Ausgabe 
29.8.1913 Zweites Blatt
 
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** Ernennung. Der Großherzog fyrt den Ober­rechn ungsprobolor Karl Daub zu DarnrsLadt zum Ober- rechnungsrevrsor bei der zweiten Abteilung der Justifikatur der Oberrechnungskammer ernannt.

Kreis Alsfeld.

Im. Alsfeld. 28. Aug. Seit der Zustellung der Gemeindesteuerzettel ist hier die unbegründete Ansicht verbreitet, die Stadtverwaltung sei schuld daran, daß einzelne Steuerzahler, namentlich Gewerbetreibende, jetzt mehr Steuer bezahlen müßten als die vorhergehenden Jahre, ja man unterstellt dem Stadtvorstand mit fernem Bürgermeister, e§ werde unverantwortlich mit dem Stadtsäckel gew'.rtschastet. ES sei, um Klarheit in dieser Meinung zu schaffen, darauf hingewiesen, daß die Stadt im diesjährigen Voranschlag genau dasselbe Umlagekapital wie im vorjährigen Voranschlag vor- gesehen hat. Die Erhöhungen sind lediglich auf die Wirkung des neuen Gemeindeumlagengesetzes zurückzuführen, welches für die steuerliche Veranlagung ganz neue Grundlagen auf­gestellt hat. Dies gilt namentlich für die Gewerbesteuer mit den Ertragszuschlägen, die oft sehr einschneidend wirken. Gut abgeschnitten hat dagegen im neuen Gemeindeumlagengefetz die Landwirtschaft.

Kreis Lauterbach.

4- Ilbeshausen, 28. Aug. Nach einer Mitteilung des 18. Armeekorps wird der Stab des Generalkommandos in Stärke von 2 Generalen, 10 Offizieren, 7 Unteroffizieren, 43 Mann, 31 Pferden und 3 Kraftwagen vom 16. zum 17. September d. J§. hier und dem nahegelegenen Hoch­waldhausen einquartiert. Danach ist zu schließen, daß sich die am 17. September stattfindenden Korpsmanöver gegen einen markierten Feind ganz in der Nähe abspielem

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 28. Aug. Im seitherigen «rlten Bahnhof bleibt noch bis Ende dieses Jahres die Güter­abfertigung. Im Empfangs Gebäude sind über 100 Arbeiter beschäftigt, um dasselbe für eine Kaserne umzübauen. Ebenso wird daneben eine Baracke errichtet. Das Gebäude ist schon mit einer Einfriedigung versehen. Auf An­regung der Stadtbehörde wird die Eisenbahnbehörde dem Projekt einer Unterführung näher treten, um die Barbara- Vorstand mit der eigentlichen Stadt in Verbindung zu bringen.

§ Bad-Nauheim, 28. Aug. Daß die Post nicht nur sehr findig ist, wie ja die Mitteilung über »Die Linden­wirtin" in der gestrigen Nummer des Gieß. Anz. zur Ge­nüge beweist, sondern sich auch eine außerordentliche Mühe bei der Aufsuchung von Adressen gibt, das zeigt ein Fall, der sich hier ereignet hat. Von außerhalb wurde eine Karte nach Bad-Nauheim geschickt, auf der alles stenographiert war; auch die Adresse war in stenographischer Schrift ab­gefaßt. Am Ort- der Aufgabe wurde nun die Adresse teil­weise übertragen, indem Bad-Nauheim als Wohnort des Adressaten entziffert wurde. Nun blieben hier noch Namen und Straße auf der Adresse zu deuten. Dieser Mühe unter­zog sich das hiesige Postamt. Da zufällig kein Beamter an­wesend war, der das System Stolze-Schrey lesen konnte, ging ein Postbote in der Stadt auf die Suche nach einer der Stenographie kundigen Privatperson. So konnte die Adresse bald genau festgestellt werden.

Starkenburg und Rheinhessen.

bs. D a r m st a d t, 28. Aua. Die heutige Stadtverord­neten sihung brachte den Stadtvätern ein ziemlich umfang­reiches Material. Die Beschaffung von 25 neuen Straßenbahn­wagen durch die Heag, die.mit der Stadt bekanntlich in engster Verbindung steht, bedingt die Errichtung einer Unterstandshalle für diese Wagen. Die Stadtverwaltung hat hierzu das Gelände in 'der Luisenstraße 12, nahe dem HotelZur Traube", vor­geschlagen. Dagegen sprach aber u. a. besonders der Stadtv. Sani- tätsrat |Tr. Nöllner. Man müsse auf den Besitzer des Hotels un­bedingt Rücksicht nehmen, der sein Haus mit einem großen Kostenaufwand'erst habe neu Herrichten lassen. Durch den durch eine solche Wagenhalle zu erwartenden Lärm würde dem Hotelier ein schwerer Schaden erwachsen. Der Oberbürgermeister Dr. Glässing widersprach dem. Ein Widerstand gegen die Errichtung einer solchen Halle würde sich überall zeigen. Man dürfe nicht immer nach Ruhe streben. Aus einer stillen Stadt müsse man zu einer Verkehrsstadt kommen. Der Verkehr sei ihm, lieber wie die Ruhe. Zu einer endgültigen Abstimmung in dieser Sache kam es nicht, sie erfolgte nur unter Vorbehalt. Ein Gesuch des Reichs­ausschusses für olympische Spiele um einen Jahresbeitrag lehnte die Stadt ab. Erst wolle man die Entwickelung des Ber­liner Stadions abwarten. Zur Regelung der Gehaltsver­hältnisse der Haushaltungslehrerinnen an der hauswirtschast- lichen Fortbildungsschule wurde ein Betrag von 630 Mk. be­willigt. Das Gesuch der freireligiösen Gemeinde um Erhöhung des «städtischen Beitrages für den freireligiösen Unter­richt wurde dahin erledigt, daß die Stadt statt wie bisher 250 Mk. 500 Mk. jährlich zahlen will. Dann beschäftigte sich die Versammlung eingehend mit der Frage des städtischen Zuschusses zu den Kosten der H o f m u s i k. Bisher war ein Zuschuß von 20 000 Mk. aus unbestimmte Zeit bewilligt worden. Aus Antrag der (Leitung des Hoftheaters wurde vvrgeschlagen, diesen Zuschuß zu einem ständigen zu machen. Nach längerer Aussprache wurde die Bewilligung beschlossen.

h. Neu-Isenburg, 28. Ang. Bürgermeister Pons h<rt der Gemeinde eine Springbrunnen-Anlage zum Geschenk gemacht. Die künstlerisch schöne Gruppe bildet den Anfang einer großzügig geplanten Promenadenanlage im neuen Stadtteil.

wandern und Reisen, Söder.

Rund um Gießen.

W e i l b u r gR unkel.

Wir fahren mit dem Eilzuge 12.08 nach Weilburg, benutzen zunächst die roten Striche nach Odersbach. Hier itofj.cn wir auf die schwarzen Keile, die uns in 2 Stunden vielfach durch Wald nach Schadeck bringen. Die Burg Schadeck, die baulich wenig Be­merkenswertes bietet, wurde 1260 von Heinrich I. von Wester - fburg gegen Runkel errichtet. Jetzt befinden sich in ihr ver­schiedene öffentliche Anstalten. Die Besteigung lohnt wegen des Blickes auf Runkel. Am Eingänge des Ortes hat man einen weiten Blick auf den Westerwald, Taunus und die .Lahn- und Rheinberge. Von Schadeck tvenden wir uns nach Runkel mit seiner herrlichen Ruine, die ungefähr aus dem Jahre 1100 stammt. Ein Turm ist besteigbar (Schlüssel beim Rentmeister). Weiter lohnt die Besichtigung des Ahnensaals mit etwa 80 Oel- bildern Runkel scher Grafen und deren Verwandten. Bon dem Terrasfengärtck^n genießen wir einen schönen Blick lalmaufivärts auf das Denkmal Konrads I. In dem Keller des Schlosses liegt derRunkeler Rote", der am rechten Lahnufer gebaut wird. Die Berge gehören dem Fürsten von Wied-Nemvied. Diesem Hause entstammt die Schriftstellerin Carmen Sylvia Zu der Wanderung brauchen wir 2y2 bis 3 Stunden. Ein lohnender Abstecher führt nach dem s'i Stunden entfernten Steeten. Der Ort ist durch seine Kalkbrüche und Knochenhöhlen bekannt. Der Inhalt der Höhlen aus der Diluvialzeit befindet sich, fotveit er gehoben ist, im Wiesbadener Museum.

Fricktzvf e nWeilb urg.

Wir fahren mit dem O-Zug 6.13 nach Limburg. Nach kurzer Besichtigung von Stadt und Dom fahren wir weiter nach Frick­hofen. Bon nun an folgen wir bim blauen Krenzen, die pns zunächst nach der Domburg führen. Die Dornburg ist einer der interessantesten Punkte des Westerwalds. «Die größte Merkwürdig­keit ist das ewi ge Eis. In Iber Nähe der Wirtschaft befinben sich 2 Stollen, in denen sich Sommer wie Winter natürliches Eis bildet. (Näheres Heyn, Westerwaldführer). Den blauen Zeichen folgend, kommen wir weiter nach Waldmannshaufen.mit schönem Schlößchen, nach Ellar mit einer Ruine, durch mehrere Orte nach Obersbach. Bon hier können wir auf mehreren Wegen nach dem 3/< Stunden entfernten Weilburg gelangen. Der Marsch, der abwechselnd durch Wald und Feld geht, dauert 5 Stunden.

Beide Wege sind zu einer l^tägigen Wanderung zu. ver- bsiiden, indem man von Runkel abends nach Limburg fährt und dort übernachtet. Aus nähere Einzelheiten dieser tzochinter- effanten Wandenmg einzugehen, fehlt es hier an Raum. Es sei auf Heyn, Westerwaldführer, Verlag H. Schnabelius, Ma­rienberg, Westerwald (2.50 Mk.) verwiesen.

Nidda Hoher odskopf Schotten.

Wir fahren morgens nach Nidda (Sonntagskarte) und betreten dann eine Wanderung, die fast durchweg durch Wald auf den Hoherodskopf führt. Sie ist mit roten Strichen bezeichnet. Zu­nächst gelangen wir nach dem Dörfchen Michelnau, wo uns der Wald aufnimmt. Etwa iy2 Stunden hinter Nidda liegt auf unserem Weg der 340 Meter hohe Breuenstein. Nach weiteren 3A Stunden gelangen wir zu dem Hof Zwiefalten. Hier erbaute im Jahre 1730 Landgraf Ernst Ludwig ein Jagdschloß. Ein später unternommener Versuch, hier ein Dorf einzulegen, miß­lang jedoch. Der Gasthof ist gut bewirtschaftet. Außerdem werden wir durch eine umfassende Aussicht auf den hohen Vogelsberg, Gießener Gegend, Wetterau und Taunus belohnt, wir folgen den Zeichen weiter und überschreiten die Straße von Schotten nach Gedern. Nach längerem Marsche in einsamem Walde kommen wir nach Bilstein, einer Basaltgruppe gegenüber dem Hoherods- kopf. Von Bilstein müssen wir nochmals ins Tal und bestei­gen den Hoberodskopf von der Südseite her. Zum Abstieg nach Schotten wählen wir die blauen Striche, die uns über Busenborn zum Altenburgskopf, einer romantischen Felspartie, fuhrt. Auf dem Plateau befindet sich ein guterhaltener, vorgeschichtlicher Ringwall. Weiter führt uns der Weg übers Lehrerheim nach Schotten. Zu der Wanderung brauchen wir 6 bis 7 Stunden.

Gieße n!D vrla rW etzlar.

Wir begeben uns über Heuchelheim nach Atzbach, wo wir auf rote Punkte stoßen, die vom Gleiberg nach Wetzlar siihren. In Atzbach finden wir das alte Amtshaus, in dem sich jetzt eine Zigarrenfabrik befindet. Nach ihm ^wurde 1772 Goethe Von Lotte geschickt, um der Frau Rentmeisterin eine Aprikose zu bringen. Wir folgen nun den Zeichen und kommen zu dem Dorfe Dorlar, wo wir noch alte Befestigungsanlagen finden. Hier wendet sich die Straße scharf links und überschreitet die Lahn und Bahn. Das nächste Dorf Garbenheim ist durch Goethe bekannt (Wahlheimi. Nach dem Brande von 1866 hat es jedoch sein altes Aussehen gänzlich verloren. Wir verlassen jetzt die Zeichen und wenden uns nach der Garbenheimer Warte, einem alten Wartturm, der jetzt zuM Bismarckturm ausgebaut ist. Bon hier hat man eine prächtige Aussicht. Nach Wetzlar gelangen wir in einer Viertelstunde. Zu dem ganzen Weg, der nicht durch Wald fuhrt, brauchen wir 3 Stunden.

Bieber Bubenrod Dicke Eiche Wetzl,ar.

Von Bieber führen uns rote Striche durch das mühlenreiche Biebertal nach der Obermühle. Hier wenden wir uns links und folgen denselben Strichen durch Wald nach Bubenrod, einem be­wirtschafteten Hof. Dieselben Zeichen führen uns nach der dicken Eiche, einem mächtigen Eichbaum. Hier werden öfter Gottesdienste hn Freien abgehalten. Den Zeichen weiter folgend gelangen wir über Naunheim nach Wetzlar. Der !Anfang der Wanderung führt etwa 2 Stunden durch Wald. Die ganze Wanderung beansprucht 3Vs Stunden.

Badf-Nauheim Cr ansb erg KaNersburg Ob er--Rosbach.

(Rund um den Winterftein.)

Diese Wanderung gehört zu den lohnendsten 2lusflügen, die man im Wintersteingebiet unternehmen kann. Sie läßt sich, da sie größtenteils durch Wald geht, in fünf Stunden als bequeme Tagestour tzu jeder Jahreszeit gut ausführen. Wir gehen vorn Bahnhofe Bad-Nauheim zunächst durch die Anlagen oder die Stadt zum Johannisberg, der uns bei klarem Wetter eine weite Fernsicht ermöglicht und einen besonders guten orientierenden Ueberblick auf Wetterau und Vogelsberg gestattet, während einer weiteren Umschau ins Taunusgebirge das benachbarte Winterstein­massiv hinderlich im Wege steht. Nach dem Rundblick vom Turm des Johannisberges und nach der Besichtigung des alten römischen Wachtturmes folgen wir den roten Strichen, die uns über das Plateau der Hasselheck auf gut gepflegter Straße nach dem Forst- Hause Winter st ein bringen, wo sich mit einer Rast im freundlichen Försterhaufe vielleicht noch ein kurzer Abstecher nach dem Gipfel des Wintersteines, der abseits der vorgesehenen Wan­derstrecke liegt, verbinden läßt. Oben ist die Besteigung des vom TaunusklubWetterau" errichteten Aussichtsgerüstes zu empfehlen. Beim Weitermarsche vom Forsthause geleiten uns dann blaue Punkte an der Kaiser grübe vorüber, ein außer Betrieb ge­setztes Blei- und Silberbergwerk, dessen Wohnhaus jetzt Frank­furter Jagdpächtern zeitweise als Aufenthalt dient. An der Grube verlassen wir die Ufinger Straße, der wir seither gefolgt sind, und überschreiten nun bald die hessische Grenze, um nach dem in einem schönen Tütchen gelegenen preußischen Orte Friedri chs- t a l zu gelangen, der mit dem nahen Cransberg eine Gemeinde bildet. Den letztgenannten Ort erreichen wir auf etwas steilen Feldwegen, indem wir von Friedrichstal aus die blauen Punkte weiter beibehalten. Nach etwa 20 Minuten bietet sich uns von der Höhe eins der malerischsten und überraschendsten Bilder des ganzen Taunusgebirges: Tief unten im Wiesbachtale liegt ab­geschieden vom Getriebe der Welt Cransberg, überragt von dem dem Freiherrn von Biegeleben gehörenden Schlosse, das auf den Fundamenten einer mittelalterlichen Burg aufgebaut ist. Wir werden den selten schönen Anblick, der jedem Naturfreunde un­vergeßlich bleiben wird, länger auf uns wirken lassen und steigen dann hinab ins Dors, über das ein ewiger Sonntagsfrieden jene eigentümliche Ruhe und Stille ausbreitet, wie sie besonders den Alpendörfern nachgerühmt wird. Von Cransberg aus dienen uns dann grüne Striche als Wegweiser: sie führen uns das Wiesbach- tal auswärts nach Pfaffenwiesbach, von wo uns rote Drei­ecke wieder an die Grenze bringen und dann weiter nach dem Pfahlgraben und der K a p e r s b u r g geleiten, dem größten Römerkastelle auf hessischem Boden, das Professor Helmke in Friedberg im Auftrage des Hessischen Staates in seinen Grund­mauern nach und nach freilegen und so vor dem Untergänge be­wahren wird. Tie bis jetzt erfolgten Ausgrabungen und die natur» parkartige Landschaft laden den Wanderer zu längerem Ver­weilen an der historischen Stätte ein. Ein neu errichtetes Block­haus, in dem am Mittwoch, Samstag und Sonntag auch Er­frischungen verabreicht werden, bietet bei schlechtem Wetter Schutz und Unterkunft. Schwarze Dreiecke zeigen uns bann den Weg über den östlichen Kamm des Taunusgebirges nach dem Wald­schlößchen, einer am Bergeshang gelegenen Restauration, von bereit Terrasse man einen schönen Blick auf bie fruchtbaren Felder der Wetterau und besonders zur Blütezeit auf die nahen Rosbacher Obstanlagen genießt. Ein steiler Pfad führt von hier in wenigen Minuten durch den Kirschberg, der Rosbach berühmt gemacht hat/ nach Obev-Rosbach, wo gute Gasthäuser, die vor allem wegen der Verabreichung eines vorzüglichen ?lpfelweins von Frankfurt, Fried­berg und Bad-Nauheim viel ausgesucht werden, eine Rast ermög­lichen. Da gute Zugverbindungen vorhanden sind, läßt sich nach­mittags oder abends die Heimfahrt über Friedberg rasch bewerk­stelligen. Der rüftige Wanderer, dem weitere zwei knappe Stunden nicht zu anstrengend werden, geht vielleicht Noch zu Fuß am Gebirgsrande entlang über den Löwenhof nach dem Ausgangs­punkte Bad-Nauheick. Dieser Weg, der zur Linken immer Wald

zur Rechten bie reichen Rosbacher iirtb Ockstädter Obstanlageck hat, ist leicht zu finden und vor allem auch seiner prächtigen! Blicke auf Friedberg und Bad-Nauheim wegen sehr zu empfehlen.

Hattdek und Verkehr, DolFswirt§cbaft.

Die Kleinhandelpreise für Kaffee.

Aus Gießener 'Detaillistenkreisen toirb uns gtsichrieben:

Der Artikel in der gestrigen Nummer Ihres geschätzten Blattes mit der UeberftfjriftWarum sinken bie Kleinhandelspreise für Kaffee nicht", entspricht wenigstens soweit derselbe den Klein­handel am hiesigen Platze betrifft nicht den Tatsachen. Wir sehen uns baßer veranlaßt, darauf zu erwidern, daß seit dem cingetreterten Preisrückgang in jedem Kolonialwarengeschäft ein reinschmeckender gebrannter Kaffee für 1,30 Mk. bis 1,40 Mk. geliefert wird, welcher vorher nicht unter 1,50 Mk. bis 1,60 M. per Pfund verkauft werden konnte. Es bedeutet dies also einen Abschlag von 20 Psg. per Pfund auch ilm Detailhandel. Ebenso werden die besseren .Sorten jetzt auch entsprechend billiger ver­kauft bepv. in besseren Qualitäten wie früher geliefert. Gerade der Kleinhändler der Nahrungsmittelbranche befindet sich ange­sichts der erdrückenden Konkurrenz derzeit in einer recht üblen Lage und ist gezwungen, sich mit dem bescheidensten Nutzen zu begnügen, wenn er sein Geschäft lebensfähig erhalten will; der gemachte Borwurf trifft ihn daher durchaus ungerecht.

*

D i e neue Eisenbahnhochbrücke bei Rendsburg,, die für 12 Millionen Mark über den Kaiser-Wilhelm-Kanal ge­führt worden ist, wird im September eingeweiht und vom 1. Ok­tober ab in Betrieb genommen werden. Die Eisenbahnen wurden bisher bei Rendsburg mittels Drehbrücken über den Kanal ge­leitet und zwar in Uferhöhe. Die neue Eisenbahnbrücke überbrückt den Kanal in 40 Meter Höhe, sie stört die Schiffahrt in feiner; Weise. Da bie Lanbschaft sehr flach ist, mußten für die Züge große Ansahrrampen gebaut werden ähnlich wie bei Levensau. Die Linien HamburgFlensburg und KielHufum werden da­durch um etwa 5 Kilometer länger, die Fahrpreise dementspre­chend teurer. Die neue Brücke ist 500 Mieter lang, also nur 80 Meter kürzer als die berühmte Göltzschtalbrücke in Sachsen, die allerdings doppelt so hoch als die Rendsburger Brücke ist. Ms Kanalbrücke ist sie aber die längste der Welt.

Märkte.

X Grünberg, 28.Aug. Unserem heutigen Lndwigsmarkt blieb das feirherige schöne Sommerwetter treu, ein Umstand, der diesmal die Käufer wegen der im Gange befindlichen Getreide- und Grmnmelernte sernhielt. Ter Viehmarkt zeigte eine un- gewöynlich starke Auffahrt an Jungschweinen. Der Marktplatz reichte nicht aus, um diese alle zu fassen, sie mußten noch jenseits der Straße untergebracht werden. Lei solch starkem Angebot und schwacher Nachfrage stockte der Handel und viele Verkäufer mußten unbefragt wieder abziehen. Man bezahlte für das Paar Ferkel geringer Sorte 50-55 Mk., mittlerer 5560 Mk., bester 606570 Mk. Auch der Nindviehmarkt hatte gute Auf­fahrt bei hohen Preisen und flottem Handel.

ch. Bingen, 28. Aug. Der hier abgehaltene Viehmarkt war weniger gut als sonst befahren. Zugetrieben waren insgesamt nur 200 Tiere. Bei starker Nachfrage waren die Preise fest und hoch. Der Markt war in kurzer Zeit geräumt. Bezahlt wurden für das Paar erstklassige Fahrochsen 11801300 Mk., geringere 1030115u Mk., für das Stück Fahrkühe 1. Sorte 480-520 Mk., 2. Sorte 370-450 Mk., frischmelkende Kühe mit Kalb 480-570 Mk., desgleichen ohne Kalb 400490 Mk., trächtige Kühe und Rinder 380450 Mk., halbjährige Rinder 120140 Mk., jährige 150 bis 190 Mk., ältere Rinder 320420 Mk. Ferner erbrachte Schlacht­vieh im Zentner Schlachtgewicht: Fette gemästete Ochsen 100 bis 105 Mk., fleischige weniger gemästete 96100 Mk., geringere 9095 Mk., fette gemästete Rinder 98102 Mk., fleischige weniger gemästete 9295 All., geringere 8487 Mk., fette gemästete Kühe 94100 Mk., fleischige weniger gemästete 9093 Mk., Mastkälber 110115 Mk., Mastkälber geringeren Schlachtwertes 100108 Mk., fette Kälber 9699 Mk., fette Schweine 8285 Mk., fleischige 76 bis 79 Mk. Ter nächste Markt wird am Donnerstag, den 4. Sep­tember abgehalten.

fc. Wiesbaden, 28. Aug. Heu- und Stroh markt. Angefahren waren 35 Wagen mit Heu und Stroh. Man notierte: Heu, altes, 0.000.00 Mk., n e u es 5,00-6,40 Mk. Stroh (Richtstroh) 4,000,00 Mk., Krummstroh 2,80-4,00 Mk. Fruchtmarkt. Hafer neuer 16,0000,00 Mk. Alles je 100 Kilo.

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

fc. Frankfurt a. M. D iehhos-Markt bericht vom 28. Aug. Auftrieb: Rinder 114, darunter Ochsen 25, Bullen 1, Kühe und Färsen 88, Kälber 702, Schafe 143, Schweine 1522.

Tendenz: Kälber gedrückt, Schafe lebhaft, geräumt, Schweine gedrückt, Ueberftanb. Preis für 100 Psd,

Lebend- Schlacht­gewicht

Kälber. Mk. Mk.

Feinste Mastkälber .... 68-70 113-117

Mittlere Mast- und beste Saugkälber. . . . 6265 105112

Geringere Mast- und gute Saugkälber . . . 5660 95102

Schafe.

Stallmastschase:

Mastlämmer und jüngere Masthammel . . . 4546 9496

Aeltere Masthammel, gut genährte junge Schafe

und geringere Mastlämmer ..... 38-42 9091

Schweine.

Vollfleischige Schweine von 80-100 kg

Lebendgewicht 62.0064.00 80.0082.00

Vollfleischige Schweine unter 80 kg

Ledendgewlcht . 63.0064.00 79.0081.00

Vollfleischige Schweine von 100120 kg

Lebendgewicht 63.0065.00 80.0082.00

Vollfleischige Schweine von 120150 kg

Lebendgewicht 63.0065.00 79.0081.00

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Meteorologische Beobachtungen der Station Sieben.

Aug.

1913

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Lust

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Wind­richtung

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®rab btt Bewölkung in Zehntel der stchtb. Himmels fl.

Wetter

28.

2

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23,9

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28.

9

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15,5

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+ 24,1 ' C.

Niedrigste

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+ 11,14 C.

Niederschlag: 0,0 mm.

Verantwortlich für den gesamten redaktionellen Teil: Aug. Goetz.

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