diese in schöne Anlagen umgewandelt. Die letzten Ar­beiten an der elektrischen Anlage sind hier beendet worben. In nächster Woche soll sie dem Gebrauch übergeben werden.

-z. Herchentzain, 24. Juni. Vor einigen Tagen wai in unserer Gemeinde Beigeordnetenwahl, die dadurch notwendig geworben war, baß der seitherige Beigeorbnct» Balthaser Abolph sein Amt freiwillig niebergelcgt hoffe. Bo ber Neuwahl würbe bas Eeiueindcratsmitglieb Bäckcrmeistci Jost II. mit 53 Stimmen gewählt. Ein Gegenkanbibat roai nicht aufgesiellt. Enbe dieses Jahres findet in unserer Ge­meinde auch noch Bürgermeisterwahl statt, da die Amtszeit bes jetzigen Bürgermeisters bis bahin abgelaufen ist.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 26. Juni. Auf der Landstraße nach T-ad-Nauheim wurde heute mittag eine Frau aus Schwall heim namens Schmidt von einem jungen Menschen a n - geschossen und schwer verletzt. Eine in ihrer Begleitung befindliche Frau blieb unversehrt. Arbeiter ber Russenstein fabrit von Mörschel nahmen den Täter fest und schafften ' ihn nach Friedberg.

L. Friebberg, 26. Juni. Heute traf vom Kricgs- ministerium in Berlin bie Nachricht ein, baß Friebberg vom 1. Oktober bs. Js. an Garnison sei. Die Arbeiten zu: Herstellung ber Kasernenräume usw. werden sofort beginnen. Infolge ber Nachricht wurden die Häuser geflaggt

Starkenburg und Nheinhessen.

rm. Darmstadt, 26. Juni. In der heutigen Stadtver- ordnetensitzung machte Bürgermeister Müller Mitteilung oon einer Stiftung der Geschwister Fulda in Höhe von 10 000 Mk.. welche zur kostenfreien Abgabe von Kohlen an bedürftige Arm: bestimmt sein sollen. Da von dem Bundesrat in diesen Tager Abänderungsvorschläge zu den Ausführungsbesttmmungen desAuw mvbilgesetzcs durchberaten werden, wird beschloffen, zunächst ein! ortspolizeilichc Regelung tvegcn der belästtgenden und störende: Ersä^cinungen im Verkehr mit den Lastantomobilen vorerst zurück zustcllcn. Die neue Steuerveranlagung nach dem jet' von der Zweiten Kamtner beschlossenen G c m c i n de steu cr g e s e tz hat nach der Mitteilung verschiedener Stadtverordnete:! Wegen der Steuersätze nach der jeßt erfolgten Verteilung be*. Stcuerzettcl einen wahren Aufruhr in der ganzen Ein» wohn er schäft hervorgerufcn. Das Finanzantt wird Wege: der hohen Steuersätze bestürmt.

rm. Offenbach, 27. Juni. Unfallfürsorge der Stadt für ihre Arbeiter und Bediensteten. J^ri Anschluß an die kürzlich verabschiedete Ortssatzung über die Unfall fürsorge der Stadt für ihre Beamten bringt der Oberbürgermeisw. einen Zusatz zu den Grundsätzen für die Versorgung der städttsche^ Bediensteten und Arbeiter in Vorschlag. Hiernach sollen diese, onr die diese Grundsätze Anwendung finden, von der Stadt einen Lohn- zusckuß erhalten, wenn dürch'Folgen eines im D i eN stum.wrsckwldkt: erlittenen Unfalls die Verwendung bei einer besser zahlten Arbeit unmöglich geworden ist, und infolge der einge- tretencn Erwerbsbeschränkung eine Weiterbesck-äfttgung nur in einer schlechter bezahlten Arbeit sixlttsinden kann. Ter Zuschuß soll im allgemeinen in Höbe des Untersckneds zwischen dem Lohr^ der besser bezahlten Arbeit zuzuglich der nach Reichs-, Landes- ober Ortsstatut etwa zustehenben Unfallrcnte, gewährt, werben. Als Vornussetzuilg für bie Gewährung ber Rente soll eine mrra bestens einjährige Beschäftigung im stäbtischen Dienst gelten.

m. Offenbach a. M., 26. Juni. Für bie Stab!- verorbnetenwahlen sinb insgesamt 23 Neuwahlen erforberlih unb zwar sind 14 Stabtverorbncte auf 9, 4 auf 6 unb auf 3 Jahre zu wählen. Die Wahl finbet am 20. Oktober ftafi.

mr. Offenbach, 27. Juni. Eine weitere Verbessenm-r ; ber Verkehrsverhältnisse des Robgaubezirks ist von beit Eisenbahnbirektionen Frankfurt unb Mainz genehmigt wo-v den. Rom 28. Juni wird an den Sonn- unb Feiertagen folgcnber Zug gefahren: Frankfurt a. M.-Ost ab 4.13 Ul' nachmittags, Frankfurt-Süb ab 4.25 Uhr, Neu-Jsenbin:g an 4.35 Uhr, Buchschlag an 4,42 UM, Sprendlingen an "8 Uyn. ; Dreieichenhain an 4.55 Uhr, Götzenhain 5.00 Uhr unb Vbci- roben an 5.18 Uhr.