Ausgabe 
26.7.1913 Drittes Blatt
 
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w. U 5

Drittes Blatt

165. Jahrgang

krschcinl täglich rr:it Ausnahme des Sonntags.

5

Fran kfurt a. M.

rt Selterswe|56

Wilhelm Rinn VIII.

Heuchelheim.

'hält von Herrn Appel

i-Mbl

85-91

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31k. 5.-.

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Forzfiglichei selbst- rtigter Qualität zu gen Preisen unter ntie f. Haltbarkeit

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107110 99-105 88-97 8187

schält lebhaft. Tie Zusuhren waren aus den Kreisen Friedberg, Dieburg und Hanau.

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Hilter ieters

Gewölben m

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Schad c u. Füllgrabe.

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Mk.

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Betreffend d i e Biebertals Herr e.

Als seinerzeit die Edcrtalsperre gebaut werden sollte, wurde diese auf Submission vergeben. Warum wurde hier die Biebertal sperre nicht auch auf diesem Wege vergeben. Mus; man einem alles einstopsen, was doch die anderen alle helfen müssen bezahlen. Oder ist das wie bei einem Wagen?

deutschen Außenhandels wurden mit großer Befriedigung cnt- gegengenommen, denn man erblickte darin eine Bestätigung für die gute Verfassung unseres Wirtschaftslebens, besondere Anregung vermochten sie dem Markte aber nicht zu geben, denn in diesen Ziffern spiegelt sich ein hinter uns liegender Zeitabschnitt wieder und man hat jetzt mit der Zukunft zu rechnen, die einen völlig klaren Ausblick nicht gewährt. Selbstverständlich wird die Gestal­tung des Wirtschaftslebens nicht davon abhängen, wie lange die Politik noch einen störenden Faktor bildet, auch die Entwicklung der Geldverhältnisse bleibt von Einfluß auf den Gang der In­dustrie, nicht minder ein Ausfall der Ernte, worüber ein ab­schließendes Urteil noch nicht möglich ist. Wenn man sich keinen überschwänglichen Erwartungen hinaebcn darf, so ist auch kein Grund zu einer pessimistischen Beurteilung vorhanden. Tie meisten Besorgnisse wurden in der Schwerindustrie laut, weil die Eisen- preise eine rückläufige Bewegung zeigten: in solchen Zeiten hält der Handel mit Käufen zurück, in der Erwartung, durch weiteres Zuwarten immer noch billiger anzukommen. Nun scheint aber int Eisengewerbe der Bedarf wieder stärker hcrvorzutreten, denn es verlautet, daß die Aufträge wieder flotter eingehen. Auch in der Mitgliederversammlung des Stahlwcrksverbandes wurde mit- geteilt^daß auf dem Exportmarkt die Preisbewegung nach unten zum Stillstand gekommen sei und sich sogar geringe Ausbesse­rungen durchsetzen konnten. Auch vom amerikanischen Eisenmarkt wird berichtet, daß Anzeichen einer Besserung wahrzunehmen seien. Ter oberschlesische Kohlenmarkt liegt vorzüglich und die Metallmärkte zeigen bessere Tendenz. Dies alles spricht dafür, daß man einer langsamen Besserung entgegcnsehcn darf. Einiger­maßen verstimmend wirkte, daß die Bemühungen zur Gründung eines Stabcisenverbandes bisher ohne Ergebnis geblieben sind. Tie Meinungsverschiedenheiten unter den großen deutschen Schiff- fahrtSgesellschaften über die Beteiligung am nordamerilanischen Zwischendecksgeschäft haben beunruhigt, weil man befürchlet, daß der große Schiffahrtspool auseinanderfallen und wieder ein scharfer Konkurrenzkampf entbrennen könnte. Lchisfahrtsaklicn wurden von der Spekulation in größeren Beträgen abgegeben, ebenso fanden Verkäufe in Montanpapiercn statt. Dadurch wurden auf beiden Gebieten die Kurse etwas gedrückt. Auf den übrigen Verkehrs­gebieten sind größere Kursveränderungen nicht vorgekommen, nur Zndustriepapiere haben Verschiebungen aufzuweifeu. Albert fliegen 10 Proz., Naphta Nobel sogar 14 Proz., Scheideanstalt haben 6 Proz. und Mocnus Maschtncn 7 Proz. verloren. Der Privat- diskont zog etwas an und notierte heute 4I3/ie Proz.

LiiigeZaizöt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen. In Nr. 170 des Gießener Anzeigers nimmt der Kolonialwaren-Grossist S?err E. Krumm Veranlassung, ein gegen unsere Firma gerichtetes Eingesandt zu veröffentlichen, welches mit seinen früheren, stets von uns widerlegten Auslassungen den gleichen unsachlichen, sogar als gehässig zu bezeickmenden Ton und den Mangel jeder Beweisführung gemeinsam hat, ohne jedoch den Vorzug größerer Nichtigkeit wie früher zu besitzen. Wir versagen uns auch heute, Herrn K. in der von ckhm beliebten Art zu antworten und lassen nur die nachstehenden, mit einwand­freiem Material belegten Tatsachen reden.

Der frühere Zeitungsstreit veranlaßte uns schon einmal, den klaren Nachweis zu führen, daß derartige Preisunterschiede zwischen unseren verschiedenen Filialen, soweit sie nicht durch die Fracht- verhältnisfe bedingt sind, fast ausnahmslos in zeitweisen Unter­bietungen der lokalen Konkurrenz uns gegenüber ihren Ursprung haben. In Nidda hatten wir für Zucker bis zum 19. Juni, für Limburger Käse bis zum 25. Juni unsere damals für die meilten unserer 80 Filialen allgemein gültigen Preise von 22 bezw. 38 Pfg. Erst, nachdem ein an diesem Platz ansässiges Konkurrenzgeschäft unswiederholtin beiden Artikeln unter­bot, waren wir gezwungen, aus diese Unterbietungen mit Gegenmaßregcln zu antworten. Hierzu sei ausdrücklich bemerkt, lweil von Herrn K. falsch berichtet), daß wir allgemein, also auch rnFrankfurtundGießen Limburger-Käse mit 3 8 Pfg. verkauften, zu der Zeit, als der Preis von 32 Pfg. in Nidda bestand, ferner daß dieser Preis nur bis 7. Juli in Kraft war und inzwischen bis zum 22. Juli, der Steigerung des Engrosmarktes folgend, bis auf 40 Pfg. erhöht wurde. Wir nehmen wohl mit Recht an, daß auch der Kolomalwarengroßhändler Herr Krumm

wie jeder andere Kaufmann Gegenmaßregeln trint, wenn seine Konkurrenz ihn an irgend einem Platz unterbietet. Wir geben gerne zu, daß bei dem unvermeidlick^en Wettbewerb unseren Kunden an den verschiedenen Plätzen für den einen oder anderen Artikel zeitweise ein besonderer Preisvorleil erwächst. Wie kann nun aber dieser, lediglich den Konsumenten zugute kom­mende Gewinn zum Anlaß genommen ivcrdcn, uns gleich­zeitiger Benachteiligung der Kunden an anderen Plätzen zu be­schuldigen? Für eine solche, jeder Berechtigung entbehrende Be­hauptung mußte man doch als selbstverständlich den Nachweis erwarten, daß wir an den Plätzen Gnefjcn und Frankfurt zu gleick>er Zeit die marftmäßigen Preise überschritten und teurer verkauft hätten wie unsere Konkurrenz. Gerade das Gegenteil ist aber der Fall und dieser Nachweis wäre Herrn K. auch nicht geglückt, weshalb er wohl vorzog, ihn sich zu sparen.

Wir müssen daher die haltlosen Angriffe und Schlußfolgerungen des Herrn K. auf das entschiedenste zurückweisen. Auf seine Be­merkung über die Verringerung der Warengualitäten haben wir zu envibern, daß diese nach Herrn K. angeblich allgemeine Beobach- tung aus uns nicht zu trifft. Wir führen nur gute und bewährte Qualitäten und der gute Name unserer, feit

.Jahrzehnten fürunbedingte Reellitätbeka unten Firma, ebenso wie der ständig wachsende Kreis unserer Ab­nehmer, machen jedes Wort der Rechtfertigung in dieser Hinsicht überflüssig. Schließlich ist das Urteil der Verbraucher doch wohl maßgebender, als das eines mißvergnügten Konkurrenten.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: e=) 51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

GerLcvtssaQl»

b K ö n i g st e i n, 25. Juli. Vom Schöffengericht wurde ein interessantes Urteil gestillt. Em Eronberger Landwirt hatte ein Straimandat erhalten, weil er einen hocbbelaüenen Wagen voll Stallmist nachts auf dem Hofe stehen gelassen halte und ihn int Morgengrauen sortschaffen wollte, und dadurch angeblich die Um­gebung durch den Tunggeruch belästigt halte. Tas Gericht, bei dem er Entscheidung heischte, sprach ihn kostenlos frei, da es der Meinung war, daß solche Gerüche nicht zu umgehen feien; außer­dem sei eine sehr frühe Abfuhr des Tungs besser als eine am hellen Tage, zumal in einem Kurorte.

Diesiebener SnmiHenbläZter werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das -Kreist(itt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Zum Dronö in Binghampton.

Je genauere Einzelheiten von dem Brande der großen Klcider- fabrik von Binghampton im Staate New Dort bekannt werden, desto dusterer wird daS Bild dieser furchtbaren Tragödie, die von neuem bestätigt, wie oberflächlich die amerikanische Feuerpolizei ihr Aufsichtsrecht über die großen Jndustriegebäude ausübt oder Ivie leichtfertig manche Faorikbesitzer die Sicherheit ihrer An­gestellten vernachlässigen. Es zeigt sich, daß die abgebrannte Fabrik in Binghampton nach dem Ausdruck der New Dörfer Blätter ge­radezu eineFeuerfalle" war, denn ausgenommen das äußere .'Mauerwerk bestand das ganze Bauwerk vollkommen aus Holz, und vom zweiten Stockwerk zu den beiden oberen führte überhaupt nur eine einzige schmale Holztreppe. Als Rettungsweg in Feuersnot gab es nur zwei Treppen, die vom zweiten Stockwerk zur Straße führten. Da das Hvlzwerk der Fabrikräume gründlich ausgetrocknet und zum Teil noch durch das von der Maschine abtropsende Oel imprägniert joar, mußte jede Feuersgefahr unfehlbar zu einer Katastrophe führen: und in der Tat dauerte der verhängnisvolle Braud auch nur zwanzig Minuten, bann war die ganze Fabrik ausgebrannt.

Die Zahl der Toten ist viel größer, als man ursprünglich annahm; sie wird 75 Menschen übersteigen, ungerechnet die Un­glücklichen, die ihren furchtbaren Verletzungen erliegen werden. Die meisten der Toten sind junge Mädchen zwischen 1420 Jahren, die im obersten Stockwerk der- vierstöckigen Fabrik tätig Waren und bei bar ungeheuren Schnelligkeit, mit der das Feuer in dem ausgedörrteu .Holzbau sich ausdehnte, nach wenigen Mi­nuten bereits jede Rettung abgeschnitten sahen. Dazu kam noch, daß die Feuerwehr erst 10 Minuten nach Ausbruch des Brandes eintraf; inzwischen war die Glut bereits so groß geworden, daß es kaum möglich war, sich dem brennenden Gebäude auf mehr als 60 bis 70 Meter zu nähern.

Die Beamten der Gesellschaft, die Eigentümer derFeuer­falle" war, suchen geltend zu machen, daß die Mädchen das Alarm­signal der Feuerglocke anfangs nicht ernst genommen hatten, sie glaubten nur an einen Probealarm, eilten sich nicht sehr, und die auf diese Weise versäumten zwei Minuten wurden verhäng­nisvoll. Als die Mädchen in den oberen Stockwerken sahen, daß es ernst war, war den meisten von ihnen der Weg über die Treppe bereits abgeschnitten. Es spielten sich grauenvolle Szenen ab, die jeder Beschreibung spotten. Eine Reihe von Mädchen starb in'den Flammen, ehe es ihnen auch nur möglich war, das Fenster SU erreichen, andere suchten über die Köpfe der schon draußen Stehenden hinwegzutlettern und stürzten kopfüber über das Gitter auf die Straße hinab. Wo sie mit zerschmetterten Gliedern hegen blieben. An den Eisentreppen des zweiten Stockes sah man putzende von Mädchen hänaen, während die .Glut in gewaltigen Flammen

Dmtnsnadmdjten.

w. Daubringen, 25. Juli. Hebei morgen findet die zweite Verlosung des Ziegenzuchtverems Taubringen unter Aussicht der hiesigen Ortsbebörde statt. Nach dem Festzug findet ein von dem Landwirlschailskammeransschuß für Obcrhessen veranstaltelerVortrag statt, darnach Konzert und Tanz.

Alk. 53-58 52-57

Samstag, 2b.ZuIi 1913

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fe. Frankfurt a. M., 26. Juli. Heu- und Strohmarkt. Angefahren waren 6 Wagen Heu, G Wagen Stroh. Man notierte: toeu, altes, 0,00' ,nO neues 2,502,80 Mk. Stroh (Koriilangstroh) 0.00-0.00 Mk., Wirrstroh 0,000,00 Mk. Alles je 50 Kilo. Ge-

Märkte.

OHrficn, 26. Juli. M o rktberi cht. Ank heutigen' Wochen- niaiftc kostete: L utter das Pftmd 1,101.20 Vlk^ Hühnereier 1 Stück 89 Psti., 2 Stück 0 Pkg Enteneier 1 Stück 80 P'g., Olänsecier ISt. 12 Pst, Käse das Stück C8 Pfg., Kasematte 2Stück 56 Pfg., Tauben vr Vr. 0,801,00 Hübner pr. St. l,<)01,60 Mk., Hahnen vr. Stück 1,502,50 Mt., (5nlen pr. St. 2,00-3,00 Mk., Gänse das Pfd. 00' 0 Pfg^ Ochsensleisch pr. Pid. 92100 Pfg., Rindfleisch vr. Pfund 9094 Pfg., Kuhsleisch 80 Pfg- Schweine­fleisch pr. Pfund 90110 Pia., Kalbfleisch vr. Pfd. 9498 Pfg., Hammelfleisch vr. Pfd. 7096 Pfg., Kartoffeln pr. l"0 Ko. 6.50 bis 7.00 Aik., Weißkraut das Stück 20 bis 30 Psg^ Zwiebeln ver Ztr. 6,008,00 Alk., Milch das Liter 22 Pfg., Nüsse 100 Stück 5060 Pfg«, per Ztr. 000 Mk^ Birnen das Pfund 00 bis 00 Pfg., Aepstl der Zentner 00 bis 00 Alk., Erdbeeren 1 Pfd. 80 bis If'OPfg., Walderdbeeren 1 Liter60-80Pfg., Kirschen IPfund 35-40 Pfg., Heidelbeeren 1 Liter 3640 Pfg., Johannisbeeren 1 Pfund 2530 Pfg., Stachelbeeren 1 Pfund 2530 Pfg., Himbeeren 1 Liter 5060 Pfg., Bohnen 1 Pfund 2530 Pfennig. Marktzeit von 7 biö 1 Uhr.

FC. Wiesbaden. Diehhof-Marktbericht vom 25. Jnli. Auftrieb: Rinder 88 (Ochsen 19, Bullen 5, Kühe 64), Kälber 78,

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Börsen-Wochenbericht.

= Frankfurt a. M., 25. Juli. In der abgelaufenen Woche hat die, Politik Einfluß auf die Börse nicht mehr gewonnen. Die Besetzung Adrianopels durch türkische Truppen gab zwar noch zu Bedenken Anlaß, aber nachdem Bulgarien die Bedingungen Rumäniens angenommen hat und die Geneigtheit zum Friedens­schluß bei allen Balkanstaaten vorhanden ist, glaubt man, daß man bald zu einer Verständigung kommt. Tie Unruhen in China blieben ohne Einfluß auf die Haltung der Börse, und auch die verworrenen Verhältnisse in Mexiko haben die Gesamttendenz Wenig berührt. Dagegen hat man sich mit dem Wirtschaftsgebiet mehr beschäftigt. Der günstige Einnahmeausweis der deittsclx'n Eisenbahnen für den Monat Juni, der hohe Absatz des Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikats und die glänzenden Ziffern des

Iw und Frau älfe nnd Masseur.

,in-Vertrieb:

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aus den Fenstern herausschoß, die krampfhaft gekrümmten Finger der Opfer löste und die Unglücklichen zu sicherem Tode hinab­schleuderte. Es fielen eine Zeitlang so viel Körper herab, daß es den Menschen auf der Straße unmöglich wurde, die herabgestürzten ^fer wegzuziehen, da man befürchten mußte, von den herab fallenden Menschenkörpern erschlagen zu werden. In den unteren Stockwerken rettete sich eine Anzahl Mädchen dadurch, daß sie noch im rechten Augenblick herabsprangen, wobei sie freilich fast durchs weg sehr schwere Verletzungen erlitten. Sechs von ihnen wurden Plötzlich wahnsinnig und stürzten zu dem benachbarten Flusi'e. wo sie ertranken, ehe ihnen Hilfe gespendet werden konnte. Tie meisten Leichen, die jetzt aus den Trümmern geborgen werben, imb vollkommen unkenntlich.

Mit Entrüstung weift die Presse daraus hin, daß die Inspek­toren der Feuerwehr erst kürzlich die Fabrik besichtigten und in ihren Berichten die Feuersgefahr als geringfügig darstellten. Wahr­scheinlich wird der Staatsanwalt ein Verfahren gegen die Fabrik­besitzer einleiten.

Eine fkine Meinungsverschiedenheit.

Ms vor einiger Zeit betont wurde, daß die Stadt Berlin die int Kreise Niederbarnim gelegene $)cn> schäft Lanke für 19 Millionen an gelaust habe, da währte es nicht lange und der Kreis aus schuß von Niederbarnim beschloß:Es erscheint zweckmäßig, die U m s a tz st e u e r !fic betrug bis dahin v. H. auf 1 v. H. z n erhöhen, wenn der Wert oder Erwerbspreis des veräußerten Grund­stücks oder Rechts .5 Millionen Mark übersteigt." Tiefer Beschluß wurde am 23. Mai d. I. gefaßt, am 10. Juni inan beachte die Schnelligkeit, mit der die Aufsichtsbehörden in diesem Falle arbeiteten erfolgte die Genehmigung des Bezirksausschusses, am 29. Juni die des Oberpräsidew len, und schon der 30. Juni sah die Veröffentlichung des Kreisausschusses. Liberale Blätter wandten sich entschieden igegen eine solche, auf einen einzelnen Fall zugeschnittene Gesetzesmacherei, was derDeutschen Tagesztg.", die sich immer vergnügt die Hände reibt, wenn andere als agrarische Kreise bluten müssen, Anlaß gab, ihren Spott Au üben. In salbungsvollen Worten verteidigte sie den Beschluß des Kreisausschusses und konnte es auch gar nicht -recht verständlich finden, wie man dessen Rechtsgültigkeit überbaicht in Zweifel ziehen könnte.Tie Tatsache", so fügte sie zum Schluß in belehrendem Tone hinzu,daß viel­leicht in absehbarer Zeit nur ein einzelner Fall eines Grund­stückswechsels von solchem Umfange vorkommt, kann doch auf die Gesetzlichkeit und Gültigkeit eines derartigen Be­schlusses nicht den geringsten Einfluß haben."

Wir glauben kaum, daß dieDeutsche Tageszeitung sich in demselben Sinne geäußert hätte, wenn der Beschluß von Niederbarnim eine agrarische Tasche so plötzlich belastet hätte. Vielleicht wäre sie sogar bei einigem Nachdenken anderer Meinung gewesen, wenn sie das Gefühl der Scha- densrende, das sie bei Bekanntwerde'n jenes Beschlusses so ungestüm überkam, noch einige Zeit hätte meistern können. Dann hätte sie sich höchst wahrscheinlich nicht, wie es ihr jetzt geschieht, in Widerspruch gesetzt mit den Ansichten von Leuten, die, wenn auch nicht der eigenen, so doch einer eng befreundeten Partei an gehören und auf deren Urteil sie sonst etwas zu geben pflegt. ImTag" verurteilt nämlich Her sreikonservative Abgeordnete Tr. Otto Arendt die loben geschilderte Gesetzesmacherei alsunbedingt un- Kulässig". Ja er gehr noch weiter und sagt:Es ist nichts weiter als ein in Gesetzesform vollzogener 9t a ul). Der Kreis Nied erb arnim brandschatzt die Stadt Berlin um 95 000 Mark. Und die Aufsichtsbehörden machen sich zu Mitschuldigen eines solchen Mißbrauchs des Steuer- rechts! Wieviel Objekte von mehr als 5 Millionen Mark Wert gibt es denn wohl in Niederbarnim? Ist etwa mit dem Verkauf von San le jede weitere Anwendung dieses Gesetzes" ausgeschlossen? Wäre diesesGesetz" ohne den Verkauf von Lanke denkbar gewesen? Hätte der Nieder- Rytmrinter Kreistag die Umsatzsteuer allgemein auf 1 v. H. erhöht, so war das sein Recht, aber die Beschränkung der ^Erhöhung auf Objekte von mehr als 5 Millionen Mark Wert stempelt den Beschluß zu einem brutalen Ans- ?* hmegesetz. Dabei handelt es sich nicht um Terrain- lt,.?ulanien, die übrigens auch nicht vergewaltigt werden [bürfen, sondern um eine soziale Maßregel der Stadt Ber­lin." Dr. Arendt wünscht zum Schluß, daß die Berliner Stadtverordneten den Ankauf der Herrschaft Lanke nur unter der Bedingung genehmigen, daß die lUmsatzstener des Kreises nicht mehr als */2 v. H. aus- miacht. Ter Niederbarnimer Kreistag würde dann zu be­finden haben, ob er den beabsichttgten Raub aufgibt oder infolge seiner Habgier eine ihm sonst zufallende Ein- arahme verliert.

Wir sind sehr begierig, zu vernehmen, wie dieDeutsche .Tageszeitung" sich zu dem ihr hier von befreundeter Seite ffndirekt gemachten Vorwurf, daß sie sich zur Verteidigerin «eines in Gesetzesform vollzogenen Raubes und eines bru­talen Ausnahmegesetzes aufwirft, stellen wird.

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