®r<e2i5 Erstes Blatt 163. Jahrgang Samstag, 22. November 1913
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bis vormittag., !' Uhr. Rotationsdruck und Verlag der vruhl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei K Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Anzeigenteil:' H? Beck.
Die heutige Nummer umfatzt 18 Seiten.
politische Wochenschau
Gießen, 22. November.
Werin man die große Rede des Grafen Berchtold näher betrachtet, so ist sie weiter nichts, als eine objektive lieber-- schau über die wechselnden (Gestaltungen der Balkanstürnie. Gr spricht viel von historischen Notwendigkeiten und ent- Lieht sich damit der näheren Untersuchurrg, wie das Spiel der Kräfte zu den bestehenden Verträgen gelangt ist, denn ferne Angaben über die vorhandenen Tendenzen auf dem ”,7?.n s chachb rett sind nur mager. Alles erscheint in einem verklarten Lichte und man erkennt, daß die diplomatische Kunst auch zuzeiten jene Bedingungen zu erfüllen vermag, ore rm Reich? des Schönen und der Kunst gestellt sind, nämlich die Spiegelung der Welt ohne jenes verworrene Wollen, ohne die besonderen Zwecke und Wünsche, die im Praktrschen Leben vorherrschend sind. Wenn man den Grasen Berchtold hört, so klingen die blutigen Balkanklänge der jüngsten Vergangenheit beinahe wie angenehme Sphären- mu^ik. Nur, wenn er von der „unerwartet großen Trag" fahigkeit der Beziehungen zwischen den Großmächten" spricht, ringen sich einige Skrupel und Zweifel hindurch. ,,^-ank dem allgemeinen Friedensbedürfnisse und dem Abhandensein wirklich vitaler Jnteressenkollisionen konnte sich die Festigkeit der europäischen Gruppierungen bewähren, ohne die Gefahr einer Konftagration heraufzubeschwörcn". Da aber Graf Berchtold der Leiter weitgreifender aus» wärtiger Geschäfte eines großen Landes ist, das zwar rückwärts, aber auch vorwärts schauen muß, so darf man getrost annehmen, daß unter dem klaren Wasserspiegel seiner Redekunst doch auch andere Kräfte verborgen sind. Er weiß es ganz genau, daß viele seiner Landsleute mit den errungenen Erfolgen nicht recht zufrieden sind, und wenn er am Schlüsse seiner Rede etwas freimütiger wurde und „die von den Einwohnern erhoffte nationale Befreiung" durch die Neueinteilung des Balkans und durch das Ergebnis des Bukarester Friedens als nicht er- reicht an sieht, so hört die Sphärenmusik auf und ferne Kriegsmärsche nähern sich dem Ohr. Der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg hat dem Grafen Berchtold zu seiner Darlegung telegraphisch den Glückwunsch unserer Reichsregierung ausgesprochen. Graf Berchtold hatte die deutsche Unterstützung gelobt und vom Dreibund gesagt, daß er „Proben seines unerschütterte?? Fortbestandes und feines ungelockerten Gefüges" gegeben habe. Das Wort klmat hoch erfreulich und rst uns Deutschen das wichtigste an der Rede. Wie aber, wenn der österreichische Minister den „Verzicht auf Expansion" nicht für alle Zukunft ausgesprochen haben wollte? Er hat auch der „streng objektiven Führung" der englischen auswärtigen Poütik ein Kompliment gemacht. Wie wäre es, wenn der ehrgeizige Thronfolger Franz Ferdinand versuche?: würde, den Boden für eine mehr als bisher aktive Politik des Habsburger^ landes vorzubereiten? Er weilt gegenwärtig in Begleitung mehrerer österreichischer Politiker über dem Kanal, und es ist >ein wenlig auffällig, daß er seinen Aufenthalt in England auf das freundliche Drängen seiner Gastgeber um ein paar Tage verlängert hat. Es wäre möglich, daß dort Verpflichtungen angebahnt würden, die der deutsche?: Politik Schtvierigkeitcn machen könnten. Wir wollen keine
müßige Schwarzseherei anrichten, aber es ist immerhin möglich, daß trotz harmonischer Reden und Danktelearamme einmal wieder schwierige und drohende „historische Notwendigkeiten" an uns hercmtreten könnten.. Im Vertrauen auf d:e „große Tragfähigkeit" der deutsch-österreichische?: Beziehungen dürften von Franh Ferdinand z. B. unerfüllbare englische Wünsche gegenüber Deutschland nicht ge- nährt werden.' Von allen Hauptstädte?: werde?? in der nächsten Zeit Wien und London oie Aufmerksamkeit der deutschen Politik am ?neiften in Anspruch zu nehme?: haben. Gelingt es uns hier, unsere Großnmchtstellung zu förder?? und zu festigen, so dürfen wir auch die gutnachbarlichen Reisearüße des Herrn Kokowzow als scgenbringend für die Zukunft anschlagen.
Heute läuft die Nachricht ein, daß der Ausschuß der ungarischen Telegatio?: das Budget des Aeußern genehmigt habe. Allein der spalte?:lange Bericht des amtlichen Wolff- Bureaus, aus den: wir nur die wichtigsten Punkte hervorheben können, zeigt uns, daß die Meinungen über den „Erfolg" des Grafen Berchtold doch recht geteilt sind. Er hatte sich tzu erklären, warum er beim Ausbruch der Kriege uicht zur Besetzung des Sandschaks geschritten sei und sprach seine?? Widersachern von „oiplomatischen Hemmnissen" und der überlieferte?? Politik seiner Vorgänger. Auch über die bekannten Meinungsverschiedenheiten bei der Abschließung des Bukarester Friedens wurde der.Minister gestellt. Er erklärte, Oesterreich habe eine Revision gewünscht, weil die Verteilung der Gebiete so erfolgt sei, daß sie eine?? dauernden Friede?? nicht garantiere. So sehen also die Aussichten für die Zukunft aus! Von großem Interesse ist auch, daß der Berichterstatter des Ausschusses die Erneuerung des Dreibundes zwar guthieß, gleichzeitig aber forderte, auch mit den Regierungen der zweite?? europäischen Staatengruppe gute Verhältnisse anzubahnen. Herr v. Bethmann-Hollweg muß also wirklich zur Ueberzeugung komme??, daß es für ihn mit einer bloßen Zuschauerrolle nicht getan ist und daß die diplomatische Kunst zuerst Taten und dann Reden verlangt.
Ueber de?n kommunalpvlitischen Schauspiel, das uns die Stadtverordnetenwahl ??? Gießen bereitet hatte, ist nun endlich gestern abend auch der Vorhang für eine Weile gefallen. Es war für die vier Kandidaten: Brück, Fourier, Haggenmül- ler und Valentin Müller wahrlich nicht leicht, die lang- dauernde und schwierige Nachzählung ihrer Stimmenzahl auszuhalten, den?? bei der Konstellation: 1326, 1327 und 1329 konnte auch dem Gleichmütigsten der Geduldsfaden'ausgehen. Ms es sich schließlich gar herausstellte, daß die beider? in Frage kommenden Lehrer mit Stimmengleichheit gewählt worden waren und daß 'die Angel des Auslosens entscheide?? müßte, da war es wirklich keine Kleinigkeit, noch ruhevoll und kühl bis ans Herz hinan am Walser zu sitzen. .Herr Haggenmüller hat das artige Spiel gewonnen, und wir habe?? das Stadtverordnetenkollegium nun wieder vollzählig. Es bleibt bei der Liste der Gewählten, die wir unmittelbar nach der Wahl veröffentlichten, und diesem Ergebnisse sind nur noch kurze Bemerkungen anznfügen. Auch die Stadt- vcrordnetcnwahl in Gießen hat uns gezeigt, daß der Weize?? der Sozialdemokratie nicht mehr so voll in? Halme steht, wie nach der Verbitterung der Rcichssinanzresorm. Das neue Gießener Parlament sieht nach seiner politische?? Zusam- tnensetzung nicht viel anders aus wie das vorige. Ei?? kleiner Jrrtu?n ist zu berichtigen: Nicht drei, sondern 4 Sozialdemo
kraten werde?? mit zu Rate sitzen, und aus den Kreisen der „Rechtsstehende??" werde?? wir darauf aufmerksam gemacht, es sei ?? i ch t richtig, daß z w c i ihrer Anhänger zu dem' neue?? Kolleginm gehörten. Herr Wenzel zähle ebensowenig zu ihrer Gruppe, luie Herr Schmeckenbecher, und a?:ch Herr Wachtel rechne sich nicht dazu. Nun, eine so scharfe Sclnüdung der Geister nach Parteie?? ist in? städtische?? Rate ja auch nicht erforderlich. Es ist auch nicht klar sestzustelle??, wieviel Stirn» men für die einzelne?? Parteie?? abgegeben worden sind, aus dem cii?fad)cn Grunde, weil nicht icbiglid) nach der Parteiangehörigkeit gewählt worden ist. Wenn Herr I. G. Pfaff 745 Stimmen erhielt, so zählt ein anderer Kandidat der Rechts- stehe??den, etwa Herr Lukas, nur 552. Wieviel ungestrichene Zettel der Liberale?? abgegeben worden sind, ist leider ?wd) nicht festgestellt; aber es genügt ja, daß diese Liste in? große?? und ganze?? so entscheidend gesiegt hat! Nur die Stunmen der Sozialdemokraten kann man ???it einiger Zuverlässig-? leit an der Hand der heute an anderer Stelle veröffent-t lichte?? Notizen nachzählen. Es sind ?:ngefähr 1000 „rote" Zettel abgegeben worden. Das genügt noch nicht, um eine Stadt von 31 000 Einwohner?? vorwiegend nach dem sozialdemokratischen Kommunalprogramm zu regieren.
Der ordentliche Reichrhau ha trvoranschlag für 1914 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 3 403011671 Mk. ab, das ist gegen die Summe des Vorjahres einsd)ließlid) Nachtragsvoranschlag ein Weniger vo?r 174 387 044 Mk. Aus Anlaß der Wehrvorlage von 1913 sind in den Voranschlag eingestellt an fortdauernden Ausgaben 152 782119 Mk., an einmaligen Ausgaben 268 820871 Mk., zusammen 421602 990 Mk. Nach der Denkschrift zum Nach- tragsetat 1913 unter Berücksichtigung der Beschlüsse des' Reichstages waren diese Ausgabe?? ?nit 153 und 273, zusammen 426 Millio?ren Mark, angenommen toorben. Auf den Wehrbeitrag sollen von den in Rebe stehenden Ausgaben 393 820 8 $1 Mk. übernommen werden. Die Mehrerträgnisse aus den bestehenden Zöllen, Steuern und Gebühren sowie den Ausgleichungsbeträgen dafür sind auf 12 582 037 Mark ange??ommen. Die Ueberschüsse im ordentlichen Bvr- ansd)lag sind veranschlagt bei der Post auf 100 321931 Mk., das ist gegenüber 1913 weniger 12513 185 Mk., bei der Reichsdruckerei auf 3324 225 Mk., das ist ein Mehr von. 143 560 Mk., bei der Eisenbahnverwaltung auf 30 212 069, das ist ei?? Weniger von 1179 820 M!k.; aus dem Bankwesen werden erwartet 18 271000 Mk., das ist mehr 1971000 Mk. Zur Sd)uldentilgu??g werden 68883399 Mk. bereitgestellt. Die A??leihe ist mit 17 697160 Mk. gegen 33 159 035 Mk. im Vorjahre ii? Aussicht genommen.
Deutsches Reich.
Der Reichsverband der deutschen Presse richtete zum Gesetzentwurf gege?? de?? Verrat militärischer Geheimnisse eine Bittschrift a?? den Reichstag, in der um die Ablehnung des Paragraphen 9 gebeten wird. Die Bitte wird begründet mit Darlegungen, in denen darauf
Der Dichter der Manon Lercaut.
(Zum 150. Todestage des Abbe P r 6 v o st, 23. Nov.)
Vor dem Richterstuhl der Nachivelt sind Hunderte von Bän- Lcn, mit denen ein Schriftsteller laute Tageserfolge errang, nichts And eine bei seinen Lebzeiten kaum beachtete, inmittc?? eines weitschichtigen Werkes begrabene Erzählung ein unverlierbarer Schatz der Weltliteratur, der allein seinem Schöpfer Unsterblichkeit verleiht. Sold) Schicksal war dem Abbe Prßoost d'Exiles beschieden, dem Dichter der uiwergänglichen Manon Lescaut, die heute als rin klassisches Meisterwerk der flan;ösisck>en Literatur gefeiert wird und in Bildern wie Tönen den verführerischen Zauber ihres ewigen Frauenwescns neu aufleben läßt. Mehr als 200 Bande hat dieser abenteuerlustige, unruhige Geist, dieser Geistliche, der zu den Soldaten lief, dieser Glücksritter, der sich aus den? Wirbel und Rausck) der Welt wieder in die Ruhe der fromme?? Brüderschaft flüchtete, aus dem unerschöpflichen Stoff seines Lebens geschrieben. Sic sind verschwunden, versckwllen, auch wenn sie es nich? verdienten, wie die auch sonst Prächttges enthaltenden „Memoiren eines Herrn vvm Stande" und der Roman „Clöveland", und doch ist ihm das Los so mancher, die nicht unbegabter waren als er, erspart geblieben. Eine glückliche Stm?bc, die frische und natürliche Gestaltung eines reifende?? Bildes, das ihm vor der Seele schwebte, der heiße Pulsschlag eines Erlebnisses, der in seinem Stil weitcrklovfte — sie haben ihr? herausgehvbei? aus dem Meer der Vergessenheit, hoch empor zum Himmel der Unsterblichen.
Eii: buntes, vielgestaltig wechselreiches Dasein war Antoine Francois Prevost beschert: bei den Jesuiten erzogen und um seiner glänzenden Gaben willen verwöhnt, läßt er sich durch feilt unruhiges Blut mit 16 Jahren zum Kriegsdienst verleiten, kehrt nach den Ausschweifungen und Enttäuschungen einer stürmischen Jugend lebensüberdrüssig in den Schoß der Kirche zurück und wird Benediktiner-Prediger, entspringt wieder dem Kloster, verführt durch die Lockungen der Ferne, lebt mehr als 6 Jahre in England und Holland und findet dann cirteit friedlichen Lebensabend als Almosenier des Prinzen CoMi. Die Legende berichtet, sein vielbewegtes Leben habe auf eilte entsetzliche Weise in Chantilly iam 23. November 1763 geendet, da er, im Freien vom Schlage getroffen, anscheinend tot, in Wahrheit aber nur scheirttot, nach Hause getragen wurde und erst durch das übereilt angelegte Sezier messer eines ungeschickten Dorfarztes gemordet wurde. Doch bat Henry Harrisse in feiner grundlegenden Lebensbeschreibung diese Geschichte in das Reich der Fabel verwiesen. — Unter der überaus fruchtbaren schriststellerilchen Tätigkeit Prevosts befinden sich zahlreiche Uebersetzungen; er wurde zu einem einflußreichen Vermittler zwischen englischer und französischer Literatur, hat zum Mekanntwerden Shakespeares durch seine Auszüge mancherlei bei- aetragen und zuerst die Romane des rührseligen Richardson über- fcfet, die auf die düster sentimentale Stimmung seiner eigenen Erzählungen von Einfluß waren. Seine selbstschöpferischen Werke lind ganz erfüllt von dem wagemutig tollen Leben jciner Epoche, •
und das Neuartige an ihnen ist, daß die Liebe in einer dämonischen Form in ihrem Mittelpunkt steht. Blind und wild ist diese Leidenschaft, die der Abbe schildert, plötzlich einschlagend wie ein Blitz, in ihrer Heftigkeit den ganzen Menschen aufwühlend unb groß wie ein unabwendbares Schicksal, wie der Eros der Antike. Und dieses Prevost beherrschende Grundgefühl, das sonst häufig unter matten Deklamationen und banalen Predigten erstickt wird, bricht mit unvergänglicher Inbrunst hervor in jener „Geschichte der Ädanon Lescaut unb des Chevalier DeS Gricux", die 1731 im siebenten Band seines großen Abenteurerromans „Memoiren eines Herrn vom Stande, der sich von der Welt zurückgezogen hat", veröffentlicht wurde. Hier hat der Dichter nicht nur von sich selbst das feinste Charakterbild entworfen, indem er die zwei Seelen in seiner Brust, den lei djt finnig en Abenteurer, dem seine Liebe zu der schönen Manon zum Schicksal wird, und den beschaulichen Moralprediger in den Gestalten des Chevaliers und seines getreuen Tibergc darstellte, sondert? auch ein ewig gültiges Symbol der nur für die Liebe unb Lust geschaffenen Kurtisane gegeben. Diese rührende und so menschlich wahre Erzählung, die in verschiedenen Dramen und in Massenets Oper auch auf die Bühne gebracht wurde, ist wirllich unsterblich, denn ihre Heldin ist in einem gewissen Sinne nach einem Wort Manpassants „die Frau an und für sich, wahrhaftiger.Frau als alle andern, die gefährliche imb entzückende Verführerin, die sie gewesen, ist und immer sein wird."
— Ein Dnrchfal l i m Darmstädter Hoftheater. Aus Darmstadt, 21. Nov., wird gemeldet: Heute fand im Hos- thcater die Uraufführung eines dreiaktigen Dramas von Karl v. Levetzow „Meister Gottftied ober die Sphinx" statt. Das Stück spielt im 17. Jahrhundert in Prag. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Eifersuchtstragödie, die sehr packend geschildert wird. Tas Publikum wurde aber von dem Mordschauer des Stückes abgestoßen unb lehnte es ab. Ter Verfasser wohnte der Aufführung bei.
— Erstaufführungen. Aus Hamburg, 20. Nov., wird uns geschrieben: Karl Hauptmann beginnt als Dramatiker sich mehr und mehr Geltung zu verschaffen. Vor wenig Wochen hörte man von dem starken Eindruck, den seine „Armen Besenbinder" im Dresdener Hoftheater hinterließen und heute wurde sein fünfaktiges Drama „Die lange Jule" im Hamburger Deutschen Schauspielhaus respektvoll begrüßt. Die lange Jule ist ein robustes, geradsinniges Weib aus altem, schlesischem Bauern- geschlecht. Sie kämpft einen hartnäckigen Kampf um das Datergut, Sie erreicht, ihr Ziel, das Vatergut fällt in ihre Hande zurück — aber int ?elben Augenblick geht es it? Flammen auf. Da vernichtet fte sich telbst, weil ihr Lebensziel vernichtet ist. — Vernarb Shaws ,,P yg?nalio n" sand, wie uns aus Dre sb e n geschrieben wirb, bei seiner Erstaufführung int Königl. Schauspielhaus, bank beiDorragenbcr Darstellung ber beiden Hauptrollen starken Beifall. «
— Vertrauensrat für Jrrenrechtsfragen. Die seit längerer Zeit gepflogenen Verhandlungen zwischen Vertretern der Presse und ber Psychiatrie haben nunmehr ihren Abschluß ge- fiinben mit der Gründung einer Vertrauenskommission für Jrren- techtsfragen. Der Reichsverbanb ber deutschen Presse hatte in seiner Sitzung vorn 17. Juni 1912 die Redakteure Giesen (Frankfurt a. M.) und Tr. Kasiatt «"Berlin) delegiert. Der Deutsche Verein ärztlicher Privatanstaltsleiter wählte zu Vertretern Professor Dr. Thvntfen ''Bonn) und Professor Dr. Friedlaender (Hohe Mark bei Frankfurt a. M.). Den Vorsitz übernahm Dr. Heimberger, ordentlicher Professor des Straftechts an der Universität Bonn. sSchriftführendes Mitglied ist Gerickftsassessor Dr. Coenders in Bonn. Tie Aufgabe dieses Rates besteht in ber Prüfung unb möglichsten Klarstellung aller wirklichen und behaupteten Mißstände auf rechtlichem und administrativem Gebiet des Jrrenwcscns sunrecht- mäßige Internierung, ungeeignete Behandlung, Entmündigunas- fragen upv.). Tas Ergebnis der Ermittelungen wird ber Mat in den geeigneten Fällen ber Oesfentlichkeit zugänglich machen. Mtttellungen unb Auflagen finb zu richten an den Schriftführer Gerichtsassessor Tr. Coenders in Bonn, Poppelsdorfer Allee 112.
, — Ein Vic t or-Hu g o-T e n km a l in Guerneseh. Tie flanzösische Regierung bat eine Statue Victor Hugos erworben, die ber Bildhauer Jean Boucher gescktaffen, und es besteht nurt die. Msicht, dies Werk den Behörden der Insel Guerneseh zur Ausstellung anzubieten, um ein sichtbares Andenken an den Aufenthalt des berühmten Tichteiß auf der Insel zu schaffen, auf bet er 15 Jahre in der Verbannung weilte und eine Anzahl seiner großartigen Werke gefeftriebfn hat. Ter Präsident der Gesellschaft Victor Hugo Löo Claretie begibt fick? nach Guerneseh- um dort den besten Ort für bas Monument ausfindig zu machen.
— Ausstellung für Gesundheitspflege Stuttgart 1914. In der an Naturschönheiten überaus reichen Haupt- und Residenzstabt Württembergs, Stuttgart, findet im nächsten Jahre von Mai bis Oktober eine Ausstellung für Gesundheits- Pflege 1tatt Die Ausstellung ist ein gemeinnütziges Unternehmen der^Stadt Stuttgart. Tie Bearbeitung und Leitung ber Ausstellung ist Dr. mcb. I. Jngelflnger, dem ehemaligen Leiter ber populären Abteilung „Der Mensch" der Dresdener Hygiene-Ausstellung, übertrage?? worden. Tie Stuttgarter Ausstellung wird aber keine ^eu< Auflage des Dresdner „Menschen" sein, sondern sie wird nur anderer Grundlage ein einheitliches, großzügiges Bild des heutigen! Standes der Hygiene geben
— Kleine Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Anläßlich des hundertsten Geburtstages Verdis sand, nach einer Meldung aus Rom, auf dem Kapitol eine Feier statt, der der Unterrichtsminister Credaro, das diplomatische Korps, die Behörden, sowie hervorragende Vertrecer der Kunst unb Literatur beiwohnten. Tie Gedenkreden hielten Unterrichts??nnister Credaro unb Bürgermeister Nathan.


