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22.3.1913 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfatzl 20 Seilen.

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Charakter einpreßt ins Antlitz und wie einschlägt und vor den Beschauer. Und das l>at Greiner schon seine Stellung ge- schaffen in der zeitgenössischen Kunst der Plakette, bedeutende Münzkabinette des In- und Auslands und kundige Sammler fügen Stück um Stück zu ihren Schätzen.

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C. K. Z u August Hermann I r an ckes 250. Todes­tage. Ein Vierteljahrtausend ist am 22 März dahingegangen, seitdem August .Hermann Francke das Licht der Welt erblickte, der eigentliche Organisator der pietistischen Bewegung, der eine so großartige Wirksamkeit entfaltet hat, wie sie nur wenigen Menschen seines Iahrhuirderts beschicden war. Noch heute zeugen von seinem fruchtbaren Wirken die segensreichen Anstalten, die er in Halle ins Leben rief: noch heule sind die viel verbreiteten billigen Bibeln der Cansteinschen Bibelanstalt ein Zeugnis für die Tat, durch die er zum erstenmal die heilige Schrift für wenig Geld unter das Volk brachte. Als der geistige Mittelpunkt einer zahlreichen frommen Gemeinde, als Haupt einer ausgebrciteten theologischen Schule, als Pädagoge, als Vater der deutschen Missionsbewegung hat er Unvergänglickws geleistet. Wohl war er ein unduldsamer Eiferer, der mit allen Mitteln seine Feinde bekämpft, und als er die brutale Ver­treibung des Philosophen Wolff durchgesetzt hat, Gott auf Knien d-ankt, daß er sein Gebet erhört und Halle vondieser großen Macht der Finsternis" befreit habe. Aber dieser harke Despot, der sich völlig als Gottes Werkzeug fühlt und sehr nüchtern weltklug denken kann, ist zugleich ein Mann des Gemütes, der unsägliches Mitleid mit der Not des arnren Volkes hat und helfend eingreift. So ist er eine eigenrümlickw Mischung von religiösem Schwärmer und findigem Wcltkind, von Prediger und Geschäftsmann, ein genialer Organisator gewesen, der in seiner sozialen Ricseu- schöpsung nach Gustav Frchtagdie erste gemeinnützige Unter nehmunng schuf, welche durch freie Privatbeiträge einzelner aus ganz Deutschland gegründet wurde". Rührend ist cs, wie er 1695 mit 7 Seck>zehngroschenstücken, die er in seiner Armenbüchse findet, die Armcnschule begründet, wie er int selben Jahr in sein Waisen Haus die ersten 4 Waisen aufnehmcn kann und mit der Schöpfung des Pädagogiums seine bedeutende erzieherische Tätigkeit beginnt. Wunderbar wachsen seine Anstalten heran und werden zu dem angestaunten Vorbild ganz Europas. Nachdem er sich 1710 mit dem Frei Herrn von Canstein zur Begründung einer Bibelanstalt verbunden hatte, konnte er etwas Unerhörtes in damaliger Zeit eine Ausgabe des Neuen Testamentes für 2 Groschen das Stück veranstalten. Auch für die von König Friedrich IV. von Dänemark ins Leben gerufene Mifsionsbewegung hat dieser willens- starke Tatenmensch gewirkt. Er hat dem Pietismus ienc soziale Grundlage geschaften, die ihn erst M einem! Mächtigen Träger der Kultur machte.

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ziskanerpatcr, der sich weigerte, seinen Glauben abzuschwö­ren, ist von feigen Horden in bestialischer Weise mißhandelt und schließlich erstochen worden.Entweder orthodox oder tot", so soll die montenegrinische Parole gelautet haben, und der König von Montenegro soll die Einmischung des österreichisch-ungarischen Vertreters abgewiesen haben mit der Begründung, Dschakowa sei montenegrinisches Gebiet und seine Souveränität dürfe nicht verletzt werden! Das sind Kulturbilder, die uns am Auferstehungstage ernst und düster stimmen. Trifft die Londoner Botschafterkonferenz, der eine Aufsichtspflicht über den Gang der Balkanverwick­lungen oblag, nicht eine schwere Verantwortung? Arm­selige Negerdörfer wurden, $ur Abschreckung, niedergebrannck, wenn einige ihrer heidnischen Insassen gegen Hab und Gut eines Christenmenschen sich vergangen hatten. In Montenegro und Serbien respektiert man Kulturstaaten. Weil Rußland, das mit England Verträge und mit Frank­reich ein Bündnis geschlossen hat, diese Balkanhelfer mit Wohlgefallen beäugt . . .

Der Christenname ist beschmutzt worden. Eindringlich scheinen uns die Osterglocken verkünden zu wollen, daß Name wirklich Schall und Ranch sei. Der Stolz desRecht­gläubigen" mag sich bescheiden. Was wir unterAuf­erstehung" verstehen und glauben wollen, geht schwer auf ein gedrucktes Bekenntnis. Auch am C ft er tage richtet sich der Blick zuerst rückwärts. Es sind wieder dieselben Glocken, die uns,mächtig und gelind", die Frühlingsfeier einläuten, und die Erinnerung malt uns die sonnigsten Bilder einer lebendigen Auferstehungswelt. Säuseln und weben nicht schon die .Kräfte, die unsere Erde neu cinkleiden und auch den Menschen aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht ans Licht drängen? Und für die Seele des Menschen wäre keine Hoffnung auf eine Auferstehung? Wohl sollen wir uns darüber kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, denn Außerirdisches läßt sich mit Menschengedanken nicht ein- holen. Uns bleibt Bewunderung und Ehrfurcht vor der Macht, die alle die Wunder um uns geschaffen hat, an denen wir uns freuen und auf richten sollen, wie das schönste Bei­spiel unserer Dichtung unter tausend heißen Tränen sich eine Welt erstehen fühlte. Die Schatten der Gegenwart, die Ungeheuerlichkeiten entarteter Menschen, wird keine dog­matische Kirche je zu bannen vermögen. Die Botschaft der Osterglocken ist ein sanftes Getön der Hoffnung, daß der die Natur durchwehende ''luferstehungsgeist auch die Herzen der Menschen erheben möchte!

Zur Ausstellung der CberheWchen ttunstvereins.

Daniel Greiner von F. Como- Lauterbach.

Daniel Greiner ist wohl der umstrittenste Künstler unserer engeren Heimat, und die vom Oberhessischen Kunst- Verein veranstaltete Ausstellung einer Anzahl seiner Werke Dürfte bei vielen Besuchern starke Verwunderung, wenn nicht gar Widerstand finden. Wir halten es deshalb für richtig, einem Kritiker das Wort zu gieben, der sich viel­fach mit Daniel Greiners Kunst beschäftigt hat und seinem Schaffen mit liebevollem Ansichten gegenübersteht.

Die Schriftleitung.

Mit seiner Ausstellung im1 Kmrstverein will Dr Greiner offenbar sich bcirt Gießener Publikum mehr als Maler und Zeichner vorstellen. Vielleicht hat er gerade die Sette seiner Kunst be­tonen wolleti, die noch den stärksten und unnnfligftcn Widerstand findet Es mag auch sein, daß er in die,er letzten Entwicklung seines Schäftens sein Bestes erblickt, etne Hohe, ein Ziel, um das reicher vollendeter ausztftpreck/en, was >au ^nnerst-cs be- wegt. Nun aber fühlt sich der Zweite und Drttckc von dem Aus- stell er mehr oder weniger in fernem Erwarten nicht getüncht, nein, aber überrannt, der besonders, der GrernmL, bildhauerisch- Arveiren kennt der ihre Reife bat wirken und nck durchletzen fN Und wenn man glänzatde Werke, Grabänule tme das Erwachen", wie die traumtbe Gestalt Nicht lauter erblickt al- rn Aufnahmen, in kraftloser Verkleinerung, da tragt man sich be­dauernd' Konnten, dürfen die Ortgrnale durfte die wrrklrchkeits- große Ausführung in Etein fehlen? Ich ivage mrfjt mit dem ©ünfltcr -u richten, llber denke ich an das Publikum, an die- : S bar iiie Steiner zmn ersten Male tritt ».ter an d.e vielen altzuvielen, denen nickst znzumuten ist,, Skizzen, z. -ö. wie hi'eSchaumgeborene" in ihren, Wert zu Tauen rato zu wür­digen und an jene Mehrzahl, die den Weg zu Gretner dem Maler nickst gleich oder kaum finden sann, mochte ich, daß dem Bild­hauer werde sein Reckst und daß dem Publikum nwrde lern Heil, den Erzeuger anllagen, daß er vorzieht und lerne Liebe nicht mit gleichem Maß zuwägt. _ ,, lt.

Freilich man steigt die Treppe zum Ausstellungsraum lnnaus: Es ist wahr, Greiner konnte kaum Werke aufstellen, die bei,er Tur feinen Meißel zeugen die zwei Büsten, dieser Bach und dieser Schiller (in Marmor für die Aula in Blaubeuren), kaum Werke, die so die Persönlichkeit des Schöpfers ahnen lassen. Das sind Große, zwei, denen Macht gegeben ist! st,ic Stirn cut- lstillt es, das thront über den Zügen, hält sich bei dem Bach wie versenkt, wie ergriffen voni Lauschen nach dem Innern, ift ivic fern von der Außeistvelt; scheint schwer, des. ganzen Seins Tiefen aufregend; liegt doch wie Schwermut überm Antlitz und scheint

Ostern!

Gießen, 22. März.

Wir feiern die Auferstehung des Herrn diesmal nicht so jauchzend und lärmend wie sonst. Noch brausen Stürme um die Wette, und des Frühlings liebliche Boten sind nur spärlich zu schauen. Und wenn, sonst das erste Tauben­gegirre uns zum Bewußtsein brachte, daß der politische Kampf vorüber sei, daß man sich der schöneren Jahreszeit mit ihrem friedlichen Geläute erfreuen dürfe, so umziehen .uns heute noch düstere Wolkenschatten. Die Vernichtung eines Zeppelinluftschiffes ist das geringste, was wir be­klagen. Es ist kein Mensch dabei zu Schaden gekommen, und in dieser Frühzeit der Lustschiffahrt darf es einem großen Volke auf eine Million Mark mehr oder weniger nicht anfommen. Ob den Hauptmann Horn eine Schuld baren trifft, daß er das Luftschiff landen ließ^ anstatt es den Windeswogen zu vertrauen, mögen die Sachverstän­digen heransklügeln. Wir wissen es, daß dieses neue Zeppe­linwerk bewunderungswürdige neue Fortschritte der Technik hatte erproben sollet,, und die Ruhmredigkeit des englischen .Kriegsministers, daß England in der Luftschiffahrt an der Spitze der Völker marschiere, macht uns keine Sorge. Mer ob, itrenn nun der holde Frühling wiederkehrt, der politische Winter wirklich in feine rauhen Berge sich zurück- ziehen wird, das ist die sorgenvollste Osterbetrachtung. Herr v. Bethmann-Hollweg ist kein rechter Frühlingsgott, und unter seinem holden, belebenden Blicke wird es nicht recht warm auf deutscher Erde. Auf schwacher Eisdecke läßt er die Parteien um di? Heeres- und Deckung^ Vorlagen kreisen. Das .tzoffnungsglück, das sich auf die bisherigen Presseäußerun­gen gründet, entspricht doch noch nicht ganz einer vollen Lsterzuversicht; wissen wir es doch noch nicht einmal, ob der Kanzler neben der einmaligen Vermögenssteuer auch 'die versprochene unverfälschte Besitzsteuer, ober nicht viel­leicht die Schauer körnigen Eises in Gestalt indirekter Ver­brauchssteuern über uns ausstreuen wird!

Zum Zweiten verbreitet das Christentum der Balkan- Völker nicht den besten Wohllaut. Das traurige Ende des Königs Georg durch Märderhand mag noch als eine be­klagenswerte "zufällige Schickung Eingenommen werden. Was ";>t diese lat eines Wahnsinnigen gegen die Massenmorde der christlichen Serben und' Montenegriner, die heute wieder die Kulturvölker erschrecken? Die grause Laufbahn eines Sternickel ist ein Kinderfpi'et gegen diese Greuel der nackiv- ualen Balkanbündler! An den Mauern von Skutari brandet ihre Wut wirkungslos ab; dort hallen in tapferem Streite die türiischen Belagerten den Feind zurück. Nun rächen sich diese christlichen Horden ern wehrlosen Gefangenen, an Frauen und Kindern. Wenn es wahr ist, was dieAlba­nische Korrespondenz" berichtet, deren Angaben wir heute Diedergeben, so müßt? ein erleichterndes Aufatmen durch die zivilisierte Welt gehen, wenn Oesterreich und Italien gemeinsam diese schändlichen .Mordvölker in ihre Winkel zurücktreiben würden. Leider ist bei dem hohen Einver­nehmen des großmächtlichen Europas eine solche wirksame Strafexpedition noch nicht reckst glaubhaft. Die Geduld Oesterreichs ist bewundernswert. Die montenegrinischen Be­hörden und Soldaten haben in Albanien ansässige Katholiken und Mohammedaner mit brutaler Gewalt zum Uebertriti in den griechisch-orthodoxen Glauben gezwungen. Ein Fran-

Oie Spannung zwischen Oesterreich und Montenegro.

Die WienerReichspost" meldet: $er österreichisch- ungarische Gesandte in Cetinje unternimmt bei der montenegrinischen Regierung energische Schritte, um G e n u g t u u n g für die eklatanten 33er flöße gegen die Völkerrechte, welche die österreichisch-unga­rische Wurde schwer verletzten, zu fordern. Sollte die mon­tenegrinische Regierung die gestellten Bedingungen nicht erfüllen, so würde die diplomatische Aktion eine nachdrück­lichere Form annehmen, schließlich würden, wenn nötig, auch Machtmittel zur Anwendung gelangen, um Oester­reich-Ungarn Genugtuung zu verschaffen. O e st e r re i ch - Ungarn fordert: 1. Freien Abzug der Nichtkombat­tanten aus Skutari. > 2. Die Ermordung des Pfarrers Pater Palie durch die Montenegriner bei Djakowa muß völlig

es wie in einem Kamps zu lassen, wo die breite Lagerung der Unterpartie gegen die schmälere aufstrebende Obcrparttc ftreitet, ein Kampf des Fleischlichen gegen das Geistige, so aber, daß durch den Gegensatz die Hoheit des Kopfes noch gesteigert ist. Ein Schwung des Großartigen aber wirft sich in dem Schiller empor. Sckars und kühn sind die Linien geschnitten und heraus" gearbeitet. Stärker noch, klarer noch, überraschender ist jegliches Mittel vermieden, was noch charakterisieren, ums etwa noch, einen inTeressanten Zug beibringen könnte. Alles in diesem Kopf rafft sich in dem einen Augenblick des höchst gesteigerten Empfindens, und erhabenen Fluges scheint der Geist sich dieses Antlitzes zu bedienen, um entzückt zu schauen. Aber so blickt einer, den die Krankheit für den naben Tod gezeichnet hat. Bewundernd und ergriffen sicht unser Aug einen Sieger, der edel, einer geheimen Macht inne, von der Schwäche nicht aufgehalten, nicht gebeugt, das Sterbliche überwindet. Ja, Ivar er nicht so, dieser Schiller ? Trögt der Kopf dort auf dem Postament nicht ein Teil von jenem Wesen, vor dem sich die Zeitgenossen beugten?. Es ist leicht möglich und taimt verwunderlich, daß einer droben im Saal an den Bildern, die groß und klein, erdrückend in ihrer Füll' und fast auseinander geschoben, sich abaelenkt fühlt und sich lieber von Greiner, dem Plastiker, sesseln lassen möchte. Ihn packt die Büste des Knaben, der kindlich, jungenhaft keck, in so natürlich lebendiger Bewegung in die Ferne guckt. Die Büste jener reifen Frau iOlbrichs Gattin) tuts ihm' an, es ist die Dame von Welt und ift das Weib, das birgt und beherrscht und das in dem Herben, das um den Mund spielt und sich seftsetzt, das in dem Blick des Augs doch nicht ganz verhüllen kann oder verhüllen will. Und ienes Franenköpschen dort, das verschüchtert und fast vergrämt, einen sraulick>-ftillen Reiz ausübt, der vom Leid ge adelt scheint es ist ein stilistisches Meisterstück. Man beachte nur, wie die Flächen des Kopftuchs und die paar Falten darin in ihrem großen Zug das Feine in den Linien des Antlitzes heben, ihnen eine sondere Wirkung und sonderes Leben verleihen und wie durch dies so absichtlich-einfache Mittel dies Köpfchen, das so unsck/einbar sich zurückhält, vor einem auftaucht, packt und immer neu anzieht. Und dies Mädchenantlitz, dieser Johannes! Aber die Medaillen und Plaketten! Die Plaketten besonders: Wie die Köpfe sich in die Rundform leicht und ohne Zwang einschmiegen, eine Vollfigur dem Zug der graben Linie gehorchend, sich ins Rechteck fügt, wie eine Tiergestalt, ein Adler, sich auf dem Säuleuschaft in das Rund reckt! Das aber ist Greiner, daß diese Köpfe scharf dasDetail verschmähen, wie auf den einfachsten Ausdruck gebracht sind, das sie in großen Linien sich ansprägen, daß sie fast, hier und da saft gewaltsam und rück­sichtslos dasGefällige", das sogenannte Schöne oder Liebens­würdige beiseite werfen. Das ist Greiner, daß er in die Linien den Geist bannen will, haß er ohschön", oh nichtschön, den

aufgellärt werden. Oesterreich-Ungarn forderte wegen der bestialischen Ermordung des Pfarrers eine Untersuchung! mit Zuziehung von österreichisch-ungarischen Konsulatsb-eam- ten durch die Montenegriner. Die montenegrinische Re­gierung lehnte die Forderung ab, indem sie erklärte, batf; in dem von den Montenegrinern besetzten Gebiete nur die Montenegriner selbst Untersuchungen anzustellen hätten. Diese Antwort bedeute einen unfreundlichen Akt gegenüber Oesterreich-Ungarn. 3. Sofortige Einstellung der Zwangsübertritte zur Orthodoxie in Albanien. 4. Für die Gewalttaten, welche gegen jdie Besatzung des DampfersSkodra" in San Giovanni di Medua begangen wurden, muß volle Genugtuung geboten werden.

Der Größenwahnstaumel, von dem die Montenegriner wieder einmal erfaßt sind, lennt in der Tat keine Grenzen. Sie hatten in Djakowa einigen katholischen Stämmen wegen des Uebertritts zur orthodoxen Kirche eine Frist gestellt, die, wie Wiener Blätter berichten, am Sonntag abgelaufen ift. Die Drohungen der Montenegriner haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Am verflossenen Sonntage zogen 400 Katho­liken laut klagend und weinend zur orthodoxen Kirche. Sechs katholische Dörfer traten bereits zum orthodoxen Glauben über; der liebertritt anderer' steht bevor. Mon­tenegro gab die Parole aus: Entweder orthodox oder tot! Auch Mohammedaner werden gewaltsam zum Uebertritt gezwungen.

Die lieber griffe gegenüber einem ungarischen Dampfer stellen sich als geradezu ungeheuerlich heraus.

Nach in Fiume eingeholten authentischen Informationen ist das Ungarische Telegraphische Korrespondenzbureau in der Lage, den Zwischenfall mit dem Dampfer der U n g a r i s ck) - K r o a t i s ch e n D a m p s s ch i f f a h r t - Aktien-Gesellschast,Skodra", in San Giovanni di Medua genau darzustellen. DieSkodra" kam unter dem Kommando des Kapitän Blazch nach San Giovanni di Medua und wollte dort ihre Ladung löschen. Als der Hafenkapitän und der Platzkommandant von dem' Kapitän verlangten, er solle mit seinem Schiss vor den Hafen kommen und dort von den sieben griechischen Schiffen, die mit serbischen Soldaten und Ausrüstung für Kavallerie und Artillerie aus Saloniki eingetroffen waren, die Ladung in den Hasen bringen, weigerte sich der Kapitän Blazch». Den Trohungen und dem Drängen des Hafenkapitäns machte die Ankunft des t ü rkische n K riegsschif - fesHamidije" ein Ende. DieHamidije" begann den Hafen zu bombardieren. Durch dieses Bom­bardement wurden vier griechische Transport­schiffe zum Sinken gebracht und drei Schiffe schwer beschädigt. DieSlodra" war an einem gün­stigen Platz und blieb unbeschädigt. Als die hamidije" vom Horizont verschwand, kam n e uerdings der Ha­fenkapitän und verlangte von dem Kapitän B l a z ch, daß. er mit seiner M a n n schaf t die ins Wasser gefallenen serbischen Soldaten rette. Der Kapitän Blazch verwies darauf, daß die Rettungs­arbeiten sehr gefährlich wären und weigerte sich, dem Verlangen des Hafenkapiläns nachzulommen. Hierauf er­schien der Platzlommandant und erklärte dem Kapitän Blazch, er werde, wenn Blazch der Weisung nicht gehorche, ihn und die ganze Bemannung derSkodra" füsilieren lassen. Gleich daraus'erschien ein mon­tenegrinischer Gendarm aus dem Schiss und zwang den Heizer und den Maschinisten mit vorgehaltenem Revolver, 'das Schift unter Volldampf zu fetzen. Der Kommandant

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Nr. 68 Erstes Blatt 165. Jahrgang Samstag, 22. Marz 1915

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Annahme °ON Anzeigen Rotatioitsirucf un» Verlag »er vrühl'schen Univ.Guch- UN» Lteindruckerei R. Lange. Nedottion, Expedition UN» Druckerei: Schuiftratze r. Land--)E.H-b!"ür den iS »omitta»sn9nu^ Bübingen: Fernsprecher Nr. 269 «eschästrstelle vahnhofftratzc ,6a. Anzeigenteil: H. »°ck.

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