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Zweites Blatt
163. Jahrgang
Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags.
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Die „Giehener Zamflienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS „Xreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
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Ibaa. IER- ilark.
Donnerstag, 23. Oktober 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schea Universität^ - Buch- und Sremdruckerei.
R. Lange, Gießen.
Skandal auf dem Friedhof.
Ern haarsträubender Vorfall wird der „Post" aus dem
potififdte Tagesschau.
Heber den VorfaN von Lausanne
Mrd den authentischen Sachverha.lt wird von dort geschrieben : 2fn dcc Nacht vvm Sonnabend, den 18., zum Sonntag, den 19. Oktober, ist die Fahne des deutschen Konsulats in Lausanne schwer beschädigt worden, -bie Fahne war am Freitag, den 17. Oktober, nachmittags, znr Erinnerung an die Leipziger Völkerschlacht .ausgehängt worden und sollte bis zum Sonntagabend hängen bleiben. Kurz vor 12 Uhr am Sonntagmittag wurde der deutsche Konsul von zwei deutschen Studenten benachrichtigt, daß die Fahne beschädigt sei. Der Konsul begab sich im Auto zum Konsular und stellte fest, daß die Fahne, die sich über der Tür zum Hauseingang des Konsulats befand, l>erabgelassen nxir, und daß etwa ein Drittel des Fahnentuches abgerissen war und fehlte. Der Konsul suchte sich sofort telephonisch mit dem Präsidenten des Staatsrats in Verbindung zu setzen: dieser war krank, sein Vertreter abwesend, erst dreiviertel Stunden später gelang es, den rangältesten Staatsrat E 0 s s y , Vorsitzenden des waadtländischcn JustizdcpartEents, zu erreichen und ihn von dem Vorfall zu benachrichtigen. Staatsrat Cossy begab sich bereits um 2 Uhr in die Wohnung des deutschen Konsuls und drückte ihm offiziell im Namen der Regierung sein lebhaftes Bedauern über den Vorfall aus. Die vom Konsul energisch verlangte Untersuchung wurde trotz des Sonntags sofort eingeleitet; um 4 Uhr fanden die ersten Vernehmungen statt. Bei dem zielbewußten Auftreten des deutschen Konsuls und dem Eifer der waadtländischcn Regierung, die Untersuchung zu fördern, dürfte die Aufklärung des sehr zu bedauernden Falles zu erhoffen sein.
Nirche und Schule.
Kirchlich- positive Vortragstagung in Gießen.
Gießen, 21. Okt. Am heutigen Vormittag fand zunächst um 81/2 Uhr eine Sitzung des Vorstandes und um 91/2 Uhr eine geschlossene Versammlung der Mitglieder der kirchlich-positiven Vereinigung für Hessen statt. Nach einem Gebet von Herrn Pfarrer Lic. Dr. Dieckmann erstattete der Vorsitzende den Jahresbericht, aus dem hervorzuheben rst, daß die Zahl der Mitglieder 576 beträgt. Der verstorbenen Mitglieder wurde in üblicher Weise ehrend gedacht: auch für
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition uni) Verlag:
Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzergerGießen,
Heer und Flotte.
Weitere neue Truppenübungsplätze. Die Erweiterung des deutschen Heeres macht die Errickftung weiterer Uebungs- plätze, namentlich für die Korps, die bisher ohne Plätze find, notwendig. Nachdem kürzlich für das 2. und 17. Korps in West- Preußen ein neuer großer Platz angekauft ist, werden zweiter Verhandlungen geführt über den Ankauf von Gelände für das 16. und 21. Korps im Westen und für die Erwetterung bestehender Uebungsplätzc, die durchschnittlich nur 4000 bis 4500 Hektar groß sind, in Zukunft aber allmählich um das Doppelte vergrößert werden sollen. Die Mittel aus dem Verkaufe des L.empel- hofer Feldes dienen in erster Linie dazu, die neuen Uebungsplätze zu schaffen, aus diesen Mitteln limrbe auch der Ankauf des neuen Uebungsplatzes für die Garde bei Zossen bestritten.
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finden ihn zuscrmmengebrochen. Am 17. Februar gegen Mitternacht sttrbt er. Und dann beginnt auch Dates zu wanken. Er leidet entsetzlich an erfrorenen Füßen und schleppt sich mit letzter Kraft vorwärts. Acht Tage lang kämpft er sich, von den Freunden aufgemuntert, durch. Am 10. März .trägt Scott in das Tagebuch ein: „Wir haben noch Nahrung für neben Tage,und sollten ungefähr 45 geographische Meilen vom Lager entfernt sein 6 mal 7 ist 42. Wir sind dreizehn Meilen zurück, sogar wenn die Ereignisse nicht schlimmer werden. Ich zweifle, ob wir es machen werden." ,
Der Wind setzt mit unerhörter Wucht ein. Das Thermometer fallt bis auf 43° und das Tagebuch verzeichnet: „Wir müssen es durchkämpfen bis zum letzten Bisguit." Am 16 Marz bricht Oates zusammen. Scott schreibt unterm 17.: „Er war eine brave Seele. Dies war das Ende. Er schlief die Nacht, tn der Hoffnung, nicht mehr zu erwachen. Aber am Morgen wachte er auf. Es wehte ein entsetzlicher Blizzard. Dann sagte er: „Ich gehe auf einige Zeit hinaus." Dann ging er in den Schneesturm hinein und wir haben ihn nie mehr gesehen.
Die drei Ueberlebenden, Scott, Bowers und Wilson leiden alle an erfronenen Gliedern und Schneeblindheit, aber sie wanken nicht und klagen nicht. Ein unerhört starker Schneesttirm, bei dem es absolut unmöglich ist, vorwärts zu kommen, hält sie zurück. Uiid dann kam auch für sie das Ende. Am 29. März schreibt Scott Mit fester, sicherer Hand seinen letzten Willen und seinen Aufruf an das Volk nieder. Darauf legen sie sich tn ihre Schlafsäcke, unt zu sterben.
— Mommsen und Napoleon III. Von einigen interessanten, bisher unbekanitten Briesen Mommsens machte Prof. Maurice Besnier in der letzten Sitzung der Pariser Akademie der Inschriften Mitteilung. Im Jahre 1864 hatte Mommsen der Akademie der Inschriften mftgeteilt, er wolle ihr seine Ausgabe des „Testament des Augustus" widmen, als Ausdruck seiner Dankbarkeit für die Hilfeleistungen, die ihm tue Mmron Georges Perrot hatte zuteil werden lassen. Der Gelehrte Leon^) Renier gab ihm daraufhin den Rat, die Arbeit doch liebei_ dem Kaiser Napoleon III. zu dedizieren. Doch der große Hmo- riker lehnte diesen Vorschlag, wie cms den neuen Brugm ^ vorgeht, rundweg ab. „Ich habe^ IKrreb-"' Serine 2Ö‘ zahlreiche Vorreden verfaßt, aber ich habe noch nie emc W mung an einen Herrscher "As^ÄA^^widmet.
Werk wurde daraufhin der Akademie der Inschriften gewidmet.
Elsaß gemeldet:
Die konsessi. nelle Hetze des Jungklertls in Lothringen hat, wie erst jetzt bekannt wird, am Sonntag, dem 12. Oktober, wieder zu einem Friedhofsauftritt gefüllt, der ein häßliches Seitenstück zu dem bekannten Fall von Fameck bildet, der seinerzeit dem Deutschen Kaiser Veranlassung gab. dem Bischof Benzler in Metz eine ernsthafte Rüge wegen des Verleitens der katholischen Geistlichkeit zu erteilen. Am Sonntag sollte ein pensionierter Beamter, Vorstand des K r i e g e r v e r e i n s für die Gemeinden Goin und Markt; im Landkreis Metz, in Goin beerdigt werden. Der Verstorbene hatte vor mehreren Jahren für den .Kriegeiverein eine Musikkapelle ausgebildet, die den Namen St. Marttn führt und in deutschem Sinne geleitet wurde. Tas war dem Pfarrer von Goin ein Dorn im Auge und er gründete ebenfalls eine Kapelle, die den Namen „La Ehoral" erhielt.
Die zwischen der deutschen und her französisch dirigierten Kapelle im Laufe der Jahre ausgefock;tenen Kämpfe erhielten nun den häßlichsten Abschluß am Grabe des Beamten, der an einem schweren Nervenleiden gelitten hatte und, wie man sagte, freiwillig aus dem Leben geschieden war. Am Sonntag tollte die Beerdigung stattfinden. Der Bürgermeister von Goin hatte dem Totengräber die Grabstelle bezeichnet inmitten der übrigen Gräber Der Pfarrer sttäubte sich dagegen und wollte dem Verhaßten nur einen Platz an der Kir ch Hofs ma 11 er cm- räumen. Zwischen dem Totengräber, der den Befehl des Bürgermeisters anssührte, und dem Abgesandten des Pfarrers kam es zu einem heftigen Auftritt auf dem Kirchhof. Der Streit wurde schließlich auf den Dorsttaßen fortgesetzt, wobei beide Parteien sich heftig befehdeten, so daß die Gendarmerie auf Ersuchen des Bürgermeisters cinschreitcn mutzte. Als die Beerdigung vor sich ging, erschienen die Mitglieder des vom Pfarrer geleiteten Musikvereins „La Choral" und voll- sührten mit ihren Instrumente n vor dem Kir ch- hvf einen wahren Höllenlärm. Erst das Eintreffen der Gendarmerie machte dem Austtitt ein Ende.
Ter Fall wird die bischöflichen Behörden noch be- schäftiqen. Man darf gespannt fein, ob Bischof Benzler diesmal eine andere Stellung als im Fall Fameck einnehmen
heftigen Wind und einer Temperatur von 22° ist es ein besonders schleckster Tag. Es ist, wie Scott schreibt: „diese eigenartige, feuchte Kälte in der Luft, die einem das Mark in den Knochen erfchauern macht . . ." Sie folgen den norwegischen Spuren und kommen nach ungefähr 3 Meilen zu zwei kleinen Eishngeln. Am folgenden Tage unternehmen sie wissenschaftliche Beobachtungen und bestimmen, daß sie immer noch drei und eine halbe Meile vom Pole entfernt sind. Eine Merle weiter entdecken sie ein Zelt, auf dem die norwegische Flagge weht. In dem Zelt finden sie die Namen der fünf Norweger: Amundsen, Biaaland, Haussen, Wisting und Hassel, die am 16. Dezember 1911 den Pol erreicht hatten. Mehrere Gegenstände find in dem Zelt, das nur von einem einzigen Bambusstab gehalten wird, zuruckgelaften. Es scheint, als ob das Wetter damals wärmer gewesen ist. Auch eine Notiz von Amundsen an Scott liegt dabei, der ihn bittet, emert Brief an König Haakon zu befördern. Am Pol selbst errichten sie einen Eishügel, in den sie die englische Flagge stecken und photographieren sich. Zwei Tage blieben sie am Pol mit ernsten wissenschaftlichen Untersuchungen beschäftigt. Am 19. -Januar geht es zurück. Ein neuer, fürchterlicher Kampf beginnt, der Kamps mit den eigenen Spuren. Sie müssen ihnen folgen, wenn sie die einzelnen 'Nahrungsdepots, die sie unterwegs angelegt haben, erreichen wollen. Tie Witterung ist zunächst erträglich. Ter 'Wind weht im Rücken und gelegentlich tritt sogar die Sonne hervor. Tann aber setzt das Unwetter schreckhaft em. Der Kampf gegen die Elemente muß mit Aufbietung aller Kräfte gefichrt werden. Mehrmals haben sie die Spuren verloren und werden zu Umwegen gezwungen. Ter Hunger wächst und mit ihm die entsetzliche Ängst. Aber immer finden Bowers scharfe Augen sich zurecht und retten die kleine Kolonne. Anfangs Februar beginnt der Rückmarsch über den schwierigen Gletscher. Er dauert 11 Tage. Trotz der schwierigen Bedingungen und der drohenden Nahrungssorge wird noch ein Tag auf dem Gletscher zugebracht mit geologischen Studien. So wird unter anderem ein Kvhlenflötz gefunden. Der 11. Februar wird als „der schlechteste Tag, den wir aus unserer bisherigen Reise gehabt haben", verzeichnet. Tee und Bisgufts müssen genau berechnet und auf das Minimum beschränkt werden. Das Schrecklichste aber ist, daß einer der Gefährten, Evans, zusammenbricht. Er, der kräftigste und tapferste von allen, ist bei dem Marsch über den Gletscher zweimal in Gletscherspalten gefallen und hat dabei eine innerliche Erschütterung erlitten. Er muß langsamer gehen und verschleppt so das Tempo der Anderen. Dann bleibt er plötzlich zurück. Aks er nach einiger Zett nicht wiederkehrt, suchen sie ihn auf und
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Heere und Flotten aller Staaten der Erde (herausgegeben von Oberleutnant Rottmamsi Preis 2 Mk., Verlag von Zuckschwerdt u. Co., Berlin-Steglitz, Schloß-Straße 41, ist soeben im 12. Jahrgang 1913 erschienen. — Das beliebte kleine Werk ist in seiner neuesten Ausgabe wieder einer grunt^ liehen Durcharbeitung unterzogen worden. Die Angaben sind bei einzelnen Staaten von Grund aus umgearbeitet, die Gliederung ist nach einhettlichen Gesichtspunkten streng durchgeführt worden, so daß eine schnelle Orientierung über die verschiedensten Fragen ermöglicht ist. Unter „Deutschland" sind die auf Grund der neuen Wehrvorlage am 1. 10. 1913 eintretenden Veränderungen in der Organisation des Heeres berücksichtigt, ebenso unter „Frankreich" und „Oesterreich" die in der Durchführung befindlichen bezw. bevorstehenden Neuerungen und Vermehrungen. Das Buch bringt eine leichtverständliche, umfassende, aber doch räumlich beschränlle Zusammenstellung sämtlick>er Wehrmittel der einzelnen Staaten. Es enthält insbesondere Angaben über Größe und Einwohnerzahl, Wehrverhältnisse, Gliederung und Stärke des Heeres im Krieg und Frieden, Bewaffnung, ferner über Anzahl, Tonnengehalt und Alter der Schifte, sowie über Flottengliederung und Flottenbau- pläne der Großstaaten.
Programm ifit U tag. den 21., Mi! den 22., Tonntr: den 23. und Arden 21. Cftoitri
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Vie Landessynode bedeutet der Tod zweier treuer Mitglieder, Justizrat Lucius-Mainz und Dekan und Oberpfarrer Schmidt-Schlitz einen wohl unersetzlichen Verlust. Nachdem dem Rechner Entlastung erteilt und ihm der Dank für seine Mühewaltung ausgesprochen worden war, trat man in eine längere Besprechung über den Jahresbericht ein, die sich zu folgender einstimmig angenommenen Entschließung verdichtete:
„Mit lebhaftem Bedauern hat die Jalnesversammlung der kirchlich positiven Bereinigung davon Kenntnis genommen, daß wieder ein hessischer Pfarrersohn, der sich für das Predigerseminar meldete, abgewiesen worden ist, weil er das Examen nicht in Gießen gemacht hat. Wir verlangen, daß eine Aenderung des betr. Paragraphen der Dienstpragmatik hcrbei- geführt und der Examenszwang aufgehoben wird. Wir verstehen nicht, daß man dem Gewissen der jungen Theologen mcht Freiheit gewährt, daß man in solchen Fällen nicht, wie frühen, Ausnahmen macht. Wir wisseii uns .eins mit den Positiven der Landessynode, welche über solchen Zwang ernste Klage geführt haben. Wir finden eine solche Abweisunfi heftfick-er 2Wogen um so auffallender, als man fremde Theologen aufnimint untl intime Gegenwart Mangel an jungen Theologen Fonttatiert ist. werden in dieser Sache nicht nachlassen und immer wieder dies-
zu beteiligen. Bei Ansprackien und Hochrufen bleiben die Sozialdemokraten sitzen. Zum ersten Male wird dies am 20. November im Reichstage geschehe.
Statistik der Schiffsunfälle.
Aus den Nachweisungen über die im Jahre 1912 gemeldeten Schiffsunfälle wird ersichtlich, daß an der deutschen Küste, mit Einschluß der von Seeschiffen befahrenen Binnengewässer, 576 Schiffe mit 194 330 Mttoregiftertonnen (davon 263 Dampfer mit 162188 Reg.-Tonnen) Unfälle erlitten haben, darunter 438 deutsche Schiffe und Fahrzeuge mit 113 524 Reg.-Tonnen (187 Dampfer mit 89 067 Reg - Tonnen). Außerhalb der deutschen Küstengewässer ereigneten sich ferner die Unfälle von 308 deutschen Schiffen mit 353 767 Reg.-Tonnen (238 Dampfer mit 313 716 Reg - Tonnen). Insgesamt sind demnach 746 deutsche Schiffe mit 467 291 Reg.-Tonnen (425 Dampfer mit 402 783 Reg.-Tonnen) als von Unfällen betroffen gemeldet worden.
Gänzlich verloren gingen nach den für das Jahr 1912 vorliegenden Meldungen 83 deutsche Schiffe mit 29 671 Reg.-Tonnen (20 Dampfer mit 22680 Reg.-Tonnen).
Ums Leben kamen bei den Schiffsunfällen deutscher Schiffe aller Art auf See und in Binnengewässern 193 Menschen (183 Mann der Besatzung und 10 Reisende), davon an der deutschen Küste selbst unter Einschluß der von Seeschiffen befahrenen Binnengewässer 36 Menschen (27 Mann der Besatzung und 9 Reisende); von diesen befanden sich auf deutschen Schiffen 35 Menschen (26 Mann der Besatzung und 9 Reisende).
«mieten h 9«ten Oeu Statten.
ldei«us.
Neuer aus Kapitän Scotts Polartagebuche.
Unter den schwierigsten Bedingungen, vorn Blizzard umtobt Und von den scharfen Eiskrusten wie mit Messern geschnitten, bringen Scott und feine vier tapferen Begleiter unaufhaltsam vorwärts dem Pole zu.
Die körperliche Verfassung ist verhältnismäßig gut. Dr. Wilson leidet zwar an Schneeblindheit, und Evans hat Uch bei der Reparatur eines Schlittens eine Wunde an der iöanb beige* bracht die nicht zuheilen will. Aber der Wille pt^ungebrochen und der Mut vorzüglich. Am 7. Januar schreibt Scott in sein fVAAoftitrfi • Fch hoffe, es wird keme weiteren Schwierigkeiten mehr machen Unsn Vorräte reichen völlig aus. Welches G ück M u7s daß wir uns so reichlich versehen haben Wir find n der Tat eine ausgezeichnet ausgerüstete Expedition Am folgenden Tage wird der Rekord Shackletons gedruck. 92ur noch 85 Meilen vom Pole! Durchschnittlich werden 12 Stunden marschiert was bei dem schweren Gewicht des Schlittens, den ne nach sich ziehen, eine überaus tüchtige Leistung ist, vor der man ün?« gMrJft haben muß. Der' munterste von allen ist der kleine
Wert d-n öumor nicht und ist stets bereit den anderen zu helfen. Mitte Januar wird das Wetter etwas bester. Sonne tritt hervor. Wind und Kalte laßen etwas nach. Am U Januar lynchtet das Tagebuch: Nur noch 2 c Meilen vom Pol entfernt und Vorräte für neun Tage^ Wir werden es macken können'" Sie machten es - aber nicht, wie fie fmf ten Fhre Flagge war nicht die erste, die am Pole flattette Am Morgen des 16 nachdem sie bereits zwei ^6ind/n marschiert find, entdecken die scharfen Augen Bowers einen Geaenstand iit der Ferne, den er noch nicht recht beftmunen ann Sn r aber für einX Stcinhügel hält. Eine besondere Un- lann, oen aoer 1 . a $ ^te Anderen rauher
sMer entdeckt er iogar einen schweren beweglichenPunkt über dem Sügel und jetzt sehen ne auch Ms Spuren: SfflittengefaK, Shmuirn und
ne£n «nen qans deutlich Hundes-ihrten. Das tonnen nur bic SxSLJr rtPhScn fein Sie sind ihnen zuvorgekommen. Scott ZMch seift'die ttLtlosen Zeilen: Es ist eine (ö* Snttäutoung. Ich bin traung, namentlid) ntetner tapferen .Gefährten wegen.
Trotz dieser Entdeckung beschlossen sie dock noch weiter vorzudringen und den Pol aufzusuchen. Am 17. Januar schlagen Ire N 69. Lager in der Nähe des Poles aus. Bei einem nberauA
Dir; g-cf
-- A^Dliibe
Giehener Nmetzrr
General-Anzeiger für Oberhessen
bezügliche Anträge stellen."
Tie öffentliche Versammln ng begann mit einer Andacht, die von Herrn Konsistorialrat B a l tz e r - Frankfurt gehalten wurde. Nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden hielt Herr Konsistorialrat Professor D. Bruch? Häuser-Marburg seinen Vortrag über die Fruge: Gibt es einen vollkommeneren Glauben als den christlichen Glauben? Tie Verneinung dieser Frage könnte dem Laien ohne weiteres als selbstverständlich erscheinen, die Zuversichtlich-' Feit unserer Missionare wäre vorbei, falls sie die Mogfich-t Feit annehmen könnten,'daß es vielleicht einen vollkommene-' ren Glauben als den christlichen geben könne. Darum sagen wir: Es gibt keinen Glauben, der etwa über den christfichen Glauben hinauswachsen könnte. Die Fragestellung selbster- Flärt der Vortragende als hervorgegangen aus dem Entwicklungsdogma in seiner optimistischen Form, sowie aus dem vergleichenden Studium der verschiedenen Religionen, bei denen sich gewiß auch einzelne wertvolle Tinge finden. Man kann sagen: Bis heute ist eine vollkommenere Religion als die christliche tatsächlich nicht gefilnden worden. Hier; handelt es sich für uns um den Glauben. Er wird definiert als „ein ganzes Vertrauen auf den in Jesus Christus uns offenbarten und in ihm gnädigen Gott." Dieses ganze: Vertrauen auf Gott fordert die Persönlichkeit, die ihrer selbst bewußt und ihrer selbst mächtig ist. Fällt der Glaube an diesen persönlichen Gott, dann gibt es überhaupt Feinen Glauben mehr. Mit der Tatsache des Vertrauens auf Gott ist seine ganze Allmacht gegeben. Er muß der Welt gegenüber ganz selbständig sein, sonst können wir ihm nicht ganz, vertrauen. Gott muß auch ganz Herr der Geschichte sein. Wäre er es nicht, so wäre das Vertrauen auf ihn an deg Wurzel geschädigt. Daraus geht die Gewißheit hervor, daß dieser unser Gott ganz Liebe ist; dem allein können wir ganz vertrauen. In all diesen Beziehungen ist eine Steigerung, ein Ueberbieten unmöglich. Was wir von Gott wissen/ der Glaube an seine ganze Persönlichkeit, die ganz allmächtig, ganz selbständig, ganz Liebe ist, der kann nicht überboten werden. Dieselbe Unmöglichkeit ergibt sich aus der Betrachtung des Menschen, sein gaiizes Vertrauen schließt jedes Selbstvertrauen aus und schließt die völlige Abhängigkeit von Gott ein. Auch hier ist eine Steigerung unmöglich. Der Mensch, der mit wahrem Wirklichkeitssinii das Wider- göttliche der Sünde bei sich erkannt hat, findet erfahrungsgemäß allein Hilfe in Jesus Christus. Auch darin ist kein Ueberbieten denkbar. An Paulus als Christen und Christus selbst wurde dann das Einzigartige des Christenglaubens aufgezeigt und daraus die Unmöglichkeit einer Bejahung der Hauptfrage gefolgert: Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat!
Wohlverdienter Beifall lohnte dem Vortragenden; in der Besprechung wurden einzelne Punkte des Referats noch unterstrichen. Nach dem gemeinsamen Mittagessen begcmn um i/24 Uhr die letzte Versammlung, die ebenfalls gut be-
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Eine neue Praxis der Sozialdemokraten.
Die Sozialdemokraten werden, so schreibt man uns aus Ber - lin ihre Praxis bei Kundgebung en für den Kaiser mit dem Beginn der neuen parlamentarischen Saison ändern. Die Angelegenlzeit wttd in der sozialdemokratischen Reichstagsfiaktion beim Wiederzusammentritt des Reichstags zur Erörterung kommen Die neue Praxis verpflichtet jedes Mitglied, aud) bei solchen Kundgebungen anwesend zu sein, sich aber nicht an ihnen
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