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22.4.1913 Zweites Blatt
 
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Dienstag, 22. April 19$

Zweites Blatt

M. Jahrgang

yk. 93

Erscheint ISglkch mit Ausnahme des Sonntags.

GeyerÄ-AnZeiger für Oberhessen

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Programm.

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Die politische Lage, wobei er die Folgen des ^kkankrieges erörterte und der Ucber- zengung Arrsdrnck gab, daß trotz des Waffenstillstandes oon einer wirklichen Entspannung nicht gesprochen werden könne. Nach allem, was zuverlässigste Gewährsmänner berichteten, sei

DieKletzener Zamiliendlätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ^LrelsVlatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. DieLsndwirischrrstlichen Zeit- frageti" erscheinen monatlich zwennat.

NeneS ans d enr Prozeß um Oscar Wild e. Tie Klage, die Lord Alfred Douglas gegen Arthur Ran sonre, den Verfasser einer Schrift über Wilde angestrengt hat, laßt, wie wir bereits mittcilt-en, noch einmal von der Nachavelt das dunkle Schicksal Oscar Wildes aufsteigcn. Ami ersten Verhaird- lungstage legte die Verteidigung dein Gerichte eine Abschrift von unveröffentlichten Bekenntnissen vor, die Oscar Wilde im Zuchkhmffc schrieb und die einen Teil vonDe profundis" bilden sollten: diese Abschnitte wurden seinerzeit bei der Vcr- öffentlichung des Werkes von dein Herausgeber Roß zurüclge- lassen, das Manuskript wird int Brittsiten Museum verwahrt. In diesen« Wildeschen Manuskripte macht der verstorbene Dichter einige charakteristische Angaben über die Geldsmiwnm, die er zu semem Leben verbraucht habe.Meine Ausgaben für einen ge- wölmlichen Tag in London schwankten zwischen 320 und 100 Mk., und die Wochenansgaben entspräche» natürlich diesem! Verhältnis und 'schwankten zwischen 1600 inib 2300 Mk." lind etwas von deut Erstaunen des Menschen, der sich vorher über diese praE-

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« stratze 7. Expedition und Verlag: e^s>51. Redaktion:^E112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

PreutiZcher Abgeordnetenhaus.

Berlin, 21. April.

Die Beratung über die Elektrisierung der Berliner Stadt- und Ringbahnen ivurdc heute fortgesetzt. Dabei zeigte sich zu­nächst, daß auch innerhalb der konservativen Partei sich Freunde der Vorlage befinden. Der Abg. Quehl (Kons.) vertrat heute einen Standpunkt, der deut, den sein Parteifreund 'v. PappcnHeim am Samstag verfocht, diamentrat entgegengesetzt ist. Dagegen

Jetzt soll sic fallen, sie muß. fallen, sagt der Augsburger Magistrat, an ihre Stelle soll und muß ein Neubau treten, der sich besser verzinst: das Todesurteil über das alte Hans ist gesprochen und braucht mir noch vom Kollegium bestätigt werden: wird dos Gnadengesuch Der Münchener Künstler int letzten Moment noch helfen?

Wie schön war Jahrhunderte hindurch dieser Platz, an dem die beider: Giebel über andere Dächer emporsteigen! Die seinen Strahlen des alten Merlürbrnnnens glitzern, die St. Moritz- kirche erhebt ihre Barocktürnre in oie Lufr, der Blick umfaßt die ganze Reichsstraße, die UlrichZkirche, das Fuggerhaus, Elias Holls Rathaus, den Perlachturnr, eine Unzahl steiler Giebel, breiter und schlanker Türme, grüner Kuppeln. Und der Mittcl- grund dieses einzigen Bildes soll durch einen modernen Neubau geschändet werden, durch eines jener gleichgültigen Häuser, derer: Rannt gut ausgenützt ist und sich gut verzinst. Aber, wenn man schon eiirmäl von Zinsen sprechen muß: fällt es denn so schwer cinznsehcn, daß Beispiele alten Schönheitssinns, alter Tüchtigkeit allein durch ihre Existenz-, eben als Beispiele wertvoll undren­tabel" sind in einer Zeit, die an solchen Ggenschaften nicht gerade Ueberstuß tzat?

Es wäre nicht die erste Bresche, die Augsburgs Bürgerschaft in ihren alten Besitz schlägt. Ganz in der Nähe, eben bei der Moritzkirck-e, hat man vor einigen Jahren als Verkehrshindernisse alte Straßen mit vielen uralten traulichen Häusern wegrasiert und statt dessen einen Teil der Friedrichstraße zu Berlin hierher verlegt. Die ehemalige freie Reichsstadt will eben moderne -Groß­stadt werden: durch alle Mittel! Selbst durch, das der ... . Schwabenstreiche!

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n Angehörigen?

erklärte Der freikon'servaäive Abg. Dr. 3 ch a n b e, daß eine Minder­heit 'seiner politischen Freunde g e g e n die Vorlage ist. Es sprechen dann weiter die Abg. Schmedding (Ztr.) für einen Teil des Zentrums zugunsten der Vorlage bezw. der AusschußbescUüsse, v. H e n n i g s -Techlin (Kons.) dagegen. Minister v. B reite ::- ba ch verhehlt sich nicht, daß. die Lage der Regierung bei dieser Vorlage deshalb besonders schvierig sei, weil von den Freunden der Vorlage ein Teil Gegner der notwendigen Tariferhöhung und von den Gegner:: der Vorlage die meiste:: Anhänger der Tariferhöhung sind. Die Regierung will durch diese Vorlage den Staat nicht erneut finanziell belasten. Sie glaubt, haß eine Tariferhöhung vollkommen genügt, um das große Kapital, das neu investiert wird, zu verzinsen. ZuM Schluß weist der Minister das Haus nachdrücklich auf die Verantwortung hin, die cs mit einer Ablehnung der Vorlage auf sich laden würde.

Nachdem «noch der Abg. R o se now (Vvltsp.) mit Entschieden­heit für die Vorlage eingetreten war, wurde die Aussprache ge­schlossen. Tie Abstimmung, die namentlich sein soll, wird morgen stattfinden.

Sodann wird der Gesetzenttvurf, betreffend ältere Hhpo - theken in Neuvorpommern in zweiter und dritter Lesung angcirommen. Es folgt die zweite Beratung des Gesetz- eniwnrfs, betreffend Erweiterung des Stadtkreises Linden lEin- gemcindung von Ricklingen). Ter verstärste Gemeindeausschuß beantragt, dem -Gesetz hinsichtlich der Komnnumlbestenerimg und hinsichtlich des Austritts der Bürgervorsteher gemäß § 9 der Bedingungen rückwirkende Kraft vom- 1. April 1913 ab zu ver­leihen. Ter Eittwurf wird in dieser Fassung und zweiten und dritter Lesung angenommen.

Hierauf folgt die zweite Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend ^Abänderung der rheinischen Z u s a MM cnlegungs- und Gemeinheitsteilungsgesetze. Ter Sonderausschuß hierfür hat die Regierungsvorlage sehr wesentlich umgestaltet und eine Reihe von Bestimmungen für den ganzen Umfang der Mo­narchie in die Vorlage aufgenommen. Die Abg. v. Pappenheim (Kons.), Leppelmann (Ztr.) und Frhr. v. Zedlitz iFreikons.) be- mrtrage:: demgegenüber, das Gesetz auf die Rheinprovinz zu be­schränken.

Das Hans bricht diese Beratung ab und erledigt noch einige Bittschriften.

er der Ueberzeugung, daß die Auseinandersetzung zwischen Ruß­land und uns in allernächster Zeit stattfinden werde, sei es nun im Zusammenhang mit dem russisch-österreichischen Gegen­satz, sei es im Wege eines unmittelbaren Zusammenstoßes. Der Redner warnte auch vor der Annahme, als ob eine Entspannung zwischen Rußland und Oesterreich eingetreten sei, die entschei­denden Gegensätze bestünden fort, und allein die albanische Fragt könne jeden Tag zum offenen Bruch führen, cs sei denn, daß Rußland mit seiner Politik des fortgesetzten Rückzuges weiter fahre. Wem: jetzt unser Volk über eine Milliarde bereitwillig für seine Wehrmacht opfert, so muß auch die Gelegenheit ergriffen wer­den, der Cetera nen not ein Ende zu bereiten. Das jetzige Milliardenopfer des deutschen Volkes in: Reiche gibt uns ein Recht, die Frage auszuwerfen, ob unser österreichischer B u n d e s g e n o s s e im gleichen Maße für die Rüstung gegen gemeinsame Feinde sorge: das sei zu verneinen, und daraus ergebe sich für uns die Notwendigkeit, zu fordern, daß Oestcr- reich-Ungarn sein Heer so ausbaue, wie es den: Verhältnis feiner Bevölkerung zur unsrigen entspreche.

Ueber die Wehrvorlage

berichtete General Keim- Berlin. Er sagte u. a.: Militärisch bleibt noch manches zu wünschen trotz der Wehrvorlage: auf eins möchte ich besonders Hinweisen. Es darf niemals übersehen werden, daß Truppenvermehrungen allein es nicht tun. Die ganze HeereSmaschine muß nicht allein bis'zum kleinsten Rädchen tadellos arbeiten, sondern dos, was ihr erst den wahren Werl verleiht, das Lebendige, Geisttge, Sittliche muß dauernd aus der höchsten Sttife ftetjen. Deshalb- soll man auch an so manchem Zutreffenden nicht in Selbstüberhebung oder unangebrachter Sorg­losigkeit vorübergehen, was im Reichstag als reform­bedürftig erwähnt worden ist, auch was das Offi- zier korps angeht, in das hie und da Gewohnheiten und Auf­fassungen cingedrungen sind, die dem altpreußischen Offiziergeist nicht entsprechen. Ich möchte sie als verwandt bezeichnen mit dem, was man A m e r i k a n i s m u s zu nennen pflegt, das heißt, eine Bevorzugung des Geldes, die wieder von Luxus und Weich­lichkeit unzertrennlich ist.

Ueber Bedeutung und Wert des englischen FlotteN'Vcrständitzimgsvorschlages

sprach sodann Admiral z. D. B r eu s i n g - Berlin. Nach einent Hinweis auf die vielfache:: Widersprüche in den Churchillschen Reden und Aeußernngen führte er aus, daß der Vorschlag eines Weltfeierjahrs" in der Bauleguug von Großlampsschiffen für uns unannehmbar fei aus folgenden Gründe:::

1. Wir würde:: durch die Annahme den Zeitpunkt hinaus- schieben, wo unsere ganze Hochseeflotte aus Dreadnoughts bestehen würde. England habe heute 35 Linienschiffe und 10 Linien­schiffskreuzer fertig oder im Bau, oder bewilligt, Deutschland da­gegen nur 19 und 7. Dazu kämen für England noch 5 Dread­noughts, die für fremde Staaten in England gebaut und im Kriegs­fälle der englische:: Flotte einverlcibt werden würden.^ Am Be­ginne dcS Jahres 1916 werde die ganze englische erste Kampf- linie aus Dreadnoughts bestehen (33 Linienschiffe und 8 Linien- schifsskreu.rrr), in unserer Hochseeflotte würden dagegen nur 17. Linienschiffe unp 6 Liniensckstssskreuzer sein.

2. Me 4 -Großkampsschiffe, die wir in den beiden nächsten Etatsjahre:: in Bau zu nehme:: hoben, sind gesetzmäßige Ersatz- bauten für veraltete Schiffe. Sie könnten also nicht einfach ge­strichen werden, sonder:: der Ausfall müsse nach dem Ferienjahr doch jn Bau genommen werden. Tie Maßnahme würde neben dem Sckxldcn der Verzögerung des Ersatzes unbrauchbarer Schiffe die Arbeitsverhöltnisse der betroffenen Wersten in der schwersten Weife stören, viele Arbeiter brotlos machen.

3. England würde wegen der bei ibn:' üblichen späten Jn- tzaunahme seiner Neubauten in der Regel 10 Monate nach . der Bewilligmrg in dem Ferienjahr nur je 2 Baumonate, wir dagegen 9 Bauntonate verlieren.

4. England wolle sich Vorbehalten, für das Mittelmeer, für seine Kolonien und für fremde Staaten auch im Ferienjahr weitere Großkam'psschiffe in Bau zu nehmen.

5. England habe in seinem' Schiffbau große Rückstände auf- znarbeiten: wir dagegen hätten leine Rückstände.

England, so führte der Redner weiter aus, Hobe dreimal in den Jahr ei: 1905, 1908 und 1911 Frankreich seine Unterstützung gegen uns angebolen was der englische Premierminister neulich nicht habe bestreiten können und dadurch Frankreichs Kriegs­lust und Rüstungen in gefährlicher Weise gesteigert, mit der

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Schwadenstreiche.

K. G. München, 16. April.

Ms der verstorbene Direktor der bayerischen Staatssamm­lungen, Huao v. Tschudi, einige bedelltende Bilder aus der Augs- lmrger Gemäldegalerie in die Münclymcr alte Pinakothek über führte, behaupteten Kenner der guten aOen ^.äMabenstadt (die natürlichiofort Larn: schlagen), man habe dort durch diesen Vor­gang überhaupt erst etwas von bcirt Tasein und Besitz der schönen Bilder erfahre::. Der Protest, den die Augsburger damäls er­hoben unb vor allen:' damit begründeten, daß durch den Weggang ihres" Tintoretto,ihres" Michael Pacher,ihres" Mtdorfer der Fremdenverkehr empsiitdlich beeinträckstigt werden komm, nutzte gar nichts, und man bedauerte die Stadt, die solche Lxhatze ans- liefem mußte. _ ..

Seit ein paar Jahren indes fügt die Stadt sich selbst wett schlimmere Schäden zu, und soeben ist ihre Verwaltung :nr Be­griffe, zum Schlimmen das Schlimmste zu fügen, etwas ganz Arges und Kunstfeindliches. Kann es noch abgewendet werden, wird ein in ernstestem und geradezu beschwörendem Ton ge­haltener Aufrufan Augsburger Bürgerschaft" etwas nützen? Vierzig Münchener .Künstler haben ihn abgefaßt, um' der ver­schlafenen Nachbarstadt ein besonders prächtiges Denkmal aus ihrer Blütezeit zu c-rij-alten, um zu verhüten, daß Hacke und Schaufel gediegene alte Mauern, breite gewölbte Gänge, iueite Höfe und zwei wundervolle spitze Giebel abtragen.

Es handelt sich um' das Web er haus, jenen Palast aus gotischer Zeit, den die Augsburger Weberzunft sich' errichtet hat. Es steht wie lange noch? in der prächtigsten und breitesten Renaifsancestras^, die Deutschland besitzt, die nach dem Kaiser Maximilian ilyren Namen erhielt. Von der St.-Ulrichsklrck)e b:s zum frei ragenden Perlachturm Und weiter bis zun: Domberg hinauf fict.n hier die alten Handels- und Patrizierhäuser mit riesige:: Giebeln, hinter denei: einst hochaufgestapelt die Waren lagen, die über den Brenner aus Italien gcFonrinr:: waren oder zur Bersrackchnng nack: Venedig, nach Florenz, nach Spanien, ja selbst nach Südamerika bereit lagen: eines der charakteristtschsten dieser Häuser ist das der WeberNinft. Als seine prächtig und groß gedachte Einlage nocki nicht durch Einbmttei: mvder::er Läden ge­stört wordei: war, füllte eine einzige gewölbte Halle das Erd- icschos: große Räume unter dem Erdboden hier herrschte der Weberstllenueister waren ebenso wie die überm:mnderliegen- ben Böden der Giebel zum' Lager:: der Tuchballen bestimmt: Schreib- und Zunftstubeu, Versammlungssäle, von denei: manche n:it Malereien geschmückt und reich getäfelt waren, lagen in den dauptstock werken. Von diese:- Einrichtting und Ausstattung des Innern ist meist m'ckhr viel vorha:we:l, aber die Fassade des Weber­hauses ist immer noch eine der feinsten Zierden der alten fast unter ährten Reichsstraße.

tffchen Fragen niemals Rechenschaft ablegte. Hingt an, wenn er fori fährt:Schritt um 'Schritt mußte ich mit den: Konkursver­walter alle Einzel heiter: Meines Lebens durchgehm. -Es war schrecklich-." Wilde bat diesen Feststellungen in feinem' Manuskript die Fornt einer Anklage gegei: Lord ?£Ifreb T-nnalas gegeben, dinn er, Wilde, vorwirft, er habe die Reize einer einfachen Lebens ff hmng nicht würdigen können. IM Laufe der Verhandlung kam es bann zu einigen Feststellungen über die finanzielle Lage Oscar W i l d e s wälffend seiner letzten Lebensjahre. Lord Douglas mußte aussage::, daß er Wilde nach seiner Haftentlassung in unregel­mässigen Zwischenräumen Summen gegeben habe, die durchschnitt­lich 16 000 Ml. das Zehr erreicht hätten. Auch als Sebastian Mclmoch war Wilde bisweilen Anfällen seiner alten Extravaganz ausgesetzt und es kam vor,, daß er am Montag 2000 Mark erhielt und sie am folgenden Samstag aus Heller und Pfennig angegeben hatte. Lord Douglas hatte seinem' unglücklichen Freunde nacki- desse:: Haftentlassung seine in Neapel gemietete Villa zur Verfügung gestellt und bezahlte ihm auch die Reise von Paris :mch Neapel. Denn in ietter Zeit erhielt Wilde von seiner Frau eine Rente von rund 60 Mk. in der Woche. Ms Lord Douglas dann von Neapel abreiste, zahlte er die Miete für die Villa im voraus und gab dem Freunde noch 4000 Mk. Einige Monate später- reifte Wilde dann nach Paris zurück. Muckt hier empfing er Unterstützungen von seinem Freuiwe, das Bank- buck: des Lord Douglas weist beispielsweise nach, daß mr Februar Wilde 400, 2500 und 240 Mk. empfing, im März 500, im Niai 500 tffw. Lord Douglas will damit den Nachweis erbringen, daß er seinen Freund im Unglück keineslvegs verlassen habe.

Eine scharfe Kritik an den deutschen Brief­en' a r k e n. Tte deutschen Briefmarkett müssen sich in der neuesten Nummer der Technischen Monatshefte (Stuttgart, Frauckh) eine idiarfe, ater sicherlich berechtigte Krittk gefallen lassen. Wir lesen dort: /Allen, auch ben mehrfarbigen, fehlt jede, aber auch jete detorattve Wtrkung: die platte plumpe Darstellung zeigt die Germanm nut Krone, Locken, Schwert, Lorbeer, Panzer und x vT5 ,tnh hlc Requisiten tödlichster Verlegenteit :md lnnstler:scher Arücht. D:eses traurige Shnsiwl des Reiches spottet jeter Einzelkritik. DieKriegen)ereinsfeftporstellungs« lKlbe)tiungfrnii" :nt Leihlostüm für 5 Mk. pro Abend, ist un:geben von einem' Onmme::tiv:rrnwrr, der an innerlich erregte Regen - Würmer ennnert: der Bilchchild ist beinahe fornttos, uirb daß die Dchrfft und d:c Wertangaben Elemente des Schmuckes sein sollen, scheint dem Zeick uer :rnbekannt gewesen zu sein. Ms man 1902 bre edimt , Reul,spost" durchTeutsctes Reich" erselste, chtt Man sich a::gstl:ch gehütet, die Marken zu bessern. Auch die frohen .^ertc öon 15 Mk. such raunt zu befdrreiten, ohne daß man in Belc:d:gm:gsparagraphen Istneingerät. Für eine Mark erhält man das Re:chspostmuseum in Berlin, das keineswegs -u den gucken

Au; den Keichstagsanzschüssen.

:: Berlin, 21. April.

Aus dem Budgetausschuß.

Die Kommandantursrage führte heute zu einer eingehenden Besprechung. Seitens der Militärbevollmächtigten der in Be­tracht kommenden Staaten wurden die Kommandanturen ener­gisch, verteidigt. (Gegenüber dem Zentrum, das besonders die Streichung der Kommandantur in Karlsruhe und Darntstadt forderte, wurde von nationalliberaler Seite be­tont, daß man nur im Einvernehmen mit den betreffenden Re­gierungen Vorgehen könne, und davor gewarnt, die Rechtsfrage in den Beziehungen zwischen Bundesstaaten und Reich leichtfertig zu behandeln. Tas Zentrum beantragte dann, um den stich­haltigen Bedenken ans dem Wege zu gehen, die Stellen als solche zu belassen, aber sie einzurangieren in die mtt pensionier­ten Offizieren besetzten Kommandanturstellen. Der hessische Militärbevollmächtigte bezweifelte, ob hiermit die Ver­tragstreue eingehalteu sei. Ter Antrag wurde aber gegen die Stimmen der Konservativen, der Nationalliberalen und eines Zentrumsmitgliedes angenommen.

Im weiteren Verlauf der Sitzung kam es zu einem lebhaften Zusammenstoß zwischen Generalleutnant Wandel und einem Mitglied der Volkspartei über einen Erlaß der Militärverwal­tung betreffend eine finanzielle Unterstützung eines rechtsstehmden Handwerkerverbandes, des Bundes der Handwerker. Der Militärverwaltung wird der Vonvnrf einer parteipolitischen Be­günstigung gemacht. In den: Erlaß seien Ausführungen ent­halten, die an politische Korruption grenzen. Die Vertreter der Kriegsverwaltung erwiderten, daß die im Zusammenhang mit der Militärverwaltung stehenden wirtschaftlichen Vereine Unter- sffitzung finden, ohne Rücksicht darauf, ob konservativ oder liberal. .Diese Ausführungen fanden aus der Kommission vom Zentrum ünd den Nationalliberalen aus politischen und staatsrechtlichen Gründe:: Beanstandung. Wirtschaftliche Verbände dürfen nur mis Fonds unterstützt werden, die diesen Zwecken gewid­met sind. Ter Kriegsminister erklärte sich bereit, die etatsrccht- lichen Bedenken zu prüfen. Tann beherrschte wieder die feld­graue Uniform die Debatte. Der Kriegsminister betonte, daß keineswegs, wie schon gemutmaßt worden sei, eine Abnei­gung der Verwaltung gegen das Feldgraue vorliege. Aber die Ersahimngen seien inbezug auf die Haltbarkeit des Tuches ab­solut nicht befriedigend gewesen. Demgegenüber wurde von einem Zentrumsmitglied darauf verwiesen, daß in: Volke die Meinung verbreitet sei, der oberste Kriegsherr wünsche bei der Kavallerie dieBeibehal tu :: g einergewissenFar- benpracht; deshalb sei allerdings ein gewisser Argwohn vor­handen, daß die volle Durchführung des Feldgrau gehemmt wer­den soll. .Der Kriegsminister erklärte diese Darstellung für gänzlich unbegründet. Er selbst habe noch nicht die volle Ueberzeugung von der völligen Brauchbarkeit desFeldgrau" für den Friedensdienst. Die Beibehaltung ter einzelnen Ab­zeichen bei der Kavallerie sei von großer Bedeutung: es hingen damit auch gewisse Imponderabilien zusammen. Der Soldat müsse stolz sein können auf seine Uniform. Ein nationalliberales Mitglied gibt dem Bedauern Ausdruck, daß nach der heutigen Erörterung wieder alles in Dunkel gehüllt blc:oe. Mit der dilatorische:: Behandlung der Sache sei weder ter Armee noch dem Rcickie und seinen Finanzen gedient. Wenn das feld­graue Tuch Mängel habe, so möge man ein neues wählen, es habe aber keinen Zweck, nun wieder blaues Tuch anzuschasfen. Der Titel wurde dann bewilligt. Vom Zentrum ist eine Ent­schließung eingebracht, die den Reichskanzler ersucht, zur Prüfung der gesamten Rüstungslieferunge:: für Reichs Heer und Marine einen Ausschuß zu berufen, zu welchem vom Reichstag zu wäh­lende Mitglieder des Reichstags und Sachverständige zuzuziehen sind. Der Reichskanzler wird ersucht, den Bericht der Kom­mission den gesetzgebende:: Körverschasten mit Vorschlägen zur Be­seitigung etwaiger Mißstände mitzuteilen.

Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen gpr Universitäts - Buch- und Sleindruckerci.

M R. Lange, Gießern

und Flotte.

Die Benutzung eines neuen Gewehrgeschosses in Frankreich.

Der französische Kriegsminister erklärte einem Bericht­erstatter desTemps", er habe den zuständig-en Ausschuß beauftragt, unperznglich weitere Versuche mit einem neuen G ew e h r ge s ch o ß , der sogenannten Derguesse- Kugel, vorzunehmen, welche die bisher für das Lebel- gewehr verwendete D.-Kügel ersetzen soll. Die Derguesse- Kugel besitzt den Vorteil, daß sie den Innenlauf des Lebel- gewehrs nicht so verkratzt wie die D.-Kugel und außerdem eine iveit größere Durchschlagskraft hat. Die Schwierigkeit-en, welche sich bisher der Einführung der Der- g::esse-Kugel entgegengestellt haben, bemerkte der Kriegs- minifter, sei die,Seltenheit des, zu der Kffigel verwendeten Metalls und der hohe Preis, doch scheine es teilweise gelungen zu sein, diesen Ucbelständen abzuhelfen. Der zu­ständige Ausschuß werde auf Grund der neuen Versuche die Frage zu lösen habe::, ob sich die Kriegsverwaltung für die sehr kostspielige Ersetzung des Lebelg'wehrs durch ein neues Gewehr oder für die weniger kostspielige Einfüh­rung der Derguesse-Kuigel entscheiden solle.

vorstayörsihung tes Alldeutschen Verbandes.

München, 20. April.

In München hat heute die Frülvialirstagung des Gesamt- Vorstandes des Alldeutsche:: Veibandes stattgefunden. An erster Steile berichtete der B o r s i tz e n d e Rechtsanwalt Claß-Mainz über

Beckstein, i Knauß, MM