Ausgabe 
30.8.1913 Erstes Blatt
 
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Ht. 205

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Anzeiger Wrrfcen.

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Erster Blatt

Somsfag, 30. August 1915

165. Jahrgang

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

SeschastLftelle Büdingen, vahnhofftrahe 16a.

Anzeigenteil: H. Beck.

für .Stadt und : für den

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Vezngsvrei». monatlich 7LP^viettel- nibdtch Mk. S.S>: durch Abbole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pi.; durch die Post T;L2. viertel- jährt, audschl. Beitellg. Zeilenpreis: lokal IbP«^ ousivarts 20 Biemug. (Fbelrebnfteur: ?1 Doetz. Berantivortlich für den politlschen Teil: August ®ocb ; für .Fenille- Ion*, .PerinischleS* und .Der>cht»saai": N. Neu-

Die heutige Nummer umfatzt 14 Seiten.

Tagcskalender aus dem Jahre 1813.

31. A-n g u ft. Die hessische Brigade seht ihren Rückmarsch nach Görlitz fort.

politische Wochenschau.

(Ziehen, 30. August.

Fast jeder Tag bringt gegenlvärtig Kunde von der Fixier einer Erinnerung an die große Befrriungszcit vor hundert Zähren, und am Donnerstag bat man auch im Haag die niederländische Unabhängigkeit festlich begangrnt, die vor lmndert Jahren das achtzehnjährige französische Joch ab­löste. Es ist für das niederländische Bolksbewußtsein fein geringer Stolz, daß man mit diesem Tage auch die Ein- Weihung des neuen Friedenspalastes begehen konnte, der aus Carnegies finanziellen Gnaden als ein hoffnungsvolles Wahrzeichen in eine neue Zeit hineinragen soll. Die maß­voll e n Bestrebungen der Friedensfreunde kann man mit ganzem Herzen unterstützen. Wäre es nicht zum Beispiel ein dankbares Feld für die Friedensleute, die entsetzlichen Gräuel des Balkankriegcs genau und zuverlässig zu unter­suchen, um dann mit aller Entschiedenheit die Ansprüche der­jenigen Nationalität zurückzuschrauben, die sich der schlimm­sten Frevel schuldig gemacht hat? Eine solche Geltend­machung internationalen Rechtes würde auf dem ganzen gesitteten Erdenrund Befriedigung auslösen. Dann würden die schwindelhaftenNoten"^rgüsse all dieser Staaten, die sich monatelang gegenseitig der Mordbrennerei beschul­digten, zu einem greifbaren Abschluß kommen. Die Schrek- ken der Kriege können gentildert werden, und das Schieds- gerichlsurteil kann auf gar manche Streitfragen aus­gedehnt werden. Wird aber im neuen Friedenspalast einst auch jenes denkwürdige MrüstungSmanifest des Kaisers von 'Rußland aus dem Jahre 1898 verwirklicht werden können? Bor einigen Tageti hat im Haag schon eine ,Vor­feier" stattgefunden, als der 20. Kongreß für den inter­nationalen Weltfrieden dort ferne Tagung abhielt, wobei der Bürgermeister von Delft bei der Festrede am (Grabmal des Juristen und BölkerreckstslebrerS Hugo Grvtius den denkivürdigen Ausspruch tat, daß der ewige Friede eine Utoptt sei. Auch der holländische Minister des Aeußern, van Ewinderen, Präsident des ständigen Sclftedsgcrichts- hofeS, brachte in seiner Rede am Donnerstag zum Aus­druck, daß auch in dem neuen Gebäude der ewige Friede nicht gejebaffen werden, dagegen fruchtbare Arbeit geleistet werden könne. Andrew Carnegie aber hielt daneben eine phantasievolle Rede, in der er das Gegenteil erhofft, näm­lich die Berwirklichung desewigen Friedens" durch die Initiative des deutschen Kaisers, den er alsden hervorragenden Herrscher*' und als Fricdensschirmer feierte. Carnegie sagte wörtlich:

Lassen Sic unS annehmcn, daß der Deutsche Kaiser jetzt die größten zivilisierten Machte cinladek, um über die besten Mittel zu beraten, die den Weltsrieden, dessen sich sein Reich so lange erfreut hat, sichern würden. Ich glaube, das Resultat wäre ein großer Erfolg. Alles scheint so einfach, vielleicht zu leicht. Em kleiner Funke Aünbet oft die Flammen. Der Deutsche Kaiser hält in seiner Harid die Fachst deS Friedens und sollte den fehlenden Funken sich ansctzcn lassen."

Carnegie ging dann sogar so weit, daß er vorschlug, die Friedensfreunde möchten den bekannten amerikanischen Friedensanhänger Andrew D. White zu einer Reise nach Berlin auffordcrn, um beim Kaiserden Funken zu ent­

zünden"? Wir hoffen, daß die Herren so dreist nicht sein werden. Ter Kaiser hat ja übrigens in Breslau deutlich seine Ansicht von der Sache kundgetan: Er hoffe, daß es auch ferner gelingen werde, unter dem Schutzdesmächtigen deutschen Heeres, das einer der Hauptpfeiler des europäischen Friedens sei, diesen Frieden dauernd aufrecht zu erhalten. Wir erinnern uns an das Ver­halten der französischen Weltfriedensfreunde, die sich darüber nicht einig werden konnten, ob vor der Berwirk­lichung des großen Ideals nicht Elsaß-Lothringen an Frank reich zurückgegeben werden müsse. Es hat sich dann heraus- gestellt, daß es auch noch bei andern Völkern unbefriedigte Wünsche gibt (man denke mir an die vor einigen Tagen veröffentlichte Prophezeiung des russischen Botschafters in Rom, der eine neue kriegerische Abrechnung auf dem Balkan für nötig und unvermeidlich hält), und so meint heute selbst ein Blatt wie dieFrankfurter Zeitmig", daß heute noch keine Instanz irgend einer Art imstande sei, den Weltfrieden zu sichern. Wir haben aber trotzdem in Deutschland noch eine ganze Anzahl von Schwärmern, die an das nebelhafte Ideal des Weltfriedens mit festem Glau­ben sich klammern, und der jüngste Protest gegen das Fest­spiel Gerhart Hauptmanns l)at vielleicht seinen gewichtigsten Anlaß darin gehabt, daß dieser deutsche Idealist dem man sein Deutschtum nicht absprechen soll die ganze Moral seines Spiels in einen Sufruf für allgemeine Ab­rüstung und Verwirklichung desewigen" Friedensideals gelegt hat. Nach seiner Ansicht hätte es also nicht genügt, daß das Deutsche Reich für das neue Fried-enshaus ein schmiedeeisernes Schloß mit Schlüssel stiftete, sondern er hätte es gerne gesehen, wennAthene-Teutschland" aller aktiven und Militär-Politik entsagt hätte und in feierlichem Zuge ins Friedenspalais einspaziert wäre, wo die Engländer, Franzosen und Russen vergnügt uns die Tür geöffnet und hinter uns den Schlüssel im schmiedeeisernen Schloß um­gedreht hätten. Nein, in so tendenziöser Weise wollen die Deutschen ihre Jahrhundertfeier doch nicht mitmachen. Ist es nicht bezeichnend, daß am Donnerstag in Breslau, wäh­rend der Kaiser beim Festmahl im Landeshaus war, die Sozialdemokraten im Breslauer Gewerkschaftshause eine Rezitation des Hauptmannschen Festspieles veranstalteten? Auch die Tage von Kelheim und von Posen haben in der vergangenen Woche gezeigt, daß der Kaiser an seinen be­währten friedlichen Absichten sesthalten, will, ohne das Reich die Rüstung ablegen zu lassen. Wenn die deutschen Bundesstaaten gegenüber äußeren Gefahren einig zusam­menstehen wollen, so brauchen sie auch die Macht, sich durch­zufetzen. Daß gerade Deutschland in den letzten sichren viel beneidet und viel gehaßt inmitten einer Welt lauernder Feinde gestanden hat, könnte auch Herr Carnegie wissen? Nicht durch die Friedensschalmei haben wir die Gefahr gebannt, sondern, wie der «eifer sich ausdrückte, durch den Schutz des mächtigen deutschen Heeres."

Präsident Wilson, der Landsmann Carnegies, wie dieser ein Friedensschwärmer und theoretischer Illusionist, hat in der Welt der Tatsachen harte Erfahrungen machen müssen. Tie jetzigen Gewalthaber in Mexiko haben all seine Vorschläge brüsk zurückgewiesen und so dem auf diesen Schlag gänzlich Unvorbereiteten eine wirkliche Blamage bereitet. Im Februar dieses Jahres war bekanntlich Madero ermordet worden, und Huerta sclpvang sich an seiner Statt zum Präsidenten auf. Während er noch innere Kämpfe auszusechten hatte, erkannten die meiften fremden Regie­rungen nacheinander seine Herrschaft an. Präsident Wilson aber tat es nicht. Er ließ vielmehr verlauten, die Vereinig­ten Staaten würden die neue Regierung in Mexiko nur dann anerkennen, wennn sie durch die Volkswahl bestätigt

würde. DaS ist eben die schwache Seite des amerikanischen Präsidenten, daß er zu viel an Theorien krankt. Namentlich von auswärtiger Politik scheint er nicht das mindeste zu verstehen. Als ehemaliger Professor hat er zwar ein dickes BuchDer Staat" geschrieben,Elemente historischer und praktischer Politik", das in diesem Jahre in deutscher Ucber- setzung (Hermann Hillger Verlag, Berlin und Leipzigs auch deutschen Lesern zugänglich gemacht worden ist. Silan »vir finden in diesem dicken Bucin' nicht den Atem eines Staats­mannes. Einige annehmbare liberale Ideen über die Aus­gaben des Staates im Innern, über die Stellung des Staa­tes zur Moral, zur Kirche, Familie, Schule; die vernünftige: Richtschnur, daß man in der Politik niemals dauernde. Werte schaffen könne, wcmi man nicht auf langsame und allmähliche Entwicklung, auf sorgfältige Anpassung und allmähliche Wandlung durch organisches Entstehen fliiuf* sicht nehme. Im übrigen aber formale historische und Philo­sophische Untersuchungen. Die Grundsätze auswärtiger Poli­tik streift, der heutige Präsident in seinem Buche nur mit zwei Sätzen. So ha? er denn auch seine Aufgabe, in Mexiko Ruhe schassen zu helfen, von vornherein falsch angefaßt. Rechtsideen leiteten ihn, statt praktisck)er Blick. Und nun verhöhnt ihn nach der verunglückten Mission Linds der mexikanische (Gewalthaber: mit Rebellen könne eine Re­gierung nicht verhandeln, und auö einer Vollswahl, die Präsident Wilson wünschte, um einenrechtmäßigen" Präsi­denten ans Studer zu bringen, könne nichts werden. Dazu kommt der überaus scharfe, zurückweisende Ton, den Huerta in seinen Antworten gebrauchte, geradezu eine Heraus­forderung zu kriegerischem Einschreiten. Die Sonderbot- schast, die Präsident Wilson inzwischen erlassen hat, zeigt feine ganze Hilflosigkeit. Im Weißen Hause m Washington zeigte man Zustimmung, weil eben im ?lugenblick keinerlei Mittel zur Verfügung stehen, um den Wagen wieder ins Rollen zu bringen. Alle Amerikaner in Mexiko sind durch Wilson aufgefordert worden, das ungastliche Land zu ver­lassen. Ist das der Schutz, den man den amerikanischen Landsleuten angedeihen lassen mußte? In den heutigen neuesten Meldungen heißt es nun zwar, Huerta wolle ein- lenken und über die Vorschläge Wilsons weiter verhandeln. Sicherlich handelt es sich dabei um eine goldene Brücke, die Herr Wilson sich selber baut. Sein staatsmännisches Ansehen aber hat den ersten Stoß erlitten.

Der Kaiser in Breslau.

Breslau, 29. Aug. Die große Parade des VI. Armeekorps auf dem Spandauer Exerzierplatz begann um 91/2 Uhr. Um dies»: Zeit traf der Kaiser auf dem Pa- radsfelde em und stieg zu Pferde, mit ihm der Kronprinz und seine vier anwesenden Brüder, ferner Prinz Friedrich Wil­helm, der König von Sachsen in der Uniform seines Ulanen- Regiments, Prinz Friedrich Christian von Sachsen, Prinz Rupprecht von Bauern, Herzog Ernst Günther von Schles- wig Holstein, der Erbprinz von Sachsen-Meiningen, Fürst zu Fürstenberg, ebenso fliegen zu Pferde die Kronprin­zessin, die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen, beide Da­men in der Uniform ihrer Regimenter. Die Ka if c ri n fuhr in einem sechsspännigen offenen a la Daumont gefahrenen Wiflen. Die Parade wurde befehligt von (General der Infan­terie v. Pritze lwitz.

Nach der Parade hielt der Kaiser eine Besprechung ab und nahm militärische Meldungen entgegen. Hierauf setzte er sich an die Spitze der Feldzeichen und führte diese nach Breslau zurück.

Heute Abend 7 Uhr fand in den Festräumen des Zwin­gers die Paradetafel beim Kaiser und der Kaiserin statt.

(Erinnerungen an Otto Brahm.

Georg Hirschseld, der bekannte Dramatiker, war einer von denen, die dem verstorbenen Otto Brahm am nächsten standen. Hirschseld konnte in einer zwanzigjährigen Freundschaft, die der Tod brach, dem Menschen Otto Brahm auf den Grund schauen. Deshalb kommt persönlichen Er­innerungen, die Hirschseld von Bradm im neuenLitera­rischen Echo" etwas bombastisch erzählt, besonderes Inter­esse zu

Als ein Neunzebn jähriger," schreibt Hirsckield,lernte ich £ttv Brahm kn neu der Erbe böser Lebeusla'ttn. verwirrt, um Jugend betrogen, dennoch von einer Hoden Hoffnung i ich: lassend. Dies mehr als meine ersten dichterischen Versuche iah Otto Brahm in mir. Ale- ich im Sommer 1892 5um ersten Mal­ern seine z-üre kam, an eine schmale Hinterwohnungstür in der Wrlbelmstraße, die er selbst öffnete, war es nur nicht möglich, meiner Sehnsucht Dorre 311 geben. Ich fand das Wunder, daß es auch nicht nötig war Otto Brahm konnte icdes Schweigen Hören, in jedem Ange Wahrheit lesen. Er saß nur mit seiner klugen Miene, deren kalte M i arbeit das Feuer der Güte dämmte, gegenüber. Er fragte wortkarg nach meinen Lebensumständen und Plänen, er schenkte mir mm Abschied sein Ml einbuch. Das feine Spottläckeln, das nur selten sein kränkliches Gesicht ver­lies;, bar nmt von Anfang an nicht irritiert. Er mußte w lächeln, der mit dem unbeftediidjüen Ernst ins Leben sah. Vielleicht führte cs ihn sofort hu mir, daß nntfi der Schein von seinem Sein nicht zunickschreckte. Vielleicht glaubte er an bat Künstler in mir, weil ich mich als Mensch >u ihm fand. Dir verstanden uns. Ick erlebte Ctto Brahms größte, alle seine anderen Gaben über ftraMcnbe Fähigkeit: eines Freimdes Freund zu sein. Richt nur den Heinrich Kleist konnte er uns auf? ei ebnen, sondern auch den Friedrich Schiller. Erst auf »einen späten, Ickten Gedanken bahnen traf ich ihn bei 6k»etbe. irr war ein Idealist. Sem lebendiger 'Daseinsweg gehörte dem ideell Gegenwärtigen: für Ibsen und Hauptmann, für die anderen auch der Freien Bühne stritt er als ein stahlbeioebrter Krieger

Vor dem entwertenden Getriebe des Erfolges aber schützte ihn fein unbeirrbares Wissen iun MemckEichkeit. Er machte sein IunggeseUenbeim ;um Hafen ringender Künstler Erst am Luisen plak. dann am Kronprinzenufer und in den Zelten vereinigte er die Tafelrunden, die -eine Auslese aus Literaturlanden bedeutetem Besonders Brahms Geburtstagsfeiern sahen nur Gäste, die er als Menschen liebte und als Künstler vertrat, solche -@tepf Logen«

hcit war ihm wohl von seinem väterlichen Freunde Theodor Fontane überkommen. Konnte man sie doch zurückrufen, jene wahrhast lebendigen Stunden von Otto Brahms Tafelrunden! Als das Leuchten von den Häuptern der Fontane und Hauptmann kam. Als Schnitzler, Hofmannsthal, Hanleben, Kerr, Brandes, Heimann, Halbe, Dreyer benommen waren, und dann Eulen berg, Schönherr, Hardt und Bahr. Die Menstt>endanleller der Brahmschen Bülmc traf man in seinem Heim als Menscken: Rittner und Else Lehmann, Kainz und Agnes Sorma, den schick falbrtgcnben Reinhardt auch. . .

Am besten lernte man Ctto Brabms Eigenwesen wohl in der Reisekameradschait kennen. Ich harte oft Gelegenheit baut und bewahre das Erlebte in meinem Herzen Dieser stille, blasse, ab- weisende Mann konnte der frischeste Gefährte sein. Im Wandern entfaltete sich sein erfahrener Geist. Im Schauen ließ er sein prachtvolles Verhältnis zur Natur sehen. Brahm war, was man ihm gewiß nickt tu traute, ein guter Bergsteiger In seinem lieben Helgolandes Mecrbezirk bewährte er sick jeden Sommer als vast Hpnierter Segler. So tief fein Mißtrauen gegen bewußteNatur- buntben" war, so tief und ehrlick war auch feine Liebe zu jeder natürlichen Betätigung. Auf unseren Wanderungen wurde der Wortkarge zum lebendigen Erzähler von Menscken und Werken. Ick fab seine Vergangenheit vor mir aufsteigen, als erlebte ick sic gegenwärtig. Seine Tage mit Ibsen und Brabms, Keller und Böcklin, mit Meyer und Vischer sah ich. Slauster, Berns Sckicki'al begriff ich erst durch Brabms Mitteilungen ganz. Cft und gern schweiften wir beide zurück zu denen, die dem Selter en wie dem Jüngeren entrückte Geister waren: zu Kleist und zu Goethe.

Erdrückend wurde mir die weithin schwingende Kunde nie Brahm ließ mir Raum für meine Hoffnung. Wenn ick aber in diesem cuenitcn Bezirk verzagte, rüttelte er muh mit feinem Jüngsten Sooft auf.Willst träumend du im Grase liegen, wer hindert dick, Poet, daran?" UndMut, lieber Sohn verlaß dick dock auf meine Nase. Ich habe dock bekanntlich eine gute Rafe." Demi er das lächelnd sagte, glaubte ich ihm mehr, als wenn sein Trott aus Briefen und Büchern gekommen wäre. Er hob das Leben ins Märchen empor, denn er sprach wie ein wunder­tätiger Zwerg, der einem Kinde Mut gibt."

Eine Ausstellung deutscher Kunst 1650 bis 1800 in Darmstadt. Aus Darmstadt wird uns ge­schrieben: Neben der für den Sommer nächsten Jahres in Tarm- stadl geplanten .Ausstellung für freie und angewandte Staut, die

I von den Mitgliedern der Künstlerkolonic veranstaltet wird, soll auf Veranlassung des Großherzogs im nächsten Jahre auch leine rück schauende Ausstellung deutscher Kunst aus der Zeit von 16501800 im Residenzschloß in die Wege geleitet werden Auf Anregung des Prof. Tr. Biermann haben sich bereits etwa 150 Mitarbeiter aus allen Teilen des Reiches zu einer großen Organisation für diesen Zweck zusammen­gefunden und unter dem Patronat der Prinzen August Wilhelm von Preußen, Rupprecht von Bayern und Johann Georg von Sachsen hat sich jetzt ein Ehrenausschuß gebildet, der die Aus­stellung nach außen stützen und für ihr Gelingen nachhaltig wirken 'oll. Als erster der deutschen Fürsten hat Kaiser Wilhelm i' reichen Kunstschätzen des HohenzollernhauseS Sachen für bie Darmstädter Ausstellung zur Verfügung zu steilen, und die er ft en Galeriedirektoren und Sammler haben ebenfalls die roeitgebeirbftc Unterstützung oerheifen: die Schweiz und Cester- reich werden auf der Ausstellung gleichfalls in beionderen Ab­teilungen vertreten fein.

Eine theaterfreundlicke Stadtverwaltung hat Elberfeld. Nachdem die Stabt das Elberfelder Theater* ire,en in eigene Geschäftsführung und aus dem Theaterbireklor einen Intendanten gemacht hat, nachdem sie weiterhin den Posten eines städtisch subventronietten OperndirektorS geschaffen hat, hegt fetzt, wie uns von bort geschrieben wird, ein Stadtverordneter*. Beschluß vor, wonach die Einrichtung einer neuen Probebühne für das Stadttheater genehmigt worden ist Tie bisherige Probs- bühne im Theaterbau war unzureichend, und eine genügende Sn* zahl von Proben war liamentlich bann nicht zu erzielen, roenn Sckaufpiel unb Over kollidierten. Auch war es unmöglich, des Abends zu proben, weil die Bühne durch die Vorstellung in An­spruch genommen war. Tie neue Probebühne wird in ein in nächster Nähe des Theaters gelegenes Haus verlegt, das zu diesem Zwecke von der Stadtvcrwalmng angemietet wirb.

TieMauern von Aigu es-M ortes in Gefahr? Eines ber imposantesten Geschicytsbcnkmäler von Sübfrankreich ist infolge ber Gedankenlosigkeit, mit der man auch in Frank­reich oft genug die natürlichsten Forderungen des Heimarfchutzes vernachlässigt, ernstlich in Gefahr. Es handelt sich um den bo- rüchmren Meruerring von Aigues-Mottes. Aigues-Mottes, heule ein kleines totes Städtchen in der heißen Provence, das nur noch durch seinen Wemhandel Bedeutung hat unb bas den alten Mauerring nicht einmal mehr ganz ausfüllt, war im Mittelalter ein beocutenber Platz und sogar eine Hafenstadt. Von Aigues-- Mortes hat sich ber Heilige Ludwig nach Palästina zum Streu;* »uge emgeschijft; die Reste des alten Hafens sind noch heute